{"id":5239,"date":"2023-06-25T11:01:35","date_gmt":"2023-06-25T10:01:35","guid":{"rendered":"https:\/\/buechertanz.de\/?p=5239"},"modified":"2023-06-25T11:05:51","modified_gmt":"2023-06-25T10:05:51","slug":"kadewe-haus-der-wuensche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buechertanz.de\/?p=5239","title":{"rendered":"\u201eKaDeWe \u2013 Haus der W\u00fcnsche\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>von Marie Lacrosse<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>[Werbung*]<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"350\" height=\"534\" src=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/41-KaDeWe-Haus-der-Wuensche.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5231 size-full\" srcset=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/41-KaDeWe-Haus-der-Wuensche.jpg 350w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/41-KaDeWe-Haus-der-Wuensche-197x300.jpg 197w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p style=\"font-size:11px\"><strong>Bibliografische Angaben:<\/strong><br>Erscheinungsdatum: 14. Juni 2023<br>Verlag: Goldmann<br>Ausgabe: Paperback und eBook<br>ISBN: 978-3-442-20639-1<br>Seitenanzahl: 704 Seiten<br>Preise: Paperback: 16\u20ac, eBook: 12,99\u20ac<br><br><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.penguinrandomhouse.de\/Marie-Lacrosse-KaDeWe\/KaDeWe-Haus-der-Wuensche-2-\/aid86441_23122.rhd\" target=\"_blank\">https:\/\/www.penguinrandomhouse.de\/Marie-Lacrosse-KaDeWe\/KaDeWe-Haus-der-Wuensche-2-\/aid86441_23122.rhd<\/a><br><br><strong>Klappentext:<\/strong><br><em>\u201eBerlin Mitte der 20er Jahre: In der Stadt tobt das Leben, die Strenge des Kaiserreichs ist pass\u00e9, und Frauen er\u00f6ffnen sich nie dagewesene Chancen. Im KaDeWe hat sich die Verk\u00e4uferin Rieke Krause zur Abteilungsleiterin emporgearbeitet. W\u00e4hrenddessen macht Judith Bergmann Karriere an der Universit\u00e4t und ist mit einen der neuen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer liiert. Rieke und Judith haben noch viele Pl\u00e4ne. Doch dann ziehen dunkle Wolken am Horizont auf. Die neuen Machthaber versuchen, die j\u00fcdischen Eigent\u00fcmer des KaDeWE aus dem Unternehmen zu dr\u00e4ngen. Und auch auf Rieke und Judith kommen schwere Zeiten zu &#8230;\u201c<\/em><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p style=\"font-size:11px\"><em><strong>Hinweise:<br><\/strong>\u2013 Das Buch ist der dritte Teil der Reihe \u201eKaDeWe. Falls ihr den ersten Teil <a href=\"https:\/\/buechertanz.de\/?p=3798\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eHaus der Tr\u00e4ume\u201c<\/a> noch nicht kennt und lesen m\u00f6chtet, solltet ihr diese Rezension nicht lesen \u2013 Spoilergefahr!<br>&#8211; Das Buch habe ich freundlicherweise von der Autorin und dem Goldmann Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verf\u00fcgung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!<\/em><br><em>&#8211; Ich habe f\u00fcr diese Rezension von der Autorin und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein pers\u00f6nliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-rounded\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/KaDeWe-Haus-der-Wuensche_01_komp-1024x1021.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5240\" width=\"512\" height=\"511\" srcset=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/KaDeWe-Haus-der-Wuensche_01_komp-1024x1021.jpg 1024w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/KaDeWe-Haus-der-Wuensche_01_komp-300x300.jpg 300w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/KaDeWe-Haus-der-Wuensche_01_komp-150x150.jpg 150w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/KaDeWe-Haus-der-Wuensche_01_komp-768x766.jpg 768w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/KaDeWe-Haus-der-Wuensche_01_komp-1536x1531.jpg 1536w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/KaDeWe-Haus-der-Wuensche_01_komp-2048x2041.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><figcaption><em>Coverrechte: Goldmann Verlag <\/em><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>_<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap has-small-font-size\">Das Buch \u201eKaDeWe \u2013 Haus der W\u00fcnsche\u201c von Marie Lacrosse ist der zweite und damit abschlie\u00dfende Teil einer Dilogie und zeigt den weiteren Werdegang des KaDeWe in Berlin von 1927 bis 1936.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Berlin 1927: Mit viel Flei\u00df und Engagement hat sich Rieke vom Kassenm\u00e4dchen zur Verk\u00e4uferin hochgearbeitet. Nun steht ihre Bef\u00f6rderung zur Leiterin einer sehr gefragten Abteilung im ber\u00fchmtem KaDeWe an und Rieke w\u00e4hnt sich am Ziel ihrer Tr\u00e4ume. Auch wenn das Kaufhaus an andere Eigner verkauft wurde, hat Rieke nach wie vor mit einem missg\u00fcnstigen Vorgesetzten zu k\u00e4mpfen, welcher ihr alles andere als wohlgesonnen ist.<br>Ihre Freundin Judith Bergmann macht w\u00e4hrenddessen an der Universit\u00e4t Karriere. Doch sie kann ihre Augen nicht vor der bitteren Armut verschlie\u00dfen, welche Berlin immer fester im Griff hat \u2013 der unermessliche Luxus im KaDeWe steht im heftigen Kontrast zu diesem Elend.<br>Auf den Stra\u00dfen Berlins macht sich Unfriede breit, welcher von den Anh\u00e4ngern der NSDAP weiter befeuert wird. Viele sehen in den j\u00fcdischen Mitmenschen die Schuldigen, dabei bleibt es nicht nur bei w\u00fcsten Beschimpfungen und Beleidigungen. Auch die neuen j\u00fcdischen Eigent\u00fcmer des KaDeWe stehen dem blanken Hass vieler Menschen gegen\u00fcber und sie sollen mit allen Mitteln aus dem Unternehmen gedr\u00e4ngt werden.<br>Rieke und Judith m\u00fcssen schwere Entscheidungen treffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Marie Lacrosse ist das Pseudonym der Autorin Marita Spang \u2013 eine meiner absoluten Lieblingsautorinnen. Schon seit einigen Jahren begeistert sie mich mit ihren historischen Romanen und jede Neuerscheinung wird sehns\u00fcchtig erwartet. Die Buchreihen um \u201eDas Weingut\u201c (erschienen 2018, 2019) und \u201eDas Kaffeehaus\u201c (erschienen 2020, 2021) haben mich bestens unterhalten und stehen an der Spitze meiner absoluten Lieblingsb\u00fccher.<br>Als sie zu Beginn des Jahres 2022 ihre neue zweiteilige Reihe \u00fcber das KaDeWe ank\u00fcndigte, war mein Interesse direkt geweckt. Ich durfte dieses Kaufhaus 2005 und 2008 besuchen und war beide Male von der Gr\u00f6\u00dfe und dem immensen Angebot fasziniert. Auch wenn der urspr\u00fcngliche Bau im Zweiten Weltkrieg zerst\u00f6rt wurde, gilt das KaDeWe als das bekannteste Warenhaus in Deutschland und ist mit 60.000 Quadratmetern Verkaufsfl\u00e4che eines der gr\u00f6\u00dften Warenh\u00e4user in Europa.<br>Der Auftakt <a href=\"https:\/\/buechertanz.de\/?p=3798\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eKaDeWe-Haus der Tr\u00e4ume\u201c<\/a> konnte mich im Oktober 2022 mit einer erleb- und f\u00fchlbaren Atmosph\u00e4re, sowie mit starken und unvergesslichen Charakteren bestens unterhalten. Mit gro\u00dfer Vorfreude (und Ungeduld) habe ich die Fortsetzung erwartet.<br>Auch den hier vorliegenden zweiten Teil bekam ich von der Autorin \u00fcber den Goldmann Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zugesendet, wof\u00fcr ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Im Vordergrund des Covers befindet sich am rechten Bildrand eine Frau, welche dem Betrachter den R\u00fccken zuwendet und mit in einem lilafarbenen Kost\u00fcm bekleidet ist. Ihr Blick geht nach links \u2013 damit wird ihr Profil sichtbar. Den Hintergrund bildet die Fassade des KaDeWe \u2013 hier stehen und laufen Menschen davor, von denen auch einige einen Blick in die Schaufenster werfen. Durch diese vielen Menschen wirkt das Cover insgesamt sehr bewegt und lebendig, vor allem aber stimmungsvoll. Auff\u00e4llig ist, dass die Markisen des Geb\u00e4udes farblich zu der Kleidung der Frau im Vordergrund passen.<br>Ein weiterer Blickfang ist der Buchtitel und der Untertitel, welcher im unteren Bereich des Covers steht und mit zwei versetzten Quadraten umrandet wird. Der Name der Autorin befindet sich ganz oben. <em>Zusammen mit den perfekt zueinander passenden Covern und den abgestimmten Buchtiteln hat diese Dilogie einen sehr gelungenen Wiedererkennungswert.<\/em><br>Das Buch ist eine sehr sch\u00f6n gestaltete und hochwertige Klappbroschur. Auf der vorderen Klappe ist ein stimmungsvoller Textausschnitt abgedruckt, in der Klappe befindet sich ein Bild des KaDeWe. Auf der hinteren Klappe wird die sympathische Autorin vorgestellt, im inneren werden die beiden Teile der Dilogie gezeigt.<br>Der Widmung des Buches folgen drei sehr unterschiedliche Zitate von Personen aus der Zeit, in der die Handlung des Buches angesiedelt ist. Diesen Zitaten schlie\u00dft sich das ausf\u00fchrliche Personenregister (\u201eDramatis Personae\u201c) an. Der Hauptteil beginnt mit einem Prolog, welcher im Januar 1927 ansetzt, und wird mit einem Epilog abgeschlossen, welcher im August 1936 spielt. Es folgen das umfangreiche Nachwort der Autorin, ein Glossar und ein Verzeichnis der wichtigsten Quellen.<br><br>Die Haupthandlung des Buches gliedert sich in vier Teile auf:<br><br>&#8211; \u201eTeil 1: Hoffnung und Aufbruch (1927 \u2013 1928)<br>&#8211; \u201eTeil 2: Sorgen und \u00c4ngste (1929 \u2013 1930)<br>&#8211; \u201eTeil 3: Glanz und Elend (1931 \u2013 1932)<br>&#8211; \u201eTeil 4: Macht und Ohnmacht (1933 \u2013 1934)<br><br>Zusammen mit dem Prolog und dem Epilog umfasst die gesamte und chronologisch erz\u00e4hlte Handlung etwa neuneinhalb Jahre.<br>Meiner Meinung nach ist es empfehlenswert, dass man den ersten Band der Buchreihe bereits gelesen hat, da man die Hintergr\u00fcnde, vor allem aber die Entwicklungen der einzelnen Figuren besser nachvollziehen kann \u2013 es ist aber nicht unbedingt erforderlich. Auch ohne Kenntnisse von \u201eKaDeWe \u2013 Haus der Tr\u00e4ume\u201c bietet dieser zweite Band ein unterhaltsames und dramatisches Lese-Erlebnis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ein Blick in das ausf\u00fchrliche Personenregister am Anfang des Buches zeigt, dass eine Vielzahl an Figuren in diesem Roman eine Rolle spielen. Viele von ihnen sind fiktiv, einige sind historische Pers\u00f6nlichkeiten oder diesen nachempfunden.<br>Judith und Rieke, zwei fiktive Frauen, welche von ihren famili\u00e4ren Hintergr\u00fcnden her nicht unterschiedlicher sein k\u00f6nnten und bereits aus dem ersten Band bekannt sind, stehen im Mittelpunkt der Geschichte. Sie sind beide seit ihrer Kindheit mit dem KaDeWe vertraut, kennen es aber jeweils aus v\u00f6llig unterschiedlichen Blickwinkeln: W\u00e4hrend Rieke es durch die harte Arbeit ihrer Mutter bereits im Kindesalter kennenlernt und sp\u00e4ter auch zu ihrem Arbeitsplatz wird, kann Judith durch die hochgestellte Arbeit ihres Vaters von Beginn an eher den Luxus und Glanz des Kaufhauses genie\u00dfen.<br>Rieke ist eine \u00e4u\u00dferst hilfsbereite und sympathische Frau, welche sich durch ihren Flei\u00df und Engagement im KaDeWe hocharbeitet. Auch privat hat sie ihr Gl\u00fcck an der Seite von dem f\u00fcrsorglichen Peter gefunden. Sie hat sich sehr glaubhaft weiterentwickelt und ist nach wie vor immer f\u00fcr andere Menschen in ihrer Umgebung da \u2013 vor allem f\u00fcr ihre Mutter. Auch wenn es nicht immer leicht ist, nimmt ihr Leben in die Hand und gibt sich nicht auf. Als Abteilungsleiterin ist sie eine Vorgesetzte, wie man sie sich w\u00fcnscht: Sie ist immer f\u00fcr ihre Mitarbeiterinnen da und f\u00e4llt ihnen niemals in den R\u00fccken. <br>Auch Judith ist empathisch und hilfsbereit und verschlie\u00dft nie die Augen vor der Armut und dem Elend in Berlin in den 1920er Jahren. Da ihr in ihrem liebevollen Elternhaus nie die Bildung verwehrt wurde, kann sie nun ihr Leben finanzieren und ist auch an der Universit\u00e4t als Dozentin gefragt. Doch Judith ist sich nicht sicher, ob ihr nur die Karriere als Lebensinhalt reicht. Sie w\u00fcnscht sich auf der einen Seite eine eigene Familie, m\u00f6chte aber auf der anderen Seite ihre Eigenst\u00e4ndigkeit nicht aufgeben und die Karriere an den Nagel h\u00e4ngen. Auch Judith hat eine sehr glaubw\u00fcrdige Entwicklung durchgemacht und ist, neben Rieke, eine meiner Lieblingsfiguren in dieser Buchreihe.<br>Auf den ersten Blick wirken Rieke und Judith v\u00f6llig verschieden, sie haben aber doch viele Gemeinsamkeiten und sie eint eine tiefe und innige Freundschaft zueinander.<br>Neben diesen beiden Hauptfiguren stehen deren Familien: Riekes Mutter, welche nach dem Tod ihres gewaltt\u00e4tigen Mannes einen neuen Mann an der Seite hat, tritt in diesem Teil etwas in den Hintergrund, sie ist aber f\u00fcr Rieke nach wie vor ein wichtigster Bezugspunkt und Vorbild. Ihr verdankt sie einiges und so ist f\u00fcr Rieke klar, dass sie jetzt auch f\u00fcr ihre eher zur\u00fcckhaltende Mutter da ist. Sanni, Riekes j\u00fcngere Schwester, setzt ihre negative Geschichte und Entwicklung aus dem ersten Band weiter fort und sorgte mit ihren \u00c4u\u00dferungen und Ansichten des \u00d6fteren bei mir f\u00fcr Kopfsch\u00fctteln.<br>An Judiths Seite stehen ihr Vater Paul und ihre Mutter Rebekka, mit denen sie in einer herrschaftlichen Villa lebt. Auf den ersten Blick wirkt die Familie Bergmann sehr harmonisch, doch eine furchtbare Trag\u00f6die hat Spuren und Wunden in der Familie hinterlassen. Pauls loyalen Charakter und seine differenzierte Sicht auf die Dinge, mochte ich bereits im Auftakt der Reihe. Mit Rebekka hingegen wurde ich bis zum Ende der Reihe nicht richtig warm.<br>Eng mit der fiktiven Familie Bergmann verbunden, ist die historisch belegte Familie Tietz und deren f\u00fcrchterliches Schicksal. Da es nur einige wenige Fakten \u00fcber Georg und Martin Tietz sowie den Schwiegersohn Dr. Hugo Zwillenberg gibt, hei\u00dft es im Nachwort von Marie Lacrosse dazu, dass die Charaktere \u201edaher haupts\u00e4chlich intuitiv nachgestellt\u201c (S. 687) sind und die \u201eCharakterisierung der drei Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Hermann Tietz OHG also eher auf [\u2026] Fantasie, als Fakten beruht.\u201c (S. 688). Diese intuitive Nachstellung beherrscht Marie Lacrosse wunderbar und sie hat damit sehr authentische Figuren geschaffen &#8211; vor allem Martin Tietz mit seiner sprunghaften und auch anma\u00dfenden Art ist gut gelungen.<br>Um diese Figuren agieren noch einige weitere historische und fiktive Figuren. Hier ist die historische Alice Salomon zu nennen \u2013 dieser interessanten und vielschichtigen Frau hat Marie Lacrosse in ihrer Dilogie ein Denkmal gesetzt und sie und die anderen Frauen der ersten Frauenhochschule damit aus der allgemeinen Vergessenheit geholt.<br>Einige der zahlreichen Figuren sind bereits aus dem Auftakt der Reihe bekannt und entwickeln sich sehr lebensecht und glaubhaft weiter. Alle Figuren werden mit vielen Facetten und Emotionen realistisch zum Leben erweckt und wunderbar mit all ihren Dramen und Schicksalen miteinander verwoben. Auch wenn nicht alle Figuren sympathisch sind, bilden sie alle zusammen ein sehr authentisches Bild der Gesellschaft in den 1930er Jahren in Berlin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Es war eine Gesellschaft der Gegens\u00e4tze: W\u00e4hrend in gro\u00dfen Kaufh\u00e4usern (vor allem im KaDeWe) der pure Luxus angeboten werden konnte, nahm die Armut und das Elend in weiten Teilen der Bev\u00f6lkerung immer weiter zu.<br>Viele Familien hausten in Unterk\u00fcnften, welche das Wort Wohnung nicht einmal verdienten \u2013 Schimmel, verdrecktes und untrinkbares Trinkwasser, wenig bis gar kein Tageslicht. Diese Missst\u00e4nde zeigt Marie Lacrosse anhand der Wohnsiedlung Meyers Hof &#8211; es fiel mir teilweise sehr schwer, diese Passagen \u00fcber die heutzutage unvorstellbaren Lebensumst\u00e4nde zu lesen. Die Weltwirtschaftskrise war im vollen Gange. Es kam zu \u00e4u\u00dferst prek\u00e4ren Einkommenssituationen und die immer weiter steigende Zahl der Arbeitslosen: Lag die Zahl der Arbeitslosen im Jahr 1927 bei etwa 1 Millionen, waren im Februar 1930 bereits 3,5 Millionen Menschen ohne Arbeit. Zwei Jahre sp\u00e4ter erreichte die Krise auf dem Arbeitsmarkt ihren H\u00f6hepunkt: \u00dcber 6 Millionen Arbeitslose waren gemeldet.<br>All diese Umst\u00e4nde lie\u00df die verheerende Saat der Nationalsozialisten auf fruchtbaren Boden fallen. Schnell wurde die NSDAP st\u00e4rkste Macht und noch schneller wurden S\u00fcndenb\u00f6cke f\u00fcr die miserable Lebensbedingungen gefunden und Feindbilder erschaffen: Die Juden. Es begann mit Beleidigungen und Beschimpfungen auf offener Stra\u00dfe, es folgten k\u00f6rperliche Angriffe und Ausgrenzungen und schlussendlich Vertreibung, Verfolgung und millionenfacher Mord.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color\" style=\"color:#676767;font-size:16px\"><em>\u201e\u00bbWir sind gute deutsche Staatsb\u00fcrger wie Millionen andere auch\u00ab, emp\u00f6rte sich Judith. \u00bbWir zahlen Steuern. Johannes hat im Weltkrieg f\u00fcr Deutschland gek\u00e4mpft. Was haben wir verbrochen, um einen solchen Hass auf uns zu ziehen?\u00ab<br>\u00bbWir dienen der gl\u00e4ubigen Christenheit schon immer als S\u00fcndenb\u00f6cke\u00ab, pflegte ihr Vater Paul lakonisch zu antworten.\u201c<\/em><br><strong><em>[Kapitel 19, S. 408]<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Auch die neuen Eigner des KaDeWe waren vor dieser systematischen Vertreibung nicht gefeit. Nur wenige Jahre nach der \u00dcbernahme der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung wurde die Familie aus der Chefetage vertrieben, das KaDeWe arisiert. <br>Marie Lacrosse zeigt mit ihren vielf\u00e4ltigen Figuren sehr anschaulich, wie dieses Gedankengut in weiten Teilen der Bev\u00f6lkerung angenommen wurde, bei vielen aber auch auf strikte Ablehnung traf, zeigt aber auch die Opfer dieser Verfolgungen und Ausgrenzungen. In ihrem ausf\u00fchrlichen Nachwort geht die Autorin auf die vielen historischen Hintergr\u00fcnde ein, welche sie wieder einmal hervorragend recherchiert hat und gekonnt mit den vielen Schicksalen ihrer fiktiven und historischen Pers\u00f6nlichkeiten verbindet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Mit ihrem lebendigen und detaillierten, aber niemals langatmigen Sprachstil, zog mich Marie Lacrosse sehr schnell in der Geschichte, in der ich schnell wieder angekommen war. Die Einstreuung des Berliner Akzents, die Beschreibungen und Details \u00fcber der Stadt und des KaDeWe sowie die vielf\u00e4ltigen Menschen lie\u00dfen mich das Buch wie eine Zeitreise in vergangene Zeiten empfinden und ich legte es nur ungern aus den H\u00e4nden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ich m\u00f6chte mich am Ende dieser Rezension ganz herzlich bei Marie Lacrosse f\u00fcr dieses mitrei\u00dfende Lese-Erlebnis bedanken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap has-small-font-size\"><strong>Fazit: Marie Lacrosse zieht den Leser\/ die Leserin ab der ersten Seite in diese emotionale und spannende Geschichte rein, welche einen nicht mehr los l\u00e4sst. Lebendiger, packender und farbenpr\u00e4chtiger kann dieses d\u00fcstere Kapitel Deutscher Geschichte nicht erz\u00e4hlt werden. Ein eindrucksvoller und absolut lesenswerter Abschluss einer atemberaubender Dilogie.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"font-size:11px\"><em>* Ich habe f\u00fcr diese Rezension von der Autorin und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein pers\u00f6nliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Bereitstellung eines kostenlosen Rezensionsexemplars \u00fcber den Verlag, der Titelbezeichnung\/ Namensnennung und der Link zur Verlagshomepage muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-rounded\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/KaDeWe-Haus-der-Wuensche_02.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5241\" width=\"461\" height=\"460\" srcset=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/KaDeWe-Haus-der-Wuensche_02.jpg 615w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/KaDeWe-Haus-der-Wuensche_02-300x300.jpg 300w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/KaDeWe-Haus-der-Wuensche_02-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 461px) 100vw, 461px\" \/><\/figure><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Marie Lacrosse [Werbung*] Bibliografische Angaben:Erscheinungsdatum: 14. Juni 2023Verlag: GoldmannAusgabe: Paperback und eBookISBN: 978-3-442-20639-1Seitenanzahl: 704 SeitenPreise: Paperback: 16\u20ac, eBook: 12,99\u20ac https:\/\/www.penguinrandomhouse.de\/Marie-Lacrosse-KaDeWe\/KaDeWe-Haus-der-Wuensche-2-\/aid86441_23122.rhd Klappentext:\u201eBerlin Mitte der 20er Jahre: In der Stadt tobt das Leben, die Strenge des Kaiserreichs ist pass\u00e9, und Frauen er\u00f6ffnen sich nie dagewesene Chancen. Im KaDeWe hat sich die Verk\u00e4uferin Rieke Krause zur Abteilungsleiterin &hellip; <a href=\"https:\/\/buechertanz.de\/?p=5239\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eKaDeWe \u2013 Haus der W\u00fcnsche\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[34,8],"tags":[],"class_list":["post-5239","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allerezensionen","category-historische-romane"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/buechertanz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5239","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/buechertanz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/buechertanz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buechertanz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buechertanz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5239"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/buechertanz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5239\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5243,"href":"https:\/\/buechertanz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5239\/revisions\/5243"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/buechertanz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5239"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/buechertanz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5239"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/buechertanz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5239"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}