„Lindt & Sprüngli – Zwei Rivalen, ein Traum“

von Lisa Graf

_ _ _

Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 15. Oktober 2025
Verlag: Penguin
Ausgabe: Paperback, eBook & Hörbuch
ISBN: 978-3328604174
Seitenanzahl: 480 Seiten
Preise: 17,00€ (Paperback), 12,99€ (eBook)
Reihe: „Lindt & Sprüngli“ Band 02/02

Klappentext:
„Bern 1863: Kurz bevor die Räder einer vorbeifahrenden Kutsche den kleinen Tagträumer Rudolphe Lindt auf dem Marktplatz erfassen, wird er von einem bildhübschen Blumenmädchen gerettet. Von diesem Augenblick an ist klar: Der junge Lindt hat überlebt, um Großes zu vollbringen! Doch nicht etwa so, wie es sich seine Familie wünscht. Der Sohn eines Apothekers wird zum Schulabbrecher und stürzt sich in das Abenteuer. In Bern eröffnet er schließlich eine Schokoladenfabrik und schafft etwas Einzigartiges, das ihm einen Platz in den Geschichtsbüchern sichert: Der Junge, der einst eine herbe Enttäuschung für seine Familie war, revolutioniert die Schokoladenherstellung. Während Rudolphe Lindt das Conchieren erfindet, richten sich die Blicke der Welt auf ihn. Vor allem Chocolatier Sprüngli kann nicht glauben, was er vollbracht hat …“

Homepage:
https://lisagraf-autorin.de/lindt-spruengli/

https://www.penguin.de/buecher/lisa-graf-lindt-spruengli-lindt-spruengli-saga-2-/paperback/9783328604174

_ _ _

Hinweis:
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und dem Verlag keinerlei Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder – das Buch habe ich mir selbst gekauft.
Hier geht’s zur Rezension des ersten Bands der Reihe: „Lindt & Sprüngli – Zwei Familien, eine Leidenschaft“

_ _ _

_ _ _

Das Buch „Lindt & Sprüngli – Zwei Rivalen, ein Traum“ von Lisa Graf ist der zweite Band der Buchreihe, die im 19. Jahrhundert spielt und die aufregenden Gründungen der Schokoladen-Manufakturen „Lindt“ und „Sprüngli“ beschreibt.

Nachdem mich der erste Band der Saga, „Lindt und Sprüngli – Zwei Familien, eine Leidenschaft“, nicht restlos überzeugen konnte und ich dort Längen sowie zu wenig das Thema Schokolade bemängelte, war ich gespannt, wie es im zweiten Teil weitergeht. Und soviel vorweg: Meine Erwartungen wurden diesmal absolut erfüllt!
Der zweite Band ist für mich deutlich besser als der erste. Wo der Vorgänger noch langatmige Passagen hatte und die Auseinandersetzungen zwischen Vater und Sohn Sprüngli zu viel Raum einnahmen, ist „Zwei Rivalen, ein Traum“ wesentlich kurzweiliger und fokussierter. Mein größter Kritikpunkt am ersten Band war, dass die Firma Lindt gar keine Rolle spielte – das ändert sich hier zum Glück grundlegend.
Lisa Graf gelingt es hervorragend, die Leser und Leserinnen ins Zürich und Bern des ausgehenden 19. Jahrhunderts zu entführen. Ich fühlte mich direkt in die Zeit der Belle Époque zurückversetzt. Die Entstehung der berühmten „Chocolat fondant“ von Rodolphe Lindt hautnah mitzuerleben, war ein absolutes Highlight. Man spürt beim Lesen förmlich den Zeitgeist, das Denken der Menschen und die Atmosphäre der Handlungsorte.
Der Titel deutet Rivalität an, aber für mich standen vor allem die individuellen Wege der Hauptfiguren im Mittelpunkt. Es war spannend, die gegensätzlichen Persönlichkeiten von Johann Rudolf Sprüngli (dem Geschäftsmann) und Rodolphe Lindt (dem kreativen Genie) dabei zu begleiten, wie sie ihre Existenzen aufbauen. Sehr gefreut hat mich auch, bekannte Gesichter aus Band eins wieder zutreffen und sie ein weiteres Stück ihres Weges begleiten zu dürfen. Als besonders faszinierend empfand ich die neu hinzugekommene Figur der Binia. Sie ist eine starke und interessante Frauenfigur, die der Geschichte viel Tiefe und Charme verleiht.
Ein kleine Hürde zu Beginn des Buches war, dass die Vielzahl der ähnlichen Namen kurzzeitig bei mir für leichte Verwirrungen sorgte. Sobald ich aber in der Geschichte drin war, hat sich das schnell gelegt und ich konnte voll und ganz in die Geschichte eintauchen.

Danke für dieses gelungene Leseerlebnis.

Fazit: Das Buch „Lindt & Sprüngli – Zwei Rivalen, ein Traum“ von Lisa Graf hält, was es verspricht: Große Emotionen, spannende Entwicklungen und endlich viel mehr Schokolade! Es ist ein absolut gelungener zweiter Teil, der mich bestens unterhalten hat. Ich kann das Buch definitiv weiterempfehlen und freue mich jetzt schon riesig auf das große Finale der Trilogie, das im Herbst 2026 erscheinen wird!

_ _ _

„Das Wunder der Tannenbäume“

von Claudia Romes

_ _ _

Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 17. September 2024 (Paperback & eBook), 17. September 2025 (Taschenbuch)
Verlag: Aufbau
Ausgabe: Paperback, Taschenbuch & eBook
ISBN: 978-3352010118 (Paperback), 978-3746641188 (Taschenbuch)
Seitenanzahl: 273 Seiten
Preise: 15,00€ (Paperback), 12,00€ (TB), 08,99€ (eBook)

Klappentext:
„Schwarzwald, 1815: Anneliese ist erst sechzehn, als ihr Vater tödlich verunglückt und sie in seine Fußstapfen als Holzfällerin treten muss. Doch ihre Familie ist hoch verschuldet, und auf dem Freiburger Markt kann sie mit ihrem Holz kaum etwas verdienen. Da erinnert sich Anneliese an den heidnischen Brauch, Bäume in der Winterzeit festlich zu schmücken. Kurzerhand bietet sie ganze Tannen zum Verkauf an, die sie mit Äpfeln, Nüssen und kleinen Schnitzfiguren dekoriert – eine Sensation! Mit ihren Weihnachtsbäumen zieht Anneliese jedoch nicht nur die Aufmerksamkeit der Marktbesucher auf sich, sondern auch die des jungen Friedrich von Bergen …“

Homepage:
https://www.aufbau-verlage.de/ruetten-loening/das-wunder-der-tannenbaume/978-3-352-01011-8

Hinweis:
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und dem Verlag keinerlei Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder – das eBook habe ich mir selbst gekauft

_ _ _

_ _ _

Das Buch „Das Wunder der Tannenbäume“ von Claudia Romes ist ein historischer Roman, der ab dem Jahr 1815 vorwiegend im Schwarzwald spielt und eine wunderschöne Einstimmung auf die Weihnachtszeit ist und weit über ein bloßes Wintermärchen hinausgeht.

„Anneliese spürte den Schwermut in sich aufsteigen. Kaspar verdiente es, glücklich zu sein. Sie alle verdienten es. Und sie dachte wieder an ihren Traum vom Gabenbaum, der die Schatten vertrieb und Hoffnung und Trost spendete.“

[Kapitel 7]

Besonders beeindruckt hat mich die Atmosphäre des Buches:
In der ersten Hälfte des Buches empfand ich die Schilderungen des Schwarzwalds in den Jahren ab 1815 als sehr intensiv. Claudia Romes fängt das harte Arbeitsleben, die bittere Armut und die eiskalten Wintermonate so authentisch ein, dass ich die Kälte beim Lesen förmlich spüren konnte. Inmitten dieser Entbehrungen begleiten wir mit Anneliese eine Protagonistin, die ich sofort in mein Herz geschlossen habe. Ihre Entwicklung ist enorm: Wie sie nach dem Tod des Vaters die schwere Arbeit im Wald übernimmt und trotz der Schuldenlast niemals aufgibt, hat mich sehr beeindruckt. Vor allem ihre tiefe Verbundenheit zu ihrem Bruder und ihr unermüdlicher Einsatz für die Familie machen sie zu einer wirklich faszinierenden Figur.
Im Verlauf der Geschichte verändert sich Annelieses Leben grundlegend, und die Handlung bekommt eine fast märchenhafte Wendung. Auch wenn man sich fragen mag, ob die aufkeimende Liebesgeschichte zwischen Anneliese und Friedrich von Bergen zu jener Zeit gesellschaftlich exakt so möglich gewesen wäre, für mich hat sie sich innerhalb der Geschichte einfach richtig und schön angefühlt.
Was mich jedoch am meisten berührt hat, ist die Idee hinter der Tradition. Es gibt viele Theorien darüber, wie der Weihnachtsbaum entstanden ist, aber nach dem Lesen dieses Buches denke ich mir, dass es genau so gewesen sein könnte. Die Vorstellung, wie aus der Not und dem Mut einer jungen Frau ein Symbol der Hoffnung wurde, ist bezaubernd und berührend.

Danke für dieses wundervolle weihnachtliche Lesevergnügen.

Fazit: Das Buch „Das Wunder der Tannenbäume“ von Claudia Romes hat meine (Vor)freude auf Weihnachten geweckt.
Außerdem erinnert die Leser und Leserinnen daran, worum es an den Festtagen eigentlich geht: Zusammenhalt, Nächstenliebe und kleine Wunder in dunklen Zeiten. Sehr lesenswert.

_ _ _

„Das Schneeflockenmädchen“

von Mara Andeck

_ _ _

Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 17. September 2025
Verlag: Goldmann
Ausgabe: Taschenbuch & eBook
ISBN: 978-3-442-49636-5
Seitenanzahl: 352 Seiten
Preise: 13,00€ (TB), 09,99€ (eBook)

Klappentext:
„Die perfekte Lektüre für kalte Wintertage – so herzerwärmend und romantisch wie »Drei Haselnüsse für Aschenbrödel«
Rothenburg ob der Tauber, Dezember 1925. Marie zieht als Märchenerzählerin mit einem Pferdewagen von Weihnachtsmarkt zu Weihnachtsmarkt. Sie besitzt nur wenig, doch sie gibt viel: Den Bauersleuten, die ihr Kost und Logis gewähren, und den Kindern in den Dörfern schenkt sie mit ihren Geschichten Mut und Hoffnung. Ist das Zauberei? Haben die uralten Märchen heilende Kräfte? Der junge Zuckerwatteverkäufer Carl will mehr über Marie herausfinden. Er folgt ihr durch die tief verschneite Winterlandschaft – und verliert schon bald sein Herz an sie …
Ein wunderbarer Wohlfühlroman über die Magie des gesprochenen Wortes und die Macht der Liebe“


Homepage:
https://www.mara-andeck.de

https://www.penguin.de/buecher/mara-andeck-das-schneeflockenmaedchen/taschenbuch/9783442496365

Hinweis:
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und keinerlei Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder – das eBook habe ich mir selbst gekauft.

_ _ _

_ _ _

Das Buch „Das Schneeflockenmädchen“ von Mara Andeck ist ein historischer Roman, der in der Weihnachtszeit im Jahr 1925 spielt und von einer jungen Frau erzählt, die als Märchenerzählerin durchs Land reist.

„Der Zauber dieser Geschichten lag nicht in der Handlung, auch nicht in den einzelnen Wörtern, sondern in den Bildern, die sie zwischen den Zeilen transportierten und sich tief in die Seele einbrannten. Sie waren in Jahrhunderten und Jahrtausenden durch ständiges Weitererzählen geformt und geschliffen worden und griffen universelle Gefühle, Ängste, Hoffnungen, Wünsche und Triebe auf.“

[Kapitel 17]

Die winterliche Stimmung im Rothenburg ob der Tauber des Jahres 1925 hat die Autorin Mara Andeck einfach wunderbar eingefangen. Während des Lesens fühlte ich mich völlig in das historische Setting zurückversetzt. Alles war so bildhaft und detailliert beschrieben, dass ich das Gefühl hatte, selbst im Pferdewagen durch die tief verschneite Landschaft zu fahren.
Im Zentrum steht die berührende Annäherung zwischen der Märchenerzählerin Marie und dem Zuckerwatteverkäufer Carl. Besonders spannend fand ich die Dynamik zwischen den beiden: Während Carls Zuneigung von Anfang an offensichtlich ist, bleiben Maries Gefühle lange im Dunkeln. Dieses Hin und Her wirkte auf mich jedoch nie aufgesetzt, sondern absolut authentisch und feinfühlig erzählt.
Was dieses Buch für mich zu etwas ganz Besonderem macht, ist der Einsatz der Märchen. Sie sind weit mehr als nur schmückendes Beiwerk. Mara Andeck nutzt sie geschickt, um die innere Gefühlswelt der Figuren auszudrücken und zu vertiefen. Zu sehen, wie Geschichten dabei helfen können, innerlich zu heilen und Hoffnung zu schenken, hat mich sehr beeindruckt. Zudem habe ich beim Lesen sogar einige für mich ganz neue Märchen kennengelernt.

Trotz der märchenhaften Züge vergisst das Buch nicht die Realität der damaligen Zeit. Ich konnte die finanzielle Not der Menschen und die noch immer spürbaren Nachwirkungen des Ersten Weltkriegs auf die Gesellschaft deutlich nachempfinden. Diese historischen Hintergründe geben der Geschichte eine angenehme Schwere. Besonders bewegt hat mich der Hinweis im Nachwort, dass die Geschichte einen wahren Hintergrund hat. Dieses Wissen macht das Gelesene für mich im Nachhinein noch authentischer und greifbarer.
Dass zusätzlich ein weiterer, völlig undurchsichtiger Erzählstrang eingewoben wurde, sorgte zudem für eine unerwartete Spannung. Ich konnte und wollte das Buch kaum noch aus den Händen legen.

Danke für dieses herzerwärmende Leseerlebnis, das mir die Weihnachtszeit um einiges versüßt hat.

Fazit: Das Buch „Das Schneeflockenmädchen“ von Mara Andeck habe ich mit einem wunderbaren Gefühl beendet und möchte dieses Buch jedem ans Herz legen, der eine zu Herzen gehende Weihnachtsgeschichte sucht und dabei den Zauber der Märchen neu entdecken möchte. Eine perfekte Lektüre für kalte Winterabende! Sehr lesenswert!

_ _ _

„Die Fasern der Welt – Glimmende Himmel“

von Lia Scott

_ _ _

Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 16. Dezember 2025
Verlag: Tinte&Feder
Ausgabe: Taschenbuch & eBook
ISBN: 978-2496719246
Seitenanzahl: 314 Seiten
Preise: 11,99€ (TB), 04,49€ (eBook)
Reihe: „Die Fasern der Welt“ Band 02 von 02

Klappentext:
„Yorkshire, 1868: June hat die wunderschönen Craven Dales verlassen, um in einer Spinnerei Geld für ihre kranke Schwester zu verdienen – auch wenn der irische Wollsortierer Franky sie am liebsten direkt zurück nach Hause schicken würde. In der Industriestadt Bradford wird Kammgarn für die ganze Welt gefertigt: Doch den Preis für den Reichtum zahlen die Arbeiterfamilien, die unter schlimmsten Bedingungen arbeiten und leben.
June will nicht länger zusehen. Um gegen das Elend zu kämpfen, fasst sie ihr Wissen über die Vermeidung von Krankheiten in Aufklärungsartikeln zusammen und findet in dem idealistischen Journalisten Jacob Ford einen Verbündeten, um sie zu veröffentlichen. Die beiden verbindet die Leidenschaft für eine gerechtere Welt und sie verbringen mehr und mehr Zeit miteinander. Gleichzeitig ist da immer noch Franky – doch er ringt mit einer tiefen Schuld und hat sich geschworen, nie wieder eine Frau zu berühren …“

Hinweis:
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und keinerlei Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder – das eBook habe ich mir selbst gekauft.

_ _ _

_ _ _

Das Buch „Die Fasern der Welt – Glimmende Himmel“ von Lia Scott ist der zweite Band der mitreißenden Buchreihe, die in den 1860er Jahren in Nordengland spielt.

„Er war einer der Hoffnungslosen dieser Stadt. Einer der Männer, die früher oder später ihre Gesundheit oder gar ihr Leben für Bradford lassen würden. Und für die Fasern, die hier die Welt bestimmten.“

[Kapitel 14]

Nachdem ich den ersten Band der Reihe „Der Wind von Yorkshire“ mit großer Begeisterung beendet hatte, war ich schon sehr gespannt auf die Fortsetzung. Und eines vorweg: Lia Scott hat mich auch mit ihrem zweiten Teil „Glimmende Himmel“ auf eine emotionale Achterbahnfahrt mitgenommen, die mich tief bewegt und berührt hat.

Der Wechsel vom idyllischen Schauplatz der Craven Dales in das rußige, industrielle Bradford des Jahres 1868 war für mich beim Lesen förmlich spürbar. Lia Scott beschreibt die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiterfamilien so packend und authentisch, dass es stellenweise fast unerträglich wurde. Ich muss gestehen, dass ich oft Tränen in den Augen hatte. Es ist bedrückend zu lesen, unter welchen Umständen die Menschen damals für den Reichtum weniger schuften mussten und auch immer Gefahr liefen, dafür ihr Leben zu verlieren. Diese historische Realität wird hier absolut ungeschönt und dadurch umso eindringlicher dargestellt.

Im Zentrum steht June, die ich bereits seit dem ersten Band fest in mein Herz geschlossen habe. Ihre Loyalität gegenüber ihrer kranken Schwester und ihr Mut, gegen das soziale Elend aufzubegehren, machen sie zu einer Heldin, mit der ich von der ersten Seite an mitgefühlt habe. Ihre Entwicklung ist für mich absolut authentisch, denn sie erleidet Rückschläge, sie sucht ihren Platz, ihre Stimme, in dieser harten Welt und kämpft für Gerechtigkeit.
Besonders fasziniert hat mich die Dynamik zwischen den Figuren. Franky ist ein wahnsinnig tiefgründiger Charakter, auch wenn er es einem (genau wie June) wirklich nicht leicht macht, ihn zu mögen. Seine innere Schuld und seine Verschlossenheit geben der Geschichte eine enorme Schwere und Tiefe.
Jacob Ford hingegen bleibt für mich noch ein wenig schwer zu fassen, was die Vorfreude auf den nächsten Band umso größer macht. Junes innere Zerrissenheit zwischen diesen beiden Männern und ihren unterschiedlichen Welten konnte ich in jedem Moment der Geschichte nachempfinden.

Obwohl die Kulisse düster und die Thematik oft schwer ist, lässt mich Lia Scott am Ende des Buches nicht hoffnungslos zurück. Es sind die kleinen Lichtblicke, die Hoffnung machen: Die entstehenden Freundschaften und der Zusammenhalt unter und zwischen den Arbeitern und Arbeiterinnen und die Tatsache, dass es Menschen wie Jacob und June gibt, die nicht wegsehen, sondern die Ungerechtigkeiten anprangern. Diese Funken Hoffnung machen die Geschichte trotz der bedrückenden Umstände einfach schön.

Herzlichen Dank für dieses mitreißende Leseerlebnis.

Fazit: „Die Fasern der Welt – Glimmende Himmel“ ist eine absolut gelungene Fortsetzung, die mich tief berührt hat. Ein historischer Roman mit Tiefgang, einer starken Frauenfigur und einer Prise Sozialkritik. Ich bleibe tief bewegt zurück und bin schon ganz gespannt, wie es im dritten Band weitergehen wird. Sehr lesenswert!

_ _ _

„Die Welt in unseren Händen“

von Emily Walton

[Werbung*]

_ _ _

Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 10. Dezember 2025
Verlag: Heyne
Ausgabe: Taschenbuch & eBook
ISBN: 978-3-453-44267-2
Seitenanzahl: 384 Seiten
Preise: 14,00€ (TB), 09,99€ (eBook)

Homepage:
https://www.emilywalton.at

https://www.penguin.de/buecher/emily-walton-die-welt-in-unseren-haenden/taschenbuch/9783453442672

Klappentext:
„Ein großer historischer Roman, der von den nebelverhangenen Gassen Londons bis zu den ägyptischen Pyramiden führt: bunt, atmosphärisch und packend
Als die junge Emma ihre Großmutter June in Oxford besucht, ahnt sie zunächst nicht, dass dies ihr letzter Besuch bei ihr sein wird. Und auch nicht, was ihr bevorsteht, als sie ein Gedichtbändchen mit der Widmung eines gewissen Ken aus dem Jahr 1944 entdeckt. Nach und nach enthüllt sich eine abenteuerliche Lebensgeschichte, die Emma nie vermutet hätte. Als June kaum so alt ist wie sie jetzt, stellt sie sich in den Dienst der Royal Air Force. Die Kriegswirren führen sie von London bis in die Wüste Ägyptens. Als sie in Kairo dem südafrikanischen Kameramann Ken gegenübersteht, hat sie zum ersten Mal das Gefühl, eine innere Heimat zu finden. Doch kann sie sich diesen Gefühlen hingeben, während die Welt im Argen liegt und ihre beste Freundin Dotty in London um ihr Leben ringt?Während Emma in die Jugend ihrer Großmutter eintaucht, beginnt sie ihre eigene Zukunft mit anderen Augen zu sehen.“

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Verlag und der Autorin als vorzeitiges Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!
– Ich habe für diese Rezension vom Verlag und/ oder der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars und der ausdrücklichen Leseempfehlung kennzeichne ich diese Rezension als WERBUNG.

_ _ _

_ _ _

Mit ihrem Buch „Die Welt in unseren Händen“ legt Emily Walton einen tief berührenden historischen Roman vor, der von den Wirren des Zweiten Weltkriegs bis in das Oxford des Jahres 2012 führt. Das Buch, das lose auf den Lebenserfahrungen von Emily Waltons Großmutter basiert, schafft so eine Verbindung zwischen den Generationen und erzählt gleichzeitig eine packende Geschichte über Hoffnung, Selbstbestimmung und die Kraft der Erinnerung.

„Die Women’s Auxiliary Air Force bot ihr eine einmalige Chance! Einen Aufbruch in ein neues Leben! Vielleicht würde sie endlich die Rolle finden, für die sie wirklich bestimmt war, könnte etwas aus ihrem Leben machen – mehr als tippen, heiraten und Kinder kriegen.“

[Kapitel 2, Seite 41]

Der Roman beginnt in Oxford im Jahr 2012, als die junge Emma ein Gedichtbändchen bei ihrer Großmutter entdeckt und damit einen Schlüssel zu einer bis dahin verborgenen Vergangenheit in den Händen hält. Dieser Rahmen, der zu Beginn und am Ende des Buches präsent ist, bildet eine elegante Klammer um die eigentliche, fesselnde Haupterzählung, die in den 1940er Jahren spielt. Die Autorin schafft es, diesen Übergang nahtlos zu gestalten und zeigt, wie die Entscheidungen und Erlebnisse in der Vergangenheit die Gegenwart noch immer prägen können.
Emily Waltons Talent für atmosphärische Beschreibungen ist in diesem Werk allgegenwärtig. Ich reiste mit June von dem kriegsgebeutelten London in das warme Kairo und die Wüsten Ägyptens. Der Wechsel der Schauplätze ist nicht nur Kulisse, sondern ein treibendes Element der Handlung. Die Autorin erweckt die Wüstenlandschaft Ägyptens und das Leben in den unterschiedlichen Kasernen der Women’s Auxiliary Air Force (WAAF) mit einer solchen Detailtreue zum Leben, dass ich mich als Leserin unmittelbar vor Ort wähnte und fasziniert von der fremden Umgebung und den unglaublichen Herausforderungen war, denen June sich im Laufe der Handlung stellen muss.

Die Stärke des Romans liegt in den vielschichtigen Themen, die alle gleichberechtigt im Mittelpunkt stehen und mich emotional mitnehmen konnten.
Emily Walton verwebt gekonnt Junes Wunsch nach einem unabhängigen Leben und einer Karriere im WAAF mit den emotionalen Achterbahnen des Krieges. Junes Streben, etwas Großes zu erreichen, ist ein zentrales Motiv der Handlung. Aber auch die Sorgen um die nach London zurückgekehrte Freundin Dotty sorgen für eine emotionale Spannung. Zusätzlich berührte mich die langsam aufkeimende Liebe zu Ken, einem südafrikanischen Kameramann in Kairo, zutiefst.
Dabei wirken die Charaktere authentisch und ich fieberte mit ihnen auf jeder Seite mit und wollte das Buch stellenweise gar nicht mehr aus den Händen legen. June ist eine absolut unvergessliche Figur, die ich mit Sicherheit noch sehr lange in meinem Leseherz tragen werde.

„Kaum hatten Junes Hände den warmen Stein der Pyramide berührt, fühlte sie sich auf magische Weise eins mit dem Universum. Hier stand sie, auf dem Sockel des jahrtausendealten Bauwerks, während sich um sie herum alle Steine ihres eigenen Lebens plötzlich zu einem großen Ganzen zusammenzufügen schienen.“

[Kapitel 20, Seite 305]

Zudem ist der Titel „Die Welt in unseren Händen“ ein wunderschöner Titel für ein Buch, das genau diese Botschaft vermitteln möchte: Trotz widrigster Umstände liegt es in unserer eigenen Macht, unser Leben selbst in die Hand zu nehmen und zu gestalten. Emily Walton hat mit diesem Roman ihrer Großmutter ein bewegendes und würdiges Denkmal gesetzt.
Herzlichen Dank an den Heyne Verlag für das vorzeitige Rezensionsexemplar und an Emily Walton für dieses großartige und unvergessliche Leseerlebnis.

Fazit: Wenn ihr gut recherchierte, atmosphärisch dichte und emotional packende Geschichte liebt, ist dieses Buch eine absolute Leseempfehlung für euch. Die Mischung aus Abenteuer, Liebe und tiefgehenden menschlichen Schicksalen macht diesen Roman für mich zu einem absoluten Jahreshighlight. Sehr lesenswert.

*Ich habe für diese Rezension von der Autorin/ dem Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

_ _ _

„Agatha – Im Schatten des Freiburger Münsters“

von Harald Gritzner

[Werbung*]

_ _ _

Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 02. Dezember 2025
Verlag: Klemmbachverlag
Ausgabe: Hardcover
ISBN: 978-3982027241
Seitenanzahl: 200 Seiten
Preise: 17,50€

Homepage:
https://www.klemmbachverlag.de/startseite.html

Klappentext:
„Agatha eine Liebe, die nicht sein darf eine Blume, die erblüht im Schatten des Freiburger Münsters Freiburg am 22. August 1603. Ein tiefes Geheimnis umgibt die junge Agatha Gatterer. Erst gestern ist ihre Mutter Ursula als Hexe verbrannt worden. Doch was war der Grund dafür? Und was haben der Beichtvater des Kaisers, Dr. Johannes Pistorius, die Freiburger Hebamme Lurchen Elli, das schwarze Annele und Andres Buchstab, der Bettelvogt Volckhenzhofer damit zu tun, und vor allem, was hat es mit einem geheimnisvollen Buch auf sich? Ein spannender Roman aus der Feder des Autors von „Der Hirschsprung im Höllental“ und ein Muss für jeden Freiburgliebhaber.“

Hinweise:
– Das ebook habe ich freundlicherweise vom Autor als vorzeitiges Rezensionsexemplar (PDF) zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!
– Ich habe für diese Rezension vom Autor keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars und der ausdrücklichen Leseempfehlung kennzeichne ich diese Rezension als WERBUNG. Ich habe keinerlei finanzielle Gegenleistungen erhalten.

_ _ _

_ _ _

Mit seinem historischen Roman „Agatha – Im Schatten des Freiburger Münsters“ entführt Harald Gritzner in das Freiburg des Jahres 1603, in eine Zeit, in der Angst und Aberglaube die Gesellschaft prägten. Er erzählt eine fesselnde Geschichte über eine junge Frau, die sich in einer aussichtslosen Lage befindet und doch nicht die Hoffnung verliert.

„Sie war anwesend gewesen, als in der Gerichtslaube vor dem Fischmarkt Recht gesprochen worden war. Recht, was war schon Recht? Die Ursula war geschunden worden wie ein Stück Vieh. Man hatte mit ihr sogar weniger Mitleid als mit jedem Vieh gehabt. Denn das Vieh konnte man ja noch brauchen. Die Gatterin jedoch war nutzlos und des Todes gewesen.“

[6. Kapitel, Seite 41]

Von der ersten Seite an tauchte ich tief in das Geschehen ein: Der Priester Michel Kieblin begleitet die junge Agatha Gatterer, deren Mutter gerade als Hexe verbrannt wurde, zum Amtshaus. Agatha hat in der Beichte gestanden, ebenfalls der Hexerei zu frönen, ein Geständnis, für das ihr die Folter und der Tod drohen. Das Zusammenspiel aus Abscheu und Neugier über das Schicksal unschuldiger Menschen fesselte mich so von Beginn an und ich blieb an der Geschichte dran.

Zu Beginn erschien mir die Hauptfigur Agatha rätselhaft und undurchsichtig. Das sie sich selbst der Hexerei bezichtigte, warf Fragen auf und erzeugte gleichzeitig Spannung. Agatha erlebte gerade erst den qualvollen Tod ihrer Mutter Ursula, was ihre Situation umso tragischer macht. Doch trotz allem spürte ich Agathas Verbundenheit zu ihrer Mutter, und ihre Erinnerungen an liebevolle Momente verliehen der gesamten Geschichte eine emotionale Tiefe. Die historische Aufzeichnung darüber, dass Agatha Gatterin 1604 begnadigt wurde, fügt dem Roman eine authentische Grundlage hinzu.
Auch der Priester Michel Kieblin blieb mit seinen Motiven zunächst im Dunkeln. Seine Rolle als Seelsorger der Verzweifelten machte ihn zu einem potenziellen Verbündeten, doch seine tatsächlichen Absichten waren mir zu Beginn völlig unklar und trugen so zu einer gelungenen Spannung bei.
Die Einbeziehung des historischen kaiserlichen Beichtvaters Dr. Johannes Pistorius und der fiktiven Hebamme Lurchen Elli verleiht dem Roman zusätzliche Facetten. Die beiden Figuren ergänzen sich und spielen entscheidende Rollen bei der Lösung des Falls. Ihre Zusammenarbeit steht symbolisch für den Kampf von Vernunft gegen den Wahnsinn des Hexenwahns.

Die Handlung des Romans ist nicht nur durch den persönlichen Konflikt von Agatha geprägt, sondern auch durch ein mysteriöses Buch, dessen Inhalt die Hauptfiguren vor große Herausforderungen stellt. Obwohl die Folter im Roman nicht explizit beschrieben wird, ist ihre Bedrohung allgegenwärtig. Die Figuren sind sich der drohenden Konsequenzen schmerzhaft bewusst, was eine bedrückende Atmosphäre schafft.
Schauplatz der Handlung ist Freiburg im Breisgau und wird von Harald Gritzner lebendig und detailreich dargestellt. Historische Hintergründe, wie die Hexenprozesse von 1603, in denen 13 Frauen verbrannt wurden, bilden das Gerüst für die Geschichte. Die präzise Darstellung des historischen Stadtbildes lässt Freiburg lebendig werden und gab mir die Möglichkeit bekannte Orte meiner Heimatstadt mit neuen Augen zu sehen.
Die Atmosphäre des Romans ist eine Mischung aus düsterer Bedrückung und hoffnungsvollen Momenten. Obwohl die Hexenverfolgung ein dunkles Kapitel in der Geschichte und für Freiburg ist, gelingt es Harald Gritzner, Lichtblicke und Menschlichkeit zu zeigen. Seine Erzählung thematisiert einen wenig beleuchteten Aspekt der Hexenprozesse, der mich zum Nachdenken angeregt hat und eine tiefere Botschaft vermittelt: Selbst in den dunkelsten Zeiten kann die Hoffnung auf Gerechtigkeit und Menschlichkeit bestehen.

„Vor ihr stand das schwarze Annele, die den Schurken der Inquisition bisher glücklich entkommen war. Jenen eigentlichen Tätern, die sich hinter dem Schutzmantel eines der verkommensten Rechtsbüchern der Menschheitsgeschichte verbargen, dem Malleus Maleficarum, auch Hexenhammer genannt.“

[9. Kapitel, Seite 59]

Herzlichen Dank für das vorzeitige Rezensionsexemplar und das unterhaltsame und gleichzeitig auch sehr lehrreiche Lese-Erlebnis.

Fazit: „Agatha – Im Schatten des Freiburger Münsters“ ist ein fesselnder und tiefgründiger historischer Roman, der historische Fakten mit einem spannenden Plot verbindet. Harald Gritzner schafft es, die Leser und Leserinnen mit den Schicksalen seiner Figuren mitfiebern zu lassen und gleichzeitig zum Nachdenken über ein dunkles Kapitel der Geschichte anzuregen. Die detaillierte Darstellung des historischen Freiburgs und der gekonnte Aufbau von Spannung machen das Buch zu einer empfehlenswerten Lektüre für alle, die sich für historische Romane und die Hexenverfolgung interessieren. Sehr lesenswert!

*Ich habe für diese Rezension vom Autor keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung des Autors in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

_ _ _

„Der Gautenthron“

von Sylvia Koppermann

[Werbung*]

_ _ _

Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 24. November 2025
Verlag: Selbstverlag
Ausgaben: Hardcover, Taschenbuch & eBook
ISBN: 978-3-384-762 44-3 (HC), 978-3-384-762 43-6 (TB), 978-3-384-762 41-2 (eBook)
Seitenanzahl: 536 Seiten
Preise: 25,99€ (HC), 19,99 (TB), 07,99€ (eBook)

Kontakt:
https://www.facebook.com/p/Autorin-Sylvia-Koppermann-100063700776018/

https://www.instagram.com/autorin_sylvia_koppermann/?hl=de

Klappentext:
„Gotland im 6. Jahrhundert. Eine unruhige Zeit der Machtkämpfe, in die Wulf hineingeboren wird. Früh die Mutter, wenige Jahre später auch den Vater verlierend, kommt er an den Hof seines Großvaters, des Königs der Gauten, wo er zum Krieger ausgebildet werden soll. Für den zurückhaltenden und stillen Jungen eine große Herausforderung und Kraftprobe. Allein im nur wenig jüngeren Weohstan findet er einen Freund, der ihm hilft, über sich hinauszuwachsen. Der Beginn einer tiefen Freundschaft, aus der im Laufe der Jahre mehr wird.Die Geschichte um die Geburt eines Heldenepos, dessen Hauptfigur nie ein Held sein wollte. Von einem unscheinbaren Jungen, der den Weg des Schicksals auch dann annahm, wenn es ihm große Opfer abverlangte. Und vom legendären König BEOWULF, über dessen Leben sich die Menschen bis heute erzählen.“

Hinweise:
– Das ebook habe ich freundlicherweise von der Autorin Sylvia Koppermann als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars und der ausdrücklichen Leseempfehlung kennzeichne ich diese Rezension als WERBUNG. Ich habe keinerlei finanzielle Gegenleistungen erhalten.

_ _ _

_ _ _

Mit ihrem Buch „Der Gautenthron“ präsentiert Sylvia Koppermann eine eindrucksvolle Neuinterpretation des Stoffes, der später zum legendären „Beowulf-Epos“ werden sollte. Der Roman, angesiedelt im unruhigen Gotland des 6. Jahrhunderts, nimmt sich der Herausforderung an, die mythische Figur Beowulf zu entmystifizieren und dieser ein authentisches, menschliches Leben einzuhauchen.

„Prahle nicht mit dem, was du kannst, denn du wirst nicht durch Worte stark. Es sind die Taten, die dich groß machen.“

[Kapitel „Bienenwolf“]

Der Klappentext verspricht die „Geburt eines Heldenepos“, doch es wurde mir schnell klar, dass dies die Geschichte eines Helden wider Willen ist. Sylvia Koppermann zeichnet eindrucksvoll den Weg Wulfs, des späteren Beowulf, von einem zurückhaltenden Jungen, der früh Verluste erleidet, bis hin zum Anführer der Gauten nach. Die Stärke des Romans liegt darin, dass sich Sylvia Koppermann nicht scheut, fiktive Elemente einzubauen, die der historischen Grundlage Leben einhauchen, ohne dabei die Authentizität zu verlieren. Die Darstellung der Zeit der Völkerwanderung mit ihren ständigen Machtkämpfen und Auseinandersetzungen wirkt überzeugend. Obwohl diese Epoche vielen Lesern und Leserinnen, wie auch mir, fremd sein könnte, gelingt es der Autorin, die Welt der Gauten greifbar zu machen. Die anfängliche Hürde der ungewohnten, historischen und fremden Namen war schnell überwunden, da die Kapitel eine angenehme Länge haben und ich zügig in die Geschichte hineingezogen wurde.

Das absolute Herzstück des Romans ist die Charakterentwicklung der Hauptfigur: Die Wandlung des unscheinbaren Wulf ist absolut gelungen und nachvollziehbar. Ich litt und freute mich mit Beowulf, was von einer tiefen Empathie zeugt, die die Autorin für ihre Figuren entwickelt. Besonders hervorzuheben ist die Beziehung zu Weohstan. Entgegen den Erwartungen, die man vielleicht an ein traditionelles Heldenepos hat, ist diese Freundschaft, die im Laufe der Geschichte zu mehr wird, das zentrale Thema des Buches und hält einige Überraschungen bereit. Diese emotionale Tiefe verleiht dem Roman eine moderne Erzählweise, die hervorragend funktioniert.
Der Schreibstil von Sylvia Koppermann ist flüssig und detailliert. Sie findet eine Balance zwischen ausführlichen Beschreibungen der damaligen Lebenswelt und einem mitreißenden Sprachstil. Die Lesbarkeit ist hoch und die Autorin schaffte es mich emotional zu fesseln, was den Roman für mich zu einem gelungenen Pageturner machte. Stellenweise war es sehr schwer das Buch aus den Händen zu legen, auch wenn mich einige Szenen emotional sehr mitnahmen.
Nachdem mich Sylvia Koppermann im Juli 2021 mit ihrem Roman „Der Nornen Knoten“ überzeugt hat, hat sie mich auch mit ihrem neuen historischen Roman absolut begeistert. Danke für dieses intensive und lehrreiche Lesevergnügen und für das Rezensionsexemplar.

»Beowulf, Onkel, nenne mich Beowulf! Dieser Name soll ab heute meiner sein und ich werde ihn mit Stolz tragen!«

[Kapitel „Das Wettschwimmen“]

Fazit: „Der Gautenthron“ von Sylvia Koppermann ist ein herausragender historischer Roman, der durch seine authentische Atmosphäre, die fesselnde Handlung und vor allem durch seine tiefgründigen Charaktere besticht. Alle Elemente (Setting, Handlung, Charaktere) verbinden sich zu einer großen und unvergesslichen Geschichte.
Absolut empfehlenswert für alle Leser und Leserinnen historischer Romane und jene, die die menschliche, emotionale Seite hinter einer der ältesten europäischen Sagen entdecken möchten. Für mich persönlich ein absolutes Highlight, sehr lesenswert!

*Ich habe für diese Rezension von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung der Autorin in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

_ _ _

„Hilde und Robin – Die vergessene Geschichte einer jüdischen Familie“

von Rachel Soost

[Werbung*]

_ _ _

Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 27. November 2025
Verlag: Selbstverlag
Ausgaben: Taschenbuch, eBook & Hörbuch
ISBN: 978-3819470745
Seitenanzahl: 428 Seiten
Preise: 16,99€ (Paperback), 04,99€ (eBook)
Reihe: „Die vergessene Geschichte einer jüdischen Familie“ 02/02

Kontakt:
https://www.instagram.com/schwarzgraubunt/?hl=de

Klappentext:
„Eine große Liebe erhellt die Finsternis
2024
Bei der Sanierung ihrer Berliner Altbauwohnung stößt Frederike auf ein Kästchen mit alten Fotos und Dokumenten. Gefesselt von ihrem Fund taucht sie in eine Liebesgeschichte zur NS-Zeit ein:
Hier kreuzen sich 1934 die Wege der Direktrice Hildegard und des jüdischen Modevertreters Robin. Aus einer stillen Zuneigung wird eine Liebe, die das Paar in Gefahr bringt. Denn sie gilt als „Rassenschande“.
Als die beiden an die Gestapo verraten werden, geht es um mehr als eine gemeinsame Zukunft – es geht ums Überleben.
Ein berührender Roman, der auf wahren Begebenheiten beruht.“

Hinweise:
– Das ebook habe ich freundlicherweise von der Autorin als vorzeitiges Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars und der ausdrücklichen Leseempfehlung kennzeichne ich diese Rezension als WERBUNG. Ich habe keinerlei finanzielle Gegenleistungen erhalten.

_ _ _

_ _ _

Das Buch „Hilde und Robin“ von Rachel Soost ist der zweite Band der Familiensaga „Die vergessene Geschichte einer jüdischen Familie“ und ist weit mehr als nur ein historischer Roman. Es ist ein tief berührendes Zeugnis von Liebe, Mut und der unerbittlichen Grausamkeit des NS-Regimes. Die Autorin schafft es meisterhaft, eine Geschichte, die größtenteils auf wahren Begebenheiten beruht, so authentisch zu erzählen, dass ich das Gefühl hatte, die Protagonisten persönlich kennengelernt zu haben.

„»Aber du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich mir von einer verrückten Regierung vorschreiben lasse, wen ich zu lieben habe.«“

[Kapitel 13]

Der Roman spannt den Bogen über fast 90 Jahre. In der Gegenwart (2024) findet Frederike bei Renovierungsarbeiten in Berlin ein Kästchen mit alten Dokumenten und Fotos. Dieser Fund ist der Schlüssel zu einer dramatischen Vergangenheit: Der Geschichte von Hildegard, einer Direktrice, und Robin, einem jüdischen Modevertreter.
Im Berlin des Jahres 1934 entwickelt sich aus einer stillen Zuneigung eine Liebe, die im nationalsozialistischen Deutschland als „Rassenschande“ gebrandmarkt und verfolgt wird. Was als zarte Romanze beginnt, entwickelt sich schnell zu einem nervenzerreißenden Kampf ums Überleben, als die beiden an die Gestapo verraten werden.
Die emotionale Wirkung des Romans ist immens. Rachel Soost hat mich auf eine Reise starker Gefühle mitgenommen:
Da war die Rührung über die entstehende, wunderschöne Liebesgeschichte. Dann die wachsende Angst und Beklemmung, als die politische Lage sich verschärft und die Ausgrenzung in puren Terror umschlägt. Die Hoffnung, die trotz aller Widrigkeiten immer wieder aufkeimt. Und dann die Wut und Ohnmacht angesichts eines Systems, das Menschen ihre Würde, Freiheit und das Recht auf Liebe nimmt.

Die Authentizität der Charaktere Hilde und Robin macht das Erlebte greif- und spürbar. Besonders betroffen machte mich das Wissen darüber, dass sich vieles in dieser Form tatsächlich ereignet hat. Diese Authentizität, die bereits im ersten Band „Bernie und Luise“ spürbar war, zieht sich durch die gesamte Erzählung und lässt die historische Tragödie sehr persönlich werden.
Rachel Soost verwendet geschickt zwei Erzählstränge. Die Gegenwartsgeschichte um Frederike nimmt nicht den Hauptteil ein, erfüllt aber eine wichtige Funktion: Sie ermöglicht dem Leser einen Blick von außen auf das Geschehen, schafft eine leichte Distanz und verhindert, dass man von der Grausamkeit der historischen Ereignisse emotional überwältigt wird, während man dennoch tief in diese eintaucht.
Besonders stark dargestellt ist die schleichende, dann aber brutale Entwicklung der NS-Diktatur. Von anfänglichen Ausgrenzungen bis hin zu Misshandlungen durch die Gestapo, Gefangenschaft und Deportation – die Ohnmacht der Liebenden, die doch einfach nur zusammen sein wollten, ist in jeder Zeile dieser meisterhaften Erzählung spürbar.

„Misstrauisch musterte er den Mann, der sich vor ein paar Stationen ihm gegenüber gesetzt hatte.
Freund oder Feind?
Nazi oder Leidensgenosse?
Wie er es hasste, dass er Menschen neuerdings ständig in einer dieser Kategorien einteilte.“

[Kapitel 27]

Man muss den ersten Band nicht zwingend vor diesem zweiten Band lesen, um der Geschichte folgen zu können, aber es macht das Gesamtbild der Familiengeschichte einfach runder.
Danke für dieses unglaublich berührende Leseerlebnis, das ich mit Sicherheit nie wieder vergessen werde.

Fazit: Der Roman „Hilde und Robin“ ist für mich ein absolutes Highlight. Die Geschichte fesselt, berührt und stimmt nachdenklich. Eine eindringliche und wichtige Geschichte. Unbedingt lesen!

*Ich habe für diese Rezension von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung der Autorin in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

_ _ _

„Die Psychoanalytikerin“

von Melanie Metzenthin

Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 15. Oktober 2025
Verlag: Heyne
Ausgaben: Paperback, eBook & Hörbuch
ISBN: 978-3453292567
Seitenanzahl: 384 Seiten
Preise: 17€ (Taschenbuch), 12,99€ (eBook)

Homepage:
https://www.penguin.de/buecher/melanie-metzenthin-die-psychoanalytikerin/paperback/

Klappentext:
„Hamburg 1920: Die Psychoanalytikerin Vera hat die Praxis ihres Mannes im Stadtteil Uhlenhorst übernommen, nachdem er fünf Jahre zuvor im Ersten Weltkrieg gefallen ist. Ihre Patienten haben die unterschiedlichsten seelische Narben – die meisten aufgrund ihrer Kriegsvergangenheit. Als es unter ihnen zu mysteriösen Todesfällen kommt, bittet Kommissar Bender Vera um Hilfe. Sie soll tiefer in der Vergangenheit der Betroffenen bohren, ein Zusammenhang scheint naheliegend. Dann wird der gesichtsverletzte ehemalige Soldat Willi Schuster von seiner Frau als vermisst gemeldet – wieder ein Patient von Vera. Und ihr wird klar: Offenbar rächt sich jemand an dessen ehemaligem Regiment …“

Hinweise:
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder – das Buch habe ich mir selbst gekauft.

_ _ _

_ _ _

Mit ihrem neuen Buch „Die Psychoanalytikerin“ entführt uns die Hamburger Autorin Melanie Metzenthin in das Jahr 1920 und liefert einen atmosphärisch dichten Roman, der geschickt historische Fakten, psychologische Tiefe und eine spannende Kriminalgeschichte miteinander verbindet.

„Schon als Kind hatte Vera sich ausgemalt, welche Geschichten hinter den Menschen steckten, und als Psychoanalytikerin fragte sie sich, wie sie zu den Personen geworden waren, die sie nun vor sich sah.“

[Seite 15, Kapitel 1]

Im Mittelpunkt der Handlung steht Vera, die nach dem Tod ihres Mannes im Ersten Weltkrieg dessen Praxis in Hamburg-Uhlenhorst übernommen hat und als Praxis für Psychoanalyse weiterführt. Trotz ihres eigenen großen Verlusts hat sie sich ein eigenständiges Leben aufgebaut und ist für andere Menschen da, die teilweise mit den seelischen und körperlichen Narben des Krieges zu kämpfen haben.
Ich mochte die Vera von der ersten Seite an und baute sofort eine Verbindung zu ihr auf. Veras Stärke, ihre Resilienz und ihr Engagement für ihre Patienten machen sie zu einer faszinierenden und sehr nahbaren Figur, die mich sofort in ihren Bann gezogen hat.

Melanie Metzenthin fängt die Atmosphäre der frühen Weimarer Republik, die oft verklärt als die „Goldenen Zwanziger“ betrachtet wird, hervorragend ein. Sie wirft einen genauen Blick auf die Schattenseiten dieser Ära, wie beispielsweise die tiefen Wunden, die der Erste Weltkrieg in der Gesellschaft und in der Psyche der Menschen hinterlassen hat.
Die Autorin beschreibt die Nachwirkungen des Krieges, von den körperlichen Verletzungen der Versehrten bis hin zu den psychischen Traumata und Kriegszitterern, mit großer Authentizität und Sensibilität. Diese düstere, realistische Kulisse bildet den perfekten Nährboden für die folgende Kriminalhandlung und verleiht dem Roman eine beeindruckende Tiefe.

Die Handlung nimmt Fahrt auf, als es unter Veras Patienten zu mysteriösen Todesfällen kommt. Kommissar Bender bittet die Psychoanalytikerin um Hilfe, um die Vergangenheit der Betroffenen zu durchleuchten. Als der Mann einer Patienten von Vera, der gesichtsverletzte ehemalige Soldat Willi Schuster, vermisst gemeldet wird, wird klar, dass sich jemand an einem ehemaligen Regiment rächt.
Melanie Metzenthin hat die perfekte Balance zwischen dem psychoanalytischen Aspekt (Veras Arbeit mit ihren Patienten) und den kriminalistischen Ermittlungen gefunden.
Die Geschichte konnte mich durchweg fesseln und ich konnte zudem die Zusammenhänge gut nachvollziehen. Ein besonderes Highlight ist der gelungene Plot-Twist, der die Spannung bis zum Schluss aufrechterhält. Das führte dazu, dass ich das Buch nur sehr ungern aus den Händen gelegt habe und durch die Geschichte gerauscht bin. Und ich habe mich so sehr gefreut, dass ich auch die ein oder andere Figur aus der Buchreihe „Die Hafenschwester“ wieder treffen durfte, die kleine aber wichtige Auftritte haben. Was für ein freudiges Wiedersehen.
Herzlichen Dank für dieses lehrreiche und gelungene Leseerlebnis. Melanie Metzenthin hat wieder einmal gezeigt, warum sie zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen gehört.

Fazit: „Die Psychoanalytikerin“ von Melanie Metzenthin ist ein packender und intelligenter historischer Kriminalroman, der mich mit seinen starken Hauptfiguren, der authentischen Darstellung der Nachkriegszeit und der spannenden Handlung absolut überzeugt hat. Sehr lesenswert!

_ _ _

„Die wilden Jahre“

von Susanne Goga

Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 12. November 2025
Verlag: Heyne
Ausgaben: Taschenbuch, eBook & Hörbuch
ISBN: 978-3-453-42965-9
Seitenanzahl: 448 Seiten
Preise: 13€ (Taschenbuch), 07,99€ (eBook)

Homepage:
https://www.susannegoga.de/?p=1158

https://www.penguin.de/buecher/susanne-goga-die-wilden-jahre/taschenbuch/9783453429659

Klappentext:
„Rheinland 1919. Die Geschwister Thora und Hannes Bernrath entstammen einer wohlhabenden Fabrikantenfamilie aus München-Gladbach und stehen einander sehr nah. Sie leben in bewegten Zeiten von Krieg, Revolution und Besatzung. Thora nutzt die neue aufregende Zeit, um ein Schauspielstudium in Düsseldorf zu beginnen, während Hannes, der eigentlich Architektur studieren wollte, nach seiner Rückkehr von der Front orientierungslos ist. Eines Tages wird Hannes wegen Mordverdachts verhaftet, schweigt aber beharrlich. Im Zimmer ihres Bruders findet Thora einen Gedichtband von Eichendorff, in dem die Worte »Adler« und »Vulkan« markiert sind. Sie begibt sich auf die Suche nach dem Rätsel, das sich dahinter verbirgt. Und erfährt vom geheimen Leben ihres Bruders. Thora begreift, dass sie mit allen Mitteln darum kämpfen muss, ihn aus dem Gefängnis zu befreien …“

Hinweise:
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder – das Buch habe ich mir selbst gekauft.

_ _ _

_ _ _

Der Roman „Die wilden Jahre“ von Susanne Goga entführt ins Rheinland des Jahres 1919: Die Geschwister Thora und Hannes Bernrath aus einer wohlhabenden Fabrikantenfamilie in München-Gladbach stehen sich sehr nah. In einer Zeit von Revolution, Krieg und Besatzung nutzt Thora die neuen Freiheiten für ein Schauspielstudium in Düsseldorf, während der Kriegsheimkehrer Hannes orientierungslos bleibt. Als Hannes unter Mordverdacht verhaftet wird und schweigt, findet Thora einen geheimnisvollen Hinweis im Gedichtband ihres Bruders. Sie begibt sich auf eine gefährliche Suche nach der Wahrheit …

Susanne Goga ist mit „Die wilden Jahre“ ein außerordentlich gut geschriebener Roman gelungen, der mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen hat. Die Stärke des Buches liegt in der perfekten Symbiose aus einem packenden Kriminalfall, einem tiefgründigen Familiendrama und einer überzeugend gezeichneten historischen Kulisse. Die Handlung ist kontinuierlich spannend, was dazu führte, dass ich das Buch nur äußerst ungern zur Seite legte.
Die Charaktere sind das Herzstück der Geschichte. 
Thora Bernrath ist Protagonistin, die mir sofort sympathisch war: Sie ist gleichzeitig mutig, entschlossen und absolut loyal gegenüber ihren Mitmenschen, gesteht sich aber auch ihre Schwächen ein. Ihre Entwicklung von der jungen Fabrikantentochter zur selbstbewussten, ermittelnden Frau in einer von Männern dominierten Zeit wirkte auf mich authentisch und gut nachvollziehbar. Thora trägt die Handlung und riss mich mit ihrem unermüdlichen Engagement mit.
Ihr Bruder Hannes bildet den spannenden Gegenpol: Er bleibt über weite Strecken geheimnisvoll und undurchsichtig. Seine Geschichte wird erst nach und nach durch Rückblenden und Briefe enthüllt, was meine Neugier konstant hoch hielt. Die Suche nach der Wahrheit über Hannes‘ geheimes Leben treibt die Handlung an und sorgt für die nötige Tiefe des Familiendramas.
Besonders hervorzuheben ist, wie meisterhaft Susanne Goga die Atmosphäre der Nachkriegsjahre einfängt. Das Rheinland 1919 war ein Ort des Umbruchs: Das Ende des Ersten Weltkriegs, die Revolution, der Generalstreik in Düsseldorf und die alliierte Besatzung in Mönchengladbach. Die Autorin nutzt diese unterschiedlichen Schauplätze, um die politischen und gesellschaftlichen Spannungen greif- und fühlbar zu machen.
Die historischen Hintergründe sind tief in die Handlung integriert. Ich habe viel Neues über diese Zeit des Umbruchs gelernt und empfand den Roman zu keiner Zeit belehrend. Die Einblicke in die junge Düsseldorfer Schauspielschule, die Thora besucht, bieten zudem eine faszinierende Nebengeschichte, die den kulturellen Aufbruch jener Zeit widerspiegelt.
Meine anfängliche Verwirrung durch die vielen Zeitsprünge wich schnell der Faszination für die Erzählweise. Die einzelnen Abschnitte und Rückblenden fügen sich im Verlauf der Lektüre wie ein Puzzle zusammen und ergeben ein stimmiges Gesamtbild. Diese Struktur verstärkt den kriminalistischen Aspekt und hält die Spannung bis zum Schluss aufrecht.
Susanne Goga hat mit diesem spannenden und unvergesslichen Roman gezeigt, weshalb sie zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen gehört. Danke für dieses gelungene Leseerlebnis.

Fazit: „Die wilden Jahre“ ist ein absolutes Lesehighlight, das ich uneingeschränkt und aus voller Überzeugung weiterempfehlen kann. Die Mischung aus Kriminalroman, Familiendrama und historischer Tiefe ist absolut gelungen. Sehr lesenswert!

_ _ _