„Die Poesie der Liebe – Ingeborg Bachmann & Max Frisch“

von Bettina Storks

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 16. August 2022
Verlag: Aufbau
ISBN: 978-3-7466-3798-3
Seitenanzahl: 430 Seiten

Klappentext:
Paris, 1958: Als der Schweizer Dramatiker Max Frisch dem glamourösen Literaturstar Ingeborg Bachmann begegnet, ist es für ihn Liebe auf den ersten Blick. Auch sie verliebt sich, doch anders als Max, der bodenständige Genussmensch, ringt die sensible Ingeborg im Schreiben – wie im Leben – um jedes Wort. Und sie hat die Trennung von ihrem Geliebten Paul Celan noch nicht überwunden, was die Beziehung schon bald auf die Probe stellt. Doch Ingeborg kann nur eine Liebe leben, in der sie ihre Freiheit nicht preisgeben muss …“

https://www.aufbau-verlage.de/aufbau-taschenbuch/ingeborg-bachmann-und-max-frisch-die-poesie-der-liebe/978-3-7466-3798-3

– Das Buch habe ich freundlicherweise von der Autorin als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

Coverrechte: Aufbau-Verlage

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Das Buch „Die Poesie der Liebe“ von Bettina Storks spielt ab dem Jahr 1958 und zeigt die von Höhen und Tiefen geprägte und zweifelhafte Liebesbeziehung von Ingeborg Bachmann und Max Frisch.

Es ist das Jahr 1958 in Paris: Ingeborg Bachmann hat gerade ihre langjährige Liebesbeziehung zu dem verheirateten Lyriker Paul Celan beendet, als sie den Schriftsteller Max Frisch kennenlernt. Die Beiden fühlen sich ab dem ersten Moment zueinander hingezogen auch wenn Ingeborg die schmerzhafte Trennung von Paul Celan noch lange nicht überwunden hat.
Während der bodenständige Max Frisch schnell auf jeden männlichen Kontakt Ingeborgs mit Eifersucht reagiert, möchte diese ihre geschätzte Freiheit nicht aufgeben. Doch eines verbindet und trennt sie auch gleichzeitig voneinander: Die Liebe zum geschriebenen Wort.

Die Autorin Bettina Storks gehört seit ihrem Buch „Klaras Schweigen“ zu meinen Lieblingsautorinnen. Auch ihre Bücher „Dora Maar und die zwei Gesichter der Liebe“ und „Das geheime Lächeln“ konnten mich sehr begeistern. Sie verbindet Historie und Fiktion wunderbar miteinander und schafft in jeder ihrer Geschichten unverwechselbare Charaktere, deren Schicksale man so schnell nicht mehr vergisst. Auf „Die Poesie der Liebe“ war ich seit der Ankündigung sehr gespannt, da die Namen Ingeborg Bachmann und Max Frisch für mich schon immer ein Begriff waren und ich gerne einen privaten Blick in das Leben der Beiden werfen wollte.
Das Buch erscheint in der Reihe „Berühmte Paare – Große Geschichten im Aufbau-Verlag und erreichte mich von der Autorin als kostenloses Rezensionsexemplar, wofür ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken möchte – auch für die wunderbare Signierung und die Karte.

Bettina Storks hat in ihrem Roman „Die Poesie der Liebe“ zwei große und berühmte Ikonen der Literaturszene zum Leben erweckt: Ingeborg Bachmann (1926 – 1973) und Max Frisch (1911 – 1991).
Ingeborg Bachmann ist zu Beginn des Buches 31 Jahre alt und hat in ihrem Leben als Schriftstellerin schon so vieles erreicht: Als erfolgreiche Lyrikerin ist sie schon mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden und ist eine der prägenden Figuren im Literaturbetrieb. Doch in ihrem privaten Leben sieht es anders aus. Ihre Liebesbeziehung zu dem verheirateten Lyriker Paul Celan beendet sie, davor war sie mit dem wesentlich älteren Essayisten und Literaturkritiker Hans Weigel liiert. Sie führt ein unstetes und sprunghaftes Leben und fühlt sich nur in Rom so richtig zuhause. In München, wo sie zu Beginn des Romans lebt, kommt sie nie so richtig an, da sie die Stadt zu sehr an den Nationalsozialismus erinnert. Als Ingeborg in Paris weilt, lernt sie den 15 Jahre älteren Max Frisch kennen und lieben und zieht kurze Zeit später in seine Heimatstadt Zürich. Doch auch nachdem sie eine gemeinsame Wohnung am Zürichsee gefunden und bezogen haben, kann Ingeborg ihre geliebten Freiheit nicht aufgeben. Und sie merkt, dass sie auch hier keine Wurzeln schlagen kann und will. Dazu kommt, dass sie immer öfters den Alkohol und Beruhigungstabletten braucht, um ihre Zukunftssorgen und Schreib-Blockaden darin zu ertränken. Die Autorin Bettina Storks hat den zutiefst zerrissenen, verunsicherten aber auch geheimnisvollen Charakter der Ingeborg Bachmann wunderbar nachgezeichnet und dem dramatischen und wechselvollen Leben ihrer Hauptfigur nachgespürt. Zu Beginn des Romans ist Ingeborgs Persönlichkeit schwer zu durchschauen, doch im Laufe der Handlung kam ich ihr und ihrer Gedankenwelt immer näher und ich litt stellenweise sehr mit ihr mit, wenn sie wieder mit Worten und der Gewissheit hadert und sie immer wieder zögert und mit sich selbst ringt.
Neben Ingeborg Bachmann steht der Schweizer Schriftsteller Max Frisch im Mittelpunkt der Geschichte. Auch nach der Trennung von Gertrud Frisch-von-Meyenburg, mit der er drei Kinder hatte, führt er ein Leben als erfolgreicher Schriftsteller und stellt in seinen Werken oft die Auseinandersetzung mit sich selbst und die Probleme des postmodernen Menschen ins Zentrum: Zum Beispiel das Finden und Behaupten einer eigenen Identität, die Geschlechterrollen und deren Auflösung sowie die Frage, was mit Sprache überhaupt sagbar sei.
Bettina Storks hat den äußerst eifersüchtigen Charakter von Max Frisch wunderbar herausgearbeitet, ebenso seine stets widersprüchliche Art: Er selbst war während der Beziehung mit Ingeborg Bachmann sexuell äußerst untreu, reagierte aber auf jeden männlichen Kontakt von Ingeborg mit großen Misstrauen und Argwohn. Nicht immer konnte ich diesem wechselvollen, sprunghaften und teils undurchsichtigen Charakter folgen und trotzdem faszinierte mich sein einnehmender und interessanter Charakter sehr.
Bettina Storks gewährt dem Leser/ der Leserin einen Einblick in das Privatleben dieser zwei Literatur-Ikonen und erweckt mit ihrem Roman diese zwei grundverschiedenen, aber sich doch so ähnlichen Charaktere zum Leben, die während ihrer zweifelhaften Beziehung auch zu einer Art Konkurrenten wurden.
Sehr mitgenommen hat mich das Schicksal des Lyrikers Paul Celan, welcher mit schweren Plagiatsvorwürfen zu kämpfen hat und sich aus diesem Desaster nicht mehr befreien kann. Einerseits denkt und handelt er so egoistisch, aber er ist auch ein zutiefst verletzter Charakter, dem sein Leben entgleitet.
Jede Figur, egal ob Haupt- oder Nebenfigur wird von der Autorin lebensecht und authentisch beschrieben und ihre Handlungen und Entwicklungen sind stets absolut glaubwürdig.


Die Liebesbeziehung von Ingeborg Bachmann und Max Frisch bildet den Kern, die Substanz und die Haupthandlung des Buches „Die Poesie der Liebe“. Es zeigt die Entstehung, der Verlauf und das bittere Ende der Beziehung, welche insgesamt fünf Jahre umfasste und Max Frisch und Ingeborg Bachmann persönlich sehr prägte – aber auch ihr weiteres Werk.
Das Buch ist chronologisch aufgebaut und beschreibt abwechselnd in Kapiteln aus der Sicht von Ingeborg und Max. Durch diesen Perspektivwechsel und die unterschiedlichen Blickwinkel bietet Bettina Storks einen Einblick in das Innenleben dieser komplexen und verschiedenen Persönlichkeiten.
Die Geschichte baute sehr schnell einen Sog auf, welcher mich unmittelbar in diese dicht erzählte und bewegende Geschichte gezogen hat. Ich nahm das Buch immer wieder gerne in die Hand und ließ mich von der sehr poetischen und bildgewaltigen Sprache von Bettina Storks in die Vergangenheit entführen und dort berühmte Persönlichkeiten treffen.
Die historischen Hintergründe hat Bettina Storks akkurat recherchiert und verbindet in ihrem Roman Fakten und Fiktion perfekt miteinander.
Die wunderbare Aufmachung des Buches als hochwertige Klappbroschur, das wunderschöne Cover, ein ausführliches Nachwort der Autorin, ein Nachweis der Zitate und eine Bibliografie runden das rundum gelungene Lese-Erlebnis ab, welches mich einiges Neues gelehrt hat und auch meine Lust auf das Werk von Ingeborg Bachmann entfacht hat. In nächster Zeit werde ich auf jeden Fall das ein oder andere Werk dieser unvergesslichen Schriftstellerin lesen.

Danke liebe Bettina Storks für dieses eindrückliche, unvergessliche Buch und das Näherbringen dieser interessanten Lebens- und Liebesgeschichte.

Fazit: Bettina Storks hat mit diesem Buch eine wunderbare Hommage an die einzigartige Ingeborg Bachmann und die Beziehung zu Max Frisch geschrieben. Ihre Begeisterung für diese Schriftstellerin ist auf jeder Seite spürbar und so ist „Die Poesie der Liebe“ ein sehr berührender und perfekt recherchierter Roman, welcher keine Wünsche offen lässt. Unbedingt lesen!

*Ich habe für diese Rezension vom Verlag oder von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

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