{"id":10894,"date":"2026-06-06T22:20:19","date_gmt":"2026-06-06T21:20:19","guid":{"rendered":"https:\/\/buechertanz.de\/?page_id=10894"},"modified":"2026-06-07T16:02:43","modified_gmt":"2026-06-07T15:02:43","slug":"ulrich-land","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/buechertanz.de\/?page_id=10894","title":{"rendered":"Ulrich Land"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap has-small-font-size\">Hallo zusammen,<br><br><br>hier habe ich etwas ganz Besonderes f\u00fcr euch. Nachdem mich sein Roman <strong><em><a href=\"https:\/\/buechertanz.de\/?p=10799\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eDie Leiden der jungen Weiber \u2013 Das Goethe-Komplott\u201c<\/a><\/em><\/strong> nach anf\u00e4nglicher Skepsis so richtig in den Bann gezogen und absolut begeistert hat, durfte ich dem Autor hinter dem Werk ein paar Fragen stellen.<br><strong>Ulrich Land<\/strong> ist nicht nur ein meisterhafter Romancier, der die Literaturgeschichte gerne mal elegant auf den Kopf stellt, sondern auch ein extrem vielseitiger Geist: Er hat fast 200 H\u00f6rspiele und Radiofeatures verfasst und gibt sein Wissen als Dozent f\u00fcr Kreatives Schreiben weiter.<br>Ich freue mich riesig, dass ich Ulrich f\u00fcr dieses Interview duzen durfte. Wir haben \u00fcber die ausweglosen Intrigen seiner weiblichen Hauptfiguren gesprochen, \u00fcber den Unterschied zwischen Schreiben f\u00fcrs Auge und f\u00fcrs Ohr und dar\u00fcber, was einen guten historischen Roman ausmacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Viel Spa\u00df beim Lesen, eure<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"404\" src=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Unterschrift-1024x404.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7473\" style=\"width:196px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Unterschrift-1024x404.jpg 1024w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Unterschrift-300x118.jpg 300w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Unterschrift-768x303.jpg 768w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Unterschrift.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">P.S.: Das Copyright des verwendeten Fotos liegt ausschlie\u00dflich bei Ulrich Land, das Copyright der Cover bei den jeweiligen Verlagen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">_ _ _ <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-small-font-size\">Zuerst einmal die Biografie, Bibliografie und die Homepage von Ulrich Land:<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-decoration:underline\">Biografie:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-vertically-aligned-center\" style=\"grid-template-columns:42% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"628\" height=\"785\" src=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Bibliographie-Ulrich-Land_komp.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10904 size-full\" srcset=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Bibliographie-Ulrich-Land_komp.jpg 628w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Bibliographie-Ulrich-Land_komp-240x300.jpg 240w\" sizes=\"auto, (max-width: 628px) 100vw, 628px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-small-font-size\">Ulrich Land,<br>geboren 1956 in K\u00f6ln. Freier Autor seit 1987. Lebt und schreibt in Freiburg. Romane: u.a. &#8222;<em>Und die Titanic f\u00e4hrt doch<\/em>&#8222;, &#8222;<em>Messerwetzen im Team Shakespeare<\/em>&#8222;, &#8222;<em>H\u00f6lderlins Filmriss<\/em>&#8222;, &#8222;<em>Die Leiden der jungen Weiber \u2013 Das Goethe-Komplott<\/em>&#8220; und zuletzt &#8222;<em>Lieber reich leben als arm sterben \u2013 Ein Else-Lasker-Sch\u00fcler-Krimi<\/em>&#8220; (M\u00fcnster, 2025). Dar\u00fcber hinaus Lyrik, Prosa, Essays, \u00fcber 150 H\u00f6rspiele und Radiofeatures. Herausgeber von Anthologien und von Literaturzeitschriften. Dozent f\u00fcr &#8222;creative writing&#8220; an verschiedenen Universit\u00e4ten. Mehrere Auszeichnungen: u.a. K\u00f6lner Medienpreis, Ruhrgebietsjournalistenpreis, Medienethik-Award METIS 2021; mehrfach H\u00f6rspiel-Stipendien der Filmstiftung NRW und des nordrhein-westf\u00e4lischen Kulturministeriums. Lotet mit Vorliebe skurrile Krisen und Katastrophen aus, S\u00fcchte und Sehns\u00fcchte, Tod und Teufel. (Quelle: Ulrich Land)<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p style=\"font-size:16px;text-decoration:underline\">Homepage:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"https:\/\/www.ulrichland.de\/homeland\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.ulrichland.de\/homeland<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">_ _ _ <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-small-font-size\">Kommen wir nun zum Interview:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\" style=\"text-decoration:underline\"><br>Der Roman <em>\u201eDie Leiden der jungen Weiber\u201c<\/em>:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-small-font-size\"><strong>Ulrich, in deinem Roman \u201eDie Leiden der jungen Weiber\u201c drehst du die Literaturgeschichte radikal um: Goethe als Erfindung von sieben Frauen. Wie kamst du auf diese provokante und faszinierende Grundidee?<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Hat mich immer schon ge\u00e4rgert, wie in fr\u00fcheren Zeiten Frauen im Literaturbetrieb auf die blo\u00dfe Konsumentinnenrolle festgelegt waren, oder besser: wurden \u2013 von den &#8222;Herren der Sch\u00f6pfung&#8220;. Schon als Germanistik-Student hat mich dieses v\u00f6llig verr\u00fcckte (im eigentlichen Wortsinn) Missverh\u00e4ltnis gewurmt. Nach allen Regeln der Kunst. Und dem wollte ich endlich mal nach allen Regeln der Kunst etwas entgegensetzen. Und wer k\u00e4me da gelegener als ein gewisser Herr Goethe. Wobei es mir nicht darum ging, ihn vom Sockel zu schubsen, seine gro\u00dfartigen Schreibk\u00fcnste in Frage zu stellen, und schon gar nicht um einen Meuchelmord am Idol der deutschen Literatur. \u00dcberhaupt nicht. Ich wollte lediglich auch die weniger salonf\u00e4higen Seiten des Altmeisters aufblitzen lassen. Quasi der Vollst\u00e4ndigkeit halber.<\/em><br><br><em>\u00dcbrigens: Auch heute noch liegt der Anteil weiblicher Schriftstellerinnen hierzulande bei 30 bis 40 %, obwohl Belletristik bekannterma\u00dfen mehrheitlich von Frauen gelesen wird (vgl. Deutschlandfunk, 21.10.2021).<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text has-media-on-the-right is-vertically-aligned-center\" style=\"grid-template-columns:auto 21%\"><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-small-font-size\">2. <strong>Die Stimmung im Buch wandelt sich sp\u00fcrbar von einem am\u00fcsanten Spiel zu einer bedr\u00fcckenden, psychologischen Ausweglosigkeit. War dieser d\u00fcstere Verlauf von Anfang an so geplant oder hat sich die Dynamik beim Schreiben verselbstst\u00e4ndigt?<\/strong><br><br><em>Nee, aller Anfang war blo\u00df diese bekloppte Idee. Und als die in meinem Kopf rumspukte, hab ich hin- und her\u00fcberlegt, wie das denn funktionieren und worauf es hinauslaufen k\u00f6nnte. Schlie\u00dflich hat es Goethe ja gegeben, er hat geniale Werke geschrieben, er ist \u00f6ffentlich aufgetreten und hat etliche Frauen im &#8222;Vorbeigehn&#8220; verletzt \u2013 am heftigsten seine sp\u00e4tere Ehefrau Christiane Vulpius. Und aus diesem wirren Konvolut wollte ich unbedingt ein Romankonzept bauen. Dass die Erfolge dieses ihres S\u00fcndenbocks die Frauen irgendwann in Stressteufelsk\u00fcche bringen, in die Fallen des Ruhms treiben w\u00fcrden, dass also ihre gedeihliche Schim\u00e4re, ihr Trugbild ihnen irgendwann die H\u00f6lle hei\u00df machen w\u00fcrde, das wurde mir tats\u00e4chlich erst beim Schreiben klar. Erst recht nat\u00fcrlich das Finale des Romans.<\/em><\/p>\n<\/div><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"614\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/39-Die-Leiden-der-jungen-Weiber-Das-Goethe-Komplott-614x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10792 size-full\" srcset=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/39-Die-Leiden-der-jungen-Weiber-Das-Goethe-Komplott-614x1024.jpeg 614w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/39-Die-Leiden-der-jungen-Weiber-Das-Goethe-Komplott-180x300.jpeg 180w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/39-Die-Leiden-der-jungen-Weiber-Das-Goethe-Komplott.jpeg 720w\" sizes=\"auto, (max-width: 614px) 100vw, 614px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">3. <strong>Dein Schreibstil im Buch kombiniert elegant die gehobene Sprache der Weimarer Klassik mit bewussten, modernen Ausrei\u00dfern. Wie balancierst du als Autor diese beiden Welten, ohne dass es k\u00fcnstlich wirkt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Wei\u00df ich auch nicht. Hat sicher damit zu tun, dass ich immer schon gern die klassische <\/em><strong>und<\/strong><em> die zeitgen\u00f6ssische Literatur gelesen hab. Und ich glaube, wenn man Goethes &#8222;Wilhelm Meister&#8220; oder seinen &#8222;Werther&#8220; liest \u2013 das geht nicht spurlos an einem vor\u00fcber. Da bleiben sprachliche Wendungen und Satzbauten, eine bestimmte Art von Sprachspiel und Wortwitz h\u00e4ngen. Au\u00dferdem hatten wir in unserer Abi-Klasse seinerzeit die Marotte entwickelt, schn\u00f6rkeliges Starkdeutsch zu pflegen und bei passenden, gern auch bei unpassenden Gelegenheiten zum Einsatz zu bringen. Irgendwas davon scheint sich auf einer meiner tiefliegenden Festplatten eingraviert zu haben und dr\u00e4ngt aufs Papier. Ein Mix also aus spontanem Tintenfluss, flugs flutschenden Bildschirmzeilen und unerbittlichem Rumgefeile. Umso mehr freue ich mich, dass mir die meisten Leser*innen das offenbar nicht als Masche \u00fcbelnehmen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\" style=\"text-decoration:underline\"><br>Werk &amp; Arbeitsweise:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-small-font-size\"><strong>Du verkn\u00fcpfst in deinen B\u00fcchern oft reale historische Pers\u00f6nlichkeiten mit fiktiven Elementen. Wie viel Recherche steckt in einem solchen Buch und ab welchem Punkt l\u00e4sst du der Fiktion freien Lauf?<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Auch das ist ein Mix. Nat\u00fcrlich muss ich, wenn ich mir ehedem real existierende Pers\u00f6nlichkeiten vorkn\u00f6pfe, m\u00f6glichst viel \u00fcber diese wissen. Muss in ihren Biographien rumst\u00f6bern. Schon, um Schwachpunkte ausfindig zu machen, und erst recht, um nicht unbewusst irgendwelche Fehler festzuschreiben. Und mit dem Ausspinnen und Ausfabulieren kommt dann ein pfiffiger Spa\u00dffaktor dazu. Aber es ist eben keine uferlose Fiktion, keine blo\u00dfe Fantasy. Und ich bin froh um diese Einhegung meiner Gedankenwirbel, bin dankbar daf\u00fcr, dass ich mich an einer konkreten Figur und ihrer Biographie festhalten kann. Und wenn ich beim Schreiben dann besagte Figur und ihre Geschichte, schwupps, auf den Kopf stellen oder ihr zumindest Seiten abgewinnen kann, die vielleicht nicht allseits bekannt sind \u2013 na, umso besser!<\/em><\/p>\n\n\n\n<ol start=\"2\" class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-small-font-size\"><strong>Neben deinen Romanen hast du fast 200 H\u00f6rspiele und Radiofeatures verfasst. Wie unterscheidet sich der Schreibprozess f\u00fcr das Ohr (H\u00f6rspiel) vom Schreibprozess f\u00fcr das Auge (Roman)?<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Das &#8222;durchw\u00e4chst&#8220; sich gegenseitig. Beim Schreiben f\u00fcrs Radio hat man mit einem \u00e4hnlich reduzierten Medium zu tun wie beim Buch: Die Rezipientin, der Leser, die H\u00f6rerin, sie m\u00fcssen den Film ja selbst ans Laufen bringen, auf der Leinwand ihrer Stirninnenseite. Sowohl im Radio, wo man nur das Wort und den Sound zur Verf\u00fcgung hat, als auch im Roman, wo zwischen den Buchdeckeln ja nur Worte stecken. Beides eben deshalb ausgesprochen emanzipative Medien. Eine fantastische Erg\u00e4nzung zu den oft geschm\u00e4hten und noch \u00f6fter konsumierten digitalen Bilderfluten. Wenn nicht ein Gegenpol. Beides Medien, die angesichts von KI und IT im R\u00fcckzug begriffen sind, und wo es umso wichtiger ist, dass es sie trotz und alledem und nach wie vor gibt. Dass sich die Radio- und die Romanschreibe gegenseitig beeinflussen, davon bin ich allerdings \u00fcberzeugt \u2013 wie sich unschwer an der Vielzahl von Dialogen in meinen Romanen und an der (hoffentlich) spielerischen Sprache in meinen Radiosendungen ablesen l\u00e4sst. Am meisten hab ich sicherlich beim H\u00f6rspielschreiben gelernt, wo man im Affenzahn des vorbeiziehenden Moments ein H\u00f6rerlebnis inszenieren, ein Setting aufbauen, eine Geschichte erz\u00e4hlen muss. Wo&#8217;s, weil derart rappzapp von jetzt auf gleich, genau zugehn muss.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-vertically-aligned-center\" style=\"grid-template-columns:31% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"655\" height=\"983\" src=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Portraet5-ULand_SantiagoFanego_komp.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10905 size-full\" srcset=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Portraet5-ULand_SantiagoFanego_komp.jpg 655w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Portraet5-ULand_SantiagoFanego_komp-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 655px) 100vw, 655px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-small-font-size\">3. <strong>Du unterrichtest auch Kreatives Schreiben (Creative Writing). Welchen zentralen Rat gibst du deinen Sch\u00fclern immer mit auf den Weg, den du vielleicht selbst gern zu Beginn deiner Karriere geh\u00f6rt h\u00e4ttest?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Weiterzuschreiben. Unbedingt weiterzuschreiben. Mutig zu sein, beim Schreiben Wagnisse einzugehen. Der Sprache gut zuzuh\u00f6ren. Und sich nicht damit zufrieden zu geben, was man da zu h\u00f6ren bekommt. Mit Ledernackenhartn\u00e4ckigkeit an den Festen des (vermeintlich) Festen zu r\u00fctteln. Und sich bei all der Schreiberei trotzdem nicht \u00fcber die Realit\u00e4t hinwegzusetzen, nicht zwei Zentimeter \u00fcberm Erdboden zu schweben, sondern entlang der Wirklichkeit zu erfinden. Mit anderen Worten: unbedingt auch mal &#8217;ne Currywurst an der Bude zu kauen. Ein Sprachspiel zu entwickeln, das verdammt ernst nimmt, wie das Leben so spielt. Zu schreiben, indem man den anderen Currywurstkauerinnen und -kauern zuh\u00f6rt.<\/em><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p style=\"font-size:11px\">Foto: Privat<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-decoration:underline\"><br>Das Leben als Schriftsteller:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-small-font-size\"><strong>K\u00f6ln ist deine Geburtsstadt, heute lebst und arbeitest du im badischen Freiburg. Inwiefern pr\u00e4gen die Orte, an denen du lebst, deine Geschichten und deine Kreativit\u00e4t?<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Mein erstes Studienfach war Geographie, und die liegt mir nach wie vor sehr am Herzen. Nicht aus Studi-Nostalgie, sondern weil ich felsenfest davon \u00fcberzeugt bin, dass die ding- und handfeste Natur- und Soziallandschaft, dass der historisch gewachsene Raum f\u00fcr die Gedankenwelt lebenslang wirksame Pr\u00e4gestempel darstellen. Meine Lebensstationen (K\u00f6ln, Sauerland, Berlin, Wuppertal, Ruhrpottrand und jetzt der Freiburger Stadtrand) haben mich immer fasziniert und ge\u00e4rgert, aufgeregt und angeregt, haben mich (hoffentlich) aufmerksam gemacht. Am wohlsten habe ich mich immer dann gef\u00fchlt, wenn ich irgendwo an der Grenze zwischen Stadt und Land leben konnte. Gern richtig im Gr\u00fcnen und gern m\u00f6glichst schnell in der Stadt. Der Geograph w\u00fcrde sagen: im Saum zwischen naturnahem und gesellschaftlich \u00fcberpr\u00e4gtem Raum. Zwischen den St\u00fchlen. Und genau dort befindet man sich in Freiburg: zwischen Schwarzwald und Hauptbahnhof. Und genau dort, zwischen den St\u00fchlen eben, l\u00e4sst sich trefflich schreiben, denn es ist hinreichend ungem\u00fctlich und der Hintern nicht auf Federn gebettet. Der Raumsaum ist und bleibt eine Herausforderung. Also bitte, als los!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>2. Wenn du auf deine bisherige Laufbahn zur\u00fcckblickst: Gibt es einen Moment, einen Preis oder eine R\u00fcckmeldung zu einem deiner Werke, die dir bis heute ganz besonders viel bedeuten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Der allererste meiner Preise war sicher der f\u00fcr mich nachhaltigste: der schon damals ziemlich unbedeutende, l\u00e4ngst nicht mehr ausgelobte Wuppertaler Literaturpreis, den ich mit einer abgedrehten Geschichte eingeheimst hab. Wobei der Preis selbst in einem Kolbenf\u00fcller bestand, mit dem ich heute noch am allerliebsten schreibe und der seit 40 Jahren ohne Mucken seine Tinte auf mein Papier flie\u00dfen l\u00e4sst. Und dann war es der K\u00f6lner Medienpreis, der auch eine jahrzehntelange Fernwirkung hinterlassen hat. Den hab ich durch ein Radioportr\u00e4t des K\u00f6lner Hauptbahnhofs abgestaubt, und ich hab ihn mir von Anne Will \u00fcberreichen lassen. Zu der mein Vater auf der anschlie\u00dfenden Stehparty sagte, hach, wenn man sie im Fernsehn sehn w\u00fcrd&#8216;, da h\u00e4tte sie immer so &#8217;n strenge Frisur, hier aber, so live, w\u00fcrd&#8216; man ihr, wat sch\u00f6n, dat K\u00f6lner M\u00e4dschen noch so richtisch ansehn!<\/em><br><br><em>Ich w\u00e4re am liebsten im Boden versunken. Ging aber nicht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:18px;text-decoration:underline\">Der Blick in die Zukunft &amp; Vergangenheit:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-small-font-size\"><strong>Mit deinen Romanen reist du oft weit in die Vergangenheit. Gibt es eine historische Epoche oder eine Pers\u00f6nlichkeit, \u00fcber die du unbedingt noch ein Buch schreiben m\u00f6chtest?<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Jede Menge. Als n\u00e4chstes kommt Bertolt Brecht dran, den ich am Schluchsee \u00fcber sein ausuferndes Liebesleben stolpern lasse: In einer jungen T\u00e4nzerin findet er seine Meisterin. (Schluchsee \u2013 da haben wir sie wieder: die r\u00e4umliche Pr\u00e4gung.) Und dann m\u00f6chte ich unbedingt irgendwann mal aufschreiben, wie Ingeborg Bachmann auf Hildegard von Bingen trifft und sich trefflich mit ihr streitet. Und vielleicht auch vervollst\u00e4ndigt Annette von Droste-H\u00fclshoff das turbulente Trio oder eine erfundene Schriftstellerin unserer Tage oder ein Killer. Mal sehen \u2026<\/em><\/p>\n\n\n\n<ol start=\"2\" class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-small-font-size\"><strong>Welche drei B\u00fccher (egal ob Klassiker oder Neuerscheinungen) haben dein eigenes Leben oder dein Schreiben am st\u00e4rksten gepr\u00e4gt?<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Johann Wolfgang von Goethe: &#8222;Die Leiden des jungen Werther&#8220;<\/em><br><em>Thomas Mann: &#8222;Der Zauberberg&#8220;<\/em><br><em>Lina Schwenk: &#8222;Blinde Geister&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>Herzlichen Dank f\u00fcr diese spannenden Antworten.<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"font-size:16px\">_ _ _ <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo zusammen, hier habe ich etwas ganz Besonderes f\u00fcr euch. Nachdem mich sein Roman \u201eDie Leiden der jungen Weiber \u2013 Das Goethe-Komplott\u201c nach anf\u00e4nglicher Skepsis so richtig in den Bann gezogen und absolut begeistert hat, durfte ich dem Autor hinter dem Werk ein paar Fragen stellen.Ulrich Land ist nicht nur ein meisterhafter Romancier, der die &hellip; <a href=\"https:\/\/buechertanz.de\/?page_id=10894\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Ulrich Land<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-10894","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/buechertanz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/10894","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/buechertanz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/buechertanz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buechertanz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buechertanz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10894"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/buechertanz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/10894\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10913,"href":"https:\/\/buechertanz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/10894\/revisions\/10913"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/buechertanz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10894"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}