Wenn Bücher tanzen …

... oder Bücher uns zum Tanzen bringen!

Ihr Lieben,
Welcher Bücherwurm kennt dieses Gefühl nicht: Man schlägt ein Buch auf, atmet den Duft des Buches ein, liest die ersten Worte, den ersten Satz, den ersten Abschnitt – und da passiert es: Die Gedanken beginnen zu Tanzen, die Geschichte nimmt in unserem Kopf immer mehr Gestalt an. Figuren werden zu Freunden, manch andere Figuren auch zu Feinden.
Das Buch bittet uns zum Tanz, und wir tanzen mit.

Ich wünsche euch auf meinem Blog „Büchertanz“ ganz viel Vergnügen


Eure



Ihr möchtet wissen, was ich gerade lese? Dann bitte HIER entlang… dort findet ihr mein Lesetagebücher.


„Die Welt im Nebel“

von Ana Pawlik

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 29. November 2022
Verlag: Bucher
Ausgabe: Softcover (Taschenbuch)
ISBN: 978-3990186589
Seitenanzahl: 608 Seiten
Preis: 21,90€ (CHF 26,80)

Klappentext:
„Herzogtum Österreich 1272: Als der König des Heiligen Römischen Reichs stirbt, setzt Přemysl Ottokar alles daran sein Nachfolger zu werden. Grafen, Ritter, Waffenschmiede bis hin zu den kleinsten Bauern und Knechten am Land – von allen fordert er Unterstützung für sein ehrgeiziges Ziel. In dem Dorf Raming, in dem auch der rebellische Knecht Claus wohnt, sollen die Männer Holz für die zahlreichen Rüstungsschmiede in der Stadt Styra liefern. Dabei treibt Graf Irenfried seine Hörigen so harsch voran, bis ein großes Unglück geschieht. Gleichzeitig entdeckt die junge Magd Ännlin die Liebe. Doch kaum, dass ihre zarte Beziehung begonnen hat, verschwindet ihr Geliebter spurlos über Nacht.“

https://www.bucherverlag.com/neuerscheinungen/p/die-welt-im-nebel

Hinweise:
– Falls ihr den ersten Teil der Reihe („In den Klauen der Macht“) noch nicht kennt, aber lesen möchtet, solltet ihr diese Rezension NICHT lesen, da ihr euch sonst spoilern könntet.
– Hier findet ihr meine ausführliche Rezension zum ersten Teil: “In den Klauen der Macht“
– Das Buch habe ich freundlicherweise von der Autorin Ana Pawlik als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!

– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

Coverrechte: Bucher Verlag

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Das Buch „Die Welt im Nebel“ von Ana Pawlik ist der zweite Teil einer Reihe, welche im 13. Jahrhundert zur Zeit des ‚Heiligen Römischen Reiches‘ spielt und eine teils fiktive Geschichte vor historischen Hintergrund erzählt.

1274 im Herzogtum Österreich: Als der König und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Friedrich II. ohne direkten Nachfolger verstirbt, setzt der österreichische Herzog Přemysl II. Ottokar alles daran, dieses Amt zu beerben.
Um sein ehrgeiziges Ziel zu erreichen ist dem Herzog jedes Mittel recht, Gegner und Verräter werden gnadenlos verfolgt und vernichtet. In den Adelskreisen wächst jedoch zunehmend der Unmut über den machtbesessenen Herzog und es werden Pläne geschmiedet, wie dessen Thronbesteigung verhindert werden kann. Pläne, die allen Beteiligten das Leben kosten können.
Graf Irenfried von Styra steht hingegen an der Seite Ottokars und erhofft sich selbst einen gesellschaftlichen Aufstieg, sollte dieser König werden. Irenfried treibt seine Untergebenen unerbittlich an, Holz für die Rüstungsschmiede zu beschaffen – auch die Bewohner des kleinen Dorfes Raming müssen liefern und vor allem spuren. Unter den Bewohnern des Dorfes ist der Knecht Claus, welcher noch immer auf einem Meierhof lebt und arbeitet. Dort ist er ständig den Launen des bösartigen Bauern und Meier Rudwin ausgesetzt. In Claus wächst der Wunsch in Freiheit zu leben. Als sich sein Weg wieder mit dem der Zofe Ännlin kreuzt, entdecken die Beiden ihre Liebe zueinander. Doch sie müssen sich entscheiden: Ein sicheres, aber unfreies und voneinander getrenntes Leben – oder ein unsicheres, dafür gemeinsames Leben in Freiheit?

Im März 2022 habe ich den ersten Band „In den Klauen der Macht“ gelesen, nachdem die Autorin bei mir anfragte, ob ich diesen gerne als Rezensionsexemplar erhalten möchte. Der Auftakt der Reihe konnte mich sehr begeistern, da dieseräußerst akribisch recherchiert ist und über authentische Figuren und eine packende Handlung verfügt. Schon damals freute ich mich sehr auf den zweiten Band der Reihe. Anfang November 2022 kündigte Ana Pawlik das Erscheinen des zweiten Teils ihrer ‚Österreich-Saga‘ an und sie fragte mich auch direkt, ob ich diesen gerne rezensieren möchte. Da musste ich nicht lange überlegen und sagte ihr dies zu, da ich schon sehr gespannt war, wie es mit all den Figuren weitergeht. Bereits am 24. November 2022 erreichte mich das signierte Buch per Post.
An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei der Autorin für das Rezensionsexemplar und den freundlichen Kontakt bedanken.

Zuerst fällt auf, dass der zweite Band als Softcover vorliegt – der erste Band ist ein Hardcover. Einerseits empfinde ich das als etwas schade, da ich gebundene Bücher einfach als haptischer empfinde und sie um einiges stabiler sind als Softcover (Taschenbücher), auf der anderen Seite sind diese im Gegensatz zu den Hardcover doch handlicher. Im Regal passen die beiden Bücher trotz der unterschiedlichen Ausgabeart gut zusammen.
Das Cover des zweiten Teils harmoniert wunderbar mit dem Cover des ersten Bands. Beide Ölgemälde wurden von der tschechischen Künstlerin Lenka Fiala gemalt. Auf diesem Bild für den zweiten Band stehen eine Person und ein Pferd im Zentrum des Bildes. Links von ihnen befindet sich ein Dorf, über welchem ein mächtiger Baum auf einem Hügel thront. Dahinter ragen majestätisch, aber auch dunkel die Berge auf, welche von einem sprudelten Gewässer durchschnitten werden. Der Titel des Buches „Die Welt im Nebel“ ist mit einer Nebelwolke hinterlegt, hinter welcher sich, aus der Sicht der Person des Pferdes, auch ein Teil des Dorfes verbirgt. Ein äußerst individuelles und absolut stimmiges Cover, welches mir sehr viel Lust auf die Geschichte gemacht hat.
Vorne im Buch befindet sich ein farbig gestaltete Karte von Mitteleuropa zur Zeit der Handlung. Das Heilige Römische Reich bildet auf dieser Karte das Zentrum, oben und links sind Teile des Königreiche Dänemark, Frankreich und England zu sehen, links schließen sich die Königreiche Polen und Ungarn an. Einige Städte und Ortschaften, welche auch im Buch eine Rolle spielen, sind dort eingezeichnet.
Hinten im Buch befindet sich eine, ebenfalls farbig gestaltete Karte – diese zeigt einen Ausschnitt des Herzogtums Österreichs mit dem angrenzenden Königreich Ungarn. Auch hier sind wieder wichtige Handlungsorte verzeichnet und bieten so einen guten Überblick über diese.
Zu Beginn des Buches befindet sich eine ausführliche Zusammenstellung über die Personen – hier zeigt sich, dass einige historische Persönlichkeiten den Weg in den Roman gefunden haben – aber auch einige fiktive. Ana Pawlik hat auch historisch belegte Figuren eingebaut, von welchen nur ein paar wenige Eckdaten überliefert sind – diese hat sie dann mit ihrer eigenen Fantasie zum Leben erweckt. Danke für dieses Personenregister, welches mir im ersten Teil sehr gefehlt hat.
Der Hauptteil des Buches gliedert sich in viele Kapitel – in diesen stehen dann abwechselnd verschiedene Charaktere im Mittelpunkt. Dies wird mit den jeweiligen Namen über den Kapiteln kenntlich gemacht und förderte für mich den Spannungsaufbau enorm, da einige Kapitel mit einem Cliffhanger enden und dieser Handlungsstrang dann erste einige Kapitel später weitergeführt wird.
Den Abschluss des Buches bildet ein ausführliches Nachwort der Autorin, in welchem sie noch einmal auf historische Begebenheiten/ Figuren und Fiktion eingeht und sie macht zudem noch sehr neugierig auf den dritten Teil der Reihe.
Abgerundet wird das Buch mit einer Leseprobe zum ersten Teil.

Viele der Figuren sind bereits aus dem ersten Band bekannt, es kamen aber auch einige neue Figuren hinzu. Wie im ersten Band hat die Autorin ihre vielen, größtenteils fiktiven, Figuren sehr authentisch beschrieben und nicht überzeichnet. Es gibt ganz klar die guten und die weniger freundlichen Charaktere, doch sie alle haben ihre Beweggründe und konnten mich mit ihrer Tiefe sehr überzeugen. Aber auch die historischen Figuren hat Ana Pawlik sehr lebensecht und teilweise ambivalent beschrieben und zeichnet gemeinsam mit den fiktiven Figuren ein gutes Bild der Gesellschaft des ausgehenden Hochmittelalters/ des beginnenden Spätmittelalters.
Meine Lieblingsfigur ist nach wie vor Ännlin. Sie ist fernab der Zivilisation im Wald aufgewachsen und hat sich erst nach dem Tod ihrer Mutter dauerhaft unter andere Menschen begeben. Dort hat sie nun als Zofe der Euphemia von Eberstorf ihr Auskommen und einen sicheren Platz im Leben gefunden – allerdings hat sie dafür ihre Freiheit aufgegeben. Ännlin verliert nie ihren Lebensmut, sie erkennt Unrecht und handelt schnell. Ihre authentische Entwicklung hat mir sehr gefallen und ich bin jetzt schon sehr gespannt, wie es mit ihr und ihrer spannenden Geschichte weitergehen wird.
Neben Ännlin steht der Knecht Claus im Zentrum der Geschichte. Als unfreier Knecht ist er den Launen des Bauers schutzlos ausgeliefert, immer wieder träumt der von der Freiheit und plant seine Flucht. Er sagt vielen Menschen offen und ehrlich seine Meinung, was ihn oft in Schwierigkeiten bringt. Mit Ännlin, Claus und den Bauern der Ortschaft Raming lernen wir die unterste Gesellschaftsschicht des Mittelalters kennen: Die Abhängigen (Unfreien).

„» … Und ich wünsche mir auch ein anderes Leben – zusammen mit dir. Seit meine Eltern gestorben sind, bin ich von einem Bauernhof zum nächsten weitergereicht worden. Nie hat mich jemand gefragt, was ich will. Immer haben andere für mich entschieden. Wenn ich nicht folgsam war, hat man mich geschlagen. Ich fühle mich wie ein Gefangener. Und ein Mensch redet dem anderen Menschen hinterher, dass das die gottgewollte Ordnung ist, dass ein paar wenige Menschen herrschen und alle Rechte der Welt besitzen, während der viel größere Teil der Menschen unfrei ist und über nichts im Leben selber bestimmen kann.«“

[Seite 299, Zeilen 19 – 28]

Euphemia, ihr Gatte Dietmar von Losenstein und dessen besten Freund Arnulf bilden die Gesellschaftsschicht des niederen Adels (Untervasallen). Auch diese Figuren konnten mich mit ihrer Lebendigkeit sehr begeistern – allen voran aber Euphemias wechselvolle Geschichte zog mich sehr in ihren Bann. Dietmar ist auch wieder etwas schwer zu fassen und verblasst gegenüber Arnulfs spannender Geschichte etwas.
Der zwielichtige Graf Irenfried von Styra ist ein Teil der Gesellschaftsschicht der Kronvasallen. Er strebt nach größerer Macht, wofür ihm jedes Mittel recht ist – auch wenn es Menschenleben fordert. Hier sind sich Graf Irenfried und Herzog Přemysl II. Ottokar sehr ähnlich – beide streben nach immer größerer Macht – egal wie.
Neben diesen genannten Figuren spielen noch viele weitere Figuren in „Die Welt im Nebel“ mit, auf die ich nicht einzeln eingehen kann, da es sonst den Rahmen dieser Rezension sprengen würde. Wie bereits geschrieben, bilden sie alle zusammen ein sehr authentisches Bild der damaligen Gesellschaft und Ana Pawlik ist es außerordentlich gut gelungen, diese mit der packenden und stimmigen Handlung ihres Buches und auch untereinander mit ihren einzelnen Geschichten zu verbinden.
Die Handlung des Buches wird chronologisch und mit hohen Tempo erzählt. Teilweise wurde es so spannend, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen wollte und die Seiten flogen nur so dahin. Im Nu waren die 600 Seiten gelesen, auf denen nie Langeweile aufkam. Mit ihrem bildhaften, lebendigen und packenden Sprachstil hat Ana Pawlik eine so spannende Geschichte geschrieben, in welche ich völlig abtauchen konnte. Erwähnen möchte ich, dass ich es als äußerst empfehlenswert empfinde, dass man den ersten Band bereits gelesen hat, da man dann die Figuren und ihr Verhalten besser einordnen kann.


Den geschichtlichen Hintergrund bildet das Heilige Römische Reich im Jahr 1274 nach dem Tod des Königs/ Kaisers Friedrich II., dessen Nachfolge völlig ungeklärt war. Die Bevölkerung war tief verunsichert, wie es nun weitergehen sollte.

„Die Welt liegt im Nebel, dachte Claus, hier in Raming ebenso wie im Rest des Römischen Reiches. Noch immer hatten die Kurfürsten keinen Nachfolgekönig gewählt. Die Antwort, wer es eines Tages werden würde, lag so tief in den Nebelschwaden versteckt wie jetzt die Bergspitzen rings um Claus herum.“

[Seite 391, Zeilen 19 – 23]

Es ist sehr spannend, wie aus einem kleinen Rahmen (Herzogtum Österreich) plötzlich der Bogen zur Weltgeschichte (Heiliges Römisches Reich, Nachfolge des Königs) geschlagen wird.
Wie auch im ersten Teil spielt das Lehenswesen wieder eine wichtige und zentrale Rolle: Im 13. Jahrhundert war das Lehnswesen die in Europa herausgebildete Herrschafts- und Besitzordnung. Sie beruhte auf dem umfassenden erblichen Nutzungsrecht, das ein Lehnsherr seinen Vasallen oder Lehnsmännern an einer ihm gehörenden Sache, dem Lehen, überließ, sowie auf einem wechselseitigen Treuegelöbnis. Ana Pawlik hat diese Herrschafts- und Besitzordnung in ihrer bisher zweiteiligen Reihe hervorragend herausgearbeitet und bringt dem Leser/ der Leserin so längst vergangene Zeiten auf unterhaltsame und spannende Art näher.
Vor diesen sehr gut recherchierten geschichtlichen Hintergründen erzählt Ana Pawlik ihre intensive Geschichte, welche sie immer wieder fiktiv ausgeschmückt hat und beschreibt einzelne Örtlichkeiten und Begebenheiten so detailliert und farbenprächtig, dass ich das Gefühl hatte, dass sich wahrlich alles so abgespielt haben könnte.

Ganz herzlichen Dank an Ana Pawlik für diesen wunderbaren und lehrreichen Roman und die unterhaltsamen Lesestunden. Ich freue mich schon so sehr auf den dritten Teil der Reihe.

Fazit: Was für ein imposanter und intensiver Roman, welcher mich von der ersten bis zur letzten Seite gepackt hielt und mit Sicherheit noch einige Zeit nachklingen wird. Ein absolutes MUSS für alle Mittelalter-Fans und Liebhaber historischer Romane.



*Ich habe für diese Rezension vom Verlag oder von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„Dallmayr – Der Glanz einer neuen Ära“

von Lisa Graf

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 23. November 2022
Verlag: Penguin
Ausgabe: Klappbroschur (Paperback)
ISBN: 978-3-328-60223-1
Seitenanzahl: 544 Seiten
Preis: 16€

Klappentext:
München 1905. Mit ihrem Gespür für Delikatessen hat Therese Randlkofer Köstlichkeiten aus aller Welt nach Deutschland gebracht. Handverlesene Früchte von den Kanaren, feinster Blätterkrokant aus der Schweiz und goldgelber französischer Lavendelhonig zieren die Auslage des Dallmayr. Doch ihr missgünstiger Schwager und größter Kontrahent Max versteht sich darin, Zwietracht in der Familie zu säen – besonders bei ihren eigenen erwachsenen Kindern. Dabei bräuchte Therese deren Hilfe dringender denn je. Denn um das Unternehmen in die Zukunft zu führen, hat sie einen folgenschweren Entschluss gefasst. Einen Entschluss, der sie alles kosten könnte …

https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/Dallmayr-Der-Glanz-einer-neuen-Aera/Lisa-Graf/Penguin/e597155.rhd

Hinweise:
– Falls ihr den ersten Teil der Reihe noch nicht kennt, aber lesen möchtet, solltet ihr diese Rezension NICHT lesen, da ihr euch sonst spoilern könntet.
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Penguin Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.
– Hier findet ihr meine ausführliche Rezension zum ersten Teil: “Dallmayr – Der Traum vom schönen Leben“

Coverrechte: Penguin Verlag

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Das Buch „Dallmayr – Der Glanz einer neuen Ära“ ist der zweite Teil einer Reihe um das Delikatessen-Geschäft Dallmayr in München, wobei dieser Band die weitere Geschichte und Entwicklung des Geschäfts und seiner Besitzerin Therese Randlkofer zeigt und von 1905 bis 1920 spielt.

München 1905: Noch immer ist in München das Delikatessen-Geschäft Dallmayr die Adresse Nummer Eins, wenn es um exquisite Lebensmittel und Köstlichkeiten aus aller Welt geht. Die Inhaberin Therese Randlkofer könnte eigentlich zufrieden sein, doch ihr Blick richtet sich weiter nach vorn: Sie möchte das Ladengeschäft vergrößern, um noch mehr anbieten zu können und das Unternehmen mit eher ungewöhnlichen Ideen in die Zukunft führen. Dazu braucht sie aber die Unterstützung ihres jüngsten Sohnes Paul, der in Wiesbaden eine Ausbildung zum Kaufmann absolviert. Thereses ältester Sohn Hermann ist bereits voll in den Familienbetrieb eingespannt, ihre Tochter hingegen lebt und arbeitet in der Schweiz.
Doch ihr missgünstiger und neidvoller Schwager Max ist und bleibt ihr größter Konkurrent: Immer wieder schafft er es, die Familie gegeneinander aufzubringen und damit für Unfrieden zu sorgen.

Im November 2021 habe ich den Auftakt „Dallmayr – Der Traum vom schönen Leben“ mit großer Begeisterung gelesen. Schon damals war mir klar, dass ich auch den zweiten Teil unbedingt lesen muss, da ich wissen wollte, wie es mit der Geschichte und den vielen interessanten Figuren weitergeht.
Die Freude war riesig, als der zweite Teil angekündigt wurde. Ich fragte ein Rezensionsexemplar auf dem ‚Bloggerportal’ an und bekam dieses freundlicherweise vom Penguin Verlag genehmigt und zugesendet. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken.

Das Buch ist, wie der vorherige Band, ein sehr hochwertiges gestaltetes Paperback. In der vorderen Klappe befindet sich ein stimmiges Bild von Schokoladenkonfekt, in der hinteren Klappe befindet sich ein liebevoll in Szene gesetztes Rezept.
Das stimmige Cover (welches wunderbar zum ersten Band passt), zeigt zwei Frauen, die vor der berühmten Fassade des Dallmayr-Hauses stehen und dem Betrachter den Rücken zukehren. Eine der Frauen hat einen bunt gefüllten Einkaufskorb in der Hand, beide Frauen scheinen in ein Gespräch vertieft zu sein. Rechts von ihnen steht eine Pferdekutsche, ansonsten sind auf den Bild vorwiegend andere Frauen zu sehen, welche sich entweder zum Dallmayr-Haus wenden oder dieses gerade verlassen haben. Es ist ein sehr stimmiges, farbenfrohes und lebendiges Cover, auf dem der Titel „Dallmayr“ mit erhobener und glänzender Schrift prangt.
Das Handlung gliedert sich in verschiedene Jahre und beginnt im Jahr 1905 und endet im Jahre 1920. Es gibt kein Vorwort und auch keinen Prolog, die Handlung startet unmittelbar und knüpft direkt an den ersten Band an – deshalb empfinde ich es als sehr empfehlenswert, dass man den ersten Band gelesen hat, um die Begebenheiten und die Befindlichkeiten der Charaktere besser einordnen zu können.
Am Ende des Buches befinden sich die Quellennachweise. Leider fehlt auch hier, wie bereits im ersten Band, ein historisches Nachwort und/ oder eine Übersicht über die Figuren. Gerne hätte ich erfahren, welche der Figuren historisch und welche fiktiv sind.

Im Mittelpunkt steht die historisch-belegte Therese Randlkofer. Aufgrund des Fehlens eines historischen Nachworts, kann ich in dieser Rezension nur die Therese wiedergeben, welche im Roman dargestellt ist.
Wie bereits im ersten Band ist Therese eine zupackende, fleißige und vor Ideen sprühende Frau, auch wenn sie immer mal wieder etwas kühl und abgeklärt wirkt. Sie weiß genau, was sie will und sie schafft es immer wieder Lösungen zu finden, mit denen die Menschen in ihrer Umgebung zufrieden sind. Mittlerweile ist Therese nicht mehr nur Mutter, sie ist auch Großmutter geworden und liebt ihre stetig wachsende Familie. Doch Therese ist nicht nur die starke und lebenskluge Geschäftsfrau – in diesem Teil der Reihe macht sie sich immer wieder Gedanken um die Zukunft: Wie geht es mit dem Geschäft weiter und hat sie sich mit dessen Ausbau nicht etwas übernommen? Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges bringt Thereses sonst stets zuversichtliche Art zum Einsturz. Lisa Graf hat Thereses Charakter eine authentische Entwicklung angedeihen lassen und sie sehr ausdrucksstark und facettenreich gezeichnet. Ich konnte wieder mit ihr mitfühlen und habe sie noch tiefer in mein Herz geschlossen.
Auch ihre drei Kinder, Hermann, Elsa und Paul, stehen wieder an Thereses Seite:
Hermann, welcher als ältester Sohn schon früh gelernt hat, Verantwortung zu übernehmen, ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil des Betriebes geworden. Doch er leidet immer wieder darunter, dass seine Mutter ihn vor vollendete Tatsachen stellt und ihm nur wenig Entscheidungsfreiheit zugestanden wird. In seinem Privatleben ist er ein liebevoller Ehemann und Vater geworden.
Elsa wohnt mittlerweile fernab von München in der Schweiz und hat dort als Juristin ihren Weg gefunden. Sie ist aus ihrem goldenen Käfig ausgebrochen und führt nun ein unabhängiges und ungebundenes Leben, ohne die vielen gesellschaftlichen Zwänge. Sie hat sich seit dem ersten Band sehr gewandelt und ist längst nicht mehr das junge Mädchen, welches sich verwöhnen lässt – sie ist nun eine junge Frau, mit vielen Ideen im Kopf, welche aber auch ein Blick für die Menschen in ihrer Umgebung hat.
Paul, der jüngste im Bunde, lebt zu Beginn des Buches in Wiesbaden und wird dort zum Kaufmann ausgebildet. Doch er ist sehr unglücklich, hat düstere Gedanken und trägt zudem ein großes Geheimnis mit sich herum. Er ist noch immer dabei, seinen Platz im Leben zu finden.
Die Autorin hat diese drei völlig verschiedenen Charaktere und ihre Lebensgeschichten sehr glaubwürdig ausgearbeitet. Es läuft nicht alles glatt bei ihnen, immer wieder erleben sie Höhen und Tiefen.
Balbina, die uneheliche Tochter von Thereses verstorbenen Mann, lebt am Bodensee und führt dort mit ihrem Mann ein Hotel. Sie ist längst nicht mehr das vor Lebenslust sprühende junge Mädchen, mittlerweile wirkt sie verbittert und unglücklich mit und in ihrem Leben. Auch wenn Balbina und ihre wechselvolle Geschichte nicht immer im Vordergrund steht, empfand ich diese als sehr interessant.
Es gibt auch ein Wiedersehen mit dem ehemaligen Lehrjungen Ludwig. Er hat die wohl größte Entwicklung der Figuren gemacht und sich ein eigenes Unternehmen aufgebaut, in welchem er komplett aufgeht und arbeitet mit großer Leidenschaft. Ludwig ist und bleibt einfach ein Charakter, welchen man gerne haben muss und sich immer wieder freut, wenn er auftaucht.
Ganz im Gegensatz zu Thereses Schwager Max. Wann immer dieser unangenehme Mensch auftaucht, schleicht ein ungutes Gefühl mit, da er immer nur auf Konfrontation aus ist und Zwietracht sät. Natürlich hat er auch seine Beweggründe und möchte seine Ziele im Leben erreichen, doch er ist einfach ein sehr einsamer und verbitterter Mensch – ohne familiären Rückhalt und Liebe Neben diesen Figuren spielen noch einige andere Figuren in diesem Buch mit: Einige sind bereits aus dem ersten Teil bekannt, es gibt aber auch einige neue Charaktere. Sie alle sind, wie auch die Hauptfiguren, lebensecht und authentisch gezeichnet und haben mir ein gutes Bild der Gesellschaft des beginnenden20. Jahrhunderts vermittelt. Ich habe immer gerne weitergelesen und bin schon ganz gespannt, wie es mit all den liebgewonnen Figuren weitergehen wird.

Den historischen Hintergrund bildet zu Beginn des Buches das Deutsche Kaiserreich im beginnenden 20. Jahrhundert. Die Gesellschaft ist politisch, aber auch sozial sehr gespalten. Es gibt die äußerst arme Bevölkerung (Arbeiter), die Mittelschicht, das reiche Bürgertum und den Adel. Sozialgeschichtlich war das Kaiserreich vor allem geprägt vom Aufstieg der Arbeiterschaft, die Sozialpolitik wird ein immer größer und wichtiger Bestandteil der Gesellschaft.
Im weiteren Verlauf bildet dann die Vorkriegszeit den historischen Hintergrund. Lisa Graf zeigt, wie und weshalb der Erste Weltkrieg ausbrach und auch seinen weiteren Verlauf. Hier fand ich es sehr interessant, dass auch das Schicksal der Deutschen im Ausland dargestellt wurde.
Lisa Graf zeigt aber auch, wie sich der Ausbruch des Krieges auf die Menschen ausgewirkt hat und wie dieser nicht nur mit Begeisterung wurde. Therese kann beispielsweise nicht wahr haben, dass viele treue Lieferanten und Freunde plötzlich Feinde sein sollen.
Aber auch die Wendung des Freudentaumels in vielen Teilen der Bevölkerung hin zur Kriegsmüdigkeit hat die Autorin gelungen und eindrucksvoll ausgearbeitet.
Zudem stellt Lisa Graf diese historischen Hintergründe mit ihrem bildhaften, detaillierten und spannenden Sprachstil und einem erzählerisch dichten Tempo sehr gut da. Ihre Figuren und deren Geschichten verknüpft sie dabei gekonnt mit der Historie – so wird Geschichte erleb- und fühlbar.
Die 544 Seiten flogen nur so dahin, ich freue mich jetzt schon auf einen hoffentlich dritten Teil der Reihe und bin sehr gespannt, wie es mit den Figuren und ihren Geschichten, aber auch mit dem Dallmayr weitergehen wird.

Das Buch „Dallmayr – Der Glanz einer neuen Ära“ ist ein wunderbares Lesevergügen, für welches ich mich sehr herzlich bei Lisa Graf bedanken möchte.

Fazit: Was für eine spannende und mitreißende Geschichte – voller Wärme, Hoffnung, Tragik, Genuss und mit unvergesslichen Figuren. Eine sehr lesenswerte Fortsetzung, welche dem ersten Teil in Nichts nachsteht. Ein sehr lesenswertes und kurzweiliges Buch.

*Ich habe für diese Rezension vom Verlag oder von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„Das Lächeln der Imperia“

von Antje Windgassen

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 05. September 2022
Verlag: Südverlag
Ausgabe: Hardcover
ISBN: 978-3-87800-152-2
Seitenanzahl: 296 Seiten

https://www.suedverlag.de/Buecher/Buch/?titzif=90074&id=5&s=2&sid=1&titel=Das%20Lächeln%20der%20Imperia&rubrik=Literatur

Klappentext:
Venedig, 1414: Die junge Dirne Gabriella lebt im Rotlichtviertel der Stadt. Obwohl sie schön ist, sogar lesen und schreiben kann, kämpft sie ums Überleben. Als sie vor das Inquisitionsgericht befohlen wird, flieht Gabriella. Mit Sofia und Guilia, ebenfalls Straßendirnen, schließt sie sich einem Händlertreck an, zieht über die Alpen. Ihr Ziel: Konstanz, wo sich Europas Mächtige zu einem Kirchenkonzil treffen und sich märchenhafte Verdienstmöglichkeiten bieten sollen. Bald steigt Gabriella, die sich nun „Imperia“ nennt, zur gefragten Kurtisane auf. Zu ihren Freiern zählen König Sigismund und Kardinal Oddo di Colonna, der zum rechtmäßigen Papst gewählt wird. Nach dem Konzil bricht Imperia in Richtung Rom auf und bemerkt, dass sie ein Kind erwartet. Wer ist der Vater: der König oder der Papst?“

Hinweise:
-Das Buch habe ich freundlicherweise vom Südverlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!
-Ich habe für diese Rezension von der Autorin und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

Coverrechte: Südverlag

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Das Buch „Das Lächeln der Imperia“ spielt in Venedig und in Konstanz zur Zeit des Konzils (1414 – 1418) und erzählt die neu interpretierte Geschichte einer jungen Frau, welche mit Mut und Entschlossenheit für ihre Ziele kämpft.

Venedig im Jahr 1414: Die junge Gabriella arbeitet als Dirne und kämpft sich mehr schlecht als recht durch ihr Leben. Als ihr durch eine kleine Verfehlung der Gang vor das Inquisitionsgericht droht, flüchtet Gabriella zusammen mit zwei weiteren Dirnen in Richtung der fernen Stadt Konstanz. Hier findet das Konzil statt, bei dem sich alle mächtigen Männer Europas treffen. Die drei Dirnen versprechen sich große Verdienstmöglichkeiten und schon bald steigt Gabriella (welche sich nun Imperia nennt) zu einer gefragten Kurtisane auf. König Sigismund wird auf sie aufmerksam, ebenfalls Kardinal Oddo do Colonna. Als zum Ende des Konzils Oddo zum rechtmäßigen Papst gewählt wird, bricht auch Imperia Richtung Rom auf. Doch sie ist schwanger. Trägt sie das Kind des Königs oder des Papstes unter ihrem Herzen?

Ende August 2022 bekam ich auf Instagram eine Nachricht des Südverlags, in welcher mir der Roman „Das Lächeln der Imperia“ vorgestellt wurde und angefragt wurde, ob ich dieses Buch gerne besprechen möchte. Als ich den Klappentext gelesen habe, war mein Interesse schnell geweckt, da ich das Spätmittelalter sehr interessant finde und auch speziell das Konzil von Konstanz als sehr spannend empfinde. Auch der Name ‚Imperia‘ sagte mir seit meinem Besuch in Konstanz im Jahr 2013 etwas: Hier steht nämlich am Hafen die „steinerne Imperia“ von Peter Lenk. Gerne wollte ich mehr über diese Zeit und diese Figur lernen und sagte dem Südverlag zu.
An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an den Südverlag für das Rezensionsexemplar und den sehr freundlichen Kontakt.

Das Buch ist ein sehr edel gestaltetes Hardcover mit einem Lesebändchen, Buchumschlag und sehr hochwertigen, starken Papier. Das Cover ziert ein Ausschnitt aus dem Gemälde „Die Geburt der Venus“ von Sandro Botticelli, was auf mich sehr stimmungsvoll und passend wirkt.
Insgesamt besteht „Das Lächeln der Imperia“ aus vier Teilen:

– „Prolog: Die steinerne Imperia“
– „Die fabelhafte Imperia“
– „Epilog: Die göttliche Imperia“
und
– „Anhang“

Im Prolog erzählt die Autorin die Geschichte der Statur von Peter Lenk, welche in Konstanz direkt am Hafen seit dem Jahr 1993 alle Blicke auf sich zieht, aber auch etwas über die Imperia, welche in ihrem Roman eine Rolle spielen wird. Mit diesem Prolog stimmt Anje Windgassen wunderbar auf die weitere Geschichte ein.
Der Teil „Die fabelhafte Imperia“ bildet den Hauptteil des Buches und spaltet sich in insgesamt elf Kapitel auf. Diese elf Kapitel umfassen jeweils etwa 20 bis 30 Seiten.
Der „Epilog: Die göttliche Imperia“ zeigt einen Blick auf das Leben der historischen Imperia Cognati, welche von 1486 bis 1512 in Rom lebte. Ihr Leben diente dem Schriftsteller Honoré de Balzac (1799 – 1850) als Vorlage für seine Erzählung „La belle Impéria“. Allerdings beschreibt er eine (wohl fiktive) Kurtisane, welche während des Konzils von Konstanz die Geliebte vieler Kardinäle, Würdenträger, Fürsten und Markgrafen war und sich dann als heimliche Herrscherin des Konzils entpuppte. Zu der Zeit, in der die Erzählung von Honoré de Balzac spielt, war die historische Figur Imperia Cognati noch nicht geboren, nutzte ihm aber als Vorbild für seine fiktive Kurtisane. Der Roman von Antje Windgassen und auch die Statur von Peter Lenk am Konstanzer Hafen stützt sich demnach auf die fiktive Kurtisane aus Honoré de Balzac Erzählung. Da es aber zur Zeit des Konzils in Konstanz eine Vielzahl an Kurtisanen und Dirnen in der Stadt war, kann natürlich nicht ganz ausgeschlossen werden, dass eine von diesen Kurtisanen gleichzeitig die Geliebte vom König und Papst war und auch von anderen Würdenträgern umgarnt wurde.
Im Anhang des Buches befindet sich ein ausführliches, alphabetisch geordnetes Personenverzeichnis, ein umfangreiches Glossar, welches einen Überblick über verwendete Begrifflichkeiten liefert, die Literaturauswahl und die Quellennachweise/ Anmerkungen. Dieser Anhang rundet das Buch wunderbar ab.
Die Aufteilung in vier Teile und die hochwertige Ausstattung des Buches führen insgesamt zu einem wunderbaren Lese-Erlebnis.

„Imperia“ – Statur von Peter Lenk im Konstanzer Hafen im Jahr 2013 (c)by chrissy

Die Figuren in „Das Lächeln der Imperia“ sind sehr farbenfroh beschrieben.
Im Mittelpunkt der Geschehnisse steht die junge und schöne Gabriella (später Imperia), welche mit großer Schaffenskraft und Überzeugung für ihre Träume kämpft. Doch auch für die Menschen in ihrer Umgebung hat sie stets ein offenes Ohr und besitzt eine ausgezeichnete Menschenkenntnis. Ich mochte ihre kämpferische, aber auch liebevolle Art und Weise sehr gerne.

“ »Du weißt es vielleicht selbst noch nicht, wirst es aber zweifellos in Konstanz feststellen: Wenn man dich ins rechte Licht stellt, kann aus dir eine Frau werden, die aufgrund ihrer Schönheit und ihrer Anmut große Macht über die Männer erlangen wird. Wenn du dich auch noch als klug genug erweist, die richtigen Freier zu wählen – ich spreche von großen und mächtigen Männern -, kann dein Triumph als Hure grenzenlos werden.« “

[Kapitel „Der Aufbruch“, S. 50]

An Imperias Seite sind die beiden Dirnen Sofia und Giulia. In diesen beiden Frauen hat sie wahre Freundinnen gefunden, auf die sie sich immer verlassen kann – die Beiden aber auch auf Imperia. Es ist eine sehr innige Verbindung zwischen diesen Frauen, welcher ich beim Lesen gut nachfühlen konnte.
Auch die anderen Figuren, welche im direkten Umfeld der drei Freundinnen spielen, sind sehr freundliche und friedliche Menschen. Bei einigen fehlte mir ein wenig die Tiefe – teilweise wirkten sie etwas blass und eindimensional. Trotzdem waren sie mir größtenteils sehr sympathisch und ich konnte gut mit den drei Frauen und ihren Verbündeten mit fiebern.
Antje Windgassen ist es zudem wunderbar gelungen die Lebensgeschichten ihrer fiktiven Charakteren mit den vielen historisch belegten Figuren zu verknüpfen. Diese stellt Antje Windgassen mit ihren vielfältigen und Beschreibungen sehr authentisch dar.

Die Handlung des Buches umfasst sechs Jahre (1414 bis 1418), wird chronologisch und mit hohem Tempo erzählt. Leider muss ich sagen, dass mir die Handlung streckenweise etwas zu glatt verläuft. Die Figuren müssen keine wirklichen Rückschläge erleiden, vieles läuft einfach zu geschmiert. Dieser Aspekt und auch die teilweise etwas eindimensionalen Figuren, schmälerten mein Lesevergnügen ein wenig.
Dem ungeachtet nahm ich das Buch trotzdem immer wieder gerne in die Hand, da es mit unter auch sehr spannend wurde, und die fast 300 Seiten flogen nur so dahin. Dazu führt auch der flüssige und unterhaltsame Sprachstil der Autorin.

Den geschichtlichen Hintergrund bildet das Konzil in Konstanz von 1414 bis 1418. Vier Jahre lang war die kleine Stadt am Bodensee der Mittelpunkt kirchenpolitischer Interessen. Die geschätzten 50.00 bis 70.000 Konzil-Besucher brachten Konstanz und seine damals 6000 Bewohner und Bewohnerinnen an den Rand der Belastungsgrenze, brachten aber gleichzeitig auch einen beträchtlichen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung für die Stadt.
Das Konzil sollte das seit 1378 andauernde Große Abendländische Schisma beenden und damit die Einheit der Kirche wiederherstellen. Es gab zu dieser Zeit drei Päpste: Einer in Rom, einer in Avignon und einer in Pisa.
Diese geschichtlichen Hintergründe hat Antje Windgassen sehr gut recherchiert, lässt diese wunderbar in die Handlung einfließen und verwebt sie gekonnt mit den Lebensgeschichten ihrer (teils fiktiven) Charaktere.

Danke für dieses tolle Lese-Erlebnis!

Fazit: Ich mochte die farbenfrohen Figuren und konnte mich gut in die Geschichte und den spannenden geschichtlichen Hintergrund einfühlen. Allerdings verlief mir die Handlung mit unter etwas zu glatt, es gab fast keinerlei Rückschläge für die Figuren.
Trotzdem: Dieser Roman ist eine spannende und interessante Zeitreise, hat mir sehr viel Wissen über das Konzil in Konstanz und dessen Hintergründe vermittelt und ist ganz wunderbar zu lesen.
Alles in allem kann ich euch das Buch guten Gewissens empfehlen.

*Ich habe für diese Rezension vom Verlag oder von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„Kinder des Aufbruchs“

von Claire Winter

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 02. November 2022
Verlag: Diana
Ausgabe: Hardcover
ISBN: 978-3-453-29266-6
Seitenanzahl: 560 Seiten

Klappentext:
Sechs Jahre nach dem Mauerbau lernt die erfolgreiche Dolmetscherin Emma in West-Berlin die aus dem Ostteil der Stadt geflohene Sängerin Irma Assmann kennen. Als sie ihrer Zwillingsschwester Alice davon erzählt, reagiert diese beunruhigt. Alice schreibt als Journalistin über die Studentenbewegung und steht in Kontakt mit verschiedenen Fluchthilfe-Organisationen. Ist Irma mit ihren ehemaligen Beziehungen zum KGB als Informantin im Westen? Oder sind die Schwestern und deren Männer Julius und Max durch ihre Verbindungen zur DDR zu Zielscheiben geworden? Kurz darauf wird die Sängerin ermordet, und die vier geraten inmitten der Studentenunruhen zwischen die Fronten der Geheimdienste.

https://www.penguinrandomhouse.de/Buch/Kinder-des-Aufbruchs/Claire-Winter/Diana-Verlag/e605863.rhd

Hinweise:
-Das Buch habe ich freundlicherweise vom Diana Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!
-Ich habe für diese Rezension von der Autorin und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.
– Hier ist meine ausführliche Rezension zum ersten Teil „Kinder ihrer Zeit“

Coverrechte: Diana Verlag

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Das Buch „Kinder des Aufbruchs“ ist der zweite Teil der Reihe um die Zwillingsschwestern Emma und Alice, welche in den 1960er Jahre in West-Berlin leben und dort während der Studentenbewegungen mit ihrer Vergangenheit konfrontiert werden.

West-Berlin im Juni 1967: Bereits sechs Jahre sind seit dem Bau der Berliner Mauer vergangen, welche die Menschen nach wie vor unerbittlich voneinander trennt. Nach ihrer Flucht hat sich Alice gut in West-Berlin eingelebt und sie führt ein sehr vertrauensvolles Verhältnis zu ihrer Zwillingsschwester Emma. Diese arbeitet als erfolgreiche Dolmetscherin und lebt mit ihrem Mann Julius zusammen, allerdings wird ihr Eheglück von einer Fehlgeburt überschattet. Alice ist Journalistin mit Herz und Seele und lebt mit ihrem Mann Max und ihrer Tochter Lisa zusammen.
Mitten in den Studentenaufstände wird Alice von ihrer Vergangenheit eingeholt, baut daraufhin Kontakt mit einer Fluchthilfe-Organisation auf, was ihr Leben für immer verändern wird.
Als dann ein schrecklicher Mord an der aus Ost-Berlin geflohenen Sängerin Irma Assmann geschieht, geraten Alice, Emma, Max und Julius zwischen die Fronten der Geheimdienste.

Im August 2020 habe ich mit großer Begeisterung den ersten Teil „Kinder ihrer Zeit“ gelesen, welches mich von der ersten Seite an sehr in Atem gehalten hat. Ich freute mich sehr, als die Autorin in den Sozialen Medien im Juni 2022 einen zweiten Teil ankündigte – dieser landete sofort auf meiner Liste.
Und was war das für eine Freude, als ich dann Ende Oktober diesen überraschend vom Diana Verlag als Rezensionsexemplar zugesendet bekommen habe, wofür ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken möchte.
Das Buch ist, wie der vorherige Band, ein hochwertiges Hardcover mit einem Buchumschlag. Im Inneren befinden sich vorne und hinten Karten von Mitteleuropa, mit dem Schwerpunkt des geteilten Deutschlands. Ein vergrößerter Ausschnitt aus der Karte zeigt das geteilte Berlin.
Das stimmige Cover ( welches wunderbar zum ersten Band passt), zeigt eine Menschengruppe von vier Personen, welche vor der Mauer verweilt, dahinter erhebt sich das Brandenburger Tor mit dem Wappen der DDR.
Die Handlung setzt sich aus mehreren einzelnen Teilen zusammen, welche sich wiederum in einzelne Kapitel aufteilen. Der Prolog des Buches spielt im Jahr 1965, die eigentliche Handlung setzt dann im Juni 1967 an und wird chronologisch bis Dezember 1968 erzählt.
Die Danksagungen, ein ausführlicher Überblick über Wahrheit und Fiktion und ein Personenverzeichnis am Ende runden dieses Buch gelungen ab.

Vor über zwei Jahren habe ich den ersten Band „Kinder ihrer Zeit“ gelesen und ich hatte Bedenken, ob ich mich wieder in die Charaktere und ihre Geschichten hineinfühlen kann. In den ersten Kapiteln musste ich immer wieder überlegen, wie das alles war und wie die Figuren miteinander zusammenhängen, aber dann war ich doch wieder in der Geschichte angekommen und die Erinnerungen kehrten zurück.
Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die Zwillingsschwestern Emma und Alice, welche mich bereits in „Kinder der Freiheit“ mit ihrer lebensechten Zeichnung und ihren spannenden Geschichten überzeugen konnten. Die Beiden haben sich authentisch weiterentwickelt: Sie sind jeweils verheiratet und während Alice bereits Mutter einer Tochter ist, bleibt Emma hingegen der Kinderwunsch nach einer Fehlgeburt verwehrt. Nach wie vor verbindet die Beiden eine innige Schwesternliebe und sie vertrauen sich vieles an. Auch wenn Alice einiges für sich behalten muss und vereinzelt Begebenheiten und Sachverhalte anders als ihre Schwester sieht, wissen sie beide, dass sie sich immer aufeinander verlassen können.
Neben den beiden Schwestern spielen eine große Anzahl an weiteren Figuren mit. Hier empfand ich es sehr gelungen, dass neben den vielen fiktiven Charakteren auch einige historische Figuren und deren Schicksale (z.B. Benno Ohnesorg und Rudi Dutschke) den Weg in den Roman gefunden haben – dies förderte noch einmal die Glaubwürdigkeit und Authentizität der Geschichte. Diese historischen Figuren wurden so beschrieben, dass sie mir noch einmal sehr viel näher kamen und ich das Gefühl hatte, die Menschen dahinter kennen gelernt zu haben.
Wirklich jeder Charakter, egal ob fiktiv oder historisch und gut oder böse, konnte mich völlig überzeugen. Sie alle zusammen geben ein gutes Bild der Gesellschaft ab, welche 20 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs tief gespalten ist: Nicht nur in West und Ost, sondern auch die Generationen sind mit ihren Ansichten und Lebensgewohnheiten weit auseinander gedriftet. Diese Spaltung stellt Claire Winter mit ihren facettenreichen Figuren sehr gut nach und sie verwebt die Geschichten ihrer fiktiven Charaktere perfekt mit den Lebensgeschichten der historischen Figuren und den akribisch recherchierten geschichtlichen Hintergründen.

Diese geschichtlichen Hintergründe sind sehr vielfältig: Die beginnenden studentischen Unruhen, welche mit dem Tod von Benno Ohnesorg und dem Anschlag auf Rudi Dutschke, die gesamte BRD erfassten, aber auch die Arbeit von Fluchthilfe-Organisationen in West-Berlin, der Einfluss der (Springer-)Presse, der Gefangenenaustausch zwischen der BRD und der DDR und die mitunter fragwürdige Arbeit der Geheimdienste werden thematisiert und von der Autorin spannend in die Handlung eingearbeitet. Hier wird Geschichte sehr anschaulich, lebhaft und absolut fesselnd dargestellt.
Claire Winter hat es mit ihrem bildlichen, lebhaften und detaillierten Sprachstil geschafft, mich direkt wieder in die Handlung zu ziehen. Immer wieder nahm ich das Buch gerne in die Hände, die letzten Seiten las ich mit vor Aufregung feuchten Händen – so spannend wurde es. Die 560 Seiten flogen nur so dahin und wieder einmal war das Buch viel zu schnell gelesen.
Die packende Handlung des Buches, welche mich teilweise atemlos machte, baut auf den ersten Teil „Kinder ihrer Zeit“ auf. Ich empfinde es als nicht zwingend erforderlich, dass man diesen ersten Teil gelesen hat – ich empfehle es aber, da man dann einfach die Hintergründe kennt und Begebenheiten und die Denkweisen der Figuren besser einordnen kann.
Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, wäre es ein dritter Teil dieser tollen Reihe. Es gibt noch so viel, was die Zwillingsschwestern und all die anderen Figuren in ihrem familiären Umfeld erleben könnten. Im Geiste sehe ich unter anderem, wie sie am 09. November 1989 den Fall der Berliner Mauer miterleben. Ach … das wäre was.

Herzlichen Dank an Claire Winter für dieses wunderbare und stimmungsvolle Lesevergnügen, welches mir einige geschichtliche und politische Themen sehr verdeutlicht und näher gebracht hat.

Fazit: „Kinder des Aufbruchs“ ist ein sehr atmosphärischer Roman, mit ordentlich Spannung und Dramatik aber auch viel Emotionalität und Hoffnung. Dieser zweite Teil steht dem Vorgängerband in keiner Weise nach und konnte mich mit den spannungsgeladen historischen Hintergründen, der bildhaften Sprache und den facettenreichen Charakteren wieder komplett in den Bann ziehen. Absolut lesenswert!

*Ich habe für diese Rezension vom Verlag oder von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

Coverrechte: Diana Verlag

„Der eiserne Herzog“

von Ulf Schiewe

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 28. Oktober 2022
Verlag: Lübbe
Ausgabe: Klappbroschur
ISBN: 978-3-7857-2818-5
Seitenanzahl: 560 Seiten

Klappentext:
Nur dank der Hilfe einiger weniger Getreuer konnte Guilhem als Kind die Verfolgung durch seine Widersacher überleben. Doch er hat sich durchgekämpft und als Herzog der Normandie behauptet. Als es ihm gelingt, den letzten Widerstand zu brechen, und sein Werben um die schöne Matilda erfolgreich ist, scheint er am Ziel all seiner Träume zu sein. Erst recht, als sein Onkel, König Eadweard von England, ihn überraschend zum Thronerben erklärt. Englands Krone – wer würde das ablehnen? Matilda aber hat größte Bedenken, denn Guilhem hat einen mächtigen Gegner: Harold Godwinson, dessen Familie ebenfalls Anspruch auf den Thron erhebt …“

https://www.luebbe.de/luebbe-belletristik/buecher/historische-romane/der-eiserne-herzog/id_8850330

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Lübbe-Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!
– Ich habe für diese Rezension vom Autor und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Aufgrund der Gegenleistungen in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

Coverrechte: Lübbe Verlagsgruppe

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Das Buch „Der eiserne Herzog“ von Ulf Schiewe ist ein historischer Roman, welcher im 11. Jahrhundert in der Normandie und in England spielt und die Geschichte erzählt, wie und warum es zu der bekannten ‚Schlacht bei Hastings‘ (‚Battle of Hastings‘) im Jahre 1066 kommen konnte.

Im Jahre 1049 in Flandern: Ein schwerer Schneesturm tobt über das Land, als Guilhem, der junge Herzog der Normandie, die junge Mathilda kennen und lieben lernt. Eigentlich hat der Papst eine Ehe zwischen den Beiden ausgeschlossen, doch Guilhem, gibt nicht auf. Er entstammt aus einer Beziehung des normannischen Herzogs Robert I. zu Herleva, der Tochter eines normannischen Lohgerbers. Oft als Bastard bezeichnet, musste er von Kindesbeinen an um sein Leben und für seinen Status kämpfen und ist mittlerweile ein gefürchteter Kriegsherr.
Zur gleichen Zeit regiert in England seit 1042 König Eadweard. Da er kinderlos ist und es somit keinen direkten Nachfolger gibt, ist es an ihm, diesen zu bestimmen und seine Wahl fällt auf Guilhem. Doch diese Rechnung wurde ohne Harold Godwinson gemacht: Er ist der Sohn einer einflussreichen Familie und dieser erhebt nun ebenfalls Anspruch auf den englischen Thron.

Mit großer Begeisterung habe ich 2019 Ulf Schiewes Buch „Der Attentäter“ und vor etwa einem Jahr „Die Mission des Kreuzritters“ gelesen. Ich mag den rasanten und äußerst lebhaften Sprachstil des Autors und auch die vielfältigen Themen seiner Bücher.
Als Ulf Schiewe sein neues Buch „Der eiserne Herzog“ in den sozialen Medien ankündigte, machte mich das Cover direkt neugierig. Nachdem ich den Klappentext gelesen hatte, war mein Interesse noch mehr geweckt, da ich diese ‚Schlacht bei Hastings‘ schon immer als sehr spannend empfand. In einem Englisch-Schulbuch kam ich als 16jährige zum ersten Mal in Kontakt mit diesem geschichtlichen Ereignis und fand es sehr dramatisch, aber auch faszinierend.
Das Buch wollte ich dementsprechend sehr gerne lesen und bekam es freundlicherweise vom Lübbe-Verlag als Rezensionsexemplar zugesendet – an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön dafür.

Das Buch ist eine sehr hochwertige Klappbroschur: In den Klappen vorne und hinten befindet sich jeweils ein Kartenausschnitt von der Normandie, Flandern und Südengland mit den wichtigsten Städten, in welchen die Handlung des Buches hauptsächlich angesiedelt ist. Es folgt ein Inhaltsverzeichnis des Buches, ein Überblick über die alten Ortsnamen mit den heutigen modernen Namen und eine Zusammenstellung der Personen. Bei den Ortsnamen und auch bei den Namen der Personen hat sich Ulf Schiewe für die damaligen Namen und deren Schreibweise entschieden. Das macht das Lesen zwar insgesamt etwas schwieriger, bringt aber sehr viel Authentizität in die Geschichte hinein.
Das Buch besteht insgesamt aus drei Teilen („AD 1049-1053 Machtkämpfe“, „AD 1064-1065 Der Schwur“ und „AD 1066 Die Entscheidung“), welche sich wiederum in einzelne (zwischen sechs und neun) Kapitel aufteilen. Das ausführliche Nachwort des Autors runden das Buch schlussendlich ab.

Der erste Blick in das Personenregister ließ mich ehrlich gesagt etwas schaudern: Sechs Seiten umfasst dieser Überblick und ich hatte große Bedenken, ob ich mir all diese Namen merken und auch wieder in Verbindung zueinander und untereinander bringen kann. Diese Bedenken zerstoben nach den ersten Kapiteln schnell, da jede der Figuren sehr behutsam beschrieben wird und auch immer wieder deren Hintergrund und das Verhältnis zueinander beleuchtet wird.
Fast alle der Charaktere des Buches sind historische Figuren, es spielen aber auch fiktive Figuren mit.
Mich hat sehr begeistert, wie ambivalent Ulf Schiewe seine Figuren gezeichnet hat. Hier ist vor allem Guilhem zu nennen: Auf der einen Seite ist er ist ein liebevoller Ehemann und Vater und ein guter Freund, auf der anderen Seite ist er ein gefürchteter Kriegsherr, der auch vor Grausamkeiten und Unmenschlichkeiten gegenüber des Feindes nicht zurückschreckt.
Auch sein Widersacher Harold Godwinson ist sehr sympathisch und facettenreich gezeichnet: Wie Guilhem ist auch er äußerst charismatisch und ein erfahrener und geschickter Anführer und Kriegsherr. Die Beiden haben auch einen Draht zueinander, doch der Kampf um den selben Thron lässt sie nicht zu Freunden werden, sondern zu erbitterten Feinden. Ulf Schiewe füllt die historisch belegten Figuren mit Leben und zeigt anschaulich und authentisch deren Handlungen und Entwicklungen – auch die Figuren, über deren Leben nicht viel überliefert wurde. Er zeigt, wer und wie die Menschen hinter ihren großen Namen waren und stellt diese sehr glaubhaft da. Gekonnt verbindet er diese mit fiktiven Charakteren und deren jeweiligen Schicksalen und verwebt all dies zu einem äußerst glaubwürdigen Bild der damaligen Gesellschaft mit ihren Denk- und Sichtweisen. Gelungen fand ich zudem, dass Ulf Schiewe den männlichen Teil der Geschichte, sowie den weiblichen Teil der Geschichte darstellt.

Die chronologisch erzählte Handlung erstreckt sich von 1049 bis 1066, also auf insgesamt etwa 17 Jahre. Auch wenn von vornherein klar ist, auf welches Ereignis alles zuläuft, welches Ende einen unweigerlich erwartet, war das Buch bis zur letzten Seite spannend und die fast 600 Seiten flogen nur so dahin. Die geschichtlichen Hintergründe hat Ulf Schiewe äußerst gewissenhaft und genau recherchiert und stellt diese sehr bildgewaltig da. Es war eine kaltblütige Zeit und die dargestellten Grausamkeiten in Schlachten, Belagerungen und Folterungen waren für mich nicht immer leicht zu lesen und zu verarbeiten, sorgen aber für eine hohe Glaubwürdigkeit des Romans.
Der Autor hat, wie auch bei seinen vorherigen Büchern als Erzählform das Präsens gewählt. Dies führt zu einem sehr hohen erzählerischen Tempo und, sorgt zudem aber auch für eine große Authentizität und Dramatik.

Danke Ulf Schiewe für dieses äußerst gelungene Leseerlebnis.

Fazit: Ulf Schiewe ist es gelungen, ein Stück Zeitgeschichte, welches fast 1000 Jahre zurückliegt, äußerst bildhaft und authentisch zu beschreiben. Ein sehr guter historischer Roman, welcher mich mit seinen vielen und facettenreichen Figuren überzeugen konnte und bis zuletzt äußerst spannungsgeladen erzählt wird. Sehr empfehlenswert!

*Ich habe für diese Rezension vom Verlag oder vom Autor keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„Fräulein Gold – Die Rote Insel“

von Anne Stern

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 15. November 2022
Verlag: Rowohlt Polaris
ISBN: 978-3-499-00916-7
Seitenanzahl: 432 Seiten

Klappentext:
„Berlin, 1926. Hulda Gold musste ihre Stelle als Hebamme in der Frauenklinik aufgegeben und lebt nun in einem Arbeiterviertel fern von ihrem alten Kiez. Hier auf der sogenannten Roten Insel kann sie in der Praxis von Grete Fischer mitarbeiten. Gemeinsam kümmern sich die beiden Frauen um Menschen, die täglich gegen Armut und Not kämpfen – während in ganz Berlin die politischen Spannungen zunehmen. Immer wieder kommt es zu Konflikten zwischen Kommunisten, Anhängern der nationalsozialistischen Bewegung und den Ringvereinen. Auch das Viertel auf der Roten Insel ist von den Unruhen geprägt. Grete, die einer kommunistischen Gruppe anhängt, scheint es mit dem Gesetz nicht so genau zu nehmen. Als sich die brodelnde Stimmung in handfeste Gewalt entlädt, gerät Hulda zwischen alle Fronten. Und sie muss sich der größten Bewährungsprobe ihres Lebens stellen.“

https://www.rowohlt.de/buch/anne-stern-fraeulein-gold-die-rote-insel-9783499009167

Hinweise:
-Das Buch habe ich freundlicherweise vom Rowohlt-Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Aufgrund der Gegenleistungen in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.
– Rezension zum ersten Teil „Fräulein Gold – Schatten und Licht“
– Rezension zum zweiten Teil: „Scheunenkinder“
– Rezension zum dritten Teil: „Der Himmel über der Stadt“
– Rezension zum vierten Teil:
„Die Stunde der Frauen“

Coverrechte: Rowohlt Verlag

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Das Buch „Fräulein Gold – Die Rote Insel“ ist der fünfte Band um die Hebamme Hulda Gold, welche in Berlin der 1920er Jahre in die politischen Unruhen auf der Roten Insel gerät und privat vor der größten Umwälzung ihres bisherigen Lebens steht.

Berlin im Jahr 1926: Nachdem Hulda Gold ihre Stelle als leitende Hebamme in der Frauenklinik aufgeben musste und auch ihre geliebtes Zimmer in der Mansarde der Vergangenheit angehört, lebt und arbeitet sie auf der Roten Insel – einem Stadtviertel der Arbeiter, welche zum größtenteils rot wählen und damit diesem Stadtteil seinen Namen geben. Sie arbeitet in der Praxis der Ärztin Grete Fischer als Helferin mit und zusammen kümmern sich die beiden Frauen um die Menschen, welche in größter Not den Weg zu ihnen finden.
Grete gehört einer kommunistischen Gruppe an, bei welcher Huldas unpolitische Art auf Ablehnung und Missbilligung stößt. Als ein Mord an einem Bewohner der Roten Insel verübt wird, scheinen die Täter für den Großteil der Bevölkerung fest zu stehen: Die Anhänger der nationalsozialistischen Bewegung. Immer wieder kommt es zwischen diesen und den Kommunisten zu teils blutigen Konflikten. Doch auch ein Ringverein scheint in diesen Anschlag involviert zu sein.
Hulda gerät zwischen die Fronten, als sich der Konflikt in handfester Gewalt entlädt. Hulda muss sich für einen Weg entscheiden, dazu steht sie auch noch privat vor der größten Umwälzung ihres bisherigen Lebens.

Als ich im Mai 2020 den ersten Band „Fräulein Gold – Schatten und Licht“ las, war ich sofort ein riesiger Fan dieser äußerst eigenwilligen und energiegeladenen Hauptfigur Hulda Gold. Ihr außerordentlicher Dickschädel und ihre untrügliche Spürnase für Ungerechtigkeiten und Straftaten in Kombination mit jeder Menge Zeitgeschichte, konnten mich sehr begeistern. Jeder weitere Teil wurde mit großer Vorfreude erwartet und mit äußerster Zufriedenheit und viel Genuss gelesen.
Den hier vorliegenden fünften Band der Reihe bekam ich freundlicherweise vom Rowohlt Verlag als vorzeitiges Rezensionsexemplar zugesendet, wofür ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken möchte.

Auch in diesem Band steht die namensgebende Figur der Buchreihe im Mittelpunkt der Geschichte: Hulda Gold. Schon auf den ersten Seiten wird klar, dass sie sich verändert hat, beziehungsweise verändern musste. Ihre Arbeitsstelle als leitende Hebamme ist passé und auch ihren Kiez musste sie schweren Herzens verlassen. Hulda treibt zwischen den Welten, hat Zukunftsängste, sucht ihren Platz im Leben und vermisst ihren über alles geliebten Beruf. In diesem Teil kam sie mir noch einmal um einiges näher, da sehr viel von ihrem Innenleben erzählt wird, viele ihrer Gefühle und Gedanken offen gelegt werden.

„Wo zum Teufel gehörte sie nur hin? Wo würde sie je akzeptiert werden – und gleichzeitig sie selbst sein können?“

[Seite 77, Kapitel 5]

„Und wie oft hatte sie in den vergangenen Monaten diese nagende Beklommenheit verspürt, nirgendwohin zu gehören, überall fremd zu sein und zwischen den Stühlen zu sitzen?“

[Seite 388, Kapitel 31]

Ihre Welt ist nun eine völlig andere geworden, in der sie zum ersten Mal nicht nur auf sich alleine aufpassen muss. Auch wenn ihr Charakter eine große Wandlung erfährt, ist sie nach wie vor die Hulda, welche ich in den ersten vier Bänden mit ihrer facettenreichen Zeichnung fest in mein Leseherz geschlossen habe: Sie hat stets ein gutes Gespür für die Menschen um sie herum und sagt auch sehr oft direkt, was sie denkt und fühlt und lässt sich sehr oft von ihrem Bauchgefühl leiten. Doch sie kann ihrer untrüglichen Spürnase in Sachen Verbrechen stets vertrauen und sieht die Ungerechtigkeiten, gegen welche sie vorgeht. Dies und ihr außerordentlicher Dickschädel führen sie immer wieder in brenzlige Situationen, in denen sie ihr eigenes Wohlbefinden immer wieder hinten an stellt.
Es bleibt sehr spannend, wie es mit ihr und ihrem weiteren Leben in den nächsten Bänden der Reihe weitergehen wird. Hulda ist eine so einzigartige Figur, welche für mich mit ihrer interessanten Geschichte und ihrem starken Charakter für immer unvergessen bleiben wird.

„Du bist doch eine Heldin Hulda Gold.“

[Seite 166, Kapitel 11]

Um Hulda Gold agieren wieder zum größten Teil die Charaktere, welche schon ab dem ersten Band dabei sind. Es ist wunderschön, diese lebensechten Figuren wieder zu treffen und auch deren authentische Weiterentwicklung zu sehen – mittlerweile spüre ich beim Lesen das Gefühl des ‚wieder Ankommen‘ – als ob man wieder liebgewonnene Freunde trifft. Hier ist vor allem der Kioskbesitzer Bert zu nennen, welcher noch immer Huldas Fels in der Brandung ist und nach wie vor mit seiner wunderbaren Art sehr viel Wärme und Geborgenheit in die Geschichte bringt.
Neben Bert ist Frau Wunderlich, Huldas ehemalige Vermietern, weiterhin an ihrer Seite und sorgt mit ihrem teils etwas schroffen, aber doch gleichzeitig liebenswerten Charakter, stets für eine sehr erheiternde Atmosphäre. Einige Figuren kommen neu hinzu, andere Figuren aus den bisherigen Bänden stehen teilweise mehr am Rande. Doch sie alle, egal ob sie liebgewonnene Freunde oder neue Charaktere sind, sie im Zentrum oder am Rande der Geschichte eine Rolle spielen – sie alle sind von Anne Stern authentisch gezeichnet und sie zeigt mit ihnen ein gutes Bild der damaligen Gesellschaft. Eine Gesellschaft, welche politisch und sozial tief gespalten war. Die Kommunisten treffen auf die Nationalsozialisten, diese wiederum auf die Ringvereine und die organisierte Kriminalität.

Die Handlung des Buches wird fortlaufend erzählt und setzt ein paar Monate nach Ende des vierten Bandes an. Ich empfehle sehr, dass man die vorherigen vier Bände bereits gelesen hat, da immer wieder Bezug auf Geschehnisse in der Vergangenheit genommen wird und es ist auf jeden Fall ein größeres Lesevergnügen, da man dann auch die Entwicklungen der Figuren besser verstehen und nachvollziehen kann.
Den historischen Hintergrund bildet das Jahr 1926. Mittlerweile ist die Weimarer Republik etwa neun Jahre alt, nach den anfänglichen Krisenjahren 1919 bis 1923 (Kapp-Putsch, Ruhraufstand, politische Morde an Matthias Erzberger und Walther Rathenau, Hyperinflation) folgen von 1924 bis 1929 die Jahre der relativen Stabilisierung. Die neue Freiheit in Kunst und Kultur wird durch den Begriff der „goldenen Zwanziger“ geprägt, den sozialen und politischen Wandel reflektiert dieser Begriff allerdings nicht. Noch immer herrschen bei vielen Menschen bittere Armut, Not und Krankheiten, auf der anderen Seite gab es die reiche Bevölkerungsschicht. Auch politisch sind die Menschen in der Weimarer Republik tief gespalten: Die linken Parteien spaltet sich in SPD und KPD auf, welche den Nationalsozialisten verfeindet gegenüber stehen.
Der Haupthandlungsort des Buches ist die Rote Insel in Berlin. Ein Stadtbezirk der Arbeiter und ihrer Familien, welche damals fast komplett rot wählten.
Diese historischen Hintergründe hat Anne Stern wunderbar recherchiert, verwebt diese spannend mit Fiktion und den Schicksalen und Geschichten ihrer größtenteils fiktiven Figuren, was wiederum dafür sorgte, dass ich das Buch stellenweise gar nicht mehr aus den Händen legen wollte. Wie bei den vorherigen Bänden konnte ich ab dem ersten Kapitel wieder schnell in die Geschichte abtauchen. Mit ihrer wunderbaren, detaillierten, bildgewaltigen und flüssigen Sprache, lässt Anne Stern auf keiner Seite Langeweile aufkommen und sie entführte mich mit viel Ortskenntnis in das Berlin der 1920er Jahre.
In diesem Teil findet die Ermittler-Arbeit etwas im Hintergrund statt, dafür liegt der Schwerpunkt hauptsächlich auf der Entwicklung und den Gefühlen von Hulda Gold und Karl North, welche eine schwierige Zeit durchmachen müssen, dann aber über sich hinauswachsen und eine unfassbare Stärke zeigen – vor allem Hulda.

„Gefühle waren seltsame, flüchtige Wesen. Man konnte sie nicht erzwingen, nicht hinters Licht führen, nicht mit Gewalt festhalten und nicht fortscheuchen. Sie folgten ihren ganz eigenen Gesetzen.“

Seite 356 , Kapitel 28

Das Buch ist wieder eine hochwertige Klappbroschur mit einem wunderbar stimmigen Cover – beides passt perfekt zu den bisherigen Bänden der Reihe. Dies, ein ausführliches historisches Nachwort der Autorin und der farbige Stadtplan im inneren der Klappen vervollständigen das rundum perfekte Lesevergnügen, für welches ich mich bei Anne Stern ganz herzlich bedanken möchte.

Fazit: Nachdem ich den Vorgängerband „Fräulein Gold – Die Stunde der Frauen“ schon als sehr stark und emotional empfunden habe, toppt dieser fünfte Teil alle bisherigen Bände in Sachen Emotionalität und Intensität. Auch wenn Hulda in einigen Szenen einfach nicht mehr weiß wie es weitergehen soll, zeigt sie eine solche Stärke und charakterliche Tiefe, mit welcher sie mir noch einmal viel näher kam.
Dazu gibt es spannende Unterhaltung vor einem perfekt recherchierten historischen Hintergrund und die wunderbare bildhafte Sprache der Autorin. Einfach nur absolut lesens- und empfehlenswert – ein Highlight.

*Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung des Verlages in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„Die Bodensee-Saga: Töchter des Glücks“

von Maria Nikolai

[Werbung*]

Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 13. Oktober 2022
Verlag: Penguin
ISBN: 978-3-328-10760-6
Seitenanzahl: 608 Seiten

Klappentext:
„Baden und Württemberg, 1918. Für die junge Lilly soll es der Start ins eigene Leben sein: Frisch verheiratet verlässt sie den elterlichen Gasthof am Bodensee und beginnt hoffnungsvoll ihre Ehe an der Seite von Arno, dem Erben eines angesehenen Stuttgarter Seifenimperiums. Doch das letzte Kriegsjahr ändert alles. Als Arno vermisst gemeldet wird, liegt Lillys Welt in Trümmern. Mutig stellt sie sich der Verantwortung für das Unternehmen ihres Mannes, träumt von einer eigenen Kosmetiklinie und fasst Zukunftspläne – bis der geheimnisvolle Felix Benthin in ihr Leben tritt und ihre Gefühle gehörig durcheinander wirbelt. Denn sie weiß, dass diese Liebe nicht sein darf …“

https://www.penguinrandomhouse.de/Taschenbuch/Toechter-des-Gluecks/Maria-Nikolai/Penguin/e586525.rhd

Hinweise:
-Das Buch habe ich freundlicherweise vom Penguin-Verlag über das ‚Bloggerportal‘ als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!-
Ich habe für diese Rezension von der Autorin/ dem Autor und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Aufgrund der Gegenleistungen in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.
– Meine Rezension zum ersten Teil findet ihr hier: „Die Bodensee-Saga: Töchter der Hoffnung“

Coverrechte: Penguin-Verlag

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Das Buch „Töchter der Hoffnung“ ist der zweite Teil der ‚Bodensee-Saga“ von Maria Nikolai und zeigt das Leben von Lilly Reichle, welche sich mit Mut und Entschlossenheit in den Jahren von 1918 bis 1920 ein neues Leben fernab ihrer geliebten Heimat aufbaut.

Mai 1918: Lilly ist frisch mit dem Seifenfabrik-Inhaber Arno Reichle verheiratet. Eigentlich könnte sie nicht glücklicher sein, doch auf ihrem Leben liegen tiefe Schatten: Der Erste Weltkrieg tobt, ihr Mann ist an der Front und ihre Schwiegereltern sind bei einem Bombenangriff getötet worden. Lilly sucht Zuflucht bei ihrer Familie in Meersburg am Bodensee. Hier schöpft sie neue Kraft und frischen Lebensmut, um sich dann um das Erbe ihres Ehemanns kümmern zu können.
Als Arno als vermisst gilt, nimmt Lilly zusammen mit Arnos Onkel Fritz das Unternehmen in die Hand und fasst große Zukunftspläne: Sie möchte eine eigene Kosmetiklinie und einen Schönheitssalon eröffnen und damit das Angebot der Seifenfabrik erweitern.
Doch als der undurchsichtige Felix Bentheim in der Fabrik auftaucht, bringt dieser Lillys Gefühlswelt ordentlich durcheinander und sie fühlt sich direkt zu ihm hingezogen. Doch sie weiß eines: Sie darf diesen Mann nicht lieben.

Vor etwa einem Jahr habe ich mit großer Begeisterung den ersten Band „Die Bodensee-Saga: Töchter der Hoffnung“ von Maria Nikolai gelesen. Meine Erwartungen nach der Reihe um die ‚Schokoladenvilla‘ waren sehr groß und ich wurde nicht enttäuscht, da in diesem Auftakt auch wieder alles miteinander verbunden wurde, was ich an historischen Familiensagas mag: Geschichte, Spannung und ganz große Gefühle. Natürlich wollte ich auch unbedingt den zweiten Band dieser Reihe lesen. Deshalb fragte ich im ‚Bloggerportal‘ ein Rezensionsexemplar an und bekam dieses dann freundlicherweise vom Penguin-Verlag zugesendet. An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön dafür.

Schon auf den ersten Blick verzauberte mich das passende, stimmungsvolle und romantische Cover, welches zudem auch perfekt mit dem ersten Band der Reihe harmonisiert. Es handelt sich um eine liebevoll gestaltete Klappbroschur, in welcher sich vorne ein Tortenrezept befindet und hinten ein Überblick über die bereits erschienen Romane der Autorin.
Das Buch spaltet sich in einen Prolog (spielt 1909), insgesamt vier Teile (von Mai 1918 bis April 1920) und einen Epilog (spielt im April 1920) auf. Direkt im Anschluss befindet sich der Anhang des Buches, welcher aus einem ausführliches Personenverzeichnis, eine Chronologie der politischen Ereignisse 1918/1919, ein umfassendes Glossar, ein Dankeswort der Autorin und ein Leseprobe des ersten Bandes besteht.

Wie ein Blick in das ausführliche Personenregister am Ende des Buches verrät, spielen in diesem Buch eine große Anzahl an fiktiven Charakteren mit, aber auch einige reale Persönlichkeiten finden ihren Platz in der Geschichte.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Lilly Reichle (geborene Lindner), die mittlere der drei Schwestern. Lilly ist zu Beginn des Buches eine gebrochene Frau, deren Leben in Trümmern vor ihr liegt: Ihr Mann, den sie gar nicht richtig kennenlernen konnte, befindet sich an der Front, ihre Schwiegereltern sind tot und die Seifenfabrik – das Erbe ihres Mannes – wurde von einer Bombe getroffen und schwer beschädigt. Panikattacken gehören zu ihrem Leben, sie weiß überhaupt nicht, wie es weitergehen soll, doch sie findet Zuflucht bei ihrer Familie im Lindenhof in Meersburg am Bodensee. Es ist ihr Vater, der sie liebevoll aber doch auch energisch wieder zurück nach Stuttgart schickt, um sich dort ihrer Lebensaufgabe zu stellen. Mit dem liebenswerten Onkel Fritz an ihrer Seite fasst Lilly neuen Lebensmut und beginnt entschlossen ihre Träume zu verfolgen. Ich mochte Lillys feinen, aber doch auch sehr starken Charakter sehr gerne. Sie gibt nicht auf, traut sich etwas zu, erleidet auch den ein oder anderen Rückschlag und entwickelt sich während der Handlung sehr authentisch weiter.
An Lillys Seite stehen einige, teils ganz wunderbare Charaktere. Nicht nur ihre beiden Schwestern Helena und Katharina, auch ihr liebevoller Vater (welche alle bereits aus dem ersten Band bekannt sind), sind immer für Lilly da, sondern auch der Onkel ihres Ehemanns: Fritz ist ein äußerst facettenreicher und offener Charakter, welchen ich sehr schnell in mein Herz geschlossen habe. Neben Onkel Fritz steht der zu Beginn sehr geheimnisvolle und undurchsichtige Felix Benthin, welcher mich mit seiner wechselvollen Geschichte und seiner interessanten Persönlichkeit begeistern konnte.
Der Umgang, das gesamte Miteinander und Untereinander der vielen einzelnen Figuren sorgen für eine sehr stimmungsvolle und warmherzige Atmosphäre – auch wenn es durchaus auch Charaktere gibt, welche es nicht sonderlich gut mit Lilly und ihren Träumen meinen. Ich freue mich schon so sehr, all die (größtenteils) liebgewonnen Figuren im dritten Band wieder zutreffen und ich bin schon sehr gespannt, wie es mit ihnen und ihren Geschichten weitergehen wird.
Maria Nikolai hat ihre Figuren sehr lebensecht und facettenreich angelegt, verwebt diese gekonnt mit historischen Persönlichkeiten und großer Weltgeschichte und sorgt mit ihnen allen für eine sehr bewegte und auch dramatische Handlung.
Die Handlung des Buches, welche chronologisch erzählt wird, umspannt insgesamt etwa zwei Jahre und spitzt sich zum Ende hin extrem zu. Es wird so spannend, dass ich das Buch nur noch ungern aus den Händen gelegt habe. Die 600 Seiten flogen nur so dahin und ich fühlte mich in der Geschichte rundum wohl und bin nun sehr traurig, dass das Lesevergnügen schon wieder viel vorbei gegangen ist.
Auch der sehr gefühlvolle, emotionale und bildgewaltige Sprachstil der Autorin sorgten für pures Kopfkino und beste Unterhaltung und es kam auf keiner Seite Langeweile auf.

Den geschichtlichen Hintergrund bildet das letzte Jahr des Ersten Weltkrieges und das erste Jahr der Weimarer Republik. 1918 starben noch immer tausende Soldaten an den Fronten oder wurden verletzt und verstümmelt und/ oder gerieten in Kriegsgefangenschaft – insgesamt kamen im Ersten Weltkrieg 10 Millionen Soldaten ums Leben, in der Zivilbevölkerung forderte der Krieg 7 Millionen Todesopfer. Erst am Abend des 08. November 1918 endete der bis dahin verlustreichste Konflikt der Geschichte.
Nach den Friedensverträgen folgte die Ausrufung der Weimarer Republik und damit begann ein völlig neues Zeitalter der Menschen, Frauen bekamen beispielsweise nun endlich das Wahlrecht. Trotzdem unterstanden Frauen nach wie vor ihrem Ehemann beruflich und auch gesellschaftlich.
Diese geschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergründe stellt Maria Nikolai in ihrem Roman sehr anschaulich und bildgewaltig da und verknüpft diese perfekt mit mit den Lebensgeschichten und Schicksalen ihrer Figuren. Damit wird große Geschichte erlebbar und vor allem begreiflicher.

Danke liebe Maria für gefühlvolle, spannungsgeladene und vollkommene Lesevergnügen – die Vorfreude auf den dritten Band ist riesig.

Fazit: Dieses rundum perfekte Buch habe ich immer wieder gerne in die Hand genommen, da es alles vereint, was ich an Familiensagas liebe und schätze: Große Gefühle, Spannung, Historie und abwechslungsreiche Charaktere mit einer authentischen Entwicklung. Ganz großes Kopfkino und eine unbedingte Leseempfehlung für diesen zweiten Band einer tollen Buchreihe.

*Ich habe für diese Rezension vom Verlag oder von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„Die Lebkuchen-Prinzessin“

von Romy Herold

Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 21. September 2022
Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3-7341-1087-0
Seitenanzahl: 576 Seiten

Klappentext:
1864: Die Süße von Honig vereint mit dem würzigen Aroma des Orients – Lebkuchen haben auf die achtzehnjährige Elise schon immer einen besonderen Zauber ausgeübt. Als Tochter eines Nürnberger Lebküchners möchte sie unbedingt einmal die familieneigene Großbäckerei übernehmen und dort herrliche Lebkuchen- Kreationen herstellen. Doch dann droht Elises Traum zu zerplatzen: Ihr geliebter Vater verunglückt. Ihre Mutter wiederum ist überfordert mit der Leitung der Fabrik und flüchtet sich in die Arme eines Mannes, der das Unternehmen zu ruinieren droht. Elise sammelt all ihren Mut, um für das Erbe des Vaters und ihren Lebenstraum zu kämpfen. Dabei findet sie nicht nur zu ungeahnter Kraft und Kreativität, sondern erhält auch die Hilfe eines charmanten Mannes …“

https://www.penguinrandomhouse.de/Taschenbuch/Die-Lebkuchen-Prinzessin/Romy-Herold/Blanvalet/e592722.rhd

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Blanvalet-Verlag über das ‚Bloggerportal‘ als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin/ dem Autor und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Aufgrund der Gegenleistungen in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

Coverrechte: Blanvalet-Verlag

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Das Buch „Die Lebkuchen-Prinzessin“ von Romy Herold spielt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Nürnberg und zeigt, wie die junge Elise, Tochter eines Lebküchners, um das Erbe ihres Vaters kämpfen muss.

Nürnberg 1864: Als die junge Elise das Leben der Brauerei-Tochter Helene von Tucher rettet, gelingt ihrer Familie damit der gesellschaftliche Aufstieg. Ab sofort werden die köstlichen Lebkuchen ihres Vaters nicht mehr in einem kleinen Fachwerkhaus produziert, sondern in der umgebauten Brauerei, welche Helenes Vater aus Dankbarkeit zur Verfügung stellt. Auch die Erfindung der ‚Elisenlebkuchen‘ fördert den kometenhaften Aufstieg der Großbäckerei und Elise ist sich sicher, dass sie diese Großbäckerei einmal übernehmen wird und selbst die herrlichsten Lebkuchen-Kreationen herstellen möchte.
Als ihr geliebter Vater durch einen schrecklichen Unfall aus dem Leben gerissen wird, ist Elises Mutter mit der Führung der Fabrik völlig überfordert und rettet sich in die Arme eines zwielichtigen Mannes. Elises Lebenstraum, das Unternehmen zu erben, droht zu scheitern, da auch die Fabrik vor dem Ruin steht.
Doch sie erhält Hilfe und Rückendeckung von einigen Menschen, welche ihr alle wohlgesonnen sind und auch auf ihre eigene Kreativität und Entschlossenheit kann sie sich verlassen.

Vor etwa einem Jahr las ich mit großer Begeisterung „Das Marzipan-Schlösschen“ – der erste Roman, welchen Eva-Maria Bast und Jørn Precht unter dem Namen Romy Herold herausgebracht haben. Hier findet ihr meine ausführliche Rezension zu diesem Roman, welcher mich sehr begeistern konnte und ich freute mich sehr als das Autorenduo im April 2022 ihr zweites Buch „Die Lebkuchen-Prinzessin“ ankündigten. Schon das romantische Cover und der Klappentext versprachen wieder eine Geschichte mit wohliger Atmosphäre und ein ähnlich köstliches Lesevergnügen, wie auch schon „Das Marzipan-Schlösschen“ eines war.
Ich fragte ein Rezensionsexemplar beim Blanvalet-Verlag über das ‚Bloggerportal Randomhouse“ an und bekam dieses freundlicherweise zugesendet, wofür ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken möchte.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die beiden jungen Frauen Elise und Agathe, welche ihre Träume und Ziele auch über alle Standesgrenzen hinweg ehrgeizig verfolgen. Beide wachsen nicht im Wohlstand auf, sie vereint zudem ein unstillbarer Wissensdurst.
Während Elises Familie gesellschaftlich aufsteigt, muss Agathe wegen der Geldknappheit ihrer Eltern ihre schulische Ausbildung abbrechen. Doch die Wege der Beiden treffen sich und im Laufe der Handlung entsteht zwischen ihnen eine vertrauensvolle Freundschaft.
Elise ist eine sehr warmherzige junge Frau, welche beharrlich ihre Träume und Ziele verfolgt, immer das Gute in den Menschen um sich herum sieht und zeigt, dass ein gesellschaftlicher Aufstieg möglich ist. Zu ihrem Vater, den ich mit seiner liebevollen Art auch gleich sehr gerne gemocht habe, verbindet sie die Liebe zu Lebkuchen und auch die immense Kreativität. Doch sie wächst in einer Zeit auf, in der Frauen für ihr privates, wie auch unternehmerisches Glück kämpfen müssen.
Agathe hingegen scheint ihren festen Platz in der Gesellschaft zu haben. Sie ist die Tochter eines Zeidlers und wächst in ärmlichen Verhältnissen auf, später wird sie Elises Zofe. Sie ist, wie auch Elise, sehr freundlich und gutmütig, teilweise aber auch sehr unsicher und vorsichtig. Ich mochte sie rasch sehr gerne und verfolgte gespannt ihre authentische Entwicklung.
Die Familien der Beiden haben einige Gemeinsamkeiten, zum Beispiel eint sie ihre innige Liebe und der Respekt gegenüber ihren Töchtern. Sie unterstützen diese bei der Verwirklichung ihrer Träume und Ziele und legen ihnen keinerlei Steine in den Weg.
Weitere Figuren, welche teilweise historisch sind und sehr wohlwollend und liebenswert um die Hauptfiguren agieren, sorgten für die allgemein sehr warme Atmosphäre des Romans, in der ich mich sehr wohl gefühlt habe und nur ungern wieder verlassen habe.
Neben den vielen freundlichen Charakteren gibt es auch die eher fiesen Figuren, welche ein hinterhältiges Spiel spielen, welches nicht leicht zu durchschauen ist.
Das Autoren-Duo hat sehr unterschiedliche und facettenreiche Charaktere geschaffen, von denen viele mit ihrer warmherzigen Art direkt den Weg in mein Leseherz gefunden haben und dort mit ihren interessanten Geschichten noch lange nachklingen werden.

Die Handlung des Buches setzt im Jahr 1864 ein, wird fortlaufend erzählt und ist inspiriert ist von einer Sage um die Entstehung der Elisenlebkuchen (Lebkuchen mit wenig oder gar keinem Mehl). Die akribische Recherche zur Geschichte des Lebkuchens und die Liebe zu diesem Gebäck verspürt man auf jeder Seite dieses köstlichen Romans. Spannend fand ich auch die Einblicke in die Zeidlerei (das gewerbemäßige Sammeln von Honig wilder oder halbwilder Bienenvölker).
Wunderbar verbinden Eva-Maria Bast und Jørn Precht alias Romy Herold zudem die interessante und spannende Geschichte Nürnbergs und des Christkindlesmarktes mit ihren teils fiktiven und teils historischen Figuren und deren Handlungen.
Wie oben bereits erwähnt, herrscht in diesem Buch eine sehr wohlige Atmosphäre, da auch das Miteinander der Figuren stets sehr warmherzig und offen ist. Ebenfalls sorgte der sehr angenehme, flüssige und detaillierte Sprachstil des Autoren-Duo dafür, dass ich das Buch immer wieder gerne in die Hand genommen habe und ich mich völlig in diese Geschichte fallen lassen konnte – die fast 600 Seiten vergingen wie im Flug und machten auf jeder Seite Lust auf dieses köstliche Gebäck. Zum Schluss hin wurde es so spannend, dass ich das Buch nicht mehr aus den Händen legen konnte.
Das Buch ist ein sehr liebevoll gestaltetes Taschenbuch, allerdings ohne Klappbroschur. Ein stimmungsvolles(glitzerndes) Cover, ein im inneren befindliches Rezept für Nürnberger Elisenlebkuchen und ein historisches Nachwort runden das genüssliches Lesevergnügen perfekt ab.

Danke liebe Eva-Maria Bast und lieber Jørn Precht für diese wunderschöne, herzerwärmende Geschichte.

Fazit: Ein Buch mit einer so wohligen Atmosphäre und ganz wunderbaren Figuren, welche ich nur äußerst ungern wieder verlassen habe. Dazu gab es viel historisches Wissen über das Handwerk des Lebküchners und die Lebkuchen selbst. Absolut wunderbar und lesenswert!

*Ich habe für diese Rezension vom Verlag oder von der Autorin/ dem Autor keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„Der Traumpalast – Bilder von Liebe und Macht“

von Peter Prange

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 26. Oktober 2022
Verlag: Fischer-Scherz-Verlag
ISBN: 978-3-651-00107-7
Seitenanzahl: 768 Seiten

Klappentext:
1925: Berlin ist die flirrende Metropole Europas. Nach dem Chaos von Straßenkämpfen und Inflation gibt es nur noch eine Richtung: aufwärts! Auch für Rahel und Tino brechen goldene Zeiten an. Während sie zum neuen Star der Ufa ausgerufen wird, treibt er den kometenhaften Aufstieg der Filmfabrik voran. Aber dunkle Wolken ziehen auf, Nazis marschieren durch die Straßen, und unversehens wird Rahels und Tinos Liebe auf eine Probe gestellt, die stärker zu sein droht als sie. Als die Ufa zum Spielball der politischen Mächte wird, muss Tino, um ihre Liebe zu retten, eine furchtbare Entscheidung treffen …“

https://www.fischerverlage.de/spezial/peterprange-traumpalast

Hinweise:
– Bitte lest diese Rezension nicht, wenn ihr den ersten Teil der Reihe „Der Traumpalast – Im Bann der Bilder“ noch nicht gelesen habt, diesen aber lesen möchtet. Ihr könntet euch mit dieser Rezension spoilern!
– Hier findet ihr meine Rezension zum ersten Teil:
https://buechertanz.de/?p=2495
– Das Buch habe ich freundlicherweise von dem Fischer-Scherz-Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!
– Ich habe für diese Rezension vom Autor und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Aufgrund der Gegenleistungen in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

Coverrechte: Fischer-Scherz-Verlag

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Das Buch „Der Traumpalast – Bilder von Liebe und Macht“ von Peter Prange ist die Fortsetzung der Reihe um die wechselvolle Geschichte der Ufa und spielt in Berlin der 20er und 30er Jahre.

Berlin im Jahr 1925. Nach Chaos, Straßenkämpfen und Hyperinflation, soll es für die Bevölkerung in der Weimarer Republik nur noch auf in die goldenen Zeiten gehen!
Mittendrin sind Tino und Rahel: Während Tino als Finanzverwalter die Ufa vorantreibt, wird Rahel das neue Gesicht der aufstrebenden Filmfabrik.
Alles scheint perfekt zu laufen, doch am Horizont ziehen dunkle Wolken auf: Adolf Hitler strebt nach Macht und immer mehr seiner Anhänger ziehen durch die Straßen und sorgen bei vielen Menschen für Angst und Schrecken, bei anderen aber fällt seine Ideologie auf fruchtbaren Boden. Während sich die Ufa und die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in einem Kräftespiel der politischen Mächte wiederfinden und diese sich entscheiden müssen, auf welcher Seite sie stehen, wird auch Tinos und Rahels privates Liebesglück auf einer harten Probe gestellt.

Die Bücher von Peter Prange lese ich schon seit einigen Jahren sehr gerne, da er Zeitgeschichte gekonnt und leicht vermittelt.
Nachdem ich vor etwa einem Jahr mit großer Begeisterung den ersten Band „Der Traumpalast – Im Bann der Bilder“ gelesen habe, war für mich sehr naheliegend, dass ich auch den Nachfolgeband unbedingt lesen musste. Auch diesen fragte ich beim Fischer-Scherz-Verlag als Rezensionsexemplar an und bekam dieses dann freundlicherweise zugesendet – an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön dafür.

Viele der bereits aus dem ersten Band bekannten Figuren spielen auch hier wieder ihre großen und kleinen Rollen, was für eine Art der Wiedersehensfreude meinerseits sorgte. Es kommen in diesem Band auch einige neue und interessante Figuren hinzu, andere sind hingegen leider nicht mehr dabei. Alles in Allem spielt eine recht große Anzahl an Figuren mit, welche aber alle in einer Übersicht am Ende des Buches aufgelistet sind und dort bei Unsicherheiten nachgeschlagen werden können.
Wie auch schon im ersten Teil stehen Tino und Rahel im Zentrum der Geschichte: Die Beiden verbindet eine sehr tiefe Liebe zueinander, aber auch die unbändige Leidenschaft für Filme. Ihre Tätigkeiten in der Ufa sind ihre Berufungen, welcher sie mit großer Energie nachgehen. Auch wenn sie immer wieder berufliche und private Rückschläge erleiden, geben sie sich selbst nicht auf und verfolgen nach wie vor beständig ihre Ziele und Träume. Ihre Liebesgeschichte, welche ich schon im ersten Teil als sehr intensiv und glaubhaft empfand, wird allerdings auf eine harte Probe gestellt.
Nach wie vor mochte ich Tinos sehr offene, sympathische Art und Rahels kämpferischen und zupackenden Charakter. Die Beiden haben sich sehr authentisch weiterentwickelt und es fällt mir sehr schwer, von diesen beiden liebgewonnen Figuren Abschied zu nehmen.
Um diese beiden Hauptfiguren agieren noch einige andere Figuren, von denen viele fiktiv sind, aber auch einige historische Persönlichkeiten tauchen auf. Sie alle, egal ob fiktiv oder historisch, konnten mich komplett überzeugen: Sie alle sind lebensecht gezeichnet, ihre Konflikte mit- und untereinander sind stets authentisch dargestellt und ich wollte immer wissen, wie es mit ihnen und ihren spannenden Geschichten weitergeht.
Ganz besonders berührt hat mich die Geschichte um Rahels herzlichen und sensiblen Freund Edgar, welcher mit seinem tragischen Schicksal mit Sicherheit noch sehr lange in meinem Leseherz bleiben wird. Aber auch die vielen anderen Charaktere und ihre unvergesslichen Geschichten, wie zum Beispiel Tante Ottilie, Fritz Lang und Lilly Seidenschön, werden noch lange nachwirken. Neben diesen vielen sympathischen Charakteren gibt es auch eher unausstehliche Personen. Hier sind beispielsweise Tinos Mutter und Major Alexander Grau zu nennen, welche mich mit ihrem Verhalten, Äußerungen und ihrer Denkweise des Öfteren sehr abstießen.
Adolf Hitler ist eine der vielen historischen Figuren des Buches; hier fand ich es sehr interessant, dass Peter Prange dargestellt hat, wie dieser auf die damaligen Menschen gewirkt hat und wie er einige von ihnen mit seiner einnehmenden Art auf seine Seite ziehen, für seine Ideologie und seine Person begeistern konnte.
Mit all seinen Figuren, fiktiv, historisch, Haupt- oder Nebenfigur hat Peter Prange ein intensives und anschauliches Bild der Gesellschaft der Goldenen Zwanziger und des beginnenden Dritten Reiches gezeichnet. Keine der Figuren wirkt überzeichnet, sie alle entwickeln sich und begehen auch mal den ein oder anderen Fehler.
Er verwebt die unvergesslichen Schicksale seiner Figuren perfekt mit den geschichtlichen Hintergründen.

Diese historischen Hintergründe hat Peter Prange wunderbar recherchiert und er stellt diese sehr bildhaft und voller Leben dar. Unter anderem zeigt er, wie und warum die Weimarer Republik scheiterte, wie die NSDAP es schaffte, von einer kleinen Splitterpartei zur Macht zu gelangen und wie der Wahlkampf damals aussah und finanziert wurde. Außerdem zeigt er, den spannenden Werdegang der Ufa, die Entwicklung des (Ton)films und wie und weshalb die Ufa dann auch zu einem Propaganda-Mittel der Nationalsozialisten wurde.
Wie schon im ersten Band beschreibt Peter Prange geschichtliche Höhe- und Wendepunkte leichtgängig und trotzdem so intensiv, dass ich wieder oft das Gefühl hatte, live dabei zu sein. Das ist Geschichtsunterricht, der Spaß macht.

Besonders gefreut habe ich mich, als ich völlig unverhofft über den Namen meiner Heimatstadt im Buch gefunden habe und dass dort sogar ein Kapitel spielt. Handlungsort ist der ‚Gasthof zum roten Bären‘, welcher als der älteste Gasthof Deutschlands gilt. Hier habe ich eine kleine Bildergalerie für euch:

Der erste Band der Reihe besteht aus den Teilen eins bis fünf und handelt die Jahre 1917 bis 1925 ab. Der hier vorliegende zweite Band enthält die Teile sechs bis zehn und einen Epilog und beschreibt die Jahre 1925 bis 1938. Diese Teile setzen sich dann aus sehr vielen kurzen Kapiteln zusammen, was meinen Lesefluss nicht aufgehalten hat. Im Gegenteil: Einige Kapitel enden oft mit einem Cliffhanger, welcher dann erst einige Kapitel später oder in einem anderen Handlungsstrang aufgelöst wird. Somit empfand ich die Handlung wie einen Sog, welcher mich sofort mitgerissen und nicht mehr losgelassen hat.
Es ist unbedingt zu empfehlen, dass man den ersten Band der Reihe vorher gelesen hat, da einem sonst die vielen Hintergründe der verschiedenen Figuren fehlen. Im Prinzip kann man die beiden Bände als ein Buch mit einer fortlaufend erzählten Handlung sehen. Ich war sofort wieder in der Geschichte angekommen und wollte das Buch nur noch ungern aus den Händen legen.
Dafür sorgte ebenfalls der flüssige, angenehme, bildhafte und detaillierte Sprachstil des Autoren, welcher auf keiner Seite Langeweile aufkommen lässt.
Im Nu waren die fast 800 Seiten gelesen – eigentlich zu schnell. Nun heißt es von dieser einzigartigen und unterhaltsamen Buchreihe und den vielen, teils sehr liebgewonnen Charakteren Abschied zu nehmen.
Die hochwertige Ausgabeart als gebundenes Buch, dazu das wunderbare Cover (welches perfekt zum ersten Band passt), die gelungene Handlung, die unvergesslichen Figuren, ein ausführliches Nachwort des Autos zu Dichtung und Wahrheit sowie die Liste der handelnden Personen der Figuren sorgen für ein sehr schönes und intensives Lese-Erlebnis – herzlichen Dank dafür Peter Prange.

Fazit: Dieses Buch ist einfach nur wunderbar. Ein Buch voller Geschichte und Geschichten und Emotionen. Wie ein Sog wird man in die atemberaubende Handlung gezogen und kann erst dann wieder ruhig schlafen, wenn die letzte Seite gelesen ist. Unbedingt lesen, es lohnt sich!

*Ich habe für diese Rezension vom Autor und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung des Verlages in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„Die Gedanken sind frei – Eine unerhörte Liebe“

von Julia Kröhn

[Werbung*]

Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 21. September 2022
Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3-7341-1098-6
Seitenanzahl: 448 Seiten

Klappentext:
Frankfurt, 1945: Ella Reichenbach hat zwar die Bombennächte überlebt, aber von der Verlagsbuchhandlung ihrer Eltern ist kaum etwas geblieben. Die Regale sind verheizt, die Schaufenster ohne Glas, die Bücher fort. Doch dann entdeckt sie den geheimen Papiervorrat ihrer verstorbenen Mutter, und plötzlich wendet sich das Blatt. Ella kann fortan Hunger und Not ein Ende setzen, indem sie selbst Bücher veröffentlicht. Doch die junge Verlegerin will nicht nur neue Bücher unter die Menschen bringen – sie will die Gedanken in den Köpfen der Menschen befreien …“

https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/Die-Gedanken-sind-frei-Eine-unerhoerte-Liebe/Julia-Kroehn/Blanvalet/e592927.rhd

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Blanvalet-Verlag über das ‚Bloggerportal‘ als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Aufgrund der Gegenleistungen in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

Coverrechte: Blanvalet-Verlag

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Das Buch „Die Gedanken sind frei – Eine unerhörte Liebe“ von Julia Kröhn ist der Auftakt einer Dilogie, welche in Frankfurt am Main angesiedelt ist und den Buchhandel und das jüdische Leben nach 1945 in Deutschland zeigt.

Frankfurt am Main im Jahr 1945: Der Zweite Weltkrieg ist vorbei doch die Stadt liegt in Trümmern. Auch für die junge Ella Reichenbach ist nichts mehr wie es einmal war. Sie muss ihre geliebte Mutter zu Grabe tragen und von der Verlagsbuchhandlung ihrer Eltern ist so gut wie nichts mehr geblieben. Die Einrichtung ist zerstört, Bücher gibt es keine mehr. Ihr Leben liegt – wie das Schaufenster der Buchhandlung – in Scherben. Als Ella einen geheimen Papiervorrat ihrer Mutter entdeckt, beginnt sie sofort wieder Bücher zu verlegen, begibt sich auf die Suche nach ehemaligen Autoren und Autorinnen um damit nach und nach die Buchhandlung wieder aufzubauen.
Doch es sind nicht die leichten und gefälligen Bücher, welche Ella unter die Menschen möchte: Sie möchte vor allem die dunkle Vergangenheit aufarbeiten und den Deutschen zeigen, was damals mit der jüdischen Bevölkerung geschah, doch mit dieser Intension trifft sie nicht den Nerv der Zeit.
Als dann auch noch Ari in ihr Leben tritt, ahnt sie nicht, wie sehr sich mit seiner Lebensgeschichte ihre Welt und ihr Leben verändern werden.

Schon seit einigen Jahren gehört Julia Kröhn zu meinen Lieblingsautorinnen, da sie mich mit ihren tief gängigen Geschichten immer sehr berührt. Die „Riviera-Saga“, welche 2020 erschien, gefiel mir außerordentlich gut und auch die „Lehrerin von Hamburg – Reihe“ von 2021 konnte mich völlig begeistern.
Im Mai 2022 kündigte die Autorin in den sozialen Medien ihre neue Dilogie „Die Buchhändlerinnen von Frankfurt“ an. Schon allein der Titel dieser neuen Reihe weckte sofort mein Interesse, da ich gelernte Buchhändlerin bin. Ebenso empfinde ich die Nachkriegszeit als eine sehr wichtige, aber auch spannende Zeit. Schlussendlich verzauberten mich die beiden Cover und die Klappentexte – damit war klar, dass ich den hier vorliegenden Auftakt lesen wollte und musste. Im ‚Bloggerportal Randomhouse‘ fragte ich ein Rezensionsexemplar an und bekam es genehmigt und zugesendet, wofür ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken möchte.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Ella Reichenbach, welche im Zweiten Weltkrieg vieles verloren hat. Nach dem Tod ihrer Mutter sucht sie sich im Wiederaufbau der Buchhandlung einen neuen Halt und Sinn in ihrem Leben. Der Umgang mit ihrem, zu Beginn völlig suspekten Vater fällt ihr schwer, da sie ihn für den Tod der geliebten und geschätzten Mutter verantwortlich macht. Zu viel steht zwischen den Beiden und Ella möchte es am liebsten im Alleingang schaffen, die Buchhandlung wieder aufzubauen und Bücher zu verlegen. Gerade letzteres liegt ihr sehr am Herzen, auch wenn es durch den immensen Papiermangel geradezu unmöglich erscheint. Doch Ella hat mit ihrer liebenswerten Angestellten Hildegard eine treue Verbündete an ihrer Seite – auch wenn sich die Beiden betreffend neuen Ideen und Gedanken nicht immer einig sind.
Ella ist eine Hauptfigur, welcher ich während der gesamten Handlung nicht so ganz nahe kam. Gerade zu Beginn des Buches ist ihr Denken und Handeln sehr undurchsichtig, gegenüber des Vaters absolut unerbittlich. Das führte dazu, dass sie mir, trotz ihrem Kampfgeist, etwas fremd und unnahbar vorkam und dies auch im weiteren Verlauf der Handlung so blieb. Ich konnte mich einfach nicht hundertprozentig mit ihr identifizieren, trotzdem war es mir möglich ihr nachzufühlen. Beispielsweise spürte ich ihre Verzweiflung, wiederum aber auch ihr Glück und vor allem ihre immense Liebe zu Büchern. Diese Liebe und ihre sehr viel jüngere Schwester Luise geben Ella Sicherheit und Halt in ihrem aus den Fugen geratenen Leben . Es war sehr rührend, wie sich Ella um Luise sorgt, beispielsweise ihr unbedingt das Lesen beibringen möchte. Luises kindliche, unbekümmerte Art sorgte in dieser teils sehr bedrückende Geschichte immer wieder für helle Momente, welche mich während des Lesen immer wieder lächeln ließen.
Neben Ella stehen der junge Ari und der Rest seiner Familie im Zentrum der Geschichte. Auch wenn mir relativ schnell klar war, was sie in der Vergangenheit durchstehen mussten, sind ihre Geschichten und Hintergründe absolut unvergesslich, vor allem aber sehr erschütternd. Mit diesen, von Leid und Verlusten geprägten Charakteren und deren Geschichten, wird das Buch mitunter sehr bedrückend, aber es gewinnt dadurch auch enorm an Stärke und Tiefe. Hier möchte ich noch etwas zu Ari ergänzen: Trotz seiner beklemmenden Geschichte ist er ein so sympathischer und lebensechter Charakter, den ich ab der ersten Seite in mein Herz geschlossen habe.
Julia Kröhn hat auch in diesem Reihen-Auftakt wieder eine Vielzahl verschiedenster Charaktere geschaffen, deren Schicksale eng miteinander zusammenhängen. Es sind Figuren mit vielen Facetten und auch Tiefe, welche mich mit ihren interessanten und authentischen Entwicklung begeistern konnten. Ich bin sehr gespannt, wie es mit ihnen und ihren Geschichten im zweiten Teil, welcher am 18. Januar 2023 erscheinen soll, weitergehen wird.

Die Handlung des Buches, welche fortlaufend erzählt wird, setzt im Jahr 1945 ein und endet 1949. Mit viel Fachwissen bietet Julia Kröhn einen Einblick in die interessante Geschichte des Buchhandels der Nachkriegszeit. Sie zeigt spannende Einblicke, wie damals die Lizenzen vergeben wurden, welche Bücher damals übersetzt wurden, aber auch die Entwicklung des Buchhandels vor und nach der Währungsreform im Jahr 1948. Hier ist vor allem das Taschenbuch als einschneidende Erfindung zu nennen, welche den Buchhandel für immer verändern sollte. Des weiteren befasst sich die Handlung mit der Thematik, wie das Leben der jüdischen Bevölkerung nach Ende des Zeiten Weltkriegs weiter ging. Erst waren die Überlebenden des Holocausts, sowie Zwangsarbeiter und Zwangsverschleppte als ‚Displaced Person‘(englisch für eine „Person, die nicht an diesem Ort beheimatet ist“) fern ihrer Heimat in Lager untergebracht, später erfolgte die Rückführung in die Heimatländer oder die Ansiedlung in anderen Ländern . Die alliierten Armeen rechneten 1944 mit etwa 11,3 Millionen ‚Displaced People‘.
In diese Thematik lässt die Autorin auch die Gründung des Staates Israels im Jahr 1948 einfließen. Zudem zeigt Julia Kröhn eindrucksvoll und ungeschönt, wie Jahre nach Kriegsende noch immer das braune Gedankengut in vielen deutschen Köpfen festsaß und auch, wie die Bevölkerung damals mit der Schuldfrage des Holocausts umging. Sie verbindet in ihrem Buch „Die Gedanken sind frei – Eine unerhörte Liebe“ fachkundig Frankfurter Zeitgeschichte und auch weltgeschichtliche Themen mit den fiktiven Geschichten und Handlungen ihrer größtenteils frei erfundenen Charaktere.
Auch wenn mich die Geschichte doch mitunter sehr mitgenommen hat und ich das Buch immer wieder aus der Hand legen musste, las ich trotzdem gerne weiter. Dazu trägt vor allem der wunderbar bildhafte und poetische Sprachstil der Autorin bei. Mit der zusätzlichen Einstreuung des Frankfurtischen Dialekts erzeugt Julia Kröhn eine tolle Atmosphäre, welche den Leser/ die Leserin schnell in die Geschichte mitnimmt.
Die Ausstattung des Buches ist sehr hochwertig, da es sich um handelt sich um eine Klappbroschur handelt. In der vorderen Klappe befinden sich zeitgenössische Bilder aus der Zeit, in der das Buch spielt, in der hinteren Klappe ist eine Vorschau auf den zweiten Teil der Reihe. Ein ausführliches Nachwort der Autorin rundet das Buch perfekt ab.

Danke liebe Julia Kröhn für dieses sehr stimmungsvolle Lese-Erlebnis.

Fazit: Dieses Buch… ist … so ergreifend. Auch wenn mir die weibliche Hauptfigur nie so ganz nahe kam, konnte ich ihr nachfühlen und nachspüren. Die anderen Figuren und ihre teils so tragischen Geschichten sind einfach unvergesslich. Auch wenn ich das Buch wegen der teils sehr bedrückenden Handlung und Grundstimmung ab und zu weg legen musste, empfinde ich das Buch als äußerst wichtig und absolut lesenswert. Es wird definitiv noch länger in mir arbeiten.

*Ich habe für diese Rezension vom Verlag oder von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.