„Gut Erlensee – Marillas Schicksal“

von Juliana Weinberg

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 25. Juli 2023
Verlag: HarperCollins
Ausgaben: ebook & Taschenbuch
ISBN: 978-3-365-00061-8
Seitenanzahl: 400 Seiten
Preis: 8,99€ (eBook), 12,00€ (Taschenbuch)
Reihe: „Gut Erlensee/03“

Homepage:
https://www.harpercollins.de/products/gut-erlensee-marillas-schicksal-9783365000618

Klappentext:
„Juli 1924 bei Kiel. Marillas Welt liegt in Scherben. Als ihre große Liebe sie verlassen hat, hat die junge Frau auch ihren Lebensmut verloren. Am liebsten würde Marilla gar nicht mehr vor die Tür gehen, doch das lassen ihre Schwestern nicht zu. Marillas Hilfe wird auf dem Gut der Familie gebraucht. Sie beugt sich dem Druck der Familie und muss schon bald feststellen, dass ihr die frische Luft, die Nähe zu den Pferden und die Natur guttun. Besonders der nebenan lebende Leonhard ist ihr eine Stütze in dieser Zeit. Aber gerade als Marilla wieder Vertrauen in das Schicksal fasst, ereilt sie eine unheilvolle Nachricht …“

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise von der Autorin als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.
– Hier findet ihr meine ausführliche Rezension zum ersten Band „Gut Erlensee – Margaretas Traum“ und zum zweiten Band 
„Gut Erlensee – Cäcilias Erbe“.

Das Buch „Gut Erlensee – Marillas Schicksal“ von Juliana Weinberg ist der dritte und abschließende Teil einer Buchreihe, welche in den frühen Jahren nach dem Ersten Weltkrieg angesiedelt ist. Dieser Teil spielt 1923/ 1924 und beschreibt das Leben von Marilla, der mittleren Tochter der Familie Lamprecht, welche nach einem Schicksalsschlag wieder zurück ins Leben finden muss.

„Aber Emilie zuliebe musste sich sich zusammenreißen, musste ihrer Tochter ein halbwegs normales Leben ermöglichen, auch wenn ihre eigene Welt wie eine zerbrechliche Glaskugel zu tausend Splittern geborsten war, die sich nie wieder zusammenfügen ließen.“

[Seite 13]

Nach einem furchtbaren Verkehrsunfall ist im Leben von Marilla nichts mehr, wie es einmal war: Ihr Ehemann Eduard ist tot und sie lebt zusammen mit ihrer Tochter Emilie auf dem Gut ihrer Eltern am Erlensee. Wochen vergehen, bis Marilla sich dazu aufraffen kann, an die frische Luft zu gehen und auch andere Menschen in ihrem Leben zuzulassen. Sie trifft auf den Grafensohn Leonhard, welcher mit seinen Eltern am gegenüberliegenden Ufer des Sees lebt. Die Beiden fühlen sich schnell zueinander hingezogen und geben sich gegenseitig Halt und Mut. Doch ihre Verbindung sieht nicht jeder gerne.
Gerade als Marilla und Leonhard eine gemeinsame Zukunft planen und sich die dunklen Wolken etwas lichten, zeigt sich am Horizont ein erneutes Unwetter: Die Familie erhält eine Nachricht, welches alles verändern kann.

Nach den beiden Roman-Biographien „Audrey Hepburn und der Glanz der Sterne“ und
„Josephine Baker und der Tanz des Lebens“ gehört Juliana Weinberg zu meinen Lieblingsautorinnen. Ich mag ihren bildhaften, aber auch ruhigen und aufgeregten Schreibstil sehr gerne und auch ihre vielfältigen Geschichten wissen mich immer zu begeistern.
Als sie in den sozialen Medien ihre neue Trilogie „Gut Erlensee“ ankündigte, war mein Interesse sofort geweckt. Ich mag Buchreihen, die im 20. Jahrhundert spielen und zeigen, wie schwer der Weg der Frauen damals in Richtung Gleichberechtigung war.
Mit großer Begeisterung habe ich den Auftakt „Gut Erlensee – Margaretas Traum“ gelesen und auch der zweite Band „Gut Erlensee – Cäcilias Erbe“ konnte mich begeistern.
Diesen dritten Teil erhielt ich, wie auch den zweiten Band, freundlicherweise direkt von der Autorin als signiertes Rezensionsexemplar, wofür ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken möchte. Auch für den stets freundlichen Kontakt in den Sozialen Medien möchte ich meinen großen Dank ausdrücken.

Der dritte Band passt optisch wunderbar zu den ersten beiden Bänden der Geschichte – damit hat die Reihe einen sehr gelungenen Wiedererkennungswert. Während der erste Band von außen in Türkis gehalten ist, erstrahlt der zweite Band in beige, der dritte Band besticht mit einem warmen rötlichen Ton.
Über dem in weiß geschriebenen Haupttitel „Gut Erlensee“, welcher mit einem Foto eines Guts hinterlegt ist und sehr dominant wirkt, steht ebenfalls in weißer Schrift der Name der Autorin. Unter dem Haupttitel befindet sich der Untertitel „Marillas Schicksal“ – dieser ist in roter Schrift gehalten.

Auf allen drei Covern nimmt der See eine zentrale Rolle ein. Während er auf den ersten beiden Bänden still und idyllisch da liegt, versinkt er bei diesem Cover in einem Meer aus Nebel und Wolken. Vor dem See steht leicht mittig eine Frau mit dem Rücken zum Betrachter auf einem schmalen Weg inmitten einer hochgewachsenen Wiese. Sie trägt ein langärmliges orangefarbenes Kleid, ihre blonden Haare sind am Hinterkopf zu einem leichten Knoten gebunden.

Das Foto des Guts, welches den Haupttitel hinterlegt, findet sich noch einmal auf der Rückseite des Buches, unterhalb des Klappentexts.
Es handelt sich, wie auch bei den ersten beiden Teilen um ein einfaches Taschenbuch mit genau 400 Seiten. Am Anfang des Buches befindet sich der Stammbaum der Familie Lamprecht – an diesen schließt sich der erzählende Teil des Buches an. Das erste Kapitel beginnt im Dezember 1923 – also etwa vier Monate nach Ende des zweiten Bandes. Durch diesen kurzen zeitlichen Abstand war ich wieder schnell in der Geschichte angekommen und fand mich direkt wieder zurecht.
Insgesamt beinhaltet das Buch 29 Kapitel und einen Epilog, welcher im Oktober 1924 endet. Somit umfasst die gesamte und chronologisch erzählte Handlung des Buches etwa 10 Monate.
Nach meiner Meinung lässt sich jeder Teil der Buchreihe eigenständig lesen, allerdings empfehle ich trotzdem, diese Buchreihe komplett und der Reihe nach zu lesen, da man dann Geschehnisse und Hintergründe besser ein- und zuordnen kann und vor allem die Entwicklung der einzelnen Figuren sieht und die zwischenmenschlichen Konflikte besser versteht. Und von diesen Konflikten gibt es so einige.

»Niemand versteht, dass einem die Kraft fehlt, mit anderen zu plaudern, dass einem die Belanglosigkeiten, mit denen andere beschäftigt sind, nicht im Geringsten interessieren.«

[Seite 34]

In diesem Band steht die titelgebende Marilla im Mittelpunkt der Geschichte. Sie ist die mittlere der drei Töchter der Familie Lamprecht und wusste schon immer genau, was sie will. Gegen den Willen ihrer Eltern heiratete sie ihren ehemaligen Musiklehrer Eduard, mit dem sie ihre Tochter Emilie bekam und nach Hamburg gezogen ist, wo sie sich ein gemeinsames Leben aufgebaut haben. Doch das Schicksal schlug erbarmungslos zu und nahm Marilla den Mann und damit ihre gesamte Zukunft. Nun lebt sie wieder auf dem elterlichen Gutshof und muss damit klarkommen, dass sich ihre Eltern, vor allem ihre Mutter, wieder in ihr Leben einmischen.
Marilla ist zu Beginn des Buches eine gebrochene Frau, welche jeglichen Lebensmut verloren hat. Sie weiß nicht, wie es mit ihr und ihrer kleinen Tochter weiter gehen soll und gibt sich ganz ihrer Trauer hin. Doch durch die Bekanntschaft mit dem sympathischen und empathischen Leonhard findet sie einen Ausweg aus der Trauer und lernt allmählich mit dem Verlust umzugehen.
Auch wenn Marillas Art nicht immer freundlich ist und sie in ihrer Trauer auch einigen ihrer Mitmenschen ordentlich vor den Kopf stößt, mochte ich sie sehr gerne. Während sie in den ersten beiden Teilen etwas überheblich wirkte, wird in diesem Band ihre tief verletzte Seite gezeigt.
Ich empfand Marillas Entwicklung sehr gelungen und auch, dass sie auch hin und wieder Fehler und Fehlentscheidungen begeht, macht sie zu einem sehr authentischen Charakter, welcher mir, zusammen mit ihrer hinreißenden Tochter Emilie, auf jeden Fall im Gedächtnis bleiben wird.
Neben ihr steht der Grafensohn Leonhard, welcher auch bereits aus den vorherigen Bänden bekannt ist. Auch er hat eine immense Entwicklung durchlaufen und wird hier schnell zu einem großen Sympathieträger, welcher Marilla viel Halt und auch Geborgenheit gibt.
Marillas Schwestern Margareta, Cäcilia und Carla rücken mit ihren Geschichten etwas in den Hintergrund, bilden aber zusammen mit ihrer famosen und unverwechselbaren Großmutter Ilsegard Lamprecht für Marilla den Fels in der Brandung. Diese Frauen halten auch in schwierigen Zeiten immer zusammen und sie alle verbindet ein inniges Band der Vertrautheit. 

„Die Arbeit in der Brennerei war ganz anders als alles, was sie bisher in ihrem Leben verrichtet hatte, aber sie war es gewöhnt, dass die Lamprecht-Frauen in Krisenzeiten zusammenhielten und tatkräftig mitanpackten.“

[Seite 146]

Während Margareta und Cäcilia ihren Platz im Leben gefunden haben, muss Carla als die Jüngste im Bunde noch ihren Platz erkämpfen. Sie zieht sich von ihrer Familie mehr und mehr zurück und versucht ihr ganz eigenes Leben zu leben. Carla ist ein sehr interessanter und vielschichtiger Charakter und ihre weitere Geschichte wäre eigentlich noch einen vierten Band wert.
Großmutter Ilsegard Lamprecht ist auch in diesem Band wieder sehr präsent. Sie hält sich selten mit ihren Ansichten und Meinungen zurück, legt sich gerne auch mit ihrer Schwiegertochter Adelheid an, welche im Gegensatz zu ihr in der Zeit stehen geblieben zu sein scheint.

»Bei euch ist es immer so unterhaltsam. Dieser subtile Kleinkrieg zwischen deiner Mutter und deiner Großmutter, einfach köstlich. Deine Großmutter ist so jugendlich und modern eingestellt, während deine Mutter am alten Zopf hängt, das ist zum Schießen.«

[Seite 274]

Adelheid ist eine der wenigen Charaktere, welche sich über die gesamten drei Bände hinweg nicht verändert und weiterentwickelt. Ihr Auftreten gegenüber ihrer jüngsten Tochter Carla und deren Erziehung lässt ihre Sympathie nicht gerade steigen, ihre spitzen Bemerkungen und Ansichten gingen mir stellenweise so auf die Nerven. Adelheid ist, wie auch ihr Ehemann Hermann, in der Zeit stehen geblieben. Den Beiden ist gesellschaftliches Ansehen extrem wichtig und sie möchten für ihre Kinder nur die besten Verbindungen. Auch wenn Hermann sich im Gegensatz zu seiner Frau im zweiten Band etwas positiv weiterentwickelt hat, setzt Adelheid ihre wenig sympathische Gesinnung weiter fort. Auch in diesem Teil hätte ich sie gerne das ein oder andere Mal kräftig geschüttelt, so ungerecht empfand ich ihr Verhalten – vor allem gegenüber Carla.
Neben Adelheid gibt es noch eine weitere Figur, welche mich mit ihrem Verhalten regelrecht abgestoßen hat und, ähnlich wie Adelheid, einer anderen Zeit entsprungen ist und noch nicht in die moderne Gesellschaft nach Ende der Kaiserzeit hineingefunden hat. Aber auch solche unliebsamen Charaktere, die einen entsetzen, muss es meiner Meinung nach in Büchern geben.
Die dramatische Geschichte von Gregor Lamprecht konnte mich schon im ersten und zweiten Band mitreißen. Er ist der einzige Sohn von Hermann und Adelheid und hat, zusammen mit seinem Geschäftspartner und Freund Benno, seinen Lebenstraum eines eigenen Gestüts verwirklicht. Es könnte alles perfekt und er so glücklich sein. Als jedoch sein großes Geheimnis ans Licht kommt, erfährt er von seinen Eltern alles andere als Rückendeckung. Ich spürte seine große Verzweiflung und Traurigkeit – aber auch seine immensen Ängste.

„Sie wusste, wie unerträglich es für Gregor war, in der Luft zu hängen, ohne zu wissen, wann er vor Gericht erscheinen musste, um seine Strafe entgegenzunehmen. Strafe wofür? Dafür, dass er jemanden liebte, so wie sie Eduard geliebt hatte (…)“

[Seite 185]


Hier kommt dann eine Figur hinzu, welche sehr viel Bewegung, aber auch Wärme in die Geschichte bringt. Die Arzt-Nichte Konstanze fegt wie ein frischer Wind durch die Geschichte. Ich möchte nicht näher auf diesen interessanten Charakter eingehen, da ich sonst zu viel von der Geschichte vorweg nehme.
Auch wenn einige Figuren nicht mit Sympathien glänzen, konnten mich aber alle Charaktere in ihrer Gesamtheit sehr begeistern, da sie sehr facettenreich und ambivalent beschrieben sind und zusammen ein gutes und authentisches Bild der Gesellschaft abgeben.


Es war eine Gesellschaft, welche noch immer unter den Nachwirkungen des Ersten Weltkrieges (1914 – 1918) litt und von starken Gegensätzen und auch einem Gefühl des Aufbruchs geprägt war.
In den Großstädten der Weimarer Republik pulsierte das Leben, die ‚Goldenen Zwanziger‘ waren im vollen Gange – die Menschen wollten den Krieg und die Hyperinflation im Jahre 1923 vergessen.
Von Beginn an stand die Weimarer Republik auf wackligen Füßen und verlor schon früh das Vertrauen der Menschen. Durch die Zuweisung der Alleinschuld am Ersten Weltkrieg und die daraus resultierenden hohen Reparationszahlungen, sowie die Arbeitslosigkeit nahmen den Menschen den Glauben an die Demokratie. Am Horizont bildeten sich zu dieser Zeit bereits die ersten dunklen Wolken, als die Nationalsozialisten mehr und mehr in der Politik auftauchten. Nach dem missglückten Putschversuch am 09. November 1923 wurde die NSDAP verboten und Adolf Hitler erhielt im Hochverratsprozess im Februar 1924 fünf Jahre Festungshaft.
Auch das Streben nach Gleichberechtigung spaltete die Gesellschaft. Die Verfassung der Weimarer Republik stellte Frauen dem Gesetz nach gleich, worauf Frauen zum Beispiel wählen durften. Viele Frauen zog es ins Studium, doch noch immer mussten vielen Frauen mit dem Argwohn der Bevölkerung und der männlichen Studenten kämpfen, welche diese Frauen gerne als „Blaustrümpfe“ bezeichnete – also Frauen, welche für ihre geistige Bildung und Arbeit ihre vermeintlich typische Aufgaben vernachlässigten. Vor allem die ältere Generationen, welche im Kaiserreich groß wurden, hatten mit diesen freiheitsliebenden jüngeren Frauen ihre Probleme und fanden schwer in die offenere und moderne Gesellschaft hinein.

»Ich finde, man sollte Frauen überhaupt nichts vorschreiben, sondern jede von uns frei entscheiden lassen, wie sie ihr Leben gestalten möchte. Sicherlich macht es die Mehrheit auch heute noch glücklich, sich darauf zu konzentrieren, eine Familie zu versorgen. Allerdings sollte man auch jenen Frauen, die anderes anstreben, die Türen dazu weit öffnen. Leider ist die Gesellschaft noch nicht so weit.«

[Seite 113]


Ein weiteres gesellschaftliches Thema ist der §175 des deutschen Strafgesetzbuches, welcher vom 1. Januar 1872 (Inkrafttreten des Reichsstrafgesetzbuches) bis zum 11. Juni 1994 existierte. Dieser Paragraf stellte sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe und ermöglichte somit die Verfolgung Homosexueller. In den zwanziger Jahren gab es mehrere Vorschläge zur Reform des Paragrafen 175. Vor allem linke Parteien drängten auf seine Abschaffung, konnten sich aber nicht durchsetzen. Die von der Zentrumspartei geführte Mitte-rechts-Regierung strebte hingegen eine Verschärfung des Strafrechts an.
Während es im Jahr 1919 noch 89 Verurteilungen gab, waren es 1924 bereits 696 verurteilte Männer.
Dieses Thema erzählt Juliana Weinberg mit der ergreifenden Geschichte von Georg und seinem Geschäftspartner Benno.

» (…) Vielleicht ist das meine Art der stillen Revolte gegen das System. Gesetze, die Gefühle unter Strafen stellen, sind selbst Verbrechen.«

[Seite 352]

All diese gesellschaftlichen und geschichtlichen Hintergründe hat Juliana Weinberg akribisch recherchiert und in ihrer Romanreihe einen Platz gegeben und stellt diese mit ihren facettenreichen Charakteren und deren Lebensgeschichten sehr greif- und fühlbar da.

Wie in den ersten beiden Teilen konnte mich der ruhige, aber doch auch äußerst bildhafte Schreibstil der Autorin wieder sehr schnell in die Geschichte mitnehmen. Ich nahm das Buch immer wieder gerne in die Hände und freute mich sehr auf das weiterlesen.
Jeder Band dieser Buchreihe hat mich überzeugt und abgeholt. Dieser dritte und abschließende Band hat nochmal eine ganz eigene und sehr emotionale Grundstimmung. Eine Gänsehaut jagte die nächste, die Tränen standen mir in den Augen und ich wollte Marilla oft einfach nur ganz fest in den Arm nehmen.
Was ich zudem noch sehr beeindruckend fand, ist wie Juliana Weinberg das Wetter und die Jahreszeiten mit der Gefühlswelt von Marilla in Verbindung setzt. Als das Buch beginnt, herrscht tiefster Winter mit Nebel und Schnee. Auch in Marilla herrschen Dunkelheit und Tristesse, welche sich erst mit dem Frühjahr und der Beziehung zu Leonhard beginnen, sich etwas zu lösen. Marilla blüht auf – wie die Blumen durch die Frühlingssonne. Bedrohliche Gewitter finden nicht nur am Himmel statt, sondern auch in Marillas Leben.
Doch auch der Erlensee ist sehr präsent: Neben dem Gut der Familie ist dieser der Rückzugsort und die Konstante einzelnen Familienmitglieder. Auch wenn sich die Welt verändert, bleibt der See unveränderlich an Ort und Stelle.

„Die Gemeinschaft mit ihren Schwestern, Mutter und Großmutter war wider Erwarten wie ein kleines Trostpflaster; in schwierigen Zeiten hielten die Lamprechts zusammen, das war schon immer so gewesen und würde immer so sein, komme was da wolle.“

[Seite 305]


Nun heißt schweren Herzens Abschied zu nehmen.
Ich bin sehr dankbar, dass ich über drei Bände hinweg ein Teil dieser turbulenten Familie sein durfte, welche ich sehr liebgewonnen habe, auch wenn mich die ein oder andere Figur mit ihren Ansichten und Aussagen genervt hat. Vermissen werde ich sie alle.
Danke liebe Juliana Weinberg für dieses großartige, lehrreiche und unvergessliche Lese-Erlebnis.

Fazit: Voller verschiedener und breitgefächerten Emotionen bildet dieser Band einen gelungenen und wunderbaren Abschluss einer Buchreihe, die mich ab dem ersten Band mit jeder Figur und jeder Geschichte überzeugt hat. Absolut lesenswert und eine ganz große Empfehlung.

*Ich habe für diese Rezension vom Verlag oder von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„Die Bodensee-Saga – Töchter eines neuen Morgens“

von Maria Nikolai

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 01. August 2023 eBook, 30. August 2023 Taschenbuch
Verlag: Penguin
Ausgaben: ebook & Taschenbuch
ISBN: 978-3328107613
Seitenanzahl: 608 Seiten
Preis: 12,00€
Reihe: „Die Bodensee-Saga/03“

Homepage:
https://www.penguin.de/Taschenbuch/Toechter-eines-neuen-Morgens/Maria-Nikolai/Penguin/e586522.rhd (Homepage Verlag)
https://www.marianikolai.de/#bodenseesaga-1
(Homepage Autorin)

Klappentext:
„München und Meersburg 1927: Schon seit ihrer Kindheit am idyllischen Bodensee weiß Katharina, dass ihr Herz der Medizin gehört. Nachdem sie den ersehnten Studienplatz in München erhalten hat, widmet sie sich mit besonderer Hingabe der Frauenheilkunde. Doch als Frau hat sie es an der Universität nicht leicht und muss gegen die konservativen Widerstände und unerbittlichen Moralvorstellungen ihrer Zeit kämpfen. Bei ihrer Arbeit lernt Katharina den charmanten Arzt Thomas von Bogen kennen, der neben seiner angesehenen Privatpraxis auch eine Praxis für mittellose Patienten führt, und die beiden kommen sich näher. Als Katharina fälschlicherweise einer Straftat beschuldigt wird, hängt nicht nur ihre berufliche Zukunft am seidenen Faden, sondern auch ihre Liebe zu Thomas.“

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Penguin Verlag als Rezensionsexemplar (eBook) zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.
– Hier findet ihr meine ausführliche Rezension zum ersten Band „Die Bodensee-Saga – Töchter der Hoffnung“ und zum zweiten Band „Die Bodensee-Saga – Töchter des Glücks“.

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Das Buch „Töchter eines neuen Morgens“ von Maria Nikolai ist der dritte und abschließende Band der Reihe „Die Bodensee-Saga“, welcher im von 1927 bis August 1928 zum größten Teil in München spielt und zeigt, wie Katharina während ihres Medizinstudiums gegen konservative Widerstände und eine bittere Intrige kämpft.

„» … Man verbietet uns den Mund, ich erlebe es täglich. Und warum? Weil es die Gleichstellung der Geschlechter nur auf dem Papier gibt. Wir dürfen wählen. Immerhin. Aber sonst? Uns gehört nichts. Nicht unser Vermögen, nicht unsere Kinder, nicht unser Körper, nicht unsere Zukunft. Alles wird von Männern beherrscht.«“

[Kapitel 54]

München im Oktober 1927, Katharina könnte nicht glücklicher sein: Sie studiert in der pulsierenden Stadt Medizin, ihre Leidenschaft ist die Frauenheilkunde. Sie erhält von ihrem Professor immer wieder Anerkennung für ihr Wissen und ihre Auffassungsgabe – damit zieht sie den Neid und den Missmut eines männlichen Kommilitonen auf sich. Doch auch in der Gesellschaft sieht man studierende Frauen nicht gerne und Katharina muss gegen die rückständigen Wertemaßstäbe ihrer Zeit kämpfen.
In ihrem aufregenden Leben hat ein Mann keinen Platz, doch dann lernt sie den Arzt Thomas von Bogen kennen, welcher sie bittet, in seiner Armenpraxis mitzuarbeiten. Die Beiden kommen sich näher, doch dann ist Katharina einer Intrige ausgesetzt, welche ihre gesamte berufliche Zukunft und die Liebe zu Thomas gefährdet.

Seit ihrem Buch „Die Schokoladenvilla“, welches im Jahr 2018 erschienen ist, begleitet mich Maria Nikolai mit ihren wundervollen und zauberhaften Buchreihen. Nach „Die Schokoladen-Villa – Goldene Jahre“ (2019) und „Die Schokoladen-Villa – Zeit des Schicksals“ (2020) erschien 2021 der Auftakt ihrer ‚Bodensee-Saga‘: „Töchter der Hoffnung“. Dieser und auch der zweite Band „Töchter des Glücks“ (2022), konnten mich voll und ganz begeistern und bestens unterhalten. Die Bodensee-Region übt auf mich schon immer einen ganz besonderen Reiz aus und ich verbrachte dort schon einige unvergessliche Urlaube.
Mit großer Vorfreude und auch einem Stück Ungeduld fieberte ich dem finalen Band „Töchter eines neuen Morgens“ entgegen und freute mich sehr, als ich diesen als Rezensionsexemplar (eBook) vom Penguin Verlag zugesendet bekommen habe. An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an den Verlag und an Maria Nikolai.

Das Cover des dritten Bandes passt hervorragend zu den vorherigen zwei Bänden:
Es zeigt eine junge Frau, bekleidet mit einem hellblauen gemusterten Rock und einer weißen Bluse. Über ihre Unterarme hat sie ein oranges Tuch geschlungen, zudem trägt sie eine braune Tasche, welche an eine Arzttasche erinnert. Sie steht am linken Bildrand und mit dem Rücken zum Betrachter, ihr Blick geht über einen See, hin zu einem herrschaftlichen Gebäude, welches sich hinter dem See erhebt. Der See und auch das Gebäude sind bereits bekannte Elemente von den Covern des ersten und zweiten Bandes.

Während das Cover des ersten Bandes sehr frühlings- und sommerhaft daher kommt, zeigt das Cover des zweiten Bandes den See als Winterlandschaft. Der dritte Band wirkt von den Farben der Bäume im Hintergrund und auch durch die Kleidung der jungen Frau sehr herbstlich.
Die in geprägter und goldfarbener Schrift aufgetragenen Titel und der darüber stehende Name der Autorin sorgen für einen gelungenen Wiedererkennungswert der Buchreihe.
Da ich das Buch als eBook gelesen habe, kann ich an dieser Stelle nicht die Ausstattung des Taschenbuchs beschreiben. Diese Beschreibungen füge ich nachträglich ein, sobald das Taschenbuch bei mir eingezogen ist.

Der erzählende Teil des Buches gliedert sich in 62 Kapitel und in diese vier Teile auf:

  • „Teil 1: Hohe Erwartungen“
  • „Teil 2: Verhängnisvoller Mut“
  • „Teil 3: Gebrochene Flügel“
  • „Teil 4: Ein neuer Morgen“

Nach einem Zitat von Rainer Maria Rilke beginnt die Handlung mit einem Prolog, welcher in Meersburg im April 1911 spielt. Durch diesen sehr rührenden Prolog, bei dem mir direkt die Tränen in den Augen standen, lernt der Leser/ die Leserin Katharina als junges Mädchen kennen und es wird klar, dass sie dafür geboren wurde, anderen Lebewesen zu helfen. Das erste Kapitel setzt dann 16 Jahre nach dem Prolog, also im Oktober 1927 an. Aus Katharina und ihren beiden Schwestern sind junge Frauen geworden, welche ihren Platz im Leben gefunden haben.
Das 62. und damit letzte Kapitel spielt im August 1928, somit umfasst die gesamte Handlung des Buches (ohne Prolog und Epilog) etwas weniger als ein Jahr. Der Epilog fasst dann einige der Ereignisse, welche nach Ende der Handlung passieren, kurz und bündig zusammen.
Dem erzählenden Teil folgt der Anhang: Hier findet sich das ausführliche Personenverzeichnis, die historischen Romanhintergründe, das Glossar und der Dank der Autorin. Vor allem die ausführlich aufbereitenden historischen Romanhintergründe fand ich sehr interessant.
Die Handlung des Buches setzt etwa sieben Jahre nach dem Ende des zweiten Bandes an. Trotz dieses Zeitsprungs fand ich mich schnell wieder in der Geschichte zurecht und konnte auch den vielen Figuren wieder gut folgen. Meiner Meinung nach ist es nicht unbedingt erforderlich, dass man die ersten beiden Bände vorher gelesen hat. Allerdings empfehle ich trotzdem, dass man diese gelesen hat, da man die Begebenheiten, die Figuren und ihr Verhalten/ ihre Entwicklung besser zuordnen und verstehen kann.

„Aber Hilfe zu suchen und anzunehmen war Katharina schon immer schwergefallen. Sie regelte die Dinge lieber selbst.“

[Kapitel 41]

Der Blick in das Personenregister zeigt, dass auch in diesem Band wieder einige Figuren mitspielen. Viele von ihnen sind aus dem ersten und zweiten Band bekannt, es kommen aber auch einige neue Figuren hinzu. Neben den fiktiven Figuren haben auch einige historische Persönlichkeiten den Weg in die Geschichte gefunden.
Im Mittelpunkt der Handlung steht die 26 jährige Katharina. Sie ist die jüngste der drei Lindner-Schwestern und ihre große Leidenschaft ist die Medizin – für sie gibt es nichts Schöneres, als anderen zu helfen. Doch so gerne sie anderen Menschen hilft, umso schwerer fällt es ihr Hilfe anzunehmen.
Katharina besitzt einen sehr sanftmütigen und ruhigen, aber auch entschlossenen und starken Charakter. Sie erkennt Unrecht und versucht gegen dieses vorzugehen, dabei verliert sie aber niemals ihr Ziel aus den Augen: Sie möchte Ärztin werden. Eine Beziehung mit einem Mann, eine eigene Familie und Kinder haben in ihren Plänen keinen Platz. Mit dem bedingungslosen Rückhalt ihrer Familie in Meersburg und ihren Freundinnen Lola, Zara und Eva, findet sie sich schnell in München und in ihrem Studium ein. Neben ihren Freundinnen, welche alle künstlerisch aktiv sind und auch das Nachtleben von München genießen, wirkt Katharina oft sehr diszipliniert und streng mit sich selbst. Katharina ist eine Figur, die ich schon in den ersten beiden Bänden sehr gerne mochte. Ihre Entwicklung von einem jungen Mädchen zu einer erwachsenen Frau ist sehr authentisch dargestellt und ihre mitreißende Geschichte wird mir mit Sicherheit noch lange im Gedächtnis bleiben.
Katharinas Schwestern Helena und Lily und deren Familien, ihr Vater Gustav spielen etwas am Rande der Geschichte mit und trotzdem sind diese liebgewonnen Figuren in der Geschichte sehr gegenwärtig und immer für Katharina da.
Auch meine Lieblingsfigur Pater Fidelis ist wieder ein Teil dieser Geschichte. Wie schon in den ersten beiden Teilen bringt er mit seiner lockeren Art und seinen Sprüchen viel Leichtigkeit, aber auch Tiefgründigkeit – vor allem aber Wärme in die Geschichte.
Zu den bereits bekannten Figuren kommt unter anderen Thomas von Bogen neu hinzu. Von Beginn umweht ihn etwas geheimnisvolles – dadurch wirkt er sehr undurchsichtig. Er hat das Herz am richtigen Fleck und kümmert sich in zwei Praxen um die gesundheitlichen Belange der Menschen: In einer Privatpraxis für die reichen Menschen und in einer Armenpraxis. Die Liebesgeschichte zwischen Katharina und Thomas darf sich langsam entwickeln, damit wurde dieser genügend Zeit und Raum gegeben, sich zu entfalten und kommt dadurch sehr authentisch rüber, ohne kitschig zu wirken.
Ich möchte noch kurz auf eine weitere Figur eingehen, welche mir mit ihrer hilfsbereiten und herzensguten Art und ihrem fortschrittlichen Denken sehr positiv im Gedächtnis bleiben wird: Rosina Gruber. Sie ist eine vermögende Witwe und die Zimmerwirtin von Eva und Zara. Ein ganz wunderbarer und unvergesslicher Charakter.
Auch die vielen weiteren fiktiven Figuren konnten mich mit ihren unterschiedlichen Lebensgeschichten sehr begeistern. Sie alle haben ihre Gründe, wie und warum sie zu den Menschen geworden sind, die sie sind – auch die weniger sympathischen Charaktere unter ihnen.
Neben diesen fiktiven Figuren hat Maria Nikolai auch einige historische Figuren in ihre Geschichte eingebaut. Gekonnt verbindet sie diese mit ihren fiktiven Figuren und deren Schicksalen. All diese fiktiven und historischen Figuren haben ihre Ecken und Kanten, agieren mitunter unvorhergesehen und wirken sie sehr authentisch und auf keiner Seite überzeichnet. Zudem waren die Tragik, die Spannungen, Zerwürfnisse und Differenzen zwischen einigen der Figuren stets fassbar, vor allem aber fühl- und spürbar.
Zusammen geben all diese Figuren ein gutes und stimmiges Bild der Gesellschaft der 1920er Jahre ab.

„Ein Jammer, wie vielen jungen Männern der Krieg die Zukunft gestohlen hatte. Eine ganze Generation war ausgedünnt. Diejenigen, die überlebt hatten, schleppten Wunden und Traumata mit sich und fanden nicht mehr zurück ins Leben.“

[Kapitel 16]

Es war eine Gesellschaft, welche noch immer vom Ersten Weltkrieg (1914 – 1918) geprägt war, aber auch von heftigen Gegensätzen und Aufbruchstimmung:
Während ehemalige und versehrte Soldaten versuchten zurück ins Leben zu finden, pulsierte in den Großstädten der Weimarer Republik das Leben. Die ‚Goldenen Zwanziger‘ waren im vollen Gange – die Menschen wollten den Krieg und die Hyperinflation im Jahre 1923 vergessen. Doch die Weimarer Republik stand von Beginn auf wackligen Füßen und hatte schon früh das Vertrauen der Menschen verloren. Durch die Zuweisung der Alleinschuld am Ersten Weltkrieg und die daraus resultierenden hohen Reparationszahlungen, sowie die Arbeitslosigkeit und die bittere Armut in vielen Vierteln großer Städte nahmen den Menschen den Glauben an die Demokratie.

„»Frauen, die studieren, werden heute noch schief angesehen. Damals sprengten sie jede Vorstellung. Und auch für uns ist es fraglich, ob wir einmal in unserem Beruf werden arbeiten können. Oder als studierte Mutter und Hausfrau enden.«“

[Kapitel 12]

Gespalten wurde die Gesellschaft auch von den Gleichberechtigung-Bestrebungen der Frauen. Zwar stellte die Verfassung der Weimarer Republik Frauen und Männer dem Gesetz nach gleich – dennoch war die Zeit aus frauenhistorischer Sicht eher durch Kontinuitäten als durch Brüche und Neuanfänge gekennzeichnet. 
Zwar konnten viele Frauen einerseits ein freieres Leben führen, zum Beispiel Berufe ergreifen, lockere Kleidung tragen, wählen gehen und auch Freizeitaktivitäten nachgehen, vieles wurde aber noch immer unterdrückt. Wenn eine Frau heiratete, war sie ihrem Ehemann unterstellt. Bis 1958 konnte ein Ehemann über das Dienstverhältnis seiner Frau entscheiden – das heißt, es lag bei ihm, ob sie arbeiten durfte und wenn er seine Meinung ändern sollte, konnte er auch jederzeit das Arbeitsverhältnis seiner Frau kündigen. Auch das änderte sich erst mit dem Gleichberechtigungsgesetz von 1958. Aber: Noch bis 1977 durfte eine Frau in Westdeutschland nur dann berufstätig sein, wenn das “mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar” war. Aufgaben im Haushalt und in der Kindererziehung waren also klar der Frau zugeordnet.
In Bayern durften Frauen ab dem Jahr 1903 studieren – allerdings waren diese oft dem Unmut der männlichen Kommilitonen und Professoren ausgesetzt. Oft wurde Frauen ein Studium geistig nicht zugetraut. Doch die Zahlen der studierenden Frauen in Deutschland nahm kontinuierlich zu: Waren es im Jahr 1909 insgesamt 1.477 studierende Frauen, waren es im Jahr 1927 bereits 10.336 Frauen.
(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Frauenstudium_im_deutschen_Sprachraum#Deutsches_Reich)

„»Diese ganze Thematik ist vielschichtig. (…) Das ist mir in den letzten Wochen klar geworden. Es geht um Pfründe, es geht um Macht, es geht um den Erhalt einer überkommenen Ordnung. In der Verfassung sind wir den Männern seit neunzehnneunzehn gleichgestellt, aber sonst? Man muss nur einmal das Familienrecht anschauen. Meine Schwester Lilly hat am eigenen Leib erlebt, was es heißt, dass der Mann vollkommene Verfügungsgewalt besitzt.«“

[Kapitel 12]


Eine weitere Thematik in „Die Bodensee-Saga – Töchter eines neuen Morgens“ sind die Schwangerschaftsabbrüche. Die Paragrafen 218 und 219 des Preußischen Reichsparagrafengesetzbuch von 1871 legte die Strafen für vorsätzliche Abtreibungen fest. Erst 1926 wurde der als Verbrechen geahndete Abbruch zu einem Vergehen abgemildert. Das hieß, dass die bis dahin geltende Zuchthausstrafe durch eine Gefängnisstrafe ersetzt wurde.
Noch heute tobt die Diskussion und der Kampf der Abtreibungsgegner und der Befürworter. Es ist ein sehr sensibles Thema, welches Maria Nikolai sehr behutsam darstellt und von verschiedenen Standpunkten aus beleuchtet, ohne dem Leser/ der Leserin in eine Richtung zu weisen.

„Hart war dagegen die Erkenntnis, welch festen Platz Abtreibungen in der Geburtenregelung einnahmen. Und dass gegen die Verzweiflung der Frauen kein Strafgesetzbuch ankam.“

[Kapitel 8]

All diese vielen gesellschaftlichen und historischen Hintergründe stellt Maria Nikolai anhand ihrer vielfältigen Figuren und deren Schicksalen und Handlungen sehr anschaulich da. So wird große Geschichte spür- und greifbar. Maria Nikolai hat diese Hintergründe sehr akribisch recherchiert und vermittelt diese mit viel Kenntnis und großer Leidenschaft. Durch die Zusammenstellung der historischen Romanhintergründe am Ende des Buches wird ersichtlich, was Maria Nikolai alles recherchiert hat.
Das Buch spielt zum größten Teil in München, dadurch rückt die Bodenseeregion und die Stadt Meersburg etwas in den Hintergrund. Für Katharina, deren gesamte Familie nach wie vor in Meersburg lebt, bedeutet der Bodensee aber auch immer Heimat und bietet ihr ein Stück Geborgenheit und einen Rückzugsort.

„Dann ging sie ins Wasser und überließ sich den Wellen. Nichts denken, nichts fühlen.
Nur sie und der See.“

[Kapitel 53]

Die Handlung des Buches, welche chronologisch erzählt wird, umspannt insgesamt etwas weniger als ein Jahr. Teilweise wurde es so spannend und dramatisch, dass ich den eBook-Reader nur noch ungern aus den Händen gelegt habe und die über 600 Seiten nur so dahin flogen. Es ist eine Geschichte, in der ich mich wohl gefühlt habe.
Auch der sehr gefühlvolle, emotionale und bildgewaltige Sprachstil der Autorin sorgten für pures Kopfkino und beste Unterhaltung und es kam auf keiner Seite Langeweile auf.

Mit diesem Band endet eine Buchreihe, welche mich seit zwei Jahren begleitet hat. Es schwingt natürlich auch Wehmut mit, die Tür hinter sich zu schließen und damit die Geschichte und die wundervollen Charaktere zurückzulassen, jedoch bin ich dankbar, dass ich diese Geschichte lesen durfte und die Figuren kennengelernt habe, welche für immer in meinem Leseherz bleiben werden. Ich bin gespannt, zu welchen neuen Abenteuern uns Maria Nikolai wieder mitnehmen wird.
Danke liebe Maria Nikolai für das erneute gefühlvolle, spannungsgeladene und vollkommene Lesevergnügen.
Beschließen möchte ich diese Rezension mit einem Zitat von Pater Fidelis:

„»So wollen wir alles, das was gewesen ist, als Erinnerung stehen lassen. Des Schöne, des Schlechte. Und das, was kommt mit Freude erwarten.«“

[Kapitel 15]

Fazit: Das Buch „Die Bodensee-Saga – Töchter eines neuen Morgens“ von Maria Nikolai ist der spannungsgeladene Abschluss einer wunderbaren Buchreihe, welche mit authentischen Charakteren, dem bildhaften Sprachstil und den vielen Emotionen sehr berührt und bewegt hat.
Es ist eine Geschichte, die ich eingeatmet habe und somit ist dieses Buch ein perfektes Leseerlebnis der Super-Klasse.

*Ich habe für diese Rezension vom Verlag oder von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„Die Köchin – Alte Hoffnung, neue Wege“

von Petra Durst-Benning

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 20. September 2023
Verlag: Blanvalet
Ausgaben: Hardcover
ISBN: 978-3-7645-0788-6
Seitenanzahl: 544 Seiten
Preis: 22,00€
Reihe: „Die Köchin 02/03“

Homepage:
https://www.penguin.de/Buch/Alte-Hoffnung-neue-Wege/Petra-Durst-Benning/Blanvalet/e593841.rhd

Klappentext:
„Südfrankreich 1888. Fabienne Durant glaubt an sich und ihren großen Traum. Schon bald will sie im eigenen Restaurant für anspruchsvolle Gäste kochen. Und so kämpft sie entschlossen um ihren Platz in der von Männern beherrschten Spitzengastronomie. In dem begabten Koch Noé findet sie einen wichtigen Mentor, der sie zu immer neuen Höchstleistungen anspornt. Doch obwohl sich alles zum Besten zu entwickeln scheint, kann Fabienne eins nicht vergessen: die Sehnsucht nach ihrem Sohn, der als Baby spurlos verschwand. Noch ahnt sie nicht, wie nah ihr das geliebte Kind ist – und welchen Preis das Schicksal von ihr für die Chance auf ein Wiedersehen fordern wird …

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Blanvalet Verlag als vorzeitiges und persönliches Leseexemplar in unkorrigierter Fassung zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und/ oder vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.
Hier findet ihr meine ausführliche Rezension zum ersten Band „Die Köchin – Lebe deinen Traum“.
– Solltet ihr den ersten Band noch nicht gelesen haben, wollt diesen aber lesen, dann diese Rezension bitte nicht lesen, da ihr euch sonst spoilern könntet.

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Das Buch „Die Köchin – Alte Hoffnung, neue Wege“ ist der zweite Band der Reihe um die junge Fabienne, welche im ausgehenden 19. Jahrhundert in Südfrankreich versucht, sich ihren Traum eines eigenen Restaurants zu verwirklichen und auch um ihr privates Glück kämpfen muss.

„»Mir macht die Arbeit einfach Spaß! Köchin in einem Restaurant zu sein war mein großer Traum, das weißt du ganz genau.«“

[Seite 183]

Narbonne in Südfrankreich im Januar 1888: Nach der Hochzeit mit Yves scheint Fabienne endlich auch ihr privates Glück gefunden zu haben. Die beiden richten sich ihr Leben ein und finden Arbeit in einem Restaurant. Während Yves im Service seine Erfüllung findet, muss Fabienne sich als Küchenmädchen den arroganten Köchen in der Restaurantküche stellen – eine Arbeit, welche sie immer unglücklicher macht und auch unterfordert. Durch einen Zufall entdeckt sie in einem anderen Restaurant, welches etwas weiter von ihrer Wohnung entfernt liegt, eine Stellenausschreibung, in der ein Koch gesucht wird. Fabienne nimmt allen ihren Mut zusammen und lässt sich auf einen Einstellungstest ein.
Der dortige Küchenchef Noé Sousa kommt ihr bekannt vor und schon bald steht Fabiennes Leben völlig auf dem Kopf. Für welchen Weg wird sich Fabienne entscheiden?

Petra Durst-Benning und ihre einzigartigen Bücher begleiten mich mittlerweile schon seit fast 15 Jahren und haben mich als Leserin in dieser Zeit sehr geprägt. Immer wieder schafft sie es, mich mit interessanten Themen, historischen Figuren/ Hintergründen und wunderbaren Schauplätzen zu begeistern und mich auf wundervolle Reisen zwischen zwei Buchdeckeln mitzunehmen.
Ich habe jeden ihrer Romane mit großer Begeisterung gelesen und freute mich schon sehr, als sie Anfang des Jahres 2022 ihr neues Buch „Die Köchin – Lebe deinen Traum“ ankündigte. Nicht nur die Handlung und das interessante Thema weckten mein Interesse, sondern auch der Handlungsort Canal du Midi – an diesem magischen Ort verbrachte ich als Kind und Jugendliche einige unvergessliche Urlaube mit meiner Familie.
Bereits nach Beendigung des ersten Bandes freute ich mich schon auf den zweiten Band der Reihe, welcher für den Herbst 2023 angekündigt wurde. Freundlicherweise bekam ich das Buch als vorzeitiges und persönliches Leseexemplar in unkorrigierter Fassung zugesendet und konnte so schon früher auf die gedankliche Reise gehen und Fabienne wieder treffen – an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an den Blanvalet Verlag und an die Autorin.

Das Cover des hier vorliegenden zweiten Bandes passt sehr gut zum ersten Band, auch wenn das Cover und der Titel an die Taschenbuchausgabe des ersten Bandes, welche im August 2023 erscheinen wird, angepasst wurden.

Im Vordergrund steht eine junge Frau, welche zum Betrachter steht und eine gelbe Bluse und einen blauen Rock trägt. Ihr versonnener Blick geht nach links, ihre beiden Hände liegen vorne am Körper und berühren sich leicht. Im Hintergrund erhebt sich eine typische südfranzösische Stadt: Zwei- bis dreigeschossige sandfarbene Steinhäuser mit flachen Dächern und hellblauen Fensterläden, viele Pflanzen dazwischen und das Spiel des Sonnenlichts sorgen für den unverwechselbaren südfranzösischen Flair. Die Frau scheint auf einem Platz oder einem Hof zu stehen, hinter ihr ist ein Brunnen zu sehen.
Der abgesetzte Titel und Untertitel des Buches stehen über dieser Szenerie, darüber der Name der Autorin.

Da ich das Buch als Leseexemplar in unkorrigierter Fassung bekommen habe, und dieses nicht der endgültigen Fassung entspricht, kann ich diese nicht beschreiben. Klar ist aber, dass auch dieser Band wieder als hochwertiges Hardcover auf den Markt kommen wird.
Nach einem Zitat von Leonardo da Vinci, beginnt das Buch mit einem Vorwort der Autorin, in welchem sie auf die Handlung und die Figuren des vorherigen Bandes eingeht. Dieses Vorwort weckt direkt die Lust und die Spannung auf die Geschichte und ich fühlte mich direkt wieder in der Geschichte angekommen.
Nach diesem stimmungsvollen Vorwort beginnt die chronologisch erzählte Handlung, welche mit dem ersten Kapitel im Januar 1888 in der südfranzösischen Stadt Narbonne ansetzt. An das 48. und letzte Kapitel schließen sich die ‚Anmerkungen‘ der Autorin und ein Rezepte-Teil an, welcher mit liebevoll ausgewählten Rezepten zum genussvollen Nachkochen einlädt.

„»(…) Wen interessiert es, wo ein Mensch herkommt? (…) Liegt es nicht an jedem selbst, etwas aus seinem Leben zu machen?«“

[Seite 159]

Wie bereits im ersten Band steht auch in diesem zweiten Band die Köchin Fabienne im Mittelpunkt der Geschichte. Während sie zu Beginn des ersten Bandes ein junges und stellenweise etwas leichtgläubiges Mädchen ist, ist sie in diesem Band eine junge erwachsene Frau, die genau weiß, was sie beruflich erreichen möchte: Sie will als Köchin in einer Restaurantküche arbeiten – für die Erfüllung dieses Lebensziels ist sie bereit, alles zu geben.
Fabienne erfährt auf ihrem Weg immer wieder herbe Rückschläge, wodurch sie ins Straucheln gerät, doch sie gibt sich und ihr großes Ziel nicht auf.
Privat ist Fabienne von einem schweren Verlust gezeichnet, welchen sie noch immer nicht überwunden hat und auch die Hoffnung nicht aufgeben möchte.
Mit ihrer offenen, warmherzigen, zurücknehmenden und gleichzeitig kämpferischen Art konnte mich Fabienne schnell wieder für sich gewinnen, auch wenn Fabienne vieles mit sich selbst aus macht.

„Und so tat Fabie, was sie ihr Leben lang getan hatte: Sie machte die Dinge mit sich selbst aus.“

[Seite 223]

Fabiennes Freundin Stéphanie steht auch in diesem Band der Geschichte neben Fabienne. Diese undurchsichtige, rätselhafte Figur, machte es mir bereits im ersten Band nicht sehr leicht, sie zu mögen und als sympathisch zu empfinden. Auch wenn sie ihre Gründe hat, warum sie zu solch einer Frau geworden ist, konnte ich mich sehr schwer mit ihrer teils sehr egoistischen Art identifizieren. Trotzdem lebt diese Geschichte auch mit ihr und ihrer äußerst ambivalenten Art – auch wenn ich das ein oder andere mal wegen ihren Verhaltens den Kopf schütteln musste.
An Fabiennes direkter Seite ist Yves – der Mann, mit dem Fabienne endlich ihr privates Glück gefunden zu haben scheint. Er ist ein freundlicher und liebevoller Charakter, welchen ich bereits im ersten Band sehr ins Herz geschlossen habe.
Neben diesen drei Figuren spielen noch eine Vielzahl an weiteren Charakteren große und kleine Rollen. Auf diese möchte ich nicht zu detailliert eingehen, da ich sonst zu viel von der Handlung vorwegnehme.
Vor allem Fabiennes Familie, hauptsächlich ihre Schwestern und auch Fabiennes Sohn, stehen im Vordergrund. All diese Charaktere haben Ecken und Kanten und agieren auch unvorhergesehen und von außen betrachtet ungerecht – dadurch wirken sie sehr authentisch und lebensecht und auf keiner Seite überzeichnet. Auch die Tragik, die Spannungen, Zerwürfnisse und Differenzen zwischen einigen der Figuren waren stets fassbar, vor allem aber fühlbar.
Petra Durst-Benning schafft mit ihren vielen und vielfältigen Figuren ein sehr lebhaftes und stimmiges Bild der Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

„»(…) Manchmal muss man einfach beweisen, dass das vermeintlich Unmögliche doch möglich ist! Und ich wollte allen beweisen , dass ich als Frau genauso gut kochen kann wie ein Mann.«“

[Seiten 300/ 301]

Den geschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergrund von „Die Köchin – Alte Hoffnung, neue Wege“ bildet das ausgehende 19. Jahrhundert in Südfrankreich:
Frauen haben in dieser Gesellschaft noch immer nicht viel zu sagen. Zwar dürfen Frauen in den Küchen der Herrenhäusern als Köchinnen arbeiten, in Restaurants wird ihnen dieser Beruf aber nicht zugetraut. In den Restaurantküchen regieren, wie in vielen anderen Bereichen auch, die Männer. Doch auch hier gab es Ausnahmen: Einzig in Lyon gab es ‚Les mères lyonnaises – Die Mütter Lyons‘. Dies waren Frauen, welche sich aus ihrer finanziellen Not mit der Eröffnung eines eigenen Restaurants befreit und sich gegenseitig unterstützt und geholfen haben. Mit diesen mutigen und kämpferischen Frauen kam Fabienne im ersten Band in Kontakt – Verbindungen welche noch immer da sind und Fabienne nach wie vor prägen.
Mitunter machten mich die Bemerkungen und auch das ungerechte Verhalten der Männer gegenüber Fabienne fassungslos und auch ein Stück weit wütend.

„»Eine Köchin? Gibt es so was überhaupt?« fragte einer der Herren.“

[Seite 195]

Ein weiteres Thema, welches am Rande erscheint, aber wahrscheinlich im dritten Band noch ausgebaut wird, ist die Entstehung der Restaurant-Führer (Restaurant-Bewertungen) und damit auch die Sterne-Küche.
Auch die wechselvolle Geschichte des Canal du Midi (‚Kanal des Südens‘) spielt in diesem Band wieder eine große Rolle. Als im 17. Jahrhundert mit dem Bau begonnen wurde, verband er das Mittelmeer mit der Stadt Toulouse und sorgte dafür, dass frische und verderbliche Waren schneller ans Ziel kamen. Zu Beginn des ersten Bandes hat der Canal du Midi bereits vieles von seinem eigentlichen Nutzen verloren – eine Entwicklung, welche sich auch im zweiten Band fortsetzt. Die Waren werden nun häufig mit der Eisenbahn durchs Land geschickt, was schneller geht, jedoch auch die Arbeitsplätze der ‚gens de l‘eau’ – den Wassermenschen‘ gefährdet.
In der heutigen Zeit ist der Canal du Midi eine touristische Attraktion und Sehenswürdigkeit und fördert damit die Wirtschaft der Region. Er wird mit Sport- und Hausbooten befahren und gehört seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Aus persönlicher Erfahrung kann ich euch diesen magischen Kanal und die malerische Umgebung dort sehr empfehlen. Unzählige Urlaube verbrachte ich dort und spazierte immer an den Ufern des Kanals entlang. Es ist ein Ort, an dem man die Zeit und alle Sorgen und Nöte vergessen kann.
Mit absoluter Leichtigkeit vermittelt Petra Durst-Benning historische Daten und Fakten über die Regionen am Canal du Midi, über Narbonne und Marseille und erzählt von den Bewohnern und deren vielfältigen Lebensweisen.
Auch die gesellschaftlichen und geschichtlichen Hintergründe hat Petra Durst-Benning wunderbar recherchiert und verwebt diese Fakten gekonnt mit den Lebensgeschichten ihrer fiktiven Figuren.
Mit ihrem wunderbar leichten und bildhaften Sprachstil konnte mich Petra Durst-Benning ab der ersten Seite wieder mit in die Geschichte nehmen und mich bis zum Ende festhalten.
Zum Beispiel wird der Besuch an einem Strand am französischen Mittelmeer so wunderschön beschrieben, dass ich direkt großes Fernweh nach diesem Ort verspürte.

„Das beruhigende und gleichzeitig so belebende Geräusch der Brandung klang wie die schönste Musik in Fabiennes Ohren. Der würzige Geruch von Meersalz, Tang und angeschwemmtem Treibholz – das war für sie Fabienne der Duft der Freiheit.“

[Seite 260]

Die Handlung knüpft ziemlich direkt an das Ende des ersten Bandes an. Meiner Meinung nach ist es nicht unbedingt erforderlich, dass man den ersten Band kennt, allerdings empfehle ich trotzdem, dass man den ersten Band bereits gelesen hat, da man die Begebenheiten, Figuren und ihr Verhalten/ ihre Entwicklung besser zuordnen und verstehen kann.
Wunderbar und sehr genussvoll sind die vielen Szenen, in denen gekocht wird. Hier merkt man einfach, wie sehr Petra Durst-Benning die französische Küche liebt und auch, wie leidenschaftlich und akribisch sie recherchiert hat. Es ist eine Geschichte, bei der man während des Lesens einen ständigen Appetit verspürt und die mit Liebe und Herzblut geschrieben wurde.

Danke liebe Petra Durst-Benning für dieses energiereiche und wunderschöne Lese-Erlebnis. Auch wenn den Reise von Fabienne noch nicht abgeschlossen ist, klappe ich das Buch mit einem guten Gefühl zu und freue mich auf ein Wiedersehen mit den liebgewonnen Charakteren im Sommer 2024 und bin so gespannt, wie sich dann im finalen Band alles finden wird.

„»Im tiefsten Inneren ist jede eine Rebellin, auch wenn nicht alle das, was in ihnen steckt, ausleben dürfen.«“

[Seite 370]

Fazit: Das Buch „Die Köchin – Alte Hoffnung, neue Wege“ ist der sehr gelungene und lesenswerte zweite Teil der Trilogie um die Köchin Fabienne.
Mit viel Flair, geschichtlichen Wissen und interessanten Einblicken in die Welt des Kochens nimmt uns Petra Durst-Benning mit auf eine gedankliche kulinarische Urlaubsreise.
Ich freue mich schon so sehr auf den nächsten Besuch bei Fabienne im Sommer 2024.

* Ich habe für diese Rezension von der Autorin und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Bereitstellung eines kostenlosen Rezensionsexemplars durch den Verlag, der Titelbezeichnung/ Namensnennung und der Link zur Verlagshomepage muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„Kornblumenzeit – Eine ostpreußische Familiengeschichte“

von Simona Wernicke

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 12. Juli 2023
Verlag: Gmeiner
Ausgaben: Paperback & eBook
ISBN: 978-3-8392-0488-7
Seitenanzahl: 508 Seiten
Preis: Paperback 18,00€

Homepage:
https://www.gmeiner-verlag.de/buecher/titel/kornblumenzeit.html

Klappentext:
Ostpreußen 1928. Die junge Käthe verliebt sich in Carl, einen angehenden Bäckermeister mit eigenem Geschäft. Nach der Hochzeit werden ihre Kinder geboren, es folgen arbeitsame und glückliche Jahre in Locken. Doch im Januar 1945 nimmt das Schicksal der Familie eine dramatische Wendung, als sie ihre geliebte Heimat Masuren verlassen müssen. Ist die gesundheitlich stark angeschlagene Käthe den Strapazen der Flucht gewachsen, und was wird aus den fünf Kindern, als Carl in Gefangenschaft gerät?

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Gmeiner Verlag, vermittelt durch die Autorin Simona Wernicke, als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.
– Das Copyright der verwendeten Fotos liegt ausschließlich bei Familie Kühnapfel. Diese Fotos dürfen ohne deren Einverständnis nicht kopiert und weiterverwendet werden. Danke an Simona Wernicke für die Möglichkeit, diese Fotos zu nutzen.

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Das Buch „Kornblumenzeit – Eine ostpreußische Familiengeschichte“ von Simona Wernicke ist die als Roman verfasste Familiengeschichte der Autorin und spielt ab dem Jahr 1928 bis 1949 in den ehemaligen deutschen Ostgebieten, vorwiegend Ostpreußen.

1928 in Ostpreußen: Als die junge Käthe und Carl aufeinandertreffen, wissen die Beiden schnell, dass sie füreinander bestimmt sind. Carl, der angehende Bäckermeister soll nach seiner Prüfung den familieneigenen Betrieb im Dorf Locken übernehmen und bietet Käthe nach ihrer Hochzeit ein sicheres – jedoch arbeitsames Leben. Die Familie wächst schnell und es folgen meist glückliche Jahre, welche jedoch von der Machtergreifung der Nationalsozialisten und dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs überschattet werden.
Doch im Januar 1945 verändert sich das Leben der Familie. Die russische Armee steht an der Grenze und es bleibt ihnen nur die Flucht. Vieles muss die Familie zurücklassen und Käthe kämpft zudem mit ihrer äußerst instabilen Gesundheit.
Es werden katastrophale Wochen und Monate, welche der Familie alles abverlangen und nach denen nichts mehr so ist, wie es einmal war.

Ende April 2023 machte mich die mir zu dieser Zeit noch nicht bekannte Autorin Simona Wernicke auf ihren Debütroman „Kornblumenzeit – Eine ostpreußische Familiengeschichte“ aufmerksam. Das wunderschöne Cover und auch der Klappentext weckten sehr schnell mein Interesse an der Geschichte und ich schrieb mir das Buch auf meine Merkliste. Da ein Teil meiner eigenen Familiengeschichte von Flucht und Vertreibung aus dem ehemaligen deutschen Ostgebieten geprägt ist, sind Romane und Geschichten darüber immer von großer Bedeutung für mich. Meine Großmutter selbst konnte und wollte zeitlebens nicht viel darüber erzählen – sie behielt leider vieles, was damals passiert ist, für sich.
Ende Mai fragte die Autorin an, ob ich ihren Roman lesen und rezensieren möchte – natürlich wollte ich das sehr gerne. Am 11. Juli erreichte mich das Buch als Rezensionsexemplar über den Gmeiner Verlag, wofür ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanke.

„Er ging hinüber zum Feld, das nicht bestellt worden war. Nur Mohn- und Kornblumen blühten wie immer.“

[Seite 439]

Das Buch ist eine sehr schön gestaltete Klappbroschur mit 508 Seiten (laut Homepage sind 537 Seiten). Das Cover zeigt eine üppige Blumenwiese mit Mohn und Kornblumen, Blickfang ist ein prächtiger grüner Baum, an dem ein Feldweg vorbeiführt. Hinter der Blumenwiese fließt ein Fluss, dahinter erheben sich grüne Hügel und treffen am Horizont auf einen bewölkten Himmel. Während der blaue Himmel im Vordergrund noch leicht bewölkt wirkt, sammeln sich weiter hinten die Wolken. Der Name der Autorin und der Titel und Untertitel des Buches stehen in passenden Farben auf der vorderen Wolke und es scheint, als schweben diese in den Wolken über die Landschaft.
Das Motiv des Covers wird auf dem Buchrücken und auf der Rückseite aufgenommen und fortgesetzt.
Auf der vorderen Klappe wird der Inhalt des Buches beschrieben. Während das Innere der vorderen Klappe leer geblieben ist, findet sich im Inneren der hinteren Klappe eine Karte des ostpreußischen Gebiets. Leider ist diese etwas unübersichtlich gehalten. Auf der hinteren Klappe wird die Autorin mit einer kurzen Biografie und einem Foto vorgestellt.
Nach der Widmung des Buches („Für meinen Vater und Käthe“) beginnt Teil 1 des Buches „Gute Jahre“, welcher im April 1928 ansetzt, im Januar 1945 endet und aus insgesamt 22 Kapiteln besteht. Auf Seite 334 beginnt dann der zweite Teil „Abschied und Ankunft“, welcher direkt an das letzte Kapitel des ersten Teils ansetzt und insgesamt 11 Kapitel beinhaltet. Das letzte Kapitel gibt die Jahre 1947 bis 1949 wieder – somit umfasst die gesamte und chronologisch erzählte Handlung des Buches etwa 21 sehr bewegte Jahre.
Mit dem sehr interessanten Epilog („Wie es weiterging“) und dem Dank der Autorin endet das Buch.
Ein Personenregister gibt es nicht, welches mir persönlich auch nicht gefehlt hat, da alle Figuren und ihre Geschichten und Hintergründe sehr behutsam eingeführt und beschrieben werden.

„» … Ei, ich wünsche mir die gute alte Zeit zurück. Irgendwie nimmt das alles kein gutes Ende, ich habe so ein mulmiges Gefühl.«“

[Seite 122]

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Käthe und Carl, ihre Kinder und die vielen weiteren realen Familienmitglieder.
Käthe ist zu Beginn der Handlung 21 Jahre alt. Sie und der 25 Jahre alte Carl sind sich schon länger durch die Freundschaft ihrer Väter bekannt, sehen sich aber nur in unregelmäßigen Zeitabständen. Beide erkennen im Jahr 1928, dass aus dem einstigen Kindern anziehende Erwachsene geworden sind.

Hochzeitsbild von Käthe und Carl

„Er war ein kräftiger, gut aussehender junger Mann von 25 Jahren, gut gebaut mit einem glatt rasierten Gesicht, Lachfältchen um die Augen. Das blonde Haar trug er nach der neusten Mode an den Seiten raspelkurz und oben zu einer kurzen Tolle seitwärts glatt gekämmt. Carl hatte freundliche, gütige Augen und einen schmallippigen Mund. Sein Gesicht drückte Forschheit und Willensstärke aus.
(…)
War das das kleine Käthchen, das vor fünf Jahren noch ein Backfisch mit streng gescheiteltem Haar und langen geflochtenen Zöpfen war? Diese schöne junge Frau mit dem verschmitzten und doch so bescheidenen Lächeln?“

[Seiten 17/ 18 und 19]

Von Beginn an spürte ich die tiefe Verbundenheit zwischen Käthe und Carl. Was mit einem leichten Knistern zwischen den Beiden beginnt, endet in einer Ehe, welche von einer tiefen Liebe zueinander und großen Respekt voreinander geprägt ist. Ich schloss die beiden Charaktere sehr schnell in mein Herz und werde deren mitreißende und ergreifende Geschichte nicht mehr vergessen.
Käthe ist eine bescheidene und gutherzige Frau. Ihr ergeht es so, wie es in diesen Zeiten vielen Frauen erging: Sie gebärt ein Kind nach dem anderen, ihre eigene Gesundheit und ihr Befinden stehen immer hinten an. Ihr Leben ist von Haushalt, Kindererziehung und viel Arbeit geprägt, es gibt nur selten eine Atempause für sie. Auch wenn Carl vieles in Sachen Kinder und Erziehung Käthe überlässt, unterstützt er sie trotzdem so gut es geht und auch von Carls liebenswerter Mutter Ida erhält Käthe immer wieder Rückendeckung.


„Sie war eine Frau, aber ihr Bauch gehörte ihr nicht. Er war als Gebärmaschine gedacht. Und Carl wollte offenbar eine ganze Fußballmannschaft.“

[Seite 122]

Familie Kühnapfel

Carl ist ein sehr aufmerksamer und hilfsbereiter Mann. Mit der Übernahme der elterlichen Bäckerei und als leidenschaftlicher Bäcker hat er seinen Platz im Leben gefunden.
Um Käthe und Carl spielen eine Vielzahl weiterer Figuren mit, welche alle einen realen Hintergrund haben. Viele der Figuren kommen im Laufe der Handlung hinzu, von einigen muss man sich jedoch auch verabschieden.
Aus völlig unbedarften und ehrlichen Menschen, welche sich ihr Leben eingerichtet haben, entwickeln sich Menschen, die von Krieg, Flucht und Vertreibung schwer gezeichnet werden und deren Schicksale noch die nachfolgenden Generationen berühren.
Alle Figuren, ihre Schicksale und Lebensgeschichten sind miteinander verwoben und verbinden sich zu der großen, spannenden, tragischen und wahren Familiengeschichte von Simona Wernicke.
Auch die Tragik, die Spannungen, Zerwürfnisse, Differenzen aber auch die Anziehung zwischen den Figuren waren für mich fühl- und spürbar und zogen mich schnell in die unvergessliche Geschichte hinein. Es sind Figuren, die ich nach Ende des Buches nicht gerne loslasse und deren Schicksale und Geschichten mich mit Sicherheit noch länger beschäftigen werden.
Es ist die wahre Geschichte einer Familie aus vergangenen Zeiten.

Zwei Bilder aus glücklichen Tagen

Mit viel Gespür für die damalige Zeit, den wunderschönen Beschreibungen der Landschaft und des Ortes und ihrem detaillierten Sprachstil nahm mich Simona Wernicke schnell mit in die Geschichte.
Während es im ersten Teil der Geschichte noch sehr gemächlich und ruhig zugeht, man aber bereits die dunklen Vorboten des kommenden Unheils am Horizont erkennen kann, überschlagen sich im zweiten Teil die Ereignisse. Es wird so dramatisch, emotional und mitreißend, dass ich während des Lesens die ein oder andere Träne vergoss und eine Gänsehaut meinen Körper überzog.
Die Seiten flogen nur so dahin und innerhalb von wenigen Tage waren die etwa 500 Seiten gelesen. Nur äußerst ungern legte ich das Buch – vor allem zum Ende hin – aus den Händen.
Die chronologisch erzählte Handlung des Buches wirkt zu keiner Zeit überlastet oder gar unlogisch – alles und jede/r hat seinen/ihren Platz in der Geschichte. Ich konnte der Handlung und den vielfältigen Figuren immer gut folgen. Diese Geschichte riss mich buchstäblich mit sich und ließ mich nicht mehr los.

„Doch von nun an waren sie an keinem sicheren Ort mehr. Vorher hatte der Krieg überwiegend im Radio stattgefunden, jetzt war er bittere Realität geworden.“

[Seite 299]

Den geschichtlichen Hintergrund des Buches bilden die Jahre 1928 bis 1949. Diese Jahre wurden durch das Dritte Reich, den Zweiten Weltkrieg, Flucht und Vertreibung und der unmittelbaren Nachkriegszeit geprägt.
Während der Hitler-Zeit fanden ungefähr 17 Millionen Menschen den Tod: Juden, Kriegsgefangene, Homosexuelle, körperlich und geistig beeinträchtigte Menschen, Sinti und Roma und sowjetische, polnische und serbische Zivilisten wurden ermordet.

„»Das geht doch nicht. Die müssen sich doch wieder besinnen. Wieso sind Juden Menschen minderen Rechts? Nur wegen ihrem Glauben? Was soll das mit dem Blut. Wir sind doch alle deutsch! Wir sind doch alle Menschen!«

[Seite 127]

Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs (1939 – 1945) starben weltweit über 60 Millionen Menschen und der Krieg brachte unvorstellbare Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Vorschein.
Aber auch kurz vor und nach Kriegsende nahm das Grauen kein Ende: Vor dem Krieg lebten mehr 18 Millionen Deutsche in den Ostprovinzen sowie in Polen, den baltischen Staaten, Danzig, Ungarn, Jugoslawien und Rumänien. Als der Krieg 1945 mit der Kapitulation Deutschlands endete, waren zwischen 1944/45 und 1950 zwölf bis 16 Millionen Deutsche von Flucht und Vertreibung aus den ehemaligen Ostgebieten betroffen – genaue Zahlen gibt es hierzu nicht. Sie mussten vieles zurücklassen und konnten nur das Nötigste mitnehmen. Die flüchtenden Menschen waren eiskalten Temperaturen ausgesetzt und wurden auch aus der Luft angegriffen. Bis zu 600.000 Menschen verloren auf der Flucht ihr Leben. Kinder, die ihre Eltern auf der Flucht verloren hatten, mussten sich alleine durchschlagen und völlig auf sich alleine gestellt um ihr Überleben kämpfen – die sogenannten Wolfskinder.
Diese geschichtlichen Themen und Hintergründe (allen voran die Flucht aus Ostpreußen) stellt Simona Wernicke in ihrem Roman sehr nachvollziehbar, aber auch sehr mitreißend da. Es ist die wahre Geschichte ihrer Familie – und der Gedanke, dass das alles genau so passiert ist, macht es für mich noch emotionaler und mitreißender.

„Und langsam ging es weiter, immer weiter. Wagen an Wagen. Die Dörfer, die sie durchfuhren, waren wie ausgestorben. Leer standen die Häuser . Tote Fensteröffnungen, alles zerstört, geplündert. Kein Hahn krähte mehr, keine Kuh blökte. Kein Kind lachte.“

[Seite 354]

Simona Wernicke hat mit diesem Buch ihrer Familie ein großes und unvergessliches Denkmal gesetzt. Sie zeigt, wie unsagbar schwer und entbehrungsreich diese Zeiten waren, zeigt aber auch eindrucksvoll, dass sich diese starke Familie trotz des erfahrenen Leids und der vielen unfassbaren Schicksalsschläge nicht hat unterkriegen lassen.
Danke liebe Simone Wernicke für dieses bemerkenswerte und bewegende Lese-Erlebnis und den netten Kontakt auf Instagram.

Bild 1: Das Wohn- und Geschäftshaus in Locken, Bild 2: Käthe als junge Mutter, Bild 3: Carl und Käthe jung verheiratet mit Alwine und Hans sowie deren Söhne Walter und Hans im Seebad Cranz

Fazit: „Kornblumenzeit – Eine preußische Familiengeschichte“ von Simona Wernicke ist eine starke und unvergessliche Geschichte, welche auf wahren Begebenheiten beruht und oft zu Tränen rührt. Während der erste Teil der Geschichte noch ruhig und gemächlich daher kommt, überschlagen sich im zweiten Teil die Ereignisse. Eine Geschichte, die mich buchstäblich mit sich gerissen und nicht mehr losgelassen hat. Sehr lesenswert.

* Ich habe für diese Rezension von der Autorin und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Bereitstellung eines kostenlosen Rezensionsexemplars durch den Verlag, der Titelbezeichnung/ Namensnennung und der Link zur Verlagshomepage muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„Romy – Mädchen, die pfeifen“

von Felicitas Fuchs

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 12. Juli 2023
Verlag: Heyne
Ausgaben: Paperback & eBook
ISBN: 978-3-453-42644-3
Seitenanzahl: 592
Preis: Paperback 16,00€, eBook 9,99€

Homepage:
https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/Romy-Maedchen-die-pfeifen/Felicitas-Fuchs/Heyne/e598290.rhd

Klappentext:
„Bad Oeynhausen 1983: Die 23-jährige Romy arbeitet in einer Diskothek. Sie ist schon früh zu Hause ausgezogen, weil sie sich mit ihrer Mutter Hanne nie gut verstanden hat. Nach außen wirkt sie stark und selbstbewusst, doch im Innersten ist sie sehr verletzlich. Als sie die Hochzeit mit ihrer großen Liebe Falco vorbereitet, stolpert sie in den Familienpapieren über einen Namen, den sie nicht kennt, und es reißt ihr den Boden unter den Füßen weg. Romy macht sich auf die Suche nach der Wahrheit, ohne ihrer Mutter Hanne davon zu erzählen.“

Hinweise:
Das Buch ist der dritte Band der „Mütter-Trilogie“. Solltet ihr die ersten beiden Teile noch nicht kennen, jedoch lesen wollen, solltet ihr diese Rezension NICHT lesen – Spoilergefahr.
– Hier findet ihr die Rezensionen zu den ersten beiden Bänden: „Minna – Kopf hoch, Schultern zurück“ und „Hanne – Die Leute gucken schon“.

– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Heyne Verlag über das ‚Bloggerportal‘ als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank dafür!
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

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Das Buch „Romy – Mädchen, die pfeifen“ von Felicitas Fuchs ist der dritte und abschließende Teil einer Buchreihe, welche die persönliche Familiengeschichte der Autorin in Romanform erzählt.

„»Man sagt, es sei nicht wichtig, dem Leben Tage zu schenken, sondern es ist wichtig, den Tagen Leben zu geben. … «“

[Seiten 479/ 480]

1983 in Bad Oeynhausen: Nachdem Romy sehr früh aus ihrem lieblosen und desinteressierten Elternhaus ausgezogen ist und ihre Ausbildung in der Gastronomie erfolgreich beendet hat, arbeitet die mittlerweile 23-jährige Frau in einer Diskothek und in einem Plattenladen.
Romys Verhältnis zu ihrer Mutter bleibt angespannt, da ändert auch die geplante Hochzeit mit ihrem langjährigen Freund und Arbeitskollegen Falco nichts. Ganz im Gegenteil: Als sie eine Geburtsurkunde beantragt, stolpert Romy bei der Angabe des Vaters über einen ihr völlig unbekannten Namen. Sie beginnt mit ihren Nachforschungen und trifft auf ein lang gehütetes Geheimnis und bei ihrer Mutter auf eine Mauer des Schweigens. Es ist nichts so, wie es auf den ersten Blick scheint, doch Romy gibt nicht auf und kämpft dafür, dass ihre Vergangenheit ein Gesicht bekommt.

Felicitas Fuchs ist das Pseudonym der Erfolgsautorin Carla Berling, mit der ich schon seit einiger Zeit auf Facebook befreundet bin. Vor einiger Zeit kündigte sie in den Sozialen Medien an, dass sie eine dreibändige Romanreihe veröffentlicht, welche ihre eigene Familiengeschichte erzählt. Der erste Teil der Reihe „Minna – Kopf hoch, Schultern zurück“ beschreibt hierbei das Leben ihrer Großmutter, welche von 1905 bis 1978 lebte. Mein Interesse an der Reihe war direkt geweckt. Die Zeit nach dem ersten Weltkrieg finde ich immens spannend und auch wichtig, um die Zeit des Nationalsozialismus halbwegs zu verstehen. Wenn dann auch noch Historie anhand einer teils wahren Lebensgeschichte erzählt wird, wird für mich alles noch mal greifbarer und lebendiger. Das Buch musste ich einfach lesen – und ich wurde auf keiner Seite enttäuscht: Die Geschichte von Minna hat mich komplett umgehauen und mir schlaflose Nächte beschert.
Es war ganz klar, dass ich auch den zweiten Band „Hanne – Die Leute gucken schon“ auch lesen musste und wollte. Dieser stellt Minnas Tochter Hanne in den Mittelpunkt der Geschichte und behandelt das Thema der Nachkriegszeit in Deutschland – ein Thema, über welches ich immer wieder gerne lese. Auch dieser Band schlug mich in seinen Bann, ich hatte immer wieder die Tränen in den Augen und in nur wenigen Tagen war auch dieses Buch ausgelesen.
Danach wollte ich natürlich unbedingt wissen, wie es mit den Figuren und ihrer Geschichte weitergeht und wartete schon voller Sehnsucht auf den dritten Band der Reihe und fragte diesen bei erster Gelegenheit im ‚Bloggerportal‘ an. Meine Anfrage wurde genehmigt und das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zugesendet. An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an den Heyne Verlag.

Das Buch ist, wie auch die ersten zwei Bände, eine sehr schöne und hochwertige Klappbroschur. Äußerlich passen die drei Bände wunderbar zueinander.
Das in hellblau gehaltene Cover zieren Zeichnungen von Veilchen, der Titel des Buches prangt in lila Schrift über einen schwarz-weiß Foto, auf welchem eine junge Frau mit offenen langen Haaren zu sehen ist, welche einen Fahrradlenker in den Händen hält. Die Frau schaut den Betrachter nicht an, sondern zur Seite. Der Name der Autorin steht in schwarzen Großbuchstaben über dem Buchtitel.

Auf der vorderen Klappe des Buches findet sich ein Text zum Inhalt des Buches, im inneren der Klappe sind drei Originalfotos der Hauptfiguren zu sehen: Zwei von ihnen zeigen die „echte“ Romy und eines ihren Mann Falco. Auf der hinteren Klappe wird die sympathische Autorin mit einem aktuellen Foto und einer kurzen Biografie vorgestellt, in der Klappe sind die drei Bände noch einmal graphisch dargestellt.
Nach der Widmung beginnt der erzählende Teil direkt mit dem ersten Kapitel, welches im Juni 1978 ansetzt. Das 61. und letzte Kapitel beginnt im Juli 2017, mit dem Epilog, welcher im Mai 2019 spielt, endet das Buch. Somit umfasst die gesamte Handlung des Buches etwa 41 Jahre.
Abschlossen wird das Buch mit einem Nachwort und einem umfangreichen und emotionalen „Danke!“ der Autorin.

„»Ich schwöre bei meiner verstorbenen Omi, nie, nie wieder werde ich etwas tun, das ich nicht wirklich will.«“

[Seite 90]

In diesem dritten Band steht Romy im Mittelpunkt der Handlung – und damit die Lebensgeschichte der Autorin selbst. Im Nachwort weist Felicitas Fuchs daraufhin, dass Namen, Aussehen, Berufe, Daten und Abläufe so verändert wurden, „dass niemand außer uns Rückschlüsse auf alle Umstände und Zusammenhänge ziehen kann“.
Romys Hotelkarriere ist fiktiv, die Eckdaten ihrer Lebensgeschichte beruhen auf realen Ereignissen und Erlebnissen. Was sich schon im zweiten Band angekündigt hat, setzt sich hier weiter fort. Romy flüchtet aus ihrem lieblosen Elternhaus. Schon lange zeigt ihre Mutter Hanne nicht wirklich Interesse an ihrer Tochter und an ihrem Leben – sie empfindet sie eher als anstrengend und ist von ihrer flippigen und öfter aufgekratzten Art genervt.
Etwas leichtgläubig stolpert Romy in die große Welt und merkt, dass es nicht alle Menschen mit ihr gut meinen. Auch wenn sie immer mal wieder hinfällt, steht sie immer wieder mutig auf und gibt einfach nicht auf.
Ihr erklärter Wunsch nach einer perfekten Familie lässt sie des Öfteren ihr persönliches Empfinden und Glück hinten an stellen und ihre Augen verschließen.
Ich mochte Romy schon im zweiten Band sehr, auch wenn ich es stellenweise sehr schwer ertragen konnte, wie gleichgültig und abweisend Hanne mit ihrer Tochter Romy umgegangen ist. In diesem Band ist aus dem Mädchen eine junge Frau geworden, welche sich im Verlauf der Handlung zu einer Erwachsenen und Mutter entwickelt. Auf den ersten Blick wirkt Romy sehr taff und willensstark, auf den zweiten Blick zeigt sich jedoch ihre verletzliche und sensible Seite. Ich bewundere Romy, und damit auch die Autorin, für ihre Stärke und den Mut, ihre stürmische Familiengeschichte aufzuarbeiten und zu Papier zu bringen.

„»Wenn dir das Leben Zitronen gibt, machst du Limonade draus, und das konntest du schon mit drei Jahren.«“

[Seite 143]

Romys Mutter Hanne ist so ganz anders als ihre Tochter: In einem unglücklichen Leben gefangen, in welchem sie meistens irgendwie funktionieren muss und in dem viele Dinge über ihren Kopf hinweg entschieden wurden. Einerseits erregte sie des Öfteren mein Mitleid, da ihr schon oft übel mitgespielt wurde und sie auch einige Schicksalsschläge erleiden musste, auf der anderen Seite empfand ich ihr Verhalten Romy gegenüber oft nur als ungerecht und ihr Schweigen und Verharren als sehr anstrengend.

„»Du hast Angst. Und deswegen hast du dich entschieden. Lieber hältst du dich an deinem bekannten Unglück fest, anstatt ein unbekanntes Glück zu wagen.«“

[Seite 213]

In diesem Buch spielen viele weitere Figuren mit – einige von ihnen sind bereits aus den vorherigen Teilen bekannt, andere kommen neu hinzu.
Falco, Romys Arbeitskollege und späterer Ehemann, ist ein Charakter, welcher neu dazu gekommen ist. Er bleibt von Anfang bis zum Ende eher undurchsichtig und ist nicht wirklich der Sympathieträger schlecht hin – und trotzdem mochte ich ihn irgendwie doch. Er gibt Romy viel, verlangt ihr aber im Gegenzug auch wieder viel ab. Seine Geschichte wird auf jeden Fall noch länger nachklingen und unvergessen bleiben.
Aber auch die weiteren Charaktere und deren mitreißenden und wechselvollen Lebensgeschichten werden in meiner Erinnerung bleiben.
Felicitas Fuchs macht es dem Leser/ der Leserin nicht immer einfach: Es wird geheiratet, gefeiert, Kinder kommen auf die Welt – man muss aber auch Charaktere gehen lassen. Teilweise wurde es so emotional und traurig, dass ich mit den Tränen kämpfen musste.
Es ist eine Geschichte aus dem realen Leben, mit allen Facetten, die es zu bieten hat: Hoffnung, Trauer, Liebe, Freundschaft und Drama.
Alle Figuren und ihre Schicksale und Lebensgeschichten sind miteinander verwoben und auch die Tragik, Spannungen, Zerwürfnisse und Differenzen zwischen einigen der Figuren warenfühlbar und zogen mich schnell in die unvergessliche Geschichte hinein.

Wie schon erwähnt, handelt es sich um die etwas abgewandelte Familiengeschichte der Autorin. Während der erste Band der Trilogie „Minna – Kopf hoch, Schultern zurück“ die Lebensgeschichte der Großmutter Minna erzählt, welche 1905 geboren wurde und den Ersten Weltkrieg, die Weimarer Republik, die Inflation, das Dritte Reich, den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit erlebte, zeigt der zweite Band „Hanne – Die Leute gucken schon“ das Leben der Mutter der Autorin: Ein Leben, welches noch immer sehr vom Zweiten Weltkrieg und der entbehrungsreichen Nachkriegszeit gezeichnet war.
Der dritte Band „Romy – Mädchen, die pfeifen“ schließt ziemlich direkt an das Ende des zweiten Bandes an, spielt in den Jahren von 1983 bis 2019 und zeigt das Leben und die Entwicklung von Romy – Hannes Tochter und somit Minnas Enkelin.
Damit stellt diese Buchreihe das unterschiedliche Leben dreier Generationen von Müttern in den Mittelpunkt: Minna, Hanna und Romy. Auch wenn die Zeiten und damit auch die Geschichten völlig verschieden sind, sind die drei Frauen und ihre Lebensgeschichten immer miteinander verbunden.
Mit ihrem detaillierten, aber durchaus auch flotten Sprachstil hat mich die Autorin wieder direkt mit in die Geschichte genommen. Die Seiten flogen nur so dahin und innerhalb weniger Tage waren die fast 600 Seiten gelesen. Nur äußerst ungern legte ich das Buch aus den Händen.
Die chronologisch erzählte Handlung des Buches wirkt zu keiner Zeit überfrachtet oder gar unlogisch – alles und jede/r hat seinen/ihren Platz in der Geschichte. Ich konnte der Handlung immer gut folgen und mich völlig in diese mitreißende Geschichte fallen lassen.
Wie auch schon die beiden ersten Bände, nahm mich auch diese Geschichte wieder emotional sehr mit, und ich musste das ein oder andere Mal mit den Tränen kämpfen.
Im Prinzip lässt sich dieser Band auch ohne Kenntnis der ersten beiden Teile lesen – ich empfehle aber trotzdem, dass man die Buchreihe nacheinander liest, da man Begebenheiten, Figuren und ihr Verhalten/ ihre Entwicklung besser zuordnen und verstehen kann.

Den geschichtlichen Hintergrund bilden vorwiegend die 1980er/ 1990er und 2000er Jahre – also eine Zeit, die ich schon miterlebt habe. Einige gesellschaftliche Ansichten wirkten auf mich so antiquiert, dass ich es stellenweise gar nicht glauben konnte. Eine Frau hatte auch in diesen Zeiten am besten zuhause zu sein und sich um die Familie zu sorgen. Romy ist eine berufstätige Frau, welche Karriere macht, während ihr Mann zuhause bei den Kindern bleibt und den Haushalt erledigt. Damit waren die Beiden absolute Außenseiter und sorgten für ordentlichen Argwohn und Kopfschütteln in der Gesellschaft. Das wirft natürlich die Frage auf: Hat sich das heute verändert? Ich denke, dass es dieses klassische Rollenbild bis heute noch immer in den Köpfen verankert ist, auch wenn von Seiten der Politik versucht wird, dagegen zu steuern.

Am Ende dieser Rezension bedanke ich mich bei Felicitas Fuchs für diese vielen wunderbaren und mitreißenden Lesestunden und für den Mut ihre Familiengeschichte aufzuschreiben.

Fazit: Das Buch „Romy – Mädchen, die pfeifen“ ist der krönende Abschluss einer großartigen, und bewegenden Buchreihe.
Mit dem ergreifenden und flotten Sprachstil kommt auf keiner Seite Langeweile auf. Es sind Geschichten und Figuren, welche ich noch lange in meinem Herzen tragen werde und so schnell nicht vergessen werde. Unbedingt lesen!

* Ich habe für diese Rezension von der Autorin und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Bereitstellung eines kostenlosen Rezensionsexemplars durch den Verlag, der Titelbezeichnung/ Namensnennung und der Link zur Verlagshomepage muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„Das Gold der Weiden – Der Sturz des Löwen“

von Martha Sophie Marcus

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 11. Juli 2023
Verlag: Tinte & Feder
Ausgaben: Taschenbuch & eBook
ISBN: 978-2496712483
Seitenanzahl: 447
Preis: Taschenbuch 11,99€
Reihe: „Das Gold der Weiden“, Buch 01 von 02

Homepage:
https://martha-sophie-marcus.de/__der_sturz_des_loewen/

Klappentext:
Der packende Auftakt des Historienabenteuers um den jungen Pferdezüchter Micha, der um Gerechtigkeit und seine große Liebe kämpft. Kämpfst du gegen herrschendes Unrecht oder beschützt du diejenigen, die du liebst?
Norddeutschland 1164. Der zwölfjährige Micha hat nur ein Ziel: Gerechtigkeit für den grausamen Mord an seiner Familie. Bei einem Maultierzüchter findet er Zuflucht, in seiner Ziehschwester Sibilla eine beste Freundin. Doch er lebt nun ausgerechnet im Herrschaftsgebiet des verantwortlichen Grafen.
Jahre später hat Micha sich durch sein Geschick im Umgang mit Pferden einen Platz in der Burgmannschaft erarbeitet. Endlich sieht er sich in der Lage, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Aber Michas Herzensdame Johanna und seine Freunde sind von der Grafenfamilie abhängig. Kann und will er sie für seine Vergeltung in Gefahr bringen? Sibilla kämpft unterdessen darum, ihren Vater auch als Frau bei seinen Geschäften unterstützen zu dürfen – und mit ihren heimlichen Gefühlen für Micha“

Hinweise:
Das Buch habe ich freundlicherweise von der Autorin als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!
-Ich habe für diese Rezension von der Autorin und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars, der Produktnennung und dem Link zur Homepage der Autorin muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

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Das Buch „Das Gold der Weiden – Der Sturz des Löwen“ von Martha Sophie Marcus ist der Auftakt einer historischen Romanreihe, welche im 12. Jahrhundert in Norddeutschland spielt und zeigt, wie ein junger Mann auf der Suche nach Gerechtigkeit ist und als Pferdezüchter seinen Platz im Leben sucht.

Norddeutschland im Jahr 1164: Hilflos muss der zwölfjährige Micha mit ansehen, wie sein Vater und sein Bruder grausam ermordet werden. Er und seiner Stiefmutter können flüchten, Micha findet bei einem Maultierzüchter und dessen Familie in Summerburg Zuflucht und ein neues Zuhause. Seine Ziehschwester Sibilla hegt schnell heimliche Gefühle für ihn.
Allerdings ist Vogt Borgward von Egersleben auf der Summerburg der Mann, welcher als Ministerialer unter Graf Meinhard den Mord an Michas Familie zu verantworten hat. Micha befindet sich nun im unmittelbaren Herrschaftsgebiet des Grafen und möchte um jedes Mittel Gerechtigkeit erlangen und die Täter zur Rechenschaft ziehen.
Jahre später hat Micha seinen Platz in der Burgmannschaft gefunden und ist wegen seines geschickten Umgangs mit Pferden beliebt. Doch nicht alle sind ihm wohlgesonnen – der Vogt hat nicht vergessen, wie gefährlich ihm Michas Wissen und Vergeltung werden könnten. Und auch Michas Herzensdame Johanna und seine Freunde sind von der Gunst der Grafenfamilie abhängig.
Als sich die politischen Ereignisse überschlagen, muss Micha sich entscheiden: Kann und will er das Erbe seines Vaters fortsetzen und der Familie seiner Ziehschwester beistehen oder soll er auf der Summerburg bleiben und dem Grafen dienen?

„Alles in allem war die Kälte schlimm, der Hunger schlimmer, aber das Alleinsein das Schlimmste. Er vermisste seinen Vater und seinen Bruder fürchterlich. Jeder hier hatte seinen Platz, jeder kannte jeden, jeder hatte eine Familie oder Freunde. Er fühlte sich wie ein einsames Steinchen im Hafersack. Früher oder später würde man ihn hinauswerfen.“

[Seite 40/ 41]

Bereits seit vielen Jahren gehört die Autorin Martha Sophie Marcus zu den Autorinnen, deren Bücher ich sehr gerne lese. Mit ihrem Debüt „Herrin wider Willen“ und den beiden Teilen der Reihe „Novemberrosen“ konnte sie mich bestens unterhalten.
Als die Autorin ihr neues Buch und Reihenauftakt „Das Gold der Weiden – Der Sturz des Löwen“ ankündigte, fiel mir als erstes das stimmungsvolle Cover auf und auch der Klappentext und die Handlungszeit weckten sehr schnell mein Interesse. Das Hochmittelalter (11. Jahrhundert bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts) interessiert mich schon seit einiger Zeit und ich lese immer wieder gerne Geschichten über diese raue Zeit, in der die Menschen mit vielen Problemen zu kämpfen hatten. Zum Beispiel waren Kälte, Krankheiten, politische Unruhen, hohe Kriminalität und geringer Verdienst weit verbreitete Probleme in einer Gesellschaft, welche durch die Ständegesellschaft und das Lehnswesen geprägt war.

Dieses Buch wollte und musste ich einfach lesen und ich freute mich sehr, als die Autorin in den Sozialen Medien Blogger und Bloggerinnen suchte, die ihr neues Buch rezensieren wollten – da meldete ich mich direkt. Das Buch erreichte mich liebevoll signiert und zusammen mit zwei Lesezeichen, einer Broschüre und einer Postkarte, wofür ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken möchte.

Das Buch liegt mir als schön gestaltetes Taschenbuch vor, hat 447 Seiten und wie bereits angemerkt, konnte das stimmungsvolle und passende Cover direkt mein Interesse wecken: Im Vordergrund stehen zwei Figuren seitlich zum Betrachter: Links steht ein Mann, dessen Blick auf die Landschaft und die im Hintergrund befindliche Burg gerichtet ist. Rechts steht eine Frau – ihr Blick geht in Richtung des Mannes – hierdurch wird das Profil der Frau sichtbar. Vor den beiden erstreckt sich eine üppige Weidenlandschaft, auf der auch einzelne Pferde zu sehen sind. Hinter den Weiden erhebt sich eine stattliche Burg. Durch den stark bewölkten und dunklen Himmel bricht über der Burg die Sonne hindurch. Besonders gefallen mit die goldenen Ranken, welche das Cover einrahmen und damit sehr edel wirken lässt.
Den Beginn des Buches macht eine kurze und liebevolle Widmung, dieser schließt sich ein kurzes Vorwort über den historischen Kontext an, danach beginnt direkt das erste Kapitel, welches im Oktober 1164 ansetzt. Mit dem 33. Kapitel endet das Buch dann im Oktober 1179. Es folgen ein kurzes Nachwort, die Personenliste und ein Glossar. Über die Personenliste habe ich mich sehr gefreut, da ich diese immer mal wieder gebraucht habe, wenn mir doch mal eine Figur und deren Hintergrund entglitten ist.
Die Handlung wird chronologisch erzählt und umfasst insgesamt 15 Jahre. Ich fand einen schnellen Zugang in die Geschichte und konnte und auch den vielen und vielfältigen Figuren gut folgen.

„»Lass das. Hilf dir lieber selbst. Wenn du deine Schwierigkeiten nicht aus der Welt räumen kannst – und das kannst du nicht – ,dann hör auf, dir die ganze Zeit leidzutun. Du willst mir nicht von deinen Sorgen erzählen, meinetwegen! Dann behalt sie für dich. Aber reiß dich zusammen und mach die Augen auf. Du bist nicht der unglücklichste Mensch der Welt, auch wenn es dir so vorzukommen scheint.«“

[Seite 222]

Viele der Figuren und auch der Handlungsort in „Das Gold der Weiden – Der Sturz des Löwen“ sind fiktiv, die Autorin erwähnt im Nachwort, dass „ein Teil ihrer Geschichte und ein Teil des Schicksals des dort herrschenden Grafensgeschlechts an die reale Sommerschenburg angelehnt“ sind. Es gibt auch einige historische Figuren – welche aber nicht die Hauptrollen spielen.
Im Mittelpunkt steht der zu Beginn der Handlung zwölfjährige fiktive Micha. Er muss von einem Moment auf den anderen erwachsen werden und ist dabei völlig auf sich allein gestellt. Doch er gibt sich, seine Träume und sein Erbe nicht leichtfertig auf – allerdings treibt ihn auch immer das immense Verlangen die Mörder seiner Familie zur Rechenschaft zu ziehen unermüdlich an. Seine Entwicklung von einem Jungen hin zu einem erwachsenen Mann ist außerordentlich gut und authentisch gelungen. Auch wenn ich nicht all seine Entscheidungen und Ansichten teilen konnte und auch sein mitunter gedankenloses Verhalten gegenüber seiner Ziehschwester Sibilla mich etwas verwunderten, litt ich mit Micha ab der ersten Seite mit und schloss ihn und seine sympathische Art schnell in mein Herz.
Bis zum Ende des Buches wirkt er rastlos und auf der Suche nach seinem Platz im Leben. Er ist einerseits sehr taff und stark, hat aber auch eine sensible und verletzliche Seite. Seine Liebe zu Pferden und Maultieren und sein stets respektvoller und sorgsamer Umgang mit diesen Tieren hat mir sehr gefallen und ich habe hier einiges neues erfahren und dazu gelernt.

„Micha zuckte mit den Schultern. »Es sind meist gar nicht so sehr die Hände, die viel bewirken. Ich verstehe vielleicht die Sprache der Pferde ein wenig besser als manch anderer, das ist alles.«“

[Seite 169]

An seiner Seite stehen einige weitere fiktive Figuren – allen voran Michas Ziehschwester Sibilla. Sie ist die Tochter des Maultierzüchters Adam und sie kämpft darum, dass sie ihren Vater bei seinen Geschäften unterstützen darf. Das ist kein leichtes Unterfangen in einer Zeit, in der Frauen nichts zu sagen hatten und unterdrückt wurden. Auch Sibilla lernt der Leser/ die Leserin als junges Mädchen kennen und sie entwickelt sich im weiteren Verlauf zu einer willensstarken und durchsetzungsfähigen Frau mit einer trotz allem feinfühligen Seite, welche sie aber unter einer harten Kruste zu verbergen versucht. Auch wenn sie zu den Menschen in ihrer Umgebung sehr direkt und ehrlich ist, schafft sie es nicht, sich Micha gegenüber zu öffnen und ihm ihre Gefühle für ihn zu gestehen. Auch ihre mehr oder weniger deutlichen Signale übersieht/ überhört er.
Auch die restliche Familie um Sibilla konnten mich mit ihren vielfältigen Lebensgeschichten und interessanten Entwicklungen begeistern – vor allem Adam, das Oberhaupt der Familie. Er ist ein aufmerksamer Mann, welcher auf den jungen Micha bei sich und der Familie aufnimmt und ihm damit ein neues Zuhause schenkt. Neben dem Wirt Kilian ist er einer der Charaktere, welche sehr viel Wärme und Geborgenheit in die Geschichte bringen.
Auch Michas beide Freunde Julius und Endris sind fiktiv und immer an Michas Seite. Eigentlich eine unmögliche Freundschaft und Verbundenheit, da Julius der jüngste Sohn von Michas Erzfeind ist. Doch die drei bilden eine gute Gemeinschaft.
Johanna, die Schwester von Endris, ist ein sehr unsteter und sprunghafter Charakter. Mit ihr wurde ich nie so richtig warm, auch wenn ihre ganze Lebensgeschichte sehr tragisch ist.
Die Familie um den Grafen Meinhard, sowie Vogt Borgward von Egersleben und auch dessen Familie sind fiktiv, konnten mich mit ihrer Ambivalenz überzeugen. Borgward ist von Beginn der undurchsichtige Bösewicht, welcher es immer wieder aufs Neue schafft, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen und andere für seine Taten büßen zu lassen. Die gegenseitige Bedrohung von Micha und dem Vogt ist äußerst fühlbar.
Heinrich der Löwe, Herzog von Bayern und Sachsen ist der Vetter von Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) – die beiden sind zwei der historischen Persönlichkeiten in diesem Roman. Auch wenn die beiden Figuren und deren Geschichte nicht im Mittelpunkt stehen, sind diese für den Fortgang der Handlung sehr wichtig.
Diese beiden und weitere historische Figuren hat Martha Sophie Marcus wunderbar in ihre Geschichte mit eingebunden, verwebt sie gekonnt mit den Lebensgeschichten ihrer fiktiven Figuren und sie alle konnten mich mit ihrer Lebensechtheit, ihrer Vielfältigkeit und ihren packenden Lebensgeschichten überzeugen. Auch die Tragik, die Spannungen, Zerwürfnisse und Differenzen zwischen einigen der Figuren waren stets fühlbar und zogen mich schnell in diese spannende Geschichte hinein. Es sind Figuren, welche ich mit Sicherheit noch lange in meinem Herzen tragen werde und ich bin sehr gespannt, wie es mit einigen von ihnen im nächsten Band weitergehen wird.
Martha Sophie Marcus zeichnet mit ihren vielen Figuren authentisches Bild der damaligen Gesellschaft, welche durch die Ständegesellschaft und das Lehnswesen geprägt war. Zum ersten Stand gehörte der Klerus, also alle Geistlichen, zum zweiten Stand zählten die Adligen, den dritten Stand bildeten die Bauern und einfachen Bürger. Der größte Teil der Menschen im Mittelalter gehörte zum dritten Stand – etwa 90 Prozent waren Bauern.

„»So ist das Leben, Junge. Ein Mann ist entweder ein Bauer oder Knecht, der sich damit begnügt, was er hat. Oder er ist ein Krieger, der für den Kampf lebt und sich nie zufriedengibt. Oder er widmet sein Leben Gott, so wie ich. (…)«“

[Seite 273]

Nicht nur die Ständegesellschaft und das Lehnswesen prägten das Leben der Menschen im Mittelalter. Auch viele Krankheiten, Hunger, Kälte und politische Unruhen und Kriege bestimmten das Leben der Menschen. So kam es durch den aggressiven Herrschaftsausbau des Herzogs Heinrich in Sachsen und nördlich der Elbe zum Widerstand der anderen sächsischen „Großen“.
Diese akribisch recherchierten geschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergründe werden in „Das Gold der Weiden – Der Sturz des Löwen“ sehr anschaulich dargestellt und ich konnte mit diesem gelungenen Reihenauftakt meinen geschichtlichen Horizont erweitern.
Von der ersten Seite an besticht die Geschichte durch ein hohes erzählerisches Tempo. Martha Sophie Marcus bildhafter, fesselnder und leidenschaftlicher Sprachstil nahm mich direkt mit in die Geschichte. Sie zeichnet ein starkes und unverzerrtes Bild der damaligen Zeit und schafft in ihrem Buch eine sehr dichte Atmosphäre, in welcher ich völlig abtauchen konnte. Nur ungern legte ich das Buch aus den Händen und die 447 Seiten flogen nur so dahin.

Ich freue mich auf ein Wiedersehen mit einigen der Figuren im nächsten Band und bedanke mich ganz herzlich bei Martha Sophie Marcus für dieses lehrreiche, packende und erkenntniserweiternde Leseerlebnis.

Fazit: „Das Gold der Weiden – Der Sturz des Löwen“ ist ein rundum gelungener Reihenauftakt. Mit einer wunderbaren Mischung aus fiktiven und historischen Figuren, einem spannenden geschichtlichen Hintergrund und mit hohem erzählerischen Tempo ist dieses Buch wie eine Reise in längst vergangene Zeiten. Sehr lesens- und empfehlenswert!

*Ich habe für diese Rezension von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„Der Verrat der Kaufmannswitwe“

von Silke Elzner

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 06. Juli 2023
Verlag: Selbstverlag
Ausgabe: Taschenbuch und eBook
ISBN: 978-3-757560973
Seitenanzahl: 548 Seiten
Preis: 18,95€ (Taschenbuch), 4,99€ (eBook)

Homepage: https://silkeelzner.de/der-verrat-der-kaufmannswitwe/

Klappentext:
Im Jahre des Herrn 1376:
Eingeschneit auf Burg Altena verbringt die Magd Beleke einen romantischen Winter mit Ritter Rotger. Als ihr aufgeht, dass sie ein Kind erwartet, ist Rotger längst abgereist. Von der Familie verstoßen, zieht sie ihm hinterher, doch ihre gefahrvolle Suche endet vorerst in der Stadt Dortmund.
Eine Kaufmannswitwe nimmt die mittellose Beleke in ihr Haus auf. Die neue Herrin ist gütig und fürsorglich, doch sie hütet ein dunkles Geheimnis – ein Geheimnis, das sie alle in Gefahr bringt.
Eine packende Geschichte über die Verräterin von Dortmund, Agnes von der Vierbecke, und die „Große Fehde“ mit den Grafen von der Mark.“

Hinweise:
– Das Buch habe ich freundlicherweise von der Autorin als kostenloses Rezensionsexemplar in Form eines eBooks und Taschenbuchs zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!
– Ich habe für diese Rezension von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder.
– Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.
Hier findet ihr meine ausführliche Rezension zu „Die letzte Fehde an der Havel“.

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Das Buch „Der Verrat der Kaufmannswitwe“ von Silke Elzner ist ein historischer Roman, welcher im 14. Jahrhundert in Dortmund spielt und den Verrat der Dortmunder Bürgerin Agnes von der Vierbecke zeigt, aus welchen sich die „Große Fehde“ mit dem Grafen von der Mark entwickelte.

Im Jahr 1376: Die junge Beleke wird von ihren Eltern als Magd auf die Burg Altena geschickt. Hier muss sie schwer arbeiten, lernt aber auch den gutaussehenden Ritter Rotger kennen – und lieben. Während die Bewohner der Burg eingeschneit sind, kommen sich die Beiden näher. Als Rotger abgereist ist, erkennt Beleke, dass sie schwanger ist. Ihre Familie verstößt sie und so reißt Beleke Rotger hinterher – völlig mittellos und in ständiger Gefahr. Sie landet in der Stadt Dortmund, wo Beleke von der fürsorglichen Kaufmannswitwe Agnes von der Vierbecke aufgenommen wird.
Doch ein wohl gehütetes Geheimnis der Kaufmannswitwe bringt alle in große Gefahr.

Im September 2022 erhielt ich das Buch „Die letzte Fehde an der Havel“ von Silke Elzner als Rezensionsexemplar und war von der Geschichte sehr begeistert – vor allem überraschten mich die authentischen und vielfältigen Figuren mit ihrer charakterlichen Tiefe und Wechselhaftigkeit.
Ich freute mich sehr, als die Autorin Ende Mai 2023 ihr neues Buch „Der Verrat der Kaufmannswitwe“ ankündigte, da die Zeit, in der das Buch spielt, vor allem aber der Handlungsort sofort mein Interesse geweckt haben. Ich konnte es kaum erwarten, endlich dieses Buch zu lesen.
Freundlicherweise habe ich das Buch von der Autorin als vorzeitiges Rezensionsexemplar zugesendet bekommen, wofür ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanke.
Als ich 2014 und 2021 in Dortmund in einer Buchhandlung nach einem historischen Roman aus der Gegend fragte, konnte mir leider nichts empfohlen werden – denn es gab nichts. Was freute ich mich, als ich sah, dass dieses Buch nun genau dort spielt und auch noch in einer meiner bevorzugten Epoche: Im Spätmittelalter (ca. 1250 bis ca. 1500). Es ist eine sehr interessante aber auch brutale Zeit, welche von der Großen Hungersnot 1315–1317, dem Schwarzen Tod und dem Hundertjährigen Krieg (1337 – 1453) geprägt wurde. Kälte, Krankheiten, politische Unruhen, hohe Kriminalität und geringer Verdienst waren in der Bevölkerung verbreitete Probleme.
Der Name Agnes von der Vierbecke sagte mir allerdings nichts und ich war sehr gespannt, wie dieses Buch meinen geschichtlichen Horizont erweiterten könnte.

Neben dem Klappentext zog mich das sehr ansprechende und stimmige Cover an: Zu sehen ist das Portrait einer Frau. Ihre dunklen Haare sind in der Mitte gescheitelt und straff zusammen gebunden. Mit einem durchdringenden Blick sieht sie direkt den Betrachter an. Ihr prächtiges dunkles Kleid wird mit einem zusätzlich sehr opulenten Geschmeide vervollständigt. Der Hintergrund des Bildes ist dunkel, Kleid und Hintergrund vereinen sich nach unten hin. Umrandet wird das Bild mit einem prunkvollen Goldrahmen, wodurch das Cover wie ein Gemälde wirkt.

Das Taschenbuch ist sehr hochwertig und kunstvoll gestaltet: Der Klappentext auf der Rückseite ist ebenfalls mit einem Goldrahmen versehen. Zudem ist der Buchrücken der absolute Hingucker und außerordentlich schön gestaltet – dadurch wirkt es wie ein altes gebundenes Buch.
Im Inneren des Buches befindet sich eine Karte, auf welcher die Hauthandlungsorte zu sehen sind. Es folgt ein umfangreiches Personenregister, dann die beiden Hauptteile des Buches. Mit dem ausführlichen Nachwort, der Danksagung der Autorin und einer Kurzbiographie der Autorin wird das Buch abgeschlossen.
Die Gesamthandlung des Buches umfasst 12 Jahre und spaltet sich in insgesamt 38 Kapitel und zwei Teile auf: Der erste Teil setzt im Jahr 1376 in Altena an und endet 1378, der zweite Teil beginnt dann 10 Jahre später.

Ab der ersten Seite konnte mich die Geschichte und die vielfältigen Figuren in ihren Bann ziehen. Es ist, wie der Blick in das Personenregister zeigt, eine gelungene Mischung aus historischen und fiktiven Figuren.
Beleke und Rotger und ihre Geschichten sind fiktiv, sie werden von der Autorin sehr authentisch dargestellt und fügen sich wunderbar in das historische Umfeld ein.
Ich mochte Beleke schnell sehr gerne: Sie ist zu Beginn ein junges und etwas naives Mädchen, welches sich gerne aus ihrer tristen Realität in farbenfrohe Tagträume flüchtet. Als sie dann als Magd auf der Burg arbeitet, wird sie vom wahren Leben eingeholt und sie muss schneller erwachsen werden und Verantwortung übernehmen, als sie es sich vorstellen vermag.

„Auf den Weg, dachte sie verbittert. Nur wo sollte sie hin? Niemand wollte sie mehr haben.“

[Kapitel 10]

Beleke ist eine Kämpferin, welche immer wieder aufsteht und sich nicht so schnell unterkriegen lässt. Sie entwickelt sich während der insgesamt zwölf Jahre umspannenden Handlung von einem etwas leichtgläubigen Mädchen zu einer erwachsenen Frau und Mutter.
Rotger hingegen ist zu Beginn der Geschichte bereits vom Leben gezeichnet und hat viele Erfahrungen und Erlebnisse hinter sich. Er ist ein schwer zu durchschauender Charakter, einerseits ist er Beleke gegenüber liebevoll, auf der anderen Seite ist er der kaltblütige Ritter, welcher auch gerne mehr trinkt, als ihm gut tut. Von seinen Eltern verstoßen führt er ein Leben, welches von Verlust, Unstetigkeit und Kampf geprägt ist. Beleke schafft es, seine harte Schale ein Stück weit zu knacken und den verletzten Menschen darunter zum Vorschein zu bringen.

„Der Schmerz, den er seit der Jugend in seinem Herzen verschlossen gehalten hatte, war in den letzten Tagen mehrmals durch ihre Anteilnahme hervorgebrochen, und er hatte selbst bemerkt, wie tröstend ihr geduldiges Ohr war.“

[Kapitel 6]

Einerseits stieß mich sein Denken und Handeln gegenüber Frauen ab, seine verletzliche Seite macht bei diesen mitunter kühlen und berechnenden Charakter aber auch viel aus.
Neben diesen beiden fiktiven Figuren steht die historische Agnes von der Vierbecke im Mittelpunkt der Geschichte. Wie ich bereits weiter zu Beginn der Rezension erwähnt habe, sagte mit dieser Name bisher noch nichts, dank diesem Roman habe ich nun ein Bild dieser ungewöhnlichen Frau. Silke Elzner beschreibt die Gefühlswelt von Agnes (im Roman oft Neyse genannt) sehr detailliert und schafft mit ihr eine Figur, deren mitreißendesund grausames Schicksalich so schnell nicht mehr vergessen werde.
Sie steht nach dem Tod ihres Ehemanns völlig unter der Fuchtel ihres Schwagers. Ihr persönliches Glück bringt sie in Dortmund schnell in Verruf.

„»Du und ich, wir beide wissen, dass es ein Gerücht ist, in die Welt gesetzt von Zankweibern, die nur neidisch sind, dass sie wie Sperlinge in ihrem bedeutungslosen Leben gefangen sind. Wohingegen du strahlst und schillerst wie ein Eisvogel. Sie wollen so sein wie du, meine Teure, und weil sie es nicht können, streben sie danach, dich zu vernichten.«“

[Kapitel 21]

Neyse ist ein herzensguter Mensch – ihr liegen die Armen sehr am Herzen und und kann mit ihrer gütigen und gleichzeitig strengen Art und Weise vielen ein neues Leben ermöglichen. Zeitgleich wirkt sie aber auch ungestüm und lässt sich zu schnell von ihrem Herzen leiten.
Über die historische Agnes und ihre Lebensumstände ist recht wenig bekannt. Silke Elzner verwebt in ihrem Roman Fakten und Fiktion und baut um und mit den gesicherten Erkenntnisse herum eine sehr glaubhafte Geschichte auf.
Neben diesen Hauptfiguren gibt es noch einige weitere Figuren, auf welche ich aber nicht detailliert eingehen möchte, da ich sonst zu viel von der Handlung vorwegnehme.
Silke Elzner hat einigen historischen Figuren nachgespürt und zeigt Menschen mit Ängsten und Selbstzweifeln. Sie alle hatten Träume, Wünsche und Ziele. Diese historischen und auch die vielen fiktiven Figuren konnten mich mit ihrer Lebensechtheit, ihrer Vielfältigkeit und ihren packenden Lebensgeschichten überzeugen. Auch die Tragik, die Spannungen, Zerwürfnisse und Differenzen zwischen einigen der Figuren waren stets fühlbar und zogen mich schnell in diese spannende Geschichte hinein. Es sind Figuren, welche ich mit Sicherheit noch lange in meinem Herzen tragen werde.

Wie auch schon „Die letzte Fehde an der Havel“ konnte mich auch diese großartige Geschichte ab der ersten Seite in ihren Bann ziehen. Silke Elzner erzählt bildgewaltig, fesselnd und mit großer Leidenschaft. Sie zeichnet die ein starkes und unverzerrtes Bild der damaligen Zeit und schafft in ihrem Buch eine sehr dichte Atmosphäre, in welcher ich völlig abtauchen konnte. Nur ungern legte ich das Buch aus den Händen. Die Handlung, welche chronologisch erzählt wird, ist durch die vielen Verstrickungen nie langweilig oder langatmig – sie besticht von Beginn an durch ein hohes erzählerisches Tempo.

Wie bereits oben angemerkt, bildet das sogenannte Spätmittelalter den historischen Hintergrund des Buches. Es ist eine Zeit, welche von Umbrüchen geprägt war: Das Mittelalter, und damit auch das Rittertum, haben ihre Hochzeiten hinter sich, doch noch immer herrschen Kriege und vor allem Fehden. Die Ständegesellschaft prägt das Leben der Menschen, auch wenn in den Städten das Bürgertum immer stärker wird (Stichwort: „Stadtluft macht frei“).
Silke Elzner hat diese vielen geschichtlichen Hintergründe akribisch recherchiert und stellt diese sehr bildhaft und glaubwürdig dar. Sie bettet ihre historischen und fiktiven Figuren in die geschichtlichen und gesicherten Hintergründe ein und verwebt deren Schicksale miteinander und untereinander zu einer großen, stimmigen und mitreißenden Geschichte.
Mit dem Handlungsort in und um Dortmund herum, betrat ich geschichtliches Neuland. Da ein Teil meiner Familie in dieser Gegend wohnt, interessiert mich diese Gegend und auch die Historie sehr und ich habe mit dem Buch „Der Verrat der Kaufmannswitwe“ einiges – vor allem über „Die große Dortmunder Fehde“ – gelernt.

Zum Ende dieser Rezension möchte ich mich ganz herzlich bei Silke Elzner für dieses wunderbare, lehrreiche und packende Leseerlebnis bedanken.

Fazit: Ein Roman, der mich ab der ersten Seite gepackt und nur noch schwer losgelassen hat. Mit vielfältigen Charakteren und einer spannenden Geschichte schafft Silke Elzner ein authentisches, farbenfrohes und unvergessliches Spektakel der Superlative. Ein MUSS für jeden Liebhaber und jede Liebhaberin des historischen Romans. Unbedingt lesen!

*Ich habe für diese Rezension von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„Bella Donna – Die Malerin von Rom“

von Catherine Aurel

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 14. Juni 2023
Verlag: Penguin
Ausgabe: Paperback und eBook
ISBN: 978-3-328-10550-3
Seitenanzahl: 417 Seiten
Preise: Taschenbuch: 16€, eBook: 9,99€

https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/Bella-Donna-Die-Malerin-von-Rom/Catherine-Aurel/Penguin/e557269.rhd

Klappentext:
„Rom, das Zentrum der Macht und der Künste: Nur widerwillig folgt Tina ihrem Mann Adamo Bellani in die Ewige Stadt, wo der Erbe des Florentiner Schönheitsimperiums ins Bankiersgeschäft einsteigen will. Auf dem Weg nach Rom begegnen sie der aufstrebenden Malerin Sofonisba, die nach dem Willen ihres Vaters den großen Michelangelo mit ihrem Werk beeindrucken soll. Zu dritt setzen sie ihre Reise fort – sehr zum Missfallen von Tina, die eifersüchtig auf die selbstbewusste Künstlerin ist. Kaum in Rom angekommen werden Adamo, Tina und Sofonisba in eine Intrige verwickelt, die sich bis ins Zentrum der Macht erstreckt. Die beiden ungleichen Frauen müssen zusammenhalten, um nicht nur eine junge Liebe, sondern auch den Bau des großen Petersdoms zu retten …“

Hinweise:
– Das Buch ist der dritte Teil der „Töchter-Italiens-Reihe“, welcher unabhängig von den beiden ersten Bänden gelesen werden kann.

– Hier sind meine Rezensionen: „Bella Donna – Die Schöne von Florenz“ und „Bella Donna – Die Herrin von Mantua“.
– Das Buch habe ich freundlicherweise vom Verlag über das ‚Bloggerportal‘ als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!

– Ich habe für diese Rezension vom Verlag und/ oder von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

Coverrechte: Penguin Verlag

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Das Buch „Bella Donna – Die Malerin von Rom“ von Catherine Aurel ist der dritte und abschließende Teil der „Töchter-Italiens-Reihe“, spielt in der Mitte des 16. Jahrhunderts in Rom und zeigt einen Einblick in das Leben der in Vergessenheit geratenen Malerin Sofonisba Anguissola.

Italien 1557: Auch wenn Adamo der Erbe des Schönheitsimperiums „Casa Bellani“ in Florenz ist, führt seine Frau Tina das Unternehmen. Mit Leidenschaft und Hingabe steht sie jeden Tag im Geschäft und es gibt für sie keine größere Bestätigung, wenn eine Kundin dieses glücklich und zufrieden wieder verlässt. Adamo hingegen kann mit seinem Erbe nichts anfangen und möchte unbedingt ins Bankgeschäft einsteigen. Als er die „Casa Bellani“ verkauft und nach Rom aufbricht, begleitet in Tina nur widerwillig.
Unterwegs treffen sie auf die selbstbewusste Malerin Sofonisba, welche sich mit ihrem Vater ebenfalls auf dem Weg in die Ewige Stadt befindet – dort soll sie mit ihrem Werk den großen Michelangelo beeindrucken. Zu dritt setzen sie ihre Reise gen Rom fort, auch wenn sich die beiden völlig verschiedenen Frauen alles andere als sympathisch sind.
Doch kaum sind sie angekommen, geraten die drei in eine weitreichende Intrige. Sie müssen zusammenhalten, den auch der Bau des Petersdom ist in großer Gefahr.

Catherine Aurel ist das Pseudonym von Julia Kröhn, welche mich schon seit vielen Jahren mit ihren vielfältigen Romanen begleitet und begeistert.
Im Mai 2021 habe ich den ersten Teil der „Töchter – Italiens“ Trilogie „Bella Donna – Die Schöne von Florenz“ gelesen, ein Jahr später dann den zweiten Band „Bella Donna – Die Herrin von Mantua“. Diese beiden Teile konnten mich sehr überzeugen und ich war schon sehr gespannt auf den Abschluss der Reihe welche ich einfach lesen musste. Ich fragte im ‚Bloggerportal‘ ein Rezensionsexemplar an und bekam es freundlicherweise genehmigt und zugesendet – an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an den Penguin-Verlag.
Alle drei Teile Teile der Buchreihe können unabhängig voneinander gelesen werden, da immer einige Jahre zwischen den Geschichten liegen und auch jeweils andere Figuren und Städte eine Rolle spielen. Während der erste Teil in Florenz angesiedelt ist, spielt der zweite Teil vorwiegend in Mantua und Venedig, die Handlung des dritten Teils findet weitgehend in Rom statt und spielt fast 100 Jahre nach dem ersten Band.

Das Buch ist eine Klappbroschur (Paperback) und passt mit dem ausdrucksstarken Cover wunderbar und unverkennbar zu den beiden anderen Bänden der Reihe.
Im Vordergrund befindet sich eine Frau in einem rot-orangen Kleid, welche mit dem Rücken zum Betrachter steht. Sie blickt auf die Stadt Rom, welche mit dem Petersdom und der charakteristischen Kuppel eindeutig zu erkennen ist. Über der Stadt und der Frau erhebt sich ein blauer, leicht bewölkter Himmel.
Auf der vorderen Klappe werden die ersten beiden Teile vorgestellt, auf der hinteren Klappe befindet sich ein Foto und eine kurze Biografie der sympathischen Autorin. Das Innere der Klappen ist leer geblieben, was ich etwas schade finde – hier hätte es sich angeboten zum Beispiel Kartenmaterial oder Schönheits-Rezepte unterzubringen.
Mit dem Personenregister geht es los, dem schließt sich ein sehr stimmungsvolles Zitat von Michelangelo an. Danach beginnt direkt der erzählerische Teil, welcher sich auf insgesamt 18 Kapitel aufteilt und im August 1557 beginnt. Es folgen der ‚Anhang‘ und die ‚Historische Anmerkung‘ – hier geht die Autorin ausführlich auf Fakt und Fiktion ein.

Auch in diesem Teil gibt es wieder einige historische Persönlichkeiten, welche an der Seite von fiktiven Charakteren gekonnt zum Leben erweckt werden. Alle Figuren, egal ob historisch oder fiktiv, haben mich mit ihrer authentischen und teils sehr ambivalenten Charakterzeichnung und ihrer glaubhaften Entwicklung überzeugen können.
In diesem Buch stehen die fiktive Tina Bellani und ihr Mann Adamo neben der historischen Sofonisba Anguissola (1531/1532 – 1625) im Mittelpunkt der Geschichte. Während ich Tina mit ihrer freundlichen Art direkt in mein Herz schloss, stieß mich Adamos abfälliges und gemeines Verhalten seiner Frau gegenüber sehr ab.
Sofonisba ist eine der vielen historischen Persönlichkeiten und Catherine Aurel hat diese großartige Künstlerin aus der allgemeinen und ungerechten Vergessenheit geholt und ihr damit ein Denkmal gesetzt – auch wenn das ein oder andere dazu gedichtet wurde. Sie ist eine Frau, welche völlig und wahrhaftig für die Kunst lebt.

„»Ein echter Künstler hat nicht nur einen geübten Blick, er darf sich nicht allein aufs Schauen verlassen. Es genügt schließlich nicht zu malen, was man sieht. Ein Bild wird erst lebendig, wenn man auch malt, was man fühlt, den Menschen nicht bloß darstellt, vielmehr die Essenz seines Wesens einfängt. Außerdem gilt es, die Welt zwar als das zu sehen, was sie ist – und das ist eben oft ein hässlicher, trauriger Ort -, doch wir müssen der Hoffnung Rechnung tragen, sie könnte eine bessere werden. Künstler wie ich suchen nicht allein die Schönheit, Künstler wie ich suchen die Wahrheit – weil wir von der Sehnsucht getrieben sind, alle Menschen mögen wahrhaftig sein, sich nicht in Lügen und Trugbilder verstricken.«“

[Seite 212/ 213]

Neben diesen drei Hauptfiguren steht Michelangelo im Zentrum der Geschichte. Ich mag es sehr, wenn historische Figuren zum Leben erweckt werden und somit auch ein privater Blick auf diese berühmten und bekannten Figuren geworfen werden kann. Er ist zu Beginn dieser Geschichte bereits 82 Jahre alt und hat in dieser Zeit schon so einiges erlebt. Doch zur Ruhe setzen kann er sich nicht – und auch vor Intrigen ist er nicht gefeit. Er wirkt zu Beginn recht grummelig, hat aber doch das Herz am rechten Fleck.
Es spielen noch einige historische und auch fiktive Figuren in diesem Roman mit. Während viele von ihnen eine große Rolle spielen, agieren einige von ihnen am Rand. All ihre Geschichten, Dramen und die kleinen und großen Schicksale sind wunderbar miteinander verbunden und sie ergeben zusammen ein gutes Bild der damaligen Gesellschaft.

Es war eine gespaltene Gesellschaft: Die katholische Kirche stand der Reformation gegenüber und wollte diese mit allen Mitteln verhindern. Anhänger des neuen Glauben wurden als Ketzer bezeichnet und erbarmungslos verfolgt.
Das Land Italien, wie wir es heute kennen, gab es zu dieser Zeit nicht. Es bestand aus einzelnen Markgrafschaften (z.B. Saluzzo, Monferrat), einzelnen Herzogtümern (z.B. Parma, Modena und Mantua), einzelnen Fürstentümern (z.B. Massa), einzelnen Republiken (z.B. Republik Venedig, Republik Genua, Republik Florenz) und dem Kirchenstaat. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts kämpften mehrere europäische Staaten um Italien. Die Kriege um die Kontrolle über Italien waren Teil des Kampfes der europäischen Staaten um die Vorherrschaft auf dem Kontinent. Das Schicksal der Halbinsel wurde durch ein ständig wechselndes Mächtegleichgewicht bestimmt. Die vielen Kriege zermürbten Italien und dauerten bis zum Frieden von Cateau-Cambrésis im Jahr 1559 an. Spanien wurden große Teile Italiens zugesprochen und kontrollierte zudem indirekt auch den Kirchenstaat.

„Auch Italien hatte nie unter einem Banner gestanden, sondern war in etliche kleine Machtbereiche zersplittert. Anstatt gemeinsame Front gegen die zahlreichen Feinde von außen zu machen – Spanier, Franzosen, Deutsche – und ein gemeinsames Heer aufzustellen, hatten sich die heillos zerstrittenen Fürstentümer mal mit dem einen, mal mit dem anderen Gegner verbündet. Und ebenso hielt es der Papst.“

[Seite 47]

Trotz dieser Kriege und Fremdherrschaften erlebte das Land die wirtschaftliche und kulturelle Blüte der Renaissance. Zu dieser Zeit erstrahlten die italienischen Kulturmetropolen, allen voran Rom, Florenz und Venedig, weit über Italien und Europa hinaus und es entstanden viele bis heute bewunderte und beachtete Kunstwerke und Bauten. Hier ist vor allem der für die Handlung relevante Petersdom und die Deckenbemalung der Sixtinischen Kapelle von Michelangelo zu nennen.
All diese vielfältigen geschichtlichen und künstlerischen Hintergründe hat die Autorin akribisch recherchiert und erzählt Geschichte äußerst lebendig und mit viel Leidenschaft. Zudem verbindet sie die Lebensgeschichten ihrer fiktiven Figuren meisterhaft mit den historischen Ereignissen und Figuren.
Wie auch in den ersten beiden Teilen empfand ich die Beschreibungen der Malerei und Kunst sehr spannend und ich habe einiges dazugelernt und meinen Horizont erweitert. Sofonisba und ihr beachtliches Werk waren mir zuvor kein Begriff – das hat sich nun Dank dieses ausgezeichneten Romans geändert.

Die chronologisch erzählte Handlung beginnt direkt mit dem ersten Kapitel und setzt im August 1557 an. Ich war sehr schnell in der Geschichte angekommen und fühlte mich auch sehr wohl.
Zusammen mit ihrer Ortskenntnis, ihrer akribischen Recherche und ihrer bildhaften und einfühlsamen Sprache sowie lebendig gezeichneten Charakteren hat Catherine Aurel ein eindrucksvolles Lese-Erlebnis geschaffen, für welches ich mich nun am Ende dieser Rezension ganz herzlich bei der Autorin bedanke.
Und: Ich freue mich schon auf viele weiteren Bücher und bin gespannt, wo diese uns hinführen werden.

Fazit: Das Buch „Bella Donna – Die Malerin von Rom“ ist ein sehr gelungener Abschluss einer farbenprächtigen Buchreihe, welche mich seit Mai 2021 begleitet und begeistert hat. Es ist eine Geschichte, welche mein Wissen erweitert hat und mich mit vielfältigen Charakteren bestens unterhalten konnte. Sehr lesenswert!

* Ich habe für diese Rezension von der Autorin und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Bereitstellung eines kostenlosen Rezensionsexemplars durch den Verlag, der Titelbezeichnung/ Namensnennung und der Link zur Verlagshomepage muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„KaDeWe – Haus der Wünsche“

von Marie Lacrosse

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Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 14. Juni 2023
Verlag: Goldmann
Ausgabe: Paperback und eBook
ISBN: 978-3-442-20639-1
Seitenanzahl: 704 Seiten
Preise: Paperback: 16€, eBook: 12,99€

https://www.penguinrandomhouse.de/Marie-Lacrosse-KaDeWe/KaDeWe-Haus-der-Wuensche-2-/aid86441_23122.rhd

Klappentext:
„Berlin Mitte der 20er Jahre: In der Stadt tobt das Leben, die Strenge des Kaiserreichs ist passé, und Frauen eröffnen sich nie dagewesene Chancen. Im KaDeWe hat sich die Verkäuferin Rieke Krause zur Abteilungsleiterin emporgearbeitet. Währenddessen macht Judith Bergmann Karriere an der Universität und ist mit einen der neuen Geschäftsführer liiert. Rieke und Judith haben noch viele Pläne. Doch dann ziehen dunkle Wolken am Horizont auf. Die neuen Machthaber versuchen, die jüdischen Eigentümer des KaDeWE aus dem Unternehmen zu drängen. Und auch auf Rieke und Judith kommen schwere Zeiten zu …“

Hinweise:
– Das Buch ist der dritte Teil der Reihe „KaDeWe. Falls ihr den ersten Teil „Haus der Träume“ noch nicht kennt und lesen möchtet, solltet ihr diese Rezension nicht lesen – Spoilergefahr!
– Das Buch habe ich freundlicherweise von der Autorin und dem Goldmann Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!

– Ich habe für diese Rezension von der Autorin und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

Coverrechte: Goldmann Verlag

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Das Buch „KaDeWe – Haus der Wünsche“ von Marie Lacrosse ist der zweite und damit abschließende Teil einer Dilogie und zeigt den weiteren Werdegang des KaDeWe in Berlin von 1927 bis 1936.

Berlin 1927: Mit viel Fleiß und Engagement hat sich Rieke vom Kassenmädchen zur Verkäuferin hochgearbeitet. Nun steht ihre Beförderung zur Leiterin einer sehr gefragten Abteilung im berühmtem KaDeWe an und Rieke wähnt sich am Ziel ihrer Träume. Auch wenn das Kaufhaus an andere Eigner verkauft wurde, hat Rieke nach wie vor mit einem missgünstigen Vorgesetzten zu kämpfen, welcher ihr alles andere als wohlgesonnen ist.
Ihre Freundin Judith Bergmann macht währenddessen an der Universität Karriere. Doch sie kann ihre Augen nicht vor der bitteren Armut verschließen, welche Berlin immer fester im Griff hat – der unermessliche Luxus im KaDeWe steht im heftigen Kontrast zu diesem Elend.
Auf den Straßen Berlins macht sich Unfriede breit, welcher von den Anhängern der NSDAP weiter befeuert wird. Viele sehen in den jüdischen Mitmenschen die Schuldigen, dabei bleibt es nicht nur bei wüsten Beschimpfungen und Beleidigungen. Auch die neuen jüdischen Eigentümer des KaDeWe stehen dem blanken Hass vieler Menschen gegenüber und sie sollen mit allen Mitteln aus dem Unternehmen gedrängt werden.
Rieke und Judith müssen schwere Entscheidungen treffen.

Marie Lacrosse ist das Pseudonym der Autorin Marita Spang – eine meiner absoluten Lieblingsautorinnen. Schon seit einigen Jahren begeistert sie mich mit ihren historischen Romanen und jede Neuerscheinung wird sehnsüchtig erwartet. Die Buchreihen um „Das Weingut“ (erschienen 2018, 2019) und „Das Kaffeehaus“ (erschienen 2020, 2021) haben mich bestens unterhalten und stehen an der Spitze meiner absoluten Lieblingsbücher.
Als sie zu Beginn des Jahres 2022 ihre neue zweiteilige Reihe über das KaDeWe ankündigte, war mein Interesse direkt geweckt. Ich durfte dieses Kaufhaus 2005 und 2008 besuchen und war beide Male von der Größe und dem immensen Angebot fasziniert. Auch wenn der ursprüngliche Bau im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, gilt das KaDeWe als das bekannteste Warenhaus in Deutschland und ist mit 60.000 Quadratmetern Verkaufsfläche eines der größten Warenhäuser in Europa.
Der Auftakt „KaDeWe-Haus der Träume“ konnte mich im Oktober 2022 mit einer erleb- und fühlbaren Atmosphäre, sowie mit starken und unvergesslichen Charakteren bestens unterhalten. Mit großer Vorfreude (und Ungeduld) habe ich die Fortsetzung erwartet.
Auch den hier vorliegenden zweiten Teil bekam ich von der Autorin über den Goldmann Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zugesendet, wofür ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken möchte.

Im Vordergrund des Covers befindet sich am rechten Bildrand eine Frau, welche dem Betrachter den Rücken zuwendet und mit in einem lilafarbenen Kostüm bekleidet ist. Ihr Blick geht nach links – damit wird ihr Profil sichtbar. Den Hintergrund bildet die Fassade des KaDeWe – hier stehen und laufen Menschen davor, von denen auch einige einen Blick in die Schaufenster werfen. Durch diese vielen Menschen wirkt das Cover insgesamt sehr bewegt und lebendig, vor allem aber stimmungsvoll. Auffällig ist, dass die Markisen des Gebäudes farblich zu der Kleidung der Frau im Vordergrund passen.
Ein weiterer Blickfang ist der Buchtitel und der Untertitel, welcher im unteren Bereich des Covers steht und mit zwei versetzten Quadraten umrandet wird. Der Name der Autorin befindet sich ganz oben. Zusammen mit den perfekt zueinander passenden Covern und den abgestimmten Buchtiteln hat diese Dilogie einen sehr gelungenen Wiedererkennungswert.
Das Buch ist eine sehr schön gestaltete und hochwertige Klappbroschur. Auf der vorderen Klappe ist ein stimmungsvoller Textausschnitt abgedruckt, in der Klappe befindet sich ein Bild des KaDeWe. Auf der hinteren Klappe wird die sympathische Autorin vorgestellt, im inneren werden die beiden Teile der Dilogie gezeigt.
Der Widmung des Buches folgen drei sehr unterschiedliche Zitate von Personen aus der Zeit, in der die Handlung des Buches angesiedelt ist. Diesen Zitaten schließt sich das ausführliche Personenregister („Dramatis Personae“) an. Der Hauptteil beginnt mit einem Prolog, welcher im Januar 1927 ansetzt, und wird mit einem Epilog abgeschlossen, welcher im August 1936 spielt. Es folgen das umfangreiche Nachwort der Autorin, ein Glossar und ein Verzeichnis der wichtigsten Quellen.

Die Haupthandlung des Buches gliedert sich in vier Teile auf:

– „Teil 1: Hoffnung und Aufbruch (1927 – 1928)
– „Teil 2: Sorgen und Ängste (1929 – 1930)
– „Teil 3: Glanz und Elend (1931 – 1932)
– „Teil 4: Macht und Ohnmacht (1933 – 1934)

Zusammen mit dem Prolog und dem Epilog umfasst die gesamte und chronologisch erzählte Handlung etwa neuneinhalb Jahre.
Meiner Meinung nach ist es empfehlenswert, dass man den ersten Band der Buchreihe bereits gelesen hat, da man die Hintergründe, vor allem aber die Entwicklungen der einzelnen Figuren besser nachvollziehen kann – es ist aber nicht unbedingt erforderlich. Auch ohne Kenntnisse von „KaDeWe – Haus der Träume“ bietet dieser zweite Band ein unterhaltsames und dramatisches Lese-Erlebnis.

Ein Blick in das ausführliche Personenregister am Anfang des Buches zeigt, dass eine Vielzahl an Figuren in diesem Roman eine Rolle spielen. Viele von ihnen sind fiktiv, einige sind historische Persönlichkeiten oder diesen nachempfunden.
Judith und Rieke, zwei fiktive Frauen, welche von ihren familiären Hintergründen her nicht unterschiedlicher sein könnten und bereits aus dem ersten Band bekannt sind, stehen im Mittelpunkt der Geschichte. Sie sind beide seit ihrer Kindheit mit dem KaDeWe vertraut, kennen es aber jeweils aus völlig unterschiedlichen Blickwinkeln: Während Rieke es durch die harte Arbeit ihrer Mutter bereits im Kindesalter kennenlernt und später auch zu ihrem Arbeitsplatz wird, kann Judith durch die hochgestellte Arbeit ihres Vaters von Beginn an eher den Luxus und Glanz des Kaufhauses genießen.
Rieke ist eine äußerst hilfsbereite und sympathische Frau, welche sich durch ihren Fleiß und Engagement im KaDeWe hocharbeitet. Auch privat hat sie ihr Glück an der Seite von dem fürsorglichen Peter gefunden. Sie hat sich sehr glaubhaft weiterentwickelt und ist nach wie vor immer für andere Menschen in ihrer Umgebung da – vor allem für ihre Mutter. Auch wenn es nicht immer leicht ist, nimmt ihr Leben in die Hand und gibt sich nicht auf. Als Abteilungsleiterin ist sie eine Vorgesetzte, wie man sie sich wünscht: Sie ist immer für ihre Mitarbeiterinnen da und fällt ihnen niemals in den Rücken.
Auch Judith ist empathisch und hilfsbereit und verschließt nie die Augen vor der Armut und dem Elend in Berlin in den 1920er Jahren. Da ihr in ihrem liebevollen Elternhaus nie die Bildung verwehrt wurde, kann sie nun ihr Leben finanzieren und ist auch an der Universität als Dozentin gefragt. Doch Judith ist sich nicht sicher, ob ihr nur die Karriere als Lebensinhalt reicht. Sie wünscht sich auf der einen Seite eine eigene Familie, möchte aber auf der anderen Seite ihre Eigenständigkeit nicht aufgeben und die Karriere an den Nagel hängen. Auch Judith hat eine sehr glaubwürdige Entwicklung durchgemacht und ist, neben Rieke, eine meiner Lieblingsfiguren in dieser Buchreihe.
Auf den ersten Blick wirken Rieke und Judith völlig verschieden, sie haben aber doch viele Gemeinsamkeiten und sie eint eine tiefe und innige Freundschaft zueinander.
Neben diesen beiden Hauptfiguren stehen deren Familien: Riekes Mutter, welche nach dem Tod ihres gewalttätigen Mannes einen neuen Mann an der Seite hat, tritt in diesem Teil etwas in den Hintergrund, sie ist aber für Rieke nach wie vor ein wichtigster Bezugspunkt und Vorbild. Ihr verdankt sie einiges und so ist für Rieke klar, dass sie jetzt auch für ihre eher zurückhaltende Mutter da ist. Sanni, Riekes jüngere Schwester, setzt ihre negative Geschichte und Entwicklung aus dem ersten Band weiter fort und sorgte mit ihren Äußerungen und Ansichten des Öfteren bei mir für Kopfschütteln.
An Judiths Seite stehen ihr Vater Paul und ihre Mutter Rebekka, mit denen sie in einer herrschaftlichen Villa lebt. Auf den ersten Blick wirkt die Familie Bergmann sehr harmonisch, doch eine furchtbare Tragödie hat Spuren und Wunden in der Familie hinterlassen. Pauls loyalen Charakter und seine differenzierte Sicht auf die Dinge, mochte ich bereits im Auftakt der Reihe. Mit Rebekka hingegen wurde ich bis zum Ende der Reihe nicht richtig warm.
Eng mit der fiktiven Familie Bergmann verbunden, ist die historisch belegte Familie Tietz und deren fürchterliches Schicksal. Da es nur einige wenige Fakten über Georg und Martin Tietz sowie den Schwiegersohn Dr. Hugo Zwillenberg gibt, heißt es im Nachwort von Marie Lacrosse dazu, dass die Charaktere „daher hauptsächlich intuitiv nachgestellt“ (S. 687) sind und die „Charakterisierung der drei Geschäftsführer der Hermann Tietz OHG also eher auf […] Fantasie, als Fakten beruht.“ (S. 688). Diese intuitive Nachstellung beherrscht Marie Lacrosse wunderbar und sie hat damit sehr authentische Figuren geschaffen – vor allem Martin Tietz mit seiner sprunghaften und auch anmaßenden Art ist gut gelungen.
Um diese Figuren agieren noch einige weitere historische und fiktive Figuren. Hier ist die historische Alice Salomon zu nennen – dieser interessanten und vielschichtigen Frau hat Marie Lacrosse in ihrer Dilogie ein Denkmal gesetzt und sie und die anderen Frauen der ersten Frauenhochschule damit aus der allgemeinen Vergessenheit geholt.
Einige der zahlreichen Figuren sind bereits aus dem Auftakt der Reihe bekannt und entwickeln sich sehr lebensecht und glaubhaft weiter. Alle Figuren werden mit vielen Facetten und Emotionen realistisch zum Leben erweckt und wunderbar mit all ihren Dramen und Schicksalen miteinander verwoben. Auch wenn nicht alle Figuren sympathisch sind, bilden sie alle zusammen ein sehr authentisches Bild der Gesellschaft in den 1930er Jahren in Berlin.

Es war eine Gesellschaft der Gegensätze: Während in großen Kaufhäusern (vor allem im KaDeWe) der pure Luxus angeboten werden konnte, nahm die Armut und das Elend in weiten Teilen der Bevölkerung immer weiter zu.
Viele Familien hausten in Unterkünften, welche das Wort Wohnung nicht einmal verdienten – Schimmel, verdrecktes und untrinkbares Trinkwasser, wenig bis gar kein Tageslicht. Diese Missstände zeigt Marie Lacrosse anhand der Wohnsiedlung Meyers Hof – es fiel mir teilweise sehr schwer, diese Passagen über die heutzutage unvorstellbaren Lebensumstände zu lesen. Die Weltwirtschaftskrise war im vollen Gange. Es kam zu äußerst prekären Einkommenssituationen und die immer weiter steigende Zahl der Arbeitslosen: Lag die Zahl der Arbeitslosen im Jahr 1927 bei etwa 1 Millionen, waren im Februar 1930 bereits 3,5 Millionen Menschen ohne Arbeit. Zwei Jahre später erreichte die Krise auf dem Arbeitsmarkt ihren Höhepunkt: Über 6 Millionen Arbeitslose waren gemeldet.
All diese Umstände ließ die verheerende Saat der Nationalsozialisten auf fruchtbaren Boden fallen. Schnell wurde die NSDAP stärkste Macht und noch schneller wurden Sündenböcke für die miserable Lebensbedingungen gefunden und Feindbilder erschaffen: Die Juden. Es begann mit Beleidigungen und Beschimpfungen auf offener Straße, es folgten körperliche Angriffe und Ausgrenzungen und schlussendlich Vertreibung, Verfolgung und millionenfacher Mord.

„»Wir sind gute deutsche Staatsbürger wie Millionen andere auch«, empörte sich Judith. »Wir zahlen Steuern. Johannes hat im Weltkrieg für Deutschland gekämpft. Was haben wir verbrochen, um einen solchen Hass auf uns zu ziehen?«
»Wir dienen der gläubigen Christenheit schon immer als Sündenböcke«, pflegte ihr Vater Paul lakonisch zu antworten.“

[Kapitel 19, S. 408]

Auch die neuen Eigner des KaDeWe waren vor dieser systematischen Vertreibung nicht gefeit. Nur wenige Jahre nach der Übernahme der Geschäftsführung wurde die Familie aus der Chefetage vertrieben, das KaDeWe arisiert.
Marie Lacrosse zeigt mit ihren vielfältigen Figuren sehr anschaulich, wie dieses Gedankengut in weiten Teilen der Bevölkerung angenommen wurde, bei vielen aber auch auf strikte Ablehnung traf, zeigt aber auch die Opfer dieser Verfolgungen und Ausgrenzungen. In ihrem ausführlichen Nachwort geht die Autorin auf die vielen historischen Hintergründe ein, welche sie wieder einmal hervorragend recherchiert hat und gekonnt mit den vielen Schicksalen ihrer fiktiven und historischen Persönlichkeiten verbindet.

Mit ihrem lebendigen und detaillierten, aber niemals langatmigen Sprachstil, zog mich Marie Lacrosse sehr schnell in der Geschichte, in der ich schnell wieder angekommen war. Die Einstreuung des Berliner Akzents, die Beschreibungen und Details über der Stadt und des KaDeWe sowie die vielfältigen Menschen ließen mich das Buch wie eine Zeitreise in vergangene Zeiten empfinden und ich legte es nur ungern aus den Händen.

Ich möchte mich am Ende dieser Rezension ganz herzlich bei Marie Lacrosse für dieses mitreißende Lese-Erlebnis bedanken.

Fazit: Marie Lacrosse zieht den Leser/ die Leserin ab der ersten Seite in diese emotionale und spannende Geschichte rein, welche einen nicht mehr los lässt. Lebendiger, packender und farbenprächtiger kann dieses düstere Kapitel Deutscher Geschichte nicht erzählt werden. Ein eindrucksvoller und absolut lesenswerter Abschluss einer atemberaubender Dilogie.

* Ich habe für diese Rezension von der Autorin und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Bereitstellung eines kostenlosen Rezensionsexemplars über den Verlag, der Titelbezeichnung/ Namensnennung und der Link zur Verlagshomepage muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

„Was das Herz erträumt – Die Sternberg-Saga“

von Kristina Herzog

[Werbung*]

Bibliografische Angaben:
Erscheinungsdatum: 19. Juni 2023
Verlag: Selbst-Verlag
Ausgabe: Taschenbuch und eBook
ISBN: 978-3-910798-00-7
Seitenanzahl: 442 Seiten
Preise: Taschenbuch: 14,99€, eBook: 4,99€

https://www.kristinaherzog.de/was-das-herz-ertraumt/

Klappentext:
„Eine couragierte Frau, die die Zuversicht auch in dunklen Stunden nicht aufgibt.
Zürich, 1932: Die junge Jüdin Lucie ist fest entschlossen, das neue Leben nach der Flucht in die Schweiz mit Leichtigkeit zu meistern. Und das, obwohl sie ihre große Liebe Paul in Berlin zurücklassen musste. Auch Hannah, Alma und der Rest der Familie hoffen auf einen glücklichen Neuanfang. Doch das Schicksal hat einen anderen Plan und sie müssen erleben, wie zerbrechlich das Glück sein kann. Lucie leidet nicht nur unter ihrer Fernbeziehung, sie muss sich auch in der neuen Umgebung behaupten. Werden sie und ihre Familie es schaffen, die Schwierigkeiten zu überwinden und die ersehnte Freiheit in der neuen Heimat finden?“

Hinweise:
– Das Buch ist der dritte Teil der „Sternberg-Saga“. Falls ihr den ersten Teil „Was der Morgen verspricht“ und den zweiten Teil „Was die Hoffnung bringt“ noch nicht kennt und lesen möchtet, solltet ihr diese Rezension nicht lesen – Spoilergefahr!
– Das Buch habe ich freundlicherweise über die Autorin Kristina Herzog als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, ganz herzlichen Dank!

– Ich habe für diese Rezension von der Autorin keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Gegenleistung in Form eines kostenlosen Rezensionsexemplars muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.

Coverrechte: Kristina Herzog Autorin

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Das Buch „Was das Herz erträumt“ von Kristina Herzog ist der dritte Teil der „Sternberg-Saga“ und erzählt, wie sich das Leben der Familie Friedländer nach der Auswanderung nach Zürich im Jahr 1932 entwickelt.

Berlin und Zürich im Jahr 1932: Nach dem die jüdische Familie Friedländer in Berlin immer mehr der Ausgrenzung und dem Hass ausgesetzt waren, wandert die Familie in die Schweiz aus. Dort findet sie in der beschaulichen Stadt Zürich ein neues und sicheres Zuhause. Sie alle hoffen auf einen Neuanfang, doch jedes Familienmitglied hat seine persönlichen Verletzungen und Wunden mit in die neue Heimat genommen.
Tochter Lucie musste ihre große Liebe Paul in Berlin zurücklassen und leidet sehr unter der Fernbeziehung. Sie ist jedoch fest entschlossen, sich nie wieder in die Opferrolle zu begeben und baut nach und nach ein riesiges Lügenkonstrukt auf, welches immer wieder droht, über ihr und der Familie einzustürzen.
Auch die anderen Mitglieder der Familie müssen leidvoll erkennen, dass das Glück eine sehr fragile Sache sein kann. Doch sie alle sind auf der Suche nach Zufriedenheit und Freiheit in der neuen Heimat.

Den ersten Teil „Was der Morgen verspricht – Die Sternberg-Saga“ bekam ich im April 2022 von der Autorin zugesendet und las diesen mit großen Vergnügen. Dieser Auftakt und auch der zweite Teil „Was die Hoffnung bringt – Die Sternberg-Saga“ konnten mich mit den starken und authentischen Charakteren, der spannenden Handlung und den akribisch recherchierten geschichtlichen Hintergründen völlig begeistern und ich war schon sehr gespannt, wie es mit den Figuren weitergehen würde Von daher musste ich nicht lange überlegen, als die Autorin anfragte, ob ich auch den hier vorliegenden dritten Teil der Reihe lesen und rezensieren möchte.
An dieser Stelle ein weiteres ganz herzliches Dankeschön an die Autorin für die Zusendung des dritten Teils und den lieben Kontakt vor, während und nach des Lesens.

Da ich das Buch vorab als eBook gelesen habe, beschreibe ich hier den Aufbau und die Ausstattung des eBooks. Gegebenenfalls weicht das Taschenbuch von der hier aufgeführten Beschreibung ab.
Das Cover des Buches zeigt ein Pärchen, welches in einen innigen Tanz vertieft ist. Die eine Hand des Mannes liegt auf dem Rücken der Frau, während die andere eine Hand der Frau hält. Der Mann hat die Augen geschlossen, die Frau dreht ihren Kopf in seine Richtung. Beide scheinen die in Nähe des jeweils anderen sehr zu genießen und es wirkt, als wären sie kurz vor einem Kuss. Der Betrachter wird Zeuge dieser intensiven und spürbaren Zweisamkeit.
Zusammen mit den perfekt zueinander passenden Covern und den abgestimmten und harmonischen Buchtiteln hat diese gesamte Buchreihe einen sehr gelungenen Wiedererkennungswert.
Der Widmung des Buches folgt das Inhaltsverzeichnis, aus dem ersichtlich wird, dass das etwa 440 Seiten starke Buch in insgesamt 43 Kapiteln gegliedert ist. Dem letzten Kapitel folgen ein Nachwort und der Teil „Über die Autorin“.
Die chronologisch erzählte Handlung beginnt direkt mit dem ersten Kapitel, setzt im Januar 1932 ein und knüpft damit unmittelbar an das Ende des zweiten Bandes „Was die Hoffnung bringt“ an – dadurch war ich sofort wieder in der Geschichte angekommen.
Es ist meiner Meinung nach empfehlenswert, dass man die ersten beiden Bände der Buchreihe bereits gelesen hat, da man die Hintergründe, vor allem aber die Entwicklungen der einzelnen Figuren besser nachvollziehen kann – es ist aber nicht unbedingt erforderlich. Auch ohne Kenntnisse der vorherigen Bände bietet dieser Band ein unterhaltsames und dramatisches Lese-Erlebnis.

Den Mittelpunkt des Romans bilden die vielen Mitglieder der Familie Friedländer und ihre vielfältigen Geschichten, sowie einige ihrer Bekannten und Verwandten.
Lucie Friedländer ist die Tochter von Hannah und Daniel – ihre Geschichte nimmt einen großen Teil der Handlung ein. Nachdem sie im zweiten Teil schon einmal ihre Heimatstadt Tübingen verlassen musste und sich mit Berlin arrangieren musste, muss sie auch in diesem Teil wieder einmal alles Liebgewonnene hinter sich lassen und sich nicht nur in einer neuen Stadt zurechtfinden – sondern auch in einem anderen Land. Die Familie wandert geschlossen nach Zürich aus, um den Ausgrenzungen und immer stärker werdenden Anfeindungen zu entkommen. Für Lucie bedeutet dieses erneut Verlust, gleichzeitig aber auch Hoffnung, noch einmal von vorne anzufangen.

„Während Lucie zu Beginn der Fahrt noch erfüllt gewesen war von der Trauer über alles, was sie zuhause, in Berlin, hatte zurücklassen müssen, wuchsen jetzt mehr und mehr ihre Vorfreude und die Neugier auf das neue Heim, die unbekannte Umgebung und das für ihre Familie hoffentlich sichere und Geborgenheit bietende neue Land, die Schweiz. Gleichzeitig vermisste sie bereits die inzwischen so vertraute Villa der Urgroßeltern, die ehemaligen Mitschülerinnen, die gewohnten Straßen und Parks, aber vor allem Paul.“
[Kapitel 1]

Lucies Art ist sehr direkt und sie hat, ähnlich wie ihre Mutter Hannah, ihren eigenen Kopf. Sie weiß, was sie sich von ihrem Leben erhofft und was sie erreichen möchte – damit schlägt sie auch immer wieder den Menschen in ihrer Umgebung vor den Kopf. Auch wenn sie eine genaue Vorstellung hat, was sie später studieren möchte, wirkt Lucie oft verloren und muss ihren Weg und vor allem ihren Platz im Leben erst noch finden und vor allem erkämpfen. Durch ein immenses Lügenkonstrukt bringt Lucie sich aber auch in Schwierigkeiten, welche sie irgendwann nicht mehr überblicken kann und sie muss einige schwierige Entscheidungen treffen. Ihr Lichtblick und ihre Hoffnung ist und bleibt hierbei die Liebe zu Paul.
Paul wirkt im Gegensatz zu Lucie immer etwas abgeklärt und zu Beginn der Handlung auch etwas kühl. Doch die Beiden verbindet die ganz große Liebe, eine Liebe, welche jedoch von Pauls Eltern nicht gerne gesehen ist. Einerseits muss er sich den Vorstellungen und Meinungen der Eltern beugen, andererseits ist er aber nicht dazu bereit, sich alles vorschreiben zu lassen und die Liebe zu Lucie dadurch zu verlieren. Seine entschlossene und hilfsbereite Art erinnerten mich manchmal sehr an Daniel, Lucies Vater.
Hannah und Daniel, die Eltern von Kurt, Ariel und Kurt, stehen auch sehr zentral in der Handlung. Auch die Beiden mussten vieles in Berlin zurücklassen, tragen aber auch viele Verletzungen mit sich herum – vor allem Hannah. Sie zweifelt immer mehr an sich und ihrem Beruf und als dann auch noch ein großer Schicksalsschlag die Familie trifft, ist für Hannah nichts mehr so, wie es einmal war.

„Grundsätzlich war sie bereit, weiterzugehen und die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Sie brauchte nur etwas Zeit, damit die schwärenden Wunden in ihrem Inneren zuheilten.“
[Kapitel 3]

Zusammen mit ihrem Ehemann Daniel bildet sie das Herzstück der Familie und den Punkt, an dem die Familie immer wieder zusammen kommt. Auch wenn Daniel eine schwere Zeit durchmachen muss und sich für seine neue Arbeitsstelle aufopfert, verbindet Daniel und Hannah eine jahrelange Liebe, welche von gegenseitigen Respekt und großer Zuwendung geprägt ist.

„Obwohl sie schon so lange verheiratet waren, freute Hannah sich noch immer, wenn sie ihn sah. Er war ihr Fels in der Brandung, ihr Freund, Vertrauter und Geliebter.“
[Kapitel 5]

Ariel und Kurt, die beiden Brüder von Lucie, nehmen mit ihren ergreifenden Schicksalen auch einen großen Teil in der Handlung ein. Die beiden Brüder sind so unterschiedlich und sind sich gleichzeitig doch ähnlich. Sie beide sind vom Leben schwer gezeichnet und müssen immer wieder mit schweren Rückschlägen zurecht kommen, beide suchen sie die Flucht vor ihren Problemen. Ich möchte an dieser Stelle nicht detaillierter darauf eingehen, da ich sonst zu viel von der Handlung vorwegnehme – möchte aber auch den Tipp geben: Haltet unbedingt Taschentücher bereit.
Eine weitere Figur, welche mit ihrer dramatischen Geschichte schon in den ersten beiden Bänden sehr berührt hat ist das ehemalige Zimmermädchen Alma. Sie ist zu Hannahs besten Freundin und engsten Vertrauten geworden. Nach wie vor steht sie mit ihrer lebensfrohen und immer zuversichtlichen Art fest im Zentrum der Geschichte und bildet für alle anderen Figuren den ruhenden Pol. Doch auch bei Alma schlägt das Schicksal unerbittlich zu – hier musste ich des Öfteren schwer schlucken und das Buch immer wieder kurz zur Seite legen.
Neben diesen Figuren spielen noch einige andere Figuren mit. Sie alle konnten mich mit ihren fein gezeichneten Charakterzügen und ihren Geschichten völlig überzeugen, einige konnten mich mit ihren Handlungen auch sehr überraschen.
Kristina Herzog hat ihre fiktiven Figuren glaubhaft weiterentwickelt und auch neue Figuren geschaffen, während es gleichzeitig hieß von einigen liebgewonnen Figuren Abschied zu nehmen. Alle zusammen geben ein sehr authentisches Bild der Gesellschaft in den 1930er Jahren ab und zeigen interessante Einblicke in die damalige Denk- und Lebensweisen.

Es ist eine Gesellschaft, welche tief gespalten ist: In Deutschland haben die Nationalsozialisten die Macht an sich gerissen. Es ist eine Zeit der Ausgrenzung und Verfolgung von Andersdenkenden und Andersgläubigen. Immer mehr Menschen sehen sich gezwungen ihre Heimat zu verlassen. Zwischen 1933 und 1937 verließen insgesamt rund 130.000 Juden das nationalsozialistische Deutschland – schätzungsweise 7.000 Menschen von ihnen fanden Zuflucht in der Schweiz. Leider habe ich keine Zahlen gefunden, welche die Situation vor 1933 abbilden, also die Zeit, in der das Buch „Was das Herz erträumt“ spielt.

„Natürlich wusste sie, dass es keine Möglichkeit gegeben hatte, als ihre Heimat zu verlassen, um die Familie zu schützen, aber trotzdem hatte sie das Gefühl, hier irgendwie falsch zu sein. Und das, obwohl alle, die sie liebte und die ihr wichtig waren, ebenfalls mit nach Zürich gekommen waren. Doch das Leben in der neuen Heimat würde sich drastisch von dem unterscheiden, woran sie gewöhnt waren. Schafften es alle, sich einzugewöhnen und ihren Platz hier zu finden? Und was, wenn es nicht so war? Wenn ihnen die Schweiz trotz aller Schönheit fremd bliebe? Wo sollten sie dann hingehen? Zurück in ihr Zuhause konnten sie nicht mehr. Weder nach Tübingen noch nach Berlin.
[Kapitel 2]

Es ist mir sehr positiv aufgefallen, dass dieses Buch die Auswanderung/ Flucht und den Neuanfang einer Familie zeigt. Dieses Thema wird in vielen anderen Romanen angeschnitten und spielt oft nur am Rande eine Rolle. Hier wird das Thema Auswanderung/ Flucht sehr zentral behandelt und es wird deutlich, dass die Menschen all ihre Probleme, aber auch Verwundungen mitgenommen haben – es war ein Neuanfang – aber eben auch kein Start in ein völlig neues unbeschwertes Leben.
Diese geschichtlichen Hintergründe und Themen stellt Kristina Herzog sehr authentisch und nachvollziehbar da. Anhand den Schicksalen ihrer fiktiven Figuren wird Geschichte spür- und fühlbar.
Zusammen mit ihrem detaillierten und bildhaften Sprachstil nimmt uns Kristina Herzog mit in eine Geschichte, welche mit all ihren unterschiedlichen und mitreißenden Dramen, noch lange im Kopf und im Herzen bleiben wird. Es ist, wie auch die beiden vorherigen Bände, eine sehr ruhige Geschichte, in der es aber auch immer wieder spannende und aufwühlende Passagen gibt, die mich sehr mitreißen und ergreifen konnten – so sehr, dass ich beim Lesen des Öfteren eine Gänsehaut hatte und immer wieder mit den Tränen kämpfen musste.

Am Ende dieser Rezension möchte ich mich bei Kristina Herzog ganz herzlich für dieses unvergessliche Lese-Erlebnis bedanken. Und: Im Prinzip wäre noch Platz und Spielraum für weitere Teile dieser bewegenden Familiensaga.

Fazit: Kristina Herzog ist es vortrefflich gelungen, ihre fiktiven Figuren in den geschichtlichen Hintergrund einzubetten und miteinander zu verbinden. Auch die Tragik, Spannungen, Zerwürfnisse, Schicksalsschläge und Differenzen zwischen den Figuren waren spürbar und zogen mich schnell in die emotionale Geschichte hinein. Unbedingte Leseempfehlung!

* Ich habe für diese Rezension von der Autorin und vom Verlag keinerlei finanzielle Gegenleistung bekommen, sie spiegelt mein persönliches Leseempfinden wieder. Aufgrund der Bereitstellung eines kostenlosen Rezensionsexemplars durch die Autorin, der Titelbezeichnung/ Namensnennung und der Link zur Verlagshomepage muss diese Rezension als Werbung gekennzeichnet sein.