„Neue Zeiten auf der Kö – Die Journalistin“

von Bettina Lausen

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 28. März 2024
Verlag: Piper
Ausgaben: Taschenbuch & eBook
ISBN: 978-3492507448
Seitenanzahl: 368 Seiten
Preise: 18,00€ (Taschenbuch), 06,99€ (eBook)

Homepage:
https://www.piper.de/buecher/neue-zeiten-auf-der-koe-die-journalistin-isbn-978-3-377-90078-4-ebook

https://www.bettinalausen.de/bücher/romane/

Klappentext:
„Eine verbotene Liebe öffnet einer jungen Frau in Düsseldorf den Weg zu einem selbstbestimmten Leben als Journalistin.
Düsseldorf 1950: Eva erfährt mit zwanzig Jahren das erste Mal von den Gräueltaten der Nazis. Sie konfrontiert ihre Eltern, die immer noch den alten Zeiten nachtrauern, mit ihrem neuen Wissen. Aus dem Streit wächst ein Konflikt, der die Grundfeste von Evas Leben erschüttert. Ihr junger Politiklehrer ermutigt sie dazu, ihren eigenen Weg zu gehen und eine Karriere als Journalistin anzustreben. Zwischen den beiden entsteht eine Liebesbeziehung, die aus mehr als einem Grund verboten bleibt. Wird es Eva trotz familiärer und gesellschaftlicher Widerstände gelingen, für ihre Freiheit zu kämpfen und gleichzeitig ihrem Herzen zu folgen?“

Hinweise:
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Das eBook wurde selbst gekauft.
– Aufgrund der der Verlinkung der Verlagshomepage und der Homepage der Autorin und der Lese-Empfehlung muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

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Das Buch „Neue Zeiten auf der Kö – Die Journalistin“ von Bettina Lausen ist der erste Band einer Reihe, die in Düsseldorf in den 1950er Jahren spielt und den schweren Weg einer jungen Frau zu einem selbstbestimmten Leben zeigt.

„Bis vor ein paar Wochen hätte sie nicht geglaubt, dass dies die Zukunft für sie bereithalten würde. Es war noch so unwirklich. Viel lieber würde sie … ja was eigentlich? Sie hatte es noch nie konkret in Worte gefasst, dabei war es doch das, was ihr lag: das Jonglieren mit Wörtern, die Tinte in geordneten Gedanken zu Papier bringen. Aber ihr Vater und das Leben hielten einen anderen Plan für sie bereit.“

[Kapitel 02]

Düsseldorf im Jahr 1950: Die junge Eva wächst in einer Stadt und einer Gesellschaft auf, die noch immer die schmerzhaften Spuren des Zweiten Weltkrieges trägt.
Erst im Zuge des Politikunterrichts erfährt sie das erste Mal etwas über die Gräueltaten der Nationalsozialisten. Während Eva alles über die Vergangenheit erfahren möchte, hängen ihre Eltern dieser nach. Vor allem ihr Vater schweigt über seinen Werdegang im Krieg und Eva muss Schreckliches erfahren. Es kommt zum Bruch mit ihrer Familie.
Als ihr junger Politiklehrer Eva ermutigt, ihren Weg als Journalistin zu gehen, erkennen die Beiden, dass sie auch die Liebe zueinander verbindet. Doch ihre Liebe muss aus vielen Gründen geheim gehalten werden …

Schon lange folge ich der sympathischen Autorin Bettina Lausen auf Instagram, allerdings habe ich bisher noch keines ihrer Bücher gelesen.
Anfang März 2025 fragte sie an, ob ich ihren neuen Roman „Neue Zeiten auf der Kö – Die Fotografin“ (ET: 30. Mai 2025) lesen und rezensieren möchte. Dieser sei auch ohne Vorkenntnisse des ersten Bandes gut zu lesen. Ich sagte zu – kaufte mir aber noch den hier vorliegenden ersten Band der Reihe, da ich Buchreihen immer gerne komplett lese.
Und eines ist sicher: Nach diesem lesenswerten und kurzweiligen Roman werde ich definitiv noch weitere Bücher der Autorin lesen.
Die Handlung des Buches ist in 15 Kapitel unterteilt und beginnt im Juli 1950. Rückblickend weiß ich nicht mehr genau, wieviel Zeit die gesamte Handlung umfasst – es sind ein paar Jahre.
Bettina Lausen hat einen sehr bildhaften Sprachstil, der mich schnell mit in die Geschichte genommen hat. Ich konnte mit die vielfältigen Figuren und auch die Handlungsorte durch ihre wunderbaren Beschreibungen gut vorstellen und fühlte mich, trotz des schweren Themas, wohl in der Geschichte.

Ich mochte die Hauptfigur Eva sehr und konnte mich durch sie schnell in die Nachkriegszeit hineinversetzen. Fassungslos machte mich, wie ihre Familie (vor allem der äußerst unsympathisch gezeichnete Vater) über sie und ihr Leben bestimmt. Doch Eva gibt nicht auf und versucht, ihren eigenen Weg im Leben zu gehen – und verliert dabei die Vergangenheit nicht aus den Augen, was für sie Segen und Fluch gleichzeitig bedeutet.
Neben Eva stehen noch weitere Figuren:
Ganz besonders liebgewonnen habe ich Evas Großmutter, die mit ihrem Dialekt einen wunderbaren und einzigartigen Flair in die Geschichte bringt und für Eva immer wieder den Fels in der Brandung bildet – ganz im Gegensatz zu Evas Mutter: Ihr Charakter ist von Anfang an schwer zu fassen: Sie lebt sehr in der Vergangenheit, kann Dinge schwer loslassen und macht ihrer Tochter das Leben schwer. Andererseits geht sie auch immer wieder einen Schritt auf Eva zu – findet jedoch selten die richtigen Worte.
Beeindruckt und zu Tränen gerührt hat mich die Geschichte von Evas Bruder Kurt. Ich möchte nicht genauer auf seinen Charakter und seine Geschichte eingehen, da ich sonst zu viel von der Geschichte vorwegnehme. Ich bin schon gespannt, wie es mit ihm weitergehen wird, denn er spielt im zweiten Band eine Rolle.
Neben diesen Mitgliedern der Familie Brockmann stehen weitere Figuren: Hier ist an erster Stelle Evas Politiklehrer Johann zu nennen. Ich mochte seine sympathische und ehrgeizige Art sehr und spürte von Anfang an das Knistern zwischen ihm und Eva. Er ist das komplette Gegenteil von Gert, der sich ab der ersten Seite als der totale Unsympath zu erkennen gibt. Ich konnte oft nur den Kopf über ihn schütteln – wie auch über seinen Vater und Evas Vater.
Eine meiner weiteren persönlichen Heldinnen des Buches ist Helga – Evas beste Freundin. Sie ist für Eva da, obwohl sie eigentlich genügend eigene Probleme hat.
Zwischen den Figuren gibt es immer wieder Konflikte und Auseinandersetzungen, die einen großen Teil der Geschichte ausmachen.
Bettina Lausen hat vielfältige und gelungene Figuren geschaffen, die gekonnt in die historischen Hintergründe einbettet sind ein sehr authentisches Bild der Nachkriegszeit und der zerrissenen Gesellschaft abbilden.

„Das Leben ging weiter, die Deutschen hatten den Krieg im Herzen und im Gedächtnis begraben und doch schwebte er über ihnen wie eine regengeschwängerte Wolke, die jeden Moment aufbrechen konnte.“

[Kapitel 12]

Den geschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergrund bilden die 1950er Jahre:
Der Zweite Weltkrieg (1939-1945) war vorbei, allerdings in den Köpfen der meisten Menschen noch sehr präsent. Viele wollten alles vergessen und verdrängten die Vergangenheit. Andere wollten eine Aufarbeitung und über die Gräueltaten der Nationalsozialisten aufklären. Und genau in diesen Konflikt gerät Eva. Sie war ein kleines Kind, als Hitler an die Macht kam und doch fühlt sie sich als ein Teil des Systems. Vor allem möchte sie die Vergangenheit ihrer Eltern aufgearbeitet haben – doch die beiden trauern dieser Zeit eher nach und verschließen sich gegenüber ihrer Tochter.
Ein weiteres gesellschaftliches Thema ist die Stellung der Frau in der jungen Bundesrepublik:
Das Bürgerliche Gesetzbuch schrieb vor, dass wenn eine Frau arbeiten wollte, ihr Ehemann das erlauben musste. Erst 1977 wurde das Gesetz geändert. Bis 1958 konnte der Mann den Anstellungsvertrag der Frau nach eigenem Ermessen und ohne deren Zustimmung fristlos kündigen. Außerdem hatte der Ehemann bis 1958 auch das alleinige Bestimmungsrecht über Frau und Kinder inne. Auch wenn er seiner Frau erlaubte zu arbeiten, verwaltete er ihren Lohn. Noch bis 1962 durften Frauen ohne Zustimmung des Mannes kein eigenes Bankkonto eröffnen. Erst nach 1969 wurde eine verheiratete Frau als geschäftsfähig angesehen.
Diese historischen und gesellschaftlichen Hintergründe hat Bettina Lausen akribisch recherchiert und stellt sie sehr eindringlich in ihrem Roman da.
Ich habe eine Menge dazugelernt und bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzung.
Und ja: Ich musste während des Lesens mit den Tränen kämpfen – vor allem am Ende des Buches.
Danke liebe Bettina Lausen für dieses gelungene Leseerlebnis.

Fazit: „Neue Zeiten auf der Kö – Die Journalistin“ ist eine emotionale und hochinteressante Geschichte, die ich euch sehr gerne und uneingeschränkt weiterempfehlen möchte. Ganz wunderbar!

*Ich habe für diese Rezension von der Autorin und vom Verlag keinerlei Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der uneingeschränkten Leseempfehlung und der Verlinkung der Homepage der Autorin und der Verlagshomepage, ist diese Rezension als WERBUNG gekennzeichnet.

„Wenn die Tage länger werden“

von Anne Stern

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 12. März 2025
Verlag: Aufbau Verlage
Ausgaben: Hardcover mit Schutzumschlag & eBook
ISBN: 978-3-351-04236-3
Seitenanzahl: 383 Seiten
Preise: 23,00€ (Hardcover), 09,99€ (eBook)

Homepage:
https://www.aufbau-verlage.de/aufbau/wenn-die-tage-langer-werden/978-3-351-04236-3

https://www.annestern.de/romane

Klappentext:
„Es ist das erste Mal seit sechs Jahren, dass die alleinerziehende Musiklehrerin Lisa einen Sommer ohne ihren Sohn vor sich hat. Doch die lang ersehnte Freiheit bringt auch Zweifel mit sich. Da ist die Sehnsucht nach ihrem Kind und die Frage, was für eine Frau sie eigentlich ist, wenn sie mal keine Mutter ist. Auf der Suche nach einem Restaurator für ihre alte vernachlässigte Geige begegnet sie der Obstbäuerin Ute in ihrem Kirschgarten, einer Frau, die keine Zeit mehr für Kompromisse hat. Bald wird Lisa klar, dass die Frage nach ihr selbst eng mit all dem verknüpft ist, worüber in ihrer Familie stets geschwiegen wurde. Und sie erfährt die unwiderstehliche Magie eines Sommers zwischen den Abgründen der Vergangenheit und einer neuen flirrenden Freiheit.“

*Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise von der Autorin und den Aufbau Verlagen als signiertes Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank dafür.
– Ich habe von der Autorin und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistungen erhalten, die Rezension spiegelt meinen persönlichen Lese-Eindruck wieder.
– Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars, der Verlinkung der Homepages und der Leseempfehlung kennzeichne ich diese Rezension als WERBUNG.

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In ihrem Roman „Wenn die Tage länger werden“ erzählt Anne Stern eine berührende Geschichte davon, wie ihre Hauptfigur sich der Vergangenheit ihrer Familie stellt und dadurch auch wieder zu sich selbst findet.

„Die Stunden reihten sich aneinander, und alle Tätigkeiten, die sie verrichtete, glichen einander und waren am Abend nicht mehr als ein Klumpen aus Belanglosigkeit und Pflicht. Dieses Gefühl, alles zu erledigen, doch für nichts wirklich zu brennen, hatte sich in ihr Leben geschlichen, sie wusste nicht mehr, seit wann.“

[Kapitel 02, Seite 21]

Freiburg im Breisgau: Die alleinerziehende Musiklehrerin Lisa hat das erste Mal seit sechs Jahren ein paar Wochen in den Sommerferien für sich, da ihr Sohn Zeit mit seinem Vater bei den Großeltern in Polen verbringt. Einerseits freut sie sich auf ihre lang ersehnte Freizeit – gleichzeitig vermisst sie ihr Kind. Sie stellt sich die Frage, was sie für eine Frau ist, wenn sie mal keine Mutter ist.
Als sie ihre Geige aus Jugendtagen wieder findet und diese zu einem Restaurator bringt, trifft sie auf die schwer erkrankte Obstbäuerin Ute. Es entspinnt sich eine zarte Freundschaft zwischen den zwei völlig verschiedenen Frauen.
Auf der Suche nach sich selbst, stellt sich Lisa auch der Vergangenheit ihrer Familie. Denn hier wurde einiges verschwiegen – und dieses Schweigen berührt Lisas eigenes Leben noch immer.

Anne Stern gehört seit vielen Jahren zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen und ich freue mich auf jede Neuerscheinung aus ihrer Feder. Ich liebe ihre unverwechselbaren, gefühlvollen und gleichzeitig kraftvollen Geschichten, aus denen ich immer sehr viel mitnehme.
Im August 2022 war Anne Stern auf Recherchereise in Freiburg unterwegs und wir trafen uns. Seit dem freute ich mich auf den neuen Roman, der in meiner Heimatstadt angesiedelt sein sollte. Und nun halte ich den Roman endlich in meinen Händen – und habe diesen mit großer Begeisterung gelesen.
Freundlicherweise bekam ich das Buch als vorzeitiges und signiertes Rezensionsexemplar zugesendet – an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an Anne Stern und an die Aufbau Verlage.
Die Ausgabeart des Buches ist ein sehr hochwertig gestaltetes Hardcover mit Schutzumschlag, Lesebändchen und insgesamt 383 Seiten. Ein Ausschnitt aus einem Gemälde des Künstlers David Hettinger (geboren 1946) bildet das stimmungsvolle Cover des Buches: Zu sehen ist eine Frau, die auf einer sommerlichen Wiese auf dem Bauch liegt. Ihr Kopf ruht auf den verschränkten Händen und sie blickt verträumt in die Ferne. Das ganze Cover scheint zu leuchten, vermittelt einerseits die Leichtigkeit des Sommers und hat gleichzeitig aber auch etwas melancholisches an sich: Somit passt es hervorragend zum Inhalt des Buches.
Auch der wunderbare Titel des Buches lässt sich auf zwei Arten verstehen: Einerseits mit langen Sommertagen, aber auch mit den Tagen, die die Hauptfigur ohne ihr Kind erlebt und die dadurch länger erscheinen.
Die 383 Seiten teilen sich auf 33 Kapitel auf, die alle eine angenehme Länge haben. Insgesamt umspannt die Haupthandlung nur wenige Wochen – das letzte Kapitel setzt dann zwei Monate nach dieser an.
Wie in all ihren Geschichten zaubert Anne Stern mit ihrem bildhaften und poetischen Sprachstil ab der ersten Seite wunderschöne und eindringliche Bilder in die Köpfe ihrer Leserinnen und Leser. Es ist eine Geschichte, die mich mitgenommen und weggetragen hat und bei der ich alles um mich herum vergessen konnte. Genau so müssen gute Geschichten sein.

„Immer wieder diese Gleichzeitigkeit der Dinge und die Unmöglichkeit, alle Empfindungen zu vereinen! Ihre Angst, Paul loszulassen, ihre Sehnsucht nach ihm, die sie schon quälte, ehe er fort war, aber auch ihren Hunger nach Für-sich-Sein, nach Ruhe und Selbst-Entscheiden, was sie im nächsten Moment tun wolle. Überwog die Sehnsucht nach Paul denn immer die nach sich selbst, nach Lisa? Und hatte eine Mutter überhaupt das Recht dazu, allein sein zu wollen?“

[Kapitel 04, Seite 41]

Lisa ist eine der Hauptfiguren des Buches: Sie arbeitet als Musiklehrerin in Teilzeit an einer Schule in Freiburg, ist alleinerziehend und sie hasst alles, was mit Zahlen zu tun hat. Ihr sechsjähriger Sohn Paul stammt aus einer leidenschaftlichen Beziehung mit Janusz, der nach Oldenburg gezogen ist und sein Kind dadurch nur sporadisch sieht. Nun möchte Janusz mit Paul drei Wochen in den Urlaub fahren – zu seinen Eltern nach Polen. Einerseits sehnt sich Lisa nach dieser freien Zeit, auf der anderen Seite macht ihr die Trennung von ihrem Sohn sehr zu schaffen. Denn in erster Linie ist sie Mutter und sie weiß nicht, wie sie sich ohne ihren Sohn definieren soll, was von ihr als Frau bleibt, wenn sie (mal) keine Mutter ist. Ich mochte Lisa ab der ersten Seite und konnte mich gut in sie hineinfühlen. Stets umgibt sie etwas Trauriges und sie hadert mit sich, ihrem Leben, ihren Depressionen und vor allem trägt sie schwer an ihrem Verhältnis zu ihrer resoluten Mutter Barbara: Lisa ist deren ständiger Kritik ausgesetzt, kann ihr nichts recht machen. Der viel zu frühe Verlust von Lisas Vater hat die Beiden nicht zusammengeschweißt, sondern sie eher voneinander getrennt. Das ignorante und ungerechte Verhalten von Barbara ihrer Tochter gegenüber machte mich mitunter sprachlos und traurig. Doch natürlich hat auch sie ihre Gründe, wie und warum sie zu diesem Menschen geworden ist.
Im Verlauf der Handlung findet Lisa immer mehr zu sich selbst – auch wenn sie dadurch an der lange verschwiegenen Vergangenheit ihrer Familie rühren muss.

„Sie ertrug Langsamkeit nicht, weder bei anderen noch bei sich selbst, und nun sah sie sich selbst ungläubig und wütend dabei zu, wie ihr Alltag dem Kriechen einer Schnecke glich, nachdem sie doch bisher so zäh und stark wie eine Bisamratte gewesen war.“

[Kapitel 03, Seite 25]

Neben Lisa steht die Obstbäuerin Ute im Mittelpunkt der Geschichte. Ute lebt zusammen mit ihrem fast neunzigjährigen Vater in einem etwas heruntergekommener Bauernhof im Dreisamtal, ihrem Elternhaus, mitten in der ländlichen Idylle. Die Großstadt Freiburg scheint von hier aus so fern und Ute könnte sich keinen anderen Wohnort vorstellen. Doch Ute ist krank – sehr krank. Die Krankheit schränkt sie immer weiter ein und all ihre Gedanken kreisen darum, wie es mit ihrem Vater ergeht, sollte sie in nächster Zukunft nicht mehr da sein. Utes Charakter ist etwas schwer zu fassen, da sie zu Beginn sehr in sich gekehrt wirkt und vieles mit sich selbst ausmacht. Doch im Fortgang der Handlung habe ich Ute und ihre Beweggründe immer besser verstanden und ich schloss sie in mein Herz. Sie ist, wie auch Lisa, ein sehr facettenreicher Charakter, den man erst nach und nach richtig kennenlernt.
Anne Stern hat neben diese beiden Hauptfiguren einige Figuren gestellt, auf die ich nicht genauer eingehen möchte, da ich sonst zu viel von der Handlung vorwegnehme. Sie alle haben ihren Platz in der Geschichte, sind ambivalent und facettenreich angelegt und konnten mich mit ihren Konflikten und Denkweisen absolut überzeugen. Anne Stern versteht es wunderbar, mit ihren unverwechselbaren Charakteren Geschichte und Geschichten zu erzählen, die im Kopf und im Herzen bleiben.
Spannend fand ich, wie die Vergangenheit und das Schweigen darüber, die Gegenwart und das Leben der Figuren berührt. Lisa lässt das Vergangene keine Ruhe und sie beginnt mit ihren Nachforschungen und reißt damit bei ihrer Mutter Wunden auf, die nie richtig, sondern nur oberflächlich verheilt waren.
Hierbei steht vor allem der Umgang mit der sogenannten NS-Raubkunst im Zentrum der Handlung: Dieser Begriff bezeichnet die verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgüter von Personen, die zwischen 1933 und 1945 von den Nationalsozialisten aus rassischen, religiösen und politischen Gründen verfolgt wurden.
Ein weiteres Thema, welches nicht im historischen Kontext steht, sondern im Hier und Jetzt angesiedelt ist, ist die Selbstfindung der Frauen neben und nach der Mutterschaft. Was bleibt von einer Frau, wenn sie Mutter ist und was bleibt von ihr, wenn sie keine Mutter ist. Auch wenn diese Frage Lisa nur temporär beschäftigt, stellt sie sich diese Frage – auch im Zusammenhang mit ihrer Mutter.
Anne Stern stellt diese beiden völlig verschiedenen Thematiken nebeneinander und verwebt sie zu einer einnehmenden und emotionalen Geschichte, die ich definitiv nicht mehr so schnell vergessen werde.

„Sie wäre auch ohne Paul immer noch Lisa, eine Frau ohne Kind. Könnte sie ohne Paul leben? Niemals!, dachte sie sofort. Doch es kam ihr in den Sinn, dass man nicht wissen konnte, was alles in einem schlummerte. Was man ertragen könnte und ob ihr etwas fehlen würde, das sie niemals kennengelernt hätte.“

[Kapitel 19, Seite 246]


Danke liebe Anne Stern für dieses wunderbare Leseerlebnis.

Fazit: „Wenn die Tage länger werden“ von Anne Stern ist ein tiefgründiger und poetisch geschriebener Roman, der mich mitgetragen hat und mich von Anfang bis Ende überzeugt hat.
Sehr sehr lesenswert und ein absolutes Jahreshighlight.

*Ich habe für diese Rezension von der Autorin und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung eines kostenlosen Rezensionsexemplars, der uneingeschränkten Leseempfehlung und der Verlinkung der Homepage der Autorin und der Verlagshomepage, ist diese Rezension als WERBUNG gekennzeichnet.

„Der Zauber der Edelsteine“

von Johanna von Wild

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 12. März 2025
Verlag: Gmeiner Verlag
Ausgaben: Paperback & eBook
ISBN: 978-3839207659
Seitenanzahl: 416 Seiten
Preise: 17,00€ (Paperback), 12,99€ (eBook)

Homepage/ Kontakt:
https://www.johanna-von-wild.de/startseite/
(Homepage der Autorin)

https://www.gmeiner-verlag.de/buecher/titel/der-zauber-der-edelsteine.html
(Homepage des Verlags)

Klappentext:
„Emilia, die Tochter eines Edelsteinschleifers, ist verliebt in den Lehrjungen Elias. Ihr von Geldnöten geplagter Vater jedoch verspricht seine Tochter Paul Gabler. Als Elias davon erfährt, verlässt er Waldkirch und begibt sich, wie auch Paul, auf die Walz. Während seine Wege ihn bis ins ferne Antwerpen führen, wo er bei einem jüdischen Diamantschleifer lernt, dreht sich in der Heimat alles um den Zusammenschluss der Steinschleiferbruderschaft mit den Freiburger Meistern. Nach einigen Schicksalsschlägen ehelicht Emilia schließlich Pauls Bruder. Doch dann kehren Elias und Paul zurück …“

*Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise von der Autorin als Vorab-Exemplar (PDF) zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank dafür.
– Ich habe von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistungen erhalten, die Rezension spiegelt meinen persönlichen Lese-Eindruck wieder.
– Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars, der Verlinkung der Verlags- und Autorinnen-Homepage und der Leseempfehlung kennzeichne ich diese Rezension als WERBUNG.

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Das Buch „Der Zauber der Edelsteine“ von Johanna von Wild ist ein historischer Roman, der im 16. Jahrhundert vorwiegend in Waldkirch und Freiburg spielt und über das Gewerbe der Edelsteinschleiferei erzählt.

„»(…) Einzig und allein Steine will ich schleifen. Der Herr hat sie erschaffen und Menschen wie uns die Fähigkeit gegeben, die Schönheit der Gaben dieser Erde hervorzubringen.«“

[Seiten 300/ 301]

Waldkirch 1543: Zusammen mit ihren Eltern, ihrem Bruder Anton und ihrer Base Hilda lebt die junge Emilia in der kleinen Stadt im Schwarzwald. Ihr Vater ist Balierer und Anton soll eines Tages das Erbe des Vaters antreten. Doch es kommt anders: Ein schwerer Schicksalsschlag trifft die Familie und der Vater verspricht Paul Gabler, dem Sohn eines Balierer, die Hand seiner Tochter.
Emilia ist außer sich, gehört ihr Herz doch dem Lehrjungen Elias Rombach. Als Elias von dem Hochzeitsversprechen hört, verlässt er Hals über Kopf Waldkirch und geht auf die Walz, die ihn bis ins ferne Antwerpen führt. Währenddessen dreht sich in der Heimat alles um den Zusammenschluss der Steinschleiferbruderschaft mit den Freiburger Meistern.
Und Emilia heiratet nicht Paul, sondern dessen Bruder Rupert – aber sie kann Elias nicht vergessen.

Nachdem ich Ende 2024 die beiden Bücher „Die Erleuchtung der Welt“ und „Der Meister der Karten“ von Johanna von Wild mit großer Begeisterung gelesen habe, sprach mich auch der neue historische Roman „Der Zauber der Edelsteine“ an. Auch in dieser Geschichte spielt meine Heimatstadt Freiburg im Breisgau wieder eine Rolle – und auch die Stadt Waldkirch ist mir gut bekannt. Allerdings wusste ich noch nicht viel über das in beiden ansässige Gewerbe der Edelsteinschleiferei und freute mich sehr, meinen Wissenshorizont mit diesem Roman erweitern zu können.
Freundlicherweise bekam ich von der Autorin das Buch als Vorab-Exemplar in Form eines PDFs zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken möchte.
Wie bereits bei den anderen Büchern hat mich wieder das wunderschöne Cover angesprochen, welches zusammen mit dem stimmigen Buchtitel die Vorfreude auf die Geschichte weckt.
Nach der Personenübersicht beginnt der erzählende Teil, der sich in insgesamt acht Zeitabschnitte aufgliedert und 1543 in Waldkirch beginnt. Der letzte Zeitabschnitt spielt 1549, der Epilog im Jahr 1567. Die Handlung, die sich im Verlauf der Geschichte in zwei Erzählstränge aufgliedert, wird chronologisch erzählt, was dafür sorgte, dass ich der Geschichte und den Charakteren immer gut folgen konnte. Gegen Ende der Geschichte werden die beiden Erzählstränge wieder zusammengeführt. An den Epilog schließt sich das interessante Nachwort „Dichtung, Wahrheit und Anmerkungen“ der Autorin an.
Ich war ab der ersten Seite in der Geschichte angekommen, flog nur so durch die 416 Seiten und ich konnte und wollte das Buch nur noch ungern aus den Händen legen. Spannende Passagen wechseln sich mit ruhigeren Passagen ab – Langeweile kommt jedoch auf keiner Seite auf. Es ist eine atmosphärische Geschichte, in der einiges passiert und an der ich gerne drangeblieben bin.
Johanna von Wild hat einen wunderschönen und bildhaften Sprachstil, der mich mit auf eine farbenprächtige und unvergessliche Zeitreise in die Geschichte meiner Heimat genommen hat. Ich habe mich von der ersten bis zur letzten Seite bestens unterhalten gefühlt – und habe, wie durch ihre vorherigen Büchern, wieder einiges an Wissen dazu gewonnen.

„»Hat er jemals ein Feuer in dir entfacht, das niemand sonst hervorrufen konnte? Ein Sehnen nach Berührung?«“

[Seite 164]

Neben vielen fiktiven Charakteren spielen auch einige historische Figuren in diesem Roman kleine und große Rollen.
Im Mittelpunkt der Handlung stehen die junge Emilia Winterhalter und der Lehrjunge Elias Rombach – beide sind fiktiv angelegt, leben in Waldkirch und kennen sich seit Kindertagen. Zu diesen beiden sympathischen Figuren konnte ich sehr schnell eine Beziehung aufbauen, ich spürte ihre gegenseitige Anziehung und ich litt mit beiden mit, als sich ihre Wege trennten.
Emilia ist eine Frau, die eigentlich genau weiß, was sie möchte – doch sie darf und kann vieles nicht erreichen. Es wird darüber bestimmt, wen sie zu heiraten hat – ihre eigenen Wünsche zählen hier nicht viel. Auch wenn sie sich später entscheidet, fällt diese Entscheidung eher zum Gunsten der Gesellschaft und ihrer und der Zukunft ihrer Familie aus. Ich mochte sehr an ihr, dass sie nicht perfekt ist, auch Fehlentscheidungen trifft. Außerdem treffen sie immer wieder schwere Schicksalsschläge, die sie an sich selbst zweifeln aber sie nie aufgeben lassen.
Ähnlich geht es Elias: Auch er erleidet Rückschläge und Enttäuschungen und verschwindet über Nacht aus Emilias Leben. Er kämpft für sich und seine Träume und ist bereit, alles dafür zu tun, sein Wissen und seine Fähigkeiten im Edelsteingewerbe zu vertiefen und zu mehren. Er ist ein liebenswerter und authentischer Charakter.
Neben diesen beiden Hauptcharakteren gibt es noch einige weitere Figuren, unter anderen Paul Gabler und sein Bruder Rupert Gabler. Während mir Paul bereits auf den ersten Seiten unsympathisch war, konnte ich Rupert schwerer einschätzen. Die Beiden entwickeln sich im Verlauf der Handlung und konnten mich, wie auch alle anderen Charaktere in der Geschichte, oft überraschen.
Einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen haben Emilias Cousine Hilda, und Rosa – Emilias Mutter. Deren mitnehmende Geschichten werde ich mit Sicherheit nicht mehr vergessen.
Trotz der immensen Fülle an Figuren, konnte ich den einzelnen Charakteren immer gut folgen. Zusammen ergeben sie ein sehr authentisches Bild des 16. Jahrhunderts und Johanna von Wild versteht es außerordentlich gut, historische und fiktive Figuren miteinander zu verbinden und mit ihnen und ihren Geschichten die historischen Hintergründe erleb- und fühlbar zu machen.

„»Nur jetzt im Augenblick wäre ich gerne ein Studierter. (…) Damit ich dich beeindrucken und dir Geschichten über die funkelnden Edelsteine dort oben am Himmelszelt erzählen könnte.«“

[Seite 161]

Den geschichtlichen Hintergrund bildet das 16. Jahrhundert, den thematischen Schwerpunkt die Edelsteinschleiferei in Freiburg und Waldkirch. Viele denken bei dem Thema Edelsteine in Deutschland direkt an Idar-Oberstein. Dass jedoch Freiburg und das nahegelegene Waldkirch im 16. Jahrhundert Hochburgen der Edelsteinschleiferei waren, ist heutzutage kaum noch bekannt.
Bereits im Jahr 1451 gründete sich in Freiburg die Bruderschaft der Bohrer und Balierer. Diese Bruderschaft legte verbindliche Regeln für die Verarbeitung von Edelsteinen fest.
Im Jahr 1601 verfügte Kaiser Rudolf II. (1552-1612), dass böhmischer Granat, ausschließlich in Freiburg und Waldkirch geschliffen werden durfte. Diese zugesprochene Monopolstellung sorgte insbesondere nach den schwierigen Pestjahren für einen neuen Aufschwung des Gewerbes.
Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) führte siebzehn Jahre später zum Niedergang der Edelsteinschleiferei im von den Franzosen besetzten Freiburg. Waldkirch gehörte damals zu Vorderösterreich, hier wurde die Edelsteinschleiferei nach Kriegsende weiterhin gefördert.
Es folgte ein kurzes Aufblühen des Gewerbes im 18. Jahrhundert, als Marie Antoinette auf ihrem Brautzug von Wien nach Frankreich auch in Freiburg Halt machte und die junge Prinzessin vom Stadtrat ein Granatcollier geschenkt bekam. Wenig später änderte sich die Mode und das Interesse an den roten Edelsteinen schwand. Auch der kurze Aufschwung, ausgelöst durch den aus Granatsteinen im Rosenschliff bestehenden Schmuck Kaiserin Elisabeths von Österreich (1837-1898), konnte das einst wichtige Freiburger Gewerbe langfristig nicht retten.
Im Jahr 1987 fanden sich durch archäologische Grabungen in der Gerberau 46 Hinweise auf eine Edelsteinschleiferei sowie eine Mahlmühle. Hier stand bereits im 15. Jahrhundert ein Gebäude, das von 1565 bis 1775 unter dem Namen Zum Kristallen Eck bekannt war und sich im 16. Jahrhundert vermutlich im Besitz des Edelsteinschleifers Hans Scher befand. Dieser war ein herausragender Hohlwerker seiner Zeit und für seine Fertigkeiten weit über die Grenzen der Stadt hinweg bekannt. Er hat vor dem Zusammenschluss der Bruderschaften auch Arbeiten nach Waldkirch vergeben, was den Freiburger Meistern ein Dorn im Auge war. Trotzdem wurde ihm dies weiterhin von der vorderösterreichischen Regierung erlaubt, da die Freiburger seine Kunstfertigkeit nicht verlieren wollten. In ihrem Roman „Der Zauber der Edelsteine“ verewigt Johanna von Wild Hans Scher und die spannende Geschichte um die Edelsteinschleiferei, womit sie dem vergessenen Handwerk in Freiburg ein eindrückliches Denkmal gesetzt hat.
In Waldkirch gibt es nur noch die Edelsteinschleiferei Wintermantel, die diese seit Mitte des 18. Jahrhunderts betreibt.
Neben den historischen Themen, die die Autorin in ihrem Roman sehr gelungen und nachvollziehbar darstellt, vermittelt sie gekonnt das Wissen zur Edelsteinschleiferei, zudem sie akribisch und genau recherchiert hat. Hier habe ich eine Menge dazugelernt und sehe dieses Gewerbe nun mit ganz anderen Augen.
Johanna von Wild gelingt es ihr geschichtliche, gesellschaftliche und politische Themen in ihre spannende Handlung einzuweben und mit den Schicksalen und Lebensgeschichten ihrer fiktiven und historischen Figuren zu verbinden.
Am Ende dieser Rezension möchte ich mich herzlich bei der Autorin für dieses lehrreiche und wunderbare Lesevergnügen bedanken.

Fazit: „Der Zauber der Edelsteine“ von Johanna von Wild ist ein sehr lehrreicher historischer Roman und lässt mit einer spannenden Handlung und den vielseitigen Charakteren keine Wünsche offen. Sehr lesenswert!

*Ich habe für diese Rezension von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Vorab-Exemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.




„Lindenblütenzeit“

von Simona Wernicke

[Werbung*]

Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 12. Februar 2025
Verlag: Gmeiner
Ausgaben: Paperback & eBook
ISBN: 978-3-8392-0807-6
Seitenanzahl: 544 Seiten
Preise: 18,00€ (Paperback), 13,99€ (eBook)

Homepage:
https://www.gmeiner-verlag.de/buecher/titel/lindenbluetenzeit.html

Klappentext:
„Das Glück in der glänzenden Metropole Berlin zu finden, davon träumt die junge Clara, als sie 1928 ihr Dorf verlässt. Im Alten Eierhäuschen in Treptow lernt sie den feschen Friseur Otto kennen, die Liebe zieht in ihr Herz. Doch die Weltwirtschaftskrise lässt die jungen Eheleute mit ihrem Salon in Kreuzberg scheitern. Als Otto 1940 zum Wehrdienst eingezogen wird, brechen für Clara harte Zeiten an. Sie muss allein Friseursalon, Haushalt und Kinder bewältigen, bis sie im Bombenhagel nur noch den Ausweg der Flucht sieht …“

*Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise von der Autorin als Rezensionsexemplar (PDF) und vom Gmeiner Verlag als Rezensionsexemplar (Print) zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank dafür.
– Ich habe von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistungen erhalten, die Rezension spiegelt meinen persönlichen Lese-Eindruck wieder.
– Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars, der Verlinkung der Verlags-Homepage und der Leseempfehlung kennzeichne ich diese Rezension als WERBUNG.

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Das Buch „Lindenblütenzeit“ von Simona Wernicke ist ein Roman, der an wahre Begebenheiten angelehnt ist und von 1926 bis 1952 größtenteils in Berlin und dem fiktiven Ort Kranzig spielt.

„Einmal eines der schicken Cafés und Tanzlokale besuchen, einmal ein Kaufhaus von innen sehen! Und sie spürte, irgendwo in Berlin wartete die Liebe auf sie, das große Glück, von dem sie schon lange träumte.“

[Kapitel 02, Seite 29]

Kranzig 1926: Das Leben der jungen Clara ist von der beschwerlichen Arbeit auf dem elterlichen Hof geprägt – ihre eigenen Wünsche und Träume haben hier keinen Platz. Deshalb wünscht sich Clara sehnlichst, zu ihrer Tante ins nahegelegene Berlin zu ziehen und dort ihre Freiheit und ihr persönliches Glück zu finden.
Doch das Leben in der großen Stadt bringt auch große Veränderungen mit sich:
Als Clara den jungen Friseur Otto kennenlernt, ist es Liebe auf den ersten Blick und die Beiden machen sich mit einem eigenen Salon selbstständig.
Als Otto 1940 zum Wehrdienst antreten muss, bleibt Clara mit dem Salon und ihren Kindern allein zurück und sie muss die schwierigen Kriegsjahre ohne ihren Mann durchstehen. Und dann fallen Bomben auf Berlin und Clara und ihren Kindern bleibt als Ausweg nur noch die Flucht.

Im Juli 2023 habe ich mit großer Begeisterung das Debüt „Kornblumenzeit – Eine ostpreußische Familiengeschichte“ von Simona Wernicke gelesen. Diese starke und unvergessliche Geschichte, welche ebenfalls auf wahren Begebenheiten beruht, mich zu Tränen gerührt, mich mitgerissen und nicht mehr losgelassen.
Deshalb freute ich mich sehr, als die Autorin ihr neues Buch „Lindenblütenzeit“ ankündigte – diesen Roman wollte ich sehr gerne lesen. Freundlicherweise bekam ich das Buch vom Gmeiner Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken möchte.
Das Buch ist eine schön gestaltete Klappbroschur mit 544 Seiten. Auf dem Cover ist ein See zu sehen, der das Licht der untergehenden oder aufgehenden Sonne spiegelt. Die ganze Szenerie wirkt auf mich sehr ruhig und idyllisch, weshalb mich das Cover direkt ansprach. Ich mag Cover mit Landschaften sehr und dieses könnte einen wichtigen Ort in der Geschichte abbilden, an dem viele Szenen spielen.
Auf der vorderen Klappe wird der Inhalt des Buches kurz wiedergegeben, auf der hinteren Klappe findet sich ein Foto und eine kurze Biografie der sympathischen Autorin. Das Innere der Klappen ist leer geblieben.
Der Inhalt des Buches gliedert sich in 16 – mitunter sehr lange – Kapitel auf und spielt von 1926 bis 1952. Schön fand ich die Überschriften der einzelnen Kapitel und auch die Orts- und Zeitangaben, die für eine gute Orientierung in der Geschichte sorgen.
Ein Personenregister gibt es nicht, welches ich auch zu keiner Zeit vermisst habe – ich konnte jedem Charakter und dessen Geschichte immer gut folgen.
Mit ihrem bildhaften und sehr flüssigen Sprachstil nahm mich Simona Wernicke ab der ersten Seite mit in eine Geschichte, an der ich gerne dran geblieben bin. Wie in ihrem Roman „Kornblumenzeit“ beschreibt sie mit viel Gespür die damalige Zeit und die verschiedenen Örtlichkeiten so detailliert, dass ich mir alles gut vorstellen konnte – auch die fiktiven Orte wie zum Beispiel der Ort Kranzig. Zu keiner Zeit kam während des Lesens Langweile auf und ich flog nur so durch die 544 Seiten.

„Sie war versessen auf Berlin, dort wollte sie glücklich werden. In sich spürte sie, dass dort ihr Leben auf sie wartete.“

[Kapitel 1, Seite 26]

Clara ist eine der Figuren, die im Mittelpunkt der Geschichte stehen. Die Leserin/ der Leser lernt Clara direkt zu Beginn der Geschichte kennen – und ich schloss sie schnell in mein Herz. Ihr Wunsch nach Freiheit führt sie weg von ihrem kleinen Heimatdorf in die große Stadt Berlin. Dort muss Clara einige Rückschläge hinnehmen, verfolgt ihre Träume und Ziele trotzdem weiterhin ehrgeizig. Als sie auf Otto trifft, lernt sie die Liebe kennen.
Ich fand es spannend zu verfolgen, wie sich Clara im Laufe der Geschichte von einer jungen Frau, die die Welt noch kennenlernen muss, zu einer liebevollen und auch kämpferischen Mutter und Ehefrau entwickelt, die für ihre Kinder – und auch für ihren Mann – viel und oft zurücksteckt und dann über sich selbst hinauswächst. Simona Wernicke hat für Clara und deren Lebensgeschichte ihre Großmutter als Vorbild genommen und hat mit ihr eine sympathische und lebensechte Figur geschaffen, die ich ab der ersten Seite sehr gemocht habe und deren Schicksal mich stellenweise sehr mitgenommen hat.
Neben Clara steht Otto – Claras erste und große Liebe. Ab dem ersten Moment habe ich das Knistern zwischen den Beiden gespürt und verfolgte deren beiden Lebensgeschichten sehr gerne. Auch wenn ich mit seinen Ansichten und Taten nicht immer ganz einverstanden war – er bürdet seiner Frau mitunter viel auf – mochte ich seine lebensfrohe Art. Auch er durchläuft eine große Wandlung und muss durch den Krieg einiges hinter sich lassen.
Neben diesen beiden Hauptfiguren stehen noch einige weitere Figuren : Hier ist zum Beispiel die Familie von Clara zu nennen: Ihre Geschwister und ihre Eltern leben nach dem Umzug von Clara weiterhin in dem Ort Kranzig. Hier haben sich alle eingerichtet und Clara kommt mit ihrer eigenen Familie immer wieder hier hin zu Besuch. Innerhalb der Familie in Kranzig gibt es immer wieder Probleme, Streitereien und Reibereien – es überwiegt aber der familiäre Zusammenhalt. Einerseits verspürt Clara eine Sehnsucht nach dem Ort ihrer Kindheit und zu ihrer Familie, auf der anderen Seite liebt sie das Leben und die Freiheit in der Großstadt, wo sie sich ein eigenes Leben aufgebaut hat.
Auf die vielen anderen Figuren, die in diesem Roman große und kleinere Rollen spielen, möchte ich nicht genauer eingehen, da ich sonst zu viel von der Handlung vorwegnehme. Wie ich bereits angemerkt habe, konnte ich jeder Figur und deren Geschichte gut folgen. Simona Wernicke zeichnet mit ihnen allen ein gutes Bild der damaligen Gesellschaft und Zeit und verknüpft sie mit den vielen historischen Ereignissen. Dabei waren auch die inneren und äußeren Konflikte der Figuren immer wahrnehmbar und ich wollte immer wissen, wie es mit ihnen allen weitergeht.

„Nun saß sie mit Otto auf deren braunen Kanapee. Gedankenvoll strich sie über den leicht abgewetzten braunen Samt. Es war nicht gerecht, das spürte sie in sich. Doch was war in diesen Zeiten gerecht?“

[Kapitel 6, Seite 174]

Den geschichtlichen Hintergrund bilden die Jahre von 1926 bis 1952.
Zwischen 1924 und 1929 erlebte die Weimarer Republik eine Zeit der relativen Stabilität: Die Wirtschaft erholte sich und die Weimarer Republik genoss außenpolitische Anerkennung und Wertschätzung. Doch Ende 1929 kam es zur Weltwirtschaftskrise, die Zahlungsunfähigkeiten vieler Unternehmen, massenhafte Arbeitslosigkeit und soziales Elend und politische Krisen verursachte.
Außerdem sorgten die sogenannten Präsidialkabinette nach dem Bruch der Großen Koalition im März 1930 und der Aufstieg der Nationalsozialisten schließlich für den endgültigen Untergang der Weimarer Republik.
Mit der Machtergreifung der NSDAP – und der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 – endete die erste parlamentarische Demokratie in Deutschland. Die demokratischen Strukturen wurden durch Verordnungen des Reichspräsidenten sowie mit Inkrafttreten des Ermächtigungsgesetzes am 24. März 1933 in nur neun Wochen beseitigt und es folgte der NS-Staat:
Innerhalb weniger Monate schuf das NS-Regime durch die Gleichschaltung von Politik und Gesellschaft einen zentralistischen Staat: Gewerkschaften und alle politischen Parteien außer der NSDAP wurden verboten. Mit Hilfe der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) und Parteiorganisationen wie SA und SS verwandelte das Regime den Rechtsstaat in einen Polizeistaat mit Konzentrations- und später auch Vernichtungslagern. Die systematischen Genozide an Juden, Sinti und Roma, die Verfolgung und Ermordung Oppositioneller, Andersdenkender, Behinderter und Homosexueller wie auch die NS-Krankenmorde forderten mehrere Millionen Menschenleben.
Knappe sechseinhalb Jahre später brach der Zweite Weltkrieg (1939-1945) aus. Schätzungen zufolge starben im Verlauf des Krieges 65 Millionen Menschen.
Diese mitunter komplexen und sehr schweren geschichtlichen Themen und Hintergründe stellt Simona Wernicke in ihrem Roman eindringlich und ungeschönt da und verbindet diese unmittelbar mit ihren Figuren und deren Geschichten. Neben der Situation an der Heimatfront schildert Simona Wernicke auch den Verlauf des Krieges durch die Augen von Otto an der West- und Ostfront.
Stellenweise musste ich sehr mit den Tränen kämpfen, so sehr nahm mich die Geschichte, die an die Familiengeschichte der Autorin angelehnt ist, mit. Sie zeigt, wie unsagbar schwer und entbehrungsreich die Zeiten während und nach dem Krieg waren, aber auch, dass sich die Menschen trotz des erfahrenen Leids und der vielen unfassbaren Schicksalsschläge nicht unterkriegen ließen und ihre Leben so gut es ging gelebt haben. Danke liebe Simone Wernicke für dieses bemerkenswerte und bewegende Lese-Erlebnis.

„Auf dem Rückweg kam sie am Dorfanger an der alten Linde vorbei. Ganz schwarz stand sie da mit ihren knorrigen Ästen vor dem grauen Novemberhimmel. Vielleicht würde es schon bald Schnee geben. Davor stand immer noch die Holzbank, auf der sie schon als junges Mädchen mit Anna und in ihrer Verlobungszeit einmal mit Otto gesessen hatte. Sie erinnerte sich an den herrlich süßen Duft, wenn der Baum Ende Juni blühte. Wie lange war das schon her?“

[Kapitel 12, Seite 388]

Fazit: Der Roman „Lindenblütenzeit“ von Simona Wernicke ist an wahre Begebenheiten angelehnt und hat mich von der ersten bis zur letzten Seite bestens unterhalten. Ich bin einfach nur begeistert und tief berührt von dieser eindrucksvollen Geschichte, in der ich völlig versunken bin. Stellenweise konnte ich nicht schnell genug lesen, um zu erfahren, wie es mit den liebgewonnen Figuren weitergeht… und ja: Es fällt mir gerade sehr sehr schwer, mich von diesen zu verabschieden und deren Welt zu verlassen. Absolut lesens- und empfehlenswert. 

*Ich habe für diese Rezension von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung eines kostenlosen Rezensionsexemplars, der uneingeschränkten Leseempfehlung und der Verlinkung der Verlagshomepage, ist diese Rezension als WERBUNG gekennzeichnet.

„Ein geschwind listig Wib“

von Dorothe Zürcher

[Werbung*]

Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 10. Februar 2025
Verlag: Südverlag
Ausgaben: Hardcover & eBook
ISBN: 978-3-87800-987-0
Seitenanzahl: 320 Seiten
Preise: 22,00€ (Hardcover), 11,99€ (eBook)

Homepage:
https://bedey-thoms.de/products/geschwind-listig-wib?_pos=3&_sid=8f2d5d2c3&_ss=r (Verlagshomepage)

http://www.dorothe-zürcher.ch/veröffentlichungen/index (Homepage der Autorin)

Klappentext:
„Mit 11 Jahren verlobt, 10 Jahre später Witwe und bereit, hinter den Kulissen zu herrschen.
Wien, 1298: Nach jahrelangen Verhandlungen wird die Habsburgerin Agnes mit dem König von Ungarn verheiratet, einem Gegenspieler ihres Vaters. Tatkräftig übernimmt Agnes die Pflichten einer Königin, wird jedoch vom Adel ausgebremst. Ein Seilziehen beginnt. Als der König überraschend stirbt, müssen Agnes und ihre Stieftochter um ihr Leben fürchten. Beide sind bereit, um ihren Rang und ihre Macht zu kämpfen.
Agnes von Ungarn gilt heute als heimliches Oberhaupt der frühen Habsburger-Dynastie, Friedensstifterin und Spenderin von Spitälern und Klöstern. Nach ihrem Tod wurden ihre Taten verunglimpft und sie als blutrünstiges Weib dargestellt. Dies ist die Geschichte ihrer frühen Jahre, als sie die ersten Schritte auf einer politischen Bühne wagte, die auf junge und kinderlose Frauen nicht vorbereitet war.“


*Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise von der Autorin als signiertes Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank dafür.
– Ich habe von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistungen erhalten, die Rezension spiegelt meinen persönlichen Lese-Eindruck wieder.
– Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars, der Verlinkung der Homepages und der Leseempfehlung kennzeichne ich diese Rezension als WERBUNG.

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Das Buch „Ein geschwind listig Wib“ von Dorothe Zürcher ist eine Romanbiografie über die historischeAgnes von Habsburg und Ungarn (1281-1364) und handelt im Zeitraum von 1287 bis 1312.

„Agnes spürte, wie sie ruhiger wurde, als sie das Kleinod betrachtete. Konnte es sein, dass die Kraft und die Gedanken ihrer Vorgängerinnen durch ihren Körper flossen, wenn ihr die Krone aufgesetzt wurde?“

[Kapitel 5, Seite 69]

Wien 1297: Die junge Agnes von Habsburg wächst als Tochter des deutschen Königs Albrecht I. (1255-1308) und dessen Gattin Elisabeth von Görz-Tirol (1262-1313) mit vielen weiteren Geschwistern auf.
Durch die Hochzeit mit dem ungarischen König Andreas III. (1265-1301) wird Agnes zur Königin von Ungarn. Doch nur fünf Jahre nach der Eheschließung stirbt König Andreas und Agnes und ihre Stieftochter Elisabeth müssen um ihr Leben fürchten. Die beiden flüchten, sind aber nicht bereit, ihren Rang und ihre Macht aufzugeben.

Mit ihrem Buch „Im Schatten der Krone – Die Grafen von Lenzburg“ und den ersten Teilen ihrer Buchreihe um die Köchin Alkmene („Bittermandeln aus Byzanz“ & „Anisbrot in Antiochia“) hat sich Dorothe Zürcher in mein Leseherz geschrieben. Ich mag ihre fundierten und gleichzeitig unterhaltsamen und lehrreichen Romane sehr gerne und fiebere jeder ihrer Neuerscheinung entgegen.
Deshalb wollte ich auch unbedingt ihr neues Werk „Ein geschwind listig Wib“ lesen und freute mich sehr, dass ich das Buch von der Autorin als signiertes Rezensionsexemplar erhalten habe. An dieser Stelle ganz herzlichen Dank dafür.
Die Ausgabeart des Buches ist ein sehr hochwertig gestaltetes Hardcover mit Lesebändchen und insgesamt 320 Seiten. Das schlichte und doch stimmungsvolle Cover zeigt einen Ausschnitt eines Fensterbildes aus Buntglas: Dargestellt ist hier, laut dem Nachwort der Autorin, nicht Agnes von Ungarn, sondern die Heilige Clara. Zu finden sind die gotischen Farbfenster in der Kirche Königsfelden – diese wurden von Agnes gespendet und mitkonzipiert. Allerdings ist das Glasfenster, auf dem Agnes zu sehen war, zerstört.
Das Buchinnere ist wunderschön gestaltet: Es beginnt mit einer Karte, die das Wachstum des Habsburger Reiches zeigt und auf der auch einige Handlungsorte des Buches zu finden sind.
Die Handlung gliedert sich in einen Prolog (spielt 1287 in Wien) und vier Teile auf. Das erste Kapitel spielt zehn Jahre nach dem Prolog im November 1297. Das letzte der insgesamt 24 Kapitel setzt im September 1312 in Königsfelden an. Es folgen ein informatives Nachwort der Autorin, ein Personen- und Ortsverzeichnis, Worterklärungen, einige Abbildungen, eine Zeittafel, die Bibliografie und eine Kurzbiografie der Autorin. Besonders gefallen hat mir die Abbildung des imposanten „Agnesenmantels“ am Ende des Anhangs.
Mit ihrem bildhaften und farbenprächtigen Sprachstil hat mich Dorothe Zürcher ab der ersten Seite mitgenommen und ich begab mich auf eine atemberaubende, atmosphärische und lehrreiche Zeitreise. Die historischen Hintergründe sind akribisch recherchiert und Dorothe entführte mich mit viel Wissen an die Orte des Geschehens und ließ in meinem Kopf eindrückliche Bilder einer längst vergangenen Epoche entstehen.

„»Ich spreche von dir, Agnes. Du wirst Königin von Ungarn.«
Ungarn – sie hörte nur das Kriegsgeheul der Krieger, wenn sie an Ungarn dachte. Agnes spürte plötzlich die Schwere der Verantwortung auf sich.“

[Kapitel 2, Seite 26]

Ein Blick in das Personenverzeichnis am Ende des Buches zeigt, dass in diesem Buch eine große Menge an historischen Figuren vorkommen, aber auch ein paar Figuren, die historisch nicht verbürgt sind.
Mit Agnes von Habsburg und Ungarn steht eine historische Persönlichkeit im Zentrum des Geschehens, von der ich bisher nur sehr wenig wusste.
Zu Beginn des Buches ist sie ein kleines Mädchen, das mit ihren Eltern und Geschwistern aus Wien fliehen muss. Im ersten Kapitel ist Agnes ein fünfzehnjähriges Mädchen (damals junge Frau) und heiratet den mehr als doppelt so alten König Andreas III. von Ungarn. Dorothe Zürcher stellt Agnes sehr menschlich da: Sie hat Ängste, erleidet Schicksalsschläge und wird oft von ihren Gefühlen überrollt. Besonders gefallen hat mir, dass sie ihre Pflichten als Königin tatkräftig aufnimmt und sich auch nicht von Ausbremsungen und Rückschlägen unterkriegen lässt.
Die Personen, die unmittelbar an ihrer Seite stehen sind (fast) alle historische Persönlichkeiten, die Dorothe Zürcher gekonnt zum Leben erweckt damit lebensecht darstellt – hier sind an erster Stelle die Eltern von Agnes und ihr Ehemann Andreas zu nennen. Ich finde es einfach schön, diese Menschen der Vergangenheit zu treffen, sie ein Stück weit begleiten zu dürfen und einen Einblick in Menschenleben zu bekommen, von denen man bisher nur, wenn überhaupt, die Lebensdaten gewusst hat.
Die unverbürgten Figuren fügt Dorothe Zürcher gut in die Handlung ein und ergänzt mit ihnen die historischen Persönlichkeiten.
Mit ihren authentisch dargestellten Figuren, die in einen spannenden historischen Hintergrund eingebettet sind, zeigt Dorothea Zürcher ein sehr lebendiges Bild des Spätmittelalters (ca. 1250-ca. 1500) und setzt Agnes von Habsburg und Ungarn, die heute als heimliches Oberhaupt der frühen Habsburger-Dynastie und als eine der mächtigsten Frauen der Schweiz gilt, ein literarisches Denkmal.

„Sie wusste, was er in ihr sah: eine kinderlose Witwe ohne Macht und Mitspracherecht. Sie reckte sich. Sie war Königin und Habsburgerin.“

[Kapitel 12, Seite 161]

Den geschichtlichen Hintergrund bilden die Jahre von 1287-1312.
Seit dem Spätmittelalter waren die Habsburger zu einer der mächtigsten Fürstenfamilien Europas aufgestiegen und stellten bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches 21 Könige und Kaiser. Ausgehend von ihrer im 13. Jahrhundert errungenen Hausmacht über das Herzogtum Österreich erlangten sie zeitweilig die Herrschaft über einen großen Länderkomplex, der auch Ungarn, Böhmen, Teile Italiens und die Niederlande umfasste sowie die Königreiche Spanien und Portugal.
Agnes Vater Albrecht I. war der Sohn von Rudolf I. (1218-1291) – dieser war ab etwa 1240 Graf von Habsburg und von 1273 bis 1291 der erste römisch-deutsche König aus dem Geschlecht der Habsburger. Rudolf I. versuchte, Albrecht noch zu seinen eigenen Lebzeiten zum Mitkönig zu erheben, um die Königswürde im Haus Habsburg erblich zu machen. Das ließen die Kurfürsten, insbesondere der Pfalzgraf und die geistlichen Kurfürsten, jedoch nicht zu. Als Rudolfs Nachfolger wurde 1292 Adolf von Nassau zum neuen römisch-deutschen König gewählt.  In der Ritterschlacht von Göllheim im Juli 1298 fiel Adolf im Kampf gegen den Habsburger. Albrecht wurde zum deutschen König gewählt und im August 1298 in Aachen gekrönt.
Nach einigen politischen Auseinandersetzungen und einer geschickten Hochzeitspolitik schien eine politische Einigung Mitteleuropas unter der Führung der Habsburger zum Greifen nahe.
In Ungarn brachen nach dem Tod von Agnes Ehemanns König Andreas III. Wirren um die Thronfolge aus, vor denen sich Agnes in Wien in Sicherheit brachte. Es vergingen sieben Jahre und Agnes ging keine zweite Ehe ein. Nach dem Tod ihres Vaters kehrte Agnes in den Aargau zurück und kümmerte sich um die Verwaltung des habsburgischen Stammlandes.
Agnes war eine erfolgreiche Herrscherin, in der Schweizer Geschichte kursierte lange Zeit ein anderes Bild von ihr: Sie wurde als hinterhältig, blutrünstig und brutal beschrieben, die Tausende ermorden ließ. Da ich nicht zu viel von der Handlung vorwegnehmen möchte, gehe ich nicht weiter auf die geschichtlichen Hintergründe ein.
Diese mitunter komplexen historischen Hintergründe stellt Dorothe in ihrer Romanbiografie sehr anschaulich und nachvollziehbar dar und ich konnte meinen geschichtlichen Horizont wieder erweitern. Herzlichen Dank liebe Dorothe Zürcher für dieses gelungene Lese-Erlebnis.

Fazit: Die Romanbiografie „Ein geschwind listig Wib“ von Dorothe Zürcher ist eine sehr gelungene und lesenswerte Romanbiografie. Ich mochte die atmosphärische Geschichte ab dem ersten Moment und fühlte mich direkt in diese hineingezogen. Den Figuren konnte ich immer gut folgen und deren Gedanken, Gefühlen und Beweggründe nachvollziehen.
Dorothe Zürcher zeichnet mit ihrem bildhaften und farbenprächtigen Sprachstil ein sehr stimmungsvolles Bild einer längst vergangenen Epoche und nimmt den Leser/ die Leserin mit auf eine atemberaubende und lehrreiche Zeitreise. Absolut empfehlenswert.

*Ich habe für diese Rezension von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung eines kostenlosen Rezensionsexemplars, der uneingeschränkten Leseempfehlung und der Verlinkung der Homepage der Autorin und der Verlagshomepage, ist diese Rezension als WERBUNG gekennzeichnet.

„Die Zuverlässigkeit des Zufalls“

von Lilli Beck

[Werbung*]

Triggerwarnung: Buch und Rezension behandeln Themen wie Trauer, Verlust, Krankheit und Tod.

Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 07. Januar 2025
Verlag: Atlantik Verlag
Ausgaben: Paperback & eBook
ISBN: 978-3-455-01843-1
Seitenanzahl: 384 Seiten
Preise: 18,00€ (Paperback), 14,99€ (eBook)

Homepage:
https://hoffmann-und-campe.de/products/67086-die-zuverlaessigkeit-des-zufalls?variant=45344979714316

Klappentext:
„Nina-Marie hat eine kleine, feine Buch- und Blumenhandlung am Stadtrand. Seit dem Verlust ihrer großen Liebe hat sie sich in die Arbeit gestürzt und findet Trost darin, wunderschöne Sträuße zu binden oder ihre Kundinnen und Kunden und mit einer Buchempfehlung glücklich zu machen. Dass sie selbst noch einmal glücklich sein kann, daran glaubt sie nicht mehr. Als sie eines Tages einen wohlriechenden Strauß an einen übellaunigen älteren Herren ausliefert, wendet sich das Schicksal. Der Herr ist ein Bestsellerautor, der aber seit langem nicht mehr schreibt. Und auch sein Sohn ist Nina-Marie nicht unbekannt… Der Zufall beginnt, eine zarte Liebesgeschichte zu schreiben, die Ninas Leben neu aufblühen lässt.“

*Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise von der Autorin als signiertes Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank dafür.
– Ich habe von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistungen erhalten, die Rezension spiegelt meinen persönlichen Lese-Eindruck wieder.
– Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars, der Verlinkung der Verlags-Homepage und der Leseempfehlung kennzeichne ich diese Rezension als WERBUNG.

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Der Roman „Die Zuverlässigkeit des Zufalls“ von Lilli Beck spielt in Berlin und zeigt, wie eine junge und in tiefer Trauer gefangene Frau wieder neuen Lebensmut schöpft.

„Wir verkaufen die beiden vielleicht schönsten Dinge der Welt: Bücher und Blumen, weshalb unser Laden auch Buch & Blume heißt.“

[Seite 14]

Nach dem Verlust ihrer großen Liebe hat Nina-Marie sich ihren großen Traum einer eigenen Buchhandlung am Rande Berlins erfüllt. Zusammen mit ihrer Mutter führt sie die Buch- und Blumenhandlung Buch & Blume. Doch Nina-Marie ist in ihrer Trauer gefangen und sie glaubt selbst nicht daran, dass sie noch einmal in ihrem Leben glücklich werden kann.
Eines Tages muss sie einen Blumenstrauß an einen übelgelaunten älteren Mann ausliefern. Das Schicksal beginnt sich zu wenden, als sie Jack, den Sohn des Mannes, kennenlernt.
Kann Nina-Marie ihre alles überschattende Trauer überwinden?

Mit großer Begeisterung habe ich in den vergangenen Jahren die Buchreihe „Die Schwestern vom See“ gelesen. Mittlerweile gehört Lilli Beck zu meinen Lieblingsautorinnen – ich mag die ruhigen und emotionalen Geschichten sehr gerne und freue mich auf jede ihrer Neuerscheinungen. Als sie das Buch „Die Zuverlässigkeit des Zufalls“ ankündigte, weckten das bezaubernde Cover, der interessante Klappentext und der wunderbare Buchtitel mein Interesse. Ich bin selbst gelernte Gärtnerin und Buchhändlerin und träumte lange Zeit von einem eigenen Blumen- und Bücherladen. Dieses Buch musste ich einfach lesen und ich freute mich sehr, als die Autorin Ende Dezember 2024 eine Rezension bei mir anfragte. Nach meiner Zusage bekam ich Ende Januar 2025 das signierte Buch zusammen mit einer Autogrammkarte und einem Lesezeichen zugesendet – herzlichen Dank dafür.
Das ausgesprochen schöne Cover ist in zwei Teile aufgeteilt: Die obere Teil ist ein Foto eines Buchladens, in dessen Außenbereich einige Pflanzen stehen. Den Mittelpunkt bildet eine junge Frau in einem blauen Kleid, die gerade eine Pflanze an den Türrahmen hängt. Nach der Lektüre muss ich allerdings sagen, dass ich mir den Laden von Nina-Marie und ihrer Mutter ganz anderes vorstelle. Der untere Bereich des Covers wird mit dem Namen der Autorin und dem Buchtitel ausgefüllt.
Die Ausgabeart ist ein hochwertig gestaltetes Paperback mit Klappen und insgesamt 384 Seiten. Auf der vorderen Klappe findet sich ein kleiner Textausschnitt, auf der hinteren wird die Autorin mit einem Foto und einem Text vorgestellt. In den Innenklappen finden sich zwei Zitate.
Der Prolog des Buches spielt in Paris: Hier lernt der Leser/ die Leserin ein junges verliebtes Paar kennen. Mit dem ersten Kapitel von insgesamt 39 Kapiteln befinden wir uns im Heute: Auch hier erzählt Nina-Marie die Geschichte aus ihrer direkten Sicht. Durch diese Erzählperspektive kam ich Nina-Marie und ihren Gedanken und Gefühlen sehr nahe. In unregelmäßigen Abständen geht es wieder zurück in Nina-Maries und Erics gemeinsame Vergangenheit – allerdings in der auktorialen Erzählperspektive: Stück für Stück wird so auf zwei Zeitebenen die Geschichte erzählt. Der Epilog verbindet die beiden Erzählebenen miteinander und sorgt für einen gelungenen Abschluss der Geschichte.
Ab der ersten Seite nahm mich die Handlung mit und ich konnte völlig in dieser abtauchen. Auch wenn es eine sehr ruhige Geschichte ist, nahm ich das Buch immer wieder gerne in die Hände und freute mich aufs weiterlesen. Dafür sorgte ebenfalls der angenehme und bildhafte Sprachstil der Autorin – sie beschreibt die Handlungsorte so wunderbar, dass ich mir alles gut vorstellen konnte und verbindet tiefgründige Themen mit Leichtigkeit.

„Seit Wochen merke ich, wie erschöpft ich bin. Wie mich jeder Anfall von Trauer körperlich anstrengt. Dass ich mich an manchen Tagen wie ein zerfleddertes Buch mit Leserillen und umgeknickten Seiten fühle.“

[Seite 37]

Im Zentrum der Geschichte steht die Buchhändlerin Nina-Marie, die von einem harten Schicksalsschlag getroffen wurde. Nach einer viel zu kurzen Zeit des Glücks und des Verliebtseins, wird ihre große Liebe Eric aus dem Leben gerissen. Nina-Marie steht seit dem völlig neben sich – auch wenn sie sich den Traum einer eigenen Buchhandlung erfüllen konnte. Nicht nur beruflich ist sie eng mit ihrer Mutter verbunden, sie wohnt auch seit einiger Zeit wieder in der mütterlichen Wohnung. Nina-Marie ist eine sehr facettenreiche und interessante Figur. Einerseits wirkt sie in ihrem beruflichen Leben sehr professionell, andererseits liegt ihr Privatleben in Scherben. Diese innere Zerrissenheit hat Lilli Beck sehr gut herausgearbeitet und ich hätte Nina-Marie gerne das ein oder andere mal am liebsten ganz fest in den Arm genommen.
Neben Nina-Marie spielt Eric, ihre große Liebe, eine ganz besondere in diesem Buch. Auch wenn er zum Zeitpunkt der Handlung bereits verstorben ist, wird er durch die vielen Erinnerungen und liebevollen Beschreibungen wieder sehr greifbar – und man kann einfach nicht anders und muss diesen immer positiven und an Zufälle-glaubenden Mann einfach gerne haben. Man merkt, was er für Nina-Marie bedeutet hat.
Paula, Nina-Maries Mutter, ist der eigentliche Star in diesem Buch. Sie stupst ihre Tochter immer wieder an und konnte mir mit ihrer liebevollen und gleichzeitig doch auch etwas forschen mütterlichen Art, immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern.
Im Fortgang der Handlung lernt Nina-Marie Jack kennen. Er steht im krassen Gegensatz zu Erik, denn er denkt sehr rational. Auch wenn eine Künstlerseele in ihm schlummert, muss er doch einen Brotjob erledigen, der ihm nicht wirklich Freude macht.
Der ältere mürrische Herr, dem Nina-Marie Blumen ausliefert, bereichert die Geschichte noch einmal mehr. Um nicht zu viel von der Handlung vorwegzunehmen, möchte ich an dieser Stelle nicht näher auf diesen spannenden Charakter und seine Geschichte eingehen.
Lilli Beck hat eine Handvoll liebenswerter und facettenreicher Figuren geschaffen, die ich gerne begleitet habe, die mich mit ihren Handlungen und Denkweisen überzeugen konnten und mit Sicherheit noch lange in meinem Herzen bleiben werden.

„»Ich bin ganz deiner Meinung, ohne Erlebnisse, Erfahrungen, Dramen und Schicksalsschläge wären wir nicht die, die wir heute sind. Aber sich daran zu klammern, hieße, in der Vergangenheit stehenbleiben. Sich nicht weiterzuentwickeln. Wir leben jetzt, und wenn wir eine Zukunft haben wollen, sollten wir Neues zulassen. Wer Neuem keine Chance gibt, blockiert jegliche Veränderung. Verhindert, jemals wieder glücklich zu werden. (…)«“

[Seite 336]

Das große Thema des Buches ist die Trauerbewältigung. Jeder Mensch geht mit dem Verlust eines geliebten Menschen anderes um, jeder verarbeitet es anders. Lilli Beck stellt dieses bewegende, emotionale und tiefsinnige Thema sehr einfühlsam da.
Danke liebe Lilli Beck für die tollen Lesestunden und die Geschichte, die für mich persönlich einfach zur richtigen Zeit kam.

Fazit: Das Buch „Die Zuverlässigkeit des Zufalls“ von Lilli Beck hat mich auf vielen Ebenen überzeugt: Facettenreiche Figuren, eine wunderbare Sprache und eine tiefsinnige, emotionale und bewegende Handlung, die mich ab der ersten Seite in ihren Bann gezogen hat. Sehr sehr lesenswert – ein absolutes Jahres-Highlight!

*Ich habe für diese Rezension von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung eines kostenlosen Rezensionsexemplars, der uneingeschränkten Leseempfehlung und der Verlinkung der Homepage der Autorin, ist diese Rezension als WERBUNG gekennzeichnet.

„Ein fast fehlerloser Prinz – Die Cossin-Saga“

von Kristina Herzog

[Werbung*]

Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 04. Februar 2025
Verlag: Selbst-Verlag
Ausgaben: Taschenbuch & eBook
ISBN: 978-3910798076
Seitenanzahl: 280 Seiten
Preise: 14,99€ (Taschenbuch), 04,99€ (eBook)
Reihe: „Die Cossin-Saga“, Band 03 von 03

Homepage:
https://www.kristinaherzog.de/ein-fast-fehlerloser-prinz/

Klappentext:
„Ein attraktiver englischer Prinz, eine liebevolle Freundschaft, aus der sich starke Gefühle entwickeln und ein aufregender Sommer, der das Leben einer jungen Frau für immer verändert. Der romantische dritte Band der Regency–Liebesroman-Reihe über die Familie Cossin.
Nichts ist für Luise von Cossin so schwierig, wie sich von ihren begabten Geschwistern abzuheben. Da trifft es sich gut, dass sich ein Gast bei ihrem Freund Waldemar angesagt hat: Ein waschechter britischer Prinz, der nach Preußen kommt, um sich auf Brautschau zu begeben. Luise ist fest entschlossen, sein Herz zu gewinnen und ihre Familie stolz zu machen. Doch sie ist nicht die Einzige, die den Prinzen von ihren Qualitäten überzeugen will, so dass sie sich ziemlich ins Zeug legen muss, um sich von den Konkurrentinnen abzuheben. Sie besucht Bälle, Picknicks, sogar sportliche Veranstaltungen und tut alles, um den hohen Ansprüchen eines Prinzen gerecht zu werden. Waldemar entdeckt derweil, dass er tiefere Gefühle für Luise hegt. Dann geschehen beunruhigende Dinge, die Luises Entschluss allmählich ins Wanken bringen. Ist sie auf dem richtigen Weg, um ihr Glück zu finden?
Eine berührende und bezaubernde historische Liebesgeschichte mit großen Gefühlen.“

*Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise von der Autorin als vorzeitiges Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank dafür.
– Ich habe von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistungen erhalten, die Rezension spiegelt meinen persönlichen Lese-Eindruck wieder.
– Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars kennzeichne ich diese Rezension als Werbung.

– Meine ausführliche Rezension zum ersten Band findet ihr hier: „Ein fast perfekter Herzog – Die Cossin-Saga“, zum zweiten Band hier: „Ein fast tadelloser Graf – Die Cossin-Saga“
– Solltet ihr die ersten Bände noch nicht gelesen haben, dies aber wollen, solltet ihr diese Rezension nicht lesen – Spoilergefahr!

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Das Buch „Ein fast fehlerloser Prinz“ von Kristina Herzog ist der dritte Band der historischen Liebesroman-Reihe  „Die Cossin-Saga“, welche in Preußen des 19. Jahrhunderts spielt und in dem die junge Luise um die Gunst eines englischen Prinzen kämpft.

„Sie war keine derartige Kämpferin wie ihre beiden älteren Schwestern und hatte stets das Gefühl gehabt, ein wenig hinter Friederikes Impulsivität und Charlottes ausgeprägten Willen unterzugehen.“

[Kapitel Eins, Seite 08]

Preußen im 19. Jahrhundert: Nachdem die beiden älteren Schwestern von Luise von Cossin mit einem Herzog und einem Grafen verheiratet sind, möchte sie sich auch nach einem geeigneten Ehemann umschauen – und sich vor allem mit ihrer Wahl von ihren Schwestern abheben.
Als der englische Prinz Robert bei Luises Freund Waldemar absteigt und sich auf Brautschau begibt, sieht Luise ihre Chance gekommen – sie ist fest entschlossen das Herz des Prinzen zu erobern. Sie möchte ihre Familie stolz auf sich zu machen, endlich in ihren Platz im Leben und das persönliche Glück finden.
Doch Luise ist nicht die Einzige, die den Prinzen überzeugen möchte, es gibt zahlreiche Konkurrentinnen.
Und als dann noch beunruhigende Dinge geschehen und Waldemar erkennt, dass er Gefühle für Luise hat, gerät Luises ergeiziger Plan immer mehr ins Wanken.

Mit ihrer „Sternberg-Saga“, welche mich mit den starken und authentischen Charakteren, der spannenden Handlung und den akribisch recherchierten geschichtlichen Hintergründen völlig begeistern konnte, hat sich die Autorin Kristina Herzog fest in mein Leserherz geschrieben und sie gehört mittlerweile zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen. Nach Ende des dritten und letzten Bandes der „Sternberg-Saga“ war ich sehr traurig, als ich die Geschichte und die liebgewonnen Figuren verlassen musste. Umso größer war die Freude, als die Autorin ihre neue Buchreihe „Die Cossin-Saga“ ankündigte, welche zwar in einer anderen Zeit spielt und eher Richtung ‚historischer Liebesroman‘ geht und trotzdem mein Interesse geweckt hat.
Der Auftakt der Reihe „Ein fast perfekter Herzog“ hat mich und mein Herz zum Tanzen gebracht, denn es ist eine herrliche und romantische Liebesgeschichte, in der ich versinken konnte und ich mich einfach nur wohlgefühlt habe. Auch die etwa 280 Seiten des zweiten Bandes „Ein fast tadelloser Graf“ flogen so dahin und ich mochte die vielschichtigen Charaktere, die Irrungen und Wirrungen, die Dramatik und Romantik in dieser Geschichte sehr gerne.
Deshalb war es absolut klar, dass ich auch den dritten Band lesen wollte, welchen ich freundlicherweise von der Autorin als vorzeitiges, kostenloses und signiertes Rezensionsexemplar zugesendet bekommen habe, wofür ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken möchte.

Das wunderschöne und stimmige Cover passt hervorragend zum ersten und zweiten Band der Reihe.
Zu sehen ist eine Frau, welches ein goldfarbenes Kleid mit weißen Elementen trägt (ja, dieses Kleid kommt in der Handlung vor) vor einem mit Vorhängen verhängten Fenster seitlich zum Betrachter steht. Die oberer Hälfte des Kopfes der Frau ist am oberen Bildrand ‚abgeschnitten‘ – so kann sich jeder Leser/ jede Leserin selbst ein Bild von der Hauptfigur machen.

Die Ausgabeart des Buches ist ein einfaches Taschenbuch mit 280 Seiten. Diese Seiten teilen sich auf zwanzig Kapitel, einen Epilog und ein Nachwort der Autorin auf.
Wie in den ersten beiden Bänden der Reihe stehen in den Kapiteln abwechselnd die verschiedenen Figuren im Mittelpunkt der Geschichte, wodurch deren Gefühle und Hintergründe gut zu erfassen sind. Außerdem sorgen diese Perspektivwechsel für einen guten Lesefluss – ich konnte schnell in die Geschichte abtauchen und fand mich schnell wieder zurecht.
Dazu trägt auch der bildhafte und detaillierte Sprachstil von Kristina Herzog bei: Dieser hat mich von Anfang an mit in die Geschichte genommen und mich die Zeit während des Lesens völlig vergessen. Ab der ersten Seite war ich wieder ein Teil der wunderbaren Familie von Cossin und freute mich so sehr viele der liebgewonnenen Charaktere wieder zu treffen.
Dadurch, dass in diesem Band andere Figuren im Zentrum stehen als in den ersten beiden Bänden, empfinde ich es als nicht unbedingt erforderlich, dass man diese im Vorfeld gelesen haben muss. Allerdings finde ich, dass die Geschichte runder wirkt, wenn man die ersten beiden Bände im Vorfeld gelesen hat – und man freut sich einfach die vielen Charaktere wieder zu treffen.

„Sie war entschlossen, ihre Familie nicht zu enttäuschen. Nicht, dass jemals irgendwer eine derartige Erwartung formuliert hätte, aber Luise glaubte stets, im Schatten ihrer Geschwister zu stehen und weniger Aufmerksamkeit von ihren Eltern zu bekommen als ihre Brüder und Schwestern. Eine herausragende Heirat würde diesen Umstand allerdings schnell ändern. Würde sie eine Prinzessin werden, wäre ihr das Interesse sämtlicher Familienmitglieder gewiss.“

[Kapitel Zwei, Seite 22]

Im ersten Band der Reihe steht Friederike im Mittelpunkt der Geschichte, im zweiten Band ist es Charlotte und im dritten Band nun Luise.
Mit ihrer ruhigen, unaufgeregten und doch auch kämpferischen Art habe ich Luise schnell in mein Herz geschlossen. Sie bleibt sich selbst nicht immer ganz treu und ist verzweifelt auf der Suche nach ihrem Platz im Leben und nach ihrem persönlichen Glück. Sie ist so gefangen in ihrem Denken, die Familie stolz zu machen und die Aufmerksamkeit ihrer Familie zu bekommen, dass sie einige Dinge und Menschen in ihrem unmittelbaren Umfeld nicht mehr richtig erkennen und einschätzen kann. Luise ist ein unglaublich starker, aber gleichzeitig verunsicherter Charakter.
An Luises Seite steht ihr gutherziger Freund Waldemar: Nachdem er unglücklich in Friederike, Luises älteste Schwester, verliebt war, hat er mit der Liebe abgeschlossen und kümmert sich um den Familienbesitz. Er packt an, wo er gebraucht wird und ist sich für keine Arbeit zu schade – einfach ein richtig sympathischer Charakter. Für Luise ist er der Fels in der Brandung. Als sich jedoch der englische Prinz Robert samt Gefolge bei ihm einnistet, bringt das große Unruhe in sein und auch in Luises Leben. Ich mochte die ehrliche Freundschaft zwischen den beiden Charakteren. Waldemar wird ab einem gewissen Punkt klar, dass er tiefere Gefühle für Luise hat, Luise hingegen ist fest entschlossen das Herz des Prinzen zu gewinnen. Manches Mal hätte ich Luise und Waldemar gerne zugerufen, dass sie mal unbedingt miteinander sprechen und sich gegenseitig zuhören sollen.
Prinz Robert aus England ist ein Charakter, den ich von Anfang an wenig fassen konnte. Er hat auch sein Päckchen zu tragen und es gibt Gründe, warum er so ist, wie er ist. Um nicht zu viel von der Handlung und der Spannung vorwegzunehmen, möchte ich hier nicht detailliert auf diesen Charakter eingehen – lest am besten selbst. 🙂
Viele der vorkommenden Figuren sind bereits aus dem ersten beiden Bänden bekannt und ich freute mich sehr, diese wieder zu treffen und weiter zu begleiten. Es kommen auch einige neue Figuren hinzu – sie alle konnten mich, wie auch die bereits bekannten Figuren, mit ihrer Vielfältigkeit und ihrer Lebendigkeit überzeugen.

„Durch das unliebsame Interesse, das der Prinz an Luise entwickelt hatte, verdüsterte sich Waldemars Leben außerdem. Vorher war alles so einfach gewesen, so unkompliziert und fröhlich. Nun aber wirkte alles dunkel und schwer.“

[Kapitel Zwölf, Seite 149]

Die geschichtlichen Hintergründe treten auch in dieser Geschichte in den Hintergrund, dafür bildet Kristina Herzog durch ihre glaubhaft gezeichneten Figuren ein sehr authentisches Bild der Gesellschaft des 19. Jahrhundert. und gibt durch sie interessante Einblicke in die damalige Denk- und Lebensweisen. Wunderbar fand ich die dargestellten Unterschiede zwischen dem englischen und preußischen Adel und die Unterhaltungsspiele dieser Zeit.
Nun freue mich, dass diese Buchreihe nicht, wie befürchtet, zu Ende ist, sondern weitergehen wird und fiebere einem weiteren Treffen mit Familie von Cossin entgegen.
Danke liebe Kristina Herzog für dieses erneute wunderbare Lesevergnügen.

Fazit: „Ein fast fehlerloser Prinz“ von Kristina Herzog ist ein lesenswerter dritter Band einer insgesamt ganz wunderbaren und überzeugenden Buchreihe. Die vielfältigen Charaktere, deren mitreißenden Geschichten und der lebendige und einnehmende Sprachstil der Autorin konnten mich von Anfang abholen und nahmen mich mit in diese gefühlvolle Geschichte. Sehr lesenswert!

*Ich habe für diese Rezension von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung eines kostenlosen Rezensionsexemplars, der uneingeschränkten Leseempfehlung und der Verlinkung der Homepage der Autorin, ist diese Rezension als WERBUNG gekennzeichnet.


„Die Schwestern von Krakau“

von Bettina Storks

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 27. Dezember 2024 (eBook), 15. Januar 2025 (Paperback)
Verlag: Heyne
Ausgaben: Paperback & eBook
ISBN: 978-3-453-36118-8
Seitenanzahl: 576 Seiten
Preise: 17,00€ (Paperback), 13,99€ (eBook)

Klappentext:
„Als Édiths Vater Simon Mercier 2016 in Paris stirbt, erfährt die 53-Jährige völlig überraschend von ihren deutsch-polnischen Wurzeln. Anscheinend war Simon ein angenommenes Kind, dessen jüdischer Vater Opfer der großen Razzia im Juli 1942 wurde. Doch wie ist Simon in die Familie Mercier gekommen und was geschah mit Simons Mutter Helene? Als Édith ihre Großcousine Tatjana in der Nähe von Stuttgart ausfindig macht, suchen die Frauen gemeinsam nach Antworten und beginnen, ein jahrzehntelanges Schweigen zu durchbrechen. Wie hat Helenes Schwester, Tatjanas Großmutter Lilo, damals im von Deutschen besetzten Polen gelebt? In Krakau stoßen sie auf eine Apotheke, die nicht nur für Lilo eine zentrale Rolle gespielt hat, sondern auch für den jüdischen Widerstand.“

Homepage:
https://www.penguin.de/buecher/bettina-storks-die-schwestern-von-krakau/paperback/9783453361188

https://www.bettinastorks.de/die-schwestern-von-krakau/

Hinweise:
– Dieses Buch durfte ich testlesen – herzlichen Dank an die Autorin.
– Ich habe von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistungen erhalten, die Rezension spiegelt meinen persönlichen Lese-Eindruck wieder.
– Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen
Vorab-Exemplars und der Verlinkung der Verlagshomepage und der Homepage der Autorin, kennzeichne ich diese Rezension als Werbung.

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Das Buch „Die Schwestern von Krakau“ von Bettina Storks ist ein Roman, der auf zwei Zeitebenen vorwiegend in Krakau, Paris und Fellbach spielt und zeigt wie zwei Frauen das jahrzehntelange Schweigen ihrer Familie zu durchbrechen versuchen.

„»Helene ist mir immer wie eine Schwester gewesen, und das bist du jetzt auch für mich. Gemeinsam sind wir die Schwestern von Krakau. Einverstanden?«“

[Kapitel 44]

Paris 2016: Kurz nach dem Tod ihres Vater Simon erfährt Édith, dass er ein angenommenes Kind der Familie war. Simons jüdischer Vater wurde Opfer der großen Razzia im Jahr 1942 in Paris. Die Spuren von Simons Mutter Helene führen nach Krakau.
Als Édith ihre Großcousine Tatjana in Fellbach (in der Nähe von Stuttgart) ausfindig macht, versuchen die beiden Frauen gemeinsam Licht in die lang gehüteten Familiengeheimnisse zu bringen. Tatjana reist nach Krakau, um dort dem Leben ihrer bereits verstorbenen Großmutter Lilo und deren Schwester Helene nachzuspüren. Die beiden Schwestern wuchsen in dem von Deutschen besetzten Polen als sogenannte Reichsdeutsche auf. In einer Apotheke findet sich eine Spur von Lilo – dort scheint sie eine zentrale Rolle gespielt zu haben. Doch was hat der jüdische Widerstand mit Lilos Leben zu tun?

Bettina Storks gehört bereits seit einigen Jahren zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen und begeistert mich mit ihren vielfältigen, lehrreichen und authentischen Geschichten und den akribisch recherchierten Hintergründen immer wieder aufs Neue. Es sind Geschichten, die unter die Haut gehen und sich abseits des Gewohnten befinden.
Zuletzt konnte sie mich mit ihrem Buch „Die Kinder von Beauvallon“ bestens unterhalten und auch hier neues Buch „Die Schwestern von Krakau“ versprach ein ähnlich emotionales Leseerlebnis. An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei der Autorin für ihr Vertrauen bedanken, denn ich durfte das Buch vorab als Testleserin lesen.
Das Cover zeigt zwei junge Frauen, die an einer Mauer stehen. Dahinter erhebt sich die in schwarz-weiß gehaltene Stadt Krakau – unverwechselbar mit dem Rathausturm in der Mitte. Auch dieses Cover zeigt, wie viele Bücher von Bettina Storks, eine Szene aus dem Buch – und man erkennt zwei der Hauptfiguren.
Erschienen ist das Buch als eBook und als hochwertig gestaltetes Paperback mit 576 Seiten. Auf der vorderen Klappe befindet sich ein kurzes Interview mit der Autorin, innen finden sich verschiedene Abbildungen zu den Figuren und Handlungsorten. Auf der hinteren Klappe wird die Autorin mit einer Biografie und einem Foto vorgestellt, im Inneren wir das Buch „Die Kinder von Beauvallon“ vorgestellt.

„Es war etwas anderes, an diesem Ort mit seinen eigenen Füßen zu stehen, anstatt mit den Fingerspitzen auf einem Stadtplan den Straßen zu folgen. Es bedeutete, die ambivalenten Gefühle zwischen dem widersprüchlichen Wunsch nach Entschuldung ihrer eigenen Familie und dem nach der schonungslosen Wahrheit auszuhalten.“

[Kapitel 15]

Die Handlung beginnt mit einem im April 1943 in Krakau ansetzenden und emotionalen Prolog – dieser hat mich direkt abgeholt und in die Geschichte gezogen. Danach geht es ins Frühjahr 2017 nach Paris, hier lernt der Leser/ die Leserin zuerst die Charaktere Édith Mercier und ihre Tante Adeline kennen – und die Geschichte des bereits verstorbenen Simon – Vater von Édith und Bruder von Adeline.
Im weiteren Verlauf geht es dann nach Bad-Canstatt und Fellbach bei Stuttgart – auch dieser Erzählstrang spielt im Frühjahr 2017. Hier stehen Tatjana und ihre Mutter Doro im Mittelpunkt und es gibt erste Rückblicke auf das Leben von Lilo Wagner – der Mutter von Doro und Großmutter von Tatjana.
Die beiden Erzählstränge wechseln sich ab, bis dann eine dritte Erzählebene hinzu kommt: Diese beginnt im Frühjahr 1941 und spielt in Krakau. Neben Lilo Wagner steht auch Helene, ihre jüngere Schwester und ihre gemeinsamen Eltern im Mittelpunkt der Geschichte. Die Familie lebt als sogenannte Reichsdeutsche in Krakau, Lilo arbeitet in einer Apotheke, sie sich im Krakauer Ghetto befindet und (zusammen mit dem Inhaber) zum Dreh- und Angelpunkt der Geschichte wird. Dieser Erzählstrang arbeitet sich fortwährend auf die Geschehnisse des Prologs zu.
Im Fortgang der Handlung verbinden sich diese Handlungsstränge und Erzählebenen immer mehr und bilden eine große und zusammenhängende Geschichte.
Der Epilog, der 1946 in Krakau spielt, geht schlussendlich nochmals auf die Geschehnisse des Prologs ein und führt auch diesen Erzählstrang zu einem Ende.
Zu Beginn ist nicht wirklich klar, wie alles miteinander zusammenhängt – doch ab einem gewissen Punkt machte es dann ‚klick‘ und ich versank voll und ganz in dieser emotionalen und dramatischen Geschichte – die Seiten flogen nur so dahin. Bettina Storks verbindet gekonnt historische Fakten mit den Schicksalen ihrer fiktiven und auch historischen Figuren.
Dazu kam der äußerst bildhafte und sehr angenehme Sprachstil der Autorin und die vielen und vielfältigen Figuren, die Bettina Storks sehr ambivalent und lebensecht gezeichnet hat.

„»(…) Was soll ich sagen? Mir ist das meiste, was Sie sagen, fremd, vollkommen neu. Trotzdem weiß ich schon lange, dass in meiner Familiengeschichte eine große Lücke klafft. Lilo hat nicht viel über ihre Vergangenheit gesagt, geschweige denn erklärt.«“

[Kapitel 08]


Alle Figuren, egal ob Haupt- oder Nebenfiguren und fiktiv oder historisch, konnten mich mit ihren individuellen Lebensgeschichten und ihren Hintergründen und ihren vielen Facetten bestens unterhalten. Ich habe zu allen ein große Verbindung gespürt – ganz besonders zu Lilo. Sie ist auf der einen Seite so stark, trägt aber doch auch große Ängste mit sich herum und ist mitunter auch verunsichert und erleidet immer wieder Rückschläge. Diese spornen sie jedoch eher an und sie lässt sich nicht unterkriegen.
Der Apotheker Tadeusz Pankiewicz (1908 – 1993) ist eine der historischen Figuren des Buches. Er wird mit seiner eindringlichen Geschichte mit Sicherheit noch lange nachklingen. Ebenso wie die Geschichte um die ebenfalls historische Gusta Draenger – zwei Widerstandskämpfer, deren Erinnerungen den historischen Kern des Romans bilden. Die Geschichte um die deutschstämmige Familie Wagner ist hingegen rein fiktiv.
Den geschichtlichen, politischen und gesellschaftlichen Hintergrund bildet das Jahr 1942 in Krakau. Mit dem Überfall Polens durch die Wehrmacht begann am 01. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Fünf Tage später wurde Krakau besetzt und die Besatzer errichteten am rechten Weichselufer für jüdische Stadtbürger das Ghetto Krakau. Hier wurden zeitweise 20.000 Menschen als Arbeitssklaven gefangen gehalten und im Herbst 1941 2.000 Menschen aus dem Ghetto für die Tötung „selektiert“, weggebracht oder dort ermordet.
Und genau hier entstand ein jüdischer Widerstand, die zionistische Bewegung Akiba, die mit ihren Aktionen teilweise die Pläne der Deutschen sabotierten und durchkreuzten.
Es wohnten auch die sogenannten Reichsdeutschen in Krakau, hier dargestellt durch Familie Wagner, die im Besitz der vollen politischen Rechte waren.
Bettina Storks hat diese Hintergründe akribisch recherchiert und stellt diese mit ihren fiktiven Figuren und deren Lebensgeschichten sehr nachvollziehbar da.
Nebenbei habe ich noch einiges zu der Geschichte Krakaus gelernt und möchte die Stadt irgendwann gerne besuchen.

„Die Schwestern waren so unterschiedliche Wege gegangen, und keine hatte den elterlichen Ansprüchen genügt, im Gegenteil. Am Ende hatten die Schwestern die Eltern enttäuscht (…).“

[Kapitel 31]


Am Ende dieser Rezension möchte ich mich ganz herzlich bei Bettina Storks für dieses lehrreiche und emotionale Lesevergnügen bedanken. Alles Gute für dein neues Buch – und ich wünsche dir für diese mitreißende und emotionale Geschichte viele begeisterte Leser und Leserinnen.

Fazit: Das Buch „Die Schwestern von Krakau“ von Bettina Storks ist ein bestens recherchierter historischer Roman. Auf mehreren Zeitebenen spielend und mit interessanten und facettenreichen Figuren ausgestattet lässt dieser lehrreiche und spannende Roman keine Wünsche offen. Sehr lesenswert und eine absolute Leseempfehlung für dieses Highlight!

*Ich habe für diese Rezension von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung eines Vorab-Exemplars und der uneingeschränkten Leseempfehlung ist diese Rezension als Werbung gekennzeichnet.

„Mein Herz bei ihr“

von Rosina Grün

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 28. Oktober 2024
Verlag: BoD
Ausgaben: Taschenbuch & eBook
ISBN: 978-3758338359
Seitenanzahl: 394 Seiten
Preise: 16,99€ (Taschenbuch), 04,99€ (eBook)

Klappentext:
„Als Mayla ihre Großmutter besucht, ahnt sie nicht, dass eine geheimnisvolle Entdeckung die Familiengeschichte ins Wanken bringen wird. In einer alten Kiste findet sie Liebesbriefe. Die Absenderin: Betty. Die Empfängerin: Maylas Großmutter. Verwirrt beginnt Mayla Fragen zu stellen, die ihre Großmutter dazu bewegen, Stück für Stück ihre Vergangenheit zu enthüllen. Norwegen, 1965: Emma lebt ein bescheidenes Leben in Bergen, wo sie zusammen mit ihrem besten Freund auf dem Markt arbeitet. Ihr Alltag verläuft ruhig und vorhersehbar – bis eine junge Frau auftaucht, die ihre gesamte Welt auf den Kopf stellt und eine einzige Entscheidung alles verändert.“

Kontakt:
https://www.rosinagruen.com

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise von der Autorin als Rezensionsexemplar erhalten – ganz herzlichen Dank dafür!
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

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Das Buch „Mein Herz bei ihr“ von Rosina Grün ist ein Roman, der in Norwegen spielt, auf zwei Zeitebenen erzählt wird und zeigt, wie ein lang gehütetes Familiengeheimnis aus der Vergangenheit ans Licht kommt.

„Du darfst einfach nicht darauf warten, dass alles perfekt ist, bevor du dich dazu entscheidest glücklich zu sein.“

[Kapitel 8]

Als Mayla ihre Großmutter Emma in Norwegen besucht, entdeckt sie eine Kiste mit Liebesbriefen. Diese sind an ihre Oma adressiert, Absender ist eine Betty aus den USA.
Mayla möchte Antworten und so beginnt Emma von ihrer Vergangenheit zu erzählen. Damals, als sie im Jahr 1966 in Bergen ein bescheidenes Leben geführt hat. Zusammen mit ihrem Freund arbeitet sie auf dem Markt, jeder Tag gleicht dem anderen – doch dann taucht Betty auf und stellt Emmas Leben und ihre Gefühlswelt auf den Kopf …

Anfang Dezember fragte die Autorin Rosina Grün an, ob ich ihren Debütroman „Mein Herz bei ihr“ lesen und rezensieren möchte. Nachdem ich den Klappentext gelesen hatte, war mein Interesse an dieser Geschichte geweckt – ich liebe Romane, die auf zwei Zeitebenen erzählt werden und in denen große Familiengeheimnisse ans Licht kommen. Also sagte ich der Autorin zu und bekam das eBook wenig später zugesendet. An dieser Stelle ganz herzlichen Dank dafür.
Neben dem Klappentext sprach mich auch das wunderschöne Cover an: Hier sind zwei Figuren (die beiden Hauptfiguren) im Scherenschnitt zu sehen, die dicht beieinander auf einer Wiese stehen. Rechts von ihnen steht eine Fichte, der stimmungsvolle Titel des Buches befindet sich über dieser Szenerie, der Name der Autorin ist im unteren Bereich des Covers zu finden.
Die Taschenbuch-Ausgabe hat insgesamt 394 Seiten, die sich auf 21 Kapitel verteilen. Die ersten drei Kapitel spielen im Hier und Jetzt – dann geht es mit dem vierten Kapitel zurück in die Vergangenheit in das Jahr 1965. Das letzte Kapitel spielt dann wieder in der Gegenwart und verspricht mit dem recht offenen Ende eine Fortsetzung. Zwischen den Kapiteln finden sich viele Briefe, welche einerseits einigen Geschehnissen des folgenden Kapitels vorgreifen und somit auch Spannung aufgebaut wird, gleichzeitig aber auch für eine zeitliche Orientierung im zweiten Erzählstrang sorgen.

„Meine Tage waren wie immer gewesen. Jeden Tag um halb fünf aufstehen, den Lieferwagen bepacken und auf der Fahrt zum Markt dieselben drei Lieder singen. Hatte ich davor tatsächlich Freude daran gehabt, so ging mir diese Routine mittlerweile auf die Nerven. Ich sehnte mich nach etwas Neuem, etwas Aufregendem, und ich hatte das Gefühl, dass die junge Frau mir genau das bieten könnte.“

[Kapitel 5]

Ab der ersten Seite hat mich diese gefühlvolle, emotionale und wichtige Geschichte mitgenommen – nur ungern legte ich das Buch zur Seite. Und ja: Ich musste (vor allem zum Ende hin) ein paar Tränchen verdrücken…
Die vielschichtigen Charaktere konnten mich mit ihren Entwicklungen überzeugen und außerdem konnte ich schnell eine Beziehung zu ihnen aufbauen – ganz besonders schnell zu der liebenswerten Emma, die direkt zu Beginn der Geschichte präsent ist und aus deren Sicht die Geschichte rückblickend erzählt wird.
Betty, die erst ein paar Kapitel später auftaucht, mochte ich auch sehr – allerdings dauerte es bei ihr etwas länger, bis ich sie und ihren Charakter und ihre Geschichte richtig erfassen konnte. Das liegt auch daran, dass sie selbst diese nur immer bruchstückhaft für Emma enthüllt.
Zwischen diesen beiden weiblichen Hauptfiguren steht Chris. Er ist der Sohn der Familie, bei der Emma lebt. Die beiden sind wie Geschwister aufgewachsen und dementsprechend eng ist ihre Bindung. Während Chris Gefühle für Emma hat, bleiben diese Gefühle bei Emma aus. Sie schätzt ihn sehr, aber sie liebt ihn nicht.
Eine weitere Figur, welche mich sehr positiv überrascht ist Sven: Anfangs kommt er nur am Rand vor und doch findet er in dieser Geschichte seinen Platz – und konnte mich doch sehr überraschen.
Neben diesen Hauptfiguren stehen noch einige weitere Charaktere: Sie alle sind liebevoll und vielseitig gezeichnet und tragen für den Fortgang der Handlung bei. Ich konnte ihnen allen gut folgen und wurde das ein oder andere Mal von ihren Gedanken und Handlungen überrascht.

Der Autorin ist es wunderbar gelungen das Thema gleichgeschlechtliche Liebe sehr feinfühlig darzustellen. Auf der zweiten Erzählebene zeigt sie die gesellschaftlichen Hintergründe und Ansichten zu dieser Zeit und setzt diese in Bezug zu den Schwierigkeiten und Vorurteilen, denen das Paar ausgesetzt war.
Mit ihrem ruhigen und unaufgeregten Sprachstil baut Rosina Grün eine Handlung auf, die ruhige aber auch spannende Passagen hat und sich vor allem zum Ende hin dramatisch zuspitzt.
Außerdem beschreibt sie die Handlungsorte so, dass der Leser/ die Leserin das Gefühl hat live dabei zu sein: Auf dem Markt in Bergen, auf einem Konzert der Rolling Stones oder dem Lieblingsplatz der Beiden mitten im Wald.
Danke liebe Rosina für dieses emotionale Leseerlebnis und ich bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzung, die ich mit Sicherheit lesen werde.

Fazit: Der Roman „Mein Herz bei ihr“ von Rosina Grün erzählt eine sehr wichtige Geschichte und ist wie eine Achterbahnfahrt der Gefühle – brillant, mitreißend und unvergesslich! Ich bin schon so gespannt auf den zweiten Band. Sehr lesenswert!


*Ich habe für diese Rezension von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung eines Rezensionsexemplars und der uneingeschränkten Leseempfehlung ist diese Rezension als Werbung gekennzeichnet.

„Am Hof des purpurnen Königs“

von Silvia Hildebrandt

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 26. November 2024
Verlag: Selbstverlag
Ausgaben: Taschenbuch, Hardvover & eBook
ISBN:  978-3964034298 (Taschenbuch), 978-3964034304 (Hardcover)
Seitenanzahl: 336 Seiten
Preise: 18,00€ (Taschenbuch), 26,00€ (Hardcover), 06,99€ (eBook)

Klappentext:
„England 1377.
Richard ist zehn Jahre alt, als er zum König gekrönt wird. Die Ränkespiele und Intrigen am Hof setzen dem Jungen zu, der als Kindermonarch in einer geradezu grotesken Wirklichkeit aufwächst. Sein einziger Vertrauter ist der Ritter Robert de Vere.
Als Richard heranwächst, wird er mit gewaltigen Herausforderungen konfrontiert. Das Volk ist unzufrieden und probt den Aufstand. Richards Lords scheinen sich gegen ihn zu verschwören, um ihre eigene Macht zu sichern. Sie verhöhnen ihn als weibisch und schwach, weil er lieber Bücher liest, statt Kriege zu führen. Richard hingegen spürt, dass er mehr für Robert de Vere empfindet als nur Freundschaft. Seine Zuneigung zu seinem Ersten Ritter stürzt England schließlich in einen Bürgerkrieg …“


Kontakt:
https://www.instagram.com/silvia.hildebrandt/

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise von der Autorin als Geschenk erhalten – ganz herzlichen Dank dafür!
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

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Der historische Roman „Am Hof des purpurnen Königs“ von Silvia Hildebrandt spielt in England des 14. Jahrhunderts und zeichnet das Leben von König Richard II. nach.

„Ich war mit einem Mal erwachsen geworden, aber mein Körper hatte nicht genug Kraft, mit meiner Seele mitzuhalten und so wandelte ich in erschöpften Tagträumen, einen Tag nach dem anderen.“

[III. Teil, Seite 188, Kapitel 5]

England 1377: Mit zehn Jahren wird Richard König von England und muss damit von einem Moment auf den anderen erwachsen werden. An seiner Seite stehen viele Verwandte – und sein Freund und Vertrauter Robert de Vere.
Umgeben von Intrigen und Ränkespielen wächst Richard zu einem jungen Mann heran – vieles über seinen Kopf hinweg entschieden und er steht schon bald mächtigen Herausforderungen gegenüber. Denn das Volk ist unzufrieden und es kommt zu Aufständen.
Richard wird als zu schwach und zu weibisch angesehen. Seine Zuneigung zu seinem Ritter Robert de Vere wird immer größer – und England stürzt in einen Bürgerkrieg.

Im Juni 2021 habe ich das Buch „Trümmerland“ von Silvia Hildebrandt gelesen, welches mich vor allem mit dem spannenden und perfekt recherchierten geschichtlichen Hintergrund begeistert hat. Im Februar 2024 folgte das Buch „Glasvulkan – Schall & Rauch“ – diese Geschichte hallte noch sehr lange nach.
In den Sozialen Medien kündigte die Autorin an, dass sie sich nun erstmal vom 20. Jahrhundert verabschiedet und stellte ihren neuen Roman „Am Hof des purpurnen Königs“ vor. Da mich die englische Geschichte sehr interessiert und mich besonders das englische Mittelalter fasziniert und ich bisher noch nichts über König Richard II. gelesen habe, landete der Roman sofort auf meiner Liste.
Überraschenderweise bekam das Buch dann im Dezember 2024 als Geschenk von der Autorin – an dieser Stelle nochmals ganz herzlichen Dank dafür – ich habe mich so sehr gefreut.

Neben dem Klappentext weckte auch das sehr stimmungsvolle und einzigartige Cover meine Aufmerksamkeit. Es besteht aus einer Zusammenstellung von verschiedenen Zeichnungen, in deren Mitte die Königskrone steht.
Bei der Ausgabeart handelt es sich um ein einfaches Taschenbuch ohne Klappen mit insgesamt 336 Seiten.
Die Handlung des Buches gliedert sich in fünf Teile auf:
– „I. Teil 1376 – 1377 Prince of Wales “
– „II. Teil 1381 Ritter“
– „III. Teil 1381 – 1385 Knechte“
– „IV. Teil 1387 – 1395 Duell“
– „V. Teil 1397 – 1400 Knechte“
Diese Teile sind in einzelne Kapitel unterteilt, welche alle mit einer Überschrift und Zeit- und Ortsangaben versehen sind. Dies sorgt für eine gute zeitliche und örtliche Orientierung in der Geschichte. Abgeschlossen wir das Buch mit einem Nachwort, einem Überblick über die Personen und einem Glossar.

Ich bin einfach nur ergriffen und tief berührt von dieser Geschichte.
Von und über König Richard II. (1367 – 1400) habe ich bis dato noch nichts gelesen oder gewusst. Ich wollte diese Geschichte auf mich zukommen lassen… doch sie riss mich ab der ersten Seite einfach mit.
Richard, den der Leser/ die Leserin als kleinen Jungen kennenlernt, dem plötzlich eine große Verantwortung auferlegt wird, erzählt die Geschichte aus seiner Sicht. Durch diesen Erzählstil kam ich ihm und seinen Gedanken und Gefühlen sehr nahe – das hätte keine andere Erzählweise so geschafft. Es zeigt einen zutiefst zerrissen Charakter, der nie er selbst sein durfte, oft verkannt wurde und bei dem vieles über seinen Kopf hinweg entschieden wurde und der auf diesen 336 Seiten eine unglaubliche und doch authentische Entwicklung durchlebt. Stellenweise wollte ich das Buch nicht mehr aus den Händen legen – und musste es dann ab und zu machen – um durchzuatmen und mich zu sammeln.
„Am Hof des purpurnen Königs“ von Silvia Hildebrandt ist keine Wohlfühl-Lektüre – und doch gibt diese Geschichte dem Leser/ der Leserin so viel mit und zeigt den Menschen hinter einer historischen Figur: Ein Mensch, der gelebt hat, gehasst wurde und gehasst hat – vor allem aber geliebt wurde und geliebt hat.

„Erneut war ich überwältigt von dem Leben um mich herum, dessen Rad sich drehte und drehte, während ich außerhalb stand und zuschaute. Ich fühlte mich ausgeschlossen vom gewohnten Gang des Lebens, war mir aber sicher, dass noch etwas ganz Besonderes kommen musste.“

[II. Teil, Seite 129, Kapitel 5]

Die mitunter komplexen historischen Hintergründe hat Silvia Hildebrandt akribisch recherchiert und stellt diese nachvollziehbar und greifbar in ihrem Roman dar – ich habe wieder eine Menge dazugelernt. Mit ihrem bildhaften, lebendigen und mitunter rauen Sprachstil baut Silvia Hildebrandt eine einnehmende Atmosphäre auf und hat mich auf eine unvergessliche Zeitreise mitgenommen – Danke dafür!

Fazit: „Am Hof des purpurnen Königs“ von Silvia Hildebrandt ist ein mitreißender und gleichzeitig lehrreicher Roman, mit einer tragischen und authentisch gezeichneten Hauptfigur, deren Geschichte mich ab der ersten Seiten ergriffen hat und wahrscheinlich noch lange nachklingen wird. Lasst euch diesen historischen Roman nicht entgehen – unbedingt lesen.

*Ich habe für diese Rezension von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung eines Frei-Exemplars (Geschenk) und der uneingeschränkten Leseempfehlung ist diese Rezension als Werbung gekennzeichnet.