„Der Traumpalast – Im Bann der Bilder“

von Peter Prange

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Erschienen am 13. Oktober 2021 im Fischer-Scherz-Verlag
ISBN: 978-3-651-02578-3

https://www.fischerverlage.de/buch/peter-prange-der-traumpalast-9783651025783

Hinweise:

– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Fischer-Scherz-Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!

– Ich habe für diese Rezension von dem Autor und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung des Verlages in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

Klappentext:
„Berlin, Anfang der zwanziger Jahre: Ein neues Lebensgefühl bricht sich Bahn – Freiheit! Es ist die Vision von glanzvollen Stars, spektakulären Großfilmen und glitzernden Kinopalästen, die Tino, Bankier und Lebemann, an der gerade gegründeten Ufa begeistert. Er riskiert alles, um mit der deutschen Traumfabrik Hollywood Paroli zu bieten. Rahel will als Journalistin Wege gehen, die Frauen bisher verschlossen waren. Als die zwei einander begegnen, ahnen sie nicht, welche Wende ihr Leben dadurch nimmt. Denn bald stellt sich ihnen die alles entscheidende Frage: Wie weit darf Freiheit gehen? In der Politik, in der Kunst – und in der Liebe.“

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Coverrechte: Fischer-Scherz-Verlag

Das Buch „Der Traumpalast – Im Bann der Bilder“ von Peter Prange spielt im Berlin der Goldenen Zwanziger und zeigt die Entstehungsgeschichte der „Universum Film AG“ (Ufa).

Berlin 1917: Die Oberste Heeresleitung gründet das neue Bild- und Filmamt, um mit filmischer Propaganda die Kriegsmoral hoch zu halten und gegen die Kriegsmüdigkeit in der Bevölkerung anzukommen. Mit bei der Gründung dabei ist der Bankierssohn und Lebemann Konstantin Reichenbach, von allen Tino genannt.
Tino ist gerade von der Front zurückgekehrt und hat Dinge erlebt, die er nie wieder vergessen wird. Als er auf die junge Rahel trifft, die davon träumt Journalistin zu werden, ist es um ihn geschehen. Aber auch Rahel verfällt Tinos Charme und die Beiden werden ein Paar.
Als der Erste Weltkrieg endlich vorbei ist, entsteht ein neues Lebensgefühl: Die Freiheit. Statt Propaganda-Filme entstehen nun pompöse Unterhaltungsfilme, große Kinopaläste, welche die Menschen zum Träumen bringen und Filmfirmen, die dem fernen Hollywood Konkurrenz machen sollen.
Tino und Rahel sind mittendrin in den Goldenen Zwanziger, doch ihre Liebe ist nicht von allen gerne gesehen.

Die Bücher von Peter Prange lese ich schon seit einigen Jahren sehr gerne, da er Zeitgeschichte gekonnt und leicht vermittelt. Über die sozialen Medien bin ich auf das Buch „Der Traumpalast – Im Bann der Bilder“ aufmerksam geworden. Der Klappentext, das wunderschöne Cover und das Thema des Buches weckten sofort mein Interesse. Ich lese sehr gerne Geschichten über die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg und auch die Entstehung des Kinos und die große Ära der Stummfilme interessieren mich sehr.
Ich fragte beim Fischer-Scherz-Verlag ein Rezensionsexemplar an und bekam es zugesendet.
An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an den Verlag.

In „Der Traumpalast – Im Bann der Bilder“ spielen eine Vielzahl an Charakteren mit. Ab und zu ‚entwischte‘ mir ein Name, welchen ich dann aber in einem ausführlichen Personenregister am Ende des Buches, wieder nachschlagen konnte.
Alle Figuren in diesem Buch, egal ob fiktiv oder historisch, konnten mich komplett überzeugen: Sie alle sind authentisch und lebensecht gezeichnet, ich wollte immer wissen, wie es mit ihnen und ihrer Geschichte weitergeht. Auch wenn es neben vielen sympathischen Charakteren auch eher unausstehliche Personen gibt.
Doch allen voran haben es mir Tino und Rahel von der ersten Seite an angetan. Tinos offene und herzliche Art, Rahels zupackende und kämpferische Art. Auch wenn die Beiden immer wieder private und berufliche Rückschläge erleiden , geben sie sich und ihre Träume nicht so schnell auf und kämpfen gegen die Konventionen ihrer Zeit. Außerdem empfand ich die Liebesgeschichte zwischen den Beiden als sehr intensiv und glaubhaft dargestellt.
Rahels Eltern sind das komplette Gegenteil zu Tinos Eltern. Es sind einfache Menschen, die sich auch an den kleinen Dingen des Lebens erfreuen und ein großes Herz haben. Tinos Eltern sind dagegen nur auf der Suche nach gesellschaftlichen Ansehen, auf ihren Ruf bedacht und sehr unterkühlt. Vor allem Tinos Mutter stieß mich mit ihrem Verhalten gegenüber den Menschen in ihrer Umgebung sehr ab.
Ich bin sehr gespannt, wie es mit den Figuren im zweiten Teil weitergeht, da am Ende des ersten Teils noch einige Fragen offen bleiben.
Mit all den Figuren, fiktiv, historisch, Haupt- oder Nebenfigur hat Peter Prange ein intensives und anschauliches Bild der Gesellschaft der Goldenen Zwanziger gezeichnet. Keine der Figuren wirkt überzeichnet und er bettet die Figuren perfekt in die geschichtlichen Hintergründe ein:
Das Ende des Ersten Weltkriegs, die Ausrufung der Weimarer Republik, Aufstände in der Bevölkerung, Putsch-Versuche, politische Morde, Inflation und die Entstehung und Entwicklung großer Filme und des Kino. Selten habe ich einen so detaillierten und akribisch-recherchierten Roman gelesen, welcher aber trotzdem wunderbar leichtgängig zu lesen ist. Geschichtsunterricht der einfach Spaß macht.
Die Entstehung der Weimarer Republik und auch die Proteste der Bevölkerung haben mich besonders interessiert und werden von Peter Prange leicht verständlich erklärt. Ganz oft hatte ich durch die bildhaften Beschreibungen das Gefühl, mit dabei zu sein, als große Weltgeschichte geschrieben wurde.

Das Buch besteht aus insgesamt fünf Teilen, welche die Jahre 1917 bis 1925 abhandeln. Diese Teile teilen sich dann in zumeist ziemlich kurze Kapitel auf, was mich aber überhaupt nicht im Lesefluss aufgehalten hat – im Gegenteil! Manche Kapitel endeten mit einem Cliffhanger, der dann erst nach ein paar anderen Kapiteln, die einen anderen Handlungsstrang erzählen, aufgelöst wurde. Somit ist die Handlung des Buches wie ein Sog, sie hat mich direkt mitgerissen und nicht mehr losgelassen. Ab der ersten Seite war ich in der Geschichte angekommen und konnte das Buch dann nur noch schwer aus den Händen legen. Ich freute mich immer sehr drauf, wenn ich endlich wieder weiterlesen konnte und bin nun sehr traurig, dass das Buch dann doch so schnell vorbei war.
Der flüssige, angenehme, bildhafte und detaillierte Sprachstil von Peter Prange lies auf keiner Seite Langeweile aufkommen und die 800 Seiten vergingen wie im Flug

Fazit: Ich möchte das Buch allen Lesern und Leserinnen sehr ans Herz legen, da ich es wie einen großen und guten Kinofilm empfand: Spannend, emotional, berührend, lehrreich und kein bisschen langweilig. Ein filmreifes Buch und ein absolutes Highlight am Himmel des Historischen Romans.
Ich freue mich schon so sehr auf den zweiten Teil, welcher im Herbst 2022 erscheint.

*Ich habe für diese Rezension vom Autor und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung des Verlages in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.


„Die Bodensee-Saga – Töchter der Hoffnung“

von Maria Nikolai

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Erschienen am 25. Oktober 2021 im Penguin-Verlag
ISBN: 978-3-328-10794-1

https://www.penguinrandomhouse.de/Taschenbuch/Toechter-der-Hoffnung/Maria-Nikolai/Penguin/e591200.rhd


Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Penguin-Verlag über das ‚Bloggerportal‘ als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen.
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung des Verlages in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

Klappentext:
Meersburg, 1917: Ein romantisches altes Gasthaus am Ufer des Bodensees, umgeben von einem blühenden Garten – für Helena Lindner und ihre Schwestern ist der Lindenhof ein Ort voller idyllischer Kindheitserinnerungen. Doch drei Jahre Krieg haben ihre Spuren hinterlassen. Die Gästezimmer stehen leer, Vater Gustav ist an der Front, und Mutter Elisabeth regiert mit eiserner Hand. Trotz der schweren Zeit lässt Helena der Traum nicht los, den Ort ihrer Kindheit zu neuem Leben zu erwecken und zu einem Grandhotel auszubauen. Als ein junger Adliger sich im Lindenhof einmietet, erwacht in ihr neuer Mut. Den schönen Fremden umgibt eine faszinierende Aura, aber sein Gesicht trägt tiefe Narben. Während sich die beiden näherkommen, entdecken sie Gemeinsamkeiten, die tief in Helenas Vergangenheit führen …“

Coverrechte liegen beim Penguin-Verlag

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Das Buch „Die Bodensee-Saga – Töchter der Hoffnung“ von Maria Nikolai ist der Auftakt zu einer Trilogie, die im 20. Jahrhundert am Bodensee angesiedelt ist und die Geschichte einer Hoteliers-Familie zeigt.

Der Prolog des Buches beschreibt einen wunderschönen, idyllischen Sommertag des Jahres 1907 im Leben der drei Schwestern Helena, Lilly und Katharina in der Herberge Lindenhof in Meersburg.
Zehn Jahre später ist von dieser Idylle nicht mehr viel geblieben. Der Erste Weltkrieg tobt, der Vater Gustav ist an der Front und der einst gut besuchte Lindenhof zerfällt. Helenas Mutter, von Missgunst getrieben, regiert die verbliebenen Menschen in ihrer Umgebung unnachgiebig.
Helena träumt trotz aller Widrigkeiten davon, den Lindenhof zu einem Grandhotel auszubauen. Doch all dieses Pläne rücken in den Hintergrund, als immer mehr verletzte Soldaten von der Front kommen. Kurzerhand wird der Lindenhof zu einem Lazarett umgebaut.
Wenig später steht ein Fremder auf dem Hof. Sein Gesicht ist von tiefen Narben gezeichnet, doch Helena deckt mit ihm zusammen lang gehegte Geheimnisse auf, welche tief in Helenas Vergangenheit führen.

Ende 2018 habe ich das Buch „Die Schokoladenvilla“ von Maria Nikolai mit großer Begeisterung gelesen (meine Rezension findet ihr hier). Der einfühlsame Sprachstil, die spannende Geschichte und der gut recherchierte geschichtliche Hintergrund ließen mich auch auf die nächsten zwei Teile freuen und begeisterten mich ebenfalls. Ich war nach Ende des dritten und letzten Teils sehr traurig, freute mich aber sehr, als die Autorin ihre neue Saga ankündigte, welche am Bodensee angesiedelt ist. Der Bodensee fasziniert mich seit Kindesbeinen an und ist ein wahrer Sehnsuchtsort. Deshalb war für mich klar, dass ich „Die Bodensee-Saga: Töchter der Hoffnung“ unbedingt lesen wollte. Im ‚Bloggerportal Randomhouse‘ bewarb ich mich um ein Rezensionsexemplar und bekam es freundlicherweise genehmigt und zugesendet. An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an den Penguin-Verlag.

Die Figuren des Buches haben mich alle überzeugt. Sie sind außerordentlich tief und authentisch gezeichnet, nicht alle sind direkt zu durchschauen.
Helena Lindner ist die gute Seele des Buches. Viele Handlungsstränge laufen auf sie und ihre Vergangenheit zu. Sie hat den großen Traum, den Lindenhof zum Grandhotel auszubauen und setzt mit viel Mut und Zuversicht alles daran, es zu verwirklichen. Auch wenn sie immer wieder vor große Probleme gestellt wird, ihr teilweise der Boden unter den Füßen weggezogen wird, bleibt sie sich und ihren Idealen treu. Nebenbei ist sie noch kreativ und hat auch immer ein Ohr für die Sorgen und Nöte der Menschen in ihrer Nähe.
Helenas Schwestern Lilly und Katharina haben mir mit ihren Geschichten und Lebensläufen auch sehr gefallen. Die Beiden sind so unterschiedlich, aber trotzdem stehen sie sich nah. Ich bin sehr gespannt, wie es mit den Beiden in den nächsten Teilen der Reihe weitergeht.
Gustav, Helenas Vater, kommt versehrt von der Front wieder. Der einst liebevolle Familienvater muss sich wieder zurück ins Leben kämpfen und verliert dabei nicht den Blick für die Träume seiner drei Töchter und ist immer für sie da.
Am Rande, aber trotzdem sehr präsent für die Handlung der Geschichte sind der Pater Fidelis und die Köchin Käthe. Diese beiden Charaktere bringen so viel Wärme in die Geschichten und fangen die Hauptcharaktere auch immer wieder mit guten Tipps und Lebensweisheiten auf. Pater Fidelis entwickelte sich schnell zu einer meiner Lieblingsfiguren.
Völlig undurchsichtig ist die Geschichte des russischen Adligen Maxim. Er scheint auf der Flucht zu sein, aber auch auf der Suche nach etwas oder jemandem. Er ist ein gebrochener Mann, der aber nicht aufgibt. Boris, sein treuer Freund, steht immer an seiner Seite.

Von der ersten Seite an war ich in der Geschichte angekommen. Durch die wunderbare bildhafte Sprache von Maria Nikolai kam auf keiner Seite Langeweile auf. Als Leser/in merkt man, wie sehr die Autorin ihre Geschichte, aber auch ihre Charaktere, das Thema und die Handlungsorte Meersburg und der Bodensee am Herzen liegen.

Die Handlung der Geschichte war für mich immer nachvollziehbar. Teilweise wollte ich das Buch nur ungern aus den Händen legen, weil es so spannend wurde.
Den geschichtlichen Hintergrund bilden die letzten Jahre des Ersten Weltkriegs und die erste Zeit nach Ende des Krieges in Deutschland. Meersburg wurde weitgehendst von Kampfhandlungen verschont, die Lebensmittelknappheit und der daraus resultierende Hunger trafen aber auch die kleineren Orte.
Aber auch die Nachwirkungen der russischen Revolutionen von 1917 nehmen einen großen Teil in der Geschichte ein.
Maria Nikolai bettet ihre Geschichte und ihre fiktiven, sowie historischen Figuren perfekt in den akribisch recherchierten Hintergrund hinein und zeigt nebenbei noch die Faszination, welche von der Bodensee-Region ausgeht.

Fazit: Ein wunderbarer Auftakt einer neuen Buchreihe, welcher mich sehr begeistert hat. Hier ist alles drin, was mein Leserherz begehrt: Historie, Liebe, Spannung und Intrigen.
Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung der Reihe und bedanke mich bei Maria Nikolai für die wunderbaren Lesestunden.

*Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung des Verlages in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„Madame Exupéry und die Sterne des Himmels“

von Sophie Villard

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Erschienen am 13. September 2021 im Penguin-Verlag
ISBN: 978-3-328-10686-9

https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/Madame-Exupery-und-die-Sterne-des-Himmels/Sophie-Villard/Penguin/e576348.rhd


Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Penguin-Verlag über das ‚Bloggerportal‘ als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen.
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung des Verlages in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

Klappentext:
Paris 1930: Als die junge Malerin Consuelo auf einer Party Antoine de Saint-Exupéry kennenlernt, ist es Liebe auf den ersten Blick. Die temperamentvolle Mittelamerikanerin wird zur Muse des enigmatischen Piloten, der eigentlich viel lieber Schreiben und Zeichnen möchte. Aus seinen unsterblichen Gefühlen für sie entsteht »Der kleine Prinz«: Consuelo ist die über alles geliebte Rose, die der Prinz mit einer Glasglocke schützen möchte und an die er unentwegt denkt, auf welche fremden Planeten ihn seine Reisen auch führen. Das Buch macht Antoine in der ganzen Welt bekannt, doch das wahre Leben an seiner Seite ist alles andere als leicht. Consuelo kämpft mit seiner Untreue und dafür, als Künstlerin endlich aus dem Schatten ihres berühmten Mannes zu treten – bis Antoine 1944 zu einem schicksalhaften Aufklärungsflug über das Mittelmeer aufbricht…“

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Das Buch „Madame Exupéry und die Sterne des Himmels“ von Sophie Villard zeigt das Leben von Consuelo an der Seite ihres Mannes Antoine de Saint-Exupéry und beschreibt die Entstehungsgeschichte des Klassikers „Der kleine Prinz“.

Buenos Aires im September 1930: Die junge Consuelo kehrt nach dem Tod ihres Mannes Enrique aus Paris in ihre alte Heimat zurück. Sie möchte etwas zur Ruhe kommen.
Doch gerade angekommen, macht sie Bekanntschaft mit dem Piloten und Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry – es ist Liebe auf den ersten Blick.
Es ist der Beginn einer großen Liebe, aber das Leben an der Seite des teilweise rätsel- und sprunghaften Mannes ist nicht immer leicht für Consuelo.
Fast 14 Jahre und viele Stationen in verschiedenen Städten und Ländern sind nötig, bis „Der kleine Prinz“ entsteht, eine Geschichte, zu der Consuelo ihren Mann inspiriert.

Als ich das Buch „Madame Exupéry und die Sterne des Himmels“ entdeckte, war mein Interesse direkt geweckt. Zum einen sagt der Name Exupéry jedem Bücherwurm etwas und ich wollte gerne mehr über das Leben des Autors und seiner Frau erfahren. Zum anderen habe ich Im August 2020 das Buch „Peggy Guggenheim und der Traum vom Glück“ von Sophie Villard gelesen, welches mir sehr gefallen hat – hier findet ihr meine Rezension.
Aus diesen Gründen fragte ich das Buch über das ‚Bloggerportal‘ an und bekam es zugesendet. An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an den Penguin-Verlag.

Die beiden Hauptfiguren des Buches sind Consuelo und Antoine de Saint-Exupéry.
Als erstes lernen wir Consuelo kennen, die nach dem frühen Tod ihres Mannes Enrique wieder in ihre Heimat zurückkehrt. Gefangen in tiefer Trauer und ohne einen konkreten Plan für ihr weiteres Leben trifft sie auf den lebenshungrigen Antoine de Saint-Exupéry. Die Beiden sind so grundverschieden, ziehen sich aber doch direkt an.
Mich erschütterte teilweise, wie sich Consuelo von ihrem Mann behandeln lässt. Er überschüttet sie mit seiner Liebe, dann nimmt er wieder absolut keine Rücksicht auf sie. Kaum schlägt sie irgendwo Wurzeln, wird sie von ihm wieder raus gerissen und es geht woanders hin. Auch wenn sie ihrem Mann Antoine zur Muse wird und zu dem Buch „Der kleine Prinz“ inspiriert, kann sie ihn nicht halten. Antoine kommt nie ganz in seinem Leben an. Er wird von einer inneren Unruhe getrieben, er möchte schreiben, aber auch gleichzeitig Pilot sein und seinem Heimatland Frankreich im Krieg bestehen. Ein mitunter anstrengender Charakter, welchen ich aber auch höchst interessant finde.
Sophie Villard zeigt in ihrem Roman einen sehr privaten Einblick in das Leben der Beiden und hat sich an den Erinnerungen von Consuelo de Saint-Exupéry orientiert, welche in „Die Rose des kleinen Prinzen. Erinnerungen an eine unsterbliche Liebe“ niedergeschrieben sind.
Anfangs tat ich mir mit den Figuren des Buches etwas schwer, da mir einige Charaktere etwas zu aufgesetzt vorkamen. Doch dann wuchs mir Consuelo sehr ans Herz, ich litt mit ihr mit und hätte ihren Mann das ein oder andere Mal gerne geschüttelt, wenn er wieder Entscheidungen über ihren Kopf hinweg getroffen hat und wie er sie teilweise behandelt hat. Consuelos Kraft und Durchhaltevermögen haben mich sehr beeindruckt und ich werde diese starke Frau nie vergessen.
Um die beiden Hauptfiguren agieren noch einige Charaktere, die alle existiert haben. Sophie Villard erweckt diese Menschen mit viel Feingefühl wieder zum Leben und zeichnet mit ihnen ein gutes Bild der Gesellschaft von damals. Sie handeln und agieren stets authentisch und konnten mich alle überzeugen – auch wenn mir nicht alle sympathisch waren.

Wie schon in ihrem Buch „Peggy Guggenheim und der Traum vom Glück“ hat mich der farbenfrohe und angenehm flüssige Sprachstil von Sophie Villard sehr überzeugt. Dieser nahm mich schnell mit in die Geschichte hinein und es kam keine Langeweile auf. Allerdings fand ich die sehr kurzen Kapitel mitunter anstrengend, da die Geschichte dadurch etwas unterbrochen gewirkt hat.
Spannend fand ich, dass der Prolog des Buches im Juli 1942 ansetzt, die Handlung dann aber in das Jahr 1930 zurückgeht und dann auf das Geschehen des Prologs zusteuert.
Paris, New York, Buenos Aires, die Côte d’Azur und noch einige andere Orte beschreibt Sophie Villard so detailliert und lebendig, dass ich das Gefühl hatte, selbst durch diese Orte zu laufen und sie zu erleben.

Das Hauptthema des Buches ist die Ehe zwischen Consuelo und Antoine de Saint-Exupéry. Eine Ehe, welche vorwiegend für Consuelo nicht immer leicht war. Den geschichtlichen Hintergrund bilden die 1930er Jahre, die Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland, der Beginn und Verlauf des Zweiten Weltkriegs und die Flucht vieler Künstler aus Frankreich in Richtung Amerika. Diese geschichtlichen Hintergründe und die Ehe der Beiden hat Sophie Villars akribisch recherchiert und erzählt diese mit viel Hingabe. Zudem zeigt die Autorin die Entstehungsgeschichte zu „Der kleine Prinz“ – ein Buch welches ich demnächst unbedingt lesen möchte.

Fazit: Das Buch „Madame Exupéry und die Sterne des Himmels“ von Sophie Villard habe ich immer wieder gerne in die Hände genommen und es hat mich gut unterhalten. Consuelos Geschichte werde ich so schnell nicht mehr vergessen.
Ein Tipp für alle, die Antoine de Saint-Exupéry und seine Frau Consuelo privat kennenlernen möchten und die Geschichte hinter dem Buch „Der kleine Prinz“ erfahren und erleben möchten. Top!

*Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung des Verlages in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„Das Kaffeehaus – Geheime Wünsche“

von Marie Lacrosse

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Erschienen am 11. Oktober 2021 im Goldmann-Verlag

ISBN: 978-3-442-20619-3

https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/Das-Kaffeehaus-Geheime-Wuensche/Marie-Lacrosse/Goldmann/e576925.rhd

Hinweise:
Bitte lest diese Rezension nicht, wenn ihr die ersten beiden Teile der Reihe noch nicht kennt und lesen möchtet, ihr könntet euch sonst spoilern.
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Goldmann-Verlag über eine ‚Bloggerliste‘ der Autorin als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen.
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung des Verlages in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.
– Meine Rezensionen zu den ersten beiden Teilen findet ihr hier:
Teil 1 „Das Kaffehaus – Bewegte Jahre“
Teil 2 „Das Kaffeehaus – Falscher Glanz“

Klappentext:
„Nach dem Tod ihres Onkels leitet Sophie das Kaffeehaus Prinzess mit großem Erfolg. Es wird schon bald zum Treffpunkt der Wiener Kulturbohème. Doch dann gefährdet ein unbekannter Saboteur das Kaffeehaus. Privat könnte Sophies Schicksal jedoch zum Positiven wenden. Denn ihre große Liebe Richard sucht verzweifelt nach einer Möglichkeit, Sophie wieder nahe zu kommen ..“

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Das Buch „Das Kaffeehaus – Geheime Wünsche“ ist der dritte und letzte Teil der Reihe um die junge Sophie von Werdenfels und bietet Einblicke in die Wiener Kaffeehauskultur des 19. Jahrhunderts.

Stephan Danzer, Sophies geliebter und geachteter Onkel, wird zu Grabe getragen. Sophie übernimmt das Kaffeehaus und verhilft ihm zu neuen Glanz. Mit neuen Torten und spektakuläreren Schaufensterdekorationen schafft sie für die Wiener Kulturbohème und namhaften Persönlichkeiten einen beliebten Treffpunkt.
Doch ein Unbekannter meint es nicht gut mit Sophie und ihrem Kaffeehaus und sabotiert neue Kreationen. Sophie muss um ihre Existenz bangen. Auch in ihrem Privatleben geht es drunter und drüber: Ihre jüngere Schwester Milli befindet sich einem psychischen Ausnahmezustand, ihre Mutter flieht vor ihrem Ehemann und auch Richard möchte Sophie endlich wieder nahe sein.

Mit großer Begeisterung habe ich im Oktober 2020 den ersten Teil „Das Kaffeehaus – Bewegte Jahre“ und im April 2021 den zweiten Teil „Das Kaffeehaus – Falscher Glanz“ gelesen und freute mich seit dem auf den dritten Teil dieser wunderbaren Reihe. Zum einen finde ich die Zeit, in der diese Reihe spielt unglaublich spannend, aber auch die Charaktere sind mir schon sehr ans Herz gewachsen und ich wollte unbedingt wissen, wie es mit ihnen und ihrer Geschichte weitergeht. Auch wenn bei einem letzten Teil immer auch ein weinendes Auge dabei ist, weil die Geschichte damit vorbei ist. Freundlicherweise bekam ich das Buch als Rezensionsexemplar vom Goldmann-Verlag zugesendet, da Marie Lacrosse mich auf ihre „Bloggerliste“ aufnahm.
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Goldmann-Verlag und an Marie Lacrosse für die Zusendung des Buches.

Am Anfang des Buches befindet sich, wie in den ersten beiden Teilen, ein ausführliches Dramatis Personae, welches ich auch ab und zu benutzt habe, um Namen und Geschichten wieder richtig zuzuordnen.
Die Hauptfigur des Buches ist die fiktive Sophie von Werdenfels, welche die zentrale Figur des Buches und der gesamten Reihe ist. Im ersten Teil stand ihre beste Freundin Mary Vetsera neben ihr, welche eine historische Persönlichkeit ist. Im zweiten Teil ist Sophie alleine, ihre Freundin ist tot und für Sophie beginnt ein neues Leben am Kaiserhof. Ein Leben, welches sie sich so nicht vorgestellt hat und hinter sich lässt. Im vorliegenden dritten Teil lebt Sophie nun ihr Leben für das Kaffeehaus. Auch wenn sie mitunter überfordert ist, sie manchmal nicht weiß, wo ihr der Kopf steht, bleibt Sophie sich und ihren Idealen immer treu und ist auch immer für andere Menschen da. Doch Sophie braucht auch ab und zu die Hilfe von ihrer Familie und ihren Freunden und Freundinnen, welche sie auch stets dankbar annimmt. Sophies authentische Entwicklung von einem jungen Mädchen zu einer Geschäftsfrau hat Marie Lacrosse wunderbar beschrieben. Sie ist ein Charakter geworden, welcher mir sehr ans Herz gewachsen ist und ich so schnell nicht mehr vergessen werde.
Richard von Löwenstein, Sophies große Liebe, nimmt in diesem Teil auch wieder eine tragische Rolle ein. Mit viel Fingerspitzengefühl und Autorität deckt er nach wie vor Morde und Missstände in der Armee auf. Privat ist er in eine unglückliche und erzwungenen Ehe gefangen. Doch nun nimmt er sein Leben in die Hand, dabei muss er auch immer wieder Rückschläge verkraften. Doch er gibt sich und seine Liebe zu Sophie niemals auf. Nach Ende des zweiten Teils fragte ich mich, wie es mit Milli, Sophies jüngerer Schwester, weitergeht. Sie nimmt in der ersten Hälfte des dritten Teils ein große Rolle ein. Da sie sich in einem psychischen Ausnahmezustand befindet, kommt sie zu Sigmund Freud in Behandlung, nach und nach erfährt der Leser/ die Leserin dann, was ihr zugestoßen ist. Millis dramatische Geschichte lies mich teilweise frösteln und ich hätte sie gerne in den Arm genommen. Doch Milli hat mit ihrer Schwester Sophie den richtigen Menschen an ihrer Seite, sie wird ernst genommen und ihr wird geholfen.
Henriette, Sophies Mutter, ist anfangs ein sehr trauriger Charakter. Auch wenn sie endlich ihrem cholerischen Ehemann Arthur entkommt, muss sie erst im Nachgang feststellen, dass sie damit zu lange gewartet hat. Doch Henriette entwickelt sich weiter, sieht ihre Fehler ein und ändert sich und findet ihren Mut und Zuversicht für ihr weiteres Leben.
Marie Lacrosse hat neben zahlreichen fiktiven Figuren auch eine Menge historischer Persönlichkeiten in ihren Roman eingebaut und damit wunderbar Fiktion und Geschichte verbunden. Sigmund Freud, der zum Karten spielen das Kaffeehaus besucht und von Sophie um Hilfe für ihre Schwester gefragt wird, der Maler Gustav Klimt, der Arzt und Schriftsteller Dr. Arthur Schnitzler und noch viele andere historische Persönlichkeiten treten in Erscheinung und werden wunderbar in die Geschichte eingebunden.
Jede Figur, egal ob fiktiv oder historisch, hat Marie Lacrosse sehr authentisch und tiefgängig beschrieben. Sie alle geben ein glaubwürdiges Bild der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts ab: Eine Gesellschaft zwischen starren Konventionen und Aufbruch und Streiks, Glanz und Gloria und bitterer Armut.

Marie Lacrosse hat eine sehr lebendige, authentische und detaillierte Sprache, die niemals langatmig ist. Ich war schnell wieder in der Geschichte angekommen und wollte das Buch ungern aus den Händen legen.
Die Autorin hat akribisch und intensiv recherchiert und zeichnet ein farbenfrohes und lebendiges Bild einer längst vergangenen Epoche. Wie die ersten beiden Teile fühlt sich auch der dritte und abschließende Teil wie eine Zeitreise an. Ich saß im Kaffeehaus, lernte interessante historische Figuren kennen und schlenderte mit Sophie und Richard über den Wiener Prater.
Ein ausführliches Nachwort der Autorin rundet das Buch perfekt ab.

Marie Lacrosse hat viele historische Begebenheiten und Ereignisse in ihren Roman eingebaut: Die ersten Frauenstreiks im Jahre 1893, die von der Frauenrechtlerin Adelheid Popp angeführt wurden eine tägliche Arbeitszeit von 13 Stunden auf 10 Stunden forderten.
Sie zeigt aber auch, wie sehr die Frauen damals noch von den Männern abhängig waren und auch eine Scheidung damals alles andere als leicht war.
Außerdem zeigt sie den Beginn der Psychoanalyse durch Sigmund Freud, welcher mit seinen Thesen lange Zeit Ausgrenzung erlebte.
Außerdem beschreibt Marie Lacrosse den beginnenden Antisemitismus in Wien des ausgehenden 19. Jahrhunderts, welcher durch den Bürgermeister Karl Lueger angetrieben wurde.
Spannend fand ich, dass die Autorin ein fiktives Duell nach einen historisch überlieferten Duell beschrieben hat. Es zeigt, wie sehr die damalige Gesellschaft, hier der Adel, noch in starren Konventionen gefangen war.
Zu guter Letzt gibt Marie Lacrosse einen spannenden Einblick in die Wiener Kaffeehauskultur. Die Besonderheit dieser Kultur besteht darin, dass oft stundenlang in den Kaffeehäusern verweilt wurde, dabei Zeitungen gelesen und Gespräche über das gesellschaftliche Leben geführt wurden.

Fazit: Marie Lacrosse hat mit diesem dritten ein Teil ein grandioses Finale vorgelegt. Auf keiner Seite kam Langeweile auf und ich habe eine Menge dazugelernt. Meiner Meinung nach ist es der unterhaltsamste, aber auch intensivste Teil der Reihe.
Als diese Reihe vor zwei Jahren angekündigt wurde, schrieb ich der Autorin, dass ich ein freudiges Kribbeln in den Fingerspitzen verspüre, da ich mich sehr auf die Geschichte freute. Jetzt ist die Reihe beendet und ich wurde nicht enttäuscht. Eine Buchreihe, die immer einen besonderen Platz in meinem Herzen einnehmen wird und auch die Charaktere werde ich nie vergessen.
Danke liebe Marie Lacrosse für die spannenden, emotionalen und unvergesslichen Lesestunden.

*Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung des Verlages in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplarsmuss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„Das Marzipan-Schlösschen

von Romy Herold

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Erschienen am 20. September 2021 im Blanvalet-Verlag

ISBN: 978-3-7341-0971-3

https://www.penguinrandomhouse.de/Taschenbuch/Das-Marzipan-Schloesschen/Romy-Herold/Blanvalet/e576840.rhd

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Blanvalet-Verlag über das ‚Bloggerportal‘ als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen.
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung des Verlages in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

Klappentext:
„Lieblich-süß mit zartem Mandelaroma und einem Hauch von Rosenwasser – Marzipan! Es ist aber nicht nur die köstliche Masse mit Biss, die Dora Hoyler 1921 nach Lübeck lockt. Seit ihr Vater die Familie verschuldet in der schwäbischen Heimat zurückgelassen hat, ist die norddeutsche Hansestadt auch Doras letzte Hoffnung auf Arbeit. Sie erhält eine Anstellung im Süßwarenladen ihrer Tante und lernt dort kunstvolle Kreationen aus Marzipan zu formen. Ihr Talent versetzt ganz Lübeck in Aufruhr und erregt bald auch die Aufmerksamkeit von Johann Herden, dem Erben einer bekannten Marzipan-Dynastie. Dora verliebt sich in ihn, doch das Zuhause der wohlhabenden Fabrikantenfamilie – das malerische Schlösschen oberhalb der Trave – entpuppt sich als Hort dunkler Geheimnisse …“

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Das Buch „Das Marzipan-Schlösschen“ von Romy Herold spielt in Lübeck der 1920er Jahre und zeigt den gesellschaftlichen Aufstieg der jungen Marzipan-Verkäuferin Dora.

Schwaben im Jahre 1921: Die junge Dora arbeitet als Verkäuferin in Kirchheim unter Teck. Sie ist eine sehr lebensfrohe und freundliche Person, auch wenn sie nicht im Wohlstand aufwächst.
Als ihr Vater von einem Tag auf den anderen seine Frau und Tochter verlässt und die Beiden auf hohen Schulden sitzen bleiben, wird Dora von ihrer Mutter nach Lübeck geschickt. Dort findet sie eine Anstellung im Süßwarenladen ihrer Tante.
Ihr Talent in Formen kleiner Marzipan-Figuren macht sie schnell in ganz Lübeck bekannt. Auch Johann Herder, der Erbe einer Marzipan-Dynastie, wird auf Dora aufmerksam. Die beiden werden ein Paar, doch das Zuhause der Familie Herder, das Marzipan-Schlösschen, ist nach außen hin ein wunderschöner Ort, Dora gerät aber in einen Strudel aus Geheimnissen und Intrigen.

Als das Buch „Das Marzipan-Schlösschen“ von Romy Herold vor einigen Monaten angekündigt wurde, war mein Interesse sehr schnell geweckt. Zum einen, da hinter dem Pseudonym Romy Herold die Autorin Eva-Maria Bast und der Autor Jørn Precht stehen, die mich schon mit ihren Büchern unter ihrem Pseudonym Charlotte Jacobi begeistert haben. Zum anderen verzauberte mich das stimmungsvolle, winterliche Cover und der Klappentext sofort, da ich Marzipan sehr gerne mag und auch die Stadt Lübeck ein absoluter „Da-muss-ich-unbedingt-mal-hin-Ort“ ist. Über das „Bloggerportal“ fragte ich den Titel als Rezensionsexemplar an und bekam das Buch daraufhin zugeschickt. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Blanvalet-Verlag für die Bereitstellung und Zusendung des Buches.

Am Anfang des Buches befindet sich eine dreiseitige Übersicht der wichtigsten Figuren des Buches. Mein erster Gedanke war, dass das einige sind und ich war gespannt, ob ich mir all die Figuren und ihre Geschichten merken könnte. Eines vorweg: Ich hatte keine Probleme damit.
Eine der Hauptfiguren des Buches ist die junge Dora: Wie oben schon erwähnt, wächst sie in eher bescheidenen Verhältnissen auf, trotz allem ist sie eine lebensfrohe und heitere Persönlichkeit. Zu ihren Eltern, bei denen sie noch lebt, hat sie ein gutes und offenes Verhältnis. Es trifft sie und ihre Mutter aus heiterem Himmel, als sich der Vater plötzlich aus ihrem Leben absetzt. Dora ist äußerst kreativ, sagt anderen ihre Meinung, wirkt aber doch manchmal etwas naiv und begeht auch Fehler, welche sie aber später einsieht. Dora war mir ab der ersten Seite sympathisch, da sie für andere einsteht, dabei aber ihre eigenen Träume und Wünsche nicht aus den Augen verliert.
Doras Cousine Babette ist ein sehr impulsiver Charakter. Sie weiß was sie will, scheitert aber des Öfteren an den Konventionen der Zeit. Anfangs fand ich Babettes Verhalten etwas anstrengend, da sie oft eingeschnappt ist. Doch sie verändert sich im Laufe des Buches sehr zum Positiven und geht ihren Weg. Auch sie verliert das Wohl anderer Menschen nicht aus den Augen und ist immer für ihre Lieben da.
Siegfried, genannt Siggi, ist der Adoptivbruder von Babette und einer meiner Lieblingscharaktere des Buches. Er hat eine schlimme Kindheit im Kinderheim hinter sich, welche ihn für sein Leben geprägt hat. Trotz allem hat er eine so liebenswerte Ausstrahlung, dass man ihn einfach gerne haben muss. Er hat ein Gespür für das Befinden der Menschen in seiner Umgebung und lässt diese nie im Stich.
Iny und Einar sind die Eltern von Babette und führen den Süßwarenladen in Lübeck. Mit ihrer freundlichen und herzlichen Art gegenüber Siggi und Dora, habe ich die Beiden sofort ins Herz geschlossen. Einar ist schwer gezeichnet von den Erlebnissen an der Front des Ersten Weltkrieges.
Doras Mutter Hedwig ist eine gute Seele, die stets in den Menschen das Gute sucht und findet.
Kommen wir nun zu der Familie Herden, die Marzipan-Dynastie: Hier möchte ich zuerst Johann nennen, der ein sehr undurchsichtiger Charakter ist. Er sprüht geradezu vor Elan, die Marzipan-Fabrik zu übernehmen, wirkt aber nie richtig glücklich. Er sammelte bei mir nicht nur Sympathie-Punkte, teilweise stieß mich sein Verhalten Dora gegenüber sehr ab.
Sein Bruder Felix ist da ganz anders: Er sprüht vor Lebensfreude und hat ganz andere Lebenspläne als sein Bruder Johann. Von Anfang an mochte ich seine offene, ehrliche Art und seine Sicht auf die Dinge.
Neben diesen Figuren agieren noch eine Vielzahl anderer Figuren, die mich alle überzeugen konnten. Sie sind facettenreich und lebensecht gezeichnet und vermitteln ein gutes Bild der Zeit und der Gesellschaft zu Beginn der „Goldenen Zwanziger“. Jede Figur hat in diesem Buch seinen Platz und bringt die Geschichte voran, sie entwickeln sich authentisch und machen auch Fehler.
Ganz besonders erwähnenswert ist, dass auch historische Persönlichkeiten am Rande mitspielen (z.B. Thomas Mann)und ich das Gefühl hatte, diese ein Stück weit persönlich kennenzulernen.

Durch den lebendigen und mitreißenden Sprachstil von Eva-Maria Bast und Jørn Precht konnte ich von der ersten Seite in die Handlung abtauchen. Die beiden haben zum Thema Marzipan akribisch recherchiert und bringen den einzigartigen Zauber dieser Süßigkeit wunderbar zum Leser/ zur Leserin. Mit viel Sinn für Lokalitäten und Geschichten in und um Lübeck hat mir das Autoren-Duo die Stadt näher gebracht und meinen Wunsch gefördert, diese unbedingt bald zu besuchen.
Doch es geht nicht nur um die Herstellung der süßen Verführung durch Marzipan. Teilweise wurde die Story so spannend, dass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Die Handlung nimmt auch immer wieder ganz andere Verläufe, wie ich es vermutet hatte.

Der geschichtliche Hintergrund des Buches ist der Beginn der 1920er Jahre. Das „Goldene Jahrzehnt“, welches zu Beginn alles andere als golden war: Der rapide Wertverlust des Geldes, Hungersnöte und der Versailler Vertrag prägten und spalteten die Gesellschaft.
Auch die Gleichberechtigung der Frau ist ein großes Thema des Buches: Frauen durften seit 1918 wählen, und auch das Studium stand ihnen theoretisch offen – sie waren aber in den Hörsälen noch immer in der Unterzahl. Auch wenn die Frau noch immer unter dem Mann stand, gab es immer mehr Frauen, die ihren Weg gegangen sind – allen Hürden zum Trotz.
Eva-Maria Bast und Jørn Precht, alias Romy Herold, haben diese geschichtlichen Hintergründe perfekt recherchiert, ihre Geschichte wunderbar in diese Hintergründe hinein gebettet und damit Fiktion und Historie meisterhaft miteinander verbunden.

Fazit: Das Buch ist so köstlich wie feinstes Marzipan. Einmal angefangen, kann man nur noch schwer aufhören und man wünscht sich, dass es nie endet.
Mit authentischen Charakteren und einer spannenden Handlung hat mich dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite überzeugt. Absolute Leseempfehlung!

*Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung des Verlages in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„Die Hafenschwester – Als wir an die Zukunft glaubten“

von Melanie Metzenthin

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Erschienen am 30. August 2021 im Diana-Verlag

ISBN: 978-3-453-29246-8

https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/Die-Hafenschwester-3-/Melanie-Metzenthin/Diana-Verlag/e579561.rhd


Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Diana-Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen.
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung des Verlages in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplar muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.
– Meine Rezensionen zu den vorherigen Teilen der Reihe findet ihr hier:
Teil 1: „Die Hafenschwester – Als wir zu träumen wagten“
Teil 2: „Die Hafenschwester – Als wir wieder Hoffnung hatten“

Klappentext:
Der Erste Weltkrieg ist zu Ende. Martha und Paul haben während der Inflation 1923 alle Ersparnisse verloren und die finanzielle Lage ist prekär. Ihre Tochter Ella will unbedingt Ärztin werden, muss ihren Traum jedoch zunächst auf Eis legen und die Familie unterstützen. Sie tritt in die Fußstapfen ihrer Mutter und beginnt eine Schwesternausbildung. Dann kommen die Nazis an die Macht. Ella fiebert dem Studium entgegen, doch die Einschreibung an der Universität wird ihr untersagt. Als die Familie in eine schreckliche Lage gerät, ruhen alle Hoffnungen auf dem jüngsten Sohn Fredi. Er macht bei der Mordkommission Hamburg Karriere. Und lässt sich auf einen gefährlichen Pakt mit der Gestapo ein …“

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Das Buch „Die Hafenschwester – Als wir an die Zukunft glaubten“ von Melanie Metzenthin ist der dritte und abschließende Teil der Reihe um Martha Studt und ihre Familie in Hamburg im 20. Jahrhundert.

November 1923: Am Ende des Schicksalsjahr der jungen Weimarer Republik herrschen Hyperinflation, Hunger und Verzweiflung. Martha ist nach wie vor in Hamburg unterwegs, um den Armen zu helfen. Doch die Hyperinflation hat auch ihr und ihrer Familie die kompletten Ersparnisse genommen – damit ist ihre finanzielle Lage sehr schlecht.
Ihr Sohn Rudi beginnt ein Jura-Studium, Tochter Ella möchte unbedingt Ärztin werden. Doch ein Zwischenfall sorgt dafür, dass Ella ihr Studium zurückstellen muss und erst mal eine Schwesternausbildung beginnt.
Fredi, Marthas jüngster Sohn, geht zur Mordkommission und macht dort Karriere. Als die Nationalsozialisten an die Macht kommen, wird Ella das Studium verwehrt und die Familie Studt droht auseinander gerissen zu werden.

2019 erschien der erste Teil um die „Hafenschwester“. Diesen habe ich mit großer Begeisterung gelesen, da mich Melanie Metzenthin mit ihrer bildhaften Sprache und ihren authentischen Charakteren überzeugen konnte. Auch der zweite Teil, der 2020 erschien, stand dem ersten Teil in nichts nach. Ich freute mich sehr auf den dritten Teil, auch wenn Wehmut mitschwang, dass eine wunderbare Buchreihe damit ein Ende findet.
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Diana-Verlag, die mir das Buch über das „Bloggerportal“ als kostenloses Rezensionsexemplar zugeschickt haben.

Viele liebgewonnene Personen spielen in diesem Buch wieder mit. An erster Stelle ist hier die wundervolle Martha zu nennen. Eine Frau, die sich und ihrer Familie immer treu bleibt – auch in schwierigen Zeiten. Sie ist immer für andere da und hilft, wo sie kann. Marthas authentische Entwicklung, von einem jungen Mädchen im ersten Teil, zu einer gestandenen Frau im dritten Teil, hat mich sehr begeistert und ich habe das Gefühl, dass Martha mir zu einer Freundin, zu einer Vertrauten wurde. Ich werde sie und ihre Geschichte nie vergessen.
Unverrückbar an Marthas Seite steht Paul. Körperlich gezeichnet vom Krieg, aber innerlich stark und unerschütterlich. Er sagt Menschen in seiner Umgebung ganz klar seine Meinung und verstellt sich nicht. Zusammen mit Martha bildet er eine Einheit, sie lassen sich nicht unterkriegen und sind immer füreinander und für ihre Familie da.
Aus Marthas und Pauls Kindern sind mittlerweile junge Erwachsene geworden, die ihren Weg gehen – liebevoll aber auch streng begleitet von ihren Eltern.
Rudi, der zu Anfang der Geschichte noch seinen Platz im Leben sucht und sich mitunter sehr von seiner Eltern zurückgesetzt fühlt, obwohl sie immer nur sein Bestes wollen, macht eine glaubwürdige Entwicklung durch. Manchmal hätte ich ihn gerne wegen seines sehr engstirnigen Verhaltens geschüttelt.
Ella ist eine sehr zielstrebige junge Frau, die leider immer wieder ausgebremst wird. Sie macht ihrem Unmut immer direkt Luft und lässt sich nicht unterkriegen – auch als ihr Medizinstudium in weite Ferne rückt. Sie geht immer mit offenen Augen durch die Welt und lässt sich nicht einschüchtern.
Fredi, eigentlich Alfred, ist der jüngste Sohn von Martha und Paul. Er weiß schon recht früh, was er im Leben erreichen möchte und hat mich mit seiner selbstlosen Art absolut begeistert und entwickelte sich zu meinem persönlichen Liebling. Ähnlich wie Ella sieht er Ungerechtigkeiten und handelt – auch wenn es für ihn ungemütlich und gefährlich wird.
Marthas Bruder Heinrich, seine Frau Li-Ming, ihre Kinder Arthur und Lilli und Marthas Vater stehen in diesem Teil wieder eng an Marthas Seite. Zusammen stehen sie vieles durch und sind sich gegenseitig eine große Stütze in schwierigen Zeiten.
Es gibt noch einige Figuren, die neben diesen Hauptfiguren agieren. Hier ist vor allem die junge Henny, Fredis Frau zu nennen. Anfangs von vielen unterschätzt, hält sie doch vieles in der Familie zusammen und ist für Fredi der Fels in der Brandung.
Aber auch Figuren, die nur am Rande vorkommen, hat Melanie Metzenthin mit sehr viel Feingefühl zum Leben erweckt. Sie hat Charaktere mit Ecken und Kanten geschaffen und zusammen mit den Hauptfiguren bilden sie ein glaubhaftes Bild der Gesellschaft der Weimarer Republik und des dritten Reiches ab. Sie erzählt die Geschichte(n) der kleinen Leute.

Mit ihrem bildgewaltigen und detaillierten Sprachstil hat mich Melanie Metzenthin gleich von der ersten Seite an in die Geschichte gezogen. Auch wenn ich den zweiten Teil vor etwa einem Jahr gelesen habe, hatte ich keine Probleme wieder in der Geschichte reinzukommen und zu folgen. Melanie Metzenthin erzählt auch einiges aus den ersten beiden Teilen wieder, somit konnte ich mich gut an einige Geschehnisse erinnern, die nicht mehr ganz so präsent waren.

Den historischen Hintergrund bildet anfangs die Weimarer Republik, später dann das Dritte Reich und dann der Zweite Weltkrieg.
Es wird klar, wie das Schicksalsjahr 1923 die Weimarer Republik zum Scheitern verurteilte und die Menschen, dank des Versailler Vertrags, Reparationszahlungen und der draus resultierenden Hyperinflation das Vertrauen in die noch junge Republik schnell wieder verloren. Die Hyperinflation fraß vielen Menschen das mühselig ersparte Geld weg – es war nichts mehr wert.
Der Versailler Vertrag und die dort festgesetzten Reparationszahlungen von Deutschland an die Siegermächte ließen viele Menschen erschaudern. Nach dem Young Plan aus dem Jahr 1928 sollten diese Zahlungen bis in das Jahr 1988 stattfinden – eine unendlich lang erscheinende Zeit.
All dies ebnete den Weg für die Nationalsozialisten und dem Dritten Reich – der Diktatur.
Melanie Metzenthin hat die geschichtlichen Hintergründe akribisch recherchiert und beschreibt die Entwicklung von einer Demokratie zur Diktatur sehr bildhaft und verständlich anhand der Geschichte der kleinen Leute.
Sie zeigt zudem die ganze Gräuel der Judenverfolgung und die Auslöschung „unwerten Lebens“ durch die Nationalsozialisten. Bei einigen Szenen, auch bei den Verhörmethoden der Gestapo, lief es mir kalt den Rücken runter und ich musste das Buch kurz zur Seite legen.
Der Ausbruch und Verlauf des Zweiten Weltkriegs, vor allem die „Operation Gomorrha“, bei der Hamburg von der Britischen und US-Amerikanischen Luftwaffe unter Beschuss genommen wird und in einem gewaltigen Feuersturm Zehntausende Menschen ihr Leben verlieren und Hunderttausende obdachlos werden, erzählt Melanie Metzenthin sehr eindringlich und bildgewaltig.
Doch trotz aller Gräuel und Grausamkeiten schwingt auf jeder Seite des Buches die Hoffnung der Charaktere auf eine bessere Zukunft mit.

Fazit: Was für ein Finale! In diesem Buch ist einfach alles drin: Tolle Charaktere, Historie, Intrigen, Spannung, Liebe, Hoffnung, Krieg und Zusammenhalt. Diesen Teil empfand ich als den stärksten und intensivsten Teil einer absolut empfehlenswerten Reihe.
Lasst euch diese 700 Seiten pures Lesevergnügen nicht entgehen.

* Kennzeichnung, da Produktnennung eines kostenlosen Rezensionsexemplars. Meine Meinung wurde nicht beeinflusst – dieser Artikel muss aber als Werbung gekennzeichnet sein.

„Die Schwestern vom Ku’damm – Ein neuer Morgen“

von Brigitte Riebe

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Erschienen am 14. September 2021 im Rowohlt-Verlag (Wunderlich-Verlag)
ISBN: 978-3805200677


https://www.rowohlt.de/buch/brigitte-riebe-die-schwestern-vom-ku-damm-ein-neuer-morgen-9783805200677

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Rowohlt-Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen.
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.Aufgrund der Gegenleistung des Verlages in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplar muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.
– Meine Rezensionen zu den vorherigen Teilen der Reihe findet ihr hier:
Teil 1: „Die Schwestern vom Ku’damm – Jahre des Aufbaus“
Teil 2: „Die Schwestern vom Ku’damm – Wunderbare Zeiten“
Teil 3: „Die Schwestern vom Ku’damm – Tage der Hoffnung“
Teil 4: „Weihnachten am Ku’damm“

Klappentext:
Berlin, 1966: Die geteilte Stadt ist ebenso im Umbruch wie das Modekaufhaus Thalheim am Ku′damm. Die Jugend rebelliert, die Röcke werden kürzer, doch Chef-Designerin Miriam Feldmann hat alle Mühe, Kaufhaus-Patriarch Friedrich davon zu überzeugen, dass die Frauen nun Knallfarben statt Pastell tragen wollen. Wenigstens ihr Privatleben läuft in gewohnt ruhigen Bahnen. Ihren Platz in der Familie Thalheim hat sie gefunden, Adoptivtochter Jenny wächst zu einer klugen jungen Frau heran. Als Miriam, die nie eigene Kinder bekommen konnte, mit Anfang vierzig schwanger wird, ist plötzlich auch ihr eigenes Leben im Umbruch. Dann begegnet sie einem Mann wieder, den sie im Krieg kennenlernte. Die Begegnung führt sie zu den dunkelsten Stunden ihres Lebens zurück …

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Das Buch „Die Schwestern vom Ku’damm – Ein neuer Morgen“ von Brigitte Riebe ist der fünfte Teil um die Kaufhaus-Familie Thalheim in Westberlin und zeigt, wie gesellschaftliche Umbrüche in den 1960er Jahren auch vor dieser Familie nicht halt machen.

Es ist das Jahr 1966 in Westberlin: Das Kaufhaus Thalheim muss sich neu erfinden. Immer mehr Kunden wandern in andere Geschäfte ab. Kaufhausgründer Friedrich, inzwischen sehr betagt, muss sich so den Ideen seiner vier Töchter stellen: Eine völlige Umgestaltung seines geliebten Kaufhauses.
Miri Feldmann, inzwischen Chef-Designerin im Modehaus Thalheim, erfährt ein unfassbares Glück: Mit Anfang vierzig wird sie schwanger. Ihr bisher ruhiges Leben mit ihrem Mann und ihrer pubertären Adoptivtochter Jenny gerät in einen völligen Umbruch.
Als Miri dann auch noch auf einen Mann trifft, den sie aus Kriegszeiten kennt, wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt. Aber auf eines kann sie sich immer verlassen: Ihre Familie.
Zwischen der Studentenbewegung der 1960er Jahren, Gesellschaftsumbrüchen und vielen kleinen familiären Streitigkeiten geht die Familie Thalheim ihren Weg.


Ich habe die 50er-Jahre-Reihe von Brigitte Riebe, die in den Jahren 2018, 2019 und 2020 erschien sehr gerne gelesen und war nach dem dritten Teil sehr traurig, dass die Reihe wohl beendet war. Die vielfältigen Charaktere der Familie Thalheim, mit all ihren Eigenheiten und Gewohnheiten sind mir sehr ans Herz gewachsen. Im Oktober 2020 erschien dann der Teil „Weihnachten am Ku’damm“, eine kleine feine Geschichte, die zeitlich zwischen dem ersten und zweiten Teil angesiedelt ist.
Als Brigitte Riebe ankündigte, dass sie auch noch Miris Geschichte erzählen möchte, und damit aus der Quadrologie eine Quintologie wird, war ich sehr glücklich und es war klar, dass ich auch diesen fünften Teil unbedingt lesen wollte.
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Wunderlich-Verlag (Rowohlt), die mir das Buch als kostenloses Rezensionsexemplar zugeschickt haben.

Von der ersten Seite an war ich wieder in der Geschichte angekommen und freute mich, die liebgewonnen Charaktere der Familie Thalheim wieder zu treffen.
Im Zentrum der Geschichte steht diesmal Miri. Als uneheliche Tochter von Friedrich kam sie erst später in den Kreis der Familie Thalheim. Ihre Mutter war Jüdin und wurde während des NS-Regimes von den Nationalsozialisten verfolgt und getötet. Miri überlebte als „jüdisches U-Boot“ nur knapp und mit vielen Entbehrungen. Den Koffer, mit den Schnittmustern ihrer Mutter, hat sie aber über all die vielen Jahre nie aus den Händen gegeben.
Miri hat mich mit ihrer von Schrecken geprägten Vergangenheit sehr berührt: Wie viel Leid, wie viel Trauer kann ein Mensch ertragen, ohne selbst dadurch gebrochen zu werden? Miri gibt sich nicht auf, sie kämpft für sich und schafft es zu überleben.
Über 20 Jahre später ist Miri eine aufrechte Frau, welche die Familie Thalheim mit ihrem großen Herzen zusammenhält. Sie ist immer für andere da, hört zu, gibt Ratschläge, nimmt aber auch gerne Hilfe an. Doch ihre Vergangenheit kann sie nicht vergessen, immer wieder zieht es sie in gedankliche Abgründe. Nur langsam kann sie sich ihrer Familie öffnen und von ihrer schlimmen Vergangenheit erzählen.
Ich mochte Miris ehrliche und starke, aber so leicht verletzbare Art schon seit dem ersten Teil. Ihr wurde in ihrem Leben nichts geschenkt, sie erarbeitet sich alles mit Fleiß und Mut. Brigitte Riebe beschreibt Miri und ihre Geschichte sehr glaubwürdig und lebensecht. Miri hat mich mit ihrem Lebensmut sehr inspiriert. Die sehr eindringlich geschriebenen Passagen aus Miris Vergangenheit brachten mich das ein oder andere Mal zum frösteln.
Sie ist ein ehrlicher Charakter, welcher auch mal Fehler macht, sich diese aber auch eingesteht und dann alles daran setzt, diese Fehler aus der Welt zu schaffen.
Die anderen Familienmitglieder der Familie Thalheim haben mich auch alle wieder mit ihrer Vielfältigkeit, ihren Geheimnissen und Verschwörungen begeistert: In dieser Familie wird gestritten, gelacht und geweint – ein bunter Blumenstrauß an unterschiedlichsten Charakteren, die aber doch eine unerschütterliche Einheit bilden.

Ohne Wenn und Aber gehörte sie zu dieser starken, wunderbar sturen, manchmal auch ziemlich bekloppten Thalheim-Sippe, die sich ab und zu zwar ordentlich zoffen konnte, aber füreinander einstand, sobald es eng wurde.“
[S. 150, Z.26 – 29]

Jeder einzelne Charakter dieser Familie hat sich authentisch weiterentwickelt, haben aber alle ihre Eigenheiten behalten. Brigitte Riebe hat Figuren geschaffen, die ich nie wieder vergessen werde und zu meinem Leben dazugehören, als würde ich sie persönlich kennen.

Wie bei all ihren Büchern hat mich Brigitte Riebe mit ihrer bildgewaltigen Sprache völlig in die Geschichte gezogen. Viele persönliche Konflikte der Figuren sind in große geschichtliche Ereignisse eingebettet – diese geschichtlichen Ereignisse wurden so lebendig und spannend geschildert, dass ich das Gefühl hatte, dabei gewesen zu sein.
Ein Konzert von Jimi Hendrix hat Brigitte Riebe mit einer solchen Energie beschrieben, die mich komplett mitnahm. Ich wollte das Buch nur noch ungern aus den Händen legen und flog nur so durch die Seiten und die Geschichte. Ich mag alle bisherigen Teile der Reihe sehr gerne – dieser Teil hat mich aber doch am meisten berührt und auch inspiriert.

Den geschichtliche Hintergrund bildet Westberlin den 1960er Jahren: Der große wirtschaftliche Aufschwung, das Wirtschaftswunder der 50er Jahre war vorbei. Die Arbeitslosenzahlen stiegen, es wurde weniger investiert, mehr produziert als verkauft.
Die westdeutsche Studentenbewegung zog in der Gesellschaft weite Kreise und wurde von der ‚Spiegel-Affäre‘ weiter befeuert: Kritische Mitarbeiter des ‚Spiegels‘ sahen sich der Strafverfolgung wegen Landesverrat ausgesetzt. Polizeiliche Maßnahmen brachten Teile der Bevölkerung, vor allem aber Studenten auf die Straße, welche einen Angriff auf die Pressefreiheit sahen.
Als am 02. Juni 1967 der Student Benno Ohnesorg auf einer Demonstration gegen den Staatsbesuch des Schah Mohammad Reza Pahlavi erschossen wurde, gab es kein Halten mehr: Die Studentenbewegung breitete sich bundesweit aus und radikalisierte sich.
Der musikalische Soundtrack der 1960er Jahre ist geprägt von „The Beatles“, „The Rollings Stones“, Jimi Hendrix und vielen mehr. Die Jugendlichen lehnen alte Konventionen in vielen Bereichen (z.B. in Sachen Sexualität, Rollenbilder, Familien) ab, was unweigerlich zu starken Konflikten mit der Elterngeneration führt.
Brigitte Riebe bettet ihre Geschichte um die fiktive Familie Thalheim gekonnt in diese historischen Hintergründe ein, welche sie akribisch recherchiert hat, aber auch selbst erlebt hat.

Fazit: Das Buch ist der sehr berührende fünfte Teil einer wundervollen Buchreihe, welche ich nie wieder vergessen werde.
Mit großer Leidenschaft und viel Wissen erzählt Brigitte Riebe aus einer spannenden und von Umbrüchen geprägten Zeit. Für mich persönlich ist dieses Buch der stärkste Teil der Quintologie.

*Das Buch habe ich freundlicherweise vom Rowohlt-Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar erhalten. Ich habe für diese Rezension aber keine finanzielle Gegenleistung bekommen – sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung des Verlages in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplar muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„Eine Familie in Berlin – Paulas Liebe“

von Ulrike Renk

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Erschienen am 16. August 2021 im Aufbau-Verlag
ISBN: 978-3-7466-3555-2


https://www.aufbau-verlag.de/index.php/eine-familie-in-berlin.html

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Aufbau-Verlag über die Agentur „ehrlich & anders“ als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen .
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.

Klappentext:
Berlin, Ende des 19. Jahrhunderts. Sie nennen ihn „Merlin“, weil er alle verzaubert – der Mann, den ihr Bruder ihr als seinen Freund vorstellt. Paula Oppenheimer, die in einem offen jüdischen Haushalt groß geworden ist, verliebt sich in den jungen Dichter Richard Dehmel. Er verkehrt mit vielen Literaten und will als Künstler leben. Paula wird zu seiner Muse und zur strengen Kritikerin seiner Texte. Als sich ihre Eltern gegen ihre Verbindung stellen, kämpft Paula für ihre Liebe. Doch dann muss sie sich fragen, ob Richards wilde, unkonventionelle Art sie auf Dauer glücklich machen kann … Das Porträt einer Künstlerin in unruhigen Zeiten: Am Anfang war sie die Ehefrau des Dichters Richard Dehmel – dann wurde sie selbst zur Schriftstellerin.“

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Das Buch „Eine Familie in Berlin – Paulas Liebe“ von Ulrike Renk beschreibt die Lebensgeschichte der Paula Oppenheimer, die sich im ausgehenden 19. Jahrhundert in den Dichter und Schriftsteller Richard Dehmel verliebt.

Berlin im Jahre 1878: Auch wenn die finanziellen Möglichkeiten der Familie Oppenheimer begrenzt sind, werden die vier Geschwister Paula, Franz, Elise und Carl von ihren Eltern liebevoll und bildungsorientiert erzogen.
Als Tante Auguste vorschlägt, Paula zu sich zu nehmen, als Gesellschafterin auszubilden und damit ihre Schwester finanziell zu entlasten, fällt Paula die Entscheidung alles andere als leicht: Sie hängt an ihrem Elternhaus und an ihrem Bruder Franz, mit welchem sie eine innige Verbindung teilt.
Sie zieht zu ihrer Tante und ihr eröffnet sich eine neue Welt: Sie besucht Opern, nimmt an literarischen Salons teil, vertieft ihr Klavier-Spiel und fährt zur Sommerfrische an die Ostsee.
Doch dann tritt Richard Dehmel in ihr Leben. Die zarte Paula verliebt sich Hals über Kopf in den charismatischen Mann. Doch ihre Liebe steht auf wackligen Beinen und weckt in Paulas Familie keine Stürme der Begeisterung.

Am 09. August erhielt ich von der Agentur „ehrlich & anders“ eine Anfrage, ob ich das neue Werk von Ulrike Renk als Rezensionsexemplar erhalten möchte. Bisher hatte ich von der Autorin noch kein Buch gelesen, was ich aber schon längst ändern wollte. Also sagte ich zu, da der Klappentext und auch das wunderschöne und stimmige Cover mein Interesse weckten. Die Namen Paula Oppenheimer und Richard Dehmel sagten mir nichts und dadurch versprach mir das Buch neue Erkenntnisse.
An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich beim Aufbau-Verlag und bei der Agentur „ehrlich & anders“ für das liebevolle und wunderschöne Päckchen bedanken, welches mich erreichte.

In diesem Buch spielen eine Menge an unterschiedlichen Charakteren mit, die mich aber alle mit ihrer authentischen Zeichnung überzeugen konnten. Einige der Figuren sind historisch und werden von Ulrike Renk gekonnt zu Leben erweckt.
Paula, die Hauptfigur des Buches und historisch belegt, ist zu Beginn der Handlung ein junges Mädchen von knapp 16 Jahren. Ich schloss sie schnell ins Herz, sie ist eine sehr zarte Person , die auch immer wieder von ihrer Krankheit zurückgeworfen wird und sich im Laufe der Zeit selbst findet. Sie ist stets für andere da und hat immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Probleme der Menschen in ihrem Umfeld, nimmt aber auch gerne Hilfe an. Als Richard Dehmel in ihr Leben tritt, verändert sich Paula. Sie setzt sich störrisch bei ihrer Familie für eine Ehe mit Richard durch. Ulrike Renk hat die Lebensgeschichte von Paula Dehmel und die ungesunde Liebe zu Richard detailreich und farbenfroh nacherzählt
Tante Auguste ist Paula eine Vertraute und ihre Förderin. Sie ist kinderlos, was sie sehr mitnimmt, trotzdem lebt sie ein gutes und sorgenfreies Leben. Anfangs fiel es mir etwas schwer, sie einzuordnen, doch dann mochte ich ihre ehrliche und direkte Art sehr. Zudem entwickelt sie sich weiter und nimmt auch gerne Tipps von ihrer Nichte Paula an. Die Beiden ergänzen sich gut – sie helfen sich gegenseitig und sind immer füreinander da.
Toni und Julius, Paulas Eltern, konnte ich anfangs auch nicht richtig fassen. Einerseits sind sie sehr streng, auf der anderen Seite tun sie alles für ihre Kinder und stehen zu ihnen. Zwischen Toni und ihrer Schwester Auguste steht schon seit Ewigkeiten die Eifersucht, welche ihnen immer wieder das Leben schwer macht und auch in Paula das Gefühl erzeugt, zwischen den Stühlen zu sitzen.
Die Geschwister von Paula sind auch wunderbar und authentisch gezeichnet. Hier ist an erster Stelle Franz zu nennen, Paulas „Seelenbruder“. Sie teilen ihre Sorgen und ihre Ängste und verlieren nie den Kontakt zueinander, auch wenn Franz im fernen Freiburg studiert. Mein Liebling bei den Geschwistern Oppenheimer ist aber der junge Carl: Ungestüm und mit kindlichen Übermut entdeckt er die Welt von damals und wir nehmen diese durch seine Kinderaugen wahr. Elise ist eher unscheinbar.
Richard Dehmel, welcher erst in der zweiten Hälfte des Buches erscheint, ist ein Charakter, welcher es mir überhaupt nicht leicht machte. Auf der einen Seite tat er mir leid, da Paulas Familie ihn nicht akzeptiert, er immer wieder abwarten muss… aber auf der anderen Seite stieß mich sein Verhalten Paula gegenüber so ab. Er ist völlig von sich und seinem Können überzeugt und lebt in seiner eigenen Welt. Er sieht nur sich, ist ein Narzisst, der viele Menschen in seiner Umgebung blendet und versucht zu manipulieren. Ich empfand seine Art als sehr unangenehm und hätte ihn gerne das ein oder andere mal geschüttelt.
Phine, eine Freundin von Paula, macht eine große Entwicklung durch und hat mich mit ihrer Lebensgeschichte sehr beeindruckt.
Um diese Hauptfiguren agieren noch einige Nebenfiguren, die mir aber alle sehr gut gefallen haben, da sie ebenfalls authentisch und lebensecht daher kommen. Das Personal, welches vorwiegend mit Berliner Mundart redet, lockerte viele angespannte Situationen wieder angenehm auf.
Was mir gefehlt hat, war ein Personenregister am Anfang des Buches, da ich ab und zu mit den Figuren durcheinander kam.

Ulrike Renk hat eine sehr angenehme, ruhige und auch bildhafte Sprache. Detailliert und liebevoll beschreibt sie Paulas Leben, ohne das es langweilig wird. Ganz besonders haben mir die Passagen an der Ostsee gefallen. Ich hatte das Gefühl, das Meer zu riechen und zu spüren und mit Paula zu entdecken. Im weiteren Verlauf des Buches hat die Autorin viele Briefe und Gedichte von Paula und Richard eingebunden. Das machte für mich einen besonderen Reiz des Buches aus, da die Geschichte durch diese Gedanken noch lebendiger und greifbarer wurde.
Während die Handlung der ersten Hälfte des Buches eher ruhig und bedächtig ist, wurde es in der zweiten Hälfte turbulent. Ich wollte das Buch dann nicht mehr aus den Händen legen und las bis spät in die Nacht.

Den historischen Hintergrund des Buches bilden die späten Jahre des 19. Jahrhunderts. Die Industrialisierung verändert das Leben der Menschen und das Antlitz der Städte: Mehrfamilienhäuser entstehen, Automobile erobern die Straßen und der Smog der Industrie nimmt vielen Menschen die Luft zum Atmen. Nicht viele konnten dieser schlechten Luft entgehen und ans Meer zur ‚Sommerfrische‘ aufbrechen.
Die Gesellschaft ist gespalten: In den Arbeitervierteln herrscht bittere Armut, die Reichen der Gesellschaft werden immer reicher. Paulas Familie steht zwischen diesen beiden Schichten: Nicht arm, aber auch nicht reich.
Frauen durften in dieser Zeit nicht studieren und mussten sich ganz die Abhängigkeit der Männer begeben. Erst im Jahr 1896 wurden Frauen als Gasthörerinnen an Unis zugelassen, wobei davor auch schon Frauen mit einer Sondergenehmigung studieren durften – aber nicht promovieren. Dies war ihnen erst mit dem Gasthörerinnen-Zugangsrecht möglich. 1908 wurde den Frauen das Studium in Preußen allgemein erlaubt. Paula ist über diesen Zustand sehr betrübt und beneidet ihren Bruder Franz, für den beruflich alle Türen offen stehen.

Fazit: Das Buch „Eine Familie in Berlin – Paulas Liebe“ von Ulrike Renk entführt den Leser/ die Leserin mit einer detaillierten und liebevollen Sprache, einem akribisch recherchierten Hintergrund und authentischen Charakteren in vergangene Zeiten. Die Lebensgeschichte von Paula Dehmel hat mich bestens unterhalten, die Liebesbeziehung zu Richard Dehmel auch teilweise verstört.
Es wird definitiv nicht mein letztes Buch der Autorin sein. Ich freue mich jetzt schon auf den zweiten Teil, der im Februar 2022 erscheint.

*Kennzeichnung, da Produktnennung eines kostenlosen Rezensionsexemplars. Meine Meinung wurde nicht beeinflusst – dieser Artikel muss aber als Werbung gekennzeichnet sein.

Ein liebevoll gepacktes Päckchen


„Die Alster-Schule – Jahre des Widerstands“

von Julia Kröhn

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Erschienen am 16. August 2021 im Blanvalet-Verlag

ISBN: 978-3-7341-0965-2


https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/Die-Alster-Schule-Jahre-des-Widerstands/Julia-Kroehn/Blanvalet/e574940.rhd

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Blanvalet-Verlag über das Bloggerportal.de als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen .
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.

Klappentext:
Hamburg im Zweiten Weltkrieg: Das Heulen der Sirenen liegt über der Stadt, Hamburger Juden werden scharenweise deportiert und Abiturienten möglichst schnell an die Front geschickt. Wo gerade noch anschaulicher, lebendiger Unterricht gehalten wurde, ist wieder Zucht und Ordnung eingekehrt. Die einstigen Bildungsideale scheinen verloren. Doch während sich Emil und Anneliese dem NS-Regime andienen, bleibt Felicitas ihren Werten unverrückbar verbunden. Als sie ehemaligen Schülern wiederbegegnet, aus denen mittlerweile Studenten geworden sind, kommt ihr ein Flugblatt aus München in die Hände, das neue Hoffnung macht. Und eine radikale Entscheidung verlangt …“

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Das Buch „Die Alster-Schule – Jahre des Widerstands“ von Julia Kröhn ist ein eindrucksvolles Buch über den Widerstand gegen das NS-Regime in Hamburg und über die menschenunwürdigen Zustände in Konzentrationslagern.

Im November 1938 ist für den ehemaligen Deutschlehrer Levi nichts mehr, wie es einmal war: Er wird, da er Jude ist, in ein KZ verbracht und muss dort unter furchtbaren Umständen um sein Leben kämpfen.
Währenddessen kämpft Levis Freundin Felicitas einen anderen Kampf: Sie darf zwar noch unterrichten, muss sich aber an die Unterrichtsinhalte halten, die das NS-Regime vorgibt: Rassenlehre und Inhalte von Werken erwünschter Autoren. Klassen werden zusammengelegt, auf die einzelnen Schüler wird nicht mehr eingegangen – die Reformpädagogik liegt in Scherben. Doch sie gibt nicht auf und findet in dem Buchhändler Paul einen Vertrauten. Zusammen gründen sie einen Kreis aus Menschen, die sich gegen das Regime stellen. Als dann ein Flugblatt aus München die Runde macht, schöpfen alle neue Hoffnung, auf ein baldiges Ende des Regimes – doch dieses Flugblatt bringt auch alle in große Gefahr.
Anneliese, Felicitas ehemalige beste Freundin, führt eine sehr lieblose Ehe mit Emil – Felicitas Vorgesetzter. Nur das kleine Mädchen Elly hält Anneliese aufrecht – doch auch dieses Mädchen ist in großer Gefahr.

Julia Kröhn ist eine meiner absoluten Lieblingsautorinnen. Seit ich vor etwa eineinhalb Jahren das Buch „Riviera – Der Traum vom Meer“ und „Riviera – Der Weg in die Freiheit“ gelesen habe, ist meine Begeisterung für diese Autorin noch einmal gestiegen. Sie erzählt Geschichten und Geschichten mit einer solchen Leichtigkeit, aber auch mit einer Authentizität und starken Charakteren, die mich immer wieder begeistern. Als der erste Teil „Die Alster-Schule – Zeit des Wandels“ angekündigt wurde, war mein Interesse daher sofort geweckt – meine Rezension findet ihr hier: https://buechertanz.de/?p=2190
Ich habe es mit großer Begeisterung gelesen und fieberte schon den zweiten Teil entgegen. Ich wollte unbedingt wissen, wie es mit den Protagonisten, der Geschichte und der Alster-Schule weitergeht.
Über das ‚Bloggerportal von Randomhouse‘ bewarb ich mich um ein Exemplar und bekam es vom Blanvaet-Verlag zugeschickt – an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön für die Bereitstellung und Zusendung des Rezensionsexemplars.

Einige der Figuren in diesem Buch sind historische Figuren, viele sind aber fiktiv. Doch eines haben alle Figuren gemeinsam: Julia Kröhn hat sie, egal ob Haupt- oder Nebenfigur, lebensecht und authentisch beschrieben. Sie haben ihre Ecken und Kanten und konnten mich des Öfteren mit ihren Handlungen und ihren Denkweisen überraschen, aber auch teilweise abstoßen.
Felicitas ist die Figur, um die sich die Handlung des Buches dreht: Sie steht für ihre Ideale und Denkweisen ein und bringt sich dabei selbst in Gefahr. Wie im ersten Teil der Reihe hat mich ihre Stärke sehr beeindruckt.
Levi, Felicitas Freund, ist für mich persönlich die stärkste Figur in diesem Buch. Er wird im Laufe der Handlung in verschiedene KZs verbracht, kämpft dort unter furchtbaren Umständen um sein Leben, aber er gibt sich nicht auf. Er zeigt so viel Stärke, und steht immer wieder auf, wenn er fällt. Und er fällt oft.
Emil, der Schulleiter der Alster-Schule machte es mir, genau wie seine Frau Anneliese, nicht leicht. Einerseits haben die Beiden ihre guten Seiten, aber sie schlagen leider die falsche Richtung ein. Eindrucksvoll zeigt Julia Kröhn, dass sich Menschen aber auch ändern können. Anneliese muss ihren Weg im Leben erst noch finden, lässt sich leicht beeinflussen und läuft einfach mit. Von vielen als ‚dumm‘ bezeichnet, muss sie sich behaupten und zeigt, dass sie auch anders kann. Emil hingegen ist nach außen hin ein sehr starker Mensch, in seinem Inneren muss er aber auch mit Widersprüchen kämpfen.
Paul, ein ehemaliger Schüler von Felicitas, ist nun Buchhändler und mit Leib und Seele im Widerstand aktiv. Auch seine Geschichte und seine ehrlichen Charakterzüge haben mich sehr beeindruckt.
Es gibt noch einige Charaktere, die am Rande mitspielen, viele hatte ich einfach nur gern, bei einigen musste bei ihren Denk- und Sichtweisen und Argumenten sehr schlucken. Julia Kröhn zeichnet mit ihren vielfältigen Figuren ein sehr authentisches Bild der Gesellschaft zu dieser Zeit: Von glühenden Verehrern des NS-Regimes, von verklärten Mitläufern und den passiven und aktiven Widerständlern ist alles dabei.

Wie beim ersten Teil hat mich Julia Kröhn wieder ab der ersten Seite mit ihrem poetischen, aber auch bildhaften Sprachstil mit in die Geschichte genommen. Sie erzählt so mitreißend, aber auch schonungslos aus dieser Zeit. Vor allem die Passagen, die im Konzentrationslager spielen, haben mir die Tränen in die Augen getrieben und mich fassungslos zurückgelassen. Meiner Meinung nach, sollte dieses Buch in Schulen gelesen werden, da es ein Buch gegen das Vergessen ist. Nie wieder darf so etwas passieren.

Kindern Deutsch beizubringen, und dass diese Sprache trotz allem überaus schön sein kann, ist auch eine Form des Widerstands. Wir müssen ihnen beibringen, dass sie einander brüderlich zugetan bleiben sollen, dass wir niemals aufgeben, dass es eine Zeit… danach geben wird. Nicht alle werden diese erleben, aber wenn es ein paar wenige sind und die dann noch Menschen, wenn sie nicht nur vom Grässlichen, was hier geschieht, Zeugnis ablegen, sondern auch von dem Schönen, Wahren und Guten, haben wir gewonnen.“
[S. 205, Z. 22 – 30]

Der stimmige Titel des Buches bezieht sich also nicht nur auf den Widerstand , der mit der ‚Weißen Rose‘, den ‚Edelweißpiraten‘ und weiteren Widerstandsorganisationen in Verbindung gebracht wird, sondern eben auch dem Widerstand in Konzentrationslagern.

Der geschichtliche Hintergrund bilden die Jahre von 1938 bis 1947: Die Nationalsozialisten sind an der Macht und teilen die Menschen und die Gesellschaft auf. In ihren Augen unwertes Leben wird vernichtet, Juden, Homosexuelle und Widerständler außer Landes oder in Konzentrationslager verbracht. In München finden sich Studenten zusammen und bilden die Widerstandsorganisation „Weiße Rose“, deren Flugblätter den Weg nach Hamburg finden und dort für eine Gründung der „Weiße Rose Hamburg“ sorgen.
Am 01. September 1939 bricht dann der Zweite Weltkrieg aus, anfangs sorgten viele und schnelle Siege bei den Deutschen für Freudentaumel, doch je länger sich der Krieg hinzieht, desto kriegsmüder werden die Menschen.
Als dann im Juli 1943 unter dem Codenamen „Operation Gomorrha“ Hamburg von der Britischen und US-Amerikanischen Luftwaffe unter Beschuss genommen wird und in einem gewaltigen Feuersturm Zehntausende Menschen ihr Leben verlieren und Hunderttausende obdachlos werden, ist es mit der Kriegsmoral bei vielen vorbei.
All diese Ereignisse schildert Julia Kröhn eindringlich und bildhaft und mit viel historischen Wissen. Bei vielen Beschreibungen stockte mir der Atem, teilweise wurde es so spannend, dass ich das Buch nicht mehr zur Seite legen konnte.

Fazit: Das Buch „Die Alster-Schule – Jahre des Widerstands“ ist für mich das wichtigste Buch des Jahres 2021 und eine äußerst gelungene Fortsetzung des ersten Teils. Mit ihren großen historischen Wissen, vielseitig gezeichneten Charakteren und ungeschönten Beschreibungen des damaligen Lebens und der Gesellschaft hat mich Julia Kröhn in die Geschichte gezogen. Dieses Buch solltet ihr unbedingt lesen, auch wenn es keine leichte Kost ist.

*Kennzeichnung, da Produktnennung eines kostenlosen Rezensionsexemplars. Meine Meinung wurde aber nicht beeinflusst – dieser Artikel muss aber als Werbung gekennzeichnet sein.

„Die Wunderfrauen – Freiheit im Angebot“

von Stephanie Schuster

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Erschienen am 25. August 2021 im S. Fischer-Verlag (Fischer Taschenbuch)
ISBN 978-3-596-70564-1


https://www.fischerverlage.de/buch/stephanie-schuster-die-wunderfrauen-9783596705641

Hinweise:
– Das Buch habe ich vom Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar erhalten (deshalb Kennzeichnung als Werbung).
– Ich habe für dieser Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Die ist der dritte Teil der Reihe – falls ihr die ersten beiden Teil noch nicht kennt, solltet ihr diese Rezension nicht lesenSpoiler-Gefahr!
– Hier findet ihr die Rezensionen zu Teil 1 (https://buechertanz.de/?p=2286) und Teil 2 (https://buechertanz.de/?p=2293)

Klappentext:
„1972, das Jahr der Olympischen Spiele in München: Mit allen Mitteln kämpft Luise der Supermarktkonkurrenz zum Trotz um ihr kleines Lebensmittelgeschäft in Starnberg. Außerdem will sie sich noch nicht eingestehen, dass ihre Ehe am Ende ist. Ihren Kindern zuliebe versucht sie, irgendwie die Familie zusammenzuhalten.
In diesen turbulenten Zeiten geben ihr die drei Freundinnen halt: Helga, die von einer eigenen Arztpraxis träumt, Marie, die alle Energie in ihren Reiterhof steckt und Annabel, die sich endlich der Vergangenheit ihrer Familie stellt. Bei all den neuen Chancen merken sie: Das größte Abenteuer des Lebens fängt jetzt erst an.“

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Das Buch „Die Wunderfrauen – Freiheit im Angebot“ von Stephanie Schuster ist der finale Teil der Reihe um vier Frauen, die in den 1970er Jahren, allen Widerständen zum Trotz, ihr Leben in die Hand nehmen.

Der Prolog des Buches setzt im August des Jahres 1973 in Paris an. Dorthin hat es drei der vier Wunderfrauen zu einem Urlaub hin verschlagen, Luise möchte mit ihren Zwillingen nachkommen.
Im ersten Kapitel kehren wir in den Sommer 1972 zurück: Die Welt schaut nach München, dort sollen im Monat drauf die Olympischen Spiele stattfinden.
Doch zuerst steht ein Abschied hat: Annabels Schwiegervater ist verstorben. Ein aufsehenerregender Vorfall auf der Beerdigung, veranlasst Annabel Nachforschungen in Sachen Familiengeheimnisse zu beginnen.
Luises kämpft währenddessen um ihren Laden: Trotz großer Umbauten und zusätzlichem Personal kommt sie gegen die Konkurrenz der Supermärkte und Discounter nicht mehr an. Und auch in ihrer Ehe steht alles auf Ende. Doch Beides möchte Luise nicht wahrhaben.
Marie, steckt währenddessen all ihre Energie in ihren Reiterhof und Helga, die als Ärztin erfolgreich ist, träumt von einer eigenen Arztpraxis, in der sie endlich unabhängig arbeiten kann.
Die Zukunft bietet für alle offene Türen doch der Weg dorthin ist nicht leicht und verlangt den vier Frauen vieles ab.

Im Juli 2021 hat mich die Autorin Stephanie Schuster gefragt, ob ich diesen dritten Teil der Reihe als Rezensionsexemplar zugesendet bekommen möchte. Da ich die Reihe schon sehr lange lesen wollte, musste ich nicht lange überlegen und sagte zu. Die ersten beiden Teile las ich innerhalb einer Woche und konnte dann direkt mit dem dritten Teil beginnen. An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei der Autorin und den Fischer-Verlagen für das Buch und die Zusendung bedanken.

Zehn Jahre sind seit Ende des zweiten Teils und Beginn des dritten Teils vergangen.
Luise muss wie noch nie zuvor um ihren Laden kämpfen: Die Kundschaft bleibt immer mehr aus, die Konkurrenz von Supermärkten macht ihr und ihrem Laden schwer zu schaffen. Doch sie verliert nicht ihren Lebensmut und baut sich nebenbei noch ein anderes Standbein auf. Ich empfand Luises Kampfgeist und ihr Organisationstalent wieder als sehr beeindruckend. Auch wenn sie Dinge oft nicht wahrhaben möchte, aufgeben kommt für sie nicht in Betracht. Leider klammert sie sich auch nach wie vor an ihre mittlerweile sehr kaputte Ehe und kann nicht wirklich loslassen.
Marie, die ihr Leben nach Ende des zweiten Teils neu ordnen muss und wieder ihren Platz im Leben sucht, hat mich mit ihrer Stärke beeindruckt, aber auch ihre Momente der Schwäche bewegten mich sehr. Was für eine starke Frau, die trotz Schicksalsschlägen immer wieder aufsteht und sich ihren Ängsten stellt.
Helga, die in der Klinik eigentlich alles erreicht hat, was sie sich wünschen kann, aber doch nicht zufrieden ist und nach wie vor ihr privates Glück sucht, empfand ich als einen sehr warmherzigen Charakter. Auch wenn sie die jüngste der vier Wunderfrauen ist, steht sie mitten im Leben und ist immer zur Stelle, wenn sie gebraucht wird.
Annabel, hat sich seit dem ersten Teil stetig gewandelt: Sie sagt nun, was sie denkt, lässt sich nicht mehr den Mund verbieten und löst nach wie vor gerne Geheimnisse. Doch mit den großen Familiengeheimnissen ihre Mannes tritt sie in ein Wespennest. Annabels Wandlung hat mich sehr begeistert und auch gefreut.
Die vier Frauen sind wie ein Zahnrad, die ineinander greifen, sich gegenseitig unterstützen und zusammen zu Höchstformen auflaufen. Sie ergänzen sich in ihrem Wesen und ihrem Handeln perfekt und schaffen damit gemeinsam wahre Wunder.
Aber auch die anderen Charaktere sind lebensecht und authentisch gezeichnet. Sie haben alle ihre Stärken und Schwächen und bringen mit ihren Geschichten und Hintergründen die Handlung weiter voran. Auch wenn er in diesem Teil eine eher kleine Rolle spielt, ist Manni auch wieder dabei und bringt in die Geschichte wieder viel Wärme und Licht.
Auch die weniger ‚guten‘ Charaktere konnten mich überzeugen – sie alle haben ihre Geschichte, die sie zu ihrem Handel und Denken antreibt.

Das Buch beginnt mit einem Prolog, der ein Jahr vor der eigentlichen Handlung ansetzt. Im ersten Kapitel geht es dann ein Jahr zurück und die ganze Handlung des Romans steuert auf die Begebenheiten des Prologs zu, was ich sehr spannend fand.
Wie auch in den ersten beiden Teilen der Reihe legt Stephanie Schuster in jedem Kapitel den Schwerpunkt auf eine der vier Frauen und ihre Geschichte. Teilweise endeten die Kapitel mit einem Cliffhanger, dass ich unbedingt weiterlesen musste, um zu erfahren, wie es weitergeht. Ein wahrer ‚Pageturner‘ mit Sogwirkung.
Stephanie Schuster hat einen sehr lebendigen und detaillierten Sprachstil und lässt auf keiner Seite Langweile aufkommen. Teilweise flog ich nur so durch die Geschichte und hatte bei vielen (geschichtlichen) Ereignissen das Gefühl, dabei zu sein. Sie schildert die Zeit der 70er Jahre sehr kenntnisreich und zeichnet mit ihren vielfältigen Charakteren ein authentisches Bild der Gesellschaft und des Lebens zu dieser Zeit.
Zum Schluss des Buches lösen sich viele Dinge auf und auch einige Handlungsstränge laufen zusammen – einige bleiben aber auch offen und würden noch Material für einen vierten Teil ergeben. Aber laut Verlag und Autorin ist nach diesem Teil Schluss.
Die Reihe hat mich vom ersten Satz an gepackt und nicht wieder losgelassen. Die Lebensgeschichten und Stärke der vier Frauen, die perfekt recherchierten geschichtlichen Hintergründe und der angenehm lockere Sprachstil haben mich ganz in die Trilogie abtauchen lassen und ich bin unendlich froh, dass ich sie gelesen habe und werde sie nie wieder vergessen und immer in meinem Herzen tragen,

Die 70er Jahre in der BRD und in Ostberlin bilden den geschichtlichen Hintergrund des Romans. Die Olympischen Spiele im Sommer 1972 in München sind ebenfalls ein wichtiger Handlungsstrang.
Bei diesen Olympischen Spielen kam es am 05. September 1972 zu dem ‚Münchener Olympia-Attentat‘, bei dem elf israelische Geiseln, fünf Geiselnehmer und ein Polizist getötet wurden.
Ein weiteres Thema ist der Siegeszug der Discounter und damit der Niedergang der kleinen ‚Tante-Emma-Läden‘ in den 70er Jahren.

Fazit: Das Buch „Die Wunderfrauen – Freiheit im Angebot“ ist ein gelungener Abschluss einer tollen und packenden Trilogie. Mit ihren vielfältigen und lebensechten Figuren und einer spannenden Handlung hat mich Stephanie Schuster in andere Zeiten entführt und eine Reihe geschaffen, die ich nie vergessen werde – Danke liebe Stephanie Schuster. Lasst euch diese Reihe nicht entgehen.

* Das Buch habe ich freundlicherweise als kostenloses Rezensionsexemplar vom Fischer-Verlag zugesendet bekommen. Meine Meinung wurde nicht beeinflusst – der Artikel muss aber als Werbung gekennzeichnet sein.