Zoe Leonhard
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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 17. November 2025
Verlag: SP
ISBN: 979-8272522979
Ausgabe: Taschenbuch & eBook
Seitenanzahl: 661 Seiten (TB), 663 Seiten (eBook)
Preise: 20€ (TB), 08,99€ (eBook)
Klappentext:
„England, 1016 trifft 1066.
An der Geschichte Englands Interessierte wissen um die Eroberung Englands durch Herzog Wilhelm von der Normandy. Dass diese jedoch schon 1016 mit der Eroberung eines Wikingers begann, ist kaum bekannt.
Eadric,
– eine Frau, die dermaßen in der Rolle eines Mannes aufgeht, dass sie oft vergißt, keiner zu sein.
– Zum mächtigsten Mann des Reiches aufgestiegen, hat Ealdorman Eadric einen Platz unter den elf schlimmsten Briten der Geschichte.
Eadric will einen dauerhaften Frieden, nach über dreihundert Jahren Krieg. Und wenn sie dafür einen Wikinger auf den englischen Thron setzten muss, so sei es.
Egal, wie viele Tote das fordert – um langfristig unzählige Menschenleben zu retten.
In einer Welt des Krieges, in der die physische Körperkraft über Leben und Tod bestimmt, erkämpft sie sich den Weg zur Macht.
Begreift sie zu spät, dass ihr Plan den Untergang derer bedeutet, die sie liebt ?
–Jarl Thorkell, Anführer der gefürchteten Jomswikinger, will Rache für den Tod seines Bruders, den der Ealdorman mit unzähligen anderen Dänen am Tag des heiligen Sankt Brictius ermordet haben soll. Der Jarl zieht seine Truppen zusammen und greift Shrewsberie, den Hauptsitz Eadrics an.
Eine unmögliche mitreißende Beziehung zwischen zwei Herrschern
welche, um ihr Land vor dem endgültigen Untergang zu bewahren, sämtliche Grenzen überschreiten.
Auch wenn sie dafür das größte Opfer bringen müssen.“
*Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise von der Autorin Zoe Leonhard als signiertes Rezensionsexemplar erhalten. Ganz herzlichen Dank dafür!
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Aufgrund der Gegenleistung in Form eines Rezensionsexemplars, sowie der ausdrücklichen Leseempfehlung kennzeichne ich diese Rezension als WERBUNG.
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In ihrem über 660 Seiten starken historischen Roman „Die Friedenskriegerin – Merciens Lied“ entführt uns die Autorin Zoe Leonhard in das von Unruhen und brutalen Machtkämpfen geprägte England des Jahres 1009 und zeichnet das faszinierende, vielschichtige Schicksal einer unnahbaren Protagonistin im Kampf um ihr Überleben.
England, 1009: Das Land leidet unter den ständigen, blutigen Überfällen der Wikinger und steht am Abgrund. Jahre nach dem grausamen St.-Brice-Massaker versucht eine junge Frau in dieser unbarmherzigen, männerdominierten Welt zu überleben. Als Mann getarnt, taucht sie tief in die politischen Ränkespiele und kriegerischen Konflikte ein. Doch der Preis für dieses Überleben ist hoch: Eadric muss eine extreme Skrupellosigkeit entwickeln, die sie immer tiefer in eine Spirale aus Düsternis und Geheimnissen zieht. Zwischen dem Ringen um Glauben, Identität und Loyalität spinnt sich eine Geschichte, die das gesamte Schicksal Merciens verändern könnte.
Man spürt auf wirklich jeder einzelnen Seite das Herzblut der Autorin Zoe Leonhard, das in dieser Geschichte steckt. Was mich absolut begeistert hat, ist das grandiose historische Fundament. Die Autorin wirft uns direkt zu Beginn mitten in ein reales, unfassbar düsteres Kapitel der englischen Geschichte: Das historisch belegte St.-Brice-Massaker vom 13. November 1002. Der englische König Äthelred gab damals den grausamen Befehl, alle Dänen im Land systematisch umzubringen. Dass die Autorin diesen Schrecken so spürbar und ohne Beschönigung einfängt, zeigt, wie kompromisslos und historisch ehrlich dieses Epos recherchiert ist. Die darauffolgenden, unbarmherzigen Wikinger-Invasionen und die ständige Angst der Bevölkerung vor neuen Plünderungen bilden die perfekte, geschichtlich fundierte Kulisse für diesen Roman.
Besonders faszinierend fand ich zudem die historische Überlegung, die reale Figur des Eadric als Frau zu interpretieren, die als Mann durchs Leben gehen musste. Dieser Aspekt hebt das Buch auf ein ganz hohes literarisches Niveau.
Zoe Leonhards Schreibstil ist unheimlich bildgewaltig und atmosphärisch dicht, sie erweckt das raue Frühmittelalter damit regelrecht zum Leben. Allerdings schreibt sie auch extrem detailverliebt. Sie nimmt sich sehr viel Zeit für geschichtliche Erklärungen und weitet Nebensächlichkeiten stark aus. Für mich persönlich hatte die Handlung dadurch im Mittelteil stellenweise mit einigen Längen zu kämpfen, die dem Erzähltempo ein wenig den Schwung und das Tempo genommen haben. Außerdem findet sich auf Seite 378 ein kleiner historischer Patzer: Bei einem großen Festmahl werden Tomaten, Gurken und Paprika aufgetischt – also Gemüse, das erst Jahrhunderte später nach Europa kam.
Die Protagonistin ist eine unheimlich spannende und vielschichtige Figur. Gleichzeitig ist sie aber auch extrem düster, undurchschaubar und skrupellos in ihren Taten. Als feinfühlige Leserin konnte ich mich dadurch leider wenig bis gar nicht mit ihr identifizieren, und sie blieb mir bis zum Schluss emotional recht unnahbar. Dennoch ist psychologisch absolut hervorragend ausgearbeitet, warum sie sich in dieser brutalen Epoche zu genau diesem harten Menschen (Mann) entwickeln musste, um im Strudel der damaligen Ereignisse zu bestehen.
Nach dem etwas fordernden Mittelteil zieht die Spannung zum Ende hin noch einmal ganz ordentlich an. Das Tempo wird rasant und steuert auf einen gewaltigen Showdown zu. Das Buch endet mit einem ziemlich heftigen Cliffhanger, der mich als Leserin im ersten Moment richtig platt zurückgelassen hat. Man fühlt sich durch dieses plötzliche Ende fast ein bisschen aus der Geschichte geworfen … gleichzeitig macht es aber natürlich unheimlich neugierig auf den zweiten Band.
Herzlichen Dank für die lehrreichen Lesestunden und das signierte Rezensionsexemplar.

Fazit: Das Buch „Die Friedenskriegerin – Merciens Lied“ von Zoe Leonhard ist ein unheimlich packender und lehrreicher historischer Roman voller atmosphärischer Dichte: Episch, detailreich und schonungslos düster. Ein beeindruckendes Werk – trotz kleiner Längen sehr lesenswert!
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