„Die Sternenbucht“

von Lorna Cook

Erschienen am 14. Juni 2021 im Penguin-Verlag
ISBN: 978-3-328-10497-1


https://www.penguinrandomhouse.de/Taschenbuch/Die-Sternenbucht/Lorna-Cook/Penguin/e549799.rhd


Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Penguin-Verlag über das Bloggerportal.de als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen.
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.

Klappentext:
1943: Der Krieg steht vor den Toren Englands. Nur mit dem Allernötigsten im Gepäck verlässt die junge Lady Veronica das edle Anwesen an der malerischen Südküste, das für sie immer mit ihrer großen Liebe verbunden sein wird. Die britische Armee braucht das Gebäude als Stützpunkt. Doch Veronica weiß, dass sie auch nach Ende des Krieges niemals zurückkehren wird. Denn das Haus birgt nicht nur glückliche Erinnerungen …
2018: Im Sommerurlaub an der englischen Küste entdeckt Melissa die Fotografie einer geheimnisvollen Frau. Gemeinsam mit dem attraktiven Journalisten Guy versucht sie, mehr über sie herauszufinden. Immer tiefer taucht sie in ihre Vergangenheit ein – nicht ahnend, dass dort ein Geheimnis begraben liegt, das auch ihr eigenes Leben für immer verändern wird …“

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Das Buch „Die Sternenbucht“ von Lorna Cook spielt auf zwei Zeitebenen und zeigt, wie die Geschichte um ein geräumtes Dorf im Zweiten Weltkrieg, die Gegenwart zweier Menschen berührt.

Dezember 1943: Lady Veronica muss Abschied von ihrem edlen Anwesen in Tyneham nehmen. Das gesamte Dorf an der Südküste Englands wird für militärische Zwecke gebraucht und geräumt. Ihr bleibt nur wenig Zeit, die verbliebenen Sachen zu packen, aber auch, um sich selbst in Sicherheit zu bringen. In Sicherheit vor ihrem brutalen Ehemann.
Im Juni 2018 verbringt die junge Melissa ihren Urlaub an der Südküste Englands. In den Ruinen eines im Zweiten Weltkriegs geräumten Dorfs, stößt sie auf eine Fotografie einer Frau. Diese Fotografie und das Gesicht der Frau lassen sie nicht mehr los und sie beginnt zu recherchieren. An ihrer Seite ist der Journalist Guy. Beide müssen feststellen, dass sie immer tiefer in die Vergangenheit eintauchen und diese auch ihr eigenes Leben verändern wird.

Auf dem ‚Bloggerportal Randomhouse‘ bin ich zufällig auf dieses Buch gestoßen. Das Cover und der Klappentext sprachen mich direkt an, ich bewarb mich um ein Exemplar und bekam es zugeschickt. Ich mag es, wenn Bücher Geschichten erzählen, in der Vergangenheit und Gegenwart aufeinander treffen und große Geheimnisse gelüftet werden. Es zeigt immer wieder, wie sehr Geschichte unsere Gegenwart bestimmt und somit allgegenwärtig ist.
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Penguin-Verlag für die Zusendung des Buches als Rezensionsexemplar.

Die Anzahl der Figuren ist in beiden Erzählsträngen recht übersichtlich gehalten. Dies führte bei mir dazu, dass ich mich sehr schnell in der Geschichte zurechtfand und eintauchen konnte.
Im Erzählstrang der Vergangenheit begegnen wir Veronica. Sie ist eine junge Frau, welche von außen gesehen, alles hat um ein glückliches Leben zu führen. Sie muss zwar ihr Anwesen aufgeben, doch an der Seite ihres Ehemanns Sir Albert steht ihr eine sorgenlose Zukunft in London bevor. Doch der Schein trügt. Veronica ist in einer Ehe gefangen, die von körperlicher und verbaler Gewalt beherrscht wird. Noch immer trauert sie einer aufgegeben Liebe hinterher, welche plötzlich wieder in ihr Leben tritt.
Veronica konnte mich ab der ersten Seite mit ihrer authentischen und tragischen Lebensgeschichte überzeugen. Sie wirkt einerseits so zerbrechlich, dann aber auch wieder stark, sie möchte ihr Leben wieder in die Hand nehmen.
Im Gegensatz zu ihrem Mann Sir Albert. Ein grauenvoller Mensch, der überhaupt keine Sympathiepunkte erhält. Trotz allem ist auch er eine gut gezeichnete Figur, die tiefste menschliche Abgründe aufzeigt.
Um Lady Veronica und Sir Albert agiert noch das Dienstmädchen Anna – sie wurde, dank ihrer Loyalität, schnell zu einer meiner Lieblingsfiguren.
Freddie, Sir Alberts Bruder, und Anna sind etwas wie die Felsen in der Brandung für Veronica.
Im Erzählstrang der Gegenwart treffen wir auf Melissa. Sie ist 28 Jahre alt und hat ihren Platz im Leben noch nicht gefunden. Mit kleineren Jobs und einer finanziellen Abfindung hält sie sich über Wasser, ihre Beziehung zu ihrem Freund bröckelt. Ähnlich wie Veronica wirkt ihr Gemütszustand sehr fragil, auf der anderen Seite lässt sie sich nichts sagen und scheut auch Auseinandersetzungen nicht. Mit ihrer loyalen und ehrlichen Art mochte ich Melissa direkt.
Neben Melissa lernen wir noch den Journalisten und Historiker Guy kennen. Da er ein berühmter und gut aussehender Moderator ist, liegen ihm viele Frauen zu Füßen. Der Wirbel um seine Person ist ihm manchmal etwas zu viel, gehört aber zu seinem Leben dazu. Guy sammelt gleich bei der ersten Begegnung mit Melissa Sympathiepunkte. Er hilft wo er kann und scheint an Melissa großes Interesse zu haben. Aber ihn umgibt auch ein Geheimnis. Die Figur Guy hat mir wegen seiner Loyalität sehr gefallen, auch wenn die Autorin ein wenig zu oft erwähnt hat, wie gut er aussieht.

Mit einer sehr lebendigen Sprache und einer spannenden Handlung hat mich die Lorna Cook direkt in die Geschichte mitgenommen. Sie beschreibt die Handlungen, Gedanken und Gefühle der Menschen authentisch und glaubwürdig, die Landschaften so bildhaft, dass ich mir alles gut vorstellen konnte. Stellenweise wurde es so spannend, dass ich das Buch nicht mehr aus den Händen legen konnte und wollte.
Mitunter war die Handlung etwas vorhersehbar, was aber dem Lesevergnügen keinen Abbruch getan hat.

Der historische Hintergrund bildet die kurzfristige Evakuierung/ Räumung von Ortschaften im Zweiten Weltkrieg, um der Armee Platz zu machen. Diese brauchte das Gebiet als Übungsplatz zur Landung der Alliierten in der Normandie. Tyneham war einer dieser Orte, die geräumt wurden. 252 Menschen mussten ihre Häuser verlassen und sich andere Bleiben suchen. Eigentlich sollte es nur für eine gewisse Zeit sein, die Bewohner kamen aber nie wieder zurück, da das Gebiet auch in Friedenszeiten für Armeezwecke beibehalten wurde. Tyneham ist nun ein Museumsdorf, viele Häuser nur noch Ruinen. Das Herrenhaus, welches in „Die Sternenbucht“ eine große Rolle spielt, existierte ebenfalls, wurde aber leider im Jahr 1967 wegen Baufälligkeit abgebrochen.
Lorna Cook hat mich sehr neugierig gemacht und ich habe nun den Wunsch, diesen Ort zu besuchen.

Fazit: Die Handlung ist etwas vorhersehbar, aber es ist trotzdem spannend, wie Lorna Cook die einzelnen Fäden dann zusammenführt. Mit authentischen und glaubhaften Charakteren konnte mich das Buch sehr begeistern. Der Erzählstrang in der Vergangenheit hat mir etwas besser gefallen, da es beim Erzählstrang in der Gegenwart immer mal wieder Klischees und Wiederholungen gab. Alles in Allem ein wunderbarer Roman zum Abtauchen. Lesenswert!

Hinweis: Das Buch habe ich freundlicherweise vom Penguin-Verlag über das ‚Bloggerportal Randomhouse‘ als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen – meine Meinung wurde aber nicht beeinflusst!

„Dora Maar und die zwei Gesichter der Liebe“

von Bettina Storks

Erschienen am 21. Juni 2021 im Aufbau-Verlag
ISBN: 978-3-7466-3797-6


https://www.aufbau-verlag.de/index.php/dora-maar-und-die-zwei-gesichter-der-liebe.html

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise von der Autorin Bettina Storks und vom Aufbau-Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen .
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.


Klappentext:
Dora und Pablo – eine leidenschaftliche Liebe, so besonders wie ihre Kunst. Paris, 1936: Die erfolgreiche Fotografin Dora ist das Herz des surrealistischen Kreises um André Breton und Man Ray. Dann begegnet die exzentrische junge Frau Pablo Picasso – und zwischen den beiden entfaltet sich eine so leidenschaftliche wie abgründige Liebe. Doras düstere Sinnlichkeit prägt fortan die Malerei Picassos, auch inspiriert sie ihn zu seinen ersten politischen Werken, allen voran „Guernica“. Doch er kann neben sich keinen anderen Künstler gelten lassen, und ihre kreative Entwicklung stockt. Immer größer werden die Konflikte. Bis Picasso der jüngeren Françoise Gilot begegnet – und Dora zur Kunst zurückfinden muss, um ihre Liebe zu vergessen … Eine herzzerreißende Liebe voll dunkler Abgründe zwischen zwei großen Künstlerpersönlichkeiten, von einer renommierten Autorin hervorragend recherchiert.“

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Das Buch „Dora Maar und die zwei Gesichter der Liebe“ von Bettina Storks, zeigt das Leben von Dora Maar – der Muse und Geliebten von Pablo Picasso.

Der Prolog setzt im Jahr 1925 in Buenos Aires an: Hier lebt die junge Henriette Theodora Markovitch mit ihren Eltern und guten Verhältnissen. Zu ihrer Mutter hat sie eine nicht so gute Verbindung, dafür aber mit ihrem Vater. Dieser unterstützt ihre Träume und Wünsche.
Der erste Teil des Buches beginnt im Paris im Jahr 1928. Dora möchte Künstlerin werden, ihre Bewerbung an der Académie des Beux-Arts wird aber schroff abgewiesen, da sie eine Frau ist.
Dora gibt nicht auf und findet andere Wege, sich als Künstlerin ausbilden zu lassen und sich einen Namen zu machen – mit Fotografien und Fotomontagen.
Als sie eines Tages auf den berühmten Pablo Picasso trifft, möchte sie nur noch eines: Diesen Menschen und Künstler kennen und lieben lernen. Und auch Picasso findet in ihr seine Muse und Geliebte. Doch das Glück der Beiden, ihre leidenschaftliche und abgründigen Liebe, werden von dem aufziehenden Zweiten Weltkrieg überschattet.

Seit ich im Frühjahr 2021 das Buch „Klaras Schweigen“ von Bettina Storks gelesen habe, ist sie eine meiner absoluten Lieblingsautorinnen. Mit ihren wunderbaren Geschichten, die einen den Alltag vergessen lassen, kann sie mich immer wieder begeistern. Als die Autorin ihr neues Buch „Dora Maar und die zwei Gesichter der Liebe“ ankündigte, war klar, dass ich das Buch unbedingt lesen wollte. Ich liebe die Bücher aus der Reihe „Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe“ des Aufbau-Verlags und eben auch die Bücher von Bettina Storks. Außerdem mag ich die Zeit, in der das Buch spielt und auch die Kunstszene dieser Zeit fasziniert mich sehr. Pablo Picasso ist fast jedem ein Begriff und auch den Namen Dora Maar hat man oft im Ohr. Umso gespannter war ich, diesen beiden Figuren näher zu kommen. An dieser Stelle bedanke ich mich bei der lieben Bettina Storks und dem Aufbau-Verlag für die Zusendung des Buches.

Eine der Hauptfiguren ist die Künstlerin Dora Maar. Aufgewachsen ohne finanzielle Sorgen wird sie allerdings als Kind des Öfteren ihren Wurzeln entzogen: Geboren wurde sie in Tours, verbrachte ihre Kindheit in Buenos Aires, von dort ging es nach Paris. Als Tochter eines österreich-ungarischen Botschafters, der selten Zeit für seine Familie hat, und einer Mutter, der sie nie etwas recht machen kann, muss Dora ihren Platz im Leben finden. Sie ist eine sensible und verletzliche Frau, die für ihre Kunst lebt, gleichzeitig aber auch stark und selbstbewusst ist. Als sie sich in den Kopf setzt, den berühmten Pablo Picasso zu treffen, setzt sie das auch durch.

Du bist nicht hysterisch, du fühlst nur viel intensiver als die meisten Menschen.“
[S. 191, Z. 6 und 7]

Für Picasso gibt sie ein Stück weit ihre eigene Kunst auf, bleibt aber trotzdem sich selbst und ihren Idealen treu.

Picasso selbst ist ein eher schwieriger Mensch.
Ein großer Künstler, der alles erreicht hat, was man in der Kunst erreichen kann, privat aber nie irgendwo angekommen ist und nie zufrieden ist, mit dem was er hat. Er ist sehr von sich überzeugt und bildet mit seiner selbstbewussten Art einen Gegenpol zu Dora, die sich erst noch als Künstlerin finden muss.
Trotz allen Unterschieden ziehen sich die Beiden an, oft hat man aber das Gefühl, dass Picasso Dora nicht auf Augenhöhe begegnet, sie zu ihm aufblickt. Trotzdem herrscht zwischen den Beiden eine große Anziehungskraft, eine ganz eigene Magie.

Picasso schien einer eigenen Klasse uns Kategorie anzugehören. Auf zahlreichen Ausstellungen hatte Theodora bereits seine Kunst bewundert. Ihr gefiel seine Farb- und Formgebung, und sie wusste nicht, warum, aber viele seiner Bilder erreichten ohne Umweg ihr Herz.“
[S. 29, Z. 20-24]

Ich möchte noch kurz auf die Eltern von Dora zurück kommen: Die Beiden leben ihrer Tochter keine glückliche Beziehung vor, da der Vater oft weg ist, schon fast vor seiner Frau flüchtet, da er von ihr immer wieder mit Vorwürfen überschüttet wird.
Dora steht seit jeher zwischen den Fronten, steht aber mehr zu ihrem lebensfrohen Vater, der sie auch finanziell immer wieder unterstützt. Ihrer Mutter kann sie nichts recht machen, muss sich immer wieder für ihren Lebensweg rechtfertigen. Der Vater nimmt sie so, wie sie ist, gibt ihr aber auch immer wieder Tipps und Lebensweisheiten mit auf den Weg, ihre Mutter nimmt ihr teilweise die Luft zum Atmen.
Des Weiteren spielen an der Seite von Dora und Picasso viele andere Menschen mit, einige berühmte Namen sind auch dabei. Allen, egal ob Haupt – oder Nebenfigur, haucht Bettina Storks Leben ein. Sie beschreibt die Menschen und die Zeit so authentisch, als wäre sie bei den Dinner des surrealistischen Kreises dabei gewesen und hätte den Gesprächen gelauscht. Sie gewährt uns einen intensiven Einblick in das Handeln, Fühlen und Denken der Menschen zu dieser Zeit. Mit diesem Buch kann man ein Blick in das private Leben des Pablo Picasso und der Dora Maar werfen und lernt nebenbei noch viele andere Größen der Kunstwelt kennen.

Die Sprache und der Stil von Bettina Storks konnte mich wieder ab der ersten Seite begeistern. Mit einer wunderbaren, eingängigen und detaillierten Sprache holte sie mich direkt ab und lies auf keiner Seite Langeweile aufkommen, teilweise wollte und konnte ich das Buch nicht mehr zur Seite legen.
Mit viel Wissen rund um die Zeit, aber auch um die gesamten Kunstwerke, wie ihre Entstehung, hat Bettina Storks mich sehr begeistert. Man merkt, dass sie für die Kunst lebt und bringt dem Leser/ der Leserin diese Liebe mit großer erzählerischen Leidenschaft näher.

Die Haupthandlung ist die Verbindung und Liebe zwischen Picasso und Dora. Eine leidenschaftliche Liebe, aber auch leider sehr abgründig. Dora stellt ihre eigene künstlerische Entwicklung hinten an, lebt nur noch für Picasso und tut alles für seine Liebe – eine schlechte Basis. Ich denke schon, dass Picasso Dora sehr geliebt hat, aber nicht so sehr, wie sie ihn.
Ein weiterer, wichtiger Handlungsstrang ist der Umgang mit Kunst im erstarkenden Dritten Reich. Dies bildet auch den historischen Hintergrund des Buches.
Mit welch brutaler Macht, die Nationalsozialisten in das Leben der Menschen und Künstler eingedrungen sind und deren Leben verändert haben. Paris, die Hauptstadt der Kunstszene, wo sich eine Galerie an die nächste reihte, veränderte sich nach der Eroberung der Deutschen grundsätzlich.

Wie schmerzhaft es war, dass die Kunst auf einmal wie vom Erdboden verschwunden war. Die vielen Kunstgalerien, über deren Eingängen einst berühmte Namen wie Rosenberg, Kahnweiler, Wildenstein, Pierre oder Zak einladend in goldenen Lettern gethront hatten, waren von der Bildfläche verschwunden. Das Herz von Paris hatte aufgehört zu schlagen.“
[S. 243, Z. 3 – 8]

Fazit: Ein sehr starkes und authentisches Buch, welches mir Dora Maar, Picasso und deren Kunstwerke um einiges näher gebracht hat. Doras Geschichte werde ich nie vergessen und immer in meinem Herzen tragen. Dieses Buch solltet ihr euch nicht entgehen lassen – ich war so traurig, als die letzte Seite gelesen war. Top!

Hinweis: Das Buch habe ich freundlicherweise vom Aufbau-Verlag und der Autorin als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen – es hat meine Meinung aber nicht beeinflusst.

„Im Schatten der Krone – Die Grafen von Lenzburg“

von Dorothe Zürcher

Erschienen am 15. Juni 2021 im IL-Verlag Basel
ISBN: 978-3-907237-34-2


https://www.il-verlag.com/autoren/zürcher-dorothe/im-schatten-der-krone-die-grafen-von-lenzburg/#cc-m-product-14083896727

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise von der Autorin Dorothe Zürcher als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen .
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.

Klappentext:
„Was geschah auf dem Gebiet der Lenzburg vor knapp 1000 Jahren? Wie lebten die Menschen damals, was für Nöte und Sorgen trieben sie um? Die Schriftstellerin und Historikerin, Dorothe Zürcher, entführt mit ihrem Roman „Im Schatten der Krone“ so authentisch ins Mittelalter, als hätte sie damals selbst gelebt und wäre sie mit einer Zeitmaschine eben erst im 21. Jh. angekommen – dank erstaunlichen Kenntnissen dieser Epoche und der Gabe, ihre Figuren mit stimmigen Charaktereigenschaften zum Leben zu erwecken, wirft sie Leserinnen und Leser mitten ins Geschehen einer rauen Zeit, lässt sie teilnehmen an den Sorgen und Nöten einer Adelsfamilie und macht die Lektüre zu einem einmaligen Kopfkino. Und darum geht es: Trotz einer arrangierten Ehe verleibt sich Ulrich von Lenzburg in seine Braut Richenza. Als Richenzas Onkel versucht, den König zu vergiften, ist Ulrich bestürzt. Die Lenzburger bleiben königstreu. Das Paar hält zusammen und führt seine Grafschaft zur Blüte. Doch dann ächtet der König den Papst, dieser verbannt den König. Die alten Fehden reißen wieder auf. Ulrich entscheidet sich für eine Seite – gegen den Willen seiner Frau. Ein Roman, der auf wahren Begebenheiten des 11. Jahrhunderts beruht.“

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Das Buch „Im Schatten der Krone – Die Grafen von Lenzburg“ ist ein Roman, der im 11. Jahrhundert im Heiligen Römischen Reich angesiedelt ist und unter anderem zeigt, wie es zum berühmten ‚Gang nach Canossa‘ kam.

Im Jahr 1050 auf der Habichsburg: Richenza von Habsburg ist gerade Witwe geworden, da arrangiert ihr Bruder eine Ehe mit Ulrich II. von Lenzkirch. Trotz dieser abgemachten Ehe verliebt Ulrich sich in Richenza, sie findet ihn ihm einen verlässlichen Partner an ihrer Seite.
Als aber Richenzas Familie König Heinrich IV (HRR) hintergeht und ihm abschwört, kommt es zu Konflikten zwischen Ulrich und Richenza: Ulrich hat dem König die Treue geschworen, Richenzas Familie und andere Fürstenhäuser möchten den König nach seinem Gang nach Canossa durch einen Gegenkönig ersetzen.
Die Bewohner der Grafschaft Lenzburg geraten damit in Schwierigkeiten und müssen sich in einer Zeit voller Intrigen und Missgunst für einen Weg entscheiden. Doch sie stehen zwischen den Fronten.

Dieses spannende und interessante Buch wäre an mir vorbeigegangen, wenn die Autorin mich nicht angeschrieben hätte, mir ihr Buch vorstellte und ein Rezensionsexemplar anbot. Der Klappentext weckte direkt mein Interesse, da mich die Zeit, der Handlungsort und die handelten Personen sehr faszinieren. Allein vom Cover her hätte ich nicht nach dem Buch gegriffen, da es mich nicht ganz anspricht.
An dieser Stelle möchte ich mich bei Dorothe Zürcher für das Rezensionsexemplar mit der wunderschönen Signierung und für die wunderbaren und interessanten Lesestunden bedanken.

In „Im Schatten der Krone – Die Grafen von Lenzburg“ sind viele Charaktere historisch belegte Figuren und auch ein Großteil der Handlung basieren auf wahren Begebenheiten.

Richenza von Habsburg lebte von 1020 bis 1080. In diesem Buch wird sie als eine starke und selbstbewusste Frau mit vielen Facetten beschrieben. Anfangs wirkt sie eher kühl und distanziert, taut dann aber im Laufe der Geschichte immer mehr auf. Stück für Stück wird dem Leser/ der Leserin ihre Vergangenheit und ihre Lebensgeschichte erzählt. Richenza entwickelt sich von einer jungen Frau zur Mutter und einer angesehenen Gräfin. Schicksalsschläge hinterlassen in ihrem Leben Spuren, unterkriegen lässt sie sich aber davon nicht.
Ihr Mann Ulrich ist ein sehr spannender und ebenfalls facettenreicher Charakter. Als Jüngling holt man ihn aus dem klösterlichen Leben und verheiratet ihn mit Richenza. Er hat keinerlei Mitspracherecht, was die Planung seines Lebens angeht, fügt sich aber in das Leben eines Grafen. Und er verliebt sich dann nach einiger Zeit in Richenza und sieht in ihr eine Partnerin auf Augenhöhe. Er handelt immer der Zeit entsprechend – was natürlich nicht immer leicht zu verkraften ist und von unserer Zeit rückblickend grausam und hart wirkt.
Um diese beiden Hauptfiguren agieren viele andere Charaktere, die alle glaubwürdig gezeichnet sind . Teilweise hatte ich etwas Probleme, diese vielen Figuren dann richtig zuzuordnen. Einige Lebensgeschichten und politische Hintergründe kamen etwas zu kurz, zum Beispiel der weitere Lebensweg von einem Sohn Richenzas und Ulrichs.
Viele Figuren, deren Namen man aus dem Geschichtsunterricht kennt, wie König Heinrich IV (HRR), erweckt Dorothe Zürcher gekonnt zum Leben und vermittelt hier Geschichte so lebendig, dass man das Gefühl hat dabei gewesen zu sein. Sie beschreibt farbenfroh und unverfälscht, wie die Menschen vor 1000 Jahren lebten, was sie fühlten und dachten – angefangen vom Knecht bis hin zum König und Kaiser.

Das Buch hat eine sehr dichte und realistische Atmosphäre. Die Autorin beschreibt die Zeit vor 1000 Jahren und das Leben auf der Burg ohne Kitsch und Schnörkel. Das Buch konnte mich schon ab den ersten Seiten mit der lebendigen Sprache, den interessanten Charakteren und den geschichtlichen Hintergründen begeistern und ich konnte mich ganz in der Handlung verlieren. Dorothe Zürcher hat Hintergründe akribisch recherchiert und entführt den Leser mit viel Wissen und genauen Ortskenntnissen an die Orte des Geschehens. Mit Beschreibungen der Speisen und deren Zubereitung und Gerüchen, die Arbeiten auf dem Burghof und der Burg zeigt sie detailliert das Leben zu dieser Zeit, ohne das es jemals langatmig wird.
Insgesamt ist das Buch in vier Teile unterteilt, teilweise gibt es ordentliche Zeitsprünge, die der tollen Atmosphäre aber nicht schaden.

Der geschichtliche Hintergrund bildet das Heilige Römische Reich (HRR) im 11. Jahrhundert und damit Heinrich IV. Gang nach Canossa, die Einsetzung eines Gegenkönig und der Investiturstreit.
Heinrich IV. war ein König, der damals die Adelshäuser untereinander, aber auch Familien spaltete. Einige schworen ihm die Treue, andere wandten sich von ihm ab. Nach dem Investiturstreit, welcher der Höhepunkt des Konflikts zwischen geistlicher und weltlicher Macht um die Amtseinsetzung von Geistlichen durch die weltliche Macht war, erfolgte Heinrichs Exkommunikation durch den Papst und der Wahl eines Gegenkönigs. All das führte zum berühmten „Gang nach Canossa“ und damit zur Spaltung der adligen Gesellschaft.
Ulrich, Richenza und ihre Familien sind inmitten dieses Geschehen und bekommen diese Spaltung auch in der eigenen Familie mit. Somit wird große Geschichte nachvollziehbar und greifbar. Eine spannende Lektion in Sachen Geschichte.

Interessant fand ich, wie die Gesellschaft im Mittelalter mit homosexuellen Menschen umgegangen ist. Diesen Aspekt findet man in historischen Romanen selten und ich habe eine Menge Neues über die Denk- und Handlungsweise zu dieser Zeit gelernt, die grausam und hart waren. Hier zeigt sich noch einmal die Stärke des Romans „Im Schatten der Krone – Die Grafen von Lenzburg“: Das Buch gibt ein umfassendes Bild der gesamten Gesellschaft ab und vernachlässigt auch solche Aspekte nicht.

Fazit: Das Buch hat mich sehr beeindruckt und ich bin sehr froh, dass ich lesen durfte. Mit ihrer bildhaften, lebendigen Sprache und einem perfekt recherchierten geschichtlichen Hintergrund, hat mich Dorothe Zürcher direkt in das 11. Jahrhundert entführt. Absolut lesenswert und ein großer Tipp für alle, die historische Romane lieben.

Hinweis: Das Buch habe ich freundlicherweise von der Autorin als kostenloses Rezensionsexemplar erhalten – meine Meinung wurde aber nicht beeinflusst.

„Trümmerland“

von Silvia Hildebrandt

Erschienen am 01. Oktober 2020 im Plattini-Verlag
ISBN: 978-3947706242


https://www.plattini-verlag.de/truemmerland

Klappentext:
„1941. Das nationalsozialistische Rumänien zu Beginn des Ostfeldzugs. Der Jungoffizier Ion »Nelu« Nicolescu bereitet sich auf den Kampf gegen die Russen vor. Bevor er an die Front versetzt wird, schwört er, seine Jugendliebe Andrada nach seiner erfolgreichen Mission zu heiraten. Aber Nelus Einheit wird unter das Kommando des deutschen Oberfeldwebels Schmidt gestellt, der seine rumänischen Untergebenen schikaniert. Aus Monaten werden Jahre und Nelu wird in der Schlacht um Stalingrad gefangen genommen. Während er in einem sowjetischen Kriegsgefangenenlager gefoltert wird, verliebt sich Andrada in den Bauern Cristian. Als Rumänien im Sommer 1944 die Fronten wechselt und nach und nach zu einem sozialistischen Staat umgebaut wird, werden aus alten Verbündeten Feinde, aus ehemaligen Feinden notwendige Partner. Für welche Seite entscheidet sich Nelu? Kann Andrada mit Cristian glücklich sein, während ihr Herz immer noch an einem gebrochenen Kriegsgefangenen hängt?“

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Das Buch „Trümmerland“ von Silvia Hildebrandt, ist ein historischer Roman, der die Entwicklung Rumäniens ab dem Jahr 1941 anhand einzelner menschlicher Schicksale zeigt.

Mihailsdorf, ein kleiner Ort im Königreich Rumänien im Jahr 1941. Hier leben Nelu und seine Jugendliebe Andrada, die von ihrer gemeinsamen Zukunft träumen und diese planen. Doch ein Abschied steht an, Nelu zieht in den Krieg. Sie versprechen sich, dass sie sich schon ganz bald wieder sehen und dann heiraten werden.
Allerdings wird Nelu in einem Alptraum wach: Der Krieg zeigt ihm die hässlichste Fratze und er gerät in russische Kriegsgefangenschaft. Andrada verliebt sich währenddessen in Cristian, einem Bauer, der im selben Ort wohnt.
Als Nelu nach Jahren zurückkehrt, ist nichts mehr so, wie es einmal war und auch er ist ein völlig anderer Mensch.

Dieses Buch ist bereits im Oktober 2020 erschienen und (leider) komplett an mir vorbei gegangen. Die Autorin schrieb mich Ende Mai 2021 auf Instagram an und fragte, ob ich Interesse an einem Rezensionsexemplar hätte.
Nach Lesen des Klappentextes zu „Trümmerland“ war mein Interesse geweckt, da es zwar jede Menge Bücher (Romane) zum Zweiten Weltkrieg auf dem Markt gibt, aber wenige, die im sogenannten Ostblock spielen. Über die Entwicklung dieser Länder, hier speziell Rumänien, habe ich bisher noch nichts gelesen – das wollte ich unbedingt ändern und meinen Horizont damit erweitern.
An dieser Stelle möchte ich mich bei Silvia Hildebrandt für das Rezensionsexemplar und für die wunderbaren und interessanten Lesestunden bedanken.

Die Charaktere in diesem Buch sind sehr authentisch beschrieben. Bei einigen brauchte es etwas länger, bis sich mir ihre Geschichte und Denkweisen öffneten. Das Buch umfasst einen Zeitraum von 38 Jahren, dementsprechend verändern sich die Charaktere auch im Laufe der Zeit. Aus Säuglingen werden Kinder, aus Kindern werden Erwachsene.
Nelu, Andrada und Cristian lernt der Leser/ die Leserin als junge Menschen kennen, ihr gesamtes Leben, mit Träumen und Erwartungen, liegt noch vor ihnen.
In Nelus einst sorgenfreies Leben, dringt der Krieg und damit auch unvorstellbare Gewalt und große Verluste. Ein junger Mensch, der plötzlich erwachsen werden muss, auch wenn er von sich aus voller Überzeugung in den Krieg zieht. Er ist eine Figur, die ich so schnell nicht vergessen werde. Mitunter skrupellos, auf der anderen Seite dann aber doch verletzlich. Seine Wandlung, aber auch seine Selbstzweifel machen ihn zu einer starken und authentischen Persönlichkeit.
Andrada, die ebenfalls ein ruhiges und sicheres Leben führt, ist die große Liebe von Nelu. Eine sichere und schöne Zukunft steht ihr bevor, doch der Krieg und damit Nelus Abwesenheit verändern alles. Sie verliebt sich in einen anderen Mann, baut sich, allen Widerständen zum Trotz, ein eigenes Leben mit Cristian auf. Sie ist einerseits glücklich, denkt aber immer wieder darüber nach, wie ihr Leben verlaufen wäre, wenn sie Nelu geheiratet hätte. Ihre Geschichte hat mich sehr mitgenommen. Sie ist ein tiefgründiger Charakter, der sehr lebensecht gezeichnet ist und eine interessante Entwicklung durchmacht.
Cristian, ein junger Bauer, der seinen Prinzipien treu bleibt, konnte mich ebenfalls sehr begeistern – auch wenn ich seiner Denkweise mitunter nicht ganz folgen konnte. Ein sehr ehrlicher und individueller Charakter, der die Geschichte immer weiter trägt. Auch er wird eine Figur bleiben, die ich nie vergessen werde.
Es gibt noch einige Personen, die in dieser Geschichte eine wichtige Rolle spielen. Auf diese möchte ich nun aber nicht detailliert eingehen, da ich sonst einen großen Teil der Handlung und Spannung vorwegnehme.
Jede Figur in diesem Buch ist äußerst facettenreich und authentisch. Alle Figuren, auch die eher unsympathischen Personen und die Randfiguren, geben zusammen mit den Hauptfiguren ein stimmiges und spannendes Bild des Gesellschaftsbilds dieser Zeit und des Landes Rumäniens ab.

Das Buch „Trümmerland“ ist in drei Teile aufgeteilt. Der erste Teil beginnt 1941. Mit ihrer lebendigen und bildhaften Sprache nahm mich Silvia Hildebrandt sehr schnell mit in die Geschichte. Mit sehr viel Wissen über Land und Menschen, zusammen mit einer gewissenhafte Recherche der geschichtlichen Hintergründe, hat sie ein Buch geschrieben, welches mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistert hat. Sie hat Rumänien einen Handlungsort gewählt, über den man selten etwas liest und mir damit eine spannende Geschichtslektion erteilt.

Die Geschichte und Entwicklung des Landes Rumänien, welches erst an der Seite von Deutschland gegen Russland kämpft und dann die Seiten wechselt, ist das Hauptthema des Buches. Einst war Rumänien ein Königreich, dann kam, nach Ende des Zweiten Weltkriegs, der Umbau zu einem sozialistischen Staat.

Fazit: Aus Verbündeten wurden Feinde, aus Feinden wurden Verbündete – nicht nur in der großen Politik, sondern auch in den Lebensgeschichten der Protagonisten. Silvia Hildebrandt hat ein berührendes und intensives Buch mit einem spannenden und perfekt recherchierten geschichtlichen Hintergrund geschrieben. Die facettenreichen und authentischen Charaktere werde ich so schnell nicht vergessen. Ich werde auf jeden Fall noch die anderen Bücher der Autorin lesen.
Das Buch solltet ihr euch nicht entgehen lassen. Top!

„Miss Hollywood – Mary Pickford und das Jahr der Liebe“

von Emily Walton

Erschienen am 10. Mai 2021 im Heyne-Verlag
ISBN: 978-3-453-42385-5


https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/Miss-Hollywood-Mary-Pickford-und-das-Jahr-der-Liebe/Emily-Walton/Heyne/e560751.rhd

Klappentext:
„1916: Es ist die Geburtsstunde Hollywoods, die große Ära des Stummfilms und ihr Star heißt Mary Pickford. Seit ihrer Kindheit steht Mary im Scheinwerferlicht. Neben Charlie Chaplin ist sie das bekannteste Gesicht Amerikas. Alle lieben ihre goldenen Locken. Als sie den gefeierten Schauspieler Douglas Fairbanks kennenlernt, ist es der Beginn einer leidenschaftlichen Liebe. Aber von dieser Liebe darf niemand etwas erfahren. Zwischen dem Glamour New Yorks und den Verheißungen Hollywoods beginnt Mary Pickfords sagenhafter Aufstieg von der umjubelten Schauspielikone zur ersten Filmproduzentin. Doch die vielleicht bewegendste Geschichte schreibt ihr Leben selbst.“

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Heyne-Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar über das ‚Bloggerportal Randomhouse‘ zur Verfügung gestellt bekommen .
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.

Das Buch „Miss Hollywood – Mary Pickford und das Jahr der Liebe“ von Emily Walton ist ein Roman, der das Leben der berühmten Mary Pickford beschreibt, welche in der großen Ära des Stummfilms die bekannteste Schauspielerin Amerikas war.

New York im Jahr 1916: Mary Pickford scheint auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen. Ihre Karriere als Schauspielerin steht auf dem Höhepunkt, sie ist die bestverdienende Frau in den USA und ihre Fans liegen ihr zu Füßen. Alles scheint perfekt, wäre da nicht ihre unglückliche und von Gewalt geprägte Ehe mit Owen Moore.
Da lernt Mary ihren Schauspiel-Kollegen Douglas Fairbanks kennen. Er ist ebenfalls verheiratet und zudem Vater eines Sohns. Mary und Douglas verlieben sich ineinander. Doch diese Liebe stellt Mary vor die Entscheidung: Große Liebe oder Karriere.

Ich habe das Buch nach dem Erscheinungstermin des Öfteren auf Bildern in den Sozialen Medien gesehen. Das Cover verzauberte mich direkt, auch wenn ich noch nichts über die Handlung wusste. Über das ‚Bloggerportal Randomhouse‘ bekam ich ein Exemplar als Rezensionsexemplar zugesendet – an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an den Heyne-Verlag.

Jede Figur, die in diesem Buch mitspielt, existiert auf einer wahren Persönlichkeit. Damit schafft die Autorin Emily Walton eine große Authentizität ihrer Figuren. Ich fand es so spannend, einen Blick in das Privatleben großer Schauspieler zu werfen, von denen man bisher vielleicht auch nur die Namen gehört hatte.
Mary Pickford steht, zusammen mit Douglas Fairbanks, im Mittelpunkt der Geschichte. Sie sind Beide auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angelangt. Doch Marys Karriere steht auf wackligen Beinen, ein Fehltritt von ihr, wie zum Beispiel Ehebruch oder Scheidung, könnte das Ende ihrer Laufbahn als erfolgreiche Schauspielerin bedeuten. Auch wenn ihre Familienmitglieder sehen, allen voran ihre Mutter Charlotte, wie sie in ihrer Ehe mit Owen leidet, möchte keiner von ihnen Mary zu einem Ehe-Aus ermutigen, da sie ihren hohen Lebensstandart auf Mary Kosten nicht verlieren möchten.
Mary scheint alles zu haben, was man sich wünscht, ist aber innerlich zerrissen zwischen ihrer perfekten Karriere und ihrem unglücklichen Privatleben. Sie macht Fehler, die ihr Leben prägen, aber sie gibt sich selbst nicht auf. Sie wuchs mir mit ihrer ehrlichen, nicht perfekten Art sehr schnell ans Herz und ich wollte sie einige Male einfach nur in den Arm nehmen und fest drücken.
Douglas Fairbanks hat viele Gemeinsamkeiten mit Mary. Auch er führt eine lieblosen Ehe, gefährdet seine Karriere aber nicht mit einer Scheidung. Er ist ein Mann, der genau weiß, was er möchte und wie er es bekommt. Er lebt im Hier und Jetzt, möchte nicht an das denken, was morgen sein könnte.
Marys Mutter Charlotte ist einer dieser Charaktere, die man stellenweise einfach nur schütteln möchte. Einerseits möchte sie nur das Beste für ihre Tochter, auf der anderen Seite möchte sie aber auch nur das Beste für sich.
Viele Charaktere in diesem Buch zeichnen sich durch ihre Sympathie aus, einige sind aber auch das direkte Gegenteil. Genau durch diese Gegensätze zeichnet Emily Walton ein wunderbares Bild der Gesellschaft zu dieser Zeit und erweckt viele große Schauspieler wieder zum Leben. Emily Waltons Figuren sind wie ein bunter Blumenstrauß – vielfältig und jede auf ihre Weise einzigartig.
Teilweise hatte ich etwas Probleme mit den vielen Namen, aber ich konnte der Handlung und den Figuren doch immer gut folgen.

Emily Walton hat mich mit ihrem Buch „Miss Hollywood – Mary Pickford und das Jahr der Liebe“ von der ersten Seite an begeistert.
Mit ihrem sehr lebendigen und farbenfrohen Sprachstil beschreibt Emily Walton die große Ära des Stummfilms. Eine Zeit, in der alles möglich war, in der man nach den Sternen griff. Auch wenn in Europa der erste Weltkrieg wütete, herrschte in Los Angeles Glamour pur, der Krieg war weit weg. Doch der Krieg kommt näher und bricht auch in das Leben der Schauspieler ein.
Das Buch beginnt im Jahr 1916 in New York, beschreibt aber zwischendrin in kurzen Abschnitten, das Leben der Hauptfiguren vor dieser Zeit. So erfährt der Leser/ die Leserin auch einiges aus der Kindheit von Mary Pickford und wie ihre Karriere startete. Aber auch über Douglas Fairbanks erfährt man rückblickend, wie er zu dem Menschen wurde, der er ist.
Haupthandlungsort ist Los Angeles – also Hollywood – hier spielt der große Teil der Geschichte. Schon damals der Ort für alles und jeden vom Film.
Bedrückend empfand ich Marys Situation: Gefangen in einer von Gewalt geprägten Ehe, ihre Mutter eine Trinkerin, gilt Mary als Ernährerin der Familie. Auf ihren Schultern trägt sie die ganze Last – sollte ihre Karriere enden, droht auch ihrer gesamten Familie der finanzielle und soziale Ruin. Ihre Familie, ihre Geschwister und ihre Mutter, ruhen sich auf ihren Erfolgen aus und können ihr Leben genießen. Mit dieser Verantwortung scheint Mary überfordert, doch ihre Rufe nach einem Ausbruch finden kein Gehör. Mary steht dafür, wie es Frauen in dieser Zeit ging: Sie standen komplett unter dem Mann, waren sie auch noch so erfolgreich. Ein Ehebruch, oder auch eine Scheidung konnte das Ende einer großartigen Karriere bedeuten – für die Frau, aber nicht für den Mann.

Das Buch ist ein Erlebnis – nicht nur von der Handlung her sondern auch von der Haptik. Als wunderschöne Klappbroschur liegt das Buch gut in den Händen und verzaubert mit dem einzigartigen Cover.

Fazit: Ein Buch zum Abtauchen und Versinken. Von der ersten Seite hat mich die Geschichte um Mary Pickford und Douglas Fairbanks begeistert. Emily Walton zeigt die private Seiten der beiden gefeierten Stars und zeigt damit ein gutes Gesellschaftsbild dieser Zeit. Ein absolutes Highlight, welches ihr euch nicht entgehen lassen solltet. Unbedingt lesen!

Hinweis: Das Buch habe ich freundlicherweise über das ‚Bloggerportal Randomhouse‘ vom Heyne-Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zugesendet bekommen – meine Meinung wurde aber nicht beeinflusst.

„Die Frauen von Kopenhagen“

von Gertrud Tinning

Erschienen am 26. April 2021 im Diana-Verlag
ISBN: 978-3453292512


https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/Die-Frauen-von-Kopenhagen/Gertrud-Tinning/Diana-Verlag/e360909.rhd

Klappentext:
„Kopenhagen 1885: Nelly und Marie arbeiten in der größten Weberei Kopenhagens. Bei einem Unfall am Webstuhl verletzt sich Marie schwer. Als wäre das nicht schon schlimm genug, gibt das Verhalten der Verantwortlichen Rätsel auf. Nelly steht mit einem schweren Verdacht alleine da und erzählt nicht einmal ihrem Geliebten Johannes davon. Dessen Schwester Anna kommt zur selben Zeit aus Jütland nach Kopenhagen. Und ist schockiert, wie brutal und ungerecht das Leben in der großen Stadt ist. Furchtlos nimmt sie den Kampf auf und setzt einen Meilenstein in der Geschichte Dänemarks.“

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Diana-Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar über das ‚Bloggerportal‘ zur Verfügung gestellt bekommen .
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder

Das Buch „Die Frauen von Kopenhagen“ von Gertud Tinning spielt in der Stadt Kopenhagen des 19. Jahrhunderts während der Industrialisierung und beschreibt anhand eines Arbeitsunfalls die beschwerlichen Anfänge der Frauenbewegung.

Kopenhagen im Februar 1885: Nelly Hansen und ihre Schwägerin Marie Hansen arbeiten in der großen Weberei Rubens an den Webstühlen. Es kommt zu einem schrecklichen und dramatischen Unfall, den die Verantwortlichen in der Fabrik mit Gleichgültigkeit behandeln, sogar versuchen zu vertuschen. Nelly kann das so nicht stehenlassen und begibt sich mit ihrer Hartnäckigkeit in große Gefahr. Unverhofft tritt ihr Nachbar Johannes, ein Bauerssohn aus Jütland, in ihr Leben.
Zur selben Zeit in Jütland: Johannes Schwester Anna soll einen reichen Bauern heiraten und damit die Familie vor dem Ruin retten. Auf Umwegen erfährt sie, dass ihr Bruder Johannes in Kopenhagen in großen Schwierigkeiten steckt. Sie reist dorthin und wird in einen Strudel aus Grausamkeiten, Geheimnissen und Intrigen gezogen. Doch Anna lässt sich auf ihrer Suche nach Gerechtigkeit nicht aufhalten.

Das Buch habe ich bei den Neuerscheinungen in meiner Lieblingsbuchhandlung entdeckt. Dieses wunderbare Cover und der spannende Klappentext sprachen mich direkt an, aber auch die Zeit der Industrialisierung interessiert mich sehr, da es in dieser Zeit große gesellschaftliche und politische Umwälzungen gab. Ich fragte im ‚Bloggerportal‘ ein Rezensionsexemplar an und bekam es freundlicherweise genehmigt und zugeschickt – an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Diana-Verlag.

Direkt zu Beginn des Buches lernt der Leser/ die Leserin Nelly Hansen und ihre Schwägerin Marie kennen. Nelly, eine junge Frau, die sich mit den Arbeitsbedienungen irgendwie arrangiert hat, im Privatleben aber vor vielen Problemen steht. Ihr Vater starb früh, ihre Mutter ist Alkoholikerin. Sie hat weder Mann, noch Kinder und lebt in ärmsten Verhältnissen. Ihre Schwägerin Marie muss mit der gefährlichen Arbeit am Webstuhl drei Kinder und noch dazu einen Mann versorgen, der an der Flasche hängt. Die Beiden sind, wie alle Charaktere in diesem Buch, lebensecht und authentisch gezeichnet und haben mich mit ihrer Geschichte direkt gefangen genommen.
Johannes, der Nachbar von Nelly, wirkt anfangs sehr undurchsichtig, man weiß nicht viel über seine Biographie und wo er her kommt. Er hat das Herz aber am richtigen Fleck und verliebt sich in Nelly. Seine Schwester Anna, die man erst später kennenlernt, hat große Ähnlichkeit zu ihm. Beide haben eine ruhige, schüchterne Art, aber mitunter auch temperamentvoll und mit großen Überzeugungen im Herzen, für die sie kämpfen. Sie machen aber auch Fehler und wirken dadurch sehr lebensecht.
Es gibt aber auch die nicht so freundlichen Figuren: Der Besitzer der Weberei, die Vorarbeiter und viele unfriedliche und düstere Gestalten auf den Straßen und in den Fabriken von Kopenhagen.
Ich war völlig fasziniert davon, mit was für einer Authentizität die Autorin Gertrud Tinnung ihre Figuren beschrieben hat. Die Lebensgeschichten ihrer Protagonisten, aber auch kleinerer Nebenrollen, wurden so wunderbar ausgearbeitet, dass ich ihnen gerne folgte, auch wenn es wie ein Wechselbad der Gefühle war.
Teilweise kommen auch historisch belegte Figuren in diesem Roman vor, einigen Charakteren dienten historische Figuren der Autorin als Vorbild für ihre Figuren.
Gertrud Tinning nahm mich direkt mit in diese Geschichte, in der die Figuren nicht nur herbe Rückschläge einstecken müssen und in eine Zeit, in der ihnen nichts, aber auch wirklich gar nichts geschenkt wird.

Gertrud Tinning hat einen sehr lebendigen Sprachstil, verschönert diese Zeit aber mit keinem Wort, keiner Zeile. Sie beschreibt die prekären Lebensverhältnisse der Arbeiterfamilien im späten 19. Jahrhundert, aber auch die Arbeitsbedingungen der Menschen in den Fabriken ohne Schnörkel.
Das Buch beginnt mit einem schrecklichen Unfall in der Weberei, der Leser/ die Leserin wird also direkt komplett in der Handlung des Buches hineingeworfen und nicht mehr so schnell losgelassen.

Der geschichtliche Hintergrund bildet die Stadt Kopenhagen im späten 19. Jahrhundert und die Zeit der Industrialisierung. Der einzelne Mensch zählte zu dieser Zeit nicht viel – allein seine Arbeitskraft wurde benötigt. Konnte er diese nicht mehr aufbringen oder starb, wurde er ersetzt, wie ein abgenutztes Zahnrad in einer Maschine. Eine unvorstellbar grausame Zeit. Den Schwerpunkt legt Gertrud Tinning in ihrem Roman, auf die Ausbeutung der Frauen, und wie sich, zwar langsam, gegen diese Zustände erhoben und erste Frauenvereine gegründet wurden.

Wenn es wirklich darauf ankam, war man in dieser Fabrik nichts wert, selbst wenn man sein Bestes gab.“
[S. 32, Z. 9 – 11]

Außerdem wird die Auswanderung nach Amerika thematisiert. Zu dieser waren vor allem die USA das Ziel, hier versprachen sich die Menschen einen schnellen gesellschaftlichen Aufstieg und Reichtum, gleichzeitig war es eine Flucht vor den Lebens- und Arbeitsbedingungen in ihren Heimatländern.
Spannend fand ich aber auch, wie die Autorin das Leben auf dem Land in den Kontrast zu dem Leben in der Stadt gesetzt hat. Auf dem Land kannten sich die Menschen alle gegenseitig, dagegen stellt sie die Anonymität in der Großstadt. Wirklich frei waren die Menschen weder auf dem Land noch in der Stadt.

Fazit: Ein Buch, welches mich von der ersten bis zur letzten Seite komplett überzeugt hat und welches atmosphärisch und historisch Top ist. Es ist keine leichte Kost, mitunter musste ich das Buch zur Seite legen und tief durchatmen. Die 450 Seiten waren innerhalb weniger Tage ausgelesen – aber der Inhalt, die Figuren und ihre Geschichte werde ich nie vergessen. Absolute Lese-Empfehlung für euch für diesen grandiosen historischen Roman. Ein klares Highlight, welches ihr unbedingt lesen solltet.

Hinweis: Das Buch habe ich freundlicherweise über das ‚Bloggerportal Randomhouse‘ vom Diana-Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zugesendet bekommen – meine Meinung wurde aber nicht beeinflusst.

„Bella Donna – Die Schöne von Florenz“

von Catherine Aurel

Erschienen am 10. Mai 2021 im Penguin-Verlag
ISBN: 978-3328105480


https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/Bella-Donna-Die-Schoene-von-Florenz/Catherine-Aurel/Penguin/e557267.rhd

Klappentext:
„Florenz, 1469. Die Zeiten, als Cosima Bellani von Männern umschwärmt wurde, sind vorbei. Die Schönheit der alternden Kurtisane beginnt zu schwinden – und sie fürchtet um ihre Zukunft. Als die junge Adlige Simonetta sie in Liebesdingen um Rat bittet, hat Cosima eine verheißungsvolle Geschäftsidee: Sie will fortan Kosmetik herstellen, denn der Handel mit Pulver und Salben, Bleiweiß und Lippenrot floriert. Simonetta wird mit ihrer Hilfe zur schönsten Frau von Florenz – nicht nur der einflussreiche Giuliano de Medici, auch der aufstrebende Maler Sandro Botticelli liegen ihr zu Füßen. Doch dann bricht ein erbitterter Machtkampf um die Stadt aus und Cosima und Simonetta werden in eine Intrige verwickelt. Bald handeln sie nicht nur mit erlesenen Schönheitsrezepturen, sondern auch mit Geheimnissen …“

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Penguin-Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar über das ‚Bloggerportal‘ zur Verfügung gestellt bekommen .
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.

Das Buch „Bella Donna – Die Schöne von Florenz“ ist der Auftakt einer Reihe, die im Florenz der Medici im 15. Jahrhundert spielt und die Gründung eines fiktiven Schönheitsimperiums beschreibt.

Florenz im August 1469: Die junge Simonetta Cattaneo heiratet den Kaufmannssohn Marco Vespucci. Sie schaut mit großen Erwartungen in diese Ehe, wird aber schnell enttäuscht. Marco missachtet sie, sie scheint ihm egal zu sein. Hilfesuchend wendet sie sich an Cosima Bellani, eine Kurtisane, die ihre besten Jahre hinter sich hat. Cosima entdeckt das Potenzial, welches in Simonetta steckt und verwandelt sie in die schönste Frau von Florenz. Damit ist auch Cosimas neuste Geschäftsidee geboren: Sie möchte ab sofort mit Schönheitsprodukten ihr Geld machen.
Schnell wird Giuliano de Medici auf die schöne Simonetta aufmerksam und auch der aufstrebende Maler Sandro Botticelli erkennt in ihr seine Muße.
Doch schon bald geraten Simonetta und Cosima in einen Strudel aus Intrigen und Geheimnissen, denn nicht alle Menschen in Florenz sind den Medici wohl gesonnen.

Als dieses Buch angekündigt wurde, war mein Interesse direkt geweckt. Zum einen interessiert mich die Zeit, in der das Buch spielt sehr und ich hege auch eine Faszination für die Stadt Florenz. Zum anderen mag ich die Bücher der Autorin sehr gerne – Catherine Aurel ist ein Pseudonym von Julia Kröhn. Ihre Bücher verweben fiktive Charaktere und Historie so gekonnt miteinander, dass Geschichte noch einmal greifbarer und erlebbarer wird.
Ich bewarb mich im ‚Bloggerportal Randomhouse‘ um ein Exemplar.
An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an den Penguin-Verlag für die Bereitstellung und Zusendung des Buches als Rezensionsexemplar.

In diesem Buch spielen eine Vielzahl historischer Persönlichkeiten, aber auch fiktive Charaktere mit. Sie alle sind lebendig gezeichnet und machen eine authentische Entwicklung durch.
Im ersten Kapitel lernen wir direkt zwei Hauptfiguren kennen: Simonetta und Cosima.
Cosima ist ein fiktiver Charakter, sie fügt sich aber perfekt in die Historie ein. Sie ist nicht wirklich eine Sympathieträgerin, weiß allerdings immer genau was sie will und wie sie sich durchsetzt. Mit ihrer direkten und sehr auf sich selbst fixierten Art stößt sie vielen Menschen in ihrem Umfeld vor den Kopf. Sie bleibt ihren Prinzipien treu, macht aber auch mal den ein oder anderen Fehler, aus denen sie lernt und sich weiter entwickelt. Ich bin gespannt, wie es mit ihr und ihrer Geschichte weitergeht.
Simonetta Vespucci ist eine der vielen historischen Figuren und wird hier zum Leben erweckt wird. Der Leser lernt sie als junges Mädchen kennen, welches noch etwas naiv in die Welt blickt. Ihre Wandlung zur schönsten Frau von Florenz und die Entwicklung ihres Selbstbewusstseins werden glaubwürdig und lebendig beschrieben. Ich habe Simonetta schnell ins Herz geschlossen. Erschreckend fand ich, dass sie oft wie eine Ware behandelt wurde. Erst von ihren Eltern, später aber auch von der Tante ihres Ehemanns.
Giuliano de Medici, ebenfalls historisch belegt, ist ein junger Mann, der zwar mächtig ist, aber von Selbstzweifeln und Minderwertigkeitsgefühlen gegenüber seinem älteren Bruder Lorenzo geplagt ist. Er scheint seinen Platz im Leben noch nicht gefunden zu haben.
Sandro Botticelli geht es da ähnlich: Auch ihn plagen Selbstzweifel und er scheint im Leben noch nicht richtig angekommen zu sein.
Neben all den historischen Persönlichkeiten hat der fiktive Amrim mein Herz erobert. Er ist der Sklave von Cosima, körperlich entstellt, aber er hat das Herz am rechten Fleck und fängt Cosima immer wieder auf. Auch wenn sie ihn immer wieder von sich stößt und mit Worten verletzt, steht er zu ihr.
Es spielen noch eine Vielzahl an anderen Personen mit, sie alle führen uns durch die Geschichte und bilden ein gutes Gesamtbild der Gesellschaft im 15. Jahrhundert in Florenz.

Mit ihrer Ortskenntnis, ihrer akribischen Recherche und ihrer bildhaften Sprache sowie lebendig gezeichneten Charakteren entführt uns Catherine Aurel direkt in das Florenz der Medici.
Ein Kritikpunkt: Teilweise waren mir die Szenen im Bett etwas zu detailliert beschrieben – das ist aber Geschmackssache.
Anfangs tat ich mir etwas schwer, da mir eine Sympathieträgerin gefehlt hat. Simonetta war noch schwer greifbar, Cosima nicht wirklich sympathisch. Aber nach den ersten 100 Seiten war ich dann ganz in der Geschichte angekommen und konnte die Handlung und Charaktere genießen.

Der geschichtliche Hintergrund ist das Florenz der Medici im 15. Jahrhundert. Catherine Aurel zeigt, wie es zu der Pazzi- Verschwörung kommen konnte und wie Simonetta Vespucci in ihrem viel zu kurzen Leben gewirkt hat und zur „Königin der Schönheit“ wurde.
Catherine Aurel hat in die Entstehung der Schönheitspflege wunderbar recherchiert und setzt dieses Thema mit Cosima und Simonetta ins richtige Licht.
Spannend empfand ich ebenfalls die Beschreibungen der Malerei und Kunst. In diesem Buch trifft der Leser auf so einige große Künstler der Renaissance und lernt sie als Menschen kennen.

Fazit: Das Buch „Bella Donna – Die Schöne von Florenz“ ist ein überzeugender Auftakt einer vielversprechenden Buchreihe. Mit authentischen Charakteren und viel Historie hat mich das Buch bestens unterhalten. Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Teil.

Hinweis: Das Buch habe ich freundlicherweise vom Pengiun-Verlag als Rezensionsexemplar bekommen – es hat meine Meinung aber nicht beeinflusst.

„Fräulein Gold – Der Himmel über der Stadt“

von Anne Stern

Erschienen am 21. April 2021 im Rowohlt-Verlag
ISBN: 978-3499004315
https://www.rowohlt.de/buch/anne-stern-fraeulein-gold-der-himmel-ueber-der-stadt-9783499004315

Klappentext:
„Berlin, 1924. Hulda Gold arbeitet in der neuen Frauenklinik in Berlin-Mitte und versorgt dort die Frauen und ihre Neugeborenen. Die Geburtshilfe ist modern, Berlin am medizinischen Puls der Zeit. Doch es kommt zu einem tragischen Todesfall: Eine junge Schwangere stirbt bei einer Operation, die ausgerechnet der ehrgeizige Chef-Gynäkologe Egon Breitenstein durchführt.
Zufällig stößt Hulda auf Ungereimtheiten, die einen üblen Verdacht keimen lassen. Die Mauer des Schweigens, die sich in der Klinik aufbaut, ist für die Hebamme aber kaum zu durchdringen. Ein Dickicht aus Ehrgeiz und falschen Ambitionen umgibt die Ärzte, die bereit sind, ihr männliches Imperium zu verteidigen – wenn nötig, bis zum Äußersten.“

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Rowohlt-Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen .
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ odervom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Falls ihr den ersten beiden Teile „Fräulein Gold – Schatten und Licht“ und „Fräulein Gold – Scheunenkinder“ noch nicht kennt, aber lesen möchtet, solltet ihr diese Rezension zum dritten Teil nicht lesen – ‚Spoilergefahr‘!
– Meine Rezension zum ersten Teil findet ihr hier: https://buechertanz.de/?p=1330, zum zweiten Teil hier: https://buechertanz.de/?p=1690

Das Buch „Fräulein Gold – Der Himmel über der Stadt“ von Anne Stern ist der dritte Teil einer Reihe, in welcher die Hebamme Hulda Gold im Berlin der 1920er Jahre immer wieder auf tragische Todesfälle stößt und mit eigenen Ermittlungen beginnt.

Der Prolog des Buches setzt im Jahr 1922 an. Bei einer jungen Frau kommt es während der Geburt ihres Wunschkindes in einer Berliner Klinik zu schweren Komplikationen.
Zwei Jahre später tritt die ehemals freischaffende Hebamme Hulda Gold eine Stelle in der neuen Frauenklinik Berlin-Mitte an. Da die Hausgeburten immer mehr zurückgehen und zudem feste Arbeitszeiten winken, hat sich Hulda entschieden, ihrer Selbstständigkeit den Rücken zu kehren und diesen neuen Lebensweg einzuschlagen. Leicht fällt ihr es nicht, da sie sich nun den Ärzten der Klinik unterordnen muss und nur noch in Ausnahmefällen eine Geburt leitet.
Doch da stößt Hulda auf Ungereimtheiten und mysteriöse Todesfälle in der Klinik und beginnt eigenmächtig nachzuforschen. Sie stößt innerhalb und außerhalb der Klinik auf eine Mauer des Schweigens.
Aber auch in ihrem Privatleben muss Hulda kämpfen: In ihrer Beziehung mit dem Kommissar Karl North kriselt es zunehmend, da dieser immer öfter dem Alkohol zu spricht. Es droht zum Zerwürfnis der Beiden zu kommen, da sie Beide nicht wissen, wie sie ihre Zukunft gestalten möchten.

Vor einem Jahr habe ich den ersten Teil der Reihe um die Hebamme Hulda Gold gelesen und war direkt begeistert. Huldas eigenwilliger Charakter, ihre Spürnase und ihr Dickschädel, zusammen mit jeder Menge spannender Zeitgeschichte, machen für mich eine ideale Kombination aus.
Im Oktober 2020 erschien der zweite Teil und seit dem wartete ich ungeduldig auf den dritten Teil. Ich wollte unbedingt wissen, wie es mit Hulda und Karl weitergeht… und endlich war es soweit und ich konnte den lang ersehnten dritten Teil in den Händen halten.
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Rowohlt-Verlag und die Autorin, für die Zusendung des Buches als kostenloses Rezensionsexemplar.

Hulda Gold ist ein Charakter mit vielen Gesichtern: In diesem Teil hat sie sich von ihrem Leben als freie Hebamme verabschiedet und bekommt durch ihre Arbeit in der Klinik zwar geregelte Arbeitszeiten und Sicherheit, allerdings muss sie sich unterordnen – wer Hulda kennt weiß, wie schwer ihr das fallen kann. Und wenn sie dann auch noch auf die Spur von Unrecht und tragischen Todesfällen kommt, kann sie sich Nichts und Niemand zurückhalten. Sie kämpft für ihre Prinzipien und für schwächere Personen. Dabei vergisst sie sich auch immer mal wieder selbst und bringt sich dadurch in Gefahr.
Sie hadert aber auch immer wieder mit ihrer Entscheidung, ihre Selbstständigkeit aufgegeben zu haben.

Sie stellte sich vor, wie die Geburt verlaufen wäre, wenn sie Frau Bogenmüller in deren Wohnung entbunden hätte […] Mit klammen Handtüchern, Kindergeschrei von nebenan und dem ewigen Geruch nach gekochtem Kohl und Briketts, der die Berliner Mietshäuser tränkte, ja, der die Steine der Häuser zusammenzuhalten schien wie Zement. Eine unerklärliche Sehnsucht nach dieser Welt überfiel Hulda. Diese Welt war nicht immer schön, sie zeigte ihren Bewohnern nur allzu oft ihr grausames Antlitz. Doch sie, Hulda, hatte dort etwas bewirken können. Sie war dort Fräulein Gold gewesen, die Hebamme, die jeder kannte! Hier aber, in der peinlich sauberen, modernen Klinik, war sie einfach nur ein Fräulein ohne Namen, das zufällig Schicht hatte.“
[S. 148, Z. 16-30]

Mit ihrer Sturheit, aber auch mit ihren Selbstzweifeln, ist Hulda Gold einer der faszinierendsten und authentischsten fiktiven Figuren, die ich in meiner Lese-Laufbahn kennenlernen durfte und nie vergessen werde. Wie gerne würde ich mit Hulda durch das Berlin der 1920er Jahre flanieren und mit ihr einen Kaffee trinken.

Huldas Freund, Karl North, macht in diesem Teil leider eine nicht so gute Figur: Er hadert mit sich und seiner Vergangenheit. Als Waisenkind in grausamen Verhältnissen und ohne Liebe aufgewachsen, ohne Wurzeln, weiß er nicht, wo sein Platz im Leben ist. Auch wenn er als Kommissar bei der Kriminalpolizei angesehen wird, so richtig geht er nicht in seiner Arbeit auf. Er flüchtet sich immer mehr in den Alkohol und streitet sich mit Hulda über ihre gemeinsame Zukunft. Er ist ein trauriger und verunsicherter Charakter, den man ab und zu einfach nur in den Arm nehmen und kräftig drücken möchte.
Um Hulda und Karl finden sich noch eine Vielzahl an verschiedensten Figuren. Sie alle haben mich durch ihre Vielschichtigkeit und ihre Eigenheiten begeistert. Hier möchte ich an erster Stelle Huldas Vermieterin Frau Wunderlich und den Kioskbesitzer Bert nennen. Seit dem ersten Teil habe ich diese warmherzigen Charaktere ins Herz geschlossen, die für Hulda oft der Fels in der Brandung sind und immer ein offenes Ohr für sie haben. In jedem Teil erfährt man Neues über diese beiden starken Charaktere.
In der Klinik trifft Hulda auf Personen, die sie, aber auch der Leser/ die Leserin erst noch kennenlernen müssen. Sie alle geben ein gutes Bild der Gesellschaft der 1920er Jahre ab. Ich möchte nicht näher auf die einzelnen Charaktere eingehen, da ich sonst einiges der Spannung vorwegnehmen würde.
Huldas Freundin, die Apothekerin Frau Martin, brachte noch einmal Wärme und Authentizität in die Geschichte. Sie ist die Person, um die sich Hulda sorgt und für die sie da ist. Aber auch andersrum kann sich Hulda immer auf ihre Freundin verlassen und hat mir ihr eine Ansprechpartnerin auf Augenhöhe.

Wie bei den vorherigen Bänden konnte ich ab dem ersten Kapitel wieder tief in die Geschichte abtauchen. Mit ihrer wunderbaren, detaillierten, bildgewaltigen und flüssigen Sprache, lässt Anne Stern auf keiner Seite Langeweile aufkommen und entführt den Leser mit viel Ortskenntnis in das Berlin der 1920er Jahre.

Die Handlung des Buches konnte mich auch wieder ab der ersten Seite begeistern, machte mich teilweise aber auch wieder fassungslos, wie die Lebensverhältnisse waren, wie mit Frauen umgegangen und wie schwer es ihnen die Gesellschaft damals machte. Diesmal lag der Schwerpunkt des Buches nicht komplett auf der Aufklärung eines Verbrechens, die Entwicklung der Charaktere wurde mehr in den Mittelpunkt der Geschichte gestellt. Ganz verzichten müssen wir aber auf Huldas Spürnase nicht, da sie in der Klinik auf Ungereimtheiten stößt, die ihren Nachforschungen bedürfen.

Das Hauptthema des Buches „Fräulein Gold – Der Himmel über der Stadt“ ist die Veränderung der Geburt: Die Hausgeburten rückten damals in den Hintergrund, immer mehr Geburten fanden in Kliniken statt. Damit wurde aber auch die Arbeit der Hebammen weniger geschätzt und geachtet, die Geburten wurden männliches Hoheitsgebiet und sollten kalkulierbarer werden. Erschreckend fand ich, wie wenig die Privatsphäre von Frauen aus den ärmeren Gesellschaftsschichten in der Klinik geachtet wurde.
Der geschichtliche Hintergrund bildet das Berlin der 1920er Jahre. Die Inflation ist überwunden, die Wunden des Ersten Weltkrieges klaffen allerdings noch immer im Leben der Menschen. Am Horizont ziehen die dunklen Vorboten des Dritten Reiches auf, das Gedankengut eines Adolf Hitler nehmen immer mehr Raum ein.

Und ganz große Freude: Wir dürfen uns noch auf einen weiteren Teil mit unserer Hulda freuen – am 16. November erscheint der vierte Teil. Ihr glaubt gar nicht, wie sehr ich mich freue!

Fazit: Der dritte Teil um Hulda Gold ist eine lesenswerte Fortsetzung der Reihe um die neugierige und dickköpfige Hebamme, die sich von Niemanden etwas vorschreiben lässt. Ich fühlte mich stets gut unterhalten, lernte noch einiges dazu und konnte das Buch stellenweise nur schwer aus der Hand legen. Mit ihrer wunderbaren, detaillierten, bildgewaltigen und flüssigen Sprache hat mich Anne Stern direkt in das Berlin der 1920er Jahre katapultiert. Absolute Lese- Empfehlung!

Hinweis: Das Buch habe ich freundlicherweise vom Rowohlt-Verlag als Rezensionsexemplar bekommen – es hat meine Meinung aber nicht beeinflusst.



„Das Kaffeehaus – Falscher Glanz“

von Marie Lacrosse

Erschienen am 13. April 2021 im Goldmann-Verlag
ISBN: 978-3442205981


https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/Das-Kaffeehaus-Falscher-Glanz/Marie-Lacrosse/Goldmann/e561596.rhd

Klappentext:
„Die junge Sophie von Werdenfels tritt ihre Stelle als Kaiserin Sisis Hofdame an. Doch im Hofstaat hat sie es schwer. Insbesondere die Gräfin Marie Festetics, Sisis Favoritin, verfolgt jeden ihrer Schritte mit Eifersucht und Argwohn. Sophie erlebt das vordergründig glamouröse, hinter den Kulissen jedoch zutiefst bigotte Leben am Kaiserhof mit. Als Hofdame muss sie auch an der Hochzeit ihrer großen Liebe Richard mit Amalie von Thurnau teilnehmen. Als sie selbst gegen ihren Willen mit einem viel älteren Adeligen verheiratet werden soll, flieht sie vom Hof ins Kaffeehaus ihres mittlerweile schwer kranken Onkels. Dort übernimmt sie die ersten Leitungsaufgaben … „

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Goldmann-Verlag und der Autorin als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen .
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Falls ihr den ersten Teil „Das Kaffeehaus – Bewegte Jahre“ noch nicht kennt, aber lesen möchtet, solltet ihr diese Rezension zum zweiten Teil nicht lesen – ‚Spoilergefahr‘!
– Meine Rezension zum ersten Teil findet ihr hier: https://buechertanz.de/?p=1642

Meine Rezension:
Das Buch „Das Kaffeehaus – Falscher Glanz“ von Marie Lacrosse spielt im ausgehenden 19. Jahrhundert in Wien und beschreibt die Nachwirkungen der ‚Affaire Mayerling‘.

Der Prolog des Buches setzt Ende Februar im Jahr 1889 an: Ein Monat ist seit dem tragischen Tod des Kronprinzen Rudolf und seiner Geliebten Mary Vetsera vergangen. Die junge Sophie von Werdenfels, Marie Vetseras beste Freundin, verfügt über einen Abschiedsbrief ihrer Freundin und damit über Wissen in der ‚Affaire Mayerling‘, welches das Ansehen der gesamten österreichische Monarchie ins Wanken bringen könnte. Um sich Sophies Schweigens zu versichern, nimmt Kaiserin Sisi sie als Hofdame in ihre Dienste.
Sophie eröffnet sich mit diesem Dienst einen Blick hinter die Kulissen des glamourösen Kaiserhauses. Dort ist nichts, wie es nach außen hin scheint : Kaiserin Sisi ist noch immer in tiefer Trauer um ihren Sohn gefangen und unterliegt immer mehr dem Schönheitswahn. Aber auch von den anderen Mitgliedern des Hofstaates wird Sophie nicht mit offenen Armen empfangen. Missgunst und Intrigen beherrschen ihren Alltag. Sophie unternimmt mit Sisi Wanderungen, bereist Teile Europas und findet zu der unnahbaren Kaiserin langsam einen Draht. Aber auch zu Richard von Löwenstein, Sophies großer Liebe, hält sie weiterhin Kontakt, auch wenn sie seiner Hochzeit mit einer anderen Frau beiwohnen muss.
Doch als ihr geliebter Onkel und Patenonkel Stephan Danzer, der Inhaber des Kaffeehauses schwer erkrankt und Sophie an einen Adligen verheiratet werden soll, muss sich Sophie entscheiden: Kaiserlicher Hof oder Kaffeehaus, Kaiserin oder Familie.

Mit großer Begeisterung habe ich im Oktober 2020 den ersten Teil „Das Kaffeehaus – Bewegte Jahre“ gelesen und freute mich seit dem auf den zweiten Teil dieser fantastischen und wunderbaren Reihe. Zum einen finde ich die Zeit, in der dieses Buch spielt unglaublich spannend, aber auch die Charaktere sind mir schon sehr ans Herz gewachsen und ich wollte unbedingt wissen, wie es mit ihnen und ihrer Geschichte weitergeht.
Freundlicherweise bekam ich das Buch als Rezensionsexemplar vom Goldmann-Verlag zugesendet, da Marie Lacrosse mich auf ihrer „Bloggerliste“ aufnahm.
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Goldmann-Verlag und an Marie Lacrosse für die Zusendung des Buches.

Am Anfang des Buches befindet sich ein umfangreiches Personen-Register. Auch wenn viele Figuren schon im ersten Teil eine Rolle spielten, war es gut, diesen Überblick zu haben. Trotzdem verlangten die vielen Personen, ihre Ränge und Titel einiges von mir ab. Ich blätterte anfangs immer wieder zum Personen-Register zurück, nach einer Weile hatte ich dann aber wieder alle bisherigen und neuen Charaktere auf dem Schirm und konnte voll und ganz in die Geschichte abtauchen.
Sophie von Werdenfels ist eine fiktive Figur, die eine zentrale Rolle in der Handlung einnimmt. Im ersten Teil stand ihre beste Freundin Mary Vetsera neben ihr, welche eine historische Persönlichkeit ist. Im zweiten Teil ist Sophie nun alleine, ihre Freundin ist tot und für Sophie beginnt ein neues Leben am Kaiserhof. Ein Leben, welches sie sich so nicht vorgestellt hat. Halt findet sie aber in ihrem Patenonkel Stephan Danzer, ihrer Mutter und einer anderen Hofdame. Sophie wirkt des Öfteren verloren, dann aber wieder setzt sie sich durch, packt mit an und beweist größten Mut in schwierigen Zeiten. Ich mochte Sophie schon im ersten Teil sehr gerne, da sie sich nicht unterkriegen lässt und sehr vielschichtig gezeichnet ist.
Richard von Löwenstein, Sophies große Liebe, spielt in diesem Teil auch wieder eine tragische Rolle. In seinem beruflichen Leben ist er ein starke und selbstsichere Persönlichkeit, er deckt mit viel Fingerspitzengefühl Missstände in der Armee auf, im Privaten muss er sich unterordnen und eine Frau heiraten, die er überhaupt nicht liebt.
Stephan Danzer, Sophies Patenonkel und Inhaber des Kaffeehauses ist eine meiner Lieblingsfiguren geworden. Seine herzliche, aber auch störrische Art mochte ich von Anfang an sehr gerne. Er ist für Sophie der Fels in der Brandung. Er empfängt Sophie immer mit offenen Armen und hat immer ein offenes Ohr für sie und gibt Sophie damit Wärme und Geborgenheit.
Ich habe mich sehr gefreut, dass auch Sophies engere Familie wieder eine Rolle gespielt hat – auch wenn nicht alle Mitglieder positiv in Erinnerung bleiben werden. Ich bin sehr gespannt, wie sich ihre jüngere Schwester im dritten Teil entwickeln wird.
Kommen wir nun zu den Mitgliedern des Hofstaates: Hier ist an erster Stelle natürlich Kaiserin Sisi zu nennen. Ja, mein Bild von ihr war durch die Klischee-behafteten „Sissi-Filme“ geprägt, die zuhause mindestens einmal im Jahr geschaut wurden. Mit der ‚Sissi‘ aus den Filmen hat die in diesem Buch historisch korrekter beschriebene Sisi nicht viel gemeinsam. Was für eine anstrengende, aber auch faszinierende Frau und Persönlichkeit. Marie Lacrosse erweckt sie zum Leben, wir laufen mit ihr über Berge, durch Wälder, lauschen ihren Gedichten und bekommen ihre Stimmungsschwankungen und ihre Trauer um ihren Sohn hautnah mit. Ein wacher und großer Geist, aber leider in tiefer Trauer, Verzweiflung und Schönheitswahn gefangen.
Um die Kaiserin wirken und leben noch viele andere Figuren. Sie alle sind lebensecht und authentisch gezeichnet. Einige Charaktere mochte ich auf Anhieb, einige mochte ich von Anfang an nicht. Sie alle tragen, ob positiv oder negativ durch die Geschichte und geben ein wunderbares Bild vom kaiserlichen Hof Ende des 19. Jahrhunderts ab. Viele Figuren sind historische Persönlichkeiten und durch Marie Lacrosse für mich viel greifbarer geworden. Fiktive Charaktere agieren hier neben historischen Persönlichkeiten und wurden perfekt miteinander verwoben.

Marie Lacrosse hat eine sehr lebendige, authentische und detaillierte Sprache, die niemals langatmig ist. Ich war schnell wieder in der Geschichte angekommen und wollte das Buch ungern aus den Händen legen. Langweile kam nie auf.
Durch die Einstreuung des Wiener Dialekts und vielen Details der Stadt und des Hofstaates hatte ich das Gefühl, vor Ort zu sein und alles zu mitzuerleben.
Die Autorin hat akribisch und intensiv recherchiert und zeichnet ein farbenfrohes und lebendiges Bild einer längst vergangenen Epoche. Wie der erste Teil fühlt sich auch der zweite Teil wie eine Zeitreise an. Ich saß im Kaffeehaus, war mit Sophie in der Wiener Hofburg und lief mit ihr an der Seite von Sisi bei starken Unwettern durch Wälder, tanzte auf pompösen Bällen und verweilte in der Wiener Innenstadt.
Ein ausführliches Nachwort der Autorin rundet das Buch perfekt ab.

Das große Thema des Buches ist die Zeit nach der ‚Affaire Mayerling‘, welche die kaiserliche Familie noch immer beschäftigte und die es auch zu vertuschen galt. Der Kronprinz Rudolf, der seine Geliebte erst seine junge Geliebte erschoss und sich dann selbst richtete, durfte auf keinen Fall als Mörder präsentiert werden. Ganz besonders fasziniert war ich, wie bildlich der Palast und seine Bewohner beschrieben wurden und wie allmählich der ‚falsche Glanz‘ zum Vorschein kam und in meinem Kopf das glanzvolle und glamouröse Bild der Kaiserfamilie und des Palasts ablöste.
Spannend fand ich das Thema des Streiks der Tramway- Kutscher. Diese mussten bis zu 19 Stunden täglich arbeiten und für Schäden an den Fahrzeugen selbst aufkommen. Mit dem Arzt, Journalisten und Politiker Victor Adler fanden diese Missstände Gehör und es kam zu Aufständen. Aber nicht nur die Tramway- Kutscher mussten für ein besseres Arbeitsleben kämpfen – auch Fabrikarbeiter mussten für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen. Mitten in diesen Unruhen und Aufständen treffen wir auch wieder auf eine gute Bekannte: Irene Gerban, bekannt aus der Reihe „Das Weingut“.

Fazit: Das Buch „Das Kaffeehaus – Falscher Glanz“ ist eine wunderbare Mischung aus großer Geschichte, Einzelschicksalen, Fiktion und großen Gefühlen. Ein wahrer Schmöker, den man nur noch ungern aus den Händen legt. Absolut empfehlenswert.
Ich freue mich schon so sehr auf den dritten Teil der Reihe, der im Herbst 2021 erscheinen wird.

Hinweis: Dieses Buch habe ich vom Goldmann-Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar bekommen – es hat meine Meinung aber nicht beeinflusst.

„Die Hofgärtnerin -Frühlingsträume“

von Rena Rosenthal

Erschienen am 22. März 2021 im Penguin-Verlag
ISBN: 978-3328106807
https://www.penguinrandomhouse.de/Taschenbuch/Die-Hofgaertnerin-Fruehlingstraeume/Rena-Rosenthal/Penguin/e574886.rhd

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar über das Bloggerportal.de zur Verfügung gestellt bekommen .
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Die Zitate beziehen sich auf die Seitenzahl und Zeilenzahl der Printausgabe

Das Buch „Die Hofgärtnerin – Frühlingsträume“ von Rena Rosenthal ist der Auftakt einer Familiensaga, die im ausgehenden 19. Jahrhundert in und um Oldenburg spielt und von einer jungen Frau erzählt, die für ihren Traum Gärtnerin zu werden, alles riskiert.

Coverrechte: Penguin-Verlag

Der Prolog des Buches setzt im Oktober 1881 an: Die junge Marleene liebt Pflanzen und Blumen und möchte einmal in die Fußstapfen ihres Vaters treten und eine Ausbildung zur Gärtnerin machen.
Zehn Jahre später ist von Marleenes Träumen nicht mehr viel übrig: Als Zimmermädchen fristet sie ein armseliges Leben und muss unter einer kontrollsüchtigen Chefin arbeiten. Mit ihrer gutmütigen Cousine Frieda teilt sie sich ein winziges Zimmer in einer Herberge.
Doch sie träumt noch immer, mit Pflanzen und Blumen zu arbeiten und versucht in der nahegelegenen Hofgärtnerei, in der auch hier Vater arbeitete, eine Ausbildungsstelle zu bekommen – doch vergebens. Als Frau hat sie keine Chance.
Da trifft sie eine Entscheidung, die ihr gesamtes Leben auf den Kopf stellt: Marleene verkleidet sich als junger Mann und versucht wieder ihr Glück.
Währenddessen verliebt sich Frieda in Manilo, einem Angestellten der Hofgärtnerei.

Auf das Buch bin ich über die sozialen Medien aufmerksam geworden: Das Cover und auch der Klappentext haben mich direkt angesprochen und ich bewarb mich im ‚Bloggerportal‘ um ein Rezensionsexemplar. Da ich selbst gelernte Gärtnerin bin, war ich auf die Geschichte sehr gespannt und freute mich auf die Kombination Garten und Buch.
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Penguin-Verlag für die Zusendung des Buches.

Fangen wir mit der Hauptfigur Marleene an: Ich mochte sie ab der ersten Zeile des Buches, da sie gleich so sympathisch und auch authentisch beschrieben wird. Sie ist taff, aber auch innerlich zutiefst verletzt. Marleene macht alles, um sich ihren Traum zu erfüllen – sie gibt sogar ihre Identität auf. Das fand ich so bewundernswert, aber auch einfach so erschreckend, dass sie sich gezwungen sah, sich als junger Mann zu verkleiden. Sie möchte sich nicht damit zufrieden geben, dass Männern alle Türen offen stehen, Frauen hingegen nicht.

Marleene hat es nie verstanden, warum Männern in dieser Welt so viel mehr Rechte zugestanden wurden. Als wären sie bessere Menschen. Als hätten sie mehr verdient, nur weil sie von Natur aus höher gewachsen und kräftiger waren. Dabei hatten Frauen ganz andere Vorzüge, und eigentlich ergänzten sich Männer und Frauen doch hervorragend. Warum also sollte ihr weniger zustehen, nur weil sie zufällig als Frau geboren worden war?“
[S. 38, Z.30-31, S.39, Z. 1-6]

Frieda, Marleenes Cousine, nimmt auch eine zentrale Rolle in der Geschichte ein. Sie ist für Marleene der ruhende Pol, der ihr Halt gibt und sie auch immer wieder bestärkt und auch beschützt. Auch wenn Frieda selbst kein einfaches Leben führt, eine furchtbare Chefin hat und von einem Mann böse sitzengelassen wurde, gibt sich Frieda selbst und auch Marleene nicht auf.
Die beiden Brüder Konstantin und Julius Goldbach, die Söhne des Hofgärtnerei-Besitzers Alexander Goldbach, könnten gegensätzlicher nicht sein: Konstantin ist ein sehr extrovertierter Charakter, sein jüngerer Bruder ist sehr in sich gekehrt und ruhig. Dem Älteren wird natürlich alles ermöglicht, Julius hingegen muss immer wieder zurückstecken. Rosalie, die Schwester der Beiden ist ein sehr anstrengender Charakter. Marleene mochte ich ab der ersten Zeile, Rosalie hingegen mochte ich sehr schnell überhaupt nicht. Alexander Goldbach entwickelt sich im Laufe der Geschichte eher zum Negativen, anfangs hat er noch ein paar gute Seiten.
Die Belegschaft der Gärtnerei besteht aus einem bunten Haufen unterschiedlichster Charaktere – wie ein bunter Blumenstrauß hat jede Figur ihren Platz. Auch wenn nicht alle direkt sympathisch sind, jede einzelne Figur ist authentisch und lebensecht gezeichnet. Manch eine Figur wuchs mir schneller ans Herz als andere, bei anderen wurde man aber auch von ihren Handlungen überrascht. Sie geben einen guten Einblick in die Struktur der Gesellschaft und in das Gesellschaftsbild des ausgehenden 19. Jahrhunderts.
Es gibt noch zahlreiche andere Figuren, die, auch wenn sie nur am Rande eine Rolle spielen, die Geschichte sinnvoll weiterbringen und mich das ein oder andere Mal sehr überraschten. Mit ihren Ecken und Kanten und auch mit ihren begangenen Fehlern geben sie der Geschichte eine sehr gute Authentizität.

Die Autorin Rena Rosenthal stammt aus einer Gärtnerfamilie und hat mit diesem Buch ihre zwei großen Leidenschaften zusammengeführt: Ihre Liebe zu Pflanzen und dem gedruckten Wort.
Sie hat eine Menge Fachwissen im Bereich der Arbeiten in Gärtnereien eingebracht, aber auch viel zu der damaligen Gesellschaft recherchiert. Mit ihrer flotten und sehr bildhafter Sprache lässt sie die Seiten nur so dahinfliegen und ich konnte mich voll in die Geschichte und Handlung fallenlassen. Schon ab der ersten Seite konnte und wollte ich das Buch nicht mehr aus den Händen legen.
Die Handlung ist gut strukturiert und logisch aufgebaut. Bemerkenswert finde ich, dass Rena Rosenthal auch einige Szenen aus verschiedenen Blickwinkeln beschreibt und so alles noch einmal eindrücklicher wird.

Die Ausstattung des Buches ist wunderschön: Das bezaubernde Cover, die liebevoll gestalteten Buchklappen, das ausführliche Nachwort, ein Glossar und die tollen Tipps im hinteren Teil des Buches lassen keine Wünsche offen.

Das große Thema in diesem Buch ist der Kampf um die Gleichberechtigung der Frau im ausgehenden 19. Jahrhundert. Es ist unfassbar, dass Frauen mit dem Argument, sie hätten ja keine Familie zu ernähren, einen um vielfach geringeren Lohn bekamen, als Männer. Aber nicht nur das: In der Schulbildung wurden schon junge Mädchen benachteiligt. Wenn sie überhaupt in die Schule gehen durften, dann kürzer als ihre Mitschüler. Danach war es schwer bis unmöglich eine Ausbildungsstelle zu finden oder zu studieren. All diese Möglichkeiten wurden ihnen systematisch verwehrt und standen nur den Männern offen. Ohne Ausbildung bzw. Studium blieb vielen Frauen nur die niedrig bezahlte Hilfsarbeit. Den bürgerlichen Frauen (‚höhere Töchter‘) blieben zwar noch ein paar Möglichkeiten mehr an Bildung zu kommen, wie in dieser Geschichte beschrieben, der Besuch der ‚Gartenbauschule für höhere Töchter‘, aber ob sie danach auch tatsächlich eine Anstellung als Gärtnerin fanden, war sehr unwahrscheinlich.

«Und möglicherweise gibt es da draußen noch sehr viel mehr Frauen, die gerne Gärtnerin werden würden oder andere Berufe ergreifen möchten, was ihnen jedoch nicht erlaubt ist.«“
[S. 335, Z. 21 – 24]

Wie viele junge Mädchen und Frauen in dieser Zeit wohl ihre Identität geändert haben und ihre Röcke gegen Hosen getauscht haben, wird wohl schwierig herauszufinden sein.
All diese gesellschaftlichen Konflikte finden sich in „Die Hofgärtnerin – Frühlingsträume“ wieder und werden von einer sehr starken und mutigen Hauptfigur zum Leben erweckt. Vieles wird klarer, aber längst nicht für den Leser einleuchtend – was für eine schreckliche und ungerechte Zeit für Frauen.

Jetzt freue ich mich auf den zweiten Teil, der im Frühjahr 2022 erscheinen soll.

Fazit: Rena Rosenthal ist ein spannungsreicher Auftakt zu einer großen Familiensaga gelungen. Ganz großes Kopfkino und mitreißend von der ersten bis zur letzten Seite. Liebe Rena – weiter so!

Hinweis: Das Buch habe ich freundlicherweise als kostenloses Rezensionsexemplar vom Penguin-Verlag über das Bloggerportal.de erhalten. Ich habe für diese Rezension keinerlei finanzielle Gegenleistungen seitens des Verlages oder der Autorin bekommen – meine Meinung wurde nicht beeinflusst.