„Eine grenzenlose Welt – Aufbruch“

von Sonja Roos

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: eBook: 01. März 2024, Paperback: 17. April 2024
Verlag: Goldmann
Ausgaben: Paperback, eBook
ISBN:  978-3442494132
Seitenanzahl: 416 Seiten
Preise: 16€ (Paperback), 04,99€ (eBook)
Reihe: „Auswanderer-Saga“, Band 01 von 03

Homepage:
https://www.sonjaroos.de
https://www.penguin.de/Autor/Sonja-Roos/p677123.rhd

Klappentext:
„Hamburg 1892: Während eine Choleraepidemie in der Stadt wütet, verlassen die junge Marga und ihre Cousine Rosie ihre Heimat für immer. Auf einem Auswandererschiff wagen sie die Fahrt nach Amerika in der Hoffnung auf ein Leben fern von Not und Armut. Während der langen Reise schließen die beiden Freundschaft mit zwei jungen Männern, Simon und Nando, die wie sie auf ein besseres Los in der Neuen Welt hoffen. Die vier beschließen, gemeinsam in New York das Glück zu suchen. Doch dann kommen Rosie und Simon einander näher. Ihre aufkeimende Liebe, aber auch dunkle Geheimnisse aus der Vergangenheit treiben einen Keil zwischen die Freunde, und die Gruppe droht schon bald nach der Ankunft zu zerbrechen …“

* Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank dafür.
– Ich habe von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistungen erhalten, die Rezension spiegelt meinen persönlichen Lese-Eindruck wieder.
– Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars und der Verlinkung der Verlags-Homepage, kennzeichne ich diese Rezension als Werbung.

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Das Buch „Eine grenzenlose Welt – Aufbruch“ ist der Auftakt einer Trilogie und spielt zu Beginn der Handlung in Hamburg, im weiteren Verlauf hauptsächlich in New York des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

„Ein aufgeregtes Kribbeln hatte sie erfasst. Hier standen so viele unterschiedliche Menschen mit Träumen, mit Hoffnungen, mit einer Vergangenheit und einer Idee von der Zukunft.“

[Kapitel 8]

Hamburg 1892: Die Cholera wütet in der Stadt und fordert täglich mehr Opfer. Die junge Marga lebt zusammen mit ihrer Mutter in ärmlichen Verhältnissen. Als sich für Marga die Gelegenheit zu einer Überfahrt zusammen mit ihrer Cousine Rosie nach New York bietet, zögert ihre Mutter nicht lange und schickt ihre Tochter in die Neue Welt und damit in ein neues Leben, fernab von Armut, Hunger und Krankheit.
Auf der Überfahrt lernen Marga und Rosie die beiden jungen Männer Simon und Nando kennen. Später verbindet sie zusätzlich ein großes Geheimnis. Die vier beschließen auch in New York zusammen zu bleiben und sich gemeinsam ein neues Leben aufzubauen. Doch als Simon seine Gefühle für Rosie nicht mehr länger leugnen kann und auch die Vergangenheit die vier einzuholen droht, steht die Gemeinschaft und die Zukunft der vier jungen Menschen auf der Kippe.

Dieses Buch ist mein erstes Buch, welches ich von der Autorin Sonja Roos gelesen habe. Und soviel schon mal vorweg: Es wird definitiv nicht mein letztes gewesen sein.
Im Februar 2024 fragte Sonja Roos an, ob ich den Auftakt ihrer Trilogie gerne lesen und rezensieren möchte. Nachdem ich den Klappentext gelesen hatte, sagte ich ihr direkt zu. Ich mag Romane, die zur Zeit der großen Auswanderungswelle im ausgehenden 19. Jahrhunderts/ beginnenden 20. Jahrhundert spielen und ich liebe New York. Also sagte ich Sonja Roos zu und bekam das Buch dann Anfang März vom Goldmann Verlag als Rezensionsexemplar zugesendet. Dafür an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön.

Neben dem Klappentext hat mich auch das stimmungsvolle Cover angesprochen, welches perfekt zu der Geschichte passt:
Das Cover wird von braunen Farbtönen dominiert und zeigt in der oberen Hälfte eine blondhaarige Frau, welche ein grünes Oberteil trägt und mit einem offenen Blick in die Kamera schaut. Mittig steht der Titel und Untertitel des Buches, darunter ist ein Hafengebäude und ein Schiff zu sehen.

Ich habe dieses Buch als eBook gelesen, weshalb ich zu der Ausstattung des Buches, wie zum Beispiel der Innengestaltung, an dieser Stelle keine Angaben machen kann.
Insgesamt umfasst das Buch 416 Seiten und gliedert sich in zwei Teile auf: Der erste Teil der chronologisch erzählten Handlung beginnt im Jahr 1892 in Hamburg, der zweite Teil setzt dann vier Jahre später an.
Beide Teile umfassen einige, in der Regel eher kurze Kapitel, was für einen guten Lesefluss sorgt.
Mit einem ausführlichen Nachwort und der Danksagung der Autorin wird das Buch abgeschlossen.

In den einzelnen Kapiteln stehen abwechselnd die verschiedenen Charaktere und deren Geschichten im Mittelpunkt. Die einzelnen Geschichten der Figuren sind eng miteinander verknüpft und verbinden sich zu einer großen Geschichte, welche mich ab der ersten Seite mitgenommen hat. Mitunter waren mir die etwas komplizierten Liebesgeschichten, das ständige Hin und Her zwischen den Figuren, etwas zu viel.
Die bildhafte und lebendige Sprache der Autorin ließen mich voll und ganz in die Geschichte und damit in längst vergangene Zeiten abtauchen: Sonja Roos beschreibt die unterschiedlichen Menschen und deren Eigenheiten sehr eindrücklich, streut hier und da Dialekte ein, welches alles nochmal lebensechter wirken lässt und sie baut eine sich kontinuierlich ansteigende Spannung auf. Dies und ihre gewissenhafte Recherche der geschichtlichen Hintergründe haben mich das Buch nur noch ungern aus den Händen legen lassen.

„Sie hatte nichts Schlechtes, Durchtriebenes oder Schmutziges an sich. Im Gegenteil, ihr Blick auf das Leben schien ungetrübt, warm, voller Güte.“

[Kapitel 17]

Marga lernen wir zu Beginn der Handlung kennen und ist eine der vier Hauptfiguren. Sie hat, trotz vieler Schicksals- und Rückschläge, nie ihren Lebensmut verloren. Mit ihrer Mutter lebt sie, nach dem plötzlichen und frühen Tod des Vaters, in ärmlichen Verhältnissen – doch die beiden sind sich vertrauensvoll verbunden. Deshalb fällt es Marga alles andere als leicht, ihre Mutter zurückzulassen und ohne sie in ein neues Leben aufzubrechen. Marga und ihren ehrlichen und gutmütigen Charakter mochte ich von Beginn an sehr gerne und fand sehr schnell zu ihr und ihrem Leben einen Zugang. Auch wenn sie oft nicht weiß, was sie genau möchte, was sie in ihrem Leben erreichen kann und will, mochte ich sie sehr. Sie gibt den Menschen in ihrer Umgebung (vor allem ihrer Cousine Rosie) Halt und auch Zuversicht.
Rosie hat, ähnlich wie Marga, auch mit einigen Schicksalsschlägen zu kämpfen – vor allem aber mit ihrer Vergangenheit, welche sie nicht loszulassen scheint. Auch wenn sie immer wieder kleine Fortschritte macht, wird sie oft von Begebenheiten wieder zurück geworfen. Rosies tragische Lebensgeschichte nahm mich stellenweise sehr mit – und ich musste auch das ein oder andere Mal mit den Tränen kämpfen.
Auch die Geschichten der beiden männlichen Hauptfiguren sind nicht weniger mitreißend: Simon lässt seine Vergangenheit und seine Eltern hinter sich und hofft auf eine Zukunft in der neuen Welt ohne Geldsorgen. Doch das Leben kommt dazwischen und wirft all seine wohlüberlegten Pläne durcheinander – aber der charismatische und vor allem sympathische Simon lässt sich davon so schnell nicht beirren.
Nando ist der jüngste der vier Hauptfiguren. Nachdem er es mit Margas Hilfe auf das Auswanderschiff geschafft hat, hofft auch er auf ein neues Leben. Doch auch für ihn kommt alles anders als gedacht.
Neben diesen vier Hauptfiguren spielen noch einige weitere Figuren mit. Sie alle konnten mich mit ihren vielfältigen (Lebens-)Geschichten überzeugen. Die vielen Verbindungen aber auch Konflikte und Dramen zwischen den Charakteren waren sehr greifbar – vor allem aber fühlbar.
In ihrem Nachwort erklärt Sonja Roos, dass ihre „Protagonisten zwar fiktiv sind“, es ihr jedoch „ein Anliegen war, ihre Lebenswelt so authentisch wie möglich zu gestalten“, weshalb sie sich „die Freiheit genommen habe, reale Menschen, Geschichten, Begebenheiten und Ereignisse in die Handlung einzubauen.“
Und genau das habe ich auch beim Lesen gespürt: Diesen authentischen Zeitgeist, die vielen wahren Begebenheiten und Ereignisse, welche die Protagonisten erleben. Genau das macht das Buch zu einem gelungenen, unterhaltsamen und lehrreichen Lesevergnügen.

»(…) Ich will etwas aus mir machen. Aber ich will nicht nur reich werden. Ich will einen Eindruck hinterlassen, das Land mitprägen und seine Geschichte auf den Seiten einer Zeitung mitschreiben.«

[Kapitel 36]

Den geschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergrund von „Eine grenzenlose Welt – Aufbruch“ bildet das ausgehende 19. Jahrhundert. Zu dieser Zeit wütete in Hamburg der letzte große Ausbruch der Cholera in Deutschland. Unter anderen führten verschmutztes Trinkwasser, die vielen ungesunden Kellerwohnungen und dass sich in der Innenstadt viele Menschen unter unhygienischen Bedingungen auf sehr engem Raum ballten, dazu, dass vor allem in Hamburg viele Menschen erkrankten. Insgesamt waren während der Epidemie 16.956 Menschen erkrankt und 8.605 Menschen gestorben.
Zu dieser Zeit, und auch davor und danach, wanderten viele Menschen aus, wobei die Vereinigten Staaten Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts ein beliebtes Einwanderungsland waren. Neben wirtschaftlichen Gründen übte die USA auf viele Menschen eine große Anziehungskraft aus, denn hier gab es Siedler, die sich in einem freien Land niederlassen und ihren Traum von einem neuen Leben verwirklichen konnten. Viele Auswanderer wurden allerdings in den USA schnell wieder in die Wirklichkeit zurückgeholt, denn auch hier gab es Wirtschaftskrisen und nicht jeder fand das schnelle Glück, das er für sich und seine Familie erträumte.

Zwischen 1816 und 1900 wanderten etwa 5 Millionen Deutsche nach Amerika aus. Für viele waren wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend: Sie fanden keine Arbeit mehr, da die Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts eingesetzt hatte und das Handwerksgewerbe immer weiter zurück drängte. Die meisten Deutschen, die im 19. Jahrhundert auswanderten, gingen nach Amerika – dort sahen sie das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Oft ließen sie ihr komplettes bisheriges Leben für immer zurück.

„Auswandererdenkmal in Bremerhaven“ (Bildquelle: Pixabay)

Ein weiterer gesellschaftlicher und geschichtlicher Hintergrund ist die Geschichte der Zeitungen in den USA und die Entwicklung der amerikanischen Presselandschaft: Diese war ganz anders als im europäischen Zeitraum und vor allem durch die sogenannte „Penny Press“ geprägt. Nach Ansicht des Journalisten James Gordon Bennett würde die Öffentlichkeit auf keinen Fall ein ernstes Blatt kaufen, sondern er war der Meinung, dass die große wahllose Neugier eher mit Klatsch als mit Diskussionen zu befriedigen war.
In New York gab es im ausgehenden 19. Jahrhundert eine Vielzahl an unterschiedlichen Zeitungen, welche das städtische Leben, Nachrichten und Kultur abdeckten und die Vielfalt und das lebhafte Medienumfeld widerspiegelten, das New York City im Jahr 1892 zu bieten hatte. Dieser gesellschaftliche Hintergrund dürfte wahrscheinlich im zweiten Band der Reihe ein noch größeres Thema sein.
Die vielen unterschiedlichen Hintergründe und Themen hat Sonja Roos sehr akribisch recherchiert und stellt diese sehr deutlich mit den Geschichten ihrer Protagonisten da. Vor allem fand ich es sehr spannend darüber zu lesen, wie die Einbürgerung der Einwanderer am Hafen von New York ablief, aber auch durch die Einblicke in die journalistischen Tätigkeiten konnte ich meinen Horizont erweitern.

Am Ende dieser Rezension möchte ich mich ganz herzlich bei Sonja Roos für dieses mitreißende und vor allem lehrreiche Lese-Erlebnis bedanken. Ich freue mich schon auf den zweiten Band der Reihe „Eine grenzenlose Welt – Schicksal“ (ET: 19. Juni 2014) und bin sehr gespannt, wie es mit der Geschichte und vor allem den vielen liebgewonnen Figuren weitergehen wird. Da das Buch mit einem absoluten Cliffhanger endet, kann ich den ET kaum erwarten!

Fazit: „Eine grenzenlose Welt – Aufbruch“ ist der farbenprächtige und stimmungsvolle Auftakt zu einer Trilogie, welcher mich ab der ersten Seite mitgenommen hat und bis zur letzten Seite nicht mehr losgelassen hat.
Zu den vielfältigen Charakteren habe ich schnell einen Zugang gefunden und zudem habe ich eine Menge zu der Geschichte der Auswanderung im ausgehenden 19. Jahrhundert gelernt.
Ein sehr gelungenes, unterhaltsames und lehrreiches Lesevergnügen und deshalb eine ganz große Leseempfehlung. Top!

* Ich habe für diese Rezension von der Autorin und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Bereitstellung eines kostenlosen Rezensionsexemplars durch den Verlag, der Titelbezeichnung/ Namensnennung und der Link zur Verlagshomepage muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

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