„Marseille 1940 – Die große Flucht der Literatur“

von Uwe Wittstock

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 15. Februar 2024 (eBook), 28. Februar 2024 (HC), 09. Juli 2026 (TB)
Verlag: C.H. Beck
Ausgabe: Hardcover, Taschenbuch & eBook
ISBN: 978-3406814907 (HC), 978-3406851155 (TB)
Seitenanzahl: 351 Seiten (HC), 352 Seiten (TB)
Preise: 26€ (HC) 18€ (TB), 17,99€ (eBook)

Klappentext:
„Juni 1940: Hitlers Wehrmacht hat Frankreich besiegt. Die Gestapo fahndet nach Heinrich Mann und Franz Werfel, nach Hannah Arendt, Lion Feuchtwanger und unzähligen anderen, die seit 1933 in Frankreich Asyl gefunden haben. Derweil kommt der Amerikaner Varian Fry nach Marseille, um so viele von ihnen wie möglich zu retten. Uwe Wittstock erzählt die aufwühlende Geschichte ihrer Flucht unter tödlichen Gefahren.
Es ist das dramatischste Jahr der deutschen Literaturgeschichte. In Nizza lauscht Heinrich Mann bei Bombenalarm den Nachrichten von Radio London. Anna Seghers flieht mit ihren Kindern zu Fuß aus Paris. Lion Feuchtwanger sitzt in einem französischen Internierungslager gefangen, während die SS-Einheiten näherrücken. Sie alle geraten schließlich nach Marseille, um von dort einen Weg in die Freiheit zu suchen. Hier übergibt Walter Benjamin seinen letzten Essay an Hannah Arendt, bevor er zur Flucht über die Pyrenäen aufbricht. Hier kreuzen sich die Wege zahlreicher deutscher und österreichischer Schriftsteller, Intellektueller, Künstler. Und hier riskieren Varian Fry und seine Mitstreiter Leib und Leben, um die Verfolgten außer Landes zu schmuggeln. Szenisch dicht und feinfühlig erzählt Uwe Wittstock von unfassbarem Mut und größter Verzweiflung, von trotziger Hoffnung und Mitmenschlichkeit in düsterer Zeit.“


Homepage:
https://uwe-wittstock.de
https://www.chbeck.de/buehnen/uwe-wittstock-marseille-1940/

*Hinweise:
– Ich habe für diese Rezension vom Autor Uwe Wittstock und/ oder dem C.H. Beck Verlag keinerlei Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. 
– Das Buch habe ich mir selbst gekauft.

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Es gibt Bücher, die lese ich nicht einfach so nebenbei. Es sind Bücher, auf die ich mich voll und ganz einlassen muss. Bücher, die in meinem Kopf einen dichten, fast schmerzhaften Sog entwickeln. Uwe Wittstocks dokumentarisches Buch „Marseille 1940 – Die große Flucht der Literatur“ ist genau so ein Werk.
Für mich war der Einstieg absolut problemlos, doch schnell wurde mir klar: Dieses Buch wird mich herausfordern und gleichzeitig mit einer zutiefst bewegenden Erfahrung belohnen.
Wittstocks Schreibstil ist mitunter sehr sachlich, fast dokumentarisch. Doch genau diese Nüchternheit erzeugt eine ungeheure Intensität. Ich tauchte völlig in dieses dunkle, wichtige Kapitel der Geschichte ein.
Die größte Herausforderung beim Lesen ist das dichte Geflecht aus Schicksalen. Manchmal war es gar nicht so leicht, die vielen historischen Figuren und ihre komplexen Hintergründe im Kopf zu behalten. Das ist kein Buch für das schnelle Überfliegen vor dem Einschlafen. Ich musste stets konzentriert bleiben, doch jede investierte Minute in dieses Buch hat sich gelohnt.
Was mich beim Lesen am intensivsten berührt hat, ist die allgegenwärtige Atmosphäre aus Angst und Verzweiflung. Wittstock transportiert die Beklemmung des Jahres 1940 direkt ins Hier und Jetzt. Marseille war in diesem Sommer der letzte, überlaufene Zufluchtsort für jüdische und vom NS-Regime verfolgte Intellektuelle, während die Wehrmacht und die Nationalsozialisten immer näher rückten.
Besonders schrecklich war hier die perfide, bürokratische Willkür: Ständig änderten sich die Voraussetzungen, Gesetze und Regeln für Visa und Ausreisen. Alles war völlig undurchschaubar. Ich spürte beim Lesen förmlich das lähmende Ohnmachtsgefühl der Menschen, die in diesem bürokratischen Mahlwerk gefangen waren und deren Überleben von einem einzigen Stempel abhing.
Die Schicksale im Buch sind mir allesamt unglaublich nahegegangen. Ob Anna Seghers, die mit ihren Kindern um das nackte Überleben bangte, oder Heinrich und Golo Mann. Hier prallten plötzlich zwei völlig verschiedene Welten aufeinander, die aus der Not heraus zusammenarbeiten mussten: Auf der einen Seite die berühmte Elite der europäischen Kultur, also gefeierte Intellektuelle, die nun völlig auf die Hilfe von anderen Menschen angewiesen waren. Und auf der anderen Seite Varian Fry. Was für eine unfassbare Persönlichkeit. Ein amerikanischer Journalist, der mit purem Pragmatismus, immensem Mut und unter ständigem Lebensrisiko zu einem der größten Retter der Kulturgeschichte wurde. Der Kontrast zwischen den feinsinnigen Denkern und dem riskanten, zupackenden Einsatz dieses Mannes ist meisterhaft gezeichnet.

Das Buch „Marseille 1940 – Die große Flucht der Literatur“ von Uwe Wittstock hat meinen Blick auf unsere heutige Welt verändert. Es führt uns allen schmerzhaft vor Augen, wie unfassbar verletzlich unsere Kultur, unsere Werte und unsere Freiheit sind, sobald politische Systeme sich radikalisieren. Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit. Sie kann innerhalb kürzester Zeit wegbrechen. Danke für dieses großartige und nachhallende Leseerlebnis.

Fazit: „Marseille 1940 – Die große Flucht der Literatur“ ist ein emotional forderndes, aber absolut großartiges und wichtiges Sachbuch. Uwe Wittstock hat den Verfolgten und ihren Rettern ein würdevolles Denkmal gesetzt. Unbedingt lesen!

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„Die Vorkämpferinnen: Wie aus vielen Frauen eine Bewegung wurde“

von Bianca Walther

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 29. April 2026
Verlag: S. Fischer
Ausgaben: Hardcover & eBook
ISBN: 978-3-10-397752-3
Seitenanzahl: 368 Seiten
Preise: 24€ (HC), 19,99€ (eBook)

Klappentext:
„Januar 1919: Erstmals dürfen Frauen im Deutschen Reich wählen. Dieser historische Moment war kein Geschenk, sondern das Ergebnis eines über siebzigjährigen Kampfes um politische Rechte und Freiheiten. Die Historikerin Bianca Walther („Frauen von damals“) lässt die Pionierinnen der ersten deutschen Frauenbewegung lebendig werden – von den Revolutionärinnen von 1848 bis zu Marie Juchacz‘ erster Rede vor der Nationalversammlung im Jahr 1919. Entlang der Lebenswege und Netzwerke von Helene Lange, Minna Cauer, Alice Salomon, Clara Zetkin und vieler weiterer Aktivistinnen zeichnet sie ein facettenreiches Bild einer Bewegung, die sich trotz massiver Widerstände Gehör verschaffte, Bündnisse schmiedete und leidenschaftlich debattierte – auch miteinander. Ein mitreißendes Porträt einer Bewegung und eine Inspiration für einen Kampf, der noch lange nicht vorbei ist.“

Homepage:
https://biancawalther.de

https://www.fischerverlage.de/buch/bianca-walther-die-vorkaempferinnen-9783103977523

Hinweise:
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin/ dem Verlag keinerlei Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. 
 Das Buch habe ich mir selbst gekauft.
– Da diese Rezension Links zur Homepage der Autorin und des Verlages enthält, kennzeichne ich diese Rezension als Werbung.

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Als leidenschaftliche Roman-Leserin greife ich zugegeben eher selten zu Sachbüchern. Doch Bianca Walther hat mich mit ihrem Buch „Die Vorkämpferinnen: Wie aus vielen Frauen eine Bewegung wurde“ komplett eines Besseren belehrt. Dieses Buch zeigt eindrucksvoll, dass historische Fakten und mitreißendes Storytelling perfekt zusammenpassen.

Der Einstieg in das Buch fiel mir unglaublich leicht, was auch an dem gelungenen Aufbau liegt: Die Geschichte beginnt im Prinzip mit ihrem eigenen Ende – nämlich im Januar 1919 bei der allerersten Wahl, an der Frauen teilnehmen durften. Von diesem Meilenstein aus reisen wir zurück in die Mitte des 19. Jahrhunderts und erleben den über siebzigjährigen, steinigen Weg dorthin. Bianca Walthers Sprachstil ist wunderbar ungezwungen, leicht und dennoch hochgradig informativ und lehrreich. Für mich hat sich dieses Sachbuch stellenweise so flüssig und packend gelesen wie ein spannender Roman.
Beim Lesen hatte ich fast durchgehend echte „Wow“-Momente. Mir ist durch die Lektüre erst so richtig bewusst geworden, wie einseitig „männlich“ unsere Geschichte sonst oft erzählt und auch in den Schulen unterrichtet wird. Umso faszinierender war es, in die Netzwerke und Schicksale von Pionierinnen wie Helene Lange, Minna Cauer oder Clara Zetkin einzutauchen. Jede einzelne dieser Lebensgeschichten hat mich überrascht, tief beeindruckt und absolut gefesselt.
Das Buch schreit für mich definitiv nach weiteren Bänden. Denn wie das Nachwort schon richtig beschreibt, war und ist die Geschichte der Frauenrechte nach 1919 noch lange nicht abgeschlossen.

Danke für dieses lehrreiche und Augen öffnende Leseerlebnis. 

Fazit: Das Buch „Die Vorkämpferinnen: Wie aus vielen Frauen eine Bewegung wurde“ von Bianca Walther ist lehrreich, informativ und extrem unterhaltsam. Es zeigt beeindruckend, wie sehr Frauen für ihre Rechte kämpfen mussten – und noch immer müssen. Sehr lesenswert.

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