„Die Leiden der jungen Weiber – Das Goethe-Komplott“

von Ulrich Land

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 29. Juli 2024
Verlag: 8 grad
Ausgabe: Hardcover
ISBN: 978-3910228399
Seitenanzahl: 216 Seiten
Preis: 24€

Klappentext:
„Sieben Frauen um Christiane Vulpius und Charlotte von Stein erfinden sich einen Dichter. Aus dem amüsanten Gedankenspiel wird ein Reigen von Täuschungen und Intrigen, der immer mehr Fahrt aufnimmt. Der fiktive Johann Wolfgang von Goethe entpuppt sich als Erfolgsmodell, und die Verschwörerinnen werden den Geist, den sie riefen, nicht mehr los. Goethe einmal nicht als literarisches Schwergewicht, sondern im zeitgenössischen Kleid mit den Augen seiner Musen gesehen. »Ein Dichter! Ein Gerücht in Gestalt eines Mannes. Eine grandiose Schimäre!«“

Homepage:
https://www.ulrichland.de/homeland
https://www.ulrichland.de/projekte/die-leiden-der-jungen-weiber/romanwerkstatt

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Autor als signiertes Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank dafür!
– Ich habe für diese Rezension vom Autor und/ oder dem Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars und der ausdrücklichen Leseempfehlung kennzeichne ich diese Rezension als WERBUNG.

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Das Buch „Die Leiden der jungen Weiber – Das Goethe-Komplott“ von Ulrich Land ist ein Roman, der die deutsche Literaturgeschichte auf herrlich provokante Weise auf den Kopf stellt und das Fundament der Weimarer Klassik kräftig ins Wanken bringt. Es ist eine literarische Spurensuche, die mich als Leserin aus der Komfortzone lockte und zeigt, wie aus einem emanzipatorischen Verwirrspiel ein bitterernster Überlebenskampf werden kann.

„Frauen aus gutem Hause hatten allenfalls als zahlungskräftige Nutznießerinnen der Dichtung parat zu stehen, während die Macher Männer waren. Die Schreiber, die Verleger, die Kritikaster. Alles, was Kleider trug, hatte entgegenzunehmen, hatte Lesezirkel zu unterhalten, aber sich gefälligst aus dem Getriebe der Literaturproduktion rauszuhalten.“

[Seite 85]

Ich bin ehrlich: Als ich das Buch aufschlug, wirkte die Ausgangslage auf mich absolut gewöhnungsbedürftig. Der Gedanke, dass der größte Dichterfürst der deutschen Literaturgeschichte, Johann Wolfgang von Goethe, kein echtes Genie, sondern eine bloße Erfindung von sieben Frauen im Hintergrund sein soll, forderte meine ganze Vorstellungskraft heraus. Doch ich habe mich auf dieses radikale, feministische Gedankenspiel eingelassen und wurde belohnt. Erstaunlich schnell konnte ich mich in die Prämisse hineinfühlen.

Was als amüsantes Verwirrspiel beginnt, entwickelt schon bald eine unerwartete Eigendynamik. Die Handlung nimmt rasant an Fahrt auf und wandelt sich spürbar: Aus dem anfänglichen, fast spielerischen Triumph der Frauen um Christiane Vulpius und Charlotte von Stein wird ein handfester psychologischer Thriller. Der fiktive Goethe entpuppt sich als Erfolgsmodell, doch die Schöpferinnen werden den Geist, den sie riefen, nicht mehr los. Besonders packend fand ich die Darstellung dieser ausweglosen Verstrickung. Es gibt für die Frauen einfach keinen Weg mehr heraus, ohne dass sie ihr Gesicht und ihre gesellschaftliche Existenz komplett verlieren. Diese perfide, allgegenwärtige Angst vor der Aufdeckung ist beim Lesen förmlich greifbar. Ulrich Land zeigt schonungslos, wie die patriarchale Welt der Weimarer Klassik zurückschlägt: Einige der Frauen erkranken unter dem immensen Druck schwer, sowohl körperlich als auch seelisch. Das erzeugte beim Lesen eine zunehmend bedrückende, dichte Stimmung. Die Figuren blieben mir dabei in ihren Handlungen zwar stellenweise fremd, doch genau in diesem psychologischen Verfall konnte ich zutiefst mit ihnen mitfühlen.

Das absolute Highlight des Romans ist für mich jedoch die Sprache. Ulrich Lands Stil ist extrem faszinierend und absolut stimmig. Zwar brauchte ich zu Beginn ein wenig Zeit, um mich auf den gehobenen, historisch angehauchten Sprachstil einzulassen, doch dann hat er mich vollkommen in seinen Bann gezogen. Besonders genial gelingen dem Autor vereinzelte, modern angehauchte Ausreißer. Sie wirken nie deplatziert, sondern passen perfekt in das emanzipatorische Konzept des Buches und frischen die historische Kulisse elegant auf.

Danke für dieses außergewöhnliche und großartige Leseerlebnis und für das signierte Rezensionsexemplar.

Fazit: Das Buch „Die Leiden der jungen Weiber – Das Goethe-Komplott“ von Ulrich Land ist kein klassischer historischer Roman, sondern ein intelligentes, atmosphärisch dichtes Verwirrspiel um Macht, Ohnmacht und die Konstruktion von Ruhm. Nach anfänglicher Skepsis hat mich die Geschichte mit ihrer bedrückenden Tiefe und der sprachlichen Eleganz so gepackt, dass ich das Buch kaum noch aus den Händen legen konnte. Ich bin absolut begeistert und möchte euch dieses Buch sehr ans Herz legen.

*Ich habe für diese Rezension vom Autor und/ oder dem Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

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