„Das Haus der Hebammen – Ellas Entscheidung“

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 21. September 2022
Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3-7341-1039-9
Seitenanzahl: 448 Seiten

Klappentext:
Köln. Das Geburtshaus in der Cranachstraße 21 ist zur bevorzugten Anlaufstelle für werdende Mütter geworden. Obwohl mittlerweile neue Kolleginnen das Team ergänzen, müssen die Gründerinnen – die Hebammen Ella, Susanne und Carola –immer wieder schweren Herzens Patientinnen aus Kapazitätsgründen ablehnen. Trotz des beruflichen Erfolgs sehnt sich Ella nach Veränderung. Und als ihr Freund Frank ihr einen Heiratsantrag macht, zögert sie, ja zu sagen. Doch dann wird sie gebeten, ein Hilfsprojekt in einem Geburtshaus in Uganda zu betreuen. Plötzlich steht Ella vor der schwersten Entscheidung ihres Lebens …
Ein berührender Roman über die kleinen und großen Dramen, über Schmerz, Freude und den Glauben, dass am Ende alles gut wird.“

https://www.penguinrandomhouse.de/Taschenbuch/Das-Haus-der-Hebammen-Ellas-Entscheidung/Marie-Adams/Blanvalet/e586795.rhd

Hinweise:
– Bitte lest diese Rezension nicht, wenn ihr den ersten Teil („Das Haus der Hebammen – Susannes Sehnsucht) und den zweiten Teil („Das Haus der Hebammen – Carolas Chance“) noch nicht gelesen habt, aber noch möchtet. Spoilergefahr!

– Das Buch habe ich freundlicherweise über das ‚Bloggerportal‘ vom Blanvalet-Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.
– Meine ausführliche Rezension zum ersten Teil findet ihr hier und zum zweiten Teil hier.

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Das Buch „Das Haus der Hebammen – Ellas Entscheidung“ von Marie Adams ist der dritte und letzte Teil der Reihe um drei fiktive Hebammen, welche Ende des 20. Jahrhunderts in Köln ein erfolgreiches Geburtshaus führen.

Zehn Jahre nach der gemeinsamen Gründung des Geburtshauses durch die Hebammen Susanne, Carola und Ella ist eine Geburt dort schon längst kein Geheimtipp mehr. Immer mehr Frauen möchten in geborgener Atmosphäre und mit einer Eins-zu-eins-Betreuung gebären. Der Andrang ist mittlerweile so groß, dass immer wieder Frauen aus Kapazitätsgründen abgesagt werden muss.
Während Susanne voll und ganz in ihrem Berufsleben aufgeht und sich in Carolas Leben das Chaos etwas lichtet, sehnt sich Ella, die jüngste der drei Hebammen, nach Veränderung. Da bekommt sie ein Angebot von ihrem Exfreund, im Zuge eines Hilfsprojekt ins ferne Uganda zu reisen. Ella hadert, sieht aber auch, dass in Deutschland im ausgehenden 20. Jahrhundert noch einiges in Sachen Frauenrechte im Argen liegt. Doch es scheint ein schier aussichtsloser Kampf für die Rechte der Frauen und Ella muss die schwierigste Entscheidung ihres Lebens fällen.

Mitte Juni 2022 erhielt ich von der Autorin Marie Adams in den sozialen Medien eine Nachricht, in welcher sie anfragte, ob ich ihre Buchreihe „Das Haus der Hebammen“ gerne lesen und rezensieren möchte.
Da ich die „Hebammen-Reihe“ von Linda Winterberg in den letzten Jahren sehr gerne gelesen hatte und ich zudem gerne wieder etwas über das Thema Geburt lesen wollte, sagte ich der Autorin sofort zu. Die Teile 1 und 2 erreichten mich wenig später und ich habe beide mit großer Begeisterung gelesen. Den vorliegenden dritten Teil habe ich dann über das ‚Bloggerportal‘ angefragt und zugesendet bekommen.
An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an die Autorin für die Vermittlung der Rezensionsexemplare und ein herzliches Dankeschön an den Blanvalet-Verlag für die Zusendung und Bereitstellung der Bücher.

In diesem dritten und damit letzten Teil der Buchreihe steht Ella im Mittelpunkt der Geschichte. Noch immer ist sie für ihr Gespür für die Anliegen der Gebärenden bekannt und vor allem sehr beliebt. Ihre ruhige, aber auch mitunter sehr bestimmte Art mochte ich ab dem ersten Teil und ich war schon sehr gespannt, wie es mit ihr und ihrem Leben weitergeht. Noch immer scheint sie ihren Platz im Leben nicht gefunden zu haben. Als ihre Mitbewohnerin aus der WG auszieht, ihr Freund Frank (ein sehr undurchsichtiger Charakter) ihr einen Ring schenkt, welcher ‚alles bedeuten kann‘ und dann auch noch ihr Exfreund Christoph (ebenfalls eine sehr undurchschaubare Figur) sie bittet, ihn zu einem Hilfsprojekt in Uganda zu begleiten, fühlt sich Ella, wie zwischen den Stühlen sitzend. Sie weiß, dass sie ihr Leben verändern kann und vor allem will, nur ist ihr nicht klar wie. Als sie von einer jungen Schwangeren um Hilfe gebeten wird, erkennt Ella, dass im fast beginnenden 21. Jahrhundert auch in Deutschland in Sachen anonyme Geburten im Argen liegt. Sie wächst einerseits über sich hinaus und wird gleichzeitig doch immer unsicherer. Ellas mitreißende Geschichte hat mich sehr beeindruckt und sie wird mit Sicherheit noch einige Zeit nachklingen.
Stets an Ellas Seite sind ihre Kolleginnen und Freundinnen im Geburtshaus: Susanne, Carola, Annett und Hilde. Diese bemerken, dass Ellas Verhalten immer unsicherer wird und sie von ihren Wünschen nach Veränderungen bedrängt wird. Susanne konnte mich mit ihrer empathischen und ehrlichen Art und und ihrer authentischen Entwicklung wieder völlig überzeugen – ich schätze sie einfach sehr, da sie mit viel Hingabe ihre Berufung ausübt und sich auch durch Rückschläge nicht aus dem Konzept bringen lässt. Mit dem ruhigen, warmherzigen und sympathischen Buchhändler Antonius führt sie eine sehr harmonische Ehe, auch wenn der Wunsch nach eigenen Kindern den Beiden verwehrt wurde. Doch trotzdem sind sie für Susannes Tochter liebevolle Eltern und ihrer Enkelin liebevolle Großeltern – mit all ihren Macken und Kanten.
Nach einer turbulenten und kräftezehrenden Zeit ist auch Carola wieder voll in ihrem Beruf angekommen und führt diesen leidenschaftlich aus. Sie hat einen Weg gefunden, ihr Berufsleben und ihre Familie zu vereinen, aber auch gleichzeitig voneinander zu trennen. Sie ist wieder mit sich und ihrer Familie im Reinen, auch wenn es manchmal in Privatleben noch immer etwas chaotisch und stressig zugeht. Ihre quirlige, aber stets liebevolle Art, welche sie im zweiten Teil verloren hat, kommt hier wieder regelmäßig zum Vorschein – ich mag Carola, wie auch ihre gesamte authentische Familie sehr gerne, da sie zusammenhalten, wenn es drauf ankommt und doch auch jeder sein Ding machen kann.
Die drei Freundinnen sind charakterlich völlig verschieden und auch ihre familiären Hintergründe könnten nicht unterschiedlicher sein, aber genau das scheint sie zu einer großartigen und unzerbrechlichen Einheit zusammenzufügen. Sie werden von ihrer Leidenschaft für ihren Beruf geeint und sie alle stehen zu ihrer Überzeugung einer selbst bestimmten, respektvollen, geborgenen und liebevollen Geburt.
Um diese drei Hauptfiguren agieren noch eine Vielzahl an anderen Charakteren, welche alle vielfältig und facettenreich beschrieben sind. Sie alle, egal ob Haupt- oder Nebenfigur, konnten mich mit ihren lebensechten Geschichten und Hintergründen mitnehmen. Hier sind auf jeden Fall noch die ehemalige Oberschwester Hilde, welche alles Organisatorische im Geburtshaus übernimmt, und die später dazu gestoßene Hebamme Annett zu nennen, welche das leidenschaftliche Team des Kölner Geburtshauses vervollständigen und mit ihren interessanten Geschichten nochmals Schwung in die Story gebracht haben.
Nun heißt es leider von all diesen Figuren Abschied zu nehmen. Sie alle haben einen Platz in meinem Leseherz gefunden und bleiben für immer unvergessen.

Zu Beginn der Geschichte gibt es einen kleinen Rückblick ins Jahr 1996 – dieser knüpft fast nahtlos an die Handlung des zweiten Teils an. Die eigentliche Handlung des Buches beginnt dann im Mai 1999. Mittlerweile sind also fast 10 Jahre seit der Gründung des Geburtshauses vergangen.
Marie Adams farbenfroher, leichter und detaillierter Sprachstil ließ auf keiner der 448 Seiten Langeweile aufkommen und ich war sofort wieder in der chronologisch erzählten Geschichte angekommen. Wie auch schon die ersten beiden Bände, legte ich auch diesen Teil nur noch ungern aus den Händen und ich konnte ein letztes Mal völlig in der Geschichte abtauchen. Marie Adams hat mit dem letzten Teil der Buchreihe um die ‚Hebammen von Köln‘ einen wunderschönen und stimmigen Abschluss gefunden.
Auch hier runden die liebevolle Aufmachung des Buches und ein sehr persönliches Nachwort der Autorin diesen wundervollen Teil und die unvergessliche Reihe perfekt ab.
Im Prinzip kann man die Teile auch unabhängig voneinander lesen, allerdings empfehle ich, dass man sie als Gesamtkunstwerk betrachtet und einfach nacheinander geniest.

Wie schon in den vorherigen Teilen der Reihe ist das große Thema des Buches die die selbst bestimmte und respektvolle Geburt. Auch wenn das Buch 1999 spielt, ist dies noch immer hochaktuell – eigentlich noch mehr den je. In vielen Krankenhäusern ist die Entbindungsstation durch die ‚Nicht-Planbarkeit‘ ein hoher Kostenfaktor, welchen man unter anderen mit vielen geplanten Kaiserschnitten und/ oder Geburtseinleitungen entgegenzuwirken versucht. Auf eine selbst bestimmte und bedürfnisorientierte Geburt kann aufgrund der angespannten Personalsituation und der Schichtdienste nicht eingegangen werden – oft betreut eine Hebamme im Krankenhaus mehrere Geburten parallel. All das habe ich 2012 und 2014 leider am eigenen Leid gespürt.
Geburtshäuser bieten Frauen eine Alternative. Hier finden Frauen eine vertrauensvolle, ermutigende und bestärkende Schwangerschafts-, Geburts- und Wochenbettbetreuung. Das im Buch beschriebene Geburtshaus ist – wie auch die Charaktere – fiktiv, es lehnt sich aber an das erste Geburtshaus in Köln in der Cranachstraße an. Was zu Beginn belächelt und als verrückte Idee galt, hat sich heute in der Gesellschaft etabliert und es gibt mittlerweile in vielen deutschen Städten Geburtshäuser – überall mit langen Wartelisten.
Ein weiteres großes Thema ist der Umgang mit – vor allem jungen – Frauen, welche ungeplant schwanger geworden sind und das Kind auf die Welt bringen. 1999 wurde mit dem Einrichten der Babyklappen ein wichtiger Schritt getan, um das Aussetzen und/ oder Töten der ungewollten Neugeborenen zu verhindern. Später wurde dann auch die Möglichkeit der anonymen Geburt geschaffen. Diese beiden Maßnahmen stehen nach wie vor in der Kritik, da dabei das Grundrecht des Kindes auf Kenntnis der eigenen Herkunft verletzt wird.
Diese großen Themen hat Marie Adams sehr gut in ihrem Roman dargestellt und verbindet diese wunderbar mit ihren fiktiven Charakteren und deren Geschichten.
Das Buch zeigt, wie wichtig und unentbehrlich die Arbeit der Hebammen ist und auch, wie wesentlich es ist, dass Frauen unter der Geburt die Macht über ihren Körper behalten müssen – aber auch den schwierigen Spagat der Hebamme, wenn diese bei Komplikationen die Frauen in ein Krankenhaus schicken müssen.
Marie Adams zeigt aber auch sehr eindrucksvoll, in welcher Bedrängnis Frauen waren, als es noch keine Babyklappen und die Möglichkeit einer anonymen Geburt gab.

Liebe Marie Adams, ich möchte mich ganz herzlich für diese wichtige Buchreihe und für das mitreißende Lese-Erlebnis bedanken.

Fazit: „Das Haus der Hebammen – Ellas Entscheidung“ ist ein sehr gelungener Abschluss dieser bildgewaltigen Reihe. Auch hier flogen die Seiten nur so dahin und ich bin so unendlich froh, dass ich diese unvergessliche Reihe gelesen habe. Ich werde all die liebgewonnen Figuren sehr vermissen und für immer in meinem Leseherz tragen. Lasst euch dieses Lesevergnügen nicht entgehen.

*Ich habe für diese Rezension vom Verlag oder von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„Die Freundinnen vom Strandbad – Wogen der Freiheit“

von Julie Heiland

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 28. Juli 2022
Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3-548-06560-1
Seitenanzahl: 592 Seiten

Klappentext:
Ost-Berlin, August 1961. Die Jugendfreundinnen Martha und Betty verbringen einen Nachmittag im Strandbad Müggelsee, doch die Dritte im Bunde fehlt: Clara ist nach West-Berlin geflohen, um sich ein neues Leben aufzubauen. Während es Betty nach einem Schicksalsschlag gelingt, als Schauspielerin Fuß zu fassen, beginnt Martha, gegen die Regierung zu protestieren. Ausgerechnet Betty wird von der Stasi gezwungen, Martha auszuspionieren, um ihre Karriere zu retten. Die Leben der Frauen entwickeln sich in völlig unterschiedliche Richtungen, und ihre Freundschaft droht zu zerbrechen. Werden die drei trotz aller politischen Widrigkeiten eines Tages wieder zueinanderfinden?“

https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/die-freundinnen-vom-strandbad-die-mueggelsee-saga-2-9783548065601.html

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!
– Bitte lest diese Rezension nicht, wenn ihr den ersten Teil der Reihe („Die Freundinnen vom Strandbad – Wellen des Schicksals“) noch nicht gelesen habt – dies aber möchtet. Ihr könntet euch sonst spoilern!
– Hier findet ihr meine Rezension zum ersten Teil: „Die Freundinnen vom Strandbad – Wellen des Schicksals“

– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

Coverrechte: Ullstein-Verlag

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Das Buch „Die Freundinnen vom Strandbad – Wogen der Freiheit“ von Julie Heiland ist der zweite der Teil der „Müggelsee- Saga“ und spielt in Ost- und West-Berlin und zeigt das unterschiedliche Leben der drei Freundinnen Martha, Betty und Clara zu Zeiten der Berliner Mauer.

Ost-Berlin im August 1961: Während die beiden Freundinnen Martha und Betty versuchen ihr Leben im Schatten der Mauer zu leben, gelingt ihrer Freundin Clara die dramatische Flucht in den Westen. Völlig entkräftet und auf sich alleine gestellt, kommt Clara in einer für sie völlig fremden Welt an. Dort trifft sie die selbstbewusste Lilli, bei der sie einzieht, langsam Fuß fasst und sie beginnt sich ein neues, freies Leben aufzubauen.
Auch Betty und Martha müssen nach einigen Misserfolgen und Schicksalsschlägen ihre Leben neu ordnen: Betty gelingt es, sich als Schauspielerin einen Namen zu machen, Martha beginnt gegen die Regierung der DDR zu protestieren.
Die Leben der drei Freundinnen entwickeln sich in völlig verschiedene Richtungen, ihre Freundschaft wird damit auf eine harte Probe gestellt und droht zu zerbrechen. Doch sie alle drei haben einen gemeinsamen Feind, welcher ihr erhofftes Glück immer wieder zu zerstören droht – und die Hoffnung, dass sie irgendwann wieder vereint sind.

Auf den ersten Teil der „Müggelsee-Saga“ bin ich im Mai 2022 durch Beiträge der Autorin in den Sozialen Medien aufmerksam geworden. Das wunderbare Cover und auch der Klappentext weckten damals mein Interesse, da ich Geschichten rund um den Mauerbau sehr gerne lese und auch das „Leitmotiv Freundschaft“ es mir sehr angetan hat. Ich las den ersten Teil „Die Freundinnen vom Strandbad – Wellen des Schicksals“ mit großer Begeisterung und es war klar, dass ich auch den zweiten Teil dieser zweiteiligen Reihe lesen muss. Diesen bekam ich freundlicherweise vom Ullstein-Verlag als Rezensionsexemplar zugesendet, wofür ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken möchte.


Im ersten Teil der Reihe war ich direkt von den unterschiedlichen und auch sehr tiefgründigen Charakteren begeistert und ich war sehr gespannt, wie es mit ihnen und ihren so unterschiedlichen Lebenswegen im zweiten Teil weitergehen wird.
Aus den drei jungen Mädchen sind mittlerweile junge Frauen geworden, welche aber noch alle ihren Platz im Leben suchen.
Martha, welche in einer regimetreuen – allerdings nicht ihrer leiblichen – Familie groß wurde, stellt das Regime und vor allem die Mauer immer mehr in Frage. Ihr kreativer Kopf und ihr sehr ehrlicher und direkter Charakter passen nicht jedem/ jeder und sie muss schauen, wie sie ihren Traumberuf Journalistin irgendwie verwirklichen kann.
Betty, welche zu Beginn des ersten Teils einen sehr verwöhnten Eindruck machte, findet sich nun als Ehefrau eines einflussreichen Regisseurs wieder, der sie aber hintergeht und nicht nur beruflich an der kurzen Leine hält. Doch die starke Betty möchte sich nicht so schnell unterkriegen lassen und kämpft für sich und ihre Zukunft, auch wenn es sie vieles kostet und sie einen schweren Schicksalsschlag erleidet.
Auch in diesem Teil ist Clara eine meiner Lieblingsfiguren. Ihre bedrückende und aussichtslose Situation ließ sie in den Westen fliehen. Auch dort muss sie für ihr Glück und Zukunft alles in Bewegung setzen, während sie das entsetzliche Heimweh, vor allem aber die Sehnsucht nach ihren Freundinnen und ihrer Familie beinahe auffrisst. Doch sie ist, wie schon im ersten Teil, eine Kämpferin, welche nach jedem Fall immer wieder aufsteht.
Jede der drei Freundinnen hat sich sehr authentisch weiterentwickelt und sie alle konnten mich mit ihren lebhaften Geschichten und ihrem Werdegang überzeugen
Um diese drei Hauptfiguren agieren noch viele weitere Personen: Deren Familien und Freunde aber auch andere Charaktere, die es nicht so gut mit ihnen meinen. Sie alle konnten sie mich mit ihrer Vielfältigkeit, aber auch ihren Verschiedenheiten völlig begeistern. Es sind Figuren, welche man so schnell nicht mehr vergisst und mit denen die Autorin ein lebensechtes und farbenfrohes, wenn auch stellenweise beklemmendes, Bild der damaligen Zeit zeichnet. Sie alle haben sich glaubhaft weiterentwickelt.
Ganz besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle noch Claras Retterin und Freundin Lilli. Sie lebt in West-Berlin und hat in ihrem Leben schon so einiges erlebt und mitgemacht. Ihre Geschichte berührte mich sehr und ich mochte ihre offene, aber auch geheimnisvolle Art sehr gerne.

Die Handlung des zweiten Teils setzt direkt an den ersten Teil an, was dazu führte, dass ich sofort wieder in der Geschichte angekommen war.
Die Handlung wird chronologisch erzählt und umfasst einige Jahrzehnte. Bemerkenswert finde ich, dass Julie Heiland immer im Wechsel kapitelweise den Schwerpunkt auf eine der Freundinnen legt und ich somit den einzelnen Figuren, ihrer Geschichte und ihren Gedanken sehr nahe kommen konnte.
Die Autorin hat einen detaillierten Sprachstil, welcher aber auf keiner Seite langatmig oder gar langweilig wird. Sie beschreibt diese Zeit voller Leidenschaft und auch mit viel Ortskenntnis – ich konnte mich komplett in diese mitreißende Geschichte fallen lassen und mochte das Buch nur noch ungern aus den Händen legen. Gerade zum Schluss hin, als nach und nach alle Fäden der Handlung zusammenlaufen, wurde es so spannend, dass die Seiten nur so dahinflogen. Einerseits konnte ich nicht schnell genug lesen, auf der anderen Seite wollte ich nicht, dass dieses Buch – und damit diese mitreißende Geschichte – endet.

Den geschichtlichen Hintergrund bilden West-Berlin und Ost-Berlin in den Jahren von 1961 bis 1989 und das Jahr 1990.
Im August 1961 wurde die Mauer gebaut und sollte die DDR hermetisch von der BRD abriegeln. Erst im November 1989, nach mehr als 28 Jahren, fiel dieses Grenzbefestigungssystem.
Insgesamt starben in diesen 28 Jahren 101 Menschen bei ihren Versuchen aus der DDR über die Mauer in die Freiheit zu flüchten, unzählige Familien und Freunde wurden auseinander gerissen.
Auch wenn der Staat DDR seine Ohren und Augen überall hatte, es immer die Gefahr bestand, dass man bespitzelt, belauscht und beobachtet wurde, firmierte sich Widerstand. Die Menschen in Ost-Berlin hatten direkt vor Augen, wie viel besser es den Menschen in West-Berlin ging.
Ein weiteres großes Thema ist die gesellschaftliche Stellung der Frau in der DDR. Zwar waren Männer und Frauen vom Gesetz gleichberechtigt, was sie praktisch jedoch nicht waren. Neben ihrer beruflichen Tätigkeiten sollten Frauen den Haushalt meistern, eine gute Köchin, eine liebevolle Mutter und ihrem Mann eine fürsorgliche Ehefrau sein.
Julie Heiland hat diese geschichtlichen Hintergründe und Themen akribisch recherchiert und kombiniert diese wunderbar mit ihren fiktiven Charaktere und deren Schicksalen. Ich habe nochmal einiges zu diesen höchst interessanten Themen dazu gelernt.
Die Autorin macht mit ihrer unvergesslichen Buchreihe Geschichte erleb- und vor allem fühlbar. Danke Julie Heiland für dieses mitreißende Lese-Erlebnis.

Fazit: Dieser zweite Teil der Geschichte steht dem ersten Teil in Nichts nach: Wunderbare und bemerkenswerte Figuren, welche vor einem spannenden geschichtlichen Hintergrund agieren. Und eine absolut unvergessliche und mitreißende Story, die süchtig macht. Sehr empfehlenswert.


*Ich habe für diese Rezension vom Verlag oder von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„Das Haus der Hebammen – Carolas Chance“

von Marie Adams

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 18. Juli 2022
Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3-7341-1038-2
Seitenanzahl: 400 Seiten

Klappentext:
„Köln. Das Geburtshaus in der Cranachstraße 21 ist längst kein Geheimtipp mehr und inzwischen als »Haus der guten Hoffnung« bekannt. Die drei Gründerinnen, die Hebammen Carola, Susanne und Ella, sind beste Freundinnen und ein eingespieltes Team. Fürsorglich und kompetent kümmern sie sich um große und kleine Patienten und Patientinnen. Carolas Kinder sind mittlerweile aus dem Gröbsten raus, und ihr Mann Andreas feiert Erfolge als Drehbuchautor. Alles könnte perfekt sein, doch Carola fühlt sich mehr und mehr entfremdet von ihrem Partner, der sich beschwert, sie arbeite zu viel. Als sie ihre alte Jugendliebe Karsten wiedertrifft, fragt sie sich, wie ihr Leben wohl mit ihm verlaufen wäre …
Ein berührender Roman über die kleinen und großen Dramen, über Schmerz, Freude und den Glauben, dass am Ende alles gut wird.“


https://www.penguinrandomhouse.de/Taschenbuch/Das-Haus-der-Hebammen-Carolas-Chance/Marie-Adams/Blanvalet/e586792.rhd

– Falls ihr den ersten Teil der Reihe noch lesen möchtet, solltet ihr diese Rezension nicht lesen, da ihr euch sonst spoilern könntet.
Das Buch habe ich freundlicherweise über die Autorin Marie Adams vom Blanvalet-Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.
Das Buch ist der zweite Teil einer Reihe, kann aber auch ohne Vorkenntnisse des erstens Teils gelesen werden.
Meine ausführliche Rezension zum ersten Teil findet ihr hier.

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Das Buch „Das Haus der Hebammen – Carolas Chance“ von Marie Adams ist der zweite Teil einer fiktiven Reihe um drei Freundinnen, welche in den 90er Jahren in Köln ein Geburtshaus leiten.

Fünf Jahre nach der Gründung ist das Geburtshaus »Haus der guten Hoffnung« von Susanne, Carola und Ella längst kein Geheimtipp mehr und beliebter denn je. Hier bekommen gebärende Frauen eine Eins-zu-eins-Betreuung, sie schenken Wärme und Geborgenheit und auch nach der Geburt übernehmen sie die warmherzige Nachsorge.
Susanne scheint mit ihrem Antonius das große Glück gefunden zu haben, auch wenn Susanne sich nach wie vor nach einem gemeinsamen Kind sehnt. Ella hat den Sprung in die weite Welt gewagt und kehrt nach zwei Jahren in Uganda wieder zurück in das Geburtshaus. Doch in ihr Elternhaus möchte sie nur ungern zurückkehren. Währenddessen geht es bei Carolas Familie rund: Die Kinder sind mittlerweile aus dem Gröbsten raus und Carolas Mann Andreas ist ein gefeierter Autor. Als Andreas sich beschwert, dass seine Frau zu viel arbeitet und ihm nicht den Rücken frei hält, driftet ihre Ehe weit auseinander. Carola steht vor einer nicht zu lösenden Entscheidung: Ihre leidenschaftliche Arbeit oder ihre Familie? Beides gleichzeitig zu händeln scheint ein Ding der Unmöglichkeit. Als sie dann auch noch überraschend ihrer Jugendliebe Carsten gegenüber steht, stellt sie ihr Familienleben gänzlich in Frage.

Mitte Juni 2022 erhielt ich von der Autorin Marie Adams in den sozialen Medien eine Nachricht, in welcher sie anfragte, ob ich ihre Buchreihe „Das Haus der Hebammen“ gerne lesen und rezensieren möchte.
Da ich die „Hebammen-Reihe“ von Linda Winterberg in den letzten Jahren sehr gerne gelesen hatte und ich zudem gerne wieder etwas über das Thema Geburt lesen wollte, sagte ich der Autorin sofort zu. Dieser zweite Teil erreichte mich zusammen mit dem ersten Teil der Reihe („Das Haus der Hebammen – Susannes Sehnsucht“), welchen ich mit großer Begeisterung gelesen habe.
An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an die Autorin für die Vermittlung der Rezensionsexemplare und ein herzliches Dankeschön an den Blanvalet-Verlag für die Zusendung und Bereitstellung der Bücher.

In diesem Teil der Reihe steht die dreifache Mutter Carola im Zentrum der Geschichte. Mit ihrem Humor und ihrer Zielstrebigkeit ist sie immer für die Frauen im Geburtshaus da. Ihre Kurse sind äußerst beliebt und sie hat auch immer ein offenes Ohr für die Ängste und Nöte der werdenden Mütter. Doch in ihrem privaten Umfeld ist es noch immer ein Unding, dass sie weiterhin arbeiten geht – vor allem jetzt, als ihr Mann Andreas seinen großen Durchbruch als Autor hat. Vieles im Familien-Alltag bleibt an ihr hängen und trotzdem entgleiten ihre Kinder ihr immer mehr. Carolas teils drastische, jedoch völlig authentische Wandlung nahm mich sehr mit: Im ersten Teil des Buches ist Carolas Art sehr quirlig und auch ein wenig chaotisch. Nun wirkt sie des Öfteren überspannt und ist mit sich selbst, vor allem aber mit ihrer Familie nicht im Reinen. Es ist gut, dass sie ihre Freundinnen hat, auf die sie sich verlassen kann. Die Ehe zu Andreas ist zwar noch immer von gegenseitigen Respekt geprägt, allerdings führt der Erfolg von Andreas dazu, dass diese gegenseitige Achtung zu bröckeln beginnt. Es gab Szenen, in denen ich Andreas einfach als absolut liebevoll empfand, dann war er gegenüber Carola sehr überheblich und abwertend.
Susanne steht fest neben Carola und lebt jeden Tag ihres Traums eines eigenen Geburtshauses. Mit viel Leidenschaft und Hingabe übt sie ihre Berufung aus. Der ruhige, warmherzige und sympathische Antonius und sie führen eine sehr harmonische Ehe – es scheint alles perfekt. Doch der Wunsch nach einem gemeinsamen Kind treibt Susanne um und sie ist bereit alles für die Erfüllung dieses Wunsches auf sich zu nehmen. Sie schafft es, Beruf und Privates zu trennen, auch wenn es sie des Öfteren zu innerlich zerreißen droht. Auch in diesem Teil konnte mich Susannes empathischer und ehrlicher Charakter und ihre authentische Entwicklung wieder völlig überzeugen .
Die dritte im Bunde ist Ella. Auch sie hat sich weiterentwickelt und hat zwar den Sprung in die weite Welt geschafft, aber trotzdem scheint sie ihren Platz im Leben noch nicht richtig gefunden zu haben. Trotzdem ist die junge Frau für ihr Gespür für die Anliegen der Gebärenden allseits beliebt und auch ich mochte ihre ruhige, aber trotzdem bestimmte Art, sehr gerne. Ich bin sehr gespannt, wie es mit ihr und ihrer Geschichte weitergeht, da sie im dritten Teil den Mittelpunkt der Geschichte spielen wird.
Die drei Freundinnen sind charakterlich völlig verschieden und auch ihre familiären Hintergründe könnten nicht unterschiedlicher sein, aber genau das scheint sie zu einer großartigen Einheit zusammenzufügen. Sie werden von ihrer Leidenschaft für ihren Beruf geeint und sie alle stehen zu ihrer Überzeugung einer selbst bestimmten, respektvollen, geborgenen und liebevollen Geburt. Ich habe die drei ganz fest in mein Leserinnen-Herz geschlossen.
Um diese drei Hauptfiguren agieren noch eine Vielzahl an anderen Charakteren, welche alle authentisch und facettenreich beschrieben sind. Sie alle, egal ob Haupt- oder Nebenfigur, konnten mich mit ihren lebensechten Geschichten und Hintergründen mitnehmen und ich bin sehr gespannt, wie sich all diese unterschiedlichen Lebensgeschichten weiter entwickeln werden.

Die Handlung des Buches setzt etwa drei Jahre nach Ende des ersten Teils an und ich war sofort wieder in der chronologisch erzählten Geschichte angekommen.
Marie Adams farbenfroher, leichter und detaillierter Sprachstil ließ auf keiner der 400 Seiten Langeweile aufkommen. Ich legte dieses Buch, wie auch schon den Auftakt der Reihe, nur noch ungern aus den Händen.
Auch die liebevolle Aufmachung des Buches und ein sehr persönliches Nachwort der Autorin runden diesen wundervollen zweiten Teil perfekt ab und es bleibt die große Vorfreude auf den dritten Teil, welcher am 21. September 2022 erscheint.

Wie schon im Reihen-Auftakt ist das große Thema des Buches Die die selbst bestimmte und respektvolle Geburt. Auch wenn das Buch 1994 spielt sind diese Themen noch immer hochaktuell. In vielen Krankenhäusern ist die Entbindungsstation durch die ‚Nicht-Planbarkeit‘ ein hoher Kostenfaktor, welchen man unter anderen mit vielen geplanten Kaiserschnitten und/ oder Geburtseinleitungen entgegenzuwirken versucht. Auf eine selbst bestimmte und bedürfnisorientierte Geburt kann aufgrund der angespannten Personalsituation und der Schichtdienste nicht eingegangen werden – oft betreut eine Hebamme im Krankenhaus mehrere Geburten parallel.
Geburtshäuser bieten Frauen eine Alternative. Hier finden Frauen eine vertrauensvolle, ermutigende und bestärkende Schwangerschafts-, Geburts- und Wochenbettbetreuung. Das im Buch beschriebene Geburtshaus ist, wie auch die Charaktere fiktiv, lehnt sich aber an das erste Geburtshaus in Köln in der Cranachstraße an. Was zu Beginn belächelt und als verrückte Idee galt, hat sich heute in der Gesellschaft etabliert und es gibt mittlerweile in vielen deutschen Städten Geburtshäuser – mit langen Wartelisten.
Ein weiteres großes Thema ist die Vereinbarkeit der berufstätigen Frau mit einer Familie. Nach wie vor sind es zum größten Teil noch immer die Frauen, welche ihre Berufstätigkeit zugunsten der Familie aufgeben. Sollte eine Frau sich doch gegen die Aufgabe des Berufs stellen, ist ein großer Teil der Bevölkerung schnell dabei, diese Frauen abwertend als ‚Rabenmütter‘ zu bezeichnen.
Diese großen Themen hat Marie Adams sehr gut in ihrem Roman dargestellt und verbindet diese wunderbar mit ihren fiktiven Charakteren und deren, teils dramatischen Geschichten.
Das Buch zeigt, wie wichtig und unentbehrlich die Arbeit der Hebammen ist und auch, wie wesentlich es ist, dass Frauen unter der Geburt die Macht über ihren Körper behalten müssen. Aber auch, dass es noch ein langer Weg der Gesellschaft zur Gleichberechtigung von Mann und Frau ist.

Vielen Dank liebe Marie Adams für dieses kurzweilige und mitreißende Lesevergnügen.

Fazit: Die 400 Seiten des Buches flogen nur so dahin und ich konnte völlig in dieser dramatischen Geschichte abtauchen. Eine unvergessliche Geschichte, welche mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistert hat und aufzeigt, wie wichtig und unentbehrlich die Arbeit der Hebammen ist. Top!

*Ich habe für diese Rezension vom Verlag oder von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„Das Haus der Hebammen – Susannes Sehnsucht“

von Marie Adams

[Werbung*]

Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 16. Mai 2022
Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3-7341-1037-5
Seitenanzahl: 416 Seiten

Klappentext:
Köln. Susanne, Carola und Ella arbeiten als Hebammen im selben Krankenhaus und sind gute Freundinnen. Als sie in der Cranachstraße 21 ein leer stehendes Haus entdecken, entscheiden sie sich, ein Geburtshaus zu gründen. Sie träumen davon, den werdenden Müttern und deren Babys die bestmögliche Geburt zu schenken – voll Geborgenheit und Wärme – und sie auch danach weiter zu begleiten. Als Susanne eine Frau betreut, die vorgibt, ihr erstes Kind zu erwarten, erkennt die erfahrene Hebamme anhand einiger Narben sofort die Lüge. Warum verheimlicht ihre Patientin die frühere Geburt? Sofort reißen bei Susanne alte Wunden auf. Denn sie hat in jungen Jahren eine Tochter geboren, die sie weggeben musste …“

https://www.penguinrandomhouse.de/Taschenbuch/Das-Haus-der-Hebammen-Susannes-Sehnsucht/Marie-Adams/Blanvalet/e586779.rhd

– Das Buch habe ich freundlicherweise über die Autorin Marie Adams vom Blanvalet-Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.
– Hier findet meine ausführliche Rezension zum zweiten Teil der Reihe: „Das Haus der Hebammen – Carolas Chance“

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Das Buch „Das Haus der Hebammen – Susannes Sehnsucht“ von Marie Adams erzählt die fiktive Geschichte der Gründung eines Geburtshauses durch drei Hebammen in Köln im Jahr 1989.

Köln im Jahr 1989: Die drei Freundinnen Susanne, Carola und Ella arbeiten im St.-Laurentius-Krankenhaus als Hebammen. Mit viel Leidenschaft üben die drei ihren Beruf aus, kommen aber immer wieder an ihre Grenzen, wenn sie den Frauen nicht die bestmögliche Geburt ermöglichen können.
Als Susanne ein leerstehendes Haus unweit des Krankenhauses entdeckt, reift in ihr der Plan eines Geburtshauses. Ihre beiden Freundinnen sind schnell überzeugt und so gründen die drei einen Ort, in dem sie gebärenden Frauen in einer Eins-zu-eins-Betreuung Wärme und Geborgenheit schenken und auch nach der Geburt übernehmen sie die warmherzige Nachsorge.
Während Carola einen chaotischen, aber liebevollen Familien-Alltag führt und Ella sich zu einem Mann hingezogen fühlt, reißen bei Susanne plötzlich alte und nie verheilte Wunden auf: Als junges Mädchen hat sie selbst ein Kind geboren, welche sie auf Druck ihrer Eltern zur Adoption freigeben musste. Allen Widerständen zum Trotz begibt sie sich auf die Suche nach ihrem Kind.
Doch plötzlich sieht sich das Geburtshaus einer Schmutzkampagne ausgesetzt. Die drei Freundinnen geben alles, damit ihr wahr gewordener Traum weiterhin Bestand hat.

Mitte Juni 2022 erhielt ich von der Autorin Marie Adams in den sozialen Medien eine Nachricht, in welcher sie anfragte, ob ich ihr Buch „Das Haus der Hebammen – Susannes Sehnsucht“ gerne lesen und rezensieren möchte.
Da ich die „Hebammen-Reihe“ von Linda Winterberg in den letzten Jahren sehr gerne gelesen hatte und ich zudem gerne wieder etwas über das Thema Geburt lesen wollte, sagte ich der Autorin sofort zu. Das Buch erreichte mich dann, zusammen mit dem gerade erschienen zweiten Teil der Reihe, etwa vier Wochen nach der Anfrage der Autorin.
An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an die Autorin für die Vermittlung der Rezensionsexemplare und ein herzliches Dankeschön an den Blanvalet-Verlag für die Zusendung und Bereitstellung der Bücher.

Zu Beginn des Buches war ich etwas überfordert mit den vielen Charakteren, ihren Familien und ihren persönlichen Hintergründen. Das änderte sich aber nach den ersten Seiten schnell und ich schloss sie alle, vor allem aber die drei Hauptfiguren Susanne, Carola und Ella, in mein Herz.
Die drei Freundinnen sind vom Charakter und auch von ihrem familiären Hintergrund her völlig verschieden, werden aber von ihrer großen Leidenschaft für ihren Beruf und auch von ihrer Ansicht über eine selbst bestimmte Geburt geeint.
Susanne, die im Mittelpunkt dieses Reihen- Auftakts steht, ist die Initiatorin des Geburtshauses und steckt die anderen Beiden mit ihrer Begeisterung an. Sie hat immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte anderer, doch sie selbst leidet entsetzlich unter ihrem streng gehüteten Geheimnis, welches sie ihren Freundinnen einfach nicht offenbaren kann: Die Geburt einer Tochter, als sie noch selbst ein halbes Kind war. Immer wieder kehren ihre Gedanken zu ihrem Kind zurück, welches sie auf Druck ihrer Eltern zur Adoption freigeben musste. Entgegen aller Vernunft beginnt sie mit der Suche nach ihrer Tochter. Mir hat Susannes empathischer Charakter sehr gefallen. Sie ist innerlich zerrissen und steht immer wieder vor schwierigen Entscheidungen. Doch sie gibt sich selbst nicht auf – und auch die Liebe zu ihrem Kind nicht. Einer neuen Liebe zu einem Mann steht sie nach einigen Hin und Her auch offen gegenüber.
Carola ist Mutter dreier Kinder und ihr Beruf ernährt die Familie. Ihr Mann schreibt an einem Roman und so ist Carola, welche das Haus zum Arbeiten verlässt. Die Familie hat sich damit arrangiert, doch Carola leidet sehr darunter, dass viele aus ihrem sozialen Umfeld dies nicht anerkennen und verstehen: Eine Mutter hat zuhause bei ihren Kindern zu sein und der Vater soll arbeiten gehen. Carola lässt sich aber nicht unterkriegen, auch wenn sie des Öfteren verzweifelt, wenn sie in wichtigen Situationen nicht bei ihren Kindern sein kann oder nach einem langen Arbeitstag noch der Haushalt auf sie wartet. Ich mochte Carolas leicht chaotische, doch stets absolut liebevolle und quirlige Art sehr gerne. Auch ihre turbulente Familienmitglieder bringen sehr viel Leben in die Geschichte. Es bleibt spannend, wie es mit ihr und ihrer Familie im zweiten Teil der Geschichte weitergeht.
Ella, die dritte Hauptfigur, ist mit ihren 22 Jahren die Jüngste der drei Freundinnen. Sie wohnt noch zuhause bei ihren liebevollen, etwas konservativ eingestellten Eltern und hat den großen Sprung in die weite Welt noch nicht gewagt. Ella ist ein sehr emotionaler, aber auch verständnisvoller Charakter und ich bin sehr gespannt, wie sie sich in den nächsten Teilen der Geschichte entwickeln wird.
Um diese drei Hauptfiguren agieren noch eine Vielzahl an anderen Charakteren, welche alle authentisch und facettenreich beschrieben sind. Sie alle, egal ob Haupt- oder Nebenfigur, konnten mich mit ihren lebensechten Geschichten und Hintergründen mitnehmen und ich schloss sie alle fest in mein Leserinnen-Herz.
Hier ist vor allem der Buchhändler Antonius zu nennen. Anfangs ist er einfach nur der recht freundliche Nachbar des Geburtshauses, seine Vergangenheit liegt völlig im Schatten. Doch im Laufe der Handlung zeigt sich immer mehr die dramatische Geschichte von diesem warmherzigen und sympathischen Charakter.

Die Handlung des Buches ist chronologisch aufgebaut. Vieles aus der Vergangenheit einer Figur wird rückblickend erzählt.
Marie Adams hat einen sehr farbenfrohen, leichten und detaillierten Sprachstil, welcher auf keiner der 416 Seiten Langeweile aufkommen ließ und mich schnell mit in die Geschichte nahm.
In der sehr ruhig erzählten Geschichte gibt es aber auch immer wieder Passagen, die mich emotional sehr mitnahmen und ich legte das Buch nur noch ungern aus den Händen.
Die liebevolle Aufmachung des Buches und ein sehr persönliches Nachwort der Autorin runden diesen wundervollen Reihen-Auftakt perfekt ab.

Die großen Themen des Buches sind die selbst bestimmte Geburt und die Gewalt unter der Geburt. Auch wenn das Buch in den Jahren 1989/ 1990 spielt sind diese Themen noch immer hochaktuell. In vielen Krankenhäusern ist die Entbindungsstation durch die ‚Nicht-Planbarkeit‘ ein hoher Kostenfaktor, welchen man unter anderen mit vielen geplanten Kaiserschnitten entgegenzuwirken versucht. Auf eine selbstbestimmte und bedürfnisorientierte Geburt kann aufgrund der angespannten Personalsituation und der Schichtdienste nicht eingegangen werden – oft betreut eine Hebamme im Krankenhaus mehrere Geburten parallel. Ich persönlich musste am eigenen Leib spüren, wie es ist, wenn man in den Wehen liegt und in der Zeit mehrere Schichtwechsel mitbekommt und dementsprechend immer wieder von anderen Hebammen und Ärzten/ Ärztinnen betreut wird.
Geburtshäuser bieten Frauen eine Alternative. Hier finden Frauen eine vertrauensvolle, ermutigende und bestärkende Schwangerschafts-, Geburts- und Wochenbettbetreuung. Das im Buch beschriebene Geburtshaus ist, wie auch die Charaktere fiktiv, lehnt sich aber an das erste Geburtshaus in Köln in der Cranachstraße an. Was zu Beginn belächelt und als verrückte Idee galt, hat sich heute in der Gesellschaft etabliert und es gibt mittlerweile in vielen deutschen Städten Geburtshäuser – mit langen Wartelisten.
Diese großen Themen hat Marie Adams sehr gut in ihrem Roman dargestellt und verbindet diese wunderbar mit ihren fiktiven Charakteren und deren Geschichte.
Das Buch zeigt, wie wichtig und unentbehrlich die Arbeit der Hebammen ist und auch, wie wesentlich es ist, dass Frauen unter der Geburt die Macht über ihren Körper behalten müssen.

Vielen Dank liebe Marie Adams für diese mitreißende und so wichtige Lektüre.

Fazit: Eine Geschichte mit wundervollen Charakteren, welche mir schnell zu Freundinnen und Freunden wurden und mich bestens unterhalten hat. Das Buch schafft zudem Aufmerksamkeit für die wertvolle und unentbehrliche Arbeit der Hebammen. Eine absolute Leseempfehlung für diesen tollen Reihen-Auftakt.

*Ich habe für diese Rezension vom Verlag oder von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„Die Freundinnen vom Strandbad – Wellen des Schicksals“

von Julie Heiland

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 27. Mai 2022
Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3-548-06559-5
Seitenanzahl: 624 Seiten

Klappentext:
„Ost-Berlin, an einem heißen Julitag 1956: Ein dramatischer Badeunfall lässt drei junge Mädchen zu unzertrennlichen Freundinnen werden. Obwohl sie aus sehr unterschiedlichen Verhältnissen kommen, teilen sie von nun an alles miteinander: Claras Träume von einem Leben im Westen, Bettys Liebe zum Film und einem regimetreuen Regisseur und Marthas Begeisterung für die FDJ. Die drei erleben die Höhen und Tiefen der ersten Liebe und streben gemeinsam nach Freiheit und Glück ― nichts bringt sie auseinander. Bis schließlich der Bau der Mauer ihre Heimatstadt teilt und sie vor der schwersten Entscheidung ihres Lebens stehen: fliehen oder bleiben?“

https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/die-freundinnen-vom-strandbad-die-mueggelsee-saga-1-9783548065595.html

Hinweise:
-Das Buch habe ich mir selbst gekauft.

-Ich habe für diese Rezension vom Verlag oder von der Autorin keinerlei (auch keine finanzielle) Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Nennung des Verlages und der Produktnennung, sowie Verlinkungen, muss ich diese Rezension als Werbung kennzeichnen.

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Das Buch „Die Freundinnen vom Standbad – Wellen des Schicksals“ von Julie Heiland ist der Auftakt der ‚Müggelsee-Saga“, welche in Ost-Berlin kurz vor dem Bau der Berliner Mauer angesiedelt ist und die unterschiedlichen Lebenswege und die Freundschaft drei junger Frauen zeigt.

Juli 1956 in Ost-Berlin: Der Hochsommer liegt über der Stadt und die drei jungen Mädchen Betty, Clara und Martha verbringen ihre Zeit im Strandbad Müggelsee. Gerade noch rechtzeitig können sie gemeinsam einen tödlichen Badeunfall verhindern, ein Erlebnis, welches die drei völlig unterschiedlichen Mädchen eng zusammenschweißt und unzertrennbar werden lässt.
Die Jahre vergehen, aus den Mädchen sind junge Frauen geworden – jede hat eine ganz andere Zukunft und eigene Träume vor Augen: Betty möchte unbedingt Schauspielerin werden und angelt sich einen regimetreuen Regisseur, Martha ist begeisterte Anhängerin der FDJ und Clara sieht als Tochter regimekritischer Elternin der DDR keine Zukunft für sich.
Sie alle suchen ihr Glück und verlieren sich dabei nie aus den Augen. Doch mit dem Bau der Mauer durch ihre Heimatstadt steht ihnen eine schwere Entscheidung bevor: Sollen sie in den Westen fliehen oder in ihrer Heimat bleiben?

Auf das Buch wurde ich durch die Posts der Autorin in den Sozialen Medien aufmerksam. Das wunderbare Cover und auch der Klappentext weckten direkt mein Interesse. Ich mag Geschichten, die zur Zeit des Mauerbaus spielen und auch das ‚Leitmotiv Freundschaft‘ hat es mit sehr angetan. Das Buch versprach eine perfekte Unterhaltung für mich und landete direkt auf der ‚unbedingt-kaufen-Liste‘. Anfang Juni 2022 durfte es dann hier einziehen.

Als ich die ersten Seiten des Buches las, war ich sofort von den unterschiedlichen Charakteren des Buches angetan. Sie werden so authentisch beschrieben und konnten mich mit ihrer Vielfältigkeit völlig begeistern.
Zu Beginn lernen wir Martha kennen. Sie wird in einer regimetreuen Familie groß, wächst in die Strukturen des Staates hinein und stellt die Regierung nur wenig in Frage. Die FDJ bedeutet der fleißigen Martha alles, sie ist eine schlaue und sehr strebsame Jugendliche, durch deren Augen der Leserin/ die Leserin anfangs auch die anderen beiden Mädchen Clara und Betty kennenlernt.
Betty wirkt anfangs wie ein verwöhntes Mädchen, welche alles hat und sich um nichts und niemanden sorgen muss. Sie ist eine eher mittelmäßige Schülerin, die den Kopf voller Träume und Wünsche hat: Sie möchte unbedingt Schauspielerin werden und setzt für diesen Traum alles in Bewegung. Doch der Blick hinter die perfekte Fassade ihrer Familie ist eher traurig.
Clara, die Dritte im Bunde, ist meine persönliche Lieblingsfigur dieses Romans. Ihre teils sehr bedrückende Geschichte nahm mich sehr mit. Doch sie ist eine Kämpferin und lässt sich nicht unterkriegen, so schwer es ihr auch gemacht wird.Trotzdem hätte ich sie gerne das ein oder andere Mal in die Arme genommen und fest gedrückt.
Um diese drei Hauptfiguren agieren noch viele weiterePersonen: Deren Familien und Freunde aber auch andere Charaktere, die es nicht so gut mit ihnen meinen. Wie schon geschrieben, konnten sie mich alle mit ihrer Vielfältigkeit, aber auch ihren Verschiedenheiten völlig begeistern. Es sind Figuren, welche man so schnell nicht mehr vergisst und mit denen die Autorin ein lebensechtes und farbenfrohes, wenn auch stellenweise beklemmendes, Bild der damaligen Zeit zeichnet. Sie alle entwickeln sich im Laufe der Geschichte glaubhaft weiter, sie begehen Fehler, stehen für diese ein und sind immer füreinander da. Ich bin sehr gespannt, wie es mit ihnen und ihren doch so unterschiedlichen Lebenswegen im zweiten Teil der Reihe weitergeht.

Julie Heiland hat einen detaillierten Sprachstil, welcher aber auf keiner Seite langatmig oder gar langweilig wird. Sie beschreibt diese Zeit voller Leidenschaft und auch mit viel Ortskenntnis – ich konnte mich sofort in diese mitreißende Geschichte fallen lassen und mochte das Buch nur noch ungern aus den Händen legen. Gerade zum Schluss hin, als nach und nach alle Fäden der Handlung zusammenlaufen, wurde es so spannend, dass die Seiten nur so dahinflogen.
Toll fand ich, dass im Wechsel immer kapitelweiseder Schwerpunkt auf eine der jungen Frauen liegt und man somit den Figuren, ihrer Geschichte und ihren Gedanken sehr nahe kommt.

Den geschichtlichen Hintergrund bildet zum größten Teil das Jahr 1961. Viele Menschen in Ost-Berlin leben dort in ständiger Angst, sie werden bespitzelt, verfolgt und teilweise festgesetzt. Der Staat hat seine Ohren und Augen überall, ein Leben in Freiheit gibt es nicht. Darunter leiden vor allem die Jugendlichen, welche die Freiheiten der Jugend in West-Berlin immer vor Augen haben.
Immer deutlicher zeigt sich, dass die Menschen nicht nur zwischen Ost- und West-Berlin pendeln, sondern auch, dass viele Menschen aus der DDR flüchten.
Zehntausende flüchteten zu dieser Zeit jeden Monat über den noch einzig offenen Fluchtweg nach West-Berlin. Die Zahl wuchs täglich an, allein im Juli 1961 verließen 30.000 Menschen, vor allem die gut gut ausgebildeten Menschen die DDR. Dadurch verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage der DDR rapide und dem Staat drohte das Aus durch Ausbluten.
Am 13. August begann der Bau einer Mauer um West-Berlin. Damit war der einzige Fluchtweg in den Westen Geschichte. Familien und Freunde wurden auseinander gerissen, sahen sich teilweise nie, oder erst Jahrzehnte später, wieder.
Julie Heiland hat diese geschichtlichen Hintergründe akribisch recherchiert und kombiniert diese wunderbar mit ihren fiktiven Charaktere und deren Schicksalen.
Die Geschichte des Mauerbaus beschäftigt mich schon sehr lange, da es für mich absolut unvorstellbar ist, was die Menschen damals durchmachen mussten. Mit ihrem atemberaubenden Roman macht die Autorin diesen Teil der deutschen Geschichte erleb- und greifbar.

Danke liebe Julie Heiland für dieses unvergessliche Lese-Erlebnis.

Fazit: Eine spannende, tragische und stellenweise bedrückende Geschichte, welche mich mitgenommen und begeistert hat. Ich konnte völlig abtauchen und litt sehr mit den vielfältigen und authentischen Figuren mit. Ein Highlight und eine absolute Leseempfehlung.
Jetzt freue ich mich schon auf den zweiten Teil der Reihe, welcher ab dem 28. Juli im Handel erhältlich ist.

*Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei (finanzielle) Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Das Buch wurde selbst gekauft. Kennzeichnung als Werbung, aufgrund von Produktnamen und Verlinkung der Verlagsseite.

„Der Garten der Harfe“

von Elena Eden

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Bibliographische Angaben:
Erscheinungsdatum: 14. März 2022
Verlag: Selfpublishing
ISBN: 9798430043360 (Taschenbuch bei amazon.de)
9783754336823 (Gebundene Ausgabe Buchhandel)
Seitenanzahl: 384 Seiten

https://elena-eden-autorin.de/der-garten-derharfe/

Klappentext:
„Nach einem fürchterlichen Streit mit ihrem Bruder verlässt Maria im Jahr 1990 Hals über Kopf die Familienvilla am Wannsee in Berlin und setzt sich nach Irland ab. Sie trotzt widrigen Schicksalsschlägen und schafft sich auf der grünen Insel eine neue Existenz als Bildhauerin. Rund drei Jahrzehnte später nimmt ihre Nichte Larissa die Spur der Abgetauchten auf. Was als harmlose Urlaubsreise geplant war, entwickelt sich zu einer mitreißenden Suche durch die exotischen Gärten von Irland. Der jungen Ärztin bietet ein kunstvernarrter Architekt bei den Nachforschungen Hilfe an. Im berühmten Mauergarten von Kylemore Abbey, mitten in der rauen Landschaft von Connemara, hofft Larissa auf den entscheidenden Hinweis.Am Ende kommt ein Familiengeheimnis ans Licht, das tief in die deutsch-irische Geschichte zurückreicht. Hat Larissa die Kraft, durch die Wahrheit ihr altes Leben loszulassen, um wie einst ihre Tante Maria das eigene Lebensglück zu suchen?“

Hinweise:
-Das Buch habe ich freundlicherweise von der Autorin als Rezensionsexemplar in Form eines Taschenbuchs zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!

-Ich habe für diese Rezension von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

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Das Buch „Der Garten der Harfe“ ist ein Roman, der auf zwei Zeitebenen von Verlusten, großen Geheimnissen und Neuanfängen erzählt und größtenteils in Irland und Berlin spielt.

Im Jahr 1990 verlässt Maria nach einem Streit mit ihrem Bruder von einem Tag auf den anderen die Familienvilla in Berlin und flüchtet nach Irland. Dort schafft sie es, sich mit viel Beharrlichkeit ein neues Leben aufzubauen.
Fast 30 Jahre später bricht Marias Nichte Larissa zu einer Urlaubsreise nach Irland auf und nimmt dort die Spur ihrer vermissten Tante auf. Diese Spur führt sie durch geheimnisvolle und verwunschene Gärten der ‚Grünen Insel‘ und sie lernt den kunstliebenden Architekten Alexander kennen und lieben.
Doch die Suche nach ihrer Tante und der Wahrheit reißt in ihrer Familie alte Wunden auf und Larissa steht vor einer großen Entscheidung, die ihr komplettes Leben verändern könnte.

Im August 2020 habe ich mit großer Begeisterung den Debütroman „Der Garten unter dem Eiffelturm“ von Elena Eden gelesen.
Ende März 2022 fragte mich die Autorin, ob ich auch gerne ihren zweiten Roman lesen und rezensieren möchte. Nach dem Blick auf den Klappentext war mein Interesse sofort geweckt, da ich Irland sehr liebe und auch Bücher über Gärten gerne lese. Auch das wunderschöne und stimmige Cover machten mir direkt Lust auf die Geschichte.
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Autorin Elena Eden für die Zusendung des Buches als Rezensionsexemplar und die wunderschöne Signierung.

„»Nur wenn du dir deiner Vergangenheit bewusst bist, und dazu musst du sie kennen, nur dann kann es eine unbeschwerte Zukunft für dich selbst geben …«“

[S. 261, Z. 14 – 16]

Maria und Larissa sind die beiden Hauptfiguren des Romans. Sie sind Tante und Nichte und sie Beide werden von ihrer Vergangenheit und der Suche einer Zukunft angetrieben.
Maria, welche schon immer ihren eigenen Kopf hatte und sich von ihren Eltern nicht gerne etwas vorschreiben lässt. Sie ist so ganz anders als ihr strebsamer Bruder und liebt ihre erkämpfte Freiheit. Doch zu ihrer Mutter verbindet sie ein vertrauensvolles Band. Als sie 1990 nicht nur Berlin, sondern auch Deutschland verlässt, baut sie sich mit viel Entschlossenheit und Mut wieder ein neues Leben auf. Auch wenn sie immer wieder hinfällt, steht sie wieder auf und lässt sich nicht unterkriegen. Marias offene und ehrliche Art war mir direkt sympathisch, zudem macht sie eine glaubhafte und authentische Entwicklung durch.
Larissa, Marias Nichte, macht sich 2019 zu einer Urlaubsfahrt nach Irland auf. Sie ist Ärztin und die nächste Stufe der Karriereleiter ist in greifbarer Nähe. Doch so richtig scheint sie in ihrem Leben noch nicht angekommen, sie ist noch immer auf der Suche nach sich selbst und der großen Liebe. Zudem treiben sie eine unbändige Neugier und ein großer Ehrgeiz an, nicht nur Neues zu entdecken, sondern auch die Vergangenheit ihrer Familie aufzudecken, auch wenn sie damit ihren Vater gegen sich aufbringt. Ich mochte Larissas direkte Art sehr gerne und auch, dass sie immer wieder über sich hinaus wuchs und sie sich ihren Ängsten gestellt hat.
Alexander ist ein Mann, welcher Kunst sehr schätzt und seine Heimat Irland liebt. Anfangs wirkt er sehr undurchsichtig, im Laufe der Geschichte entwickelt er sich für Larissa zu einem Fels in der Brandung und bringt die Geschichte weiter voran. Ein wundervoller Charakter, den man einfach gerne haben muss.
Auch die Charaktere, die nicht im Zentrum der Geschichte stehen, haben mich mit ihrer glaubwürdigen Zeichnung überzeugt. Alle Figuren agieren lebendig und authentisch und bringen einen unverwechselbaren Charme in die Geschichte. Der ein oder andere Charakter brachte mich zum Schmunzeln, andere hingegen ließen mich erstaunt und teils betroffen zurück. Eine perfekte Mischung an Figuren, die im Herzen bleiben werden.

Die Handlung des Buches teilt sich in zwei Erzählstränge. Es beginnt mit der Handlung im Jahr 2019, als Larissa nach Irland reist. Hier wird die Geschichte in der Ich-Form aus Larissas Sicht beschrieben, was dazu führte, dass ich ihr und ihren Gedanken sehr nahe kam und ihr oft nachfühlen konnte.
Der zweite Handlung beginnt 30 Jahre zuvor. Hier spielt Marie die Hauptrolle, allerdings wird die Geschichte nicht aus ihrer direkten Sicht beschrieben. Trotzdem konnte ich mich in ihre Geschichte einfühlen.
Dadurch, dass die zweite Handlung auf die erste Handlung zuläuft, wurde Spannung aufgebaut und ich wollte das Buch nur noch ungern aus den Händen legen.
Der flüssige und detaillierte Sprachstil von Elena Eden ließ auf keiner Seite Langeweile aufkommen und ich konnte vollständig in diese wunderschöne Geschichte abtauchen.
Eine Geschichte, die davon erzählt, wie wichtig es ist, sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen, aber auch seinen Weg im Leben zu finden und die Zukunft vor Augen zu haben.

Wie in ihrem Debütroman „Der Garten unter dem Eiffelturm“ hat sich Elena Eden wieder Gärten und deren Geschichten angenommen – diesmal verschiedenen Gärten in Irland. Diese beschreibt sie mit so viel Wissen und Gefühl, dass es sich anfühlte, als wäre ich gerade in diesen Gärten auf Entdeckungsreise. Somit ist auch dieser Roman ein kleiner Reiseführer, der zu den schönsten Gärten Irlands führt und deren spannende Geschichten erzählt.
Aber auch zu der Geschichte Irlands hat Elena Eden akribisch recherchiert und zeigt damit die sagenhafte Kultur der ‚Grünen Insel‘.
Das Buch hat eine eigene Musik-Playlist und damit einen Soundtrack, da in der Geschichte verschiedenste Musikstücke (vor allem Harfen-Stücke), eine große Rolle spielen. Damit wurde die Stimmung des Buches sehr intensiv und ich konnte mich völlig in die Geschichte fallen lassen.
Mit einer ausführlichen Zusammenstellung der Gärten, die in der Geschichte vorkommen, endet das Buch „Der Garten der Harfe“ und damit ein wunderbares und lehrreiches Lesevergnügen. Danke liebe Elena Eden.

Fazit: Während des Lesens spielte sich ein farbenfroher und intensiver Film in meinen Kopf ab. Tolle Charaktere und die wunderbaren Beschreibungen der Gärten, Landschaften und Menschen bescherten mir wunderbare Lesestunden und viel neues Wissen. Absolut lesenswert.

*Ich habe für diese Rezension von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„Das Lied des Waldes“

von Klara Jahn

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 21. März 2022
Verlag: Heyne Hardcover
ISBN: 978-3-453-27368-9
Seitenanzahl: 384 Seiten

https://www.penguinrandomhouse.de/Buch/Das-Lied-des-Waldes/Klara-Jahn/Heyne/e591595.rhd

Klappentext:
„Nach dem Tod ihrer Mutter kehrt Veronika in ihr Elternhaus im Nürnberger Reichswald zurück, um dessen Verkauf abzuwickeln. Ganz ungelegen kommt ihr diese Flucht aufs Land nicht: Ihre Ehe liegt in Scherben, von ihrem Job und sich selbst ist sie entfremdet. Die Kindheitserinnerungen in dem alten Forsthaus und das Wiedersehen mit ihrer Jugendliebe überwältigen Veronika – da entdeckt sie alteAufzeichnungen über Anna Stromer, die sich im 14. Jahrhundert mit Pioniergeist für den Schutz des Waldes eingesetzt hat. In Annas Geschichte findet sie Trost und Inspiration, und es entwickelt sich ein besonderes Band zwischen den beiden Frauen, denen derselbe Ort durch die Zeiten hindurch Kraft gibt.“

Hinweise:
-Das Buch habe ich freundlicherweise über das ‚Bloggerportal‘ vom Heyne-Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!
-Ich habe für diese Rezension vom Verlag oder von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

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Das Buch „Das Lied des Waldes“ von Klara Jahn ist ein Roman, der auf zwei Zeitebenen vom Umgang und Lernen des Menschen mit dem Wald erzählt.

Als Veronika nach dem Tod ihrer Mutter ihr Elternhaus im Nürnberger Reichswald betritt, möchte sie es eigentlich nur so schnell wie möglich wieder verlassen und verkaufen. Ihre Vergangenheit liegt weiter hier und eine neue Zukunft muss geplant werden: Ihr Ehe liegt in Scherben und auch beruflich ist alles aus und vorbei.
Doch das Haus bringt in ihr viele Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend wieder hoch. Veronika findet in ehemaligen Zimmer ihre damaligen Aufzeichnungen zu Anna Stromer, welche sich im 14. Jahrhundert für den Schutz des Waldes eingesetzt hat.
Als sie dann auch noch ihrer Jugendliebe gegenüber steht, erinnert sich Veronika zurück an eine unbeschwerte Zeit und an ihre damaligen Träume und Wünsche ihres Lebens. Doch was ist davon geblieben?

Vor etwa einem Jahr erschien der erste Roman von Julia Kröhn unter dem Pseudonym Klara Jahn „Die Farbe des Nordwinds“, welchen ich mit großer Begeisterung gelesen habe.
Julia Kröhn gehört zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen, da sie mich mit ihren vielfältigen und akribisch recherchierten Geschichten und ihrer bildhaften Sprache immer wieder überzeugen und begeistern kann. Deshalb wollte ich auch unbedingt ihr neues Werk „Das Lied des Waldes“ lesen und fragte es im ‚Bloggerportal‘ an.
An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an den Heyne für die Zusendung und Bereitstellung des Buches als Rezensionsexemplar.

Das Buch erzählt zwei Geschichten, von denen die eine im Jetzt spielt, die andere im 14. Jahrhundert.
Im Jetzt spielt Veronika die Hauptrolle: Ihre Tochter gerade in die weite Welt gezogen ist und beruflich und in ihrer Ehe ging es plötzlich steil bergab. Es ist nicht viel von der jungen Frau geblieben, welche damals den Ort und die Menschen ihrer Kindheit hinter sich gelassen hat und sich in Frankfurt ein neues Leben aufgebaut hat – fernab des Waldes.
Doch mit den Erinnerungen ist es so eine Sache, sie holen Veronika schneller ein, als ihr lieb ist. Dazu trägt auch ihre Jugendliebe bei, welchem sie nach Jahren plötzlich wieder gegenüber steht. Beide sind von ihren unterschiedlichen Leben gezeichnet.
Mir hat Veronikas authentische Entwicklung sehr gefallen. Anfangs ist sie wenig greifbar, doch je mehr ich über ihre Vergangenheit erfahren habe, desto erkennbarer wurden ihre Beweggründe und auch wie sie zu dem Menschen geworden ist, der sie nun ist.
Auch Martin, Veronikas Jugendliebe, empfand ich sehr lebensecht gezeichnet. Der plötzliche Verlust von Veronika hat ihn sehr gezeichnet und es fällt ihm schwer, wieder Vertrauen zu ihr aufzubauen. Martins Charakter hat mir mit seiner etwas melancholischen, aber ruhigen Art sehr gefallen.
Meine Lieblingsfigur in diesem Buch spielt aber im zweiten Erzählstrang, welcher im 14. Jahrhundert angesiedelt ist, die Hauptrolle: Anna Stromer. Sie lernt der Leser/ die Leserin als junges Mädchen mit große Visionen kennen, dazu besitzt sie Pioniergeist und passt damit nicht so richtig in die Konventionen ihrer Zeit. Anna muss immer wieder schwierige Situationen meistern, ihr Leben ist von Anfang von schweren Verlusten gezeichnet, doch sie gibt sich und ihre Träume nicht auf. Sie ist eine so starke, unvergessliche Figur,
Eine intensive Verbindung, welche auch von einer alten Eiche in der Nähe des Elternhauses von Veronika Eltern getragen wird, eint Veronika und Anna, auch wenn zwischen ihren Leben fast 600 Jahre liegen. Veronika wird als junges Mädchen auf Anna Stromers Lebensgeschichte aufmerksam und beginnt diese niederzuschreiben. Erst Jahrzehnte später, fallen ihr diese Aufzeichnungen wieder in die Hände.
Im Laufe der beiden Handlungen kommen noch einige Charaktere hinzu, welche mich alle mit ihrer authentischen Charakterzeichnung, ihren Geschichten und Biografien überzeugen konnten. Einige der Figuren im Erzählstrang, welcher im 14. Jahrhundert angesiedelt ist, sind historisch belegt, die Figuren der Gegenwart fiktiv. Somit verbindet Klara Jahn geschickt Vergangenheit mit der Gegenwart und Fiktion mit Historie.

Klara Jahn hat einen sehr bildhaften und lebendigen Sprachstil, welcher mich von der ersten Seite an für die Geschichte begeistern konnte. Sie beschreibt den Wald und dessen besondere Atmosphäre so eindrücklich, dass ich das Gefühl hatte, im Wald zu sein, ihn zu riechen und zu hören.

»Das Lied des Waldes sollte dir keine Angst machen«, sagte die Frau mit rauer Stimme. »Es klingt nicht immer schön, doch es ist immer echt. Der Wald lügt nicht, es heißt, man verliere den Verstand, wenn man zulange allein im Wald ist. Ich jedoch glaube, man findet den Verstand nur in der Stille.«

[S. 59, Zeile 9 – 14]

Die Handlung des Buches setzt sich aus zwei Erzählsträngen zusammen, bei denen die Verbindung in den ersten Kapiteln erst mal nicht greifbar ist. Nach und nach setzt sich aber die Verbindung und die Geschichten der beiden Hauptfiguren zusammen und ergeben ein ganzes Bild.
Der Wald und seine Geschichte spielen in „Das Lied des Waldes“ eine große Rolle: Klara Jahn zeigt, wie sich das Verhältnis vom Menschen zum Wald im Laufe der Jahre verändert hat und wie aus dem wilden Wald ein Forst wurde. Der Mensch formte und formt den Wald immer mehr nach seinen Bedürfnissen, bewirtschaftet und prägt ihn mit Monokulturen. Mit ihrem Buch zeigt sie, dass die Menschheit hier wieder umdenken muss und es auch mittlerweile Tendenzen dazu gibt.
Auch die Errichtung der ersten Papiermühle durch Annas Vater im Jahr 1390 und den damit einhergehenden Siegeszug des Papiers, nimmt Klara Jahn gekonnt in ihre Handlung mit auf.
Diese Hintergründe zu ihrem Roman hat die Autorin wunderbar recherchiert und lässt den Leser/ die Leserin nach dieser Lektüre den Wald mit anderen Augen sehen.

Fazit: „Das Lied des Waldes“ ist ein Buch, welches mir sehr viel Freude bereitet hat. Klara Jahn beschreibt die Lebenswege ihrer Protagonisten lebhaft und zeichnet die wechselvolle Geschichte des Waldes sehr atmosphärisch nach. Unbedingt lesen, es lohnt sich.

*Ich habe für diese Rezension von der Autorin oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„Unter dem Schnee“

von Katrin Burseg

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Erschienen am 04. Oktober 2021 im Diana-Verlag

ISBN: 978-3-453-29222-2

https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/Unter-dem-Schnee/Katrin-Burseg/Diana-Verlag/e554009.rhd

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Diana-Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen.
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung des Verlages in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

Klappentext:
„Schloss Schwanenholz, Ende Dezember 1978: Fünfzig Jahre führte Luise von Schwan die Baumschule auf dem Gut an der Ostsee mit strenger Hand. Nun wird die Gräfin beerdigt. Doch als die Trauerfeier beginnt, fegt ein heftiger Schneesturm über das Land. Bevor das Familienanwesen von der Außenwelt abgeschnitten wird, trifft ein ungebetener Gast aus Frankreich ein. Wer ist die geheimnisvolle Frau, die behauptet, Luises Tochter zu sein? Und hat Luise tatsächlich während des Zweiten Weltkriegs Zwangsarbeiter auf dem Gut ausgebeutet? Fünf Tage, in denen die Familie mit verborgenen Wahrheiten konfrontiert wird. Fünf Tage, die das Schweigen beenden, das sich jahrzehntelang über alles senkte wie Schnee.“

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Das Buch „Unter dem Schnee“ von Katrin Burseg spielt zwischen den Jahren 1978/1979 zur Zeit der Schneekatastrophe in Norddeutschland und zeigt, wie jahrzehntelang gehütete Geheimnisse eine Familie emotional trennen können.

Es ist der 28. Dezember 1978: Luise von Schwan, welche über mehrere Jahrzehnte eine Baumschule auf dem Familiengut an der Ostsee führte, ist verstorben.
Schon während der Beerdigung braut sich ein Unwetter unvorstellbaren Ausmaßes zusammen: Ein Schneesturm tobt mehrere Tage über das Land. Luises Familie erreicht noch knapp das Familienanwesen, kurze Zeit später sind sie durch Schneemassen von der Außenwelt abgeschnitten – zusammen mit der Köchin Isa und einer unbekannten jungen Frau namens Aimée aus Frankreich. Als diese behauptet, dass sie die gemeinsame Tochter von Luise und einem Zwangsarbeiter ist, holen die Familie jahrzehntelang gehütete Geheimnisse ein und stellen die Welt aller auf den Kopf. Emotional voneinander getrennt, nährt sich die Familie langsam wieder an und bricht das Schweigen.

Mitte September bekam ich vom Diana-Verlag eine Email, in der mir das Buch „Unter dem Schnee“ von Katrin Burseg vorgestellt wurde. Nach lesen des Klappentexts und auch durch das wunderbare, stimmige Cover, war meine Neugier direkt geweckt. Katrin Burseg hat mich schon mit den Büchern „Die Rebellin des Papstes“ (2010) und „Der Sternengarten“ (2013) mit ihrer sehr bildhaften Sprache und interessanten Geschichten begeistert.
Ich fragte direkt ein Rezensionsexemplar an und bekam es dann Ende September zugeschickt. An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich beim Diana-Verlag für die Zusendung und Bereitstellung bedanken.

Die Anzahl der Figuren in diesem Buch sind sehr überschaubar, ganz im Gegensatz zu der Tiefe der Psyche der einzelnen Figuren. Immer wieder wurde ich überrascht, wie und weshalb die Personen agieren.
Als eine der ersten Personen lernen wir die Köchin Isa kennen. Mit Luise verband sie mehr als ein reines Dienstverhältnis – die Beiden konnten sich immer blind vertrauen. Nun droht Isa an dem Verlust von Luise zu zerbrechen. Es ist nicht der erste Verlust, den sie zu bewältigen hat. Isa ist mir mit ihrer offenen, aber auch so verletzlichen Art sehr schnell ans Herz gewachsen.
Klementine, Luises jüngere Schwester, ist ein Charakter, den ich so schnell nicht wieder vergessen werde. Was hat diese Frau alles erlebt und durchgemacht. Doch all das Erlebte macht sie größtenteils mit sich selbst aus. Erst nach und nach erfährt ihre Familie, und damit auch der Leser, was in ihrem Leben alles passierte.
Carl und Johann, Klementines Söhne und die Erben der Baumschule, könnten unterschiedlicher nicht sein: Carl ist ein Hitzkopf, er liebt die Klarheit der Zahlen und nimmt auf die Gefühle seiner Mitmenschen keinerlei Rücksicht. Johann dagegen flüchtet sich gerne in die Welt der Bücher, er liebt die Bäume der Baumschule und setzt sich intensiv für den Naturschutz ein. Während ich Johann von Anfang mit seiner etwas schusseligen Art sehr mochte, stieß mich Carls egozentrisches Verhalten sehr ab.
Carolin, Johanns fünfzehnjährige Tochter, probt den Aufstand. Mitten in der Pubertät und ohne Mutter, muss sie ihr Leben leben. Eine große Stütze ist ihr dabei die Köchin Isa, die immer ein offenes Ohr für sie hat und ihre Liebe zu dem fast gleichaltrigen Niki (ein liebenswerter Chaot).
Sybille, eine Journalistin, die von Luise beauftragt wurde, die Chronik des Familienbetriebes zu schreiben, ist tief in die Geheimnisse der Familie von Schwan eingedrungen. Als sie mit den anderen Personen von der Außenwelt abgeschnitten wird, spielt sie mit ihrer Neugier, aber auch mit ihrer Ausgeglichenheit eine große Rolle.
Aimée, die junge Französin hat mich mit ihrer Geschichte sehr bewegt. Ein zutiefst verletzter aber auch kämpferischer Charakter. Ihr und ihrem Vater wurde im Leben nichts geschenkt, sie mussten immer wieder für sich und ihre Ziele kämpfen. Dabei hat Aimée ihr Herz am rechten Fleck behalten und ist selbstlos für andere da.
Auch wenn die eigentliche Hauptfigur des Buches nicht mehr direkt zu Wort kommt, ist sie doch die vielen Erzählungen und Erinnerungen der anderen Charaktere immer präsent: Luise von Schwan. Ihr Leben war nicht leicht, sie musste viele Rückschläge hinnehmen und sich in einer von Männern beherrschten Welt durchsetzen.
Wie bereits erwähnt, hat mich die Tiefe der Charaktere äußerst beeindruckt. Sie entwickeln sich authentisch, machen Fehler und gestehen sich diese auch ein. Mit Charakteren, die Ecken und Kanten haben, hat Katrin Burseg lebensechte und authentische Figuren geschaffen, die ich so schnell nicht mehr vergessen werde. Ihre Geschichten und Erlebnisse haben sie zu den Menschen werden lassen, die sie sind.

Katrin Burseg hat eine ganz wunderbare und bildhafte Sprache. Schon ab der ersten Seite konnte sie mich für die Geschichte begeistern, die sich auf 400 Seiten erstreckt und auf 51 Kapitel aufteilt. Die Kapitel setzten abwechselnd den Schwerpunkt auf einen der Charaktere. Hier erfährt man viel aus der jetzigen Situation der Figur, aber auch über ihre Geschichte. Viele Erlebnisse ließen mich mit einer Gänsehaut zurück und es kam auf keiner Seite Langeweile auf.

Den Hintergrund des Romans „Unter dem Schnee“ bildet die Schneekatastrophe in Norddeutschland 1978. Fünf Tage dauerte der Schneesturm an, machte Autobahnen unpassierbar, sorgte für meterhohe Schneeverwehungen und schnitt ganze Ortschaften von der Außenwelt ab. Die Temperaturen waren im zweistelligen Minusbereich und allein in der BRD starben 17 Menschen an den Folgen der Katastrophe. Viele, vor allem landwirtschaftliche Betriebe erlitten hohe Verluste, aber auch Privatpersonen waren Geschädigte des Unwetters. Eine Koordinierung der Hilfe war anfangs nicht möglich – zum einen waren die Telefonleitungen unterbrochen, zum anderen gab es keine gemeinsamen Funkfrequenzen zwischen Gemeinden, Hilfsorganisationen, Bundeswehr und Stromversorgern. Erst Tage später konnte den eingeschlossenen Menschen und Tieren geholfen werden.
Katrin Burseg hat eigene Erinnerungen an diese Schneekatastrophe, welche sie zu diesem Roman inspiriert haben: Mit ihrer Familie war sie zu dieser Zeit mehrere Tage eingeschneit.
Mit viel Leidenschaft erzählt sie diese Geschichte und fängt auch das Bedrohliche des Sturms und der Schneemassen ein. Bei einigen Szenen und Beschreibungen wurde es mir richtig kalt und ich konnte den tobenden Wind vor den Fenstern hören und spüren.
Geschichtlich arbeitet der Roman die Zwangsarbeit im Dritten Reich auf. In wie vielen deutschen Unternehmen damals Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen beschäftigt waren, lässt sich nicht mehr sagen, aber die Aufarbeitung hat, wenn auch spät, begonnen. In einem ausführlichen Nachwort geht die Autorin näher auf dieses Thema ein. Spannend finde ich auch die Geschichte, wie es den Kindern von Zwangsarbeitern/ Zwangsarbeiterinnen mit Deutschen erging. Diese hatten ein schweres Los und wurden gesellschaftlich geächtet – die Beziehungen waren auch strengstens verboten.
Ein weiteres geschichtliches Thema ist die Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten (hier Pommern). Unter schrecklichsten Entbehrungen und Verlusten gelang nur wenigen Menschen die Flucht. In ihrer neuen Heimat angekommen, machten es ihnen die Gesellschaft auch nicht leicht, sich zu integrieren.
Aber auch den Wahnsinn des zweiten Weltkrieges, die anfängliche Euphorie und das böse Erwachen lässt Katrin Burseg gekonnt in ihre Handlung einfließen.
Die große Bandbreite der geschichtlichen Themen und wie die Autorin Geschichte mit Fiktion verbindet, haben mich sehr begeistert. Katrin Burseg hat ganz intensiv und akribisch recherchiert und ein authentisches Bild der verschiedenen Zeiten und der jeweiligen Gesellschaft gezeichnet.
Ein Stammbaum von der Familie von Schwan am Ende des Buches rundet dieses, für mich ganz wunderbare Buch perfekt ab. Ich habe keinerlei Kritikpunkte und werde immer wieder gerne zu den Büchern von Katrin Burseg greifen.

Fazit: Dieses Buch ist ein Highlight. Mit viel geschichtlichen Wissen und ganz wunderbar tief gezeichneten Charakteren hat Katrin Burseg ein Buch geschaffen, welches mich die Zeit vergessen lies. Ich bin völlig in diese spannende, aber doch eher ungewöhnlichen Geschichte abgetaucht. Unbedingt lesen!

*Kennzeichnung, da Produktnennung eines kostenlosen Rezensionsexemplars. Meine Meinung wurde nicht beeinflusst – dieser Artikel muss aber als Werbung gekennzeichnet sein.

„Das Haus der Libellen“

von Emma Behrens

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Erschienen am 16. Juli 2021 im DuMont-Verlag
ISBN 978-3-8321-6543-7


https://www.dumont-buchverlag.de/buch/kb-behrens-haus-der-libellen-9783832165437/

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom DuMont-Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen – dieser Artikel ist deshalb als Werbung gekennzeichnet.
– Ich habe für dieser Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.

Klappentext:
Nach Jahren kehrt die 28-jährige Sophie an den magischen Ort ihrer Kindheit zurück, die alte Villa der Nachbarsfamilie von Gutenbach. Hier verbrachte sie früher jede freie Minute mit den ätherisch-schönen Geschwistern Noah und Emilia. Mit siebzehn wurden Noah und sie ein Paar, und Sophie erlebte ihre glücklichste Zeit – bis Noah fünf Jahre später von einem Tag auf den anderen aus ihrem Leben verschwand. Nun führt ein Brief Sophie zurück in das geheimnisvolle Haus, in dem Emilia nach dem plötzlichen Tod der Eltern allein wohnt: Noah ist erneut verschwunden, und seine Schwester bittet Sophie um Unterstützung. Sophie zögert, zu sehr schmerzt Noahs Verrat; dann allerdings sagt sie zu, schließlich war Emilia einst wie eine Schwester für sie. Aber die rätselhafte Schöne verhält sich seltsam, gibt sich wortkarg und verbringt die meiste Zeit mit ihrer Libellenzucht im exotischen Dschungellabor, das sie im Keller der Villa eingerichtet hat. Sophie ahnt, dass Emilia ihr etwas verschweigt. Doch ob mit oder ohne deren Hilfe: Sophie muss Noah finden. Vielleicht kann sie so endlich mit der Vergangenheit abschließen. Mitreißend, sinnlich und schillernd erzählt Emma Behrens eine Geschichte voller Spannung und großer Gefühle.“

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Das Buch „Das Haus der Libellen“ erzählt die Geschichte der jungen Sophie, die nach Jahren in die Villa der Nachbarsfamilie zurückkehrt und sich dort den Geistern der Vergangenheit stellen muss.

Fünf Jahre sind vergangen, seit Noah von Gutenbach die junge Sophie von einem Tag auf den anderen verlassen hat. Diesen Verlust trägt Sophie noch immer schwer mit sich herum und konnte ihn noch immer nicht überwinden. Sie fragt sich, warum es passierte und kann sich keiner neuen Liebe öffnen.
Als sie einen Brief von Noahs Schwester Emilia erhält und erfährt, dass Noah nach dem plötzlichen Tod seiner Eltern verschwunden ist und Emilia ihre Hilfe benötigt, macht sich Sophie von Freiburg aus auf den Weg zurück an den Ort ihrer Kindheit. In der Villa der Familie von Gutenbach, kommen die Erinnerungen an ihre Kindheit, ihre Jugend und an ihre Liebe zu Noah zurück. Doch so schmerzhaft diese Erinnerungen auch sein mögen – Sophie muss sich ihnen stellen.
Emilia hat sich von der Außenwelt abgeschottet und verbringt viel Zeit in ihrem eigens eingerichteten ‚Libellenlabor‘ im Keller der Villa. Auch wenn Sophie ahnt, dass Emilia ihr etwas verschweigt, macht sie sich auf die Suche nach Noah und gerät, zusammen mit ihrem ehemaligen Schulkameraden Manuel, in den Strudel der Vergangenheit.

Anfang Juli 2021 bekam ich auf Instagram eine Anfrage des DuMont-Verlags, ob ich Interesse an einem Vorab-Exemplar des Debütromans „Das Haus der Libellen“ von Emma Behrens hätte. Als ich den Klappentext gelesen hatte, war mein Interesse an diesem Buch direkt geweckt: Vergangenheit, magisch-mystischer Ort und große Gefühle – alles Schlagworte, die mich dieses Buch lesen lassen wollten. Und auch das wunderschöne Cover verzauberte mich.
An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich beim DuMont-Verlag für die Zusendung des Buches als Rezensionsexemplar und auch den wundervollen Brief als Goodie bedanken.

Sophie wächst in einem kleinen Haus neben der herrschaftlichen Villa der von Gutenbachs auf. Ihre Mutter ist sehr in sich zurückgezogen, ihr Vater arbeitet viel. Als die Familie von Gutenbach in die Villa zieht, kommt Sophie in den Kontakt mit Noah und Emilia – die beiden üben auf Sophie eine starke Anziehungskraft aus. Auch wenn das Leben der beiden Geschwister nach außen hin perfekt scheint, sind sie durch die fehlende Aufmerksamkeit ihrer Eltern zutiefst verletzt. Sophie schließt sich diesem Geschwisterpaar an und wächst Seite an Seite mit ihnen auf. Aus der Freundschaft zu Noah entwickelt sich eine ungesunde Liebe, die für Sophie im absoluten Fiasko endet.
Fünf Jahre nach dem Ende der Beziehung mit Noah, erreicht Sophie dann der Brief von Emilia – und sie macht sich sofort auf den Weg, um Noah und Emilia zu helfen. Daran wird ersichtlich, dass Sophie noch absolut nicht mit ihrer Vergangenheit abgeschlossen hat. Sie ist ein zutiefst verunsicherter Mensch, sie hat ihren Platz im Leben noch nicht gefunden, ist aber stets loyal und hat das Herz am rechten Fleck.
Die Hauptfiguren des Buches bilden Sophie, Noah und Emilia, welche mich alle drei absolut überzeugt haben. Sie sind authentisch gezeichnet, haben ihre Stärken, aber vor allem auch Schwächen. Emma Behrens erzählt die Geschichte durch Sophies Augen, deshalb kam ich ihr während des Lesens sehr nahe und konnte ihre Ängste, ihre Verzweiflung, aber auch Freude spüren. Ich nahm ihre Geschichte durch diese Erzählperspektive sehr intensiv wahr.
Noah und Emilia sind, wie oben schon erwähnt, sehr verletzte Figuren. Ihre Eltern begeben sich immer wieder auf Geschäftsreisen, die Beiden bleiben zurück und werden von Kindermädchen groß gezogen. Sie haben nie ein glückliches Familienleben vorgelebt bekommen und da fällt es Beiden schwer, Beziehungen einzugehen und sich und andere zu achten. Auch diese beiden Figuren und ihre Geschichten kamen mir sehr nahe, auch wenn sie eigentlich als Charaktere sehr unnahbar sind. Emilia, die in ihrer Libellenzucht aufgeht und sich dort ein großes Wissen angeeignet hat und doch immer exzentrisch rüber kommt und Noah, der in die Fußstapfen seines Vaters treten soll und launisch und verschlossen wirkt. Sie sind nicht glücklich – und das spürt man auf jeder Seite.
Manuel, der Gärtner der Villa und ehemaliger Schulkamerad von Sophie, Noah und Emilia war für mich der Sympathieträger in dieser Geschichte. Auch wenn er selbst an seiner Vergangenheit schwer zu tragen hat, gibt er sich selbst nicht auf und wird eine große Stütze für Sophie.
Das Ehepaar von Gutenbach hat zwar immer nur kleinere Auftritte – sympathisch sind sie allerdings eher weniger. Trotz allem fand ich auch diese Figuren sehr interessant gezeichnet.
Alle Figuren in diesem Buch haben mich vollends überzeugen können. Es sind interessante, spannende und authentische Charaktere, die ich so schnell nicht mehr vergessen werde.

Das Buch ist so aufgebaut, dass ein Kapitel immer in der Gegenwart spielt, das nächste dann in der Vergangenheit von Sophie. Dabei bildet das zweite Kapitel die am längsten zurückliegende Zeit – es wird gezeigt, wie sich die drei kennengelernt haben. Später erfährt der Leser/ die Leserin dann einiges über ihre Jugend und wie Noah und Sophie dann ein Paar wurden.
Der Erzählstrang der Vergangenheit läuft dann dem Erzählstrang der Gegenwart entgegen, Stück für Stück lösen sich so die Geheimnisse.
Dadurch, dass die Autorin die „Ich-Erzählweise“ gewählt hat und man dadurch die Geschichte durch Sophies Augen erzählt bekommt, kam ich sofort in der Geschichte an. Es entwickelte sich direkt eine Art Sogwirkung und ich wollte das Buch teilweise gar nicht mehr aus der Hand legen.
Emma Behrens hat auf keiner Seite Langeweile aufkommen lassen, auch wenn sie beispielsweise die Villa detailliert beschreibt. Durch viele Dialoge wirkt die Geschichte und ihre Charaktere sehr lebendig, auch wenn die Gesamtstimmung insgesamt eher melancholisch ist.
Ihr wunderbarer, einfühlsamer und gehobener Sprachstil machten das Buch für mich zu einem wahren Lesevergnügen.

Das große Thema in diesem Buch ist, wie Sophie sich ihrer Vergangenheit stellt und auch versucht, ihre emotionale Abhängigkeit von Noah abzustreifen – auch wenn es sie immer wieder Kraft, Wut und Tränen kostet. Und es wird klar, wie sehr die Kindheit das weitere Leben eines Menschen prägt.

Fazit: Ein sehr starker Debütroman, der für mich keine Wünsche offen lies. Interessante Charaktere, spannende Handlung und ein wunderbarer Sprachstil. Dieses Buch lege ich euch wirklich sehr ans Herz – unbedingt lesen!

*Das Buch habe ich freundlicherweise als kostenloses Rezensionsexemplar vom DuMont-Verlag bekommen – es hat meine Meinung aber nicht beeinflusst, muss aber als Werbung gekennzeichnet sein.

„Die Farbe des Nordwinds“

von Klara Jahn

Erschienen am 08.März 2021 im Heyne-Verlag als Hardcover
ISBN: 978-3-453-27313-9
https://www.penguinrandomhouse.de/Buch/Die-Farbe-des-Nordwinds/Klara-Jahn/Heyne/e573627.rhd

Hinweise:
– Das Buch habe ich als kostenloses Rezensionsexemplar (Leseexemplar) vom Heyne-Verlag erhalten. Ich habe für diese Rezension keinerlei finanzielle Gegenleistungen seitens des Verlages oder der Autorin bekommen. Diese Rezension spiegelt mein persönliches Lese-Empfinden wieder.
– Alle angeführten Zitate beziehen sich auf die Seitenzahn der gedruckten Ausgabe.

Das Buch „Die Farbe des Nordwinds“ von Klara Jahn ist ein Roman, der auf zwei Zeitebenen auf den Halligen in der Nordsee spielt und von Neuanfängen und der Suche nach Heimat erzählt.

„Die Farbe des Nordwinds“
von Klara Jahn
Coverrechte: Heyne-Verlag

Das Buch beginnt mit dem Erzählstrang im „Damals“:
Hier schreibt ein Mann, welcher Ende des 18. Jahrhundert auf der Hallig geboren wurde und dort ein entbehrungsreiches Leben führt. Nach dem Tod der Eltern verlässt er die Hallig und damit auch seinen jüngeren Bruder und geht aufs Festland. Dort genießt der begabte Junge eine gute Ausbildung. Jahre später kehrt er als Lehrer zurück, kommt aber nicht mehr richtig in seiner Heimat an. Die Menschen der Hallig, auch sein Bruder, sind ihm fremd geworden, aber auch er ist den Menschen fremd geworden. Dann steht die große Halligflut im Jahre 1825 vor der Tür und bedroht die Menschen und die Halligen.
Der zweite Erzählstrang setzt im Jetzt an: Ellen, eine junge Frau reist auf eine der Halligen. Aber nicht um Urlaub zu machen – sie möchte bleiben und wagt den Neuanfang. Seit sie als Kind mit ihrer Mutter für kurze Zeit auf der Hallig lebte und diese wieder überstürzt verlassen musste, sind die Halligen für sie ein Sehnsuchtsort. Als Lehrerin kehrt sie zurück, doch bleibt sie Liske, ihre damalige Stiefschwester, und auch den anderen Halliglüd fremd. Ellen findet heraus, dass die Inseln schon damals in Gefahr waren, heute aber mehr den je. Der Kampf um die Halligen eint und trennt Liske und Ellen gleichermaßen, verbindet sie aber mit der Vergangenheit.

Durch eine Mail des Verlages bin ich auf dieses Buch aufmerksam geworden. Das Cover zog mich direkt in seinen Bann, der Klappentext machte mich neugierig und als ich dann noch erfuhr, dass der Name Klara Jahn ein Pseudonym von Julia Kröhn ist, war klar, dass ich dieses Buch lesen muss. Julia Kröhn gehört für mich schon seit vielen Jahren zu meinen Lieblingsautorinnen, da sie mich mit ihrer bildhaften Sprache und den vielfältigen Themen ihrer Geschichten immer wieder überzeugen kann.
An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an den Heine-Verlag für die Zusendung des Buches als Rezensionsexemplar.

Der Haupt-Handlungsort ist in diesem Buch ist sehr überschaubar: Eine Hallig. Auch die Charaktere, die Klara Jahn dort angesiedelt hat, sind von der Anzahl her überschaubar. Das alles führt dazu, dass mit alle Figuren sehr nahe kamen, ich ihre Eigenheiten und Feinheiten spüren konnte.
Ellen, die in ihrem Leben nie richtig angekommen ist: Als junges Mädchen wird sie von ihrer Mutter immer wieder mitgezogen, kann nirgendwo Wurzeln schlagen, nirgendwo fühlt sie sich zuhause. Bis der Weg auf die Hallig führt – dort bekommt die damals 16 jährige Ellen eine Idee von Heimat. Doch kaum beginnt sie Fuß zu fassen, muss sie wieder gehen. Als Mittdreißigerin kommt sie nach einer gescheiterten Beziehung und Jobverlust wieder zurück auf die Hallig. Ellens Charakter hat mich sehr überzeugt, da sie zwar neue Impulse auf die Hallig bringt, sich aber auch anpassen möchte und eine realistische Entwicklung durchlebt. Sie ist eine Frau, die auf der Suche nach Heimat ist, sich selbst dabei treu bleibt und sich nicht unterkriegen lässt.

Liske hat ihre Heimat, ihre Wurzeln, aber glücklich ist sie nicht. Noch nie hat sie die Hallig verlassen. Sie ist sauer auf Ellen und enttäuscht darüber, dass diese damals einfach gehen konnte und sie zurückgelassen wurde.

»„Manchmal fühle ich mich wie an einem Bahnhof“ gestand sie. „Das Meer kommt und geht, die Vögel kommen und gehen, nur ich bleibe.“«
[S. 203, Z. 20-22]

Liske wirkt ganz oft verbittert, öffnet sich dann etwas, verschließt sich dann aber sehr schnell wieder. Ich mochte ihren Charakter trotzdem sehr gerne, da Liske eben nicht sehr schnell zu durchschauen war und sie sich auch sehr positiv entwickelt hat.

Um Ellen und Liske leben und handeln noch zahlreiche weitere Figuren, mit ihren Eigenheiten und ihren, teils tragischen, Geschichten. Sie alle denken und handeln unterschiedlich, aber sie alle werden durch das Leben auf der Hallig geeint.
Jasper, Liskes Sohn hat eine leicht verschrobene Art an sich, konnte mich aber trotzdem für sich einnehmen. Jakob Heinemann und seine Tochter Metha, die eine tragische Geschichte auf die Hallig brachte, haben mich sehr berührt.
Arjen Martenson, ist die Hauptfigur im „Damals“. Dadurch, dass er aus der „Ich-Perspektive“ erzählt, kam ich ihm und seiner Geschichte nochmal sehr viel näher. Teilweise sehr bedrückend aber auch immer mit viel Hoffnung erzählt er vom Alltag auf den Halligen im 19. Jahrhundert. Die Personen, die neben ihm agieren, haben mir durch ihre authentische Charakterzeichnung ebenfalls sehr gut gefallen und geben ein gutes Bild dieser Zeit ab.

Eine weitere Hauptfigur ist die Natur. Hier sind es vor allem der Wind und das Meer. Die Halligen sind kein lieblicher Ort, eher herb aber trotzdem schön.

» Während sie die Haare festhielt, betrachtete sie die Landschaft, die zu Meer und Himmel und Hallig geronnene Gleichung, in der auf beiden Seiten die Unendlichkeit steht. Das Land war unzählige Male von Stürmen und Fluten zerklüftet worden; die Weite, die es umgab, war eine Primzahl: Nicht teilbar. Spektakulär war das, was man fühlte, nicht das, was man sah.«
[S. 58, Z. 22 – 29]

Durch die vielen unterschiedlichen Charaktere, das Erzählen auf zwei Zeitebenen und durch Klara Jahns dichte und intensive Sprache, wurde das Buch für mich zu einem wahren Pageturner. Schon nach den ersten Seiten war ich in der Geschichte angekommen und konnte mich ganz auf die Geschichte und die Figuren einlassen. Vor allem haben mich die Beschreibungen der Fluten, des sogenannten „Landunter“ sehr mitgenommen. Erstaunlich, wie die Menschen schon immer mit dieser Gefahr lebten und leben.
Julia Kröhn, alias Klara Jahn, hat akribisch über die Geschichte der Halligen recherchiert und bringt ihre Entstehung, ihre Geschichte, ihre Bewohner und die Lebensweise dem Leser sehr nahe. Man merkt, wie sehr sich die Autorin mit den Halligen verbunden fühlt. Durch die Einstreuung des Dialektes wurden die Menschen noch lebendiger und authentischer.

Ein Hauptthema des Buches ist die Suche nach Heimat und das Ankommen im eigenen Leben. Aber auch das Thema Neuanfang steht sehr im Mittelpunkt des Geschehens. Diese Themen wurden von Klara Jahn sehr gut beschrieben.

» Welche Farbe der Wind selbst wohl hat?, überlegte Ellen. Grau war zu alt für diesen frischen Sturm, Gelb zu giftig für das dumpfe Dröhnen, Blau zu banal. Rot war zu warm, Braun lies an Rost denken, der Sturm aber verweilte nirgendwo, um welchen anzusetzen. Als weißes Nichts erschien er ihr auch nicht. Vielleicht war er silbrig wie der Klang einer Panflöte.« [S. 39, Z. 1 – 7]

Fazit: Ein Buch mit tollen Figuren, einer sehr dichten Atmosphäre und einer bildhaften und lebendigen Sprache. Sehr empfehlenswert für alle, die das Meer genauso vermissen und sich dort hin entführen lassen möchten. Lesenswert!
Und ja: Irgendwann möchte ich die Halligen auch einmal besuchen.

Hinweis: Das Buch habe ich freundlicherweise vom Heyne-Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen – es hat meine Meinung aber nicht beeinflusst.