{"id":5407,"date":"2023-07-06T18:17:10","date_gmt":"2023-07-06T17:17:10","guid":{"rendered":"https:\/\/buechertanz.de\/?page_id=5407"},"modified":"2023-07-06T18:17:10","modified_gmt":"2023-07-06T17:17:10","slug":"silke-elzner","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/buechertanz.de\/?page_id=5407","title":{"rendered":"Silke Elzner"},"content":{"rendered":"\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Zur Autorin<\/strong>:<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap has-small-font-size\">Silke Elzner wurde in Dortmund geboren, wo sie f\u00fcr die Sch\u00fclerzeitung Kurzgeschichten und Gedichte schrieb. Nach dem Linguistik-, Literatur- und Anglistikstudium zog sie nach Sydney, Australien und arbeitete dort im Online-Tourismus. Die Sehnsucht nach Burgen und Kopfsteinpflastergassen lie\u00df sie jedoch nicht los. Nach 13 Jahren kehrte sie \u00fcber Spanien nach Deutschland zur\u00fcck und lebt heute als Autorin und literarische \u00dcbersetzerin in Berlin. In ihrer Freizeit n\u00f6tigt sie gerne ihren Mann dazu, mit ihr die Landschaften, Schl\u00f6sser und historischen D\u00f6rfer Brandenburgs zu erkunden.<br>Die Autorin ist Mitglied der &#8222;Vereinigung der AutorInnen und Autoren von historischer Literatur&nbsp;HOMER&#8220;&nbsp;sowie der&nbsp;&#8222;42erAutoren&#8220;.<br><br>Homepage: <a href=\"https:\/\/silkeelzner.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/silkeelzner.de<\/a><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Silke-Elzner-Bibliographie.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5414\" width=\"547\" height=\"547\" srcset=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Silke-Elzner-Bibliographie.jpg 729w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Silke-Elzner-Bibliographie-300x300.jpg 300w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Silke-Elzner-Bibliographie-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 547px) 100vw, 547px\" \/><\/figure><\/div>\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-rounded\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Blume.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-5274\" width=\"66\" height=\"76\" srcset=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Blume.png 264w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Blume-260x300.png 260w\" sizes=\"auto, (max-width: 66px) 100vw, 66px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Interview:<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap has-small-font-size\">Am 06. Juli 2023 ist das neue Buch von Silke Elzner erschienen: &#8222;Der Verrat der Kaufmannswitwe&#8220;. Hierzu durfte ich der Autorin einige Fragen stellen. <br>Ich w\u00fcnsche euch viel Spa\u00df mit diesem Interview, beachtet aber bitte: Das Copyright der verwendeten Fotos liegt ausschlie\u00dflich bei Silke Elzner\/ Constanze Wenig. Jegliche weitere Nutzung ist untersagt. Die Bildrechte am Cover von &#8222;Die letzte Fehde an der Havel&#8220; liegen beim Gmeiner Verlag, die Bildrechte am Cover von &#8222;Der Verrat der Kaufmannswitwe&#8220; bei Silke Elzner. <br>Noch ein Hinweis: &nbsp;Da wir Beide schon lange in Kontakt stehen, nutzen wir in diesem Interview das \u201aDu\u2018.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-rounded\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Silke-Elzner-679x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5415\" width=\"383\" height=\"578\" srcset=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Silke-Elzner-679x1024.jpeg 679w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Silke-Elzner-199x300.jpeg 199w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Silke-Elzner-768x1158.jpeg 768w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Silke-Elzner.jpeg 849w\" sizes=\"auto, (max-width: 383px) 100vw, 383px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"font-size:11px\"><em>(c) by Constanze Wenig<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>01. Hallo liebe Silke,&nbsp;ich danke dir, dass du dir die Zeit f\u00fcr dieses Interview nimmst und uns damit spannende Einblicke in deinen neuen historischen Roman \u201eDer Verrat der Kaufmannswitwe\u201c\u201c und dein Autorinnen-Leben gibst.&nbsp;<br>Wie und wann bist du auf die Geschichte der Agnes von der Vierbeke aufmerksam geworden? Wann wurde dir klar, dass du einen Roman \u00fcber sie schreiben m\u00f6chtest?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Silke: <em>&#8222;Wenn man in Dortmund aufw\u00e4chst, zumindest war das bei mir so, lernt man im Rahmen des Sachunterrichts auch etwas \u00fcber die Stadtgeschichte. So war Dortmund im Mittelalter eine bl\u00fchende Fernhandelsstadt und sogar Mitglied der Hanse. Dieser Reichtum wollte bewahrt werden: Zu einer Zeit, als es noch keine Polizei und nur ganz wenige rechtsstaatliche Mittel gab, gelang dies nur mit Hilfe von dicken, hohen Mauern. Was heute kaum noch jemand wei\u00df, weil es im Stadtbild nicht mehr zu erkennen ist (anders als z.B. in Rothenburg ob der Tauber), Dortmund war so stark befestigt, dass dieser Umstand quasi sprichw\u00f6rtlich wurde. Bedrohungen von au\u00dfen gab es immer wieder, doch die spektakul\u00e4rste kam wohl in Form einer h\u00fcbschen adligen Frau, Agnes von der Vierbecke. Die Idee, dieses Thema zu einem Roman zu verarbeiten, kam vor einigen Jahren, aber da ich in gewisser Weise einen Stoff-Stau abzubauen hatte, hat es ein wenig gedauert, bis ich mich diesem Thema annehmen konnte.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>02. Wie bist du bei der Recherche zu der \u201eVerrat der Kaufmannswitwe\u201c vorgegangen? Welche Recherchemittel standen dir zur Verf\u00fcgung? Warst du auch an den Orten deiner Geschichten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Silke: <em>&#8222;Mein erster Stopp ist immer die Wikipedia, einfach, um erstmal einen groben \u00dcberblick zu bekommen. Ich schaue auch, ob es bereits bedeutende oder k\u00fcrzlich erschienene literarische Verarbeitungen zum Thema gibt. In diesem Fall: Fehlanzeige. Dann durchst\u00f6bere ich immer die Antiquariate, weil das meist die preiswerteste Art ist, um sich mit Materialien auszustatten. Gerade Sach- und Fachb\u00fccher k\u00f6nnen ja sehr teuer sein. Der Historische Verein f\u00fcr Dortmund und die Grafschaft Mark hat einige spannende Artikel zu Agnes und der Gro\u00dfen Fehde ver\u00f6ffentlicht \u2013 an diese Artikel zu kommen, die teilweise vor \u00fcber 100 Jahren verfasst wurden, war nicht so einfach. Hier half mir zum Beispiel ein freundlicher Buchh\u00e4ndler aus, der mir eine Kopie des Artikels zugeschickt hat. Eine Recherche vor Ort fand auch statt im Oktober 2022, war allerdings ziemlich mager angesichts der st\u00e4dtebaulichen Ver\u00e4nderungen im Zuge der Industrialisierung und der gro\u00dfr\u00e4umigen Zerst\u00f6rungen im 2. Weltkrieg. Noch dazu, wie ich lernen musste, sind in Dortmund montags die meisten Museen geschlossen. Aber das war nicht weiter schlimm, denn ich bin ja in Dortmund aufgewachsen und habe das alles irgendwann schon einmal gesehen. Nat\u00fcrlich kenne ich auch die Burg Altena aus eigener Anschauung.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>04. Wie beh\u00e4ltst du beim Schreiben den \u00dcberblick \u00fcber deine vielen Figuren und deren Hintergr\u00fcnde?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Silke: <em>&#8222;Bevor ich auch nur ein Wort zu Papier bringe, mache ich mir einen sehr genauen Fahrplan. Dazu geh\u00f6rt Anfang, Verlauf und Ende der Geschichte, nat\u00fcrlich die Einbettung in den historischen Kontext mit seinen verbrieften Jahreszahlen, aber auch die Figuren mit ihren Charaktereigenschaften, Schw\u00e4chen und Zielen. Das halte ich alles auf dem Computer fest, mit Excel-Tabellen und Word-Dokumenten, aber auch innerhalb von Papyrus, das ist eine Art Schreibprogramm, das speziell auf die Bed\u00fcrfnisse und Anspr\u00fcche von Autoren ausgerichtet ist. Ich orientiere mich dabei an dem Schreibratgeber \u201eSave the Cat! writes a novel\u201c von Jessica Brody. Zumindest die wichtigsten Figuren erhalten dementsprechend von mir ein <strong>problem <\/strong>(oder einen charakterlichen Fehler, der bereinigt werden muss)<strong>, <\/strong>ein<strong> want<\/strong> (oder Ziel) und ein<strong> need<\/strong> (oder eine Lebensweisheit, die es zu erlernen gilt). Wenn es um das Aussehen meiner Figuren geht, bin ich meist recht vage und \u00fcberlasse das der Fantasie der LeserInnen. Jedoch halte ich es hier mit Ken Follett: Was ich \u00fcber die Figur sage, das kopiere ich mir als Referenzm\u00f6glichkeit irgendwohin, damit ich hinterher noch genau wei\u00df, welche Nasenform, Augenfarbe oder Haarl\u00e4nge die Figur hat.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>05. Hast du eine Lieblingsfigur unter deinen vielen unterschiedlichen Charakteren in \u201eDer Verrat der Kaufmannswitwe\u201c? Wenn ja, wen und warum?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Silke: <em>&#8222;Lambert, ganz eindeutig. Warum, das kann ich jetzt nicht im Detail erkl\u00e4ren, ohne zu viel von der Geschichte zu verraten, aber ich finde, dass er eine ganz au\u00dfergew\u00f6hnliche Person ist. Die Inspiration dazu habe ich erhalten durch den Song \u201eIt&#8217;s Always The Quiet Ones\u201c der Band Suede (Ich hoffe, der ein oder andere h\u00f6rt sich das Lied mal bei Spotify an). Eine andere Inspiration m\u00f6chte ich mit einer kleinen Anekdote wiedergeben: Als ich noch Studentin war, habe ich in einem H\u00f6rsaal der Ruhr-Uni-Bochum auf den Beginn der Vorlesung gewartet und dabei durch die Seiten des Unicum-Magazins gebl\u00e4ttert, das ist ein kostenloses Magazin f\u00fcr StudentInnen. Dabei gab es diverse Leserbriefe zu einem Artikel, an den ich mich vage erinnerte, irgendwas dar\u00fcber, auf welche Art Mann die Frauen stehen oder sowas in der Richtung. Eine der Zuschriften beschrieb die Art Mann, die immer flei\u00dfig die Wasserk\u00e4sten der Angebeteten hochtragen, ohne jemals erh\u00f6rt zu werden, weil sie in die immerw\u00e4hrende \u201eFriendzone\u201c verdammt werden, so nach dem Motto \u201enett ist nichts f\u00fcrs Bett\u201c. Dieser Leserbrief hat bei mir so viel Eindruck hinterlassen, dass ich mich daran erinnern konnte, als ich Wochen sp\u00e4ter auf einer WG-Party einen netten jungen Herrn kennenlernte, der in M\u00fcnster studierte. Wie sich herausstellte, war er der Verfasser des Briefs. Heute sind wir seit \u00fcber 20 Jahren miteinander verheiratet. Also ja, Lambert, eindeutig.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>06. Wie sieht dein Schreib-Alltag\/ deine Schreib-Routine aus? Was sind deine St\u00f6rfaktoren beim Schreiben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Silke: <em>&#8222;St\u00f6rfaktoren? (schielt zu ihrem Mann, der mittlerweile gelernt hat, dass er nicht einfach reinplatzen und drauflos quatschen darf, ohne einen b\u00f6sen Blick von der Autorin zu riskieren). Scherz beiseite, ich darf mich gl\u00fccklich sch\u00e4tzen, in der perfekten Situation einer Autorin zu stecken. Ich kann mich 24\/7 um das Schreiben k\u00fcmmern und muss nebenher nur daf\u00fcr sorgen, dass Familie und Haushalt funktionieren. Das ist, da die Kinder im Teenager-Alter sind, enorm einfach geworden. So kann ich gleich nach dem Fr\u00fchst\u00fcck loslegen (ich bin eher ein Morgenmensch und kann mich da am besten konzentrieren), und am Nachmittag, wenn der Trubel nach Schulschluss wieder abflaut, kann ich noch mal nachlegen, wenn das Gehirn nicht bereits durchgekocht ist. Ich brauche keine speziellen Orte zum Schreiben, keinen schicken Schreibtisch, keine Routinen, keine Motivationshilfen, ich mache einfach das, was ich am liebsten tue, und das eigentlich t\u00e4glich. Besser kann es nicht laufen.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>07. In deinem Buch spielen viele fiktive Figuren mit. Wie wichtig empfindest du fiktive Figuren in einem historischen Roman?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Silke: <em>&#8222;Das h\u00e4ngt ganz von der Geschichte ab, denke ich. Ich habe auch einen Roman geschrieben, der fast ausschlie\u00dflich historische Figuren in sich vereint, da w\u00e4re gar kein Platz gewesen, noch fiktive Charaktere hineinzubauen. Andererseits sind fiktive Darsteller oder Nebencharaktere tolle Vehikel, um eine Geschichte zu erz\u00e4hlen \u2013 sie sind die Robins der Batmans, die Milhouses der Barts, die Skippers der Barbies. Sie helfen dem Hauptcharakter zum Beispiel dabei, Gedanken und Gef\u00fchle in Form zu bringen und zu \u00e4u\u00dfern. Aber wie gesagt, sie sind nicht dringend notwendig, wenn eine historische Person dies ebenso leisten kann. Im \u201eVerrat der Kaufmannswitwe\u201c gibt es diesmal jede Menge fiktive Personen. Diese helfen mir, der doch eher mageren historischen Grundlage ein wenig mehr Fleisch auf die Rippen zu bringen, sonst w\u00e4re die Geschichte wohl nach 80 Seiten schon vorbei gewesen.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>08. Ich pers\u00f6nlich k\u00f6nnte direkt eine Szene in deinem neuen Buch nennen, welche mich sehr ersch\u00fcttert hat. Welche Szene in deinem Buch hat dich besonders mitgenommen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Silke: <em>&#8222;Wahrscheinlich dieselbe :-)&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>09. Dein Buch \u201eDie letzte Fehde an der Havel\u201c ist im Gmeiner Verlag erschienen, dein neues Buch \u201eDer Verrat der Kaufmannswitwe\u201c liegt nun im Selbstverlag vor. Wie und warum kam es zu diesem Neuanfang? Welche Unterschiede erlebst du als Selfpublisherin im Gegensatz zu einer Verlagsautorin?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Silke: <em>&#8222;Nachdem ich nun zwei Jahre vergeblich versucht habe, meine Mittelalterstoffe bei Verlagen unterzubringen, war meine Geduld aufgebraucht. Der Gedanke, es vielleicht doch noch im letzten Moment zu schaffen, irgendwo einen der \u00e4u\u00dferst sp\u00e4rlichen Programmpl\u00e4tze zu ergattern, kam immer gleich mit dem Wissen einher, dass es meist bis zu zwei Jahre dauert, bis nach Vertragsunterzeichnung ein Buch Wirklichkeit wird. So lange warten? Ich konnte nicht mehr. Meine Puste war aus. Ich musste mich entscheiden: Wollte ich weiter f\u00fcr meine \u00fcberquellende Schublade schreiben und mir die Gelegenheit verbauen, eine Leserschaft aufzubauen, die mich in dieser langen Publikationsl\u00fccke nicht vergisst? Oder m\u00f6chte ich den Sprung wagen und es auf eigene Faust probieren? Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht. Ja, Selfpublishing gewinnt immer mehr an Aufmerksamkeit und Achtung auch innerhalb des Literaturbetriebs, aber ihm haftet vielerorts immer noch ein negativer Ruf an, weil es so vermeintlich einfach ist, sein Druckwerk selbst herauszugeben. So wurde mein Erstlingswerk \u201eDie letzte Fehde an der Havel\u201c zum Beispiel f\u00fcr den Goldenen Homer nominiert. Ich wei\u00df aber jetzt schon, dass ich mit dem \u201eVerrat der Kaufmannswitwe\u201c nicht ber\u00fccksichtigt werde n\u00e4chstes Jahr, weil es eben kein Verlagsbuch ist. Das finde ich sehr schade, nicht nur f\u00fcr mich, sondern auch f\u00fcr meine KollegInnen, die mit viel Enthusiasmus und Professionalit\u00e4t historische Romane schreiben, aber genauso wie ich es nicht schaffen, einen der wenigen stark umk\u00e4mpften Programmpl\u00e4tze in den Verlagen zu sichern. Andererseits musste ich an meine geistige Gesundheit denken und daran, dass mir Schreiben nur dann Spa\u00df macht, wenn ich wei\u00df, dass meine Erg\u00fcsse auch irgendwann gelesen werden. \u201eNur\u201c zu Schreiben, das reicht mir nicht. Also daher nun dieser Weg \u2013 wir werden sehen, was sich daraus ergibt.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>10. Trotz hoher Druckkosten ist dein Buch als Taschenbuch erschienen. Warum hast du dich f\u00fcr den Druck entschieden und hast nicht einfach nur das eBook heraus gegeben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Silke: <em>&#8222;Mein eBook erscheint exklusiv bei Amazon, weil mir dies einige Vorteile bringt. Das bedeutet gleichzeitig, dass Kunden, die lieber woanders kaufen, nicht die M\u00f6glichkeit haben, das Buch zu lesen, es sei denn, es gibt eine alternative Fassung. Abgesehen davon, ist das eBook f\u00fcr viele LeserInnen nur ein schwacher Ersatz, sie w\u00fcnschen die Haptik, den Duft, die M\u00f6glichkeit, sich das Buch nach dem Lesen ins Regal zu stellen. Es war kein gro\u00dfer Umstand, auch ein Taschenbuch in die Wege zu leiten, es brauchte nur ein alternatives Cover mit einer R\u00fcckseite.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-vertically-aligned-center\" style=\"grid-template-columns:25% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/37-Der-Verrat-der-Kaufmannswitwe_grosse-Aufloesung_komp-640x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5393 size-full\" srcset=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/37-Der-Verrat-der-Kaufmannswitwe_grosse-Aufloesung_komp-640x1024.jpg 640w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/37-Der-Verrat-der-Kaufmannswitwe_grosse-Aufloesung_komp-188x300.jpg 188w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/37-Der-Verrat-der-Kaufmannswitwe_grosse-Aufloesung_komp.jpg 660w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>11. Welche R\u00fcckmeldungen hast du bisher zu deinem neuen Buch erhalten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Silke:<em> &#8222;Noch nicht sehr viele, weil ich nur mit drei Testlesern gearbeitet habe \u2013 mit meinem Mann, der mir immer Feedback und Ideen zur Geschichte gibt, mit einem befreundeten Autor, der es \u201eleichtlektoriert\u201c und mir die groben Schnitzer rausgeb\u00fcgelt hat, und mit einer historisch ungemein bewanderten \u201eSuper-Leserin\u201c, die mich auf historische Ungenauigkeiten oder Falschheiten hingewiesen hat. Wenn die Geschichte schon bei meiner ersten Instanz durchf\u00e4llt, dann ist das schon ein schlechtes Zeichen. Da alle drei es aber genossen und gelobt haben, denke ich, dass ich es getrost auf die Leserwelt loslassen kann.&#8220;<\/em><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>12. Deine beiden B\u00fccher sind beide im Sp\u00e4tmittelalter angesiedelt. Was reizt dich an dieser Zeit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Silke: <em>&#8222;Es ist Zufall, dass beide ungef\u00e4hr zur selben Zeit spielen. Generell bin ich ein gro\u00dfer Fan des \u201eMittelalters\u201c, wobei diese 1000 Jahre nat\u00fcrlich unglaublich vielf\u00e4ltig und keineswegs konform abgelaufen sind. Ich mag einfach das Rohe zu jener Zeit, die Schwierigkeiten, die die Menschen damals meisterten wie das Fehlen von Annehmlichkeiten, die st\u00e4ndige Gefahr von Gewalt, das Unverm\u00f6gen, f\u00fcr uns heute selbstverst\u00e4ndliche Begebenheiten mit logischen Schl\u00fcssen zu erkl\u00e4ren. Ich liebe aber auch die Farbenpracht und Sch\u00f6nheit jener Zeit, wie man sie heute noch an so manchen Orten erahnen kann, in Burgen, Kl\u00f6stern, Spit\u00e4lern, Kirchen. Wenn ich nur einen Wunsch im Leben frei h\u00e4tte, der eigentlich nicht zu erf\u00fcllen ist, dann w\u00e4re das eine Reise ins Mittelalter f\u00fcr zwei Wochen all inclusive und nat\u00fcrlich mit R\u00fcckflugticket. Bleiben m\u00f6chte ich da nicht.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>13. Wie siehst du die Zukunft des Historischen Romans?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Silke: <em>&#8222;Puuuh, das ist eine echt schwierige Frage. Ich w\u00fcnsche mir nat\u00fcrlich, dass er wieder ein wenig mehr \u201een vogue\u201c wird. Meine pr\u00e4genden Jahre als junge Leserin waren eine Hochzeit des historischen Romans und vor allem des Mittelalters. Heute sind es eher das 19. und 20. Jahrhundert, es sind Familiensagas, Industriellensagas, Kriegsdramen. Da drunter sind viele brillante Werke, doch ich f\u00e4nde es toll, wenn es auch wieder mehr Mittelalter-B\u00fccher g\u00e4be, nicht nur von den etablierten Autoren wie Gabl\u00e9, Wolf und Follett.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>14. \u00dcber welche Epoche\/ welches Land\/ Thema k\u00f6nntest du dir \u00fcberhaupt nicht vorstellen einen Roman zu schreiben? Warum?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Silke: &#8222;<em>Ich habe einen Roman in der Schublade liegen, der im 19. Jahrhundert spielt und wo es um eine Auswanderung nach Australien geht. In Australien habe ich 13 Jahre gelebt, da kenne ich mich also sehr gut aus. Aber beim Schreiben habe ich gemerkt, das ist irgendwie nichts f\u00fcr mich. Die Geschichte ist nicht per se schlecht geworden, finde ich, und wird vielleicht auch eines Tages das Licht der Welt erblicken, aber die Gepflogenheiten jener Zeit, die Politik, die Kleidung, der Umgang mit anderen Kulturen, usw. haben bei mir nicht dasselbe Kribbeln ausgel\u00f6st, wie wenn ich mich ins 14. Jahrhundert zur\u00fcckbegebe. Da habe ich erkannt, wo meine Grenzen sind. Andererseits spiele ich mit der Idee, mich eines Tages auch mal in einem anderen Genre zu bet\u00e4tigen. Wir werden sehen, wie gut das klappt.<\/em>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide has-media-on-the-right\" style=\"grid-template-columns:auto 25%\"><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>15. Wie stehst du zu Pseudonymen? K\u00e4me auch eines f\u00fcr dich in Frage?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Silke:<em> &#8222;Mir wurde f\u00fcr meine T\u00e4tigkeit als Selfpublisherin ein Pseudonym angeraten, aber das fand ich irgendwie Quatsch. Warum sollte ich mich hinter dem, was ich herausbringe, verstecken, wenn ich da mein ganzes Herzblut und die bestm\u00f6gliche Qualit\u00e4t reinstecke? Ich stehe zu dem, was ich auf den Markt bringe, und ich sehe keinen Sinn darin, mir jedes Mal von vorn einen Namen zu erarbeiten, um eine Leserschaft zu gewinnen. Verlage m\u00f6gen das anders sehen, vor allem, wenn es um einen Genre-Wechsel geht, und dann lasse ich gern mit mir reden. Aber solange ich B\u00fccher selbst ver\u00f6ffentliche, tue ich das unter meinem Namen.&#8220;<\/em><\/p>\n<\/div><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"321\" height=\"500\" src=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/72-Die-letzte-Fehde-an-der-Havel.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3741 size-full\" srcset=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/72-Die-letzte-Fehde-an-der-Havel.jpg 321w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/72-Die-letzte-Fehde-an-der-Havel-193x300.jpg 193w\" sizes=\"auto, (max-width: 321px) 100vw, 321px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>16. Was kannst du uns \u00fcber dein n\u00e4chstes Schreibprojekt verraten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Silke: <em>&#8222;Mein n\u00e4chstes Schreibprojekt ist eines aus der Schublade, das ich plane, noch im Herbst 2023 herauszubringen. Ich glaube, es ist von allen meinen Projekten mir das liebste. Es spielt zur Zeit des 100j\u00e4hrigen Kriegs und handelt von einer Frau, einer Wittelsbacherin, die mit allen Mitteln versucht, ihr Erbrecht zu verteidigen und dabei immer wieder scheitert.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>17. Was liest du gerne zu deinem eigenen Vergn\u00fcgen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Silke: <em>&#8222;Der ideale Roman f\u00fcr mich spielt im Mittelalter, ist richtig sch\u00f6n dick und l\u00e4sst mich tief in die Historie eintauchen, ohne zu langweilen. Dementsprechend greife ich immer zu, sobald mir so etwas vor die Nase kommt. Ansonsten lese ich auch den ein oder anderen Krimi, Thriller, Mystery oder Zeitgen\u00f6ssisches.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Vielen Dank f\u00fcr die sehr interessanten Einblicke und alles Liebe und Gute f\u00fcr dich und dein neues Buch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Liebe Gr\u00fc\u00dfe,<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Unterschrift-1024x404.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5276\" width=\"141\" height=\"55\" srcset=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Unterschrift-1024x404.jpg 1024w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Unterschrift-300x118.jpg 300w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Unterschrift-768x303.jpg 768w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Unterschrift.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 141px) 100vw, 141px\" \/><\/figure>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-rounded\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Blume.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-5274\" width=\"66\" height=\"76\" srcset=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Blume.png 264w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Blume-260x300.png 260w\" sizes=\"auto, (max-width: 66px) 100vw, 66px\" \/><\/figure><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Silke Elzner wurde in Dortmund geboren, wo sie f\u00fcr die Sch\u00fclerzeitung Kurzgeschichten und Gedichte schrieb. Nach dem Linguistik-, Literatur- und Anglistikstudium zog sie nach Sydney, Australien und arbeitete dort im Online-Tourismus. Die Sehnsucht nach Burgen und Kopfsteinpflastergassen lie\u00df sie jedoch nicht los. Nach 13 Jahren kehrte sie \u00fcber Spanien nach Deutschland zur\u00fcck und lebt heute &hellip; <a href=\"https:\/\/buechertanz.de\/?page_id=5407\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Silke Elzner<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-5407","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/buechertanz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/5407","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/buechertanz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/buechertanz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buechertanz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buechertanz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5407"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/buechertanz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/5407\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5460,"href":"https:\/\/buechertanz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/5407\/revisions\/5460"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/buechertanz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5407"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}