von Marie Lacrosse
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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 12. November 2025
Verlag: Goldmann Verlag
Ausgaben: Paperback & eBook
ISBN: 978-3442206551
Seitenanzahl: 608 Seiten
Preise: 17,00€ (Paperback), 13,99€ (eBook)
Reihe: „Montmartre“ 02/02
Homepage:
https://www.penguin.de/buecher/marie-lacrosse-montmartre-traum-und-schicksal/paperback/9783442206551
Klappentext:
„Paris 1889: Elise Lambert und Valérie Dumas wurden am selben Tag geboren. Sonst haben die beiden Frauen nicht viel gemeinsam. Nach der Eröffnung des Moulin Rouge steigt Elise Lambert rasch zum Star des Tanz-Ensembles auf. Darunter leidet ihre Freundschaft mit der Tänzerin La Goulue. Obwohl der Maler Toulouse-Lautrec sie durch seine Werke immer bekannter macht, betrachtet La Goulue Elise zunehmend als Konkurrentin. Die Situation eskaliert, als sich ein reicher Adeliger für Elise interessiert. Unterdessen heiratet die aus gutem Hause stammende Valérie Dumas auf Drängen ihres Vaters den konservativen Künstler Baptiste Germain. Sie findet sich nur mühsam in den engen Schranken dieser Ehe zurecht und kämpft weiter um ihre eigene Zukunft als Malerin. Können Elise und Valérie ihre großen Träume verwirklichen?“
Hinweise:
– Lest diese Rezension bitte nicht, wenn ihr den ersten Band „Montmartre – Licht und Schatten“ noch nicht gelesen habt, diese aber noch lesen möchtet – Spoilergefahr!
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Goldmann Verlag als vorzeitiges Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars, der Verlinkung der Homepages des Verlages und der ausdrücklichen Leseempfehlung kennzeichne ich diese Rezension als WERBUNG. Ich habe keinerlei finanzielle Gegenleistungen erhalten.
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Mit dem Buch „Montmartre – Traum und Schicksal“ legt die Autorin Marie Lacrosse (ein Pseudonym von Marita Spang) den zweiten und abschließenden Band ihrer Dilogie vor, die die Leser und Leserinnen zurück in das pulsierende, widersprüchliche Paris des Jahres 1889 entführt. Der Roman ist ein faszinierendes Porträt einer Epoche des Umbruchs und bietet von der ersten bis zur letzten Seite fesselnde Unterhaltung, die mich nachhaltig beeindruckt hat.
„Ich darf mich nicht entmutigen lassen. Französische Ehefrauen leben schon fast ein ganzes Jahrhundert mit diesen schändlichen Bestimmungen des Code Civil. Auch ich muss das Beste daraus machen, da hat Suzanne recht.“
[Kapitel 5, Seite 108]
Ab der ersten Seite war ich wieder in der Geschichte angekommen. Marie Lacrosse schafft es mühelos, die Fäden der Handlung des ersten Bandes wieder aufzunehmen und die wichtigsten Ereignisse geschickt in den Erzählfluss einzubinden. Ich war sofort wieder bei den Protagonistinnen Elise Lambert und Valérie Dumas, deren Leben sich an den Extremen der Pariser Gesellschaft abspielen. Die Balance zwischen Altbekanntem und neuen Entwicklungen ist perfekt ausbalanciert, sodass ich das Buch kaum aus der Hand legen wollte.
Der Roman folgt konsequent den Wegen der beiden Hauptfiguren, die unterschiedlicher kaum sein könnten:
Elise Lambert steigt im neuen Moulin Rouge zur gefeierten Star-Tänzerin auf. Ihr Weg ist gezeichnet von Konkurrenz, insbesondere zur realhistorischen Tänzerin La Goulue.
Valérie Dumas, aus gutem Hause stammend, kämpft in ihrer Zwangsehe mit dem konservativen Maler Baptiste Germain um ihren Platz als ernstzunehmende Künstlerin.
Beide Figuren wirken in ihrer Entwicklung außerordentlich authentisch und lebensecht. Die gesellschaftlichen Hürden, vor denen sie stehen, werden eindrücklich geschildert. Besonders Valéries Situation machte mir die Rechtlosigkeit verheirateter Frauen im späten 19. Jahrhundert in Frankreich schmerzhaft bewusst.
Doch der Roman gewinnt durch einen dritten, emotional sehr mitnehmenden Erzählstrang an Tiefe: Das Schicksal von Elises Schwester Simone, die in die Abgründe der Prostitution und die schrecklichen Zustände in billigen Etablissements gerät. Diese düstere Thematik steht in starkem Kontrast zum Glanz des Moulin Rouge und verleiht dem Buch eine beeindruckende und gleichzeitig realistische Schwere. Bei diesen Szenen musste ich oft schwer schlucken.
Marie Lacrosse nutzt das Paris der Belle Époque nicht nur als Kulisse, sondern als einen wichtigen Bestandteil der Handlung: Das Jahr 1889 ist geprägt von der Weltausstellung und der Eröffnung des Eiffelturms. Es sind Symbole des Fortschritts und der Moderne, doch unter der glänzenden Oberfläche brodelt es. Die Autorin fängt diesen Dualismus meisterhaft ein: Der glamouröse Aufstieg des Moulin Rouge als Zentrum des Vergnügens und der Bohème steht in scharfem Kontrast zur bitteren Armut in den Arbeitervierteln. Der Roman beleuchtet die Klassengesellschaft, in der die Schicksale der Protagonistinnen unerbittlich durch ihre Herkunft bestimmt werden.
Ein zentrales Element ist auch der Kampf der Frauen um Selbstbestimmung. Ob als Tänzerin, die ihren Körper zur Schau stellt, um zu überleben, oder als Malerin, die gegen die männlich dominierte Kunstwelt kämpft, die Hürden sind immens. Der Roman thematisiert eindringlich die rechtliche Ohnmacht der Frau innerhalb der Ehe und die Schwierigkeit, als Künstlerin ernst genommen zu werden.
Darüber hinaus fängt die Autorin die politische Unsicherheit der Zeit ein, indem sie die aufkeimenden sozialen Spannungen und die Bedrohung durch anarchistische Attentate thematisiert, die das Leben vieler Menschen überschatteten.
Die Integration historischer Persönlichkeiten in die Handlung ist Marie Lacrosse wieder einmal perfekt gelungen: Künstler wie Henri de Toulouse-Lautrec und Tänzerinnen wie La Goulue sind keine bloßen Statisten, sondern eng mit den Schicksalen und Lebenswegen der fiktiven Figuren verwoben. Sie bereichern die Geschichte ungemein und sorgen für eine dichte, immersive Atmosphäre. Ich konnte völlig in die Atmosphäre und das Setting abtauchen und rauschte nur so durch die 608 Seiten.
Nun heißt es von dieser Buchreihe und den liebgewonnen Charakteren Abschied zu nehmen. Ganz herzlichen Dank für dieses wunderbare und lehrreiche Lesevergnügen und für eine Buchreihe, die mit Sicherheit noch lange in meinem Kopf und Herzen bleiben werden.

Fazit: „Montmartre – Traum und Schicksal“ ist ein historischer Roman, der Unterhaltung und Bildung auf höchstem Niveau verbindet. Marie Lacrosse gelingt ein faszinierendes Porträt einer Epoche im Umbruch. Wer historische Romane mit starken Frauenfiguren, lebendigem Zeitkolorit, emotionaler Tiefe und einer fundierten Einbindung gesellschaftlicher Realitäten liebt, wird von diesem Buch, und der gesamten Dilogie, begeistert sein. Eine ganz große Leseempfehlung.
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*Ich habe für diese Rezension von der Autorin und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung eines kostenlosen Rezensionsexemplars, der uneingeschränkten Leseempfehlung und der Verlinkung der Homepage der Autorin und der Verlagshomepage, ist diese Rezension als WERBUNG gekennzeichnet.