{"id":6192,"date":"2023-10-30T22:38:51","date_gmt":"2023-10-30T21:38:51","guid":{"rendered":"https:\/\/buechertanz.de\/?p=6192"},"modified":"2023-11-24T08:52:10","modified_gmt":"2023-11-24T07:52:10","slug":"papierkinder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buechertanz.de\/?p=6192","title":{"rendered":"&#8222;Papierkinder&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>von Julia Kr\u00f6hn<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>[Werbung*]<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-vertically-aligned-center\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"279\" height=\"445\" src=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/68-Papierkinder.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6187 size-full\" srcset=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/68-Papierkinder.jpg 279w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/68-Papierkinder-188x300.jpg 188w\" sizes=\"auto, (max-width: 279px) 100vw, 279px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p style=\"font-size:11px\"><strong><strong>Bibliografische Angaben:<\/strong><br><\/strong>Erscheinungsdatum: 18. Oktober 2023<br>Verlag: Blanvalet<br>Ausgaben: Hardcover und eBook<br>ISBN: 978-3764508364<br>Seitenanzahl: 560 Seiten<br>Preise: 24\u20ac (Hardcover), 15,99\u20ac (eBook)<br><br><strong>Homepage:<\/strong><br><a href=\"https:\/\/www.penguin.de\/Buch\/Papierkinder\/Julia-Kroehn\/Blanvalet\/e608505.rhd\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.penguin.de\/Buch\/Papierkinder\/Julia-Kroehn\/Blanvalet\/e608505.rhd<\/a><br><br><strong>Klappentext:<\/strong><br><em>\u201eAls die Zeit der Kinder kam \u2026 Ein mitrei\u00dfender Roman mit aktueller Brisanz, den man nie mehr vergisst.<br>Berlin 1874: Im Armenhaus von Steglitz retten zwei M\u00e4dchen einen vernachl\u00e4ssigten S\u00e4ugling vor dem Hungertod. Obwohl sie in einer harten, mitleidslosen Welt aufwachsen, eint sie die feste \u00dcberzeugung, dass jedes Kind wertvoll ist. Es ist der Beginn einer tiefen Freundschaft \u2013 und zugleich einer Bewegung, die unerm\u00fcdlich Verst\u00e4ndnis und Liebe, Respekt und Schutz f\u00fcr Kinder einfordert. Mutige, tatkr\u00e4ftige Frauen schlie\u00dfen sich ihr an. Und sie alle sind erst am Ziel, als 1924 in der Schweiz ein ganz besonderes Papier unterzeichnet wird: die erste Kinderrechtserkl\u00e4rung.<br>Der Sozialistin Emma D\u00f6ltz, der Montessori-Lehrerin Clara Grunwald und der Wohlt\u00e4terin Eglantyne Jebb ist es zu verdanken, dass 1924 die \u00bbGenfer Erkl\u00e4rung\u00ab verabschiedet wurde \u2013 die Grundlage f\u00fcr die UN-Kinderrechtskonvention von 1989.\u201c<\/em><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p style=\"font-size:11px\"><strong>Hinweise:<\/strong><em><strong><br><\/strong>\u2013 Das Buch habe ich freundlicherweise vom Blanvalet Verlag als Rezensionsexemplar \u00fcber das &#8218;Bloggerportal&#8216; zur Verf\u00fcgung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!<br>\u2013 Ich habe f\u00fcr diese Rezension vom Verlag und von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistungen bekommen, sie spiegelt mein pers\u00f6nliches Leseempfinden wieder.<br>\u2013 Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-rounded\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Papierkinder_01_komp-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6193\" style=\"width:368px;height:368px\" srcset=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Papierkinder_01_komp-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Papierkinder_01_komp-300x300.jpg 300w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Papierkinder_01_komp-150x150.jpg 150w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Papierkinder_01_komp-768x768.jpg 768w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Papierkinder_01_komp.jpg 1050w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"font-size:11px\"><em>Coverrechte: Blanvalet Verlag<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>_<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap has-small-font-size\">Der historische Roman<strong><em> &#8222;Papierkinder&#8220;<\/em><\/strong> von Julia Kr\u00f6hn spielt von 1874 bis 1925 in Berlin und Genf und zeigt den beschwerlichen und mutigen Weg unterschiedlicher Frauen, welche sich f\u00fcr die Rechte der Kinder stark gemacht haben.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-left\" style=\"font-size:16px\">&#8222;\u00bbDu hattest recht\u00ab, murmelte Mathilde, \u00bbKinder kosten nichts. Ich f\u00fcrchte, f\u00fcr viele Menschen haben sie \u00fcberhaupt keinen Wert. Sonst w\u00fcrde man ihre M\u00fctter nicht so darben lassen.\u00ab<br>\u00bbDann m\u00fcssen wir den M\u00fcttern eben helfen\u00ab, sagte Emma energisch. \u00bbDie Kinder haben den Wert, den man ihnen gibt.\u00ab&#8220;<\/p>\n<cite>[Seite 26, Kapitel 1]<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Berlin im Jahr 1874: Die beiden M\u00e4dchen Emma und Mathilde wachsen in \u00e4rmlichsten Verh\u00e4ltnissen im Armenhaus Steglitz auf. Als die beiden einen S\u00e4ugling vor dem Hungertod retten, entsteht zwischen den M\u00e4dchen eine tiefe Freundschaft und Verbundenheit, welche auch noch Jahre sp\u00e4ter besteht &#8211; auch wenn sich ihre Leben in verschiedene Richtungen entwickeln.<br>Emma, die schon immer leidenschaftlich gedichtet hat, erkennt das Unrecht, welches vielen Kindern widerf\u00e4hrt und m\u00f6chte dagegen angehen, Mathilde ist in einer ungl\u00fccklichen Ehe gefangen. <br>Doch als das Schicksal erbarmungslos zuschl\u00e4gt, wird die Freundschaft der Beiden und auch die Zukunft ihrer Kinder auf eine harte Probe gestellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Schon seit einigen Jahren geh\u00f6rt Julia Kr\u00f6hn zu meinen Lieblingsautorinnen, da sie mich mit ihren tief g\u00e4ngigen Geschichten immer sehr ber\u00fchrt. Die <em><strong><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/buechertanz.de\/?p=1289\" target=\"_blank\">\u201eRiviera-Saga\u201c<\/a><\/strong><\/em>, welche 2020 erschienen ist, gefiel mir au\u00dferordentlich gut, ebenso die Reihe um die<strong><em> <a href=\"https:\/\/buechertanz.de\/?p=2190\">\u201eLehrerin von Hamburg\u201c<\/a><\/em><\/strong> (erschienen 2021) und auch Reihe um die  <em><strong><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/buechertanz.de\/?p=3813\" target=\"_blank\">&#8222;Die Buchh\u00e4ndlerinnen von Frankfurt&#8220;<\/a><\/strong><\/em> aus den Jahren 2022\/2023 konnte mich v\u00f6llig begeistern. <br>Als die Autorin ihr neues Buch &#8222;Papierkinder&#8220; vorstellte, war mir schnell klar, dass ich auch dieses Buch unbedingt lesen wollte und fragte im &#8218;Bloggerportal&#8216; ein Rezensionsexemplar an. Dieses bekam ich genehmigt und zugesendet, wof\u00fcr ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Die Ausgabeart des Buches ist ein sehr sch\u00f6n und hochwertig gestaltetes Hardcover mit 560 Seiten. Neben dem vielversprechenden Klappentext sprach mich auch das schlichte, jedoch sehr ausdrucksstarke Cover direkt an. Der komplette Buchumschlag ist in einem dunklen rosa gehalten und zeigt auf der Vorderseite eine Sepia-farbene Fotografie eines jungen M\u00e4dchen, welches auf einem Sessel sitzt und konzentriert in einem Buch liest. Der untere Rand des Covers sieht aus, als w\u00e4re er vom Feuer angesengt worden. <br>Auf der vorderen Klappe des Buchumschlags befindet sich der Klappentext, welcher mit einem Zitat aus dem Buch beginnt. Auf der hinteren Klappe wird die Autorin mit einem Foto und einer kurzen Biographie dargestellt. <br>Die Handlung verteilt sich auf insgesamt 18 Kapitel und wird in drei Teile aufgegliedert:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li class=\"has-small-font-size\">&#8222;Teil 1: <em>Die Dichterin, <\/em>1874 &#8211; 1905&#8243;<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-small-font-size\"> &#8222;Teil 2: <em>Die Lehrerin, <\/em>1910 &#8211; 1920&#8243;<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-small-font-size\">&#8222;Teil 3: <em>Die Juristin, <\/em>1920 &#8211; 1925&#8243;<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Nach einer au\u00dferordentlich sch\u00f6nen Widmung beginnt das Buch im Herbst 2023. Danach geht die Handlung mit Teil 1 zur\u00fcck in das Jahr 1874. Nach dem dritten Teil, welcher im Jahr 1925 endet, befinden wir uns dann nochmals im Herbst 2023. Damit ist es eine sehr runde und in sich abgeschlossene Geschichte. <br>Dem erz\u00e4hlenden Teil schlie\u00dfen sich die historische Anmerkung und das Quellenverzeichnis an. <br>Da die Handlung fortlaufend und gleich zu Beginn mit hohen erz\u00e4hlerischen Tempo erz\u00e4hlt wird, fand ich mich sehr schnell in der Geschichte ein und zurecht. Auch der klare, bildhafte und detaillierte Sprachstil der Autorin zog mich schnell mit in die Geschichte und schon nach den ersten beiden Kapiteln war mir klar, was f\u00fcr einen Buchschatz ich da gerade in den H\u00e4nden halte. Ein G\u00e4nsehaut-Schauer jagte den n\u00e4chsten, immer wieder stiegen mir die Tr\u00e4nen in die Augen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p style=\"font-size:16px\">&#8222;Wie das kleine Kind von einst f\u00fchlte sie sich j\u00e4h, das so viele Fragen gehabt hatte, die Welt so gerne hatte begreifen wollen und das von allen stets abgeb\u00fcgelt worden war, bis es endlich geschwiegen hatte. Aber sie wollte kein Kind mehr sein, das vergebens gegen die W\u00e4nde der Gleichg\u00fcltigkeit rannte, und schweigen wollte sie erst recht nicht.&#8220;<\/p>\n<cite>[Seite 50, Kapitel 3]<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Das Buch verf\u00fcgt \u00fcber kein Personenregister &#8211; welches ich jedoch auch zu keiner Zeit vermisst habe. Jede der zahlreichen Figuren wird sehr behutsam in die Handlung eingef\u00fchrt und so beschrieben, dass ich mir die jeweiligen Hintergr\u00fcnde gut merken konnte.<br>Einige der Hauptfiguren sind fiktiv, andere Figuren hingegen sind historische Pers\u00f6nlichkeiten. Wobei die Autorin in ihrem Nachwort auch klarstellt, dass sie sich <em>&#8222;bei der Schilderung der historischen Figuren nicht nur auf Fakten gest\u00fctzt&#8220;<\/em> (Zitat &#8218;Historische Anmerkungen) hat, sondern sich auch ihrer Fantasie bedient hat. <br>So sind Mathilde Albrecht und ihre Familie fiktiv, verbinden aber die Geschichten der historischen Figuren Clara Grunwald, Eglantyne Jebb, Ottilie Baader und Emma D\u00f6ltz, geborene Lehmann, mit- und untereinander. <br>Emma und Mathilde lernen sich im Kindesalter kennen, sind sich in vielem \u00e4hnlich und gleichzeitig doch sehr unterschiedlich. Sie stammen beide aus \u00e4rmlichen Verh\u00e4ltnissen und wachsen im Armenhaus in Steglitz auf. Sie verschlie\u00dfen ihre Augen nicht vor Ungerechtigkeiten und vor allem Emma bringt sich damit immer wieder in Schwierigkeiten. Beide m\u00f6chten Kindern zu mehr Rechten verhelfen, verlieren dabei aber doch des \u00d6fteren ihre eigenen Familien aus den Augen. <br>Julia Kr\u00f6hn hat mit diesen beiden Figuren sehr lebensechte Charaktere geschaffen, welche der Leser\/ die Leserin \u00fcber 50 Jahre hinweg begleitet. Beide entwickeln sich \u00e4u\u00dferst glaubhaft von M\u00e4dchen zu jungen Frauen, hin zu M\u00fcttern und Gro\u00dfm\u00fcttern. Die ergreifenden Geschichten und Schicksale der Beiden, welche mir immer wieder die Tr\u00e4nen in die Augen trieben, werde ich so schnell nicht mehr vergessen. <br>Viele der weiteren Figuren in diesem Roman h\u00e4ngen unmittelbar mit dem Werdegang und den Schicksalen von Emma und Mathilde zusammen. Um nicht zu viel von der Handlung und Spannung vorwegzunehmen, m\u00f6chte ich nicht detailliert auf diese Figuren eingehen. <br>Die ambivalenten Zeichnung und die teils sehr \u00fcberraschenden Handlungen aller Figuren konnten mich sehr \u00fcberzeugen. Au\u00dferdem ist es Julia Kr\u00f6hn wieder vortrefflich gelungen, ihre fiktiven Figuren in einen hervorragend recherchierten geschichtlichen Hintergrund einzubetten und gekonnt mit den historischen Figuren und deren Schicksalen zu verbinden. Auch die Tragik, die Spannungen, Zerw\u00fcrfnisse und Differenzen zwischen einigen der Figuren waren stets fass- und f\u00fchlbar und zogen mich schnell in die emotionale Geschichte hinein.<br>Mit ihren vielen und vielf\u00e4ltigen Figuren zeigt Julia Kr\u00f6hn ein sehr authentisches Bild der sich rasch entwickelten Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhundert und des beginnenden 20. Jahrhunderts.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p style=\"font-size:16px\">&#8222;\u00bbEs klingt, als w\u00e4re der Krieg eine dunkle Wolke, die der Wind ganz zuf\u00e4llig und ohne unser Zutun \u00fcber uns getrieben hat\u00ab, hatte Clara bemerkt. \u00bbDabei braut sich Krieg nicht am Himmel zusammen, sondern in den Herzen.\u00ab&#8220;<\/p>\n<cite>[Seite 301, Kapitel 16]<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Den geschichtlichen Hintergrund bilden die Jahre von 1874 bis 1925. In dieser Zeit war die Gesellschaft sehr im Wandel und es gab einige bedeutende historische Begebenheiten.<br>Der erste Teil des Buches spielt im Deutschen Kaiserreich, welches drei Jahre zuvor gegr\u00fcndet wurde und von Beginn an ein Land voller Widerspr\u00fcche war: Den Prachtbauten erfolgreicher Unternehmer und des Adels standen die dunklen&nbsp;Mietskasernen&nbsp;(mit ihren vielen teils dunklen Hinterh\u00f6fen) gegen\u00fcber. Armut und Reichtum klafften im Deutschen Kaiserreich weit auseinander. Infolge des gro\u00dfen Bev\u00f6lkerungswachstums und der wirtschaftlichen Entwicklungen entstanden neue Eliten:  Unternehmer gewannen immer mehr an Ansehen und Bedeutung. W\u00e4hrend der Staat und die Gesellschaft von Aristokratie und Gro\u00dfb\u00fcrgertum gepr\u00e4gt wurden, formierte sich in der Arbeiterklasse der Kampf um soziale und politische Emanzipation &#8211; und eben auch f\u00fcr die Durchsetzung von Kinderrechten. Mit der fortschreitenden Industrialisierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts und der Einf\u00fchrung der Schul\u00adpflicht ver\u00e4nderte sich auch die Diskussion um den Gehorsam und die Pflichten der Kinder. Es begann sich die Auffassung durchzusetzen, dass Kinder auch bestimmte Rechte haben. Das internationale Interesse an Fragen der Rechte von Kindern wurde immer gr\u00f6\u00dfer und das f\u00fchrte dazu, dass schon fr\u00fch v\u00f6lkerrechtliche Vertr\u00e4ge zum Schutz und zur Wahrung der Rechte von Kindern zustande kamen.&nbsp;<br>Im zweiten Teil der Geschichte, welcher von 1910 bis 1920 spielt, stehen die Zeiten vor, w\u00e4hrend und nach dem Ersten Weltkrieg im Fokus. Viele Errungenschaften und Erneuerungen (vor allem in der Bildung) wurden durch diesen Krieg zunichte gemacht und es musste nach Kriegsende wieder vieles neu aufgebaut werden. In der gespaltenen Gesellschaft klafften tiefe Wunden, welche der Krieg hinterlassen hatte.  <br>Auch im dritten Teil, welcher von 1920 bis 1925 spielt, wird deutlich, wie zerrissen und verwundet die Gesellschaft nach Ende des Ersten Weltkriegs war: Die bittere Armut, der Kampf um Lebensmittel, die vielen heimgekehrten und teilweise versehrten Soldaten, sowie auch der Unglaube der Bev\u00f6lkerung an die Demokratie und damit die Wut auf die noch junge Weimarer Republik bildeten den Alltag zahlreicher Menschen. Viele hatten gro\u00dfe Hoffnungen, dass es in einer Demokratie nur besser werden sollte, doch die Weimarer stand von Beginn an auf wackeligen F\u00fc\u00dfen. Die hohen Reparationszahlungen und die &#8218;Dolchsto\u00dflegende&#8216; forderten ihren Tribut, wodurch sich viele Menschen von der Demokratie belogen und betrogen f\u00fchlten. <br>Bereits w\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs griff der amerikanische Pr\u00e4sident&nbsp;Woodrow Wilson&nbsp;in seinem&nbsp;14-Punkte-Pogramm&nbsp;vom Januar 1918 den Gedanken einer Friedensorganisation auf. Wilsons Forderung nach einer internationalen Gemeinschaft zur Sicherung des Friedens konnte auf der im Januar 1919 beginnenden Pariser Friedenskonferenz erfolgreich umgesetzt werden. Die teilnehmenden Staaten beschlossen die Gr\u00fcndung des sogenannten V\u00f6lkerbunds. Dessen Satzung  wurde als Artikel 1 bis 26 Bestandteil des&nbsp;Versailler Vertrags. Als der Vertrag am 10. Januar 1920 in Kraft getreten war, nahm der V\u00f6lkerbund mit Hauptsitz in Genf seine Arbeit offiziell auf. Hier wurde auch die erste Satzung f\u00fcr Kinderrechte von Eglantyne Jebb entworfen: die <em>&#8218;Children\u2019s Charta&#8216;<\/em>. Am 24. September 1924 wurde die Charta von der Generalversammlung des V\u00f6lkerbundes verabschiedet und als Genfer Erkl\u00e4rung bekannt. Die Erkl\u00e4rung enthielt grundlegende Rechte der Kinder in Bezug auf ihr Wohlergehen und sollte dazu beitragen, den Schutz bzw. die Versorgung der Kinder in der Zwischenkriegszeit zu sichern. <br>Diese vielen geschichtlichen Hintergr\u00fcnde hat Julia Kr\u00f6hn sehr akribisch recherchiert und stellt diese sehr anschaulich in ihrem Roman &#8222;Papierkinder&#8220; da. Ich habe viel Neues zu diesen Themen, vor allem aber \u00fcber die Thematik und Entstehung der Kinderrechte, erfahren. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p style=\"font-size:16px\">&#8222;\u00bbIch wei\u00df\u00ab, sagte Nelly, \u00bbes mag ein k\u00fchner Traum sein. Aber es ist kein unm\u00f6glicher. Save the Children hat es schon jetzt geschafft, die unterschiedlichsten Menschen zu vereinen, die f\u00fcr das Wohl der Kinder zusammenarbeiten. Weil die Kinder die Verletzlichsten sind. Und weil Kinder die Hoffnung auf eine bessere Zukunft sind.\u00ab&#8220;<\/p>\n<cite>[Seite 467, Kapitel 23]<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Am Ende dieser Rezension m\u00f6chte ich mich ganz herzlich bei Julia Kr\u00f6hn f\u00fcr dieses erneute emotionale, unvergessliche und lehrreiche Lesevergn\u00fcgen bedanken. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap has-small-font-size\"><strong>Fazit: Auch wenn das Buch nun beendet ist, bin ich noch nicht wirklich bereit Abschied von dieser gro\u00dfartigen Geschichte und den liebgewonnen Figuren zu nehmen. <br>Bereits nach den ersten Kapiteln war mir klar, was f\u00fcr einen Buchschatz ich da gerade lese. Ein G\u00e4nsehaut-Schauer jagte den n\u00e4chsten, immer wieder stiegen mir die Tr\u00e4nen in die Augen.<br>Auch wenn die letzte Seite gelesen ist, wird diese starke und unvergessliche Geschichte, welche nichts von ihrer Brisanz verloren hat, noch lange nachklingen. Eine absolute Leseempfehlung<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"font-size:11px\"><strong>*<\/strong><em>Ich habe f\u00fcr diese Rezension von der Autorin und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein pers\u00f6nliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung des Verlages in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-rounded\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"990\" height=\"990\" src=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Papierkinder_02_komp.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6209\" style=\"width:360px;height:360px\" srcset=\"https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Papierkinder_02_komp.jpg 990w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Papierkinder_02_komp-300x300.jpg 300w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Papierkinder_02_komp-150x150.jpg 150w, https:\/\/buechertanz.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Papierkinder_02_komp-768x768.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 990px) 100vw, 990px\" \/><\/figure><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Julia Kr\u00f6hn [Werbung*] Bibliografische Angaben:Erscheinungsdatum: 18. 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