„Ajena im Raum der Spiegel“

von Virginia Anemona

[Werbung*]

Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 31. Juli 2021
Verlag: Selfpublishing über Epubli
ISBN: 978-3754148006
Seitenanzahl: 528

http://www.virginia-anemona.cookypool.net/?fbclid=IwAR1F0seaUbJLVHyVqqM-6TeswQdSzBMQS7mSFlF3y6fXmtYbg9Y61l7UPeY


Klappentext:
Ajena hofft ihre traumatischen Erfahrungen aus der Kindheit verarbeitet zu haben und einen Job zu finden. Doch sie ahnt nicht, dass der kindliche Teil ihrer Seele so verletzt ist, dass er ihre Welt schon bald ins Chaos zu stürzen droht. Die Grenze zwischen Vergangenheit und Gegenwart verschmilzt mehr und mehr und inmitten des Durcheinanders trifft Ajena auf Nick. Ajena hat vor langer Zeit eine Angstmauer um sich errichtet, aber Nick setzt alles daran, einen Weg hindurch zu finden. Ajenas Träume sind lebhafter denn je und sie begegnet darin den unterschiedlichsten Wesen. Eines davon bittet sie um Hilfe bei der Suche eines vermissten Lichtwesens. Im Traum wächst Ajena über sich hinaus, während bei Tag selbst kleinste Aufgaben eine Hürde darstellen. Als Ajena schließlich körperlich schwer erkrankt, stempeln die Ärzte sie wegen ihrer Ängste als psychisch leidend ab. Somit bleibt ihr keine andere Wahl, als zu lernen, auf ihre innere Stimme zu hören und diese zum Ausdruck zu bringen.“

Hinweise:
-Das Buch habe ich freundlicherweise von der Autorin als Rezensionsexemplar in Form eines Taschenbuchs zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!-Ich habe für diese Rezension von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

_

Das Buch „Ajena im Raum der Spiegel“ von Virginia Anemona ist der zweite autobiographische Bericht der Autorin und zeigt rückblickend den Leidensweg der jungen Frau mit einer tückischen Krankheit und den katastrophalen Umgang durch verschiedener Ärzte und Ärztinnen.

Die junge Ajena schließt die Schule ab und möchte damit auch das Thema Mobbing für immer hinter sich lassen. Das Arbeitsamt verschafft ihr diverse Praktika, doch es wird nur wenig darauf geachtet, ob diese Berufe auch wirklich zu der sensiblen Ajena passen. Schnell ist sie mit den Forderungen des Amtes überlastet, denn diese bringen wieder alles hoch, was sie zu vergessen versuchte: Die Übergriffe ihres Klassenkameraden Maurice.
Als Ajena dann auch noch körperlich schwer erkrankt, beginnt für sie ein Spießrutenlauf, denn kein Arzt/ Ärztin nimmt sie und ihre Krankheit ernst. Um diesen Demütigungen zu entkommen, flüchtet sie sich wieder in ihre fantasievolle zweite Realität, in der große Aufgaben und Herausforderungen auf sie warten.

Mitte Februar 2022 schrieb mich die Autorin auf Instagram an und fragte, ob ich Interesse habe, ihre beiden Bücher zu lesen und zu rezensieren.
In ihrem ersten Buch „Ajena und der Wasserperlenbaum“ beschreibt sie sie ihre Lebensgeschichte, ihre Erfahrungen mit Mobbing/ Gewalt in der Schule und luzides Träumen.
In „Ajena im Raum der Spiegel“ thematisiert die Autorin ihre Borreliose-Erkrankung.
All diese Themen weckten mein Interesse und ich sagte der Autorin zu.
An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an die Autorin für die Zusendung und Bereitstellung der Rezensionsexemplare.

Aus dem Mädchen Ajena ist eine junge Frau geworden, welche sich ihre Kreativität und Fantasie trotz aller negativer Erfahrungen während ihrer Schulzeit bewahrt hat.
Doch das System zwingt sie dazu, sich eine Arbeit zu suchen – egal ob sie dem gewachsen ist, oder nicht. Immer wieder trifft sie auf Menschen, die es nicht gut mit ihr meinen, sie erniedrigen und ihre Fähigkeiten reduzieren. Das alles wird noch schlimmer, als Ajena körperlich schwer erkrankt und von der Ärzteschaft nicht ernst genommen und gedemütigt wird.
Ajena rettet sich immer wieder in ihre selbst aufgebaute Traumwelt – ihre zweite Realität. Dort findet sie Aufgaben, welche sie fordern und auch Wege, mit ihrer Situation umzugehen und fertig zu werden und damit schlussendlich ihre Seele zu heilen. Denn eines ist klar: Die schrecklichen Attacken ihres Mitschülers hat Ajena längst nicht hinter sich gelassen.
Außerhalb dieser Traumwelt ist ihr empathischer Freund Nick ihr Fels in der Brandung – er gibt ihr Halt und Kraft und ist immer an ihrer Seite.

Ähnlich wie im ersten Buch, spielten sich in meinem Kopf während des Lesens wieder zwei völlig unterschiedliche Filme ab: Der eine zeigte die nüchterne und grausame Realität, welche für mich meistens in schwarz-weiß Tönen gehalten war, diesmal aber – dank Nick – mit einzelnen Farbtupfern. Dieser Teil des Buches nahm mich emotional sehr mit und machte mich mit unter einfach nur fassungslos, wie unsensibel viele Ärzte und Ärztinnen mit Ajena umgegangen sind. Ebenso zeigt die Autorin auf bedrückende Art und Weise, wie es ist, an diesem Leistungs-System zu scheitern, wenn man eben nicht der „Norm“ entspricht und wie schnell man in Schubladen gepackt wird.
Der andere farbenfrohe Film spielte in der Traumwelt und zeigte so viele Farben der Hoffnung, der Zuversicht, der Freundschaft, der Hilfe, des Mutes und der Heilung. Diese Besuche in der Traumwelt schildert die Autorin voller Fantasie und Farben, sie nehmen einen großen Teil der Handlung des Buches ein und werden mit bunten Abbildungen der Autorin ergänzt.

Virginia Anemona hat eine wunderbare und authentische Sprache, die mich von der ersten Seite an mit in das Buch und die zwei Realitäten nahm, ich musste einfach immer weiter lesen. Auch wenn es mich mitunter sehr aufwühlte, wie wenig ihr geholfen wurde, als sie dringend Hilfe benötigt hat.

Das Buch „Ajena im Raum der Spiegel“ ist ein Plädoyer dafür, dass man Menschen ernst nehmen und nicht vorschnell verurteilen sollte.
Schlimme Erlebnisse darf man nicht einfach verdrängen und vergessen, sondern man muss sich damit auseinandersetzen. Den erst wenn die Seele geheilt ist, kann auch der Körper heilen.

Fazit: Ein Buch, welches Mut macht für sich selbst einzustehen und sich nicht aufzugeben. Eindrücklich schildert die Autorin ihr Erlebtes, ihre seelischen Verletzungen und ihre tückische Krankheit, welche noch immer von vielen Ärzten/ Ärztinnen nicht ernst genommen wird.
Ein unvergessliches Buch voller Mut und Lebensweisheiten.
Absolut lesenswert!

*Ich habe für diese Rezension von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„Ajena und der Wasserperlenbaum“

von Virginia Anemona

Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 18. Juli 2021
Verlag: Selfpublishing über Epubli
ISBN: 978-3-7541-4387-2
Seitenanzahl: 476

Klappentext:
Ajena ist ein zierliches, kreativ orientiertes Volksschulkind und gerade dabei die Welt zu entdecken. Doch schon bald stellt sich ihr ein Mitschüler in die Quere, der sie über Jahre klein hält, indem er die Angst in ihr nährt. Ajena wird zu einem massiv eingeschüchterten Kind, welches aber schon bald immer intensivere Träume hat. Darin erscheint ihr ein Traumlehrer, der ihr eine neue Realität offenbart. Er hilft Ajena dabei stark zu werden, sodass sie sich irgendwann ihrer Angst stellen kann. Doch in der eigenen Realität bleibt es turbulent für das Mädchen. Von einer neuen Lehrerin wird Ajena erniedrigt und durch eine komplexe Familiensituation gerät sie zwischen die Fronten. Erst in einem neuen Schulumfeld wird sie schließlich etwas gefasster. Doch nun wird ihr erstmals bewusst, wie schwer das Leid wiegt, das ihr widerfahren ist. Je mehr Ajena das versteht, desto depressiver wird sie. Mit Hilfe ihres Traumlehrers versucht sie einen Weg aus diesem emotionalen Verlies zu finden…“

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise von der Autorin als Rezensionsexemplar in Form eines Taschenbuchs zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!

-Ich habe für diese Rezension von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

_

Das Buch „Ajena und der Wasserperlenbaum“ von Virginia Anemona ist eine autobiografisch erzählte Lebensgeschichte und zeigt rückblickend den Leidensweg der Autorin, welche immer wieder Opfer von Mobbing und Gewalt durch andere Menschen wurde.

Ajena ist ein junges, zierliches und kreatives Mädchen, als sie auf der Volksschule auf einen Mitschüler trifft, welcher sofort damit beginnt sie systematisch zu erniedrigen und zu quälen. Jahrelang ist sie ihm fast jeden Tag ausgesetzt und wird dann auch noch zusätzlich von ihrer neuen Lehrerin schikaniert und gemobbt. Ihre stummen Schreie hört niemand, und so baut sich Ajena eine zweite, eigene Realität voller Fantasie auf. Mit Hilfe eines Traumlehrers lernt sie dort zu kämpfen und stark für ihr Leben zu werden.

Mitte Februar 2022 schrieb mich die Autorin auf Instagram an und fragte, ob ich Interesse habe, ihre beiden Bücher zu lesen, in denen sie sie ihre Lebensgeschichte und und ihre Erfahrungen mit Mobbing/ Gewalt in der Schule und luzides Träumen thematisiert.
Die Worte „ Mobbing/ Gewalt in der Schule“ weckten sofort mein Interesse, allerdings kamen auch ungute Gefühle in mir hoch, da ich selbst zwei Jahre meiner Schulzeit Mobbing und Gewalt ausgesetzt war. Doch ich sagte zu, die Bücher zu lesen, vor allem wollte ich um erfahren, wie es die Autorin erlebt hat und wie sie darüber hinweg kommen konnte.
An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an die Autorin für die Zusendung und Bereitstellung der Rezensionsexemplare.

Ajena ist sehr kreatives Mädchen und außerdem voller Fantasie. Sie tut niemandem weh, eigentlich müsste sie jeder gerne haben. Doch dann wird sie die Zielscheibe von Gewalt, Verachtung und Erniedrigung. Es tat mir beim Lesen in der Seele weh, wie ein Mensch einem anderen Menschen so etwas antun kann.
Dieses machtlosen Gefühle keinen Ausweg mehr zu sehen, diesem Menschen ausgeliefert zu sein und diese Todesangst, schildert Virginia Anemona sehr drastisch, völlig ungeschönt und mit eindringlichen Worten.

„Maurice hatte eine unsichtbare Angstmauer erbaut, die inzwischen so hoch war, dass ich nicht mehr über sie sehen konnte. Ich war überzeugt, ich würde nicht überleben, sollte ich jemanden etwas erzählen.“

[S. 103, Z. 25 – 29]

In der realen Welt findet sich erst mal niemand, der ihre stummen Schreie erhört, sich ihrer annimmt und sie beschützt. Sie erfährt nicht, was Freundschaft ist. All das findet sie in ihrer selbst aufgebauten Traumwelt, in die sie sich immer wieder rettet. Dort bekommt sie die Hilfe, welche sie braucht und sie findet Wege, mit ihrer beklemmenden Situation umzugehen und fertig zu werden.
Diese Besuche in der Traumwelt schildert die Autorin voller Fantasie und Farben, sie nehmen einen großen Teil der Handlung des Buches ein und werden mit bunten Abbildungen der Autorin ergänzt.
Während des Lesens spielten sich in meinem Kopf zwei Filme ab: Der eine zeigte die nüchterne und grausame Realität, welche für mich meistens in schwarz-weiß Tönen gehalten war und mich emotional sehr mitnahm, der andere farbenfrohe Film spielte in der Traumwelt und zeigte so viele Farben der Hoffnung, Zuversicht und des Mutes.
Die Autorin hat eine wunderbare und authentische Sprache, die mich von der ersten Seite an mit in das Buch und die zwei Realitäten nahm, ich musste einfach immer weiter lesen – auch wenn es mich mitunter sehr aufwühlte. Unzählige Male wäre ich am liebsten durch die Seiten zu Ajena gereist und hätte sie in die Arme genommen und sie getröstet.
Das Buch ist ein eindringliches Plädoyer gegen Gewalt und Mobbing, zeigt aber auch, dass die Gesellschaft noch immer viel zu oft wegschaut und angeblich nichts bemerkt.
Wer Opfer von Mobbing und Gewalt wurde, wird das sein Leben lang nicht mehr los, für andere unbedeutende Situationen, können alles wieder hoch bringen.

Virginia Anemona zeigt mit ihrem Lebensbericht, dass das Opfer nicht schuldig ist – das sind allein die Täter/ die Täterinnen. Sie zeigt aber auch den Opfern, dass man mit Mobbing und Gewaltattacken nicht alleine ist und die Gesellschaft bei Anzeichen reagieren muss – am besten aber auch schon präventiv. Das Buch sollte meiner Meinung von möglichst vielen Pädagogen und auch Schüler*innen und Eltern gelesen werden, um damit alle für das Thema Mobbing zu sensibilisieren.

Fazit: Virginia Anemaona hat mich mit ihrer Lebensgeschichte sehr berührt, in der ich viele Parallelen zu meiner eigenen Geschichte gefunden habe. Es macht Mut und zeigt, dass man nicht alleine und als Opfer auf keinen Fall schuldig ist.
Ein Buch, welches ich nie vergessen werde.

*Ich habe für diese Rezension von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„Als hätte der Himmel mich vergessen“

von Amelie Sander

[Werbung*]

Erschienen am 13. Januar 2017 im Lübbe-Verlag
ISBN: 978-3404609253


https://www.luebbe.de/luebbe-sachbuch/buecher/erfahrungsbuecher/als-haette-der-himmel-mich-vergessen/id_5737063

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise über die Autorin vom Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.
– Da ich das eBook gelesen habe, sind die Zitate ohne Seitenangabe, aber mit Angabe des Kapitels.

Klappentext:
„Von ihrer frühesten Kindheit an ist Amelie dem Hass der Frau ausgeliefert, die sie „Mama“ nennen muss. Nach außen hin sind die Sanders die perfekte Familie. Doch Amelie bekommt kaum zu essen und zu trinken, wird eingesperrt, gequält und erniedrigt. Es gibt nur wenig, das ihr nicht bei Strafe verboten ist. Erst spät findet Amelie heraus, was mit ihrer leiblichen Mutter geschehen ist. Als sie schon fast alle Hoffnung verloren hat, gelingt ihr mit 21 Jahren endlich die Flucht …“

_

Das Buch „ Als hätte der Himmel mich vergessen“ von Amelie Sander ist ein Bericht über Kindheit und Jugend der Autorin, welche von Gewalt, Misshandlungen und Isolation durch ihre Stiefmutter geprägt waren.

Als Amelie in frühster Kindheit ihre Schwester und ihre leibliche Mutter verliert, tritt eine andere Frau in ihr Leben. Diese Frau soll sie ab sofort „Mama“ nennen. Ihre Kindheit endet, bevor sie richtig begonnen hat. Ihre Stiefmutter spielt nach außen hin das reine Theater, sie stellt Amelie als geistig behindert da und findet damit die Rechtfertigung, Amelie einzusperren. Doch nicht nur das: Amelie wird misshandelt, hungert und erfährt psychische und physische Gewalt. Ihr Selbstbewusstsein wird ihr genommen, ihre Kindheit, ihre Jugend… alles.
Es dauert lange, bis Amelie auf Menschen trifft, die ihr helfen aus dieser Hölle zu entkommen.

Im Januar 2022 schrieb mich die Autorin an und fragte, ob ich ihre Biografie „Als hätte der Himmel mich vergessen“ lesen möchte. Sie schickte mir auch das Cover und den Klappentext zu.
Eigentlich entspricht das Buch so gar nicht meinem typischen Lese-Schema, aber irgendwie ließ mich die Geschichte nicht mehr los und ich sagte zu.
Dass es kein leichtes Lesevergnügen werden sollte, war mir klar, dass mich das Buch aber emotional so aufwühlt und mitnimmt, hätte ich nicht gedacht.
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Bastei Lübbe-Verlag und an die Autorin für die Bereitstellung des Buches als Rezensionsexemplar (eBook).

Amelie ist eine so starke Person – auch wenn immer wieder versucht wurde, jedes Fünkchen Selbstbewusstsein kaputt zu machen. Als Kind konnte sie sich nicht wehren, war den Misshandlungen und der Quälerei hilflos ausgesetzt und von ihrer Stiefmutter und ihrem Vater abhängig. Die Lehrkräfte, die Polizei, ihr Vater … die komplette Gesellschaft war für ihr Schicksal blind, niemand schaute genau hin und hinterfragte ihr Verhalten. Sie galt in den Augen der Pädagogen als zurückgeblieben, da sie sich nicht am Unterricht beteiligte (die Beteiligung am Unterricht wurde ihr von ihrer Stiefmutter untersagt).
Doch je älter sie wurde, verstand sie, dass das was da mit ihr passierte einfach nicht in Ordnung ist und versuchte auch, sich Hilfe zu holen, doch ihre stummen Schreie wurden nicht wirklich gehört. Durch das heimliche Radiohören öffnete sich für sie ein Türchen in die Außenwelt.

„Er sagt, dass das, was meine Eltern tun, FREIHEITSBERAUBUNG sei. Dieses Wort habe ich noch nie gehört, aber ich weiß sofort, dass er recht hat. So fühlt es sich an. Ich fühle mich beraubt, meines Lebens und meiner Freiheit.“

Kapitel 13 „Willst du zurück?“

Erst mit 21 Jahren traf Amelie auf Menschen, die ihr zuhörten, richtig hinschauten und sie endlich aus dieser Hölle rausholten. Doch sie selbst befreite sich auch und nahm ab da ihr Leben in die Hand. Ich finde es unglaublich bewundernswert, wie Amelie Sander es geschafft hat, diesem grausamen Leben zu entkommen, sich ein neues, eigenes Leben aufbaute und es sogar die Stärke hatte dieses Buch zu schreiben und zu veröffentlichen. Eine so tapfere und starke Frau, zu der man nur aufschauen kann.

Amelies Stiefmutter war eine Psychopathin und auf Amelies leiblicher Mutter von Eifersucht zerfressen – und ließ all dies an Amelie aus. Dies geschah aber nur hinter verschlossenen Türen.


„So kam es, dass wir nach außen hin als die perfekte, gutbürgerliche Familie auftraten und keiner etwas davon ahnte, dass meine Stiefmutter innerhalb ihrer eigenen vier Wände ein Doppelleben führte und ihre Tochter Amelie, die nicht ihre Tochter war, quälte und schikanierte. Es scheint so, als hätte sie ein Bild von mir, dass sie unbedingt verwirklicht sehen wollte: Das Bild eines geistig und körperlich behinderten Mädchens, ein elendes Wesen, das man nur verachten kann.“

Kapitel 3 „Die falsche „Mama“

Nach außen hin war sie die treusorgende Hausfrau und Mutter, die sich aufopferungsvoll um die „behinderte“ Stieftochter kümmerte, doch ihr wahres Gesicht zeigte sie nur Amelie.
Ich hatte während des Lesens einen unglaublichen Hass auf Amelies Stiefmutter. Wie kann ein Mensch einem Kind, einem Menschen, so viele Grausamkeiten antun? Sie ist eine so kranke Person, die ihrer Tochter Amelie alles, wirklich alles nimmt und Amelies Leben komplett überwacht und kontrolliert.

„ >>Ich bin es<<, schreit sie mich an, >>die die alleinige Kontrolle über dein Leben hat. Hörst du? Ganz egal, was du tust. Du hast keine Chance.<< „

Kapitel 12 „Träume versus Wirklichkeit“

Aber auch Amelies „Vater“ (wenn man ihn als Vater bezeichnen kann) war nicht viel besser: Er schaute einfach weg, überließ seine Tochter völlig seiner neuen Frau. Auch er misshandelte Amelie, psychisch mit Nichtbeachtung, aber auch physisch mit Schlägen. Als ihre Flucht gelang, fragte er nicht einmal nach dem Grund… er verschloss Amelie sogar für immer die Tür.

Amelie Sander hat ihr Leben mit drastischen Eindrücken und Worten aufgeschrieben. Auf fast jeder Seite des Buches kämpfte ich mit den Tränen und hatte das Bedürfnis, Amelie in den Arm zu nehmen. Ihr Schicksal machte mich fassungslos, wütend und traurig und hat mich tief erschüttert. Teilweise musste ich das Buch aus den Händen legen, konnte nicht mehr weiterlesen und musste das Gelesene sacken lassen.
Das Buch beginnt mit Amelies Befreiung und ihrem Start in ihr neues Leben. Doch immer wieder geht sie mit ihren Erinnerungen in ihre schlimme Kindheit und Jugend zurück. Diese Erinnerungen werden sie ihr Leben lang nicht mehr loslassen, doch sie schaut nach vorne und möchte mit diesem Buch eines erreichen: Die Gesellschaft wachrütteln. Auffordern, genauer hinzuschauen und zu handeln. Missbrauch an Kindern findet selten auf offener Straße statt. Es findet im Verborgenen statt und deshalb sollte man immer zweimal hinschauen und lieber einmal mehr das Jugendamt oder die Polizei benachrichtigen. Und eines wird ganz deutlich: Unser Rechtssystem braucht dringend eine Erneuerung. Als Amelie nach vielen Therapien in der Verfassung war, ihre Stiefmutter anzuzeigen, waren diese Straftaten verjährt. Ein Schlag für jedes Opfer von Misshandlungen.

Fazit: Das Buch ist keine leichte Kost und es kostete mich einiges an Überwindung, weiter zu lesen. Amelie hat sich nicht unterkriegen lassen und zeigt mit diesem Buch eindrucksvoll, dass sie an ihrem Schicksal nicht zerbrochen ist, sondern darüber gesiegt hat.
Und eines ist dem Leser/ der Leserin nach dieser Lektüre klar: Wegschauen ist nicht mehr!

*Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„Der unsichtbare Pilot: Und der Himmel war blau“

von Mirko Zuleger

Erschienen am 05. Mai 2020, im Selbstverlag
ISBN: 979-8636735175
https://www.amazon.de/unsichtbare-Pilot-Himmel-war-blau/dp/B0882J1ZJT/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=ÅMÅŽÕÑ&crid=22EDYPK5C5UOG&dchild=1&keywords=der+unsichtbare+pilot&qid=1595763662&sprefix=der+unsichtbare+pi%2Caps%2C340&sr=8-1

In dem Buch „Der unsichtbare Pilot: Und der Himmel war blau“ beschreibt der Autor Mirko Zuleger das Leben seines Großvaters Kurt Eismann, der während des Zweiten Weltkrieges als Pilot im Einsatz war.

Coverrechte: Mirko Zuleger

Das Buch beginnt mit einem Prolog, der einen sofort in die Geschichte eintauchen lässt.
[…] „Ein Russe und ein Deutscher sitzen an einem klapprigen Holztisch in einem Vorgarten.“[…] (S. 3, Z. 1 und 2). Wie es zu dieser Szene kommt, ist die große Frage, auf die die Handlung des Buches zuläuft.
Zuerst werden die Hintergründe des Buches erklärt, der Autor Mirko Zuleger berichtet von seiner Kindheit, in der er viel Zeit bei seinem Großvater verbracht hat. Ein kleines Dorf im Erzgebirge in der DDR, ein Großvater, der ihm seine Lebensgeschichte erzählt.
Es geht in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, wir lernen den jungen Kurt Eismann kennen, der schnell lernen muss, dass man im Leben nichts geschenkt bekommt und dass man für seine Träume hart arbeiten muss. Und das macht Kurt. Er arbeitet sich zu einem angesehen Piloten hoch – und erhält seinem Spitznamen: „Der unsichtbare Pilot“. Er entkommt ganz oft nur knapp dem sichern Tod und bleibt aber immer sich selber treu.

Das Buch wäre wohl komplett an mir vorbei gegangen, wenn sich der Autor nicht bei mir gemeldet hätte. Mirko Zuleger fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, sein Buch zu lesen und eventuell zu rezensieren. Nach Lesen des Klappentextes war mein Interesse geweckt, da ich Bücher, die den Zweiten Weltkrieg behandeln, sehr spannend finde. Eine Biographie, bzw. ein Lebensbericht habe ich bisher selten gelesen. An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei Mirko Zuleger für die Zusendung des Buches bedanken – und auch für die schöne Signierung.

Nach diesem Buch kann ich behaupten, dass Kurt Eismann sicher ein toller Mensch war. Ein Mensch, der in eine Zeit hineingeboren wurde, in der man funktionieren musste, in der man ein Teil eines Zahnrades war. Kurt ist seinen Weg gegangen, mit Höhen und Tiefen. Er hat sich das „Mensch-sein“ bewahrt, auch wenn ihm das vieles abverlangt hat. Was diese Generation durchgemacht hat, ist so absolut unvorstellbar, mit diesem Buch wird es aber deutlicher und greifbarer.
Dem Autor Mirko Zuleger, geboren in der ehemaligen DDR, gilt aber auch mein großer Respekt: Es ist so wunderbar, dass er seinem Großvater zugehört hat, dafür gesorgt hat, dass diese Familiengeschichte nicht verloren geht. Die Verbindung zwischen Großvater und Enkel war eine sehr enge, liebevolle Verbindung. Mit diesem Buch hat Mirko Zuleger seinen Großvater Kurt unsterblich gemacht.
Aber auch Kurts Ehefrau, Mirko Zulegers Großmutter, war ein warmherziger, guter Mensch. Und wie sie mit ihrem liebenswerten Dialekt Ehemann und Enkel in die Schranken wies …
Eine Familie, die weiß, was familärer Zusammenhalt bedeutet. Es hat mich wirklich sehr beeindruckt, wie in dieser Familie jeder für jeden einsteht und wie sie füreinander da sind und sich zuhören.

Wie schon erwähnt, berichtet der Autor teilweise aus seiner Sicht über die Gespräche mit seinem Großvater Kurt. Viel Raum nehmen aber die Passagen ein, in denen Kurt direkt berichtet – also in der Ich-Form. Diese Abschnitte ließen mich teilweise atemlos zurück, es war so spannend und mitreisend. Ich konnte Kurts Gedanken und den Handlungen nochmal so viel näher kommen. Teilweise musste ich das Buch aber auch aus den Händen legen, da es so manche Szenen gibt, die mich unfassbar schockiert und traurig gemacht haben. Mit dem Gedanken, dass das alles mal so passiert ist – nicht fiktiv ist, kämpfte ich oft mit den Tränen. Manche Geschichten brachten mich auch zum Schmunzeln.
Der Schreibstil ist immer sehr flüssig und lebhaft, ich nahm das Buch immer wieder gerne in die Hand.

Ich könnte wahrscheinlich noch unendlich viele Zeilen über dieses Buch schreiben, was ich aber nicht mache. Dieses Buch ist es wert, von euch selbst entdeckt zu werden. Auch wenn ihr vielleicht nicht gerne Biographien/ Lebensberichte lest, lege ich euch dieses Buch sehr ans Herz. Es liest sich flüssig und zieht den Leser in ein Wechselbad der Gefühle.
Ein Leben, dass 1001 Geschichten erzählt. Das Buch erhält in meinem Regal einen Ehrenplatz.
Kurt, mit diesem Buch bist du nicht mehr unsichtbar, du bist sichtbar geworden – du und dein eindrucksvolles Leben. Ruhe in Frieden.

Fazit: Ein sehr außerordentliches und starkes Buch, dass mich sehr beeindruckt hat. Lesen.

Bemerkung: Das Buch habe ich freundlicherweise vom Autor als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, es hat meine Meinung aber nicht beeinflusst.